Warum werden die Verluste der Hisbollah von den Medien ignoriert?

Verfasst 15. Juni 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel, Medieneinseitigkeit, Medienwelt

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Sharon Levy, HonestReporting, 4. Juni 2026

Während des gesamten Krieges zwischen Israel und der Hamas stützten sich die Medien konsequent auf das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium (GH) in Gaza, um Opferzahlen zu liefern und übernahmen dessen Angaben häufig ungeprüft, ohne ihre Zuverlässigkeit zu hinterfragen. Das war besonders deshalb problematisch, weil das GH sich bewusst weigerte zwischen Kombattanten und Zivilisten zu unterscheiden.

Der Grund war klar: Indem die Hamas Zivilisten und Terroristen in einer einzigen Opferzahl zusammenführte, konnte sie internationales Mitgefühl maximieren und gleichzeitig das Narrativ vorantreiben, Israel würde absichtlich unschuldige Zivilisten beschießen.

Ein ähnliches Muster zeichnet sich nun im Libanon ab.

Seit dem 2. März 2026, nachdem die Hisbollah Raketen auf Israel abgefeuert und sich dem Angriff des iranischen Regimes auf den jüdischen Staat angeschlossen hatte, führt die IDF umfangreiche Operationen durch, um die terroristische Bedrohung entlang der nördlichen Grenze Israels und darüber hinaus zu entfernen.

Doch wenn Opferzahlen in großen internationalen Medien erscheinen, werden sie typischerweise als eine einzige undifferenzierte Gesamtzahl berichtet. Wie im Gazastreifen wird selten zwischen Hisbollah-Kämpfern und Zivilisten unterschieden.

Die IDF gab kürzlich bekannt, dass sie seit Wiederaufnahme des Krieges im März 2.500 Hisbollah- Kämpfer beschossen hat. Diese kommen zu den 7.000 bis 8.000 Hisbollah-Terroristen hinzu, die seit dem 8. Oktober 2023 getötet worden sein sollen. Nach Angaben der IDF entsprechen diese Verluste etwa einem Drittel der Vorkriegs-Kampfkraft der Hisbollah.

Unterdessen meldete das libanesische Gesundheitsministerium zum 1. Juni 2026 etwa 3.300 Gesamtopfer.

Diagramm auf Grundlage von IDF-Opferzahlen

Auf Grundlage dieser Zahlen waren etwa 76% aller gemeldeten Todesopfer Hisbollah-Terroristen, was ein Verhältnis von Zivilisten zu Kombattanten von ungefähr 1:3 ergibt.

Das ist nach den Maßstäben moderner Kriegsführung ein bemerkenswert niedriger Wert. Noch bemerkenswerter ist er angesichts der gut dokumentierten Praxis der Hisbollah, dass sie Kämpfer, Waffen und militärische Infrastruktur in zivilen Gebieten verbirgt.

Selbst Hisbollah-Funktionäre haben eingeräumt, dass „mehrere tausend“ der Kämpfer der Organisation getötet worden sind.

Doch dieser entscheidende Kontext fehlt in den Opferzahlen, die von großen internationalen Medienhäusern routinemäßig an Nachrichtenberichte angehängt werden, fast vollständig.

Diagramm auf der Grundlage von HonestReporting.ai Labs.

Nach einer Analyse von HonestReporting.ai Labs beschrieben von 2.397 Artikeln, die zwischen dem 1. März und dem 31. Mai 2026 veröffentlicht wurden, etwa 35% die Todesopfer einfach als „Menschen“, während weitere 7% sie als „Zivilisten“ bezeichneten. Hisbollah-Verluste wurden in weniger als 2% aller untersuchten Artikel ausdrücklich genannt.

Weitere 5% der Artikel hoben Frauen und Kinder hervor, während Männer nie gesondert identifiziert wurden.

Diese Darstellung ist bedeutsam.

Wenn Kombattanten und Zivilisten zu einer einzigen Opferzahl verschmolzen werden, verändert sich das Wesen des Konflikts in den Augen der Leser grundlegend. Der entstehende Eindruck ist der eines wahllosen Beschusses und unverhältnismäßiger Gewalt.

Doch die verfügbaren Belege weisen in eine andere Richtung.

Die Opferstatistiken selbst legen nahe, dass die Operationen der IDF überwiegend gegen terroristische Infrastruktur und Kämpfer gerichtet sind, nicht gegen Zivilisten. Das erklärte Ziel des Militärs bleibt die Zerschlagung der militärischen Fähigkeiten der Hisbollah bei gleichzeitiger Minimierung von Kollateralschäden und die Opferanteile scheinen mit diesem Ziel übereinzustimmen.

Die eigene Berichterstattung der Medien hat diese Realität oft unbeabsichtigt bestätigt. Journalisten haben wiederholt Beerdigungen von Leichen gezeigt, die in Hisbollah-Flaggen und -Insignien gehüllt waren; haben dokumentiert, dass Hisbollah-Anhänger in Städte im Süden des Libanon zurückkehren und haben über die Nutzung ziviler Infrastruktur durch die Organisation berichtet.

Die Hisbollah selbst hat unzählige öffentliche Beerdigungen für ihre Kämpfer veranstaltet, viele davon mit erheblicher Medienaufmerksamkeit.

Warum fehlt dann dieser Kontext in der Berichterstattung über Opferzahlen so oft, obwohl die Beweise offensichtlich sind?

Dieses Phänomen beschränkt sich auch nicht auf die aktuelle Phase des Krieges.

Nach dem Pager-Angriff im September 2024 beispielsweise bezeichnete die Associated Press bestätigte Hisbollah-Opfer als „Zivilisten“.

Das bloße Wiederholen von Opferzahlen, ohne anzugeben wer diese Opfer sind, enthält den Lesern die Informationen vor, die sie benötigen, um den Konflikt zu verstehen. Die Unterscheidung zwischen Kombattant und Zivilist ist kein nebensächliches Detail; sie steht im Zentrum der Bewertung von Verhältnismäßigkeit, militärischem Verhalten und dem Wesen des Krieges selbst.

Jeder zivile Tod ist eine Tragödie.

Doch wenn die Medien Gesamtopferzahlen ohne Kontext präsentieren und gleichzeitig überwältigende Hinweise auslassen, dass die große Mehrheit der Getöteten Hisbollah-Kämpfer waren, dann riskieren sie, eine irreführende Erzählung zu verstärken. Ob beabsichtigt oder nicht, spiegelt eine solche Berichterstattung das Interesse der Hisbollah wider, die Unterscheidung zwischen terroristischen Kämpfern und Zivilisten zu verwischen — und hinterlässt beim Publikum letztlich ein verzerrtes Bild sowohl des Krieges als auch der Ziele Israels.

Wie die Hisbollah Israel und den Iran an den Rand eines Krieges brachte

Verfasst 11. Juni 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Iran, Israel

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Chaim Lax, HonestReporting, 8. Juni 2026

In den vergangenen 24 Stunden [Sonntag auf Montag] hat die Islamische Republik Iran erstmals seit dem Inkrafttreten einer fragilen Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran am 8. April 2026 mehrere Wellen von Raketen auf Israel abgefeuert.

In Reaktion darauf hat Israel Angriffe auf strategische Ziele innerhalb des Iran durchgeführt.

Zum Zeitpunkt des Schreibens ist unklar, ob sich die jüngste Gewalt zu einem umfassenderen regionalen Krieg entwickeln wird oder ob die Spannungen erneut abklingen.

Um zu verstehen, wie Israel und der Iran an diesen Punkt gelangt sind, ist es jedoch notwendig, über Teheran und Jerusalem hinauszublicken.

Der unmittelbare Auslöser für die aktuelle Eskalation findet sich im Süden des Libanon, wo die Hisbollah monatelang Waffenstillstandsvereinbarungen verletzte, ihre militärische Infrastruktur wieder aufbaute und schließlich ihren Krieg gegen Israel erneut entfachte.

Während die Medienberichterstattung die aktuelle Krise oft als direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Iran darstellt, spielte das Handeln der Hisbollah eine entscheidende Rolle bei der Schaffung der Voraussetzungen für die jüngste Runde der Kämpfe.

@AP hat eine Zeitleiste veröffentlicht, die die Feindseligkeiten zwischen dem Iran, Israel und dem Libanon nachzeichnet. Während der chronologische Ablauf der Ereignisse korrekt ist, beseitigt die Präsentation entscheidenden Kontext, was ein verzerrtes Narrativ des Konflikts zur Folge hat. pic.twitter.com/cvP2biC2Sm
– HonestReporting (@HonestReporting) 6. Juni 2026

Israels Kampf gegen den Hisbollah-Terrorismus (Oktober 2023 bis November 2024)

Nach dem terroristischen Einmarsch der Hamas in Südisrael am 7. Oktober 2023 eröffnete die Hisbollah am folgenden Tag eine zweite Front gegen Israel und startete Angriffe aus dem Süden des Libanon zur Unterstützung ihres palästinensischen Verbündeten und Partner-Mitglieds in der sogenannten „Achse des Widerstands“ des Iran.

Im Verlauf der folgenden elf Monaten hielt die Hisbollah einen stetigen Beschuss mit Raketen, Flugkörpern, Drohnen und Panzerabwehrfeuer auf Gemeinden im Norden Israels aufrecht. Die Angriffe und die militärische Reaktion Israels vertrieben Zehntausende Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze.

Bis September 2024 hatte Israel die Hamas im Gazastreifen erheblich geschwächt und seine Aufmerksamkeit auf die zunehmende Bedrohung durch die Hisbollah verlagert.

In dem Monat führte Israel eine höchst ausgeklügelte Geheimdienstoperation durch, bei der im gesamten Libanon Sprengsätze, die in Kommunikationsgeräten der Hisbollah versteckt waren, detonierten und Tausende von Kämpfern töteten oder verwundeten. Auf die Operation folgte ein anhaltender Feldzug gezielter Schläge gegen die Führung und militärische Infrastruktur der Hisbollah, einschließlich der Tötung ihres Anführers Hassan Nasrallah.

Am 30. September startete Israel eine Bodenoperation mit dem Ziel, die Hisbollah-Kräfte von der Grenze wegzudrängen und die terroristische Infrastruktur zu demontieren, die die Gemeinden im Norden Israels bedrohte.

Der Konflikt dauerte bis zum 26. November 2024 an, als Israel und die Hisbollah einer von den USA vermittelten Waffenruhe zustimmten.

Nach den Bedingungen der Vereinbarung musste sich die Hisbollah gemäß der Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats [vom August 2006!] entwaffnen, sich aus dem Süden des Libanon zurückziehen und es den libanesischen Streitkräften ermöglichen, die Verantwortung für die Durchsetzung der Sicherheit in dem Gebiet zu übernehmen. Israel und der Libanon behielten außerdem das Recht in Selbstverteidigung zu handeln.

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah (November 2024 bis Februar 2026)

Die Waffenruhe brachte ein gewisses Maß an Stabilität in die Region.

Israel zog sich aus dem Großteil des Südlibanon zurück und behielt nur fünf strategische Positionen, die die Grenze überblickten.

Die Hisbollah erfüllte ihre Verpflichtungen aus der Vereinbarung jedoch nicht.

Anstatt sich zu entwaffnen und aus dem Gebiet zurückzuziehen, baute die vom Iran unterstützte Terrororganisation weiterhin ihre militärischen Fähigkeiten wieder auf und hielt eine bewaffnete Präsenz im Süden des Libanon aufrecht.

Eine Analyse der Zeit der Waffenruhe von November 2024 und Dezember 2025 ergab, dass die Hisbollah fast 2.000 Verstöße gegen die Vereinbarung beging.

Israel reagierte auf viele dieser Verstöße mit militärischen Maßnahmen, die sich gegen Waffenlager, Abschussstellen, an der Wiedererrichtung der Hisbollah-Infrastruktur beteiligte Kämpfer und Terroristen richteten, die Angriffe auf Israel vorbereiteten.

Trotz dieser wiederholten Verstöße gelang es der Waffenruhe weitgehend, eine Rückkehr zu einem umfassenden Krieg zu verhindern und sie ermöglichte es vertriebenen Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze mit der Rückkehr in ihre Heimat zu beginnen.

Selbst während des zwölftägigen Krieges zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 schloss sich die Hisbollah den Kämpfen nicht direkt an.

Die relative Ruhe hielt jedoch nicht an.

Die Hisbollah nimmt ihren Krieg gegen Israel wieder auf (März 2026 bis heute)

Am 28. Februar 2026 führten die Vereinigten Staaten und Israel Angriffe auf den Iran durch, die Elemente seines ballistischen Raketenprogramms und seines Atomprogramms ins Visier nahmen und zugleich die Möglichkeit eines Regimewechsels förderten.

Im Rahmen der Operation wurde Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet.

Zwei Tage später nahm die Hisbollah die Angriffe auf Israel wieder auf und feuerte Raketen auf Gemeinden im Norden Israels ab, als Reaktion auf den Tod ihres wichtigsten Förderers.

Israel reagierte, indem es erneut in Teile des Südlibanon eindrang um die Hisbollah von der Grenze wegzudrängen und die Bedrohung für israelische Zivilisten zu verringern. Die erneuten Kämpfe vertrieben erneut große Zahlen libanesischer Zivilisten und drohten die brüchige Stabilität zu zerstören, die sich seit Ende 2024 herausgebildet hatte.

Kurz gesagt: Die Hisbollah entschied sich, die Waffenruhe zu brechen und einen Konflikt wieder zu eröffnen, der mehr als ein Jahr lang weitgehend eingedämmt gewesen war.

Eine Woche nach dem Ende der Feindseligkeiten zwischen Israel, den Vereinigten Staaten und dem Iran begann eine weitere von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah.

Israel und der Libanon begannen anschließend direkte Gespräche mit dem Ziel, die vorübergehende Waffenruhe in eine dauerhaftere Regelung zu überführen.

Doch die Hisbollah setzte ihre Angriffe auf im Süden des Libanon operierende israelische Streitkräfte und auf Gemeinden im Norden Israels fort.

Nach Angaben des Alma Research Center führte die Hisbollah zwischen dem 17. April und dem 8. Juni 975 Angriffswellen gegen israelische Kräfte und Zivilisten aus.

Am 3. Juni erzielten Israel und der Libanon eine neue Waffenstillstandsvereinbarung, die die Hisbollah verpflichtete alle Angriffe auf Israel einzustellen und sich südlich des Litani-Flusses zu entwaffnen. Die Vereinbarung sah außerdem die Schaffung von Pilotzonen vor, in denen die libanesische Armee die alleinige Sicherheitskontrolle ausüben und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen entfernen würde.

Die Hisbollah lehnte die Regelung am folgenden Tag ab, bezeichnete sie als Kapitulation vor Israel und setzte ihre Angriffe fort.

Unterdessen vermied Israel angesichts amerikanischer Sorgen über eine breitere regionale Eskalation und laufender diplomatischer Bemühungen mit dem Iran weitgehend Angriffe auf die Hisbollah-Infrastruktur in Beirut und konzentrierte sich stattdessen auf Bedrohungen im Süden des Libanon.

Das änderte sich am 7. Juni.

Nach anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffen auf Gemeinden im Norden Israels griff Israel eine Hisbollah-Einrichtung im Beiruter Stadtteil Dahieh an, einer wichtigen Hochburg der Terrororganisation.

Der Angriff war besonders deshalb von Bedeutung, weil der Iran zuvor gewarnt hatte, Angriffe auf Beirut würden eine direkte Reaktion gegen Israel auslösen.

Nur Stunden später feuerte der Iran mehrere Wellen von Raketen auf den jüdischen Staat ab.

Lasst uns das klarstellen, @MSNOWNews.
Hierbei handelt es sich nicht um einen Fall, in dem Israel und der Iran „Raketen aufeinander abfeuern“.
Diese Darstellung suggeriert fälschlicherweise einen Schlagabtausch zwischen zwei moralisch gleichwertigen Parteien.
Was ist tatsächlich geschehen?
Die Hisbollah hat gegen den Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon verstoßen, indem sie … pic.twitter.com/kTCQeuMs6O
– HonestReporting (@HonestReporting), 8. Juni 2026

Die jüngste Eskalation verdeutlicht, wie eng die militärischen Entscheidungen der Hisbollah weiterhin mit den regionalen Ambitionen des Iran verknüpft bleiben.

Trotz wiederholter vereinbarter Waffenruhen, laufender Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon und Möglichkeiten zur Entspannung entschied sich die Hisbollah immer wieder für Konfrontation statt Deeskalation.

So sagte der libanesische Präsident Joseph Aoun kürzlich gegenüber CNN, dass der Iran den Libanon als „Verhandlungsmasse“ in seinen Gesprächen mit den Vereinigten Staaten benutzt und kein Recht hat, sich in die libanesischen Angelegenheiten einzumischen.

Diese Aussagen unterstreichen eine wachsende Frustration innerhalb des Libanon selbst: dass Entscheidungen, die in Teheran und von der Hisbollah getroffen werden, dem libanesischen Volk weiterhin enorme Kosten auferlegen.

Ob sich der aktuelle Schlagabtausch zu einem größeren regionalen Krieg ausweitet, bleibt ungewiss.

Klar ist, dass die jüngste Konfrontation nicht plötzlich entstanden ist. Ihr gingen monatelange Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe, erneute Angriffe auf Israel und die bewusste Entscheidung voraus, den Libanon erneut in den Mittelpunkt der iranischen Konfrontation mit dem jüdischen Staat zu stellen.

Judenhass begreifen: Ein historischer Überblick

Verfasst 4. Juni 2026 von spotplenni
Kategorien: Geschichte

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Ben M. Freemen, HonestReporting, 8. Mai 2026

Für viele Menschen ist der Holocaust der wichtigste Bezugspunkt, um Judenhass zu verstehen. Doch der Holocaust war nicht sein Anfang und nicht sein Abschluss. Er war ein Kapitel in einer viel längeren Geschichte, die sich über Tausende von Jahren erstreckt und bis heute fortgeschrieben wird.

Judenhass wird oft als der älteste Hass der Welt beschrieben. Über Jahrhunderte hinweg wurden Juden beschuldigt, Kinder in mittelalterlichen Ritualmordlegenden zu ermorden, während der Schwarzen Pest Brunnen zu vergiften, Nationen durch Anschuldigungen geteilter Loyalität zu verraten und Regierungen, Wirtschaft und Medien heimlich zu kontrollieren – durch Verschwörungsfantasien wie die „Protokolle der Weisen von Zion“. Diese Anschuldigungen nahmen religiöse, rassische, wirtschaftliche und nationale Formen an, kehrten jedoch immer wieder zu denselben Grundthemen zurück: dass Juden einzigartig gefährlich, einzigartig bösartig und einzigartig verantwortlich für die Probleme der Gesellschaften um sie herum seien.

Die Geschichte des Judenhasses zu verstehen ist entscheidend, weil zeitgenössische Erscheinungsformen nicht isoliert entstehen. Moderne antijüdische Ideen sind tief mit älteren Mythen, Ängsten und kulturellen Erinnerungen verbunden, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Vlad Khaykin vom Simon Wiesenthal Center sagt oft: „Antisemitismus kleidet sich immer dem Anlass entsprechend.“

Wie ein Boggart verändert er seine Form je nach den Ängsten und Annahmen des Betrachters. Einerseits werden Juden beschuldigt zu abgesondert und zu stammesbezogen zu sein. Andererseits werden sie dafür verurteilt zu integriert, einflussreich oder kosmopolitisch zu sein. Juden wurden als kapitalistische Ausbeuter und als kommunistische Revolutionäre dargestellt, als wurzellose Außenseiter und als gefährliche Nationalisten.

Die Anschuldigungen widersprechen sich oft, aber Widerspruch hat den Judenhass nie geschwächt, weil seine Funktion nicht analytisch ist. Sie ist psychologisch und zivilisatorisch. „Der Jude“, den sich der Judenhasser vorstellt, existiert nicht in der Realität. Er existiert als kulturelle und psychologische Konstruktion, auf die Gesellschaften ihre Ängste, ihr Scheitern und ihre Unsicherheiten projizieren.

Judenhass überlebt, indem er sich an das anheftet, was eine Gesellschaft am meisten fürchtet. In verschiedenen Epochen wurden Juden als Christusmörder, als rassische Verunreiniger, als kapitalistische Ausbeuter, als kommunistische Revolutionäre und – in Teilen der gegenwärtigen Linken – als Verkörperungen von Weiß sein, Kolonialismus und unterdrückender Macht dargestellt.

Ohne historisches Wissen lassen sich alte Anschuldigungen leicht als neue moralische Einsichten verpacken. Die alte Anschuldigung, dass Juden Brunnen vergifteten, wird zur Behauptung, der jüdische Staat halte absichtlich Wasser zurück. Mittelalterliche Fantasien jüdischer Manipulation werden zu Verschwörungen über zionistische Kontrolle. Anderes Jahrhundert, andere Sprache, gleiche zugrunde liegende Logik.

Die Schwierigkeit wird dadurch verstärkt, dass viele Menschen Judenhass so betrachten, als existiere er nur bei offensichtlichen Extremisten. Doch Vorurteile überleben nicht zweitausend Jahre allein durch Randfiguren. Es überlebt, weil Gesellschaften antijüdische Annahmen so tief aufnehmen und reproduzieren, dass sie nicht mehr als Vorurteil erscheinen. So stellte George Orwell fest:

„Was nahezu alles über Antisemitismus geschriebene entwertet, ist die Annahme im Kopf des Schreibenden, dass er selbst dagegen immun ist. ‚Da ich weiß, dass Antisemitismus irrational ist‘, argumentiert er, ‚folgt daraus, dass ich ihn nicht teile.‘ Damit versäumt er es, seine Untersuchung an dem einzigen Ort zu beginnen, an dem er verlässliche Belege finden könnte – nämlich in seinem eigenen Kopf.“

Diese Herausforderung ist unangenehm, weil sie Selbstprüfung statt Selbstdarstellung verlangt. Sie fordert, dass Menschen nicht nur offene Feindseligkeit gegenüber Juden hinterfragen, sondern auch die Annahmen, die sie über jüdische Macht, Identität und Legitimität übernommen haben. Judenhass äußert sich nicht immer durch offene Feindseligkeit. Manchmal erscheint er durch doppelte Standards, durch die Leugnung jüdischen Volksseins oder durch die Forderung, dass Juden Formen kollektiver Existenz rechtfertigen sollen, die für jedes andere Volk als normal gelten.

Historische Grundlagen

Obwohl viele der einflussreichsten antijüdischen Ideen im christlichen Europa entstanden, argumentieren manche, dass eine spezifische Feindseligkeit gegenüber Juden älter ist als das Christentum selbst. Im Buch Exodus stellt der Pharao die Israeliten als gefährliche innere Bevölkerung dar, deren Loyalität anderswo liegt und etabliert damit eine der frühesten überlieferten Anschuldigungen jüdischer geteilter Loyalität und kollektiver Subversion. Doch die entscheidende Transformation kam mit der Christianisierung des Römischen Reiches. Als das Christentum politisch dominierte, wurde die Anschuldigung, Juden hätten Jesus kollektiv getötet, in die westliche Zivilisation selbst eingebettet.

David Nirenberg argumentiert, definierte sich die christliche Zivilisation in Opposition zu „Judentum“, das nicht nur mit Juden als Menschen verbunden wurde, sondern umfassender mit Irrtum, Materialismus, Starrsinn und spiritueller Verderbtheit. Juden waren nicht länger nur ein eigenständiges Minderheitenvolk. Sie wurden mit Gottesmord, spiritueller Verderbnis und zivilisatorischer Gefahr in Verbindung gebracht. Aus diesem Fundament entstanden viele der zentralen antijüdischen Mythen, die die folgenden zweitausend Jahre prägen sollten.

Ritualmordlüge

Die Ritualmordlüge ist eine der ältesten und dauerhaftesten Formen des Judenhasses. Sie entstand im mittelalterlichen christlichen Europa und beschuldigte Juden christliche Kinder zu entführen und zu ermorden, oft für angebliche rituelle Zwecke im Zusammenhang mit Pessach. Das früheste Beispiel entstand 1144 in Norwich, als Juden fälschlich beschuldigt wurden, einen christlichen Jungen namens William ermordet zu haben. Doch unter der Anschuldigung lag eine noch ältere theologische Behauptung: dass die Juden Jesus kollektiv ermordeten. Der Jude wurde daher nicht nur als falsch oder fremd konstruiert, sondern als metaphysisch böse, einzigartig fähig zu Grausamkeit gegen die Unschuld selbst. Diese Darstellung positionierte Juden außerhalb der moralischen Grenzen der Menschheit und rechtfertigte jahrhundertelange Verfolgungen, Vertreibungen, Massaker und Pogrome.

Die Macht der Ritualmordlüge liegt in der emotionalen Intensität der Anschuldigung. Es gibt nur wenige Vorwürfe, die aufwühlender sind als der absichtliche Mord an Kindern. Sobald Juden in der christlichen Vorstellung als fähig dargestellt wurden Christus zu töten, wurden Anschuldigungen Kindern zu schaden innerhalb des bestehenden moralischen Rahmens glaubhaft.

Obwohl die mittelalterliche Ritualmordlüge weit von der Gegenwart entfernt zu sein scheinen mag, bleibt ihre Struktur auffallend vertraut. Moderne Anschuldigungen gegen Israel beruhen häufig auf derselben zugrundeliegenden Annahme: dass Juden – kollektiv verkörpert durch den jüdischen Staat – gezielt Kinder ins Visier nehmen oder Zivilisten vorsätzlich und der Sache willen Leid zufügen. Behauptungen, Israel würde absichtlich palästinensische Kinder ermorden, Völkermord begehen, Organraubvorwürfe fördern oder Hunger als Waffe einsetzen, agieren oft innerhalb der emotionalen Architektur der Ritualmordlüge, selbst wenn sie in säkularer humanitärer Sprache formuliert werden.

Wirtschaftliche Verleumdung

Die wirtschaftliche Verleumdung stellt Juden als einzigartig gierig und manipulativ dar und porträtiert sie als Menschen, die so sehr von Reichtum getrieben sind, dass sie bereit sind, andere auszubeuten, zu korrumpieren oder zu schädigen, um ihn zu erlangen. Ihre Wurzeln sind sowohl theologisch als auch historisch. In der christlichen Tradition wurde Judas Ischariot, der Jünger, der Jesus für dreißig Silberstücke verriet, mit Jüdisch sein selbst in Verbindung gebtracht. Mit der Zeit entwickelte sich das Bild des gierigen und finanziell korrupten Juden zu einem der prägenden Stereotype der europäischen Zivilisation.

In weiten Teilen des mittelalterlichen Europas waren Juden vom Landbesitz, von Zünften und von vielen Berufen ausgeschlossen. Christliche Verbote des Verleihens von Geld gegen Zinsen drängten einige Juden in finanzielle Rollen, die wirtschaftlich notwendig, aber moralisch stigmatisiert waren. Juden wurden dann dafür dämonisiert, Positionen einzunehmen, in die sie oft hineingedrängt worden waren.

Diese Vorstellungen erreichten eine ihrer einflussreichsten Ausprägungen in den Protokollen der Weisen von Zion, dem gefälschten russischen Text, der vorgibt, eine jüdische Verschwörung zur Weltherrschaft aufzudecken. Obwohl vollständig widerlegt, verbreitete sich der Text international und prägte sowohl die NS-Propaganda als auch breitere antisemitische Denkmuster.

Die wirtschaftliche Verleumdung bleibt heute hoch relevant. Zeitgenössische Diskurse stellen Juden, „Zionisten“ oder Israel häufig als einzigartig wohlhabend und finanziell manipulativ dar. Verschwörungen rund um Personen wie George Soros, Rhetorik über „Globalisten“ und Behauptungen, dass „Zionisten Washington kontrollieren “, greifen ältere Fantasien über verborgenen jüdischen Einfluss wieder auf. Jüdischer Erfolg wird oft nicht als Ergebnis gewöhnlicher menschlicher Unterschiede, historischer Umstände oder kultureller Betonung von Bildung dargestellt, sondern als Beleg für Korruption oder kollektive Machenschaften.

Rassische Verleumdung

Während viele Menschen sich vorstellen, dass Antisemitismus erst im neunzehnten Jahrhundert rassisch wurde, tauchten Elemente der Rassifizierung viel früher auf. Im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Spanien behandelte zum Beispiel die Doktrin der limpieza de sangre („Reinheit des Blutes“) jüdische Abstammung als dauerhaften Makel, der durch die Konversion zum Christentum nicht getilgt werden konnte. Gelehrte wie Geraldine Heng haben gezeigt, dass mittelalterliche Gesellschaften Juden bereits als Träger vererbbarer und wesentlicher Eigenschaften behandelten. Juden wurden zunehmend nicht einfach als anders gesehen, sondern als biologisch und dauerhaft anders, ein eigenständiges Kollektiv, dessen vermeintliche moralische, körperliche und verhaltensbezogene Mängel durch Blutlinien weitergegeben und im jüdischen Körper selbst verkörpert wurden.

Die Moderne erfand die Rassifizierung der Juden nicht. Sie rahmte ältere Vorstellungen neu und institutionalisierte sie durch die Autorität der „Wissenschaft“ von den Rassen. Pseudowissenschaft des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts versuchte Juden biologisch zu klassifizieren – durch Schädelmessungen, Physiognomie und Degenerationstheorien. Die NS-Propaganda stellte Juden durch groteske Karikaturen dar, die Nase, Lippen, Haare, Haltung und körperliche Deformationen betonten.

Aber diese Vorstellungen waren niemals auf den Nationalsozialismus beschränkt. Jüdische Körper wurden in der westlichen Kultur lange als Projektionsflächen und Orte der Angst behandelt, geprägt von Annahmen über Abnormität, Übermaß, Degeneration oder Fremdheit. Das soziale Stigma, das angeblich „jüdischen“ Merkmalen, besonders der Nase, zugeschrieben wurde, verankerte sich so tief, dass viele Juden sich unter Druck fühlen ihr Aussehen zu verändern, um sich zu assimilieren oder Diskriminierung zu vermeiden. In The Jew’s Body untersucht Sander Gilman, wie jüdische Leichen zu dauerhaften Körper kultureller Obsession und rassischer Projektion wurden.

Die Nationalsozialisten erhoben diese Vorstellungen zu einer völkermörderischen Weltanschauung und einem politischen System. Juden wurden als biologische Bedrohung dargestellt, deren bloße Existenz angeblich die Reinheit und das Überleben der arischen Rasse gefährdete. Juden werden auch in zeitgenössischen Diskursen weiterhin rassifiziert, selbst wenn die Sprache heute oft politisch, kulturell oder genetisch ist und nicht offen pseudowissenschaftlich. Chasaren-Verschwörungstheorien versuchen zum Beispiel, jüdische Indigenität und Kontinuität zu leugnen, indem sie behaupten, aschkenasische Juden seien keine „echten“ Juden, sondern Nachfahren einer turksprachigen Bevölkerung. Obsessionen von jüdischer Genetik, DNA, Authentizität und Behauptungen, Israelis seien lediglich „europäische Kolonisatoren“, funktionieren häufig als moderne Formen der Rassifizierung.

Verschwörungsfantasie

Die Verschwörungsfantasie stellt eine der umfassendsten Formen des Judenhasses dar: den Glauben, dass Juden heimlich die Welt kontrollieren. Hier werden Juden nicht nur als anders oder gefährlich vorgestellt, sondern als allmächtige Manipulatoren, die globale Ereignisse aus dem Hintergrund steuern. Die Macht dieser Fantasie liegt in ihrer Flexibilität. Praktisch jede politische, wirtschaftliche oder soziale Krise kann in ihr Schema aufgenommen und einer verborgenen jüdischen Hand zugeschrieben werden.

Historisch nahmen Juden in vielen Gesellschaften eine paradoxe Haltung ein. Sie waren eine verletzliche Minderheit ohne staatliche Macht, wurden aber gleichzeitig als einzigartig einflussreich und bedrohlich imaginiert.

Diese Logik fand ihren klarsten Ausdruck in den Protokollen der Weisen von Zion, die Juden als Drahtzieher von Revolutionen, als Wirtschaften manipulierend, die Medien kontrollierend und die Zivilisation selbst untergrabend darstellten. Obwohl er nachgewiesen eine Fälschung war, wurde der Text zu einem der einflussreichsten antisemitischen Dokumente der Geschichte, weil er eine umfassende Erklärung für sozialen Wandel und Instabilität bot, in der Juden für nahezu jede politische, wirtschaftliche oder kulturelle Krise verantwortlich gemacht werden konnten. Seine Themen verbreiteten sich weit über das zaristische Russland hinaus und beeinflussten den europäischen Faschismus, die sowjetische antizionistische Propaganda und antisemitische Diskurse in Teilen der arabischen Welt.

Moderne Verschwörungsfantasien greifen diese Themen weiterhin auf. Juden werden beschuldigt Regierungen, Hollywood, Finanzwesen, Journalismus, Wissenschaft und internationale Institutionen zu kontrollieren. Israel wird oft nicht als kleiner Staat dargestellt, der seine eigenen Interessen verfolgt, sondern als verborgene Kraft, die die westliche Außenpolitik lenkt. Behauptungen, Israel oder „die Juden“ hätten die Vereinigten Staaten in Kriege im Nahen Osten hineingezogen oder Verschwörungen, „Zionisten“ würden heimlich Migration, Mediennarrative oder globale Instabilität orchestrierten, spiegeln dieselbe verschwörungsideologische Logik wider.

Verschwörungsfantasien sind besonders gefährlich, weil sie Juden in die Erklärung für gesellschaftliche Komplexität selbst verwandeln. Wirtschaftskrisen, Kriege, politische Instabilität, kultureller Wandel und soziale Zerrissenheit können alle einer verborgenen jüdischen Hand zugeschrieben werden. Der Jude wird zum ultimativen symbolischen Sündenbock, nicht für ein einzelnes Problem verantwortlich gemacht, sondern für die Struktur der Moderne selbst.

Schlussfolgerung

Diese Verleumdungen überschneiden sich, verstärken einander und bestehen über die Zeit hinweg fort. Verschiedene Epochen betonen unterschiedliche Themen, aber die zugrunde liegende Struktur bleibt bemerkenswert konstant: Juden werden als einzigartig gefährlich für die Gesellschaften um sie herum positioniert. Ob durch Religion, Rasse, Wirtschaft, Nationalismus oder Verschwörung formuliert – die Anschuldigung kehrt letztlich immer zur gleichen Idee zurück: dass Juden eine Bedrohung für die moralische, politische oder soziale Ordnung selbst darstellen.

Ohne historisches Wissen werden alte Vorurteile immer wieder für neue moralische Einsichten gehalten. Die Sprache verändert sich, aber die zugrunde liegende Logik bleibt beunruhigend vertraut.

Euro-Med Monitor entlarvt: Ramy Abdus Terror-Verbindungen und Desinformationskampagnen

Verfasst 2. Juni 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, NGOs

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Sharon Levy, HonestReporting, 24. Mai 2026

Der Euro-Mediterranean Human Rights Monitor rühmt sich, eine gemeinnützige Organisation zu sein, die sich für Menschenrechte in Europa sowie im gesamten Nahen Osten und Nordafrika einsetzt.

Doch hinter dieser Menschenrechtsfassade steht eine Organisation mit dokumentierten Verbindungen zu Terrororganisationen, die wiederholt israelfeindliche Verschwörungstheorien verbreitet hat und damit ernsthafte Fragen nach der Glaubwürdigkeit ihrer Behauptungen und ihrem Einfluss auf die internationale Berichterstattung aufwirft.

Hamas-Verbindungen

Aber das Problem geht über einfache Voreingenommenheit hinaus. Eine genaue Untersuchung der Führung der Organisation, angefangen beim Gründer und Vorsitzenden Ramy Abdu, legt größere Bedenken offen.

Der OSINT-Ermittler und Journalist Eitan Fischberger enthüllt, dass Ramy Abdus Bruder, Abdu Saleh Mohammed Ismail, von den italienischen Behörden wegen seiner Rolle in einer Hamas-Finanzierungsoperation gesucht wird, die 7–8 Millionen Euro an die Hamas leitete, unter anderem über die von Mohammed Hannoun geführte Palestinian Solidarity Charity (ABSPP). Hannoun unterliegt US-Sanktionen, weil er als finanzieller Arm der Hamas in Italien fungiert.

Unter dem Decknamen „Abu Khaled“ überwies Ramy Abdus Bruder 462.700 Euro an die Hamas und wurde gebeten ein Treffen in Doha (Qatar) mit dem Hamas-Führer Ismail Haniyeh zu arrangieren, der 2024 von der IDF eliminiert wurde. Im Jahr 2012 wurde Ramy Abdu gemeinsam mit Haniyeh im Gazastreifen fotografiert.

In dem 300 Seiten starken Dokument, das das Spendensammel-Netzwerk beschreibt, erscheint der Name Ramy Abdu und bestätigt sowohl seine familiäre Verbindung zu Abdu Saleh als auch seine mögliche Unterstützung des Netzwerks. Eine auf dem ABSPP-Server gefundene Datei, von der angenommen wird, dass sie sich auf Ramy Abdu bezieht, zeigt umfangreiche finanzielle Aktivitäten und weist mehr als 1,1 Millionen Dollar an eingegangenen sowie etwa 1,2 Millionen Dollar an über das Netzwerk weitergeleiteten Beträgen aus.

Die Gerichtsakte führt außerdem Abdus Wohnsitz als Istanbul in der Türkei auf, obwohl Euro-Med Monitor als Organisation in Genf registriert ist. Die Verbindung der Hamas zur Türkei hat sich nach den Anschlägen vom 7. Oktober weiter verstärkt; sie bietet Terroristen einen Zufluchtsort sowie einen Rahmen für finanzielle Transaktionen.

Im Jahr 2013 tauchte Abdu gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Vorsitzenden des Euro-Med Monitor auf einer israelischen Liste auf, die sie als „main operatives and institutions“ (wichtigste Agenten und Institutionen) der Hamas in Europa bezeichnet, was bestätigt, dass die mutmaßlichen Verbindungen zur Terrororganisation über seine Familienmitglieder hinausgehen.

Verschwörungstheorien

Euro-Med Monitor stand hinter einigen der haltlosesten und extremsten Anschuldigungen und Verschwörungstheorien gegen Israel und nutzte dafür regelmäßig Wikipedia. Zu diesen Anschuldigungen gehört die Behauptung, Israel betreibe Organhandel, setze Hunde ein, um Menschen zu vergewaltigen, und begehe scholasticide (die systematische Zerstörung des Bildungssystems im Gazastreifen und die Verweigerung von Bildung für palästinensische Kinder).

In der vergangenen Woche behauptete Abdu, in „Massengräbern“ im Gazastreifen seien Kinder und Babys gefunden worden, „deren Hände mit Kabelbindern gefesselt waren“. Das von ihm verwendete Foto zeigte eine Gruppe von Kabelbindern, ungeschnitten und an keinem Körper befestigt.

Neben dem völligen Fehlen fotografischer Belege für die Massengräber, die Abdu gefunden haben wollte, trugen die Kabelbinder, die angeblich bei Kindern und Babys verwendet worden waren, hebräische Aufschriften mit „chalal“ – dem Begriff für im Kampf gefallene IDF‑Soldaten, zusammen mit ihrer Opfernummer.

Die in den Fotos gezeigten Kabelbinder wirken vollständig unversehrt, ohne Schnitte, Abnutzung oder Spuren einer Bestattung, die darauf hindeuten würden, dass sie an menschlichen Überresten befestigt gewesen wären. Das weist darauf hin, dass sie nicht an palästinensischen Kindern verwendet wurden, sondern vielmehr an Leichensäcken gefallener IDF-Soldaten.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Abdu diese Behauptung aufstellt. Im März 2025 veröffentlichte er dasselbe Bild von Kabelbindern mit einer identischen Bildunterschrift und behauptete, im vorangegangenen April seien Massengräber entdeckt worden. Die vage Darstellung, wann diese Gräber „gefunden“ worden seien, scheint darauf ausgelegt zu sein den Eindruck zu erwecken, solche Entdeckungen fänden fortlaufend statt. Wenn der Gründer einer selbsternannten Menschenrechtsorganisation wiederholt dieselbe unbelegte Behauptung verbreitet, untergräbt das jede Glaubwürdigkeit, die die Organisation für sich beansprucht.

Die Verstärkung von Euro-Med Monitor

Trotz zunehmender Hinweise auf Verbindungen zu Terrororganisationen und der Verbreitung falscher Informationen wird die Organisation in den Medien weiterhin als glaubwürdige und unparteiische Menschenrechtsgruppe zitiert.

HonestReporting.ai Labs stellte fest, dass Euro-Med Monitor von März 2025 und Mai 2026 in 28 Medien insgesamt 104-mal erwähnt wurde, darunter CNN, die Associated Press und die New York Times. In rund 90 Prozent dieser Erwähnungen versäumten es die Medien, auf die Vorgeschichte der Organisation bei der Verbreitung israelfeindlicher Verschwörungstheorien und nachweislicher Voreingenommenheit hinzuweisen.

Tatsächlich enthielt die inzwischen berüchtigte Kolumne der New York Times, in der systemische sexuelle Übergriffe an palästinensischen Gefangenen behauptet wurden, einschließlich der Verleumdung der „Vergewaltigung durch Hunde“, mehrere Verweise auf Euro‑Med Monitor.

Während sich die Hinweise auf die Führung der Gruppe, ihre Verbindungen und die wiederholte Verbreitung von Fehlinformationen weiter verdichten, wirft das Versäumnis der internationalen Medien die Organisation kritisch zu prüfen ernsthafte Fragen auf.

Indem große Medien Euro-Med Monitor weiterhin ohne angemessene Prüfung oder Kontext als neutrale Menschenrechtsorganisation darstellen, führen sie ihr Publikum in die Irre und untergraben zugleich die Glaubwürdigkeit legitimer Menschenrechtsorganisationen, die versuchen, universelle Standards objektiv zu wahren.

Sowjetischer Antizionismus und die Umbenennung des Judenhasses

Verfasst 28. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt

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Ben M. Freeman, HonestReporting, 17. Mai 2026

Heute missverstehen viele Menschen Antizionismus als politische Reaktion auf den Staat Israel. Das ist er nicht. In Wirklichkeit ist er eine zeitgenössische Form judenfeindlichen Rassismus.

Die Sprache und Bildwelt des heutigen Antizionismus wurde während des Kalten Krieges von der Sowjetunion entwickelt und globalisiert. Die UdSSR arbeitete daran den Zionismus, die Bewegung für jüdische Selbstbestimmung im jüdischen indigenen Land, in ein Symbol für Rassismus, Faschismus, Kolonialismus, weiße Vorherrschaft und Imperialismus zu verwandeln. Diese Neudefinition ist wichtig. Wie alle Völker besitzen Juden das Recht, ihre eigene Identität, Geschichte und Befreiungsbewegung zu definieren. Versuche von Nichtjuden, den Zionismus umzudefinieren – ein jüdisches Konzept, geschaffen von Juden für Juden und verwurzelt in Tausenden Jahren jüdischer Geschichte – legen äußere Verzerrungen auf die jüdische Identität, die illegitim sind. Moderner Antizionismus kann nicht getrennt von der systematischen Anstrengung der Sowjetunion verstanden werden, jüdische Selbstbestimmung als illegitime Form des Nationalismus darzustellen.

Jüdischer Antizionismus vor der Schoah

Bevor man den sowjetischen Antizionismus untersucht, ist es wichtig, ihn von früheren Formen des jüdischen Antizionismus zu unterscheiden. Vor der Schoah und der Gründung Israels 1948 lehnten einige Juden den Zionismus aus religiösen, politischen oder ideologischen Gründen ab. Ultraorthodoxe Juden glaubten, jüdische Souveränität könne nur durch göttliches Eingreifen kommen. Einige Juden nahmen den Kommunismus als universalistischen Weg zur Gleichheit an. Bundisten glaubten an eine Form des Sozialismus, die in der jiddischen Kultur und im jüdischen Leben der Diaspora verwurzelt war, während assimilierte Juden in Westeuropa fürchteten, der Zionismus würde Anschuldigungen verstärken, sie seien ihren Heimatländern gegenüber nicht loyal. So fehlgeleitet die letzten drei Positionen auch waren – wie der Zionismus selbst waren sie Antworten auf die „Judenfrage“ und Versuche, jüdische Sicherheit in der nichtjüdischen Welt zu sichern.

Letztlich blieben das interne jüdische Debatten über die Zukunft jüdischen Lebens. Jüdische Antizionisten verstanden Juden weiterhin als ein Volk mit gemeinsamer Geschichte, Kontinuität und kollektiver Identität. Was sie nicht taten: jüdische Selbstbestimmung als inhärent rassistisch oder grundsätzlich illegitim darzustellen oder den Zionismus als globale Verschwörung darzustellen, die die Menschheit bedroht.

Der sowjetische Antizionismus unterschied sich grundlegend vom früheren jüdischen Antizionismus. Er war keine Opposition gegen den Zionismus, wie er tatsächlich existierte. Er konstruierte einen mythischen und verschwörerischen „Zionismus“, der keinerlei Ähnlichkeit mit der jüdischen Nationalbewegung hatte – so wie der traditionelle Judenhasser einen imaginären „Juden“ konstruierte, der von realem jüdischem Leben abgelöst war.

Die Bolschewisten und die Jewsekzija

Die UdSSR ging aus dem ehemaligen Russischen Reich hervor, das Schauplatz einiger der schlimmsten judenfeindlichen Gewalt und Verfolgung in der europäischen Geschichte gewesen war. Pogrome, gesetzliche Einschränkungen und Verschwörungsfantasien über jüdische Weltherrschaft waren tief in der Kultur verankert, die der sowjetische Staat erbte. Obwohl die bolschewistische Revolution das judenfeindliche Zarentum offiziell zurückwies, wurden traditionelle judenfeindliche Vorstellungen in die politische Sprache und die Institutionen der Sowjetunion umgepackt.

Nach 1917 betrachtete das sowjetische Regime den Zionismus als Bedrohung, weil er eine unabhängige Form jüdischer Identität und Organisation außerhalb kommunistischer Kontrolle darstellte. Um dem entgegenzuwirken, gründeten die Bolschewiki die Jewsekzija, die jüdische Sektion der Kommunistischen Partei.

Die Jewsekzija arbeitete daran das jüdische Gemeinschaftsleben außerhalb sowjetischer Autorität zu aufzulösen, indem sie hebräische Sprachschulen, zionistische Organisationen, religiöse Institutionen und breitere Ausdrucksformen jüdischen nationalen Bewusstseins ins Visier nahm. Hebräisch wurde verboten, weil es jüdische Geschichte, Volkseigenschaft und den Zionismus selbst verkörperte. Jüdische religiöse Praxis wurde als reaktionär angegriffen, während zionistische Aktivitäten kriminalisiert wurden. In der Praxis bedeutete das eine Kampagne kultureller Vernichtung, die sich gegen die jüdische Zivilisation innerhalb der sowjetischen Einflusssphäre richtete.

Die Tragödie wurde durch das Schicksal der eigenen Führer der Jewsekzija noch verstärkt. Viele der Juden, die diese Politik durchsetzten, wurden später vom sowjetischen Regime selbst gesäubert, inhaftiert oder hingerichtet. Es war eine erschütternde Lektion, die sich in der Geschichte wiederholen sollte: Versuche, Loyalität zu beweisen, indem man sich von jüdischer Identität distanziert, garantieren keine Sicherheit.

Der Stalinismus und die Kriminalisierung jüdischer Identität

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Schoah intensivierte das sowjetische Regime seinen Angriff auf jüdisches Leben. Jüdische Intellektuelle, Schriftsteller und Kulturschaffende wurden verhaftet, hingerichtet oder gesäubert. Jüdische Institutionen wurden aufgelöst. Hebräisch wurde weiter unterdrückt. Jüdisches Kulturleben wurde ständig angegriffen wurde mit tiefem Misstrauen behandelt. Was unter der Jewsekzija begonnen hatte, entwickelte sich zu einer breiteren Kampagne, die darauf abzielte Juden von ihrer kollektiven Identität, ihrem historischen Gedächtnis und ihrem nationalen Bewusstsein zu trennen.

Dies gipfelte in einer Reihe judenfeindlicher Kampagnen während der späten stalinistischen Periode. Juden wurden als „wurzellose Kosmopoliten“ denunziert, der Illoyalität, ausländischer Bindungen und Subversion beschuldigt. Diese Anschuldigungen verpackten ältere judenfeindliche Mythen neu und stellten Juden erneut als verborgene Manipulatoren hinter Unruhe, Subversion und internationalen Konflikten dar.

Mit der berüchtigten Ärzteverschwörung von 1952 wurden überwiegend jüdische Ärzte fälschlich beschuldigt einen Plan zur Vergiftung von Sowjetführern zu schmieden. Die in klassischen antijüdischen Verschwörungen verwurzelte Kampagne löste Befürchtungen aus, Stalin bereitete einen viel umfassenderen Angriff auf die sowjetische Judenheit einschließlich Massendeportationen vor, ähnlich denen der Schoah. Im selben Jahr fand in der Tschechoslowakei der Slánský-Prozess statt, einer der prägenden Momente in der Entwicklung des sowjetischen Antizionismus. Rudolf Slánský, Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei wurde zusammen mit dreizehn weiteren Funktionären, viele von ihnen Juden beschuldigt an einer weitreichenden „trotzkistisch-titoistisch-zionistischen“ Verschwörung beteiligt zu sein, die mit dem westlichen Imperialismus verbunden war.

Der Prozess verschmolz Jüdisch sein, Zionismus, Spionage, Kapitalismus und Subversion zu einem einzigen Verschwörungsnarrativ. Die Angeklagten wurden wiederholt als Zionisten, Kosmopoliten und Agenten fremder Mächte beschrieben. Juden, die Judenhass geltend machten, wurden als Manipulatoren dargestellt, die Opferstatus für politischen Gewinn instrumentalisierten, während jüdische Solidarität und Bindung an Israel als Beweis für Verschwörung und falsche Loyalität dienten.

Mit der Zeit und teilweise als Reaktion auf geopolitische Entwicklungen entwickelte sich der sowjetische Antizionismus allmählich von der Unterdrückung jüdischer Identität innerhalb der UdSSR zu einer internationalen ideologischen Kampagne, die darauf abzielte den Zionismus zu delegitimieren und Israel auf der Weltbühne zu isolieren.

1967 und die Globalisierung des sowjetischen Antizionismus

Die Sowjetunion unterstützte 1948 zunächst die Gründung Israels. Doch die Beziehungen verschlechterten sich, als Israel sich enger an den Westen anlehnte. Israels schneller Sieg über sowjetisch unterstützte arabische Staaten im Sechstagekrieg 1967 war eine tiefgreifende Demütigung für Moskau. Als Reaktion startete die UdSSR eine gewaltige Propagandakampagne, die darauf abzielte, Israel international zu delegitimieren und den Zionismus als das große Übel der modernen Welt darzustellen.

In dieser Zeit wurden viele moderne israelfeindliche Narrative systematisiert und exportiert. Sowjetische Propaganda stellte den Zionismus zunehmend als Rassismus, Faschismus, Nationalsozialismus, Kolonialismus, Apartheid, weiße Vorherrschaft und Imperialismus dar. Letztlich war er nicht mehr von klassischem Judenhass zu unterscheiden, einschließlich dem der Nationalsozialisten. „Zionisten“ wurden durch vertraute Verschwörungen dargestellt: globale Manipulation, falsche Loyalität, Blutrünstigkeit und geheime Kontrolle von Regierungen und Medien. Das Wort „Zionist“ war ein Ersatz für „Jude“ und erlaubte der UdSSR, alte judenfeindliche Mythen zu aufzubereiten und zugleich zu leugnen, judenfeindlich zu sein.

Ein zentrales Merkmal des sowjetischen Antizionismus war die Umkehrung: Juden wurden von Opfern von Rassismus, Faschismus und Völkermord zu Symbolen eben dieser Verbrechen gemacht. Die Sowjetunion beschuldigte Israel des Kolonialismus, während sie ihr eigenes Imperium aufrechterhielt, verurteilte den Zionismus als rassistisch, während sie jüdische (und andere) Kultur unterdrückte und denunzierte Israel als faschistisch, während sie eines der autoritärsten Systeme der Welt betrieb. Wie so vieler anderer Judenhass funktionierte der sowjetische Antizionismus durch Projektion. Juden wurden beschuldigt, genau jene Verbrechen zu begehen, die historisch an ihnen begangen worden waren.

Zudem sahen sich sowjetische Juden selbst Diskriminierung in Bildung, Beschäftigung und öffentlichem Leben ausgesetzt, während die Sowjetunion im Ausland den Zionismus als Rassismus und Faschismus verurteilte. Diejenigen, die versuchten, nach Israel oder in andere Länder auszuwandern, wurden mit Ausreiseverboten belegt und als „Verweigerer“ [Refuseniks] bekannt, von Behörden schikaniert, aus ihren Berufen entlassen, in Gulags inhaftiert oder als Verräter des sowjetischen Systems gebrandmarkt.

Für sowjetische Juden war der Zionismus keine abstrakte politische Theorie oder ein imperialistisches Projekt. Er war der einfache Wunsch, offen als Juden unter Juden in der jüdischen Heimat zu leben. Boris Kotschubiewski, ein sowjetischer Jude, der die Erlaubnis zur Ausreise anstrebte, schrieb in einem Brief an Leonid Breschnew:

Ich bin Jude. Ich will im jüdischen Staat leben. Das ist mein Recht, so wie es das Recht eines Ukrainers ist in der Ukraine zu leben, das Recht eines Russen in Russland zu leben, das Recht eines Georgiers in Georgien zu leben. Ich will in Israel leben. Das ist mein Traum, das Ziel nicht nur meines Lebens, sondern auch der Leben von Hunderten von Generationen vor mir, der meiner Vorfahren, die aus ihrem Land vertrieben wurden. Ich will, dass meine Kinder in hebräischer Sprache lernen. Ich will jüdische Zeitungen lesen, ein jüdisches Theater besuchen. Was ist falsch daran? Was ist mein Verbrechen?

Das war die Realität, die der sowjetische Antizionismus zu unterdrücken suchte: das jüdische Leben selbst.

Die UdSSR exportierte aggressiv antizionistische Ideologie in die ganze Welt. Diese verbreitete sich in neu entkolonialisierten Staaten, kommunistischen Parteien, linken Bewegungen und internationalen Institutionen. Selbst amerikanische Persönlichkeiten wie Angela Davis besuchten die Sowjetunion und beteiligten sich an Netzwerken, die von sowjetischen antiimperialistischen und antizionistischen Rahmen geprägt waren. Innerhalb dieser Bewegungen wurden Juden von einem indigenen Volk des Nahen Ostens zu „weißen europäischen Kolonisatoren“ umgedeutet, während die jüdische historische Kontinuität im Land Israel und die Geschichte jüdischen Exils und jüdischer Verfolgung vollständig aus dem Narrativ entfernt wurden.

Zionologie und die akademische Legitimierung des Antizionismus

Eine der bedeutendsten judenfeindlichen Entwicklungen der Sowjetunion war die Schaffung der „Zionologie“, eines pseudoakademischen Fachgebiets, das dem Studium und der Verurteilung des Zionismus gewidmet war. Sowjetische „Intellektuelle“ produzierten Bücher, Zeitschriften und Institute, die den Zionismus als rassistisch, faschistisch, expansionistisch und verschwörerisch darstellten.

Die intellektuellen Wurzeln dieser Propaganda lagen in älteren antisemitischen Verschwörungstraditionen, insbesondere in den Protokollen der Weisen von Zion, der berüchtigten zaristischen Fälschung, die später von den Nationalsozialisten als Waffe eingesetzt wurde. Sowjetische antizionistische Propaganda reproduzierte diese Verschwörungsmythen nahezu vollständig. Der „internationale Zionismus“ wurde als verborgene globale Kraft dargestellt, die Regierungen, Finanzen, Medien und Außenpolitik aus dem Hintergrund manipuliert.

Das verlieh dem Antizionismus eine sogenannte akademische Legitimität. Sowjetische Propaganda präsentierte sich als Wissenschaft, die auf Antirassismus und Antiimperialismus gründet. Viele Ideen, die heute im aktivistischen und akademischen Diskurs über Israel verbreitet sind, haben ihre Wurzeln in diesem sowjetischen System: Israel als einzigartig illegitime „Siedlerkolonie“, Zionismus als weiße Vorherrschaft, Vergleiche zwischen Israel und Nazideutschland und die Darstellung jüdischen Nationalismus als inhärent rassistisch, während andere nationale Bewegungen als legitim gelten.

„Zionismus ist Rassismus“

Der Höhepunkt dieser sowjetischen ideologischen Anstrengung kam 1975 mit der Resolution 3379 der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die erklärte, dass „Zionismus eine Form von Rassismus und rassischer Diskriminierung ist“. Diese Resolution entstand nicht organisch. Sie war das Ergebnis jahrelanger sowjetischer Lobbyarbeit, Propaganda und diplomatischer Koordination im kommunistischen Block und in Teilen der Entwicklungsländer.

Die Resolution stellte einen historischen Wendepunkt dar. Zum ersten Mal wurde die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes von der internationalen Gemeinschaft offiziell als rassistisch gebrandmarkt. Jüdische Selbstbestimmung wurde von einem legitimen Ausdruck indigenen Volkstums in ein moralisches Verbrechen verwandelt.

Obwohl die Resolution 3379 nach dem Fall der Sowjetunion 1991 aufgehoben wurde, überdauerte ihr ideologisches Erbe. Heute werden Anschuldigungen, Israel sei ein „siedlerkolonialer, weiß-herrenmenschlicher Apartheidstaat“, oft als moderne progressive Analyse präsentiert, doch diese Sprache geht direkt auf sowjetische antizionistische Propaganda zurück, die Jahrzehnte zuvor entwickelt wurde.

Das zeitgenössische Erbe

Der Zusammenbruch der Sowjetunion beendete das ideologische Erbe des sowjetischen Antizionismus nicht. Seine Narrative verbreiteten sich in Universitäten, Aktivistenbewegungen, internationalen Institutionen und im politischen Diskurs weltweit.

Dieses Erbe prägte auch eine kleine, aber wachsende Minderheit zeitgenössischer jüdischer Antizionisten. Viele wurden in linken Milieus radikalisiert, in denen Zionismus und jüdische Volkseigenschaft als illegitim umgedeutet wurden. Viele sind zu der Überzeugung gelangt, sie müssten zwischen ihrer jüdischen Identität und der Akzeptanz in progressiven Bewegungen wählen. Wie die Jewsekzija vor ihnen glauben viele, dass die Distanzierung von jüdischer kollektiver Identität oder jüdischer Souveränität sie vor Judenhass schützen werde. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass sie sich tragisch irren.

Legitime Kritik an israelischen Regierungen und politischen Maßnahmen ist völlig gültig. Israel kann und sollte wie jedes andere Land kritisiert werden, wenn es notwendig ist. Antizionismus ist etwas anderes. Er verweigert Juden das Recht auf Selbstbestimmung in ihrem indigenen Land und weist die Legitimität jüdischer Souveränität selbst zurück.

Jahrzehnte sowjetischer antizionistischer Propaganda halfen, heutige Annahmen über Zionismus, Israel und Juden zu formen. Dadurch übersetzte der sowjetische Antizionismus historische judenfeindliche Vorstellungen in die politische Sprache der modernen Welt. Sein Erbe prägt weiterhin, wie Millionen Menschen heute Juden, Israel und jüdische Souveränität verstehen.

Das echte „Modell Gaza“: Wie Hamas- und Hisbollah-Taktiken das Schlachtfeld formen

Verfasst 25. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Sharon Levy, HonestReporting, 30. April 2026

Die im Libanon eingesetzten Taktiken sind dieselben wie die in Gaza angewandten.

Doch die New York Times, CNN und der Guardian werden nicht erklären, warum das gemacht wird.

Alle drei Medien behaupten, Israel setze in Libanon ein „Modell Gaza“ um, aber keines untersucht den zugrunde liegenden Grund: das Wesen des Feindes.

Die Hisbollah bettet sich – wie die Hamas – in zivile Infrastruktur ein und nutzt Krankenhäuser, Krankenwagen, Wohnhäuser und andere geschützte Orte um Angriffe auf Israel zu starten. Das ist nicht zufällig. Es ist zentral für ihre Strategie. Und es wird in der Berichterstattung regelmäßig ausgelassen.

Der Ausdruck „Gaza-Manuskript“ mag zutreffen, aber nicht in der Weise, wie er dargestellt wird. Die Ähnlichkeit liegt nicht in den israelischen Taktiken, sondern in den identischen operativen Modellen der Terrororganisationen, mit denen Israel es zu tun hat.

Tunnelinfrastruktur

Während die IDF weiterhin Terror-Tunnel im Gazastreifen zerstört, stößt sie im Süden des Libanon auf dieselbe Bedrohung.

Das Tunnelsystem der Hisbollah wird weiterhin aufgedeckt und gilt weithin als ausgefeilter als das der Hamas.

Erst letzte Woche entdeckte die IDF zwei vollständig ausgestattete Hisbollah-Tunnel, die sich über etwa zwei Kilometer nahe der israelischen Nordgrenze erstreckten.

Aber Tunnel sind nur ein Teil der Geschichte.

Wie die Hamas bettet die Hisbollah ihre militärische Infrastruktur in zivile Bereiche ein. Im Gaza streifen wurden Tunnelschächte in Wohnhäusern gefunden. Im Libanon hat Hisbollah Kinderzimmer in Waffenlager verwandelt.

Diese Bedrohung ist nicht neu. Seit Jahren warnen die israelischen Sicherheitsdienste vor den Plänen der Hisbollah den Norden Israels über unterirdische Netzwerke zu infiltrieren – schon lange vor dem 7. Oktober 2023.

Die Hisbollah hat wiederholt versucht, Angriffe über die Grenze hinweg durchzuführen und bereits 2011 berichteten libanesische Medien über Pläne zur Eroberung von Galiläa.

Nach dem Massaker der Hamas im Oktober 2023 hatte die Hisbollah tausende Terroristen für einen ähnlichen Angriff positioniert. Gefangene Mitglieder ihrer Eliteeinheit Radwan haben Pläne zur Besetzung von Teilen Nordisraels bestätigt. Trotz schwerer Verluste bleibt die Radwan Force eine ernsthafte Bedrohung.

Missbrauch medizinischer Infrastruktur

Die Parallelen gehen über Tunnel hinaus.

Sowohl die Hamas als auch die Hisbollah nutzen medizinische Infrastruktur systematisch für militärische Zwecke.

Laut Völkerrecht sind Krankenhäuser und Krankenwagen geschützt, es sei denn, sie werden für Kampfhandlungen genutzt. Wenn Terrororganisationen diese Einrichtungen militarisieren, verlieren sie diesen Schutz.

Die Hamas hat wiederholt Gesundheitseinrichtungen für Terroraktivitäten ausgenutzt. Doch wenn Israel gegen diese Orte vorgeht, beschränkt sich die Berichterstattung der Medien oft auf Anschuldigungen, denen der Kontext fehlt.

Hisbollah operiert auf weithin dieselbe Weise.

Als hybride Organisation, die in die libanesische Zivilgesellschaft eingebettet ist, verwischt sie bewusst die Grenze zwischen ziviler und militärischer Infrastruktur, löscht die Unterscheidung vollständig aus.

Das ist kein Zufall; es ist Strategie. Zivile Umgebungen bieten Deckung – sowohl operativ als auch im Gericht der internationalen Öffentlichkeit.

Belege dafür, dass die Hisbollah Krankenwagen für militärische Zwecke nutzt, sind von der IDF öffentlich aufgedeckt worden. Dennoch ignoriert ein großer Teil der Medien diese Realität und verstärkt stattdessen das Narrativ, Israel greife das Gesundheitswesen an.

Das wahre „Modell Gazastreifen“

Die Ähnlichkeiten zwischen Gaza und Libanon sind nicht zufällig.

Sie sind von denselben Organisationen entwickelt worden, die die IDF bekämpft, um sie zu eliminieren.

Was die Medien als „Modell Gazastreifen“ oder „Gaza-Manuskript“ beschreiben, ist nicht Israel, das Taktiken exportiert. Es besteht darin, dass Israel derselben Strategie gegenübersteht, die von zwei verschiedenen Terrororganisationen eingesetzt wird.

Wenn also Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser entlang der israelischen Grenzen Teil der Infrastruktur der Terroristen werden, geht es nicht darum, dass Israel ein Manuskript wiederholt.

Es geht darum, dass die Hamas und die Hisbollah mit demselben arbeiten.

Von Zivilisten zum „Siedler“: Innerhalb der Umdeutung der Israelis durch die Medien

Verfasst 21. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel, Medieneinseitigkeit

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Es ist heute nahezu unmöglich die Nachrichten zu verfolgen, ohne auf eine Meldung über „israelische Siedler“ zu stoßen. Der Begriff ist zu einem festen Bestandteil der internationalen Berichterstattung geworden und prägt die Wahrnehmung von Ereignissen – und der beteiligten Menschen – noch bevor das Publikum die Möglichkeit hat, den weiteren Kontext selbst zu prüfen.

Aber diese Bezeichnung ist nicht aus dem Nichts entstanden.

In den vergangenen Jahren hat der Begriff „Siedler“ rasch an Bedeutung gewonnen. Israelis, die der Westbank leben – auch bekannt unter den biblischen Namen Judäa und Samaria – werden nicht durch ihre Nationalität oder ihre jüdische Identität beschrieben, sondern durch ihren Wohnort. Diese Standardbezeichnung, oft verbunden mit belasteten und entmenschlichenden Adjektiven, ist zunehmend zum bestimmenden Objektiv geworden, durch die sie in den Medien betrachtet werden.

Das Ergebnis ist ein Verlust an Nuancen. Komplexe Individuen und Gemeinschaften werden auf politische Symbole reduziert, was es dem Publikum erleichtert, sie durch ein vereinfachtes, häufig voreingenommenes narratives Raster zu sehen.

Was ist ein „Siedler“?

Im Jahr 1967 begann Israel einen Präventivkrieg, nachdem es Geheimdienstinformationen erhalten hatte, dass mehrere arabische Armeen erneut planten, den jungen Staat anzugreifen.

In nur sechs Tagen Krieg eroberte Israel mehrere Gebiete von umliegenden Ländern, darunter das Westjordanland und Ostjerusalem von Jordanien, wobei Letzteres anschließend annektiert wurde.

Im Laufe der Zeit wurden die mehr als 700.000 israelischen Zivilisten, die in diesen Gemeinden leben, in den Medien weitgehend einfach als „Siedler“ bezeichnet. In den sozialen Medien hat sich der Begriff sogar auf Menschen außerhalb des Westjordanlands ausgeweitet, wobei Israelis im Allgemeinen oft als „Siedler“ beschrieben werden.

Die Entwicklung des Begriffs „Siedler“

Grafik, die die prominentesten Medien und das Volumen der von den jeweiligen Outlets generierten Meldungen zum Thema „Siedler“ darstellt, basierend auf Daten von HonestReporting.ai Labs.

Von Ende 2024 bis Mitte Mai 2026, in nennenswertem Umfang ab März 2025, sammelte HonestReporting.ai Labs 6.422 Meldungen von führenden Medien, die diese Formulierung verwendeten.

„Siedler“ hat sich von einer neutralen geografischen Bezeichnung zu einer aufgeladenen moralischen Kategorie verschoben. Was einst Sprache von Aktivisten war, ist nun im Mainstream westlicher Medien verankert und signalisiert eine breitere Institutionalisierung dieser Darstellung.

Die von HonestReporting.ai Labs erhobenen Daten heben die Rolle globaler Nachrichtenagenturen wie Reuters und Associated Press (AP) hervor, deren Beiträge in hunderte von Medien weltweit übernommen werden. Einzelne redaktionelle Wortentscheidungen werden schnell zu internationaler Standardterminologie verstärkt und tragen dazu bei, die Verwendung von Begriffen über die globale Medienlandschaft hinweg zu vereinheitlichen.

Interessanterweise weist das AP Stylebook Journalisten nicht an, den Begriff „Siedler“ zu verwenden, wenn sie sich auf Israelis beziehen, die im Westjordanland leben. Doch trotz des Fehlens einer formalen Vorgabe hat sich die Bezeichnung zunehmend in der internationalen Berichterstattung normalisiert und sich von einer gelegentlichen Beschreibung zu der dominanten Sprache entwickelt, in der über diese Gemeinschaften gesprochen wird.

Die Linguistik des Begriffs „Siedler“

Der Begriff „Siedler“ dient weit mehr als nur einer geografischen Beschreibung.

„Siedler“ wird als Identifikator verwendet und ersetzt Bezeichnungen wie israelischer Zivilist oder israelischer Bewohner, mit nahezu universeller Nutzung in den Medien, wenn Westbank-Israelis beschrieben werden – auch dann, wenn die betreffende Person ein Opfer ist. Dieser Identitätsaustausch ersetzt Wörter wie „Zivilist“, „Frau“, „Familie“ oder sogar einfach „Israeli“ durch das Etikett „Siedler“.

Durch Kollektivierung werden „Siedler“ nicht als vielfältige Individuen oder Gemeinschaften dargestellt, sondern als eine einzige einheitliche politische Kraft – eine Rahmung, die die großen Unterschiede zwischen Orten, Ideologien und Gemeinschaften in der gesamten Westbank ignoriert, einschließlich der Unterschiede zwischen etablierten Siedlungsblöcken, Städten und Außenposten.

Ein Beispiel ist ein Artikel in der New York Times, der nahelegte, dass „mit einer durch den Krieg abgelenkten Welt extremistische Siedler ihre Angriffe der Westbank verstärken“ und israelische Siedler als monolithische strategische Akteure mit gemeinsamer Absicht darstellte. Einzelne Israelis werden zu Fällen eines kollektiven Projekts, die geopolitische Realitäten ausnutzen.

Das bedeutet nicht, dass extremistische Einzelpersonen keine Gewalttaten begehen. Doch die unverhältnismäßige Konzentration auf diese Vorfälle erzeugt, kombiniert mit den Narrativen und der Sprache, die ihnen zugeschrieben werden, eine breitere Wahrnehmung, in der eine gesamte Bevölkerung mit den Handlungen einer Minderheit verbunden wird.

Anteil der erfassten Meldungen, die entmenschlichende oder stark aufgeladene Terminologie enthalten. Grafik basierend auf Daten von HonestReporting.ai Labs.

Der Bericht verweist auch auf die wiederholte Verwendung animalisierender Verben wie „wüten“, „stürmen“, „schwärmen“ und „sich auf etwas stürzen“, die in 15 Prozent der analysierten Artikel vorkamen. Zusätzlich wurden Bezeichnungen wie „gewalttätig“, „extremistisch“ und „rechtsextrem“ für Siedler in nahezu 40 Prozent der analysierten Artikel verwendet.

Dieses Framing hat zu einer Realität geführt, in der selbst israelische Opfer von Terroranschlägen einfach als „Siedler“ bezeichnet werden.

Tzeela Gez wurde zum Krankenhaus gefahren, um zu gebären, als ein palästinensischer Terroristen auf ihre Auto schoss, sie tötete und ihr ungeborenes Kind tödlich verletzte. Reuters bezeichnete sie ursprünglich als „schwangere Siedlerin“ und ersetzte damit ihre nationale und persönliche Identität durch ein politisch aufgeladenes Etikett, das an ihren Wohnort gebunden war.

Die Washington Post hob hervor, was ihrer Vermutung nach „radikale jüdische Siedler“ als Vergeltung tun könnten. Die Gleichung ist einfach: Gewalt gegen Israelis wird genutzt, um ein Publikum darauf einzustimmen von (kommender) israelischer Aggression auszugehen.

Die wiederholte Verwendung negativer Adjektive in Verbindung mit dem Begriff „Siedler“ beeinflusst, wie ein Publikum eine Gruppe unbewusst verarbeitet. Mit der Zeit bereitet das Etikett selbst Leser darauf vorgefasste moralische Urteile zu treffen, noch bevor die Details eines einzelnen Ereignisses überhaupt geprüft werden.

Timing ist entscheidend

Während die Berichterstattung über „Siedler“ zugenommen hat, wirkt die Steigerung in bezüglich ihres Zeitpunkts weder zufällig noch organisch.

Grafik auf Grundlage der Daten von HonestReporting.ai Labs.

Vor der Wiederaufnahme des Krieges zwischen Israel und der Hamas im März 2025 registrierte das Überwachungssystem nur etwa drei Meldungen pro Tag, die sich auf „Siedler“ bezogen. Sobald der Krieg wieder begann, verdoppelte sich diese Zahl auf ungefähr sechs bis acht Meldungen täglich.

Der auffälligste Anstieg erfolgte nach dem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „No Other Land“.

Als der Regisseur behauptete, er sei von einer Gruppe „Siedler“ „angegriffen“ worden, griffen die Medien die Geschichte sofort auf, wobei 60 Prozent des gesamten Monatsvolumens innerhalb von nur fünf Tagen, vom 24. bis 28. März, veröffentlicht wurden.

„Israelische Siedler“ wurde sofort zur durchgehenden Schlagzeile. Doch fast ebenso schnell, nachdem sich die Wahrheit der Geschichte herausstellte und gezeigt wurde, dass der Regisseur Steine auf israelische Zivilisten warf, verschwand die Geschichte wieder.

Im Mai 2025 veröffentlichte Louis Theroux die BBC-Dokumentation Louis and the Settlers, die sich ausschließlich auf extremistische Elemente innerhalb der Siedlerbewegung konzentrierte.

Zur gleichen Zeit beschleunigte der Iran-Krieg im Juni 2025 das Meldungsvolumen weiter, wobei viele Medien den Konflikt in Verbindung mit Behauptungen darstellten, Siedler würden die regionale Unruhe ausnutzen, um die Gewalt im Westjordanland zu verstärken.

Wie „Siedler“ in andere israelfeindliche Verleumdungen hineinspielt

Grafik auf Grundlage der Daten von HonestReporting.ai Labs.

Der Begriff „Siedler“ erscheint nicht isoliert, sondern überschneidet sich zunehmend mit weiter gefassten Anschuldigungen gegen Israel.

Der Datensatz ergab, dass die folgenden Begriffe zusammen mit „Siedler“-Meldungen auftraten:

  • „Völkermord“ erschien in 1.205 Meldungen
     
  • „Apartheid“ erschien in 545 Meldungen
     
  • „Ethnische Säuberung“ erschien in 441 Meldungen
     
  • „Siedlerkolonialismus“ erschien in 146 Meldungen
     
  • „Nakba“ erschien in 146 Meldungen

Diese Ebenen verstärken sich im Laufe der Zeit gegenseitig und prägen das öffentliche Verständnis des Konflikts durch ein miteinander verbundenes Rahmenwerk, statt durch isolierte Terminologie allein.

In dieser Struktur beschreibt Sprache nicht nur Ereignisse. Sie lenkt das Publikum auf eine bestimmte Interpretation. Die kumulative Wirkung ist ein vereinfachtes Rahmenwerk, durch das antiisraelische Narrative leichter verbreitet werden können, indem Terminologie verwendet wird, die oft emotional aufgeladen statt neutral oder präzise ist.

Auswirkung

Die internationalen Medien haben eine sprachliche Infrastruktur entwickelt, in der Israelis jenseits der Grünen Linie zunehmend politisch definiert werden, bevor sie als Menschen wahrgenommen werden. Während sich diese Terminologie normalisiert, gerät der Rahmen aus dem Blickfeld und wird als neutrale Realität behandelt statt als umstrittene Sprache.

Die Folgen reichen weit über die Wortwahl hinaus. Wenn Millionen von Lesern immer wieder daselbe emotional aufgeladene Framing in Schlagzeilen, Agenturmeldungen, Dokumentationen und sozialen Plattformen sehen, entsteht nicht bloß Berichterstattung, sondern es wird eine globalen narrative Architektur aufgebaut.

Indem eine vielfältige Zivilbevölkerung zu einer einzigen politischen Kategorie zusammengefasst wird, entfernt sich der Journalismus davon Realität zu beschreiben und bewegt sich hin zu vorab formulierten moralischen Urteilen.

Widersprüchliche Bilder: Die Marathon-Aufnahmen, die mit Gazas Hungersnot-Narrativ kollidieren

Verfasst 20. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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David Katz, HonestReporting, 11. Mai 2026

Jahrelang wurde dem internationalen Publikum gesagt der Gazastreifen stehe am Rand einer Hungersnot. Bilder abgemagerter Kinder, leerer Kochtöpfe, überfüllter Schlangen vor Hilfsstellen und Warnungen vor „Massenverhungern“ dominierten Schlagzeilen, NGO‑Kampagnen, Fernsehberichte und die Feeds der sozialen Medien gleichermaßen. Die Folgerung war unmissverständlich: Der Gazastreifen erleidet nicht nur Härten, sondern steht kurz vor dem physischen Zusammenbruch.

Nun kommen die Aufnahmen vom Marathon.

Tausende Palästinenser, die entlang der Küste Gazas laufen. Organisierte Menschenmengen. Drohnenaufnahmen. Veranstaltungsvermarktung. Ordner. Öffentliches Feiern. Anhaltende körperliche Anstrengung. Fast zur selben Zeit fand in Bethlehem ein weiterer Marathon statt, stark beworben über viele derselben Aktivisten- und Medienkanäle, die routinemäßig Behauptungen über eine humanitäre Katastrophe verstärken.

Der Widerspruch ist schwer zu übersehen.

Nicht, weil es im Gazastreifen kein Leid gibt. Das gibt es eindeutig. Aber weil zwei konkurrierende visuelle Erzählungen plötzlich in Echtzeit aufeinanderprallten, ohne dass irgendein Versuch unternommen wurde, sie miteinander in Einklang zu bringen.

Das Timing

Das Timing ist von Bedeutung.

Am 7. Mai verbreiteten Aktivisten, NGOs, Medien und Accounts in sozialen Medien erneut Behauptungen über sich verschärfende Hungersnotbedingungen im Gazastreifen. Der Sprachgebrauch war vertraut: „großer Hunger“, „künstlich herbeigeführtes Verhungern“, „Unterernährung“, sogar „Völkermord“. Die Bildsprache konzentrierte sich stark auf ausgemergelte Kinder, leere Essensbehälter, verzweifelte Zivilisten und chaotische Szenen der Hilfsgüterverteilung.

Innerhalb von ungefähr vierundzwanzig Stunden tauchten Aufnahmen von mehr als 2.000 Palästinensern auf, die am 10. Palestine International Marathon in Gaza teilnahmen.

Der Kontrast war auffällig.

Die Teilnehmer wirkten energiegeladen und körperlich leistungsfähig. Große Menschenmengen versammelten sich offen. Langstreckenläufer bewegten sich in koordinierten Wellen entlang der Küstenstraße. Die Atmosphäre erinnerte weit mehr an eine bürgerliche Feier als an eine Bevölkerung im sichtbaren körperlichen Zusammenbruch.

Dieser Kontrast ist die eigentliche Geschichte.

Die visuelle Spaltung

Moderne Medienkonsumenten werden selten dazu ermutigt, konkurrierende Bilder nebeneinander zu betrachten. Ein Satz von Bildern wird als humanitäre Katastrophe eingeordnet. Ein anderer wird als kulturelle Resilienz oder als Berichterstattung mit menschlichem Interesse dargestellt. Jeder darf unabhängig voneinander existieren und erfüllt einen anderen emotionalen Zweck.

Die Hungersnot-Bilder erzeugen Dringlichkeit. Die Marathon-Bilder erzeugen Bewunderung. Selten wird das Publikum eingeladen beide direkt miteinander zu vergleichen.

Reuters beschrieb das Rennen im Gazastreifen zum Beispiel als „einen seltenen Moment von Gemeinschaft und Normalität“ und erinnerte die Leser gleichzeitig daran, dass die Läufer durch Straßen liefen, die noch vom Konflikt gezeichnet waren. Die Darstellung erfüllte zwei Funktionen gleichzeitig: Sie bewahrte den Hintergrund der Zerstörung und präsentierte die Läufer zugleich als Symbole von Ausdauer, Widerstandskraft und gemeinschaftlicher Vitalität.

Das Ergebnis war eine sorgfältig austarierte emotionale Komposition, in der Verwüstung und Normalität bequem nebeneinander existierten, ohne jemals wirklich gemeinsam betrachtet zu werden.

Aber der Vergleich ist wichtig.

Denn visuelle Berichterstattung wird ebenso sehr durch das geprägt, was aus dem Bild ausgeschlossen wird, wie durch das, was darin enthalten ist.

Das Ausdauer‑Problem

Menschen, die unter schwerer Unterernährung leiden, nehmen normalerweise nicht an Massen-Ausdauerveranstaltungen teil. Das ist keine politische Aussage. Es ist eine physiologische.

Nichts davon bedeutet, dass niemand im Gazastreifen Hunger hat. Es bedeutet nicht, dass Härten erfunden sind oder dass Zivilisten nicht unter Kriegsbedingungen leiden. Aber es wirft berechtigte Fragen nach Ausmaß, Stimmigkeit und redaktionellem Framing auf.

Wenn internationale Zuschauer wiederholt Bilder sehen, die einen allgemeinen körperlichen Zusammenbruch der Bevölkerung des Gazastreifens suggerieren, dann erschweren Aufnahmen von Tausenden, die an organisierten Langstreckenläufen teilnehmen, zwangsläufig dieses Narrativ.

Besonders, wenn beide Bildwelten nahezu gleichzeitig im Umlauf sind.

Narrativsteuerung

Das Problem geht weit über einen einzelnen Marathon hinaus.

Die Aufnahmen zeigen, wie stark der Gazastreifen visuell für den internationalen Konsum kuratiert wird. Bestimmte Bilder werden aggressiv hervorgehoben. Andere erhalten minimale Aufmerksamkeit. Manche werden zu prägenden Symbolen. Andere gelten als isolierte Ausnahmen ohne weitergehende Bedeutung.

Ein ausgemergeltes Kind wird zum Sinnbild des Gazastreifens. Ein Marathonläufer nicht.

Eine Schlange an der Hilfsausgabe gilt als Beweis für gesellschaftlichen Zusammenbruch. Tausende Menschen, die an einer körperlich anspruchsvollen öffentlichen Veranstaltung teilnehmen, werden als kulturelle Randerscheinung abgetan.

Redaktionelle Gewichtung formt die öffentliche Wahrnehmung lange bevor Zuschauer die Möglichkeit haben Ereignisse selbstständig zu interpretieren.

Der Marathon in Bethlehem fügte dieser Dynamik eine weitere Ebene hinzu. Hier wurde sportliche Bildsprache zu einem offenen politischen Gleichnis. Die BBC stellte die Läufer als Menschen dar, die „Barrieren überwinden“ und positionierte Israels Sicherheitsbarriere wiederholt als sowohl wörtliches als auch symbolisches Hindernis, das palästinensische Identität und Ausdauer prägt.

Der Marathon war nicht mehr bloße sportliche Teilnahme. Er wurde zu narrativer Infrastruktur.

Selbst die Kamerapositionen verstärkten diese Darstellung, indem sie die Barriere häufig so ins Bild setzten, dass sie visuell untrennbar mit den Läufern verbunden blieb.

Das Ökosystem Medien

Was das besonders auffällig macht, ist, dass viele derselben Institutionen beide Narrative gleichzeitig verbreiteten.

Innerhalb desselben Medien-Ökosystems:

  • nahmen Warnungen vor einer Hungersnot zu
     
  • kursierten weltweit Bilder des Verhungerns
     
  • veröffentlichten NGOs Notfallmeldungen
     
  • verstärkten Aktivisten Behauptungen über Zusammenbruch

Und dann:

  • tauchten Marathonaufnahmen auf
     
  • wurde feiernde öffentliche Veranstaltungen beworben
     
  • wurden körperlich robuste Menschenmengen offen sichtbar

Doch fast niemand hielt inne, um zu fragen, ob diese Bilder ein schlüssiges Bild der Realität zeigten.

Es folgte keine ernsthafte redaktionelle Aufarbeitung. Keine institutionelle Stimme zeigte Interesse daran den Widerspruch aufzulösen. Stattdessen verschwand die Widersprüchlichkeit einfach in der Aufsplitterung des modernen Medienkonsums.

Diese Aufsplitterung ist genau der Punkt.

Schlussfolgerung

Bilder werden heute einzeln konsumiert, nicht im Vergleich. Zuschauer nehmen isolierte emotionale Momente auf, nicht schlüssige Narrative. Widersprüche bestehen fort, weil Betrachter selten dazu ermutigt werden, lange genug innezuhalten, um konkurrierende Aufnahmen nebeneinander zu legen.

Die Marathonaufnahmen widerlegen das Leid im Gazastreifen nicht. Darum ging es nie.

Was sie offenlegen, ist die selektive Art, in der der Gazastreifen dem internationalen Publikum präsentiert wird – und wie unvereinbare visuelle Narrative oft ohne jede Prüfung nebeneinander kursieren dürfen.

An einem Tag sehen Zuschauer Bilder, die weit verbreitetes Verhungern und körperlichen Zusammenbruch suggerieren. Am nächsten Tag erscheinen tausende Menschen, die an organisierten Ausdauerveranstaltungen teilnehmen, die Kondition, Koordination, Mobilität und öffentliche Infrastruktur erfordern.

Beide Realitäten können nicht dasselbe redaktionelle Gewicht tragen, ohne offensichtliche Fragen aufzuwerfen.

Die aufschlussreichere Frage ist vielleicht die, warum so wenige Menschen in den Medien bereit erscheinen, sie zu stellen.

Frieden ist unmöglich, solange die palästinensische Autonomiebehörde judenfeindlichen Terror belohnt

Verfasst 14. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Ben M. Freeman, HonestReporting, 23. April 2026

Seit Jahren versucht die internationale Gemeinschaft eine Unterscheidung zwischen der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde aufrechtzuerhalten. Die Hamas wird als offen terroristische Kraft beschrieben, während die PA als moderater und legitimer Partner für Frieden dargestellt wird. Aber diese Unterscheidung ist immer aufrechtzuerhalten werden, wenn die PA, die behauptet, nach Koexistenz zu streben, weiterhin diejenigen belohnt, die Juden ermorden, westliche Regierungen darüber täuscht und verurteilte Terroristen in einflussreiche Positionen befördert.

Ein neuer Bericht, der dem Washington Free Beacon vorliegt, erklärt, dass das US-Außenministerium offiziell festgestellt hat, dass die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilten Terroristen Gehälter zahlte, die im Rahmen der Gaza-Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 aus israelischen Gefängnissen entlassen wurden. Diese Feststellung allein hätte große internationale Aufmerksamkeit erzeugen müssen. Stattdessen hat sie bemerkenswert wenig Beachtung gefunden.

Die Feststellungen betreffen den Zeitraum zwischen August 2025 und Januar 2026. Mit anderen Worten: Während sich die Palästinensische Autonomiebehörde international als reformorientiert, pragmatisch und diplomatisch unterstützenswert darstellte, belohnte sie weiterhin Terrorismus. Sie setzt Anreize für ihre Bürger, dass sie Juden ermorden und ist einer der deutlichsten Gründe dafür, dass Frieden schwer erreichbar bleibt.

Versprechen gegeben, Zahlungen fortgesetzt

Was das Ganze noch schwerwiegender macht: Die die PA hat sich Berichten zufolge verpflichtet diese Praxis zu beenden. Der unter Präsident Trump vermittelte Waffenstillstandsrahmen enthielt Zusagen von Mahmoud Abbas, dass Reformen durchgeführt würden, die das „Geld für Mord“-System beenden. Doch der jüngste Bericht des US-Außenministeriums für den Kongress machte deutlich, dass Abbas und seine Regierung diese Zusagen in keine bedeutsame Weise umgesetzt hatten.

Die Darstellung wirkt noch schlimmer. Dem Bericht zufolge leitete die PA diese Zahlungen über eine neu geschaffene Sozialbehörde um, offenbar um sie vor westlichen Regierungen zu verbergen. Wenn das zutrifft, bedeutet es, dass nicht nur die Politik fortgeführt wurde, sondern dass Anstrengungen unternommen wurden ihre Fortsetzung zu verschleiern. Das ist keine Reform. Es ist Täuschung durch Bürokratie.

Darüber hinaus – und das sollte sich von selbst verstehen – beendet eine Führung, die es ernst mit Frieden meint, Anreize für Terrorismus, weil sie das moralische und politische Gift erkennt, das sie erzeugen. Eine Führung jedoch, die daran interessiert ist ausländische Legitimität zu bewahren und gleichzeitig Konsequenzen zu vermeiden, ändert die Bezeichnung, verschiebt das Geld und hofft, dass niemand zu viele Fragen stellt.

Es gibt zudem eine längere Geschichte dieser Doppelzüngigkeit. Im Februar 2025 berichtete die Journalistin Lahav Harkov, Abbas habe angedeutet Zahlungen an Terroristen und ihre Familien würden selbst dann weitergehen, wenn der Palästinensischen Autonomiebehörde fast kein Geld mehr bliebe, trotz öffentlicher Botschaften, dass die Politik beendet werde. Kurz gesagt: Die Botschaft war lange vor den jüngsten US-Erkenntnissen klar – Beruhigung für westliche Zielgruppen, Kontinuität für die heimische Öffentlichkeit. Der aktuelle Bericht wirkt daher weniger wie eine Enthüllung als wie die Bestätigung eines etablierten Musters.

Von Zahlungen an Terroristen zu ihrer Förderung

Selbst finanzielle Anreize spielen das Problem herunter. Von Palestinian Media Watch veröffentlichte Belege zeigen, dass die Fatah signalisiert hat, dass Terroristen, die mehr als zwanzig Jahre inhaftiert waren, in Führungspositionen aufsteigen könnten. Einige sollen Berichten zufolge am bevorstehenden Achten Fatah-Kongress teilnehmen – einem Gremium, das zentral für die Gestaltung der zukünftigen Politik der Palästinensischen Autonomiebehörde ist.

Das ist kein Randdetail. Es ist eine Aussage über Werte. Eine Bewegung, die ihr Volk auf Frieden vorbereitet, drängt diejenigen an die Seite, die mit Gewalt verbunden sind und hebt diejenigen hervor, die mit Koexistenz, dem Aufbau von Institutionen und bürgerlicher Verantwortung verbunden sind. Sie behandelt lange Haftstrafen wegen Terrorvergehen nicht als Qualifikation. Wenn Terroristen nicht nur bezahlt, sondern befördert werden, ist die Botschaft unmissverständlich: Gewalt wird nicht nur toleriert, sondern geehrt und politisch belohnt.

Hier liegt ein zentraler Fehler vieler Kommentare im Mainstream. Der Fokus bleibt auf Grenzen, Verhandlungen und diplomatischen Formeln. Diese Fragen sind wichtig, aber sie sind nicht das Haupthindernis. Das tiefere Problem ist eine politische Kultur, in der Gewalt gegen Juden verherrlicht wird. Finanzielle Belohnungen, sozialer Status und Wege in Führungspositionen sind nicht die Ursache dieser Kultur, sondern ihr deutlichster Ausdruck.

Der kaum berichtete Skandal

Vielleicht fast ebenso aufschlussreich wie die Politik selbst ist, wie wenig darüber berichtet wurde. Wenn festgestellt würde, dass Israel Zivilisten bezahlt, die Palästinenser ermordet haben, würde das wochenlang die Titelseiten dominieren. Es gäbe Dringlichkeitsdebatten, Verurteilungen und endlose Kommentare über die Unmöglichkeit von Frieden unter solchen Bedingungen. Und das zu Recht.

Aber wenn die Palästinensische Autonomiebehörde diejenigen bezahlt, die Juden ermordet haben, die Zahlungen Berichten zufolge verbirgt, Reformzusagen bricht und verurteilte Terroristen befördert, wird die Geschichte oft begraben oder vollständig ignoriert. Dieses selektive Schweigen ist bedeutsam, weil es dazu beiträgt falsche Narrative darüber aufrechtzuerhalten, wo die wirklichen Hindernisse für Frieden liegen. Zu viele Analysten sprechen endlos über Ursachen, während sie sich weigern, eine der deutlichsten davon zu sehen: eine politische Kultur, in der judenfeindliche Gewalt belohnt wird statt zurückgewiesen zu werden.

Ein Bericht des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs beschreibt außerdem, dass palästinensische Beamte Kampagnen internationalen Drucks gegen Israel unterstützen, BDS-Bemühungen fördern und daran arbeiten, regionale Normalisierung durch die Abraham-Abkommen zu untergraben. Das ist nicht die Haltung einer Führung, die ihre Öffentlichkeit auf Koexistenz vorbereitet. Es ist die Haltung einer Führung, die weiterhin darauf ausgerichtet ist den jüdischen Staat zu besiegen, nur mit anderen Mitteln.

Frieden verlangt Kompromiss, Ehrlichkeit und die bewusste Vorbereitung von Gesellschaften darauf Seite an Seite zu leben. Aber wo Judenhass verankert bleibt und der Mord an Juden finanziellen Gewinn, öffentliche Ehre und Wege zur Macht bringt, fehlt diese Vorbereitung. Solange sich das nicht ändert, ist alles andere Inszenierung. Das zentrale Hindernis ist nicht territorial. Es ist eine Kultur, die Gewalt gegen Juden weiterhin legitimiert und fördert.

Hamas-Brutalität: Die Realität, die die Medien praktischerweise vergessen

Verfasst 7. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Sharon Levy, HonestReporting, 30. April 2026

Wenn der 7. Oktober 2023 der Welt die Brutalität der Hamas preisgab, könnte man erwarten, dass die Gruppe weithin als das erkannt wird, was sie ist. Stattdessen werden ihre Verbrechen zunehmend verzerrt und in einigen Fällen offen entschuldigt.

Die Reinwaschung der Hamas ist inzwischen beunruhigend verbreitet. Aktivisten und Kommentatoren, die die angebliche „Stärke“ der Gruppe im Namen der Verteidigung der Palästinenser loben, verschleiern eine weitaus hässlichere Realität: dass diese „Stärke“ auf Gewalt beruht, die gegen genau jene Menschen ausgeübt wird, die zu schützen sie behauptet.

Die Podcast-Moderatorin und Journalistin Briahna Joy Gray veranschaulichte diesen Trend, als sie Hasan Pikers Aussage unterstützte, die Hamas sei „besser als die IDF“, eine Aussage, die sowohl israelische als auch palästinensische Opfer der Gewalt der Hamas ausblendet.

Es handelt sich um dieselbe Kommentatorin, die die Augen verdrehte, als die Schwester einer israelischen Geisel den Missbrauch beschrieb, unter dem Geiseln in der Gefangenschaft litten.

Aber die Anerkennung des Missbrauchs israelischer Geiseln durch Hamas würde auch erfordern, sich mit ihrem Missbrauch von Palästinensern auseinanderzusetzen — eine Realität, die ein großer Teil der internationalen Medien nur zögerlich thematisiert.

Als Frauen im Gazastreifen kürzlich über Missbrauch durch die Hamas sprachen, bestand die Reaktion der Welt weitgehend aus Schweigen. Kinder, darunter Jungen im Alter von neun oder zehn Jahren, haben ebenfalls Vergewaltigungsvorwürfe erhoben.

Wäre Israel ähnlicher Verbrechen beschuldigt worden, wäre die Berichterstattung erbarmungslos gewesen. Aber der Missbrauch der Hamas an der eigenen Bevölkerung passt nicht in das vorherrschende Narrativ und wird daher heruntergespielt oder ignoriert.

Es gibt keine moralische Gleichsetzung von einer terroristischen Organisation, deren Daseinszweck Israels Zerstörung ist und einem Militär, das nach einem erklärten ethischen Kodex zum Schutz seiner Bürger handelt.

Die Ausbeutung der Palästinenser durch die Hamas erfolgt systematisch.

Schon vor dem 7. Oktober wurden Kinder im Gazastreifen über Sommerlager rekrutiert und zur Gewalt indoktriniert. Tausende Minderjährige, einige erst zwölf Jahre alt, dienten Berichten zufolge als Kämpfer, auch während der Angriffe am 7. Oktober.

Die Gruppe hat humanitäres Leid ebenfalls instrumentalisiert. Hamas-Kämpfer haben Hilfsgüter gestohlen, Angriffe aus Lagern mit Hilfsgütern heraus gestartet und wichtige Vorräte zerstört, während sich das vorherrschende mediale Narrativ fast ausschließlich auf Israel konzentrierte.

Weitere Enthüllungen zeigten, dass Hamas Babynahrung zurückhielt und Lebensmittel in den Tunneln hortete, während sie gleichzeitig Behauptungen über weitverbreiteten Hunger propagierte.

Für viele Medien war es einfacher, Israel die Schuld zu geben, als sich mit der bewussten Ausbeutung der Zivilbevölkerung des Gazastreifens durch die Hamas auseinanderzusetzen.

Die Gewalt der Hamas richtet sich nicht nur gegen Israel. Sie richtet sich auch nach innen.

Nach dem Waffenstillstand im Oktober 2025 nahmen Berichte über die Brutalität der Hamas gegenüber Palästinensern zu. Personen, die der Abweichung oder Zusammenarbeit beschuldigt wurden, waren Entführung, Folter und Hinrichtung ausgesetzt, während die Gruppe ihre Kontrolle mit eiserner Härte durchsetzte.

Die Hamas ist nur dann „besser als die IDF“, wenn man eine völlige Missachtung des Völkerrechts – den Missbrauch von Zivilisten, die Ausbeutung von Kindern und die Umleitung von Hilfsgütern ohne Konsequenzen – als Tugend betrachtet. Was sie nicht ist.

Dadurch, dass Gray und andere die Hamas als vermeintlichen Verteidiger palästinensischer Rechte darstellen, löschen sie die Menschen aus, die unter ihrer Herrschaft leiden.

Das Vorgehen der Hamas ist eindeutig: Israels Vernichtung um jeden Preis. Die IDF handelt nach festgelegten ethischen Richtlinien und existiert, um genau dieses Ergebnis zu verhindern und ihre Bürger vor der Art von Gewalt zu schützen, die die Hamas verkörpert.

Zeigt es, aber sagt nichts: Medien verschweigen die Anwesenheit der Hisbollah im Libanon

Verfasst 5. Mai 2026 von spotplenni
Kategorien: Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt

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Sharon Levy, HonestReporting, 23. April 2026

Als der zehntägige Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft trat, begannen tausende Libanesen in ihre Dörfer im Süden zurückzukehren. Trotz Warnungen des israelischen Militärs, nicht in Gebiete südlich des Litani zurückzukehren, füllten sich die Straßen schnell mit heimatvertriebenen Zivilisten auf dem Weg nach Hause.

Doch das war nicht nur eine Geschichte von Rückkehr.

Neben den Menschenmengen kam eine Flut von Hisbollah-Fahnen, Devotionalien und Postern von „Märtyrern“, darunter auch des früheren Führers Hassan Nasrallah – unübersehbare Symbole der tief verankerten Präsenz der Terrororganisation. (Hinweis: Die Hisbollah wird von zahlreichen Staaten und internationalen Organisationen als terroristische Gruppe und verantwortlich für schwere Gewalt und Menschenrechtsverletzungen eingestuft.)

Doch ein großer Teil der internationalen Medien sah einfach weg.

CNN zeigte über Reuters Aufnahmen, die als herzerwärmende Heimkehr inszeniert waren. Doch in dem 45 Sekunden langen Clip ist Hisbollah-Propaganda in nahezu jedem Bild präsent – Fahnen, Poster, Symbole – und bleibt sowohl im Video als auch im Begleittext vollständig unerwähnt.

Dasselbe Muster wiederholte sich in vielen anderen Medien, darunter BBC, The Guardian, NBC und The Washington Post. Bilder von zurückkehrenden Bewohnern wurden ohne Kontext präsentiert – ohne die Details, die die Realität vor Ort verdeutlichen.

Doch Bilder sind nicht neutral. Sie zeigen, wer den Raum kontrolliert, welche Narrative dominieren und wie Macht ausgeübt wird. Wenn Medien diesen Kontext ausblenden, vereinfachen sie die Geschichte nicht – sie verzerren sie.

Dieses Versagen ist in von Terrororganisationen geprägten Umgebungen noch auffälliger. Wie bereits dokumentiert, beeinflusst die Hisbollah die Arbeitsbedingungen von Journalisten. Diese Realität macht Kontext nicht optional, sondern notwendig.

Doch auch die New York Times ging über die sichtbare Präsenz der Hisbollah hinweg und stellte keine Verbindung zwischen den Bildern und der Dominanz der Gruppe in dem Gebiet her.

Selbst die grundlegendsten Folgerungen werden ignoriert. Von Kindern geschwenkte Hisbollah-Fahnen, Poster zur Verherrlichung von Kämpfern und die Normalisierung von Terrorsymbolik werden ebenso als irrelevant oder schlicht unsichtbar behandelt wie der Einsatz menschlicher Schutzschilde durch die Hisbollah.

Das ist kein Versehen. Es ist eine Entscheidung über das Narrativ.

Durch die Entfernung des Kontextes der Präsenz der Hisbollah, erscheinen israelische Handlungen als willkürlich und unverhältnismäßig, statt als Reaktionen auf eine verankerte terroristische Infrastruktur, die in zivile Gebiete eingebettet ist.

Nichts davon bestreitet, dass Zivilisten im Süden des Libanon leben. Doch diese Gemeinden zu porträtieren ohne das Umfeld zu benennen, in dem sie existieren, erzeugt ein grundsätzlich unvollständiges Bild.

Medien sprechen häufig von „Hisbollah-Hochburgen“. Doch ohne zu erklären, was das bedeutet, bleibt der Begriff hohl.

Eine Hochburg ist nicht nur ein Gebiet der Unterstützung. Sie ist ein Raum, in dem die Hisbollah Kontrolle über das zivile, soziale, wirtschaftliche und militärische Leben ausübt, sich in die Alltags- Infrastruktur einbettet und die Grenze zwischen ziviler und Kampf-Umgebung verwischt.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 arbeitet der Iran daran, seine Ideologie in den Libanon zu exportieren und die Hisbollah zu einer mächtigen Stellvertreter-Streitkraft aufzubauen. Die Gruppe hat die staatlichen Institutionen des Libanon systematisch untergraben und sich tief im Süden und in den Vororten Beiruts verankert.

Das ist die Realität, die den Zuschauern nicht gezeigt wird.

Denn Bilder ohne Kontext klären die Story nicht – sie verschleiern sie.

Das iranische Regime hat im Westen ein tödliches Netzwerk an Terrorzellen aufgebaut hat

Verfasst 30. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost

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Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 24. März 2026

Die Explosionen, die am frühen Montagmorgen in Golders Green im Nordwesten Londons vier Krankenwagen der jüdischen Hilfsorganisation Hatzola zerstörten, waren ohrenbetäubend. Sie waren so heftig, dass sie die Fenster umliegender Gebäude zersplitterten, darunter auch die einer Synagoge, deren Buntglasscheiben herausgesprengt wurden. Rauchwolken zogen sich über die gesamte Umgebung und sendeten eine klare und unmissverständliche Botschaft.

Drei vermummte Verdächtige werden nun im Zusammenhang mit dem Anschlag gesucht. Es war – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – kein Anschlag mit vielen Opfern geplant. Vielmehr scheint er darauf abgezielt gewesen zu sein Angst zu verbreiten und zu demonstrieren, dass jüdische Gemeinschaften im Westen jederzeit erreicht, ins Visier genommen, terrorisiert und sogar ermordet werden können.

Die Gruppe, die sich zu dem Anschlag bekannte, die Islamische Bewegung des Volkes der Rechten Hand, ist kein Einzeltäter. Sie wurde bereits mit ähnlichen Angriffen in ganz Europa in Verbindung gebracht, darunter ein Bombenanschlag auf eine Synagoge in Belgien am 9. März und ist Teil eines größeren Netzwerks von mit dem iranischen Regime verbündeten Agenten, vor denen westliche Behörden seit Jahren gewarnt wurden – Warnungen, die selten mit der gebotenen Dringlichkeit behandelt wurden.

Auch jetzt noch scheinen die britischen Behörden bereit zu sein, das als einen isolierten antisemitischen Vorfall zu behandeln. Obwohl sich die Gruppe zu dem Anschlag bekannte, behaupteten Polizeiberichte hin, dass der Angriff noch nicht eindeutig dem iranischen Regime zugeschrieben werden könne. Sir Mark Rowley räumte am Montag beim jährlichen Abendessen des Community Security Trust (CST), der in Großbritannien Antisemitismus beobachtet, ein, dass der „rasante Anstieg der staatlich iranischen Drohungen in den letzten Jahren gravierend“ sei, fügte aber hinzu, es sei „noch zu früh“, diesen Anschlag mit dem Staat selbst in Verbindung zu bringen.

Das Ergebnis ist bekannt: eine sofortige Fokussierung und die Bereitschaft, zur Tagesordnung überzugehen, ohne sich mit dem größeren Muster auseinanderzusetzen, in das sich dieser Anschlag eindeutig einfügt.

Seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran ist diese Bedrohung deutlich in den Vordergrund gerückt. Angriffe auf jüdische Gemeinden haben in ganz Europa und den Vereinigten Staaten zugenommen. Nicht alle lassen sich eindeutig auf Teheran zurückführen, doch tragen genügend die Handschrift des Irans, um eine anhaltende Leugnung zunehmend zu erschweren.

Nur wenige Stunden nach den Anschlägen, bei denen Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, begann die weltweite Ausstrahlung ein neues Kurzwellenradiosignals. Zweimal täglich, in präzisen Abständen, beginnt eine verzerrte Männerstimme mit einem einzigen persischen Wort, „Tavajjoh“ („Achtung“), bevor sie Zahlenfolgen vorträgt, die sich bisher jeder Entschlüsselung entzogen haben.

Das Signal weist die Merkmale einer „Zahlenstation“ aus der Zeit des Kalten Krieges auf, die historisch von Geheimdiensten genutzt wurde, um verschlüsselte Anweisungen an Agenten im Feld zu übermitteln. Es gab auch Anzeichen von Störungen, darunter Störversuche und Frequenzwechsel, was darauf hindeutet, dass es sich eher um einen laufenden Geheimdienstwettlauf als um ein zufälliges Ereignis handelt.

Anfängliche Spekulationen konzentrierten sich auf den Iran, da man vermutete, das Regime versuche, mit ausländischen Agenten zu kommunizieren. Neuere Analysen weisen jedoch in eine weniger eindeutige Richtung und legen nahe, dass die Übertragung von einem mit den USA verbundenen Militärstützpunkt in Europa stammen könnte. Bislang hat jedoch keine Behörde bestätigt, wer dahintersteckt oder wer die beabsichtigten Empfänger sind.

Diese Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass US-Bundesbehörden die örtlichen Strafverfolgungsbehörden davor warnten, dass das Signal als „operativer Auslöser“ für Schläferagenten dienen könnte. Sollte die Übertragung tatsächlich von einer US-amerikanischen Quelle stammen, lässt sich diese Warnung nur schwer damit in Einklang bringen und wirft die Frage auf, warum die Behörden sie als potenzielle Bedrohung einstufen sollten, wenn sie Teil ihrer eigenen Operationen wären.

Dies mindert nicht die Bedrohung durch mit dem Iran verbundene Netzwerke im Westen. Im Gegenteil, es deutet auf ein komplexeres und beunruhigenderes Bild hin, in dem sichtbare Gewalttaten und Einschüchterungen neben einer weitgehend unsichtbaren Ebene nachrichtendienstlicher Aktivitäten stattfinden.

Die Angriffe sind nicht zufällig, doch die dahinterstehende Struktur ist noch nicht vollständig erkennbar.

Warum also brauchte es einen Krieg mit dem Iran, damit die Medien und in vielen Fällen auch die Behörden eine Bedrohung anerkennen, die seit Jahren dokumentiert, vor der gewarnt und die konsequent heruntergespielt wurde?

In den letzten Wochen warnten Schlagzeilen vermehrt vor der „Möglichkeit“, dass iranische Terrorzellen sowohl in den USA als auch in Europa aktiv seien.

Am 9. März titelte ABC News unter Bezugnahme auf eine persischsprachige Übertragung: „Der Iran aktiviert möglicherweise Schläferzellen im Ausland, so eine Warnung.

Am 13. März lautet eine Schlagzeile der New York Post: „Iranischer Angriff auf US-amerikanischem Boden wahrscheinlich, mit ‚Tausenden‘ rachsüchtigen Schläferzellen im Land: ‚Nicht die Frage, ob, sondern wann‘.

Einen Tag später lautete die Schlagzeile der New York Times: „‚Schläferzellen‘ und Einzeltäter: Sicherheitsexperten warnen vor weiterer Gewalt im eigenen Land.

Was in diesen Berichten weitgehend fehlt, ist die Erkenntnis, dass solche Netzwerke schon lange vor dem aktuellen Krieg gegen das iranische Regime aktiv waren.

Die Beweislage ist lang und gut dokumentiert – für alle, die bereit sind sie zu prüfen. Das wohl deutlichste Beispiel für die Aktivitäten des Regimes auf westlichem Boden ist die Assadi-Affäre, in deren Verlauf der iranische Diplomat Assadollah Assadi als erster iranischer Beamter seit der Revolution von 1979 wegen terroristischer Handlungen angeklagt und inhaftiert wurde.

Der in Wien ansässige Assadi nutzte seinen diplomatischen Posten, um eine mit Triacetontriperoxid (TATP) gefüllte Bombe aus Teheran in einem diplomatischen Kurierbeutel zu schmuggeln. Anschließend übergab er sie einem belgisch-iranischen Paar mit der Anweisung, im Juni 2018 einen Bombenanschlag auf eine Kundgebung des Nationalen Widerstandsrates des Iran in der Nähe von Paris zu verüben. An der Veranstaltung nahmen rund 25.000 Menschen teil, darunter britische und amerikanische Persönlichkeiten. Der Anschlag wurde jedoch durch eine koordinierte, länderübergreifende Anti-Terror-Operation vereitelt.

Die belgische Staatsanwaltschaft stellte nach dem Urteil klar, dass der Fall „die Verantwortung des iranischen Staates für das belegt, was ein Blutbad hätte sein können“. Die Europäische Union zog jedoch nicht denselben Schluss und stufte den versuchten Anschlag als Einzeltat und nicht als staatlich geförderten Terrorismus ein. Assadi selbst wurde nur zwei Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs gegen einen im Iran inhaftierten belgischen Entwicklungshelfer freigelassen.

Der Fall Assadi war keine Anomalie. Er war Teil einer umfassenderen Strategie.

Der Fall des britisch-indischen Autors Salman Rushdie ist ein weiteres prominentes Beispiel für die Vorgehensweise des Regimes. 1989 erließ Ayatollah Ruhollah Khomeini eine Fatwa (ein religiöses Dekret) in der er Rushdies Tod wegen der „Satanischen Verse“ forderte. 1998 distanzierte sich die iranische Regierung unter Präsident Mohammad Khatami öffentlich von dem Dekret und erweckte so den Eindruck, die Bedrohung sei vorüber.

Faktisch wurde die Fatwa nie zurückgenommen und Ali Khamenei bezeichnete sie später als „unumstößlich und unwiderruflich“. Als Rushdie 2022 in New York beinahe einem brutalen Messerangriff zum Opfer fiel und auf einem Auge erblindete, leugneten offizielle Vertreter des Iran jegliche Beteiligung, während Hardliner-Zeitungen den Angreifer lobten.

Das ist keine Distanzierung von Gewalt. Es ist das bevorzugte Vorgehen des Regimes: die Hetze aufrechterhalten, die operative Verantwortung leugnen und anderen die Tat überlassen.

Diese Vorgehensweise wird zunehmend kombiniert mit dem Einsatz von Stellvertretern.

Nach dem vereitelten Assadi-Anschlag von 2018 stützten sich die iranischen Streitkräfte, insbesondere die Revolutionsgarden und das Geheimdienstministerium, verstärkt auf kriminelle Netzwerke, um Anschläge im Ausland zu verüben und so die Distanz Teherans zu seinen Aktivitäten zu wahren.

In Deutschland warf 2022 ein Mitglied der Hells Angels in Bochum im Auftrag der Revolutionsgarden einen Molotowcocktail auf eine Synagoge. Im Jahr 2024 erhoben die französischen Behörden Anklage gegen zwei Verdächtige, die mit einem vom Iran gesteuerten Komplott in Verbindung standen, das sich gegen Israelis und Juden in Paris, München und Berlin richtete.

In den Vereinigten Staaten leitete der iranische Geheimdienstmitarbeiter Alireza Shavaroghi Farahani ein Netzwerk, das einen iranisch-amerikanischen Staatsbürger in Kalifornien und ahnungslose Privatdetektive einsetzte, um Informationen über die iranisch-amerikanische Aktivistin Masih Alinejad zu sammeln; das war Teil eines Komplotts sie zu entführen und von New York nach Venezuela und schließlich in den Iran zu bringen.

In den Jahren 2022 und 2023 wurden mehrere Anschläge auf ehemalige US-Beamte, darunter John Bolton und Mike Pompeo, vereitelt. Die Verbindungen ließen sich zum iranischen Regime zurückverfolgen. In Großbritannien gab der MI5 an, allein im Jahr 2025 mehr als 20 Anschläge mit iranischem Bezug vereitelt zu haben.

Nichts davon wurde verheimlicht. Es wurde dokumentiert, veröffentlicht und war für jeden Journalisten und jeden politischen Entscheidungsträger zugänglich. Die Frage ist nicht, ob die Bedrohung vor dem aktuellen Krieg existierte, sondern warum so wenige in Machtpositionen sie als solche behandelten.

Was aus diesen Aufzeichnungen hervorgeht, ist keine Unklarheit, sondern ein Muster, dem sich die westlichen Regierungen wiederholt nicht vollständig gestellt haben.

Immer wieder wurden Anschläge vereitelt, Agenten identifiziert und Verbindungen nach Teheran aufgedeckt. Doch anstatt die naheliegende Schlussfolgerung zu ziehen, dass das iranische Regime systematisch ein Netzwerk aufbaute, das zu Angriffen auf westlichem Boden fähig war, wurde jeder Fall als isoliert und beherrschbar behandelt.

Selbst als die Beweise eindeutig auf eine staatliche Beteiligung hindeuteten, beschränkte man sich darauf Einzelpersonen zu verfolgen, Zellen zu zerschlagen und die weitreichenderen Folgen zu ignorieren. Der Fall Assadi ist trotz seiner Bedeutung vielleicht das deutlichste Beispiel. Er wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht so behandelt, dass die darin enthaltenen Erkenntnisse über das Regime selbst angemessen gewesen wären.

Infolgedessen konnte die Infrastruktur fortbestehen. Netzwerke wurden nicht zerschlagen, sondern lediglich verwaltet. Die diplomatische, operative und logistische Präsenz des Regimes in westlichen Ländern blieb weitgehend intakt, obwohl es weiterhin Gewaltakte lenkte, ermöglichte oder inspirierte.

Auch die Medien trugen zu diesem Versagen bei. Erst jetzt, inmitten des offenen Konflikts zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und Israel, sprechen die Schlagzeilen in dringlichen Worten von Schläferzellen und drohenden Anschlägen. Das erweckt den Eindruck, dass diese Bedrohung als Folge des Krieges plötzlich entstanden ist.

Was wir jetzt erleben, ist nicht die Entstehung einer neuen Bedrohung, sondern die Aufdeckung einer bereits bestehenden. Sie wurde jahrelang in Gerichtssälen, Geheimdienstberichten und vereinzelten Berichten dokumentiert, aber selten als zusammenhängende oder systemische Gefahr dargestellt.

Der Anschlag in Golders Green war nicht der Beginn dieser Entwicklung. Er war völlig vorhersehbar.

Doch erneut besteht die Gefahr, dass er missverstanden und als isolierter Akt antisemitischer Gewalt abgetan wird, anstatt als Teil einer tiefer liegenden, organisierten Bedrohung erkannt zu werden.

Die Frage ist nicht mehr, ob das iranische Regime die Fähigkeit entwickelt hat, Terror auf westlichem Boden zu verüben, sondern warum es dies so lange tun konnte und ob diejenigen, die ein klares und anhaltendes Muster regimegesteuerter Aktivitäten ignoriert haben, nun bereit sind sich diesem Versagen zu stellen.

Selfie-Yacht? Sex-Boot?

Verfasst 28. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt

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Was der „Sex-Skandal“ der Gaza-Flottille über die dahinter stehende Bewegung aussagt.

Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 14. April 2026

Nur wenige Stunden nachdem eine weitere Global-Sumud-Flottille in Barcelona aufgebrochen war – erneut mit dem Versprechen, „Israels illegale Belagerung zu durchbrechen“ und einen angeblichen „Völkermord“ zu stoppen – tauchte eine weniger vorteilhafte Geschichte auf: Vorwürfe aus den eigenen Reihen über sexuelle Verfehlungen und „verbale Übergriffe“ an Bord des Konvois des vergangenen Jahres.

Die Flottille von 2025 war, wie sich Leser erinnern werden, kein spontanes humanitäres Unterfangen. Sie war ein akribisch inszeniertes Spektakel: wochenlange Livestreams, atemlose Medienberichterstattung und eine rotierende Besetzung durch Promi-Aktivisten. Unter ihnen Greta Thunberg, die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona Ada Colau und die Europaabgeordnete Rima Hassan – zusammen mit Organisatoren, die später anhand im Gazastreifen sichergestellter Dokumente als solche mit direkten Verbindungen zur Hamas entlarvt wurden.

Die „Hilfe“ selbst war dürftig. Schließlich von den Teilnehmern nur noch als „symbolisch“ umetikettiert. Was Sinn ergab, denn die eigentliche Fracht waren Egos und ein verzweifeltes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.

Und doch versagte die sorgfältig inszenierte Nummer, wie erwartet, darin, ihren offensichtlichen Höhepunkt zu liefern. Statt einer dramatischen Konfrontation wurde die Flottille, der der Spitzname „Selfie-Yacht“ verpasst wurde , am Jom Kippur von der israelischen Marine abgefangen und nach Aschdod eskortiert. Kein Chaos. Kein Spektakel. Kein Märtyrertum.

Nur Bilder von Greta Thunberg und anderen, denen leicht amüsierte israelische Kommandosoldaten Sandwiches und Wasserflaschen reichten.

Damals hielt HonestReporting das Offensichtliche fest: Dies war keine ernsthafte humanitäre Mission, sondern eine schwimmende PR‑Kampagne. Eine Schlussfolgerung, die durch die Weigerung der Flottille bekräftigt wurde, mehrere Angebote anzunehmen, ihre Hilfe über etablierte Kanäle zu übergeben, die eine problemlose Lieferung in den Gazastreifen gewährleistet hätten.

Denn darum ging es nie. Es ging um Sichtbarkeit. Und, wenn möglich, um Konfrontation.

Was seitdem bekannt wurde, ist weniger theatralisch, aber deutlich aufschlussreicher.

Laut eines Beitrags des Admin-Teams von Heart of Falastin hatte ein Mitglied des Steuerungskomitees der Flottille – dem höchsten Leitungsgremium der Bewegung – während der Fahrt auf einem der Schiffe sexuelle Beziehungen mit mehreren Aktivisten. Berichten zufolge waren drei Freiwillige-Teilnehmer beteiligt.

Sie kamen zu dem Schluss, dass ein solches Verhalten „einen klaren Verstoß gegen Ethik und Macht darstellt… einen Machtmissbrauch, der ein toxisches Umfeld schafft und die Integrität der gesamten Mission untergräbt.“

Weiter hieß es: „Wenn es auf einem Boot geschieht, das nach Gaza fährt, einem Raum, der heilig, fokussiert und diszipliniert sein sollte, dann ist das eine rote Linie.“

Eine „heilige“ Mission? Ein „diszipliniertes“ Umfeld? Die Realität wirkt deutlich weniger erhaben und eher schmutzig.

Den Vorwürfen zufolge versäumte es die Führung der Flottille trotz Benachrichtigung, die betreffende Person zu entfernen, eine Untersuchung einzuleiten oder überhaupt die Anschuldigungen öffentlich einzugestehen. Der erste Vorfall soll sich vor über sechs Monaten ereignet haben. Ausführliche Zeugenaussagen wurden vor mehr als einem Monat vorgelegt.

Natürlich ist nichts grundsätzlich falsch daran, wenn Erwachsene einvernehmliche sexuelle Beziehungen eingehen. Dennoch können Fragen nach Machtungleichgewicht entstehen. Aber das ist nicht das zentrale Thema.

Wichtig ist, was dieser Vorfall zeigt: dass es für einige Teilnehmer, auch innerhalb der sogenannten Führung, keine ernsthafte humanitäre Mission war, sondern eine Gelegenheit zur Selbstbedienung, die als Aktivismus auftrat.

Ganz im Gegensatz dazu steht der Umgang der Weltmedien mit der Flottille.

Eine einfache Suche nach Berichten allein aus dem September 2025 ergibt Tausende Treffer.

Am 1. September berichteten Medien wie CBS News, die Flottille sei wegen stürmischen Wetters zur Umkehr gezwungen worden und beschrieben sie als Trägerin „humanitärer Hilfe, Nahrung, Wasser und Medizin für den Gazastreifen“, wobei sie Greta Thunbergs Behauptung zitierten, die Menschen im Gazastreifen würden „absichtlich der grundlegenden Mittel zum Überleben beraubt“.

Am 23. September gab die New York Times feierlich Behauptungen wieder, die Kommunikation sei „gestört“ worden, Drohnen seien über die Schiffe geflogen und hätten angegriffen und auf einigen Booten seien Explosionen zu hören gewesen.

Dem war eine frühere atemlose Berichterstattung über einen angeblichen „Drohnenangriff“ auf den Konvoi vorausgegangen – Videomaterial deutete später darauf hin, dass die Ursache in Wirklichkeit das Fehlzünden einer Leuchtrakete durch einen Aktivisten gewesen war.

Am 26. September berichtete Reuters, dass die Flottille einen Vorschlags der italienischen Regierung abgelehnt hatte, die Hilfe über das lateinische Patriarchat von Jerusalem der katholischen Kirche zu liefern – einen Weg, den zu ermöglichen Israel zugesagt hatte.

Wieder wurde Thunberg mit ernster Miene zitiert: „Wir liefern nicht nur humanitäre Hilfe. Wir versuchen, Hoffnung und Solidarität zu bringen, eine starke Botschaft zu senden, dass die Welt an der Seite Palästinas steht.“

Wochenlang wurde dies als ernsthafte humanitäre Mission dargestellt und entsprechend berichtet.

Das war es nicht.

Die nun bekannt werdenden Enthüllungen machen das deutlicher denn je zuvor.

Ob „Selfie-Yacht“, ob „Sex‑Boot“ – das Etikett spielt kaum eine Rolle. Entscheidend ist: Wenn die Medien die jüngste Flottille erneut als ernsthaftes Unterfangen behandeln, lohnt es sich, genau daran zu erinnern, wen und was sie dabei ungeprüft übernehmen.

Warum werden Juden als „das auserwählte Volk“ bezeichnet?

Verfasst 23. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Israel

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Missverständnisse, Missbrauch und eine bequeme Verzerrung

Diese Verzerrung ist kein Zufall. Sie spiegelt eine breitere Tendenz jüdische Geschichte und Theologie in Kategorien zu pressen, die nicht passen, insbesondere in eine moderne rassische Perspektive, die sowohl historisch als auch begrifflich fehl am Platz ist.

Diese Perspektive wird besonders grotesk, wenn sie im Schatten der Schoah angewendet wird, die selbst in der zeitgenössischen Debatte häufig fehlverwendet wird. Die Anklage wird umgekehrt: Die Opfer einer rassistischen Ideologie werden als deren Erben dargestellt, wobei „Auserwähltheit“ als Beweis für Ausschluss, Reinheit oder Dominanz präsentiert wird.

Zunächst ignoriert dieses Argument eine grundlegende Realität: Juden sind keine Rasse. Jüdische Gemeinschaften erstrecken sich über Kontinente und Kulturen — von äthiopisch über indisch bis europäisch und nahöstlich — verbunden nicht durch rassische Homogenität, sondern durch gemeinsame Geschichte, Gesetz und Tradition.

Noch grundlegender verkennt es die Bedeutung des Begriffs selbst.

Was bedeutet es also tatsächlich, „auserwählt“ zu sein?

Das Konzept stammt aus der Thora, am deutlichsten in Exodus (2. Mose) 19,6 am Sinai, wo die Israeliten als „heiliges Volk“ beschrieben werden und durch die Übergabe der Zehn Gebote in den Bund mit Gott eintreten. Es wird in Deuteronomium (5. Mose) 7,6 wiederholt, wo sie als „kostbares Volk“ bezeichnet werden.

Aber „auserwählt“ bedeutet in diesem Zusammenhang kein Privileg im modernen Sinn. Es bedeutet Verpflichtung.

Es ist eine Bezeichnung, die an den Bund gebunden ist, ein verpflichtendes Engagement für einen bestimmte Gesetzeskodex, ethischen Anforderungen und Verantwortlichkeiten. Anstatt Juden über andere zu erheben, erlegt es eine Last auf: gemäß eines anspruchsvollen moralischen und religiösen Rahmens zu leben und als Modell ethischen Handelns zu dienen.

Die Idee reicht zurück zu Abraham im Buch Genesis (1. Mose) und zum Entstehen der Israeliten. In der jüdischen Tradition ist Abraham die Gestalt, die den einen Gott erkennt und die heidnische Welt um sich herum zurückweist. Das ist bedeutsam, weil der alte Nahe Osten überwiegend polytheistisch war. Die Ägypter verehrten ein riesiges Pantheon an Göttern mit unterschiedlichen Kräften und Zuständigkeitsbereichen; die mesopotamische Religion konzentrierte sich auf mehrere Gottheiten, die in Kultstatuen verkörpert waren, die in Tempeln untergebracht und dort bedient wurden; und die Griechen wandten sich ebenfalls an verschiedene Götter für unterschiedliche Bereiche des Lebens und der Natur.

In der jüdischen Tradition ist Abraham der erste große Monotheist, die Gestalt, die den einen Gott in einer Welt erkennt, die von Götzenverehrung beherrscht wird. Dieser Glaube wird zur Grundlage jüdischen Glaubens und jüdischer Praxis, am deutlichsten ausgedrückt in der zentralen Erklärung der Einheit Gottes, die das jüdische Gebet trägt.

Der Gott, den Abraham erkennt, ist kein lokaler oder begrenzter Gott, sondern der Schöpfer von allem: Himmel und Erde, Tag und Nacht und allen lebenden Wesen. Allein diese Vorstellung markierte einen radikalen Bruch mit den religiösen Normen der antiken Welt.

Abraham wird auch so verstanden, dass er für diesen Glauben einen Preis zahlte. Er wies die Götzen seiner Zeit zurück, brach mit der Gesellschaft um ihn herum und verließ seine Heimat auf Gottes Befehl hin; er trat in ein Leben ein, das von Glauben und Ungewissheit geprägt war.

Und das ist der entscheidende Punkt, der oft übersehen wird. Die biblische Geschichte ist nicht die eines Volkes, das passiv als überlegen ausgewählt wird, sondern die einer Familie und später einer Nation, die in eine bindende Beziehung mit einem Gott eintritt und die Verpflichtungen akzeptiert, die damit einhergehen.

Diese Verpflichtung hatte Folgen weit über das jüdische Volk hinaus. Zwei der größten Religionen der Welt, das Christentum und der Islam, gehen aus dieser Tradition hervor. Beide sind in der Vorstellung eines einzigen Gottes verwurzelt und greifen direkt auf zentrale Elemente der hebräischen Bibel zurück. Das Konzept des ethischen Monotheismus, das zuerst in der jüdischen Tradition formuliert wurde, blieb nicht auf ein Volk beschränkt. Es veränderte die religiöse Landschaft eines großen Teils der Welt.

„Auserwähltheit“ ist daher keine abstrakte oder nach innen gerichtete Idee. Ihr Einfluss war global.

In der Bibel ist die Beziehung zwischen Gott und Menschheit nicht statisch. Sie ist dynamisch und zuweilen umstritten. Gott wird nicht als fern oder willkürlich dargestellt, sondern als ein Wesen, mit dem Menschen streiten, es anflehen und vernünftig sprechen können.

Am deutlichsten sehen wir das in der Geschichte von der Zerstörung Sodoms und Gomorras, wo Abraham Gottes ursprüngliches Urteil herausfordert und geltend macht, dass die Unschuldigen nicht zusammen mit den Schuldigen vernichtet werden sollen. Die Episode ist nicht deshalb bemerkenswert, weil Abraham „gewinnt“, indem er die Schwelle auf zehn Gerechte senkt, sondern weil er überhaupt argumentiert. Sie etabliert ein Modell moralischer Auseinandersetzung, nicht passiver Unterwerfung.

An anderer Stelle zeigt die Bibel wiederholt, dass der Bund an Bedingungen geknüpft ist. Die Israeliten werden nicht als bedingungslos erhöht dargestellt, sondern als verantwortlich. In der Geschichte der Kundschafter führt ihr Mangel an Glauben dazu, dass eine ganze Generation vom Eintritt ins Gelobte Land ausgeschlossen wird. Selbst Moses ist nicht von Konsequenzen ausgenommen.

Die Botschaft ist eindeutig. „Auserwählt“ bedeutet nicht garantiert. Es bedeutet gebunden durch Verpflichtungen. In einem modernen Kontext umfasst diese Verpflichtung den Aufbau einer gerechten Gesellschaft, den Widerstand gegen Unterdrückung und den Schutz der Schwachen; die Achtung der menschlichen Würde in Recht, Wirtschaft und Krieg; die Bewahrung der Schöpfung statt ihrer Ausbeutung; und das Streben nach Wahrheit und Integrität im öffentlichen Leben, selbst wenn es etwas kostet.

Auch ist dieser Bund nicht vollständig geschlossen. Die Hebräische Bibel erkennt gerechte Individuen außerhalb des jüdischen Volkes an und das jüdische Recht hat seit Langem festgehalten, dass Konvertiten vollständig Teil der Nation sind, ohne geringeren Status. Der Eintritt in den Bund ist nicht rassisch, sondern durch Verpflichtung definiert.

Die Formulierung „Auserwähltes Volk“ ist zu einer rhetorischen Waffe geworden, die eingesetzt wird, um Juden genau der Weltanschauung zu beschuldigen, die ihre Tradition zurückweist.

Ein Bund der Verpflichtung wird zum Anspruch auf Überlegenheit umgedeutet. Ein System, das auf Gesetz, Zurückhaltung und Verantwortlichkeit aufgebaut ist, wird zu etwas Rassischem und Ausgrenzendem verdreht.

Aber die Verzerrung hält nicht stand. „Auserwählt“ bedeutet im Judentum nicht erhöht. Es bedeutet verpflichtet.

Und die Weigerung, das zu verstehen, ist kein intellektuelles Versagen. Es ist eine Entscheidung.


Anmerkung:
Die Autorin lässt einen wichtigen Aspekt aus. In Jesaja 49,3 bezeichnet Gott Israel als sein auserwähltes Volk, „an dem ich mich verherrlichen will“. Das bedeutet, dass Gott an diesem Volk zeigt, wer er ist; dass er Zusagen/Versprechen einhält, dass er schützt und dass er Treue beweist. Das Volk Israel hat gegen alle Wahrscheinlichkeiten überlebt – weder die Assyrer, noch die Babylonier, die Pharaonen-Ägypter, die Griechen, die Römer, die Inquisition, die Muslime und auch die nicht die Nazis oder die Kommunisten haben es vernichten können. Imperien sind untergegangen, aber das kleine Volk Israel hat überlebt und besteht fort.
Das ist die grundlegende Unterscheidung zwischen dem, was Gottes auserwähltes Volk ist und was die Judenhasser ihm unterstellen. Nicht Herrenrasse/-menschen, sondern Subjekt der Verherrlichung.

Wie Bildauswahl die politische Berichterstattung formt

Verfasst 16. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Medieneinseitigkeit, Medienwelt

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David Katz, HonestReporting, 22. März 2026

Moderne Nachrichtenfotografie wird oft als Darstellung der Realität verstanden, wie sie stattgefunden hat. In Wirklichkeit sehen Leser meist nicht das Ereignis selbst, sondern einen einzelnen Ausschnitt, ausgewählt aus Dutzenden, manchmal Hunderten nahezu identischer Aufnahmen, die innerhalb weniger Sekunden entstanden sind.

Der Unterschied zwischen diesen Ausschnitten kann vollständig verändern, wie ein Moment wahrgenommen wird.

Ein kürzlich veröffentlichter Artikel von The Daily Beast liefert ein klares Beispiel dafür, wie allein die Bildauswahl das Narrativ eines politischen Artikels prägen kann, selbst wenn das Foto echt und unverändert ist.

Das veröffentlichte Bild

Der Artikel behauptete, Donald Trump habe während einer Veranstaltung im Weißen Haus „offenbar Details vergessen“.

Um diese Behauptung zu illustrieren, nutzte der Artikel ein Foto, das Trump zeigt, wie er nach unten blickt, während er bei einem formellen Treffen im East Room Hände schüttelt.

Isoliert betrachtet kann das Bild Zögern, Verwirrung oder Unsicherheit suggerieren.

Eine Überprüfung der vollständigen Fotosequenz, die bei derselben Veranstaltung aufgenommen wurde, zeigt jedoch etwas ganz anderes.

Redaktionelle Entscheidung: Diese Schlagzeile des The Daily Beast nutzt eine bestimmte Aufnahme um kognitiven Verfall zu suggerieren. Das Foto ist zwar echt und unbearbeitet, zeigt aber nur ein Dreißigstel einer Sekund aus einer viel längeren Routine-Begegnung. Ohne Kontext betrachtet schafft das einen visuellen „Beweis“ für eine bestimmte politische Behauptung.
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Kontextuelle Klarheit: In dieser Aufnahme, nur Momente nach der Aufnahme der „Verwirrung“, lächelt das Objekt und agiert mit Gäten normal. Durch Auslassung dieser Aufnahme „löscht“ der Verlag die Realität zugunsten eines vorab festgelegten Narrativs.
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Die vollständige Sequenz stellt das anders dar

Das im Artikel verwendete Foto wurde von der AFP-Fotografin Annabelle Gordon aufgenommen und über Getty Images verbreitet.

Das Getty-Archiv zeigt, dass das Bild aus einer längeren Sequenz stammt, die während desselben Treffens, am selben Tag, im selben Raum und innerhalb weniger Minuten aufgenommen wurde.

Andere Frames aus derselben Sequenz zeigen:

  • Trump, wie er während der Veranstaltung lacht
     
  • Trump, wie er normal am Tisch spricht
     
  • Trump, wie er im Oval Office Dokumente unterzeichnet
     
  • Weitwinkelaufnahmen, die den vollständigen Kontext des Treffens zeigen
     
  • Neutrale Gesichtsausdrücke zwischen den Gesprächswechseln

Keines dieser Bilder legt die im Titel des Artikels angedeutete Verwirrung nahe.

Die Veranstaltung selbst wirkt routiniert, formell und kontrolliert.

Was den Eindruck veränderte, war nicht das Ereignis, sondern die ausgewählte Aufnahme.

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Die volle Sequenz: Ein Blick ins Bildarchiv von Getty zur Veranstaltung (East Room, Weißes Haus). Diese Vorschau im Stil von Kontaktabzügen zeigt die Realität. Von Dutzenden Serienbild-Aufnahmen legt nur eines die erwähnet Verwirrung aus der Schlagzeile nahe; die anderen Aufnahmen zeigen engagierte Standard-Interaktion.

Die volle Sequenz sagt etwas anderes

Screenshot
Screenshot

So funktioniert Serienbild-Fotografie

Moderne Nachrichtenfotografen machen selten nur eine einzige Aufnahme.

Bei politischen Veranstaltungen fotografieren sie oft im Serienmodus und erfassen mehrere Aufnahmen pro Sekunde. Innerhalb einer einzigen Sekunde können sich Gesichtsausdrücke und Körpersprache stark verändern.

Eine Sequenz kann enthalten:

  • neutralen Gesichtsausdruck
     
  •  Ausdruck während des Gesprächs
     
  • unvorteilhaften Lidschlag
     
  • halb geschlossene Augen
     
  • Lächeln
     
  • Lachen
     
  • ein ernster Blick

Sie alle sind real.

Aber nicht alles erzählt dieselbe Geschichte.

Redakteure müssen eine Ausnahme auswählen, der den Moment repräsentiert.

Diese Auswahl kann unbeabsichtigt oder bewusst das Narrativ verstärken, das die Überschrift nahelegt.

Die Bildauswahl kann Bedeutung formen ohne die Realität zu verändern

In diesem Fall ist das vom Artikel verwendete Foto authentisch.

Es wurde bei der beschriebenen Veranstaltung aufgenommen. Es wurde nicht bearbeitet oder manipuliert.

Doch die ausgewählte Aufnahme betont einen Moment, der Unsicherheit erscheinen lässt, während andere Aufnahmen derselben Sequenz die Person entspannt, zugewandt und normal interagierend zeigen.

Als Ergebnis passt der visuelle Eindruck zur schriftlichen Behauptung, obwohl die Gesamtsequenz diese Interpretation nicht stützt.

Das ist keine Erfindung.

Es ist Auswahl.

Und Auswahl kann ausreichen, um die Geschichte zu verändern.

Die Macht einer einzelnen Aufnahme

Nachrichtenleser sehen selten die vollständige Sequenz hinter einem veröffentlichten Bild.

Sie sehen ein Foto, kombiniert mit einer Bildunterschrift, unter einer Überschrift.

Wenn dieses Bild aus einer Serie von Dutzenden nahezu identischer Aufnahmen ausgewählt wird, kann der Unterschied zwischen ihnen subtil sein, aber die Wirkung auf die Wahrnehmung kann erheblich sein.

Ein unvorteilhafter Moment kann wie Verwirrung wirken. Ein Lidschlag kann wie Müdigkeit wirken. Eine Pause kann wie Zögern wirken. Ein Lächeln kann wie Selbstvertrauen wirken.

Alles ist real.

Aber nur eines wird gezeigt.

Ein Muster, das im gesamten politischen Spektrum zu sehen ist

Diese Art der Auswahl von Aufnahmen ist nicht auf ein einzelnes Medium oder eine einzelne politische Person beschränkt.

In der modernen Medienberichterstattung werden Fotos von öffentlichen Personen oft so ausgewählt, dass sie den Ton des begleitenden Artikels verstärken.

Bilder, die Stärke, Schwäche, Ärger, Verwirrung oder Gelassenheit zeigen, können alle aus demselben Ereignis stammen, abhängig davon, welche Aufnahme ausgewählt wird.

Da das Bild selbst real ist, ist die Wirkung für Leser schwer zu erkennen.

Doch der visuelle Eindruck kann beeinflussen, wie die Geschichte verstanden wird – ebenso stark wie der Text selbst.

Blick über die Aufnahme hinaus

Fotojournalismus spielt eine wichtige Rolle bei der Dokumentation des öffentlichen Lebens, aber jedes veröffentlichte Bild stellt eine Auswahl dar.

Diese Auswahl zu verstehen und zu erkennen, dass eine einzelne Aufnahme nicht den gesamten Moment repräsentieren muss, ist entscheidend für alle, die Nachrichten kritisch lesen wollen.

Die Kamera nimmt viele Bilder auf.

Der Redakteur veröffentlicht eines.

Schlussfolgerung

Wenn ein einzelnes Bild ausgewählt wird, um ein öffentliches Ereignis zu repräsentieren, geschieht diese Entscheidung nicht isoliert. Ein Foto durchläuft mehrere Stationen, bevor es den Leser erreicht: angefangen beim Fotografen, weiter über die Agentur und am Ende beim Redakteur, der die finale Aufnahme für die Veröffentlichung auswählt. Jede dieser Stationen trägt Verantwortung.

Fotografen, die im Serienmodus arbeiten, machen oft viele nahezu identische Aufnahmen, darunter Momente, die unvorteilhaft, unbeholfen oder für sich allein betrachtet irreführend wirken. Erfahrene Fachleute wissen, dass nicht jede Aufnahme weitergegeben werden sollte und nicht jede weitergegeben Aufnahme verwendet werden sollte.

Wenn ein Bild ausgewählt wird, das Verwirrung oder Schwäche suggeriert, während andere Aufnahmen derselben Sequenz normale Interaktion zeigen, kann das Ergebnis die Wahrnehmung des Lesers prägen, obwohl das Foto selbst real ist. In diesem Fall vermittelt die veröffentlichte Aufnahme einen Eindruck, der von der breiteren Sequenz nicht gestützt wird. Das wirft eine berechtigte Frage nach der redaktionellen Entscheidung und nach der Verantwortung auf, die Fotograf, Agentur und Publikation gemeinsam tragen, wenn sie bestimmen, welcher einzelne Moment für das gesamte Ereignis stehen soll.

Ist Hebräisch eine Europäische Sprache?

Verfasst 9. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Geschichte

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Fünf Mythen über das moderne Hebräisch widerlegt

Chaim Lax, HonestReporting, 18. Februar 2026

Wenn man genug Zeit in sozialen Medien verbringt, stößt man unweigerlich auf Behauptungen über das Hebräische, die einen fassungslos machen.

Hebräisch ist eine europäische Sprache.

Hebräisch ist eigentlich gestohlenes Arabisch.

Es gibt keine Verbindung zwischen dem modernem Hebräisch und dem biblischem Hebräisch.

Für jeden, der jüdische Geschichte studiert hat oder Hebräisch spricht, sind diese ungeheuerlichen Behauptungen nicht nur offensichtlich falsch, sondern völlig absurd.

Doch sie sind nicht zufällig. Sie sind Teil eines breiteren Versuchs, den Zionismus zu delegitimieren und die historischen Bindungen des jüdischen Volkes zum Land Israel zu bestreiten.

Dieser Text untersucht einige dieser Behauptungen und die Fakten, die die Mythen zerlegen.

Mythos: Hebräisch war eine tote Sprache, bis Eliezer Ben Yehuda es wiederbelebte

Hebräisch war vor dem späten 19. Jahrhundert keine tote Sprache. Aber es war noch nicht die dynamische, alltägliche Umgangssprache, die heute von Millionen in Israel und weltweit gesprochen wird.

Um die Wurzeln des modernen Hebräisch zu verstehen, müssen wir zunächst in das zweite Jahrhundert n. Chr. zurückgehen. Nach der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands durch die Römer nahm der Gebrauch des Hebräischen als gesprochene Sprache unter Juden im Land Israel allmählich ab, während Aramäisch und andere Sprachen Vorrang gewannen.

Doch Hebräisch verschwand nicht und hörte nicht auf, als Sprache zu existieren. Es wandelte sich von einer täglich gesprochenen Sprache zu einer vorwiegend literarischen und liturgischen, bewahrt in Gebet, Gelehrsamkeit, Poesie, juristischem Diskurs und Korrespondenz.

Der jüdische Rechtskorpus, die Mischna, wurde ein paar Jahrhunderte später auf Hebräisch verfasst.

Rabbinische Kommentare, Korrespondenz zwischen verschiedenen jüdischen Gemeinden, wissenschaftliche Texte (einschließlich eines medizinischen Lehrbuchs) wurden in der Spätantike und im Mittelalter durchgehend auf Hebräisch geschrieben. Die erste hebräische Druckerei im Land Israel wurde im 16. Jahrhundert gegründet.

Die Aufklärung des 18. und 19. Jahrhunderts ließ hebräischer Zeitungen und eine neue hebräische Literatur aufkommen.

All dies geschah vor der Zeit von Eliezer Ben Yehuda.

Was er erreichen wollte, war, die hebräische Sprache zu einer gesprochenen Sprache zu machen, die die Kommunikation zwischen Juden aus unterschiedlichen Gemeinschaften erleichtern sollte.

Es stimmt, dass es vor Ben Yehudas Auftreten Juden im Land Israel gab, die Hebräisch sprachen. Es gab sogar Versuche im späten 19. Jahrhundert, reine Hebräischschulen im Osmanischen Palästina zu gründen. Doch es gab keine Sprecher, deren Hauptsprache Hebräisch war oder die hebräische Muttersprachler waren. Menschen konnten Hebräisch auf der Straße sprechen, gingen aber nach Hause und sprachen mit Familie und Freunden andere Sprachen.

Ben Yehudas Hebräisch-Projekt führte zur Gründung des ersten „Hebräisch-Haushalts“, in dem sein Sohn in einer strikt hebräischsprachigen Umgebung aufwuchs.

Die Wiederbelebung des Hebräischen gewann während der Zweiten Alija (1904–1914) entscheidenden Schwung, als Wellen jüdischer Einwanderer ins Land Israel es nicht mehr nur als literarische Sprache annahmen, sondern als gesprochene Alltagssprache. 1904 wurde Hebräisch offiziell zur Sprache der zionistischen Bewegung erklärt.

Als das britische Mandat Palästina 1922 eingerichtet wurde, wurde Hebräisch als eine der drei Amtssprachen des Mandats festgelegt.

Bis 1948 nutzten 93 Prozent der israelischen Kinder unter 15 Jahren Hebräisch als ihre Hauptsprache.

Während Ben Yehuda weitgehend dafür anerkannt wird, diese sprachliche Revolution angestoßen zu haben, war sie im Kern ein gemeinschaftliches Projekt: seine Familienmitglieder und andere Hebraisten erweiterten den hebräischen Wortschatz und formten daraus die moderne und dynamische Sprache, die wir heute kennen.

Mythos: Modernes Hebräisch ist eine europäische Sprache

Die Wahrheit: Eine der Methoden, mit denen Gegner der Rückkehr der Juden in ihre indigene Heimat Zweifel an der Verbindung zwischen dem modernen Israel und dem antiken Israel säen, besteht darin zu behaupten, dass das heute gesprochene Hebräisch nicht dasselbe sei wie das vor 2.000 Jahren im Land gesprochene – und dass modernes Hebräisch in Wirklichkeit eine europäische Sprache sei.

Diese Behauptung verweist auf die Wiederbelebung des Hebräischen durch einen europäischen Juden, Eliezer Ben Yehuda, sowie auf die Übernahme von Wörtern aus europäischen Sprachen (wie Englisch, Deutsch, Russisch und Französisch) in das moderne hebräische Wörterbuch.

Das ist jedoch ein Trugschluss.

Alle Sprachen übernehmen Begriffe aus anderen Sprachen. In der Antike entlehnten hebräische Manuskripte Begriffe aus benachbarten Sprachen wie Aramäisch, Persisch, Griechisch und Latein.

Auch das moderne Hebräisch ist heute von Fremdsprachen beeinflusst. Dasselbe gilt für Arabisch, Englisch, Russisch und Japanisch. Fast alle Sprachen verwenden „Lehnwörter“. Die Verwendung von Lehnwörtern im Hebräischen macht die Sprache nicht plötzlich zu einer europäischen Sprache.

Wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden, basiert das moderne Hebräisch, auch wenn das moderne hebräische Wörterbuch von einem europäischen Juden entwickelt wurde, auf dem biblischen Hebräisch und ist tatsächlich eine semitische Sprache.

Mythos: Modernes Hebräisch ist keine semitische Sprache

Die Wahrheit: Ähnlich dem Mythos, modernes Hebräisch sei eine europäische Sprache, ist die absurde Behauptung, das moderne Hebräisch sei keine semitische Sprache.

Einer der Haupt-„Beweise“, die für diese Behauptung angeführt werden, lautet, die Aussprache einiger hebräischer Buchstaben unterscheide sich von der Aussprache in anderen semitischen Sprachen wie dem Arabischen. Die beiden prominentesten Buchstaben, die in diesem Zusammenhang angeführt werden, sind die Kehllaute Ajin und Het.

Natürlich gibt es mehrere Punkte, die diese Behauptung widerlegen.

Erstens ist die Aussprache kein Hinweis darauf, ob eine Sprache semitisch ist oder nicht.

Wie der Hebräisch-Forscher Elon Gilad betont, werden semitische Sprachen durch ihre Drei-Konsonanten-Wurzeln definiert — eine Struktur, die im biblischen Hebräisch existierte und im modernen Hebräisch weiterhin existiert.

Zweitens weisen selbst andere semitische Sprachen unterschiedliche Aussprachen je nach geografischer Region auf. Es gibt bestimmte Unterschiede zwischen dem Arabisch, das in Ägypten gesprochen wird, dem Arabisch in Jordanien und dem Arabisch im Irak. Dennoch gelten sie alle als semitische Sprachen.

Drittens verloren sogar einige antike Völker, die semitische Sprachen sprachen — wie die Akkader und Samaritaner — den Glottisschlag in ihrer Aussprache. Trotzdem kam niemand auf die Idee, ihre Aussprache als „nicht semitisch“ einzustufen.

Schließlich wird die stärker gutturale Aussprache des Hebräischen weiterhin von einigen Israelis praktiziert, deren Familien aus arabischsprachigen Ländern stammen, insbesondere von Jemeniten. Das macht ihr Hebräisch nicht „semitisch, während das Hebräisch eines anderen Israelis, der exakt dieselben Wörter mit einem anderen Akzent spricht, als nicht semitisch betrachtet würde.

Mythos: Modernes Hebräisch basiert auf Arabisch

Das Gegenteil des Mythos „Hebräisch ist europäisch“ ist der ebenso falsche Mythos, dass modernes Hebräisch auf Arabisch basiert.

Laut diesem Mythos besteht ein großer Teil des modernen Hebräischen (manche behaupten bis zu 80 %) aus arabischen Wörtern.

Wie bereits erwähnt, verwendet das moderne Hebräisch zwar Lehnwörter aus dem Arabischen (und anderen Sprachen), doch sein Wortschatz und seine Grammatik stellen keine umfassende Übernahme des Arabischen dar.

Dieser Mythos soll die Verbindungen zwischen biblischem und modernem Hebräisch bestreiten und damit auch die historischen Verbindungen zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel kappen und israelische Juden als Betrüger darstellen.

Mythos: Sprecher des modernen Hebräisch können das biblische Hebräisch nicht verstehen

Es stimmt, dass modernes Hebräisch und biblisches Hebräisch nicht identisch sind.

Es stimmt jedoch nicht, dass ein Sprecher des modernen Hebräisch die Bibel nicht verstehen würde.

Auch wenn es strukturelle Unterschiede zwischen beiden Sprachstufen gibt und der Wortschatz nicht zu hundert Prozent übereinstimmt, wäre ein gebildeter Israeli in der Lage, die Bibel aufzuschlagen und einen großen Teil des hebräischen Textes zu verstehen.

Analysten haben festgestellt, dass die Beziehung zwischen dem biblischen Hebräisch und dem modernen Hebräisch deutlich enger ist als die Beziehung zwischen Altgriechisch und Neugriechisch (die als sprachliche Verwandte gelten).

Das Verhältnis von biblischem und modernem Hebräisch wird oft mit dem Verhältnis von Shakespeare‑Englisch und modernem Englisch verglichen. Ein moderner Englischsprecher mag ein ganzes Stück nicht ohne Hilfe lesen können, aber er erkennt die Sprache Shakespeares als der eigenen sehr ähnlich.

Es gibt jedoch manche, die behaupten, dass ein Student des biblischen Hebräisch (ohne Kenntnisse des modernen Hebräisch) einen zeitgenössischen hebräischen Text nicht verstehen könne, weil sich die Sprache weiterentwickelt hat.

Diese Beobachtung ist kaum überraschend. Sprachen entwickeln sich über Jahrhunderte – das heutige Englisch wäre für einen Leser von Chaucer kaum verständlich. Doch Entwicklung bedeutet nicht Bruch. Das moderne Hebräisch ruht auf denselben grammatikalischen Grundlagen und demselben Kernwortschatz, die jüdische Texte und Gemeinden seit Jahrtausenden verbinden.

Seine Wiederbelebung war nicht die Schaffung von etwas Neuem, sondern die Erneuerung von etwas, das Bestand hatte.

Fabrikation von Realität: Wie KI-generierte Kriegsbilder in die Medienlieferkette gelangen

Verfasst 7. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Medienwelt, Nahost-Konflikt

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David Katz, HonestReporting, 30. März 2026

Seit Jahrzehnten beruht die Glaubwürdigkeit der Kriegsberichterstattung auf einer einfachen Annahme: dass die Kamera etwas festhält, das tatsächlich geschehen ist.

Diese Annahme ist nicht mehr verlässlich.

Ein zunehmendes Volumen an KI-generierten Kriegsbildern wird inzwischen produziert, verbreitet und in großem Umfang konsumiert. Diese Bilder dokumentieren keine Ereignisse. Sie simulieren sie. Dennoch werden sie oft in Formaten präsentiert, die authentischer Nachrichtenberichterstattung stark ähneln, sodass sie in schnelllebigen Informationsumgebungen schwer von echten Aufnahmen zu unterscheiden sind.

Das stellt einen strukturellen Wandel dar. Das Problem beschränkt sich nicht mehr darauf, wie echte Bilder ausgewählt oder gerahmt werden. Ganze visuelle Ereignisse können nun konstruiert werden, bevor sie überhaupt berichtet werden.

Von Dokumentation zu Fälschung

Eine aktuelle Analyse der Foundation for Defense of Democracies zeigt das Ausmaß dieses Wandels.

Mehr als hundert pro-iranische Deepfake-Videos sind allein in den vergangenen Wochen zirkuliert. Diese Clips zeigen Raketenangriffe, zerstörte Infrastruktur und Gefechtsverläufe, die nicht stattgefunden haben.

Die Bildsprache ist darauf ausgelegt, die visuelle Ästhetik realer Kriegsberichterstattung nachzuahmen. Explosionen, Luftaufnahmen, urbane Zerstörung und Notfallszenen werden mit zunehmendem Realismus dargestellt.

Für ungeschulte Betrachter wirken diese Bilder glaubwürdig. Sie sehen aus wie die Art von Aufnahmen, die globale Medien routinemäßig ausstrahlen.

Der Unterschied liegt nicht darin, wie sie aussehen.

Der Unterschied liegt darin, dass sie nie stattgefunden haben.

Bestätigung durch die Mainstream-Medien: Eine visuelle Untersuchung der New York Times bestätigt das Ausmaß der Bedrohung. Der Bericht dokumentiert, wie KI-generierte Videos eingesetzt wurden, um die Realität iranischer Angriffe zu verzerren und ein „synthetisches“ Schlachtfeld zu schaffen, das nur auf dem Bildschirm existiert, aber als Fakt dargestellt wird

Der Mechanismus synthetischer Kriegsbilder

Die Produktion dieser visuellen Inhalte folgt einer klaren und wiederholbaren Struktur.

  • Schritt 1: Das Ereignis erzeugen
    KI-Systeme generieren hochrealistische Szenen von Konflikten, einschließlich Angriffen, Opfern und Zerstörung. Diese Szenen werden so konstruiert, dass sie vertrauten visuellen Mustern realer Kriegsberichterstattung entsprechen.
     
  • Schritt 2: Die Ausgabe skalieren
    Große Mengen an Inhalten werden schnell produziert. Variationen desselben Themas werden erzeugt, um den Eindruck weit verbreiteter und konsistenter Ereignisse zu schaffen.
     
  • Schritt 3: Narrative Hinweise einbetten
    Die Bilder werden mit bestimmten Botschaften verknüpft. Dazu können Behauptungen über militärische Erfolge, zivile Schäden oder strategische Überlegenheit gehören. Die visuellen Inhalte werden so gestaltet, dass sie diese Behauptungen stützen, bevor irgendeine faktische Überprüfung stattfindet.
     
  • Schritt 4: Verteilung über Netzwerke
    Die Inhalte werden über abgestimmte digitale Ökosysteme verbreitet, einschließlich staatlich verbundener Medienumgebungen und Verstärkungsnetzwerke. Algorithmen erhöhen Sichtbarkeit und Reichweite.

Wenn das Material ein breiteres Publikum erreicht, trägt es bereits den Anschein von Legitimität.

Plattformübergreifende Manipulation: Die Faktencheck-Abteilung der AFP zeigt auf, wie synthetisches Bildmaterial aus sozialen Medien übernommen und in den Nachrichtenzyklus eingeschleust wird. Dies verdeutlicht den Zusammenbruch der traditionellen Medienlieferkette, in der die Interaktion in sozialen Medien der redaktionellen Überprüfung oft vorausgeht.

Warum künstliche Bilder wirksam sind

Die Wirkung dieser Inhalte liegt in ihrer Vertrautheit.

Sie sehen nicht wie Propaganda im traditionellen Sinn aus. Sie sehen wie Nachrichten aus.

Betrachter sind darauf konditioniert, visuellen Belegen zu vertrauen, besonders in der Kriegsberichterstattung, in der Bilder oft mehr Gewicht tragen als Text. Wenn synthetische Bilder dieselbe Komposition, denselben Rhythmus und dieselbe Ästhetik wie authentisches Filmmaterial übernehmen, können sie anfängliche Zweifel umgehen.

Die Geschwindigkeit der Verbreitung verstärkt den Effekt. Bilder werden gesehen, geteilt und verinnerlicht, bevor Überprüfungsprozesse hinterherkommen können.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich der visuelle Eindruck bereits festgesetzt.

Die rasante Verbreitung von Fälschungen: Dieser Screenshot zeigt einen KI-generierten Clip eines angeblichen „Angriffs“, der auf X (ehemals Twitter) über 20 Millionen Aufrufe erreichte. Die enormen Interaktionszahlen beweisen, dass die visuelle Darstellung bereits von einem globalen Publikum wahrgenommen wurde, bevor die Echtheitsprüfung erfolgte.

Verstärkung und Unterstützung durch das Ökosystem

Die Verbreitung synthetischer Kriegsbilder ist nicht zufällig.

Laut derselben Analyse wird ein großer Teil dieser Inhalte in iranisch ausgerichteten Netzwerken produziert und anschließend über breitere digitale Ökosysteme verstärkt, darunter russische und chinesische Kanäle.

Diese gestufte Verstärkung stellt sicher, dass das Material globale Zielgruppen schnell und wiederholt erreicht.

Das Ergebnis ist nicht nur Sichtbarkeit, sondern Verstärkung.

Wiederholte Präsentation erzeugt Vertrautheit. Vertrautheit erzeugt wahrgenommene Glaubwürdigkeit.

Von Fälschung zu Wahrnehmung

Sobald diese Bilder in den öffentlichen Raum gelangen, beginnen sie auf dieselbe Weise zu funktionieren wie authentische visuelle Inhalte.

Sie werden:

  • über soziale Plattformen geteilt
     
  • in Kommentaren und Analysen aufgegriffen
     
  • in laufende Narrative eingebettet
     
  • genutzt, um Behauptungen über reale Ereignisse zu stützen

In diesem Stadium wird es für das Publikum zunehmend schwierig zwischen echten und synthetischen Bildern zu unterscheiden.

Das Bild hat seine Wirkung bereits entfaltet.

Die Verzögerung bei der Überprüfung: Die BBC entlarvte das virale Video schließlich als Fälschung und konnte dessen Ursprung auf eine künstliche Quelle zurückführen. Wie diese Serie jedoch argumentiert, erreicht die „Korrektur“ selten dieselben 20 Millionen Menschen, die die ursprüngliche Fälschung gesehen haben, wodurch ein hartnäckiger „narrativer Rückstand“ zurückbleibt.

Ein Kontinuum, kein separates Problem

Diese Entwicklung ersetzt die in früheren Analysen visueller Medien identifizierten Probleme nicht. Sie erweitert sie.

Frühere Artikel dieser Reihe haben gezeigt, wie:

  • Zuschneiden Kontext entfernen kann
     
  • Timing Bedeutung verzerren kann
     
  • Auswahl Wahrnehmung verändern kann

Künstliche Bilder operieren innerhalb desselben Rahmens.

Der Unterschied besteht darin, dass der Ausgangspunkt nicht mehr ein reales Ereignis ist. Er ist ein konstruiertes.

Doch sobald diese Bilder in die Informationsumgebung eingeführt werden, verhalten sie sich genau wie authentisches Material, das selektiv zusammengesetzt wurde.

Schlussfolgerung

Das Auftreten KI-generierter Kriegsbilder vervollständigt eine Entwicklungskette, die sich über moderne Mediensysteme hinweg herausgebildet hat. Eine visuelle Erzählung muss nicht mehr mit einem realen Ereignis beginnen. Sie kann mit einer Fälschung beginnen, durch Verstärkungsnetzwerke laufen und vor einem Publikum erscheinen, das ihr dieselbe Autorität zuschreibt wie authentischer Berichterstattung.

Von dort an wird das zu einem vertrauten Prozess. Bilder werden ausgewählt, zusammengesetzt und in eine breitere Berichterstattung integriert. Überschriften richten sich nach den Bildern aus. Bilder verstärken die Interpretation. Wahrnehmung wird geformt.

Das schafft eine durchgehende Pipeline, in der Fälschung, Auswahl und Veröffentlichung keine getrennten Phasen mehr sind, sondern miteinander verbundene Teile desselben Systems. Die Verantwortung dafür, was das Publikum letztlich sieht, liegt daher über die gesamte Kette hinweg, von der Erstellung über die Verbreitung bis zur redaktionellen Nutzung.

Dieses Verständnis der Kette ist jetzt entscheidend. Denn in der aktuellen Umgebung lautet die Frage nicht mehr, ob ein Bild bearbeitet oder falsch gerahmt wurde.

Sie lautet, ob das gezeigte Ereignis überhaupt stattgefunden hat.

Dieselbe Geschichte, neue Front: Die Wiederverwertung antiisraelischer Mediennarrative

Verfasst 4. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Sharon Levy, HonestReporting, 26. März 2026

Alle paar Monate tauchen vertraute Narrative im Nachrichtenzyklus wieder auf. Das ist kein Zufall. Während sie über aktuelle Ereignisse berichten, recyceln die Medien oft etablierte Narrative und verpacken sie neu, damit sie auf völlig andere Situationen passen.

Nirgends wurde das deutlicher als in den vergangenen zweieinhalb Jahren, in denen Israel sich im Kriegen an mehreren Fronten gleichzeitig wiederfand.

Nach den Terrorangriffen der Hamas am 7. Oktober 2023 wurde der anschließende Konflikt schnell nicht nur zu einem militärischen Krieg, sondern ein Krieg der Narrative. Nachrichtenmedien beschuldigten Israel rasch, es würde gegen internationales Recht verstoßen und verstärkten Behauptungen des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums, Israel würde absichtlich Kinder ins Visier nehmen oder Zivilisten massakrieren.

Dieselben Narrative sind nun zu einer Vorlage geworden – die jetzt auf Israels Konflikt mit dem Iran und der Hisbollah angewendet wird.

Die Vorlage Gaza-Narrativ

HonestReporting.ai Labs hat festgestellt, dass zwar der Inhalt im aktuellen Krieg gegen Iran und die Hisbollah variieren kann, die erstmals während des Gaza-Konflikts verwendete Darstellung jedoch nahezu vollständig wiederverwendet wird.

Eine genauere Analyse zeigt, dass dies nicht einfach organischer Journalismus ist, der auf sich entwickelnde Ereignisse reagiert. Vielmehr wird ein strukturiertes Muster gespiegelt – eines, das es ermöglicht ein etabliertes, oft emotional aufgeladenes Narrativ in eine völlig andere Konfliktzone zu übertragen.

Die Auswirkungen sind erheblich. Wenn die Darstellung vorab festgelegt ist, sind die Schlussfolgerungen wahrscheinlich ebenfalls vorherbestimmt.

Wiederkehrende Narrative – Schaubild durch HonestReporting.ai Labs.

HonestReporting.ai Labs verfolgte die Wanderung von Desinformationsnarrativen, die ursprünglich während des Gaza-Konflikts eingesetzt wurden und nun auf den Krieg mit dem Iran angewendet werden. Das hat bereits zu mehr als 550 Warnmeldungen geführt, die sich speziell auf den Iran beziehen. Diese lassen sich in fünf dominante Narrativkategorien einordnen:

  • Zivile Opfer und Angriffe auf Krankenhäuser
     
  • Völkermordvorwürfe
     
  • Als gesicherte Tatsache präsentierte Kriegsverbrechen
     
  • Die eindeutige Zuschreibung der Eskalation an Israel oder die Vereinigten Staaten
     
  • Das Auftauchen dessen, was ausdrücklich als „Gaza-Modell“ bezeichnet wird

Diese Themen klingen für jeden bekannt, der die Medienberichterstattung über den Krieg Israels gegen die Hamas verfolgt hat. Ihr erneutes Auftreten jetzt, da Israel Bedrohungen aus dem Iran und durch die Hisbollah gegenübersteht, ist kaum zufällig.

Die Verbreitung von Narrativen

Besorgniserregend ist nicht nur die Vertrautheit dieser Narrative, sondern auch die Geschwindigkeit und das Ausmaß ihrer Verbreitung. Sie prägen die öffentliche Wahrnehmung nahezu sofort und lösen oft emotionale Reaktionen aus, bevor die Fakten vor Ort vollständig feststehen.

Innerhalb weniger Tage nach der Eskalation des Konflikts tauchten bereits identische Themen – häufig in nahezu identischer Sprache – in großen internationalen Medien auf, darunter in der New York Times, dem Guardian und der LA Times.

Das wirft eine wichtige Frage auf: Bewerten Journalistinnen und Journalisten die Ereignisse, während sie sich entwickeln oder passen sie sie in ein bereits bestehendes narratives Rahmenwerk ein?

Über diese breiteren Themen hinaus zeigen bestimmte Formulierungen, wie schnell die Darstellung aus der Gaza-Zeit auf den Iran und den Libanon übertragen wurde.

Schaubild durch HonestReporting.ai Labs.HonestReporting.ai Labs.

In den ersten fünf Tagen des Krieges waren Begriffe wie „Flächenbombardment“ und „Bombardierung“ bereits weit verbreitet. Noch bevor explizite Vergleiche zu Gaza gezogen wurden, leistete eine solche Sprache bereits die Rahmenarbeit, indem sie wahllose Gewalt als gegeben voraussetzte, statt als Behauptung, die einer Überprüfung bedarf.

Das steht im Gegensatz zur Realität, dass die IDF umfangreiche Maßnahmen ergriffen hat, um zivile Schäden zu minimieren, während sie einen Krieg gegen eine Guerillaführt. Die Strategie der Hisbollah, Kämpfer und Infrastruktur in zivilen Gebieten zu verbergen, verwandelt Häuser und Viertel bewusst in Kriegsschauplätze.

Kurz darauf tauchte der Begriff „Kollektivstrafe“ innerhalb eines 48‑Stunden‑Fensters in mehreren Medien auf. Seine Zuschreibung an den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun erhob ihn von einem Kommentar zu scheinbar akzeptierter diplomatischer Sprache.

Ein weiteres recyceltes Narrativ folgte kurz darauf: das Konzept von israelischer „Besatzung als Verhandlungsinstrument“. Zuvor im Diskurs über den Gazastreifen und die Westbank verankert, wurde es nun auf den Libanon angewendet und stellte militärische Operationen als politische Nötigung statt als Sicherheitsmaßnahmen dar.

Dabei wird ein differenziertes Verständnis der Bedrohung durch die Hisbollah und der Gefahr, die sie für israelische Zivilisten darstellt, weitgehend ausgelöscht.

Das „Gaza‑Modell“ als Abkürzung

Vielleicht die aufschlussreichste Entwicklung ist das Auftauchen des sogenannten „Gaza-Modells“ oder der „Gaza-Doktrin“. Anders als einzelne Narrative fungiert dies als Meta-Narrativ – eines, das einen gesamten Deutungsrahmen in einem einzigen Ausdruck importiert.

Wenn Schlagzeilen behaupten, Israel wende ein „Gaza-Modell“ auf den Libanon an, erübrigt sich jede Detailargumentation. Der Ausdruck selbst trägt eingebaute Annahmen: Vertreibung, Angriffe auf Zivilisten und Verstöße gegen internationales Recht.

Der zeitliche Ablauf ist aufschlussreich. Der Ausdruck erschien erstmals am 13. März bei Al-Jazira und verbreitete sich schnell auf andere Medien, darunter den Guardian. Selbst UNO-Generalsekretär António Guterres übernahm ähnliche Formulierungen, was zeigt, wie solche Narrative über die Medien hinausreichen.

Der Ausdruck wurde dem israelischen Verteidigungsminister Israel Katz zugeschrieben, jedoch auf eine Weise, die entscheidenden Kontext entfernte.

In Wirklichkeit hat die Hisbollah, so wie die Hamas, ihre Infrastruktur systematisch in zivilen Gebieten verankert. Das sogenannte „Gaza-Modell“ bezieht sich auf die Zerstörung terroristischer Infrastruktur, sowohl über als auch unter der Erde, nicht auf Angriffe auf Zivilisten, wie oft angedeutet wird.

Durch das Weglassen dieses Kontextes entsteht für die Leser ein irreführender Eindruck: dass Israel die Zerstörung ganzer Gemeinden anstrebt.

Wenn Framing zu irreführenden Schlussfolgerungen wird

Sobald ein narratives Rahmenwerk sich als wirksam erweist, wird es wiederverwendbar. In einem Umfeld, in dem Website-Traffic und Viralität oft Vorrang haben, besteht wenig Anreiz, neue Argumente zu entwickeln, wenn bestehende einfach umfunktioniert werden können.

Doch wenn entscheidender Kontext fehlt, hört Journalismus auf zu informieren. Stattdessen lenkt er das Publikum auf vorgegebene Schlussfolgerungen.

Wenn das „Gaza-Modell“ so leicht anderswo angewendet werden kann, stellt sich eine tiefergehende Frage: Ging es jemals wirklich um den Gazastreifen?

Ist die Al-Aqsa-Moschee in Gefahr? Wieder mal?

Verfasst 2. April 2026 von spotplenni
Kategorien: Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Eine Jahrhunderte alte Verschwörung verbreitet sich heute

Sharon Levy, HonestReporting, 22. März 2026

Die Al-Aqsa-Moschee soll erneut „bedroht“ sein.

Nicht von Israel – sondern von iranischen Raketen.

Am 16. März schlugen Raketentrümmer auf dem Tempelberg ein, wo sich die Al-Aqsa-Moschee befindet und landeten in der Nähe der Grabeskirche. Diese Tatsache wurde in der internationalen Berichterstattung jedoch weitgehend ausgeblendet. Stattdessen konzentrierten sich die Schlagzeilen auf Israels angebliche Einschränkungen der muslimischen Religionsausübung während des Ramadan.

Die Auslassung ist offenkundig.

Israel hat den Zugang zur Al-Aqsa-Moschee nicht aus religiöser Diskriminierung eingeschränkt, sondern als Sicherheitsmaßnahme in Kriegszeiten. Angesichts der anhaltenden iranischen Raketenangriffe haben die Behörden den Zugang zu allen wichtigen religiösen Stätten – einschließlich der Westmauer – beschränkt, um das Risiko von Massenopfern zu verringern.

Dennoch verbreiten Medien wie die New York Times, Channel 4 News, der Guardian und Reuters eine andere Darstellung: Israel würde die Al-Aqsa-Moschee gezielt aussondern und muslimische Gläubige auf die Straße zwingen.

Diese Darstellung ignoriert eine grundlegende Tatsache: Die Raketen des Iran unterscheiden nicht zwischen Muslimen, Christen und Juden. Sie verschonen auch keine heiligen Stätten.

Westliche Medien sind nicht allein darin, dieses Narrativ zu verbreiten. Palästinensische Medien vertreten seit Langem die Behauptung, Israel wolle den muslimischen Gottesdienst an der Al-Aqsa als Teil einer umfassenderen Agenda einschränken.

Zu den aktivsten gehört das Quds News Network (QNN), ein pro-palästinensisches Medium ohne nennenswerte redaktionelle Standards. QNN bezeichnete die Schließung der Al-Aqsa als „beispiellose Einschränkung“ und behauptete Angriffe auf Gläubige – Behauptungen, die die Narrativ prägen, lange bevor sie die großen Plattformen erreicht.

Und es funktioniert.

Wenn Israels Handlungen als religiöse Verfolgung dargestellt werden, ist die Schlussfolgerung vorgegeben. Internationale Medien wiederholen und verstärken die aus einseitigen oder unzuverlässigen Quellen stammende Darstellung.

Das ist nicht neu.

Vor fast einem Jahrhundert, im Jahr 1928, verbreitete der Großmufti von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini, die Behauptung, Juden würden planen die Al-Aqsa zu übernehmen. Im folgenden Jahr trug diese Lüge zu tödlichen Unruhen in Hebron bei, die in einem Massaker und der Vertreibung der jüdischen Gemeinde endeten.

Seitdem taucht das „Die Al-Aqsa ist in Gefahr“-Narrativ immer wieder auf, besonders in Konfliktzeiten.

Die heutige Version wird digital verstärkt.

HonestReporting.ai Labs hat ein klares Muster darin gefunden, wie diese Botschaft verbreitet wurde. Seit dem Ausbruch des Krieges mit dem Iran erzeugte nahezu tägliche Kommunikation über Al-Aqsa ein Gefühl von Dringlichkeit und Empörung und stellte Israels Krieg mit dem Iran als ungerechtfertigten Grund für die Schließung der Stätte dar. Obwohl das Narrativ allmählich in internationalen Medien an Boden gewann, lässt sich ihr Ursprung auf QNN zurückführen, das diese Narrativ innerhalb von drei Wochen 44-mal verstärkte.

Auch wenn QNN keine verlässliche oder maßgebliche Nachrichtenquelle ist, zeigt allein das Volumen auf seinem X-Konto die Gefahr, wie schnell Fehlinformationen und israelfeindliche Narrative sich verbreiten können. In gut sechs Wochen erzielte es mehr als 25 Millionen Impressionen.

Weitere 32 Berichte über die Al-Aqsa stammen von anderen Medien, die von HonestReporting.ai Labs beobachtet wurden und die die Erzählung nach und nach aufgriffen.

Was am Rand beginnt, bleibt nicht dort.

Das Narrativ hat inzwischen eine ideologieübergreifende Verstärkung erreicht. Sie verbreitet sich gleichzeitig über pro-palästinensische Aktivistennetzwerke und westliche konservative Influencer und erweitert ihre Reichweite erheblich.

Zu den prominentesten konservativen Stimmen gehört Tucker Carlson, der nahelegte, Israel habe möglicherweise eine iranische Rakete über dem Tempelberg abgefangen, als Teil eines Plans, die Al-Aqsa zu zerstören und einen jüdischen Tempel wieder aufzubauen – eine moderne Variante einer jahrhundertealten Verschwörung.

Das Muster ist klar.

Eine Randbehauptung gewinnt an Zugkraft. Sie wird wiederholt, umformuliert und verstärkt. Schließlich erscheint sie in der Berichterstattung großer Medien, losgelöst von ihrem Ursprung, aber mit derselben Bedeutung.

Das Ergebnis besteht nicht nur in Fehlinformation, sondern in Legitimierung.

In einer Zeit, in der Narrative innerhalb von Stunden von der Bedeutungslosigkeit zur weltweiten Akzeptanz gelangen können, ist die Wiederbelebung der Al-Aqsa-Verschwörung mehr als ein historisches Echo. Sie ist eine Fallstudie dafür, wie Desinformation sich verbreitet und wie leicht sie zu Glaubwürdigkeit gewaschen wird.

Die Hamas-Medienstrategie: Dokumente entlarven ein koordiniertes Propaganda-Netzwerk

Verfasst 31. März 2026 von spotplenni
Kategorien: Die Welt und Nahost, Medieneinseitigkeit, Medienwelt, Nahost-Konflikt, Palästinenser

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Dr. Rinat Harash, HonestReporting, 15. März 2026

Ein neuer Forschungsbericht des Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center bietet seltene Einblicke in den Medienapparat der Hamas. Basierend auf internen Dokumenten, die während des Krieges im Gazastreifen erbeutet wurden, zeigt die Studie ein streng kontrolliertes und strategisch geführtes Mediennetzwerk, das als zentraler Bestandteil von umfassenden Kampagne der Hamas um Einfluss und Legitimität fungiert.

Die Ergebnisse bestätigen ein Muster, das durch Recherchen von HonestReporting seit Langem dokumentiert ist: Hamas beeinflusst die Medienberichterstattung aus dem Gazastreifen nicht nur. Sie betreibt eine ausgefeilte Kommunikationsinfrastruktur, die darauf ausgelegt ist Narrative lokal und global zu formen.

Laut dem Bericht betreibt die Hamas ein „umfassendes Netzwerk“ offener und verdeckter Kommunikationskanäle, die formelle und informelle Medienplattformen kombinieren. Das System richtet sich an mehrere Zielgruppen und dient als Propaganda und Aufstachelung im Kampf der Hamas um Herzen und Köpfe.

Volle Kontrolle über die Medien in Gaza

Von israelischen Streitkräften während des Krieges sichergestellte Dokumente zeigen, dass die Hamas die vollständige administrative, finanzielle und strategische Kontrolle über Medienorganisationen hat, die mit der Bewegung verbunden sind. Diese Medien werden öffentlich oft als unabhängige Nachrichtenorganisationen präsentiert, was es der Hamas ermöglicht diplomatisch zu agieren und gleichzeitig glaubhaft die Möglichkeit des Leugnens zu wahren.

Die Dokumente zeigen ein hochstrukturiertes System. Die Medienaktivitäten der Hamas werden durch ein mehrjähriges Masterprogramm gesteuert, das aus 25 Projekten mit klar definierten Zielen, Budgets, Inhaltsvorgaben und Zeitplänen besteht.

Zu den Zielen gehören die Beeinflussung der internationalen öffentlichen Meinung, die Delegitimierung Israels und die Durchführung psychologischer Kriegsführung gegen die israelische Gesellschaft.

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Aus dem Dokument die Tabelle des Projekts zur Stärkung psychologischer Kommunikation-Kriegsführung gegen „Rivalen und Feinde“, Teil des Master-Programms, Nr. 10.
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Aus dem Dokument die Tabelle des Projekts zur Stärkung psychologischer Kommunikation-Kriegsführung gegen „Rivalen und Feinde“, Teil des Master-Programms, Nr. 11.
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Der Bericht beschreibt zudem ausführlich, wie die Hamas digitale Werkzeuge und zielgerichtete Botschaften einsetzt um Zielgruppen zu beeinflussen. Diese Aktivitäten umfassen die Produktion von Videos, Infografiken und Berichten für gegnerische Zielgruppen, das Durchführen von Onlinekampagnen und das Schalten gesponserter Werbung für israelische Zielgruppen durch soziale Medien.

Die Strategie umfasst auch die Anpassung von Narrativen an unterschiedliche Zielgruppen. Dieselben Ereignisse werden für interne Zielgruppen mit religiöser Terminologie und für westliche Zielgruppen mit humanitären Narrativen dargestellt, um die internationale Wirkung zu maximieren.

Entscheidend ist, dass die Dokumente auch Medienkanäle beleuchten, die sich als unabhängig darstellen. Laut dem Bericht arbeiten Agenturen wie Shehab und Safa innerhalb des größeren Mediensystems der Hamas, während sie nach außen den Anschein professioneller Nachrichtenorganisationen wahren.

Interne Prüfberichte, die in der Studie ausgewertet wurden, zeigen, dass diese Medien stark von Hamas finanziert werden und unter der Aufsicht der Informationsabteilung der Bewegung arbeiten, die von Ali al-Amoudi geleitet wird, einem ranghohen Hamas-Funktionär, der eng mit dem früheren Anführer Yahya Sinwar verbunden ist.

Unethische Verbindungen zu Hamas

Diese Erkenntnisse spiegeln jahrelange Dokumentation durch HonestReporting wider.

Untersuchungen der Watchdog-Gruppe haben wiederholt die verschwimmenden Grenzen zwischen der Hamas und mediennahen Akteuren im Gazastreifen hervorgehoben. In einem Enthüllungsbericht zeigte HonestReporting, dass Journalisten, die mit ausländischen Medien zusammenarbeiten, an einem von der Hamas organisierten „Tag der Loyalität“ teilnahmen.

Eine weitere Untersuchung zeigte, dass die Hamas Reuters-Journalisten im Gazastreifen ehrte, was Fragen zur Unabhängigkeit von Reportern aufwarf, die unter der Herrschaft von Hamas arbeiten.

Weitere Berichte dokumentierten, wie die Hamas Mediennarrative manipuliert und lokale Mediennetzwerke nutzt, um die internationale Berichterstattung über den Konflikt zu beeinflussen.

Zusammengenommen führen die Forschung des Meir-Amit-Zentrums und die Untersuchungen von HonestReporting zum gleichen Ergebnis.

Die Dokumente decken eine Realität auf, der sich viele Redaktionen nicht stellen wollen. Das Medienökosystem der Hamas ist kein zufälliges Nebenprodukt des Krieges. Es ist ein sorgfältig konstruiertes Propagandasystem, das allzu oft als unabhängige Berichterstattung durchgeht.

Für internationale Medienorganisationen, die stark auf Quellen aus dem Gazastreifen angewiesen sind, ist dieser Unterschied von Bedeutung, weil die neu aufgedeckten Dokumente das Ausmaß der Anstrengungen der Hamas zeigen das Narrativ zu kontrollieren.

Dieses Systems zu begreifen ist entscheidend, um zu verstehen, wie das Gaza-Narrativ hergestellt und in die Welt exportiert wird.


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