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Wie die Hisbollah Israel und den Iran an den Rand eines Krieges brachte

11. Juni 2026

Chaim Lax, HonestReporting, 8. Juni 2026

In den vergangenen 24 Stunden [Sonntag auf Montag] hat die Islamische Republik Iran erstmals seit dem Inkrafttreten einer fragilen Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran am 8. April 2026 mehrere Wellen von Raketen auf Israel abgefeuert.

In Reaktion darauf hat Israel Angriffe auf strategische Ziele innerhalb des Iran durchgeführt.

Zum Zeitpunkt des Schreibens ist unklar, ob sich die jüngste Gewalt zu einem umfassenderen regionalen Krieg entwickeln wird oder ob die Spannungen erneut abklingen.

Um zu verstehen, wie Israel und der Iran an diesen Punkt gelangt sind, ist es jedoch notwendig, über Teheran und Jerusalem hinauszublicken.

Der unmittelbare Auslöser für die aktuelle Eskalation findet sich im Süden des Libanon, wo die Hisbollah monatelang Waffenstillstandsvereinbarungen verletzte, ihre militärische Infrastruktur wieder aufbaute und schließlich ihren Krieg gegen Israel erneut entfachte.

Während die Medienberichterstattung die aktuelle Krise oft als direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Iran darstellt, spielte das Handeln der Hisbollah eine entscheidende Rolle bei der Schaffung der Voraussetzungen für die jüngste Runde der Kämpfe.

@AP hat eine Zeitleiste veröffentlicht, die die Feindseligkeiten zwischen dem Iran, Israel und dem Libanon nachzeichnet. Während der chronologische Ablauf der Ereignisse korrekt ist, beseitigt die Präsentation entscheidenden Kontext, was ein verzerrtes Narrativ des Konflikts zur Folge hat. pic.twitter.com/cvP2biC2Sm
– HonestReporting (@HonestReporting) 6. Juni 2026

Israels Kampf gegen den Hisbollah-Terrorismus (Oktober 2023 bis November 2024)

Nach dem terroristischen Einmarsch der Hamas in Südisrael am 7. Oktober 2023 eröffnete die Hisbollah am folgenden Tag eine zweite Front gegen Israel und startete Angriffe aus dem Süden des Libanon zur Unterstützung ihres palästinensischen Verbündeten und Partner-Mitglieds in der sogenannten „Achse des Widerstands“ des Iran.

Im Verlauf der folgenden elf Monaten hielt die Hisbollah einen stetigen Beschuss mit Raketen, Flugkörpern, Drohnen und Panzerabwehrfeuer auf Gemeinden im Norden Israels aufrecht. Die Angriffe und die militärische Reaktion Israels vertrieben Zehntausende Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze.

Bis September 2024 hatte Israel die Hamas im Gazastreifen erheblich geschwächt und seine Aufmerksamkeit auf die zunehmende Bedrohung durch die Hisbollah verlagert.

In dem Monat führte Israel eine höchst ausgeklügelte Geheimdienstoperation durch, bei der im gesamten Libanon Sprengsätze, die in Kommunikationsgeräten der Hisbollah versteckt waren, detonierten und Tausende von Kämpfern töteten oder verwundeten. Auf die Operation folgte ein anhaltender Feldzug gezielter Schläge gegen die Führung und militärische Infrastruktur der Hisbollah, einschließlich der Tötung ihres Anführers Hassan Nasrallah.

Am 30. September startete Israel eine Bodenoperation mit dem Ziel, die Hisbollah-Kräfte von der Grenze wegzudrängen und die terroristische Infrastruktur zu demontieren, die die Gemeinden im Norden Israels bedrohte.

Der Konflikt dauerte bis zum 26. November 2024 an, als Israel und die Hisbollah einer von den USA vermittelten Waffenruhe zustimmten.

Nach den Bedingungen der Vereinbarung musste sich die Hisbollah gemäß der Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats [vom August 2006!] entwaffnen, sich aus dem Süden des Libanon zurückziehen und es den libanesischen Streitkräften ermöglichen, die Verantwortung für die Durchsetzung der Sicherheit in dem Gebiet zu übernehmen. Israel und der Libanon behielten außerdem das Recht in Selbstverteidigung zu handeln.

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah (November 2024 bis Februar 2026)

Die Waffenruhe brachte ein gewisses Maß an Stabilität in die Region.

Israel zog sich aus dem Großteil des Südlibanon zurück und behielt nur fünf strategische Positionen, die die Grenze überblickten.

Die Hisbollah erfüllte ihre Verpflichtungen aus der Vereinbarung jedoch nicht.

Anstatt sich zu entwaffnen und aus dem Gebiet zurückzuziehen, baute die vom Iran unterstützte Terrororganisation weiterhin ihre militärischen Fähigkeiten wieder auf und hielt eine bewaffnete Präsenz im Süden des Libanon aufrecht.

Eine Analyse der Zeit der Waffenruhe von November 2024 und Dezember 2025 ergab, dass die Hisbollah fast 2.000 Verstöße gegen die Vereinbarung beging.

Israel reagierte auf viele dieser Verstöße mit militärischen Maßnahmen, die sich gegen Waffenlager, Abschussstellen, an der Wiedererrichtung der Hisbollah-Infrastruktur beteiligte Kämpfer und Terroristen richteten, die Angriffe auf Israel vorbereiteten.

Trotz dieser wiederholten Verstöße gelang es der Waffenruhe weitgehend, eine Rückkehr zu einem umfassenden Krieg zu verhindern und sie ermöglichte es vertriebenen Zivilisten auf beiden Seiten der Grenze mit der Rückkehr in ihre Heimat zu beginnen.

Selbst während des zwölftägigen Krieges zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 schloss sich die Hisbollah den Kämpfen nicht direkt an.

Die relative Ruhe hielt jedoch nicht an.

Die Hisbollah nimmt ihren Krieg gegen Israel wieder auf (März 2026 bis heute)

Am 28. Februar 2026 führten die Vereinigten Staaten und Israel Angriffe auf den Iran durch, die Elemente seines ballistischen Raketenprogramms und seines Atomprogramms ins Visier nahmen und zugleich die Möglichkeit eines Regimewechsels förderten.

Im Rahmen der Operation wurde Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet.

Zwei Tage später nahm die Hisbollah die Angriffe auf Israel wieder auf und feuerte Raketen auf Gemeinden im Norden Israels ab, als Reaktion auf den Tod ihres wichtigsten Förderers.

Israel reagierte, indem es erneut in Teile des Südlibanon eindrang um die Hisbollah von der Grenze wegzudrängen und die Bedrohung für israelische Zivilisten zu verringern. Die erneuten Kämpfe vertrieben erneut große Zahlen libanesischer Zivilisten und drohten die brüchige Stabilität zu zerstören, die sich seit Ende 2024 herausgebildet hatte.

Kurz gesagt: Die Hisbollah entschied sich, die Waffenruhe zu brechen und einen Konflikt wieder zu eröffnen, der mehr als ein Jahr lang weitgehend eingedämmt gewesen war.

Eine Woche nach dem Ende der Feindseligkeiten zwischen Israel, den Vereinigten Staaten und dem Iran begann eine weitere von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah.

Israel und der Libanon begannen anschließend direkte Gespräche mit dem Ziel, die vorübergehende Waffenruhe in eine dauerhaftere Regelung zu überführen.

Doch die Hisbollah setzte ihre Angriffe auf im Süden des Libanon operierende israelische Streitkräfte und auf Gemeinden im Norden Israels fort.

Nach Angaben des Alma Research Center führte die Hisbollah zwischen dem 17. April und dem 8. Juni 975 Angriffswellen gegen israelische Kräfte und Zivilisten aus.

Am 3. Juni erzielten Israel und der Libanon eine neue Waffenstillstandsvereinbarung, die die Hisbollah verpflichtete alle Angriffe auf Israel einzustellen und sich südlich des Litani-Flusses zu entwaffnen. Die Vereinbarung sah außerdem die Schaffung von Pilotzonen vor, in denen die libanesische Armee die alleinige Sicherheitskontrolle ausüben und nichtstaatliche bewaffnete Gruppen entfernen würde.

Die Hisbollah lehnte die Regelung am folgenden Tag ab, bezeichnete sie als Kapitulation vor Israel und setzte ihre Angriffe fort.

Unterdessen vermied Israel angesichts amerikanischer Sorgen über eine breitere regionale Eskalation und laufender diplomatischer Bemühungen mit dem Iran weitgehend Angriffe auf die Hisbollah-Infrastruktur in Beirut und konzentrierte sich stattdessen auf Bedrohungen im Süden des Libanon.

Das änderte sich am 7. Juni.

Nach anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffen auf Gemeinden im Norden Israels griff Israel eine Hisbollah-Einrichtung im Beiruter Stadtteil Dahieh an, einer wichtigen Hochburg der Terrororganisation.

Der Angriff war besonders deshalb von Bedeutung, weil der Iran zuvor gewarnt hatte, Angriffe auf Beirut würden eine direkte Reaktion gegen Israel auslösen.

Nur Stunden später feuerte der Iran mehrere Wellen von Raketen auf den jüdischen Staat ab.

Lasst uns das klarstellen, @MSNOWNews.
Hierbei handelt es sich nicht um einen Fall, in dem Israel und der Iran „Raketen aufeinander abfeuern“.
Diese Darstellung suggeriert fälschlicherweise einen Schlagabtausch zwischen zwei moralisch gleichwertigen Parteien.
Was ist tatsächlich geschehen?
Die Hisbollah hat gegen den Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon verstoßen, indem sie … pic.twitter.com/kTCQeuMs6O
– HonestReporting (@HonestReporting), 8. Juni 2026

Die jüngste Eskalation verdeutlicht, wie eng die militärischen Entscheidungen der Hisbollah weiterhin mit den regionalen Ambitionen des Iran verknüpft bleiben.

Trotz wiederholter vereinbarter Waffenruhen, laufender Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon und Möglichkeiten zur Entspannung entschied sich die Hisbollah immer wieder für Konfrontation statt Deeskalation.

So sagte der libanesische Präsident Joseph Aoun kürzlich gegenüber CNN, dass der Iran den Libanon als „Verhandlungsmasse“ in seinen Gesprächen mit den Vereinigten Staaten benutzt und kein Recht hat, sich in die libanesischen Angelegenheiten einzumischen.

Diese Aussagen unterstreichen eine wachsende Frustration innerhalb des Libanon selbst: dass Entscheidungen, die in Teheran und von der Hisbollah getroffen werden, dem libanesischen Volk weiterhin enorme Kosten auferlegen.

Ob sich der aktuelle Schlagabtausch zu einem größeren regionalen Krieg ausweitet, bleibt ungewiss.

Klar ist, dass die jüngste Konfrontation nicht plötzlich entstanden ist. Ihr gingen monatelange Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe, erneute Angriffe auf Israel und die bewusste Entscheidung voraus, den Libanon erneut in den Mittelpunkt der iranischen Konfrontation mit dem jüdischen Staat zu stellen.

Das echte „Modell Gaza“: Wie Hamas- und Hisbollah-Taktiken das Schlachtfeld formen

25. Mai 2026

Sharon Levy, HonestReporting, 30. April 2026

Die im Libanon eingesetzten Taktiken sind dieselben wie die in Gaza angewandten.

Doch die New York Times, CNN und der Guardian werden nicht erklären, warum das gemacht wird.

Alle drei Medien behaupten, Israel setze in Libanon ein „Modell Gaza“ um, aber keines untersucht den zugrunde liegenden Grund: das Wesen des Feindes.

Die Hisbollah bettet sich – wie die Hamas – in zivile Infrastruktur ein und nutzt Krankenhäuser, Krankenwagen, Wohnhäuser und andere geschützte Orte um Angriffe auf Israel zu starten. Das ist nicht zufällig. Es ist zentral für ihre Strategie. Und es wird in der Berichterstattung regelmäßig ausgelassen.

Der Ausdruck „Gaza-Manuskript“ mag zutreffen, aber nicht in der Weise, wie er dargestellt wird. Die Ähnlichkeit liegt nicht in den israelischen Taktiken, sondern in den identischen operativen Modellen der Terrororganisationen, mit denen Israel es zu tun hat.

Tunnelinfrastruktur

Während die IDF weiterhin Terror-Tunnel im Gazastreifen zerstört, stößt sie im Süden des Libanon auf dieselbe Bedrohung.

Das Tunnelsystem der Hisbollah wird weiterhin aufgedeckt und gilt weithin als ausgefeilter als das der Hamas.

Erst letzte Woche entdeckte die IDF zwei vollständig ausgestattete Hisbollah-Tunnel, die sich über etwa zwei Kilometer nahe der israelischen Nordgrenze erstreckten.

Aber Tunnel sind nur ein Teil der Geschichte.

Wie die Hamas bettet die Hisbollah ihre militärische Infrastruktur in zivile Bereiche ein. Im Gaza streifen wurden Tunnelschächte in Wohnhäusern gefunden. Im Libanon hat Hisbollah Kinderzimmer in Waffenlager verwandelt.

Diese Bedrohung ist nicht neu. Seit Jahren warnen die israelischen Sicherheitsdienste vor den Plänen der Hisbollah den Norden Israels über unterirdische Netzwerke zu infiltrieren – schon lange vor dem 7. Oktober 2023.

Die Hisbollah hat wiederholt versucht, Angriffe über die Grenze hinweg durchzuführen und bereits 2011 berichteten libanesische Medien über Pläne zur Eroberung von Galiläa.

Nach dem Massaker der Hamas im Oktober 2023 hatte die Hisbollah tausende Terroristen für einen ähnlichen Angriff positioniert. Gefangene Mitglieder ihrer Eliteeinheit Radwan haben Pläne zur Besetzung von Teilen Nordisraels bestätigt. Trotz schwerer Verluste bleibt die Radwan Force eine ernsthafte Bedrohung.

Missbrauch medizinischer Infrastruktur

Die Parallelen gehen über Tunnel hinaus.

Sowohl die Hamas als auch die Hisbollah nutzen medizinische Infrastruktur systematisch für militärische Zwecke.

Laut Völkerrecht sind Krankenhäuser und Krankenwagen geschützt, es sei denn, sie werden für Kampfhandlungen genutzt. Wenn Terrororganisationen diese Einrichtungen militarisieren, verlieren sie diesen Schutz.

Die Hamas hat wiederholt Gesundheitseinrichtungen für Terroraktivitäten ausgenutzt. Doch wenn Israel gegen diese Orte vorgeht, beschränkt sich die Berichterstattung der Medien oft auf Anschuldigungen, denen der Kontext fehlt.

Hisbollah operiert auf weithin dieselbe Weise.

Als hybride Organisation, die in die libanesische Zivilgesellschaft eingebettet ist, verwischt sie bewusst die Grenze zwischen ziviler und militärischer Infrastruktur, löscht die Unterscheidung vollständig aus.

Das ist kein Zufall; es ist Strategie. Zivile Umgebungen bieten Deckung – sowohl operativ als auch im Gericht der internationalen Öffentlichkeit.

Belege dafür, dass die Hisbollah Krankenwagen für militärische Zwecke nutzt, sind von der IDF öffentlich aufgedeckt worden. Dennoch ignoriert ein großer Teil der Medien diese Realität und verstärkt stattdessen das Narrativ, Israel greife das Gesundheitswesen an.

Das wahre „Modell Gazastreifen“

Die Ähnlichkeiten zwischen Gaza und Libanon sind nicht zufällig.

Sie sind von denselben Organisationen entwickelt worden, die die IDF bekämpft, um sie zu eliminieren.

Was die Medien als „Modell Gazastreifen“ oder „Gaza-Manuskript“ beschreiben, ist nicht Israel, das Taktiken exportiert. Es besteht darin, dass Israel derselben Strategie gegenübersteht, die von zwei verschiedenen Terrororganisationen eingesetzt wird.

Wenn also Schulen, Krankenhäuser und Wohnhäuser entlang der israelischen Grenzen Teil der Infrastruktur der Terroristen werden, geht es nicht darum, dass Israel ein Manuskript wiederholt.

Es geht darum, dass die Hamas und die Hisbollah mit demselben arbeiten.

Zeigt es, aber sagt nichts: Medien verschweigen die Anwesenheit der Hisbollah im Libanon

5. Mai 2026

Sharon Levy, HonestReporting, 23. April 2026

Als der zehntägige Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft trat, begannen tausende Libanesen in ihre Dörfer im Süden zurückzukehren. Trotz Warnungen des israelischen Militärs, nicht in Gebiete südlich des Litani zurückzukehren, füllten sich die Straßen schnell mit heimatvertriebenen Zivilisten auf dem Weg nach Hause.

Doch das war nicht nur eine Geschichte von Rückkehr.

Neben den Menschenmengen kam eine Flut von Hisbollah-Fahnen, Devotionalien und Postern von „Märtyrern“, darunter auch des früheren Führers Hassan Nasrallah – unübersehbare Symbole der tief verankerten Präsenz der Terrororganisation. (Hinweis: Die Hisbollah wird von zahlreichen Staaten und internationalen Organisationen als terroristische Gruppe und verantwortlich für schwere Gewalt und Menschenrechtsverletzungen eingestuft.)

Doch ein großer Teil der internationalen Medien sah einfach weg.

CNN zeigte über Reuters Aufnahmen, die als herzerwärmende Heimkehr inszeniert waren. Doch in dem 45 Sekunden langen Clip ist Hisbollah-Propaganda in nahezu jedem Bild präsent – Fahnen, Poster, Symbole – und bleibt sowohl im Video als auch im Begleittext vollständig unerwähnt.

Dasselbe Muster wiederholte sich in vielen anderen Medien, darunter BBC, The Guardian, NBC und The Washington Post. Bilder von zurückkehrenden Bewohnern wurden ohne Kontext präsentiert – ohne die Details, die die Realität vor Ort verdeutlichen.

Doch Bilder sind nicht neutral. Sie zeigen, wer den Raum kontrolliert, welche Narrative dominieren und wie Macht ausgeübt wird. Wenn Medien diesen Kontext ausblenden, vereinfachen sie die Geschichte nicht – sie verzerren sie.

Dieses Versagen ist in von Terrororganisationen geprägten Umgebungen noch auffälliger. Wie bereits dokumentiert, beeinflusst die Hisbollah die Arbeitsbedingungen von Journalisten. Diese Realität macht Kontext nicht optional, sondern notwendig.

Doch auch die New York Times ging über die sichtbare Präsenz der Hisbollah hinweg und stellte keine Verbindung zwischen den Bildern und der Dominanz der Gruppe in dem Gebiet her.

Selbst die grundlegendsten Folgerungen werden ignoriert. Von Kindern geschwenkte Hisbollah-Fahnen, Poster zur Verherrlichung von Kämpfern und die Normalisierung von Terrorsymbolik werden ebenso als irrelevant oder schlicht unsichtbar behandelt wie der Einsatz menschlicher Schutzschilde durch die Hisbollah.

Das ist kein Versehen. Es ist eine Entscheidung über das Narrativ.

Durch die Entfernung des Kontextes der Präsenz der Hisbollah, erscheinen israelische Handlungen als willkürlich und unverhältnismäßig, statt als Reaktionen auf eine verankerte terroristische Infrastruktur, die in zivile Gebiete eingebettet ist.

Nichts davon bestreitet, dass Zivilisten im Süden des Libanon leben. Doch diese Gemeinden zu porträtieren ohne das Umfeld zu benennen, in dem sie existieren, erzeugt ein grundsätzlich unvollständiges Bild.

Medien sprechen häufig von „Hisbollah-Hochburgen“. Doch ohne zu erklären, was das bedeutet, bleibt der Begriff hohl.

Eine Hochburg ist nicht nur ein Gebiet der Unterstützung. Sie ist ein Raum, in dem die Hisbollah Kontrolle über das zivile, soziale, wirtschaftliche und militärische Leben ausübt, sich in die Alltags- Infrastruktur einbettet und die Grenze zwischen ziviler und Kampf-Umgebung verwischt.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 arbeitet der Iran daran, seine Ideologie in den Libanon zu exportieren und die Hisbollah zu einer mächtigen Stellvertreter-Streitkraft aufzubauen. Die Gruppe hat die staatlichen Institutionen des Libanon systematisch untergraben und sich tief im Süden und in den Vororten Beiruts verankert.

Das ist die Realität, die den Zuschauern nicht gezeigt wird.

Denn Bilder ohne Kontext klären die Story nicht – sie verschleiern sie.

Was die Medien Ihnen zu Israels Konflikt mit der Hisbollah nicht erklären

6. Dezember 2025

Rinat Harash, HonestReporting, Nov. 24, 2025

Ein Jahr nach einem brüchigen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah töteten die IDF gestern (24. November) einen ranghohen Kommandeur der Terrororganisation bei einem gezielten Angriff in einem Vorort von Beirut.

Die Hisbollah – und ein Großteil der Medien – stellten den Angriff sofort als israelischen Bruch des Waffenstillstands dar, obwohl Israel seit Monaten versucht, die Bemühungen der Organisation zum Wiederaufbau ihrer militärischen Infrastruktur zu verhindern, während sie sich offen weigert, abzurüsten.

Um die Dynamik zwischen dem Libanon, Hisbollah und Israel besser zu verstehen, sprach HonestReporting mit Oberstleutnant (d.Res.) Sarit Zehavi, Gründerin und Präsidentin von Alma, einem gemeinnützigen und unabhängigen Forschungszentrum, das sich auf die Sicherheit der israelischen Nordgrenze spezialisiert.

„Rasenmähen“

Fast jedes große Medium, das über die Ermordung des Hisbollah-Kommandeurs Ali Tabtabai berichtete, lieferte Hintergrundinformationen, die nahelegten, Israel sei der Aggressor. Reuters schrieb beispielsweise:

Der Waffenstillstand vom November 2024 sollte ein Jahr der Kämpfe zwischen Hisbollah und dem israelischen Militär beenden, der durch den Raketenbeschuss israelischer Stellungen durch die Hisbollah einen Tag nach dem Angriff ihres palästinensischen Verbündeten Hamas am 7. Oktober 2023 ausgelöst wurde.

Doch Israel setzte seine nahezu täglichen Angriffe auf den Libanon seit dem Waffenstillstand fort, wobei es nach eigenen Angaben Waffenlager der Hisbollah, Kämpfer und Bemühungen der Gruppe zum Wiederaufbau ins Visier nahm. In den letzten Wochen wurden diese Angriffe noch verstärkt.

Israel wirft der Hisbollah vor, im Süden wieder Fuß zu fassen und drängt den Libanon, aggressiver gegen alle nicht genehmigten Waffen im Land vorzugehen – einschließlich derjenigen der Hisbollah.

Die Hisbollah hat seit Beginn des Waffenstillstands nicht auf Israel geschossen und behauptet, ihn einzuhalten.

Doch kein Medium untersuchte die wirklichen Gründe hinter der Situation oder was die Hisbollah vor Ort tut. Zehavi hob drei zentrale Punkte hervor, die für das Verständnis der Lage entscheidend sind:

  • Die IDF agiert mit Unterstützung der USA, um zu verhindern, dass die Hisbollah sich wiederbewaffnet.
     
  • Strategisch hat Israel nach den schweren Schlägen, die die Hisbollah im jüngsten Konflikt einstecken musste, weiterhin die Oberhand.
     
  • Ohne eine langfristige politische Kursänderung wird die Hisbollah sich einfach wieder aufbauen – erneut.

Einerseits unternimmt die Hisbollah große Anstrengungen, um ihre militärische Stärke wiederherzustellen und andererseits greift die IDF jede Art solcher Versuche an. Wer gewinnt in dieser Art von Wettbewerb? Ich weiß es nicht, aber es ist klar, dass wir das „den Rasen mähen“, sagte Zehavi gegenüber HonestReporting und verwendete damit eine bekannte Metapher für periodische Militäroperationen im israelisch-palästinensischen Konflikt.

„Wenn es nötig ist, das Spektrum der Angriffe zu erweitern, wird die IDF das tun,“ fügte sie hinzu – nur wenige Stunden vor dem Schlag, der Tabtabai tötete.

Laut Zehavi liegt ein Teil der Herausforderung in den geringen Erwartungen an die libanesische Armee und Regierung, die nicht genug tun, um die Hisbollah zu entwaffnen – aus Feigheit oder infolge von Zusammenarbeit.

„Es ist ein großes Gebiet, größer als der Gazastreifen; es dauert lange, sie [die Hisbollah] zu entwaffnen. Und wenn man nur so tut, als würde man sie entwaffnen, es aber nicht wirklich tut, dann dauert es noch länger. Was man also sieht, ist, dass die IDF die Bewohner auffordert, bestimmte Orte zu verlassen, um diese bestimmten Gebäude zu bombardieren, weil sich dort Waffen der Hisbollah befinden.

Ein Politikwechsel

Im vergangenen Jahr der Kämpfe – beginnend am 8. Oktober 2023 – hat Israel einen Großteil der Führungsspitze der Hisbollah ausgeschaltet, darunter ihren ehemaligen Anführer Hassan Nasrallah. Eine verdeckte Operation im September 2024, bei der Tausende von Pagern zur Detonation gebracht wurden, neutralisierte zahlreiche Kämpfer.

Zehavi sagt aber, diese Erfolge seien zwar bedeutend, hätten das zugrunde liegende Problem jedoch nicht gelöst.

„Es ist offensichtlich, dass die Aufgabe der IDF nicht beendet ist. Sie hatte einen großartigen militärischen Erfolg, aber die Hisbollah existiert weiter. Wir haben 80 Prozent ihres Raketenarsenals zerstört, aber sie besitzen immer noch Tausende von Raketen … Und einen Tag nach dem Waffenstillstand begann die Hisbollah wieder mit dem Wiederaufbau. Das läuft weiter.“

Auf die Frage, ob sich das Kräfteverhältnis verschoben habe, sagte Zehavi, dass die Hisbollah derzeit von Vergeltung absehe, doch diese Zurückhaltung möglicherweise nicht von Dauer sei.

„Israel kann nicht dieselbe Politik verfolgen wie nach dem Krieg 2006, als wir den Waffenstillstand respektierten, obwohl die Hisbollah wieder aufrüstete. Die Hisbollah hat den Waffenstillstand nie respektiert … Wir standen einfach an der Grenze und sahen zu, wie die Hisbollah zu einem Monster wurde. Das dürfen wir nicht wieder geschehen lassen“, sagte sie und bezog sich auf die Lage nach dem Konflikt von 2006 zwischen Hisbollah und Israel.

Als Bewohnerin Nordisraels sagt Zehavi, fühle sie sich heute etwas sicherer, warnt jedoch, dass die Lage alles andere als stabil sei.

„Der Unterschied jetzt ist, dass die IDF grünes Licht hat, anzugreifen, wenn es Verstöße durch die Hisbollah gibt und dass sie fünf Hügelstellungen im Süden des Libanon hält, statt dass es dort Hisbollah-Positionen gibt“, sagte sie. „Die Hisbollah ist nicht mehr dieselbe wie am 6. Oktober 2023. Sie ist deutlich schwächer. Dennoch haben wir nicht das Gefühl, dass die Lage hier stabil ist … Was wir hier erleben, ist kein Frieden.“

Die Hisbollah und die zahnlose UNO-Resolution 1701

3. Oktober 2024

Paul Shindman, HonestReporting, 8. September 2019

Nach dem Libanon-Krieg von 2006 verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 1701, die damals als ein streng formuliertes Dokument wahrgenommen wurde. Sie zielte nicht nur darauf ab den Waffenstillstand zu aufrechtzuerhalten, sondern die Hände der Regierung in Beirut zu stärken, indem sie die Zentralregierung aufforderte die Kontrolle über das ganze Land durchzusetzen.

Zum größten Teil hat 1701 die zahnlose Unfähigkeit des internationalen Gremiums gezeigt diese Worte zu nehmen und vor Ort effektiv umzusetzen.

Der Krieg von 2006 war keiner zwischen zwei Ländern, sondern zwischen Israel und der Terrororganisation Hisbollah, geführt von Hassan Nasrallah, finanziert, ausgebildet und bewaffnet durch den Iran. Die Hisbollah steht nicht unter der Kontrolle der libanesischen Regierung, ist kein Teil der Libanesischen Streitkräfte und betrachtet sich daher als dem Dokument nicht ansatzweise verpflichtet. Ihre Terroraktivitäten sind seit Jahren dokumentiert worden.

Resolution 1701 in den eigenen Worten

Zwei Absätze der Resolution des UNO-Sicherheitsrats (UNSC) schienen sich direkt an die Hisbollah zu richten:

  • „Sicherheitsvorkehrungen zur Verhinderung der Wiederaufnahme von Feindseligkeiten, einschließlich der Gründung eines Bereichs ohne jegliches bewaffnetes Personal, Aktivposten und Waffen außer denen der Regierung des Libanon und UNIFILs zwischen der Blauen Linie und dem Litani …“
  • „Volle Umsetzung der relevanten Vorkehrungen der Taif-Vereinbarungen und der Resolutionen 1559 (2004) und 1680 (2006) des UNSC, die die Entwaffnung aller bewaffneten Gruppen im Libanon fordern, so dass es laut des libanesischen Kabinettsbeschlusses vom 27. Juli 2006 keine Waffen oder Behörden im Libanon gibt außer denen des libanesischen Staates.“

Kurz gesagt, fordert 1701 die Entwaffnung der Hisbollah und die Stationierung der libanesischen Armee, um Souveränität ausgeübt wird – besonders im Süden des Landes entlang der libanesisch-israelischen Grenze. Dieses Gebiet wird von der UNIFIL überwacht, der United Nations Interim Force in Lebanon, die mit der Beobachtung des Bereichs beauftragt ist und deren schwere Präsenz die Milizen abschrecken soll.

Resolution 1701: die Unzulänglichkeiten

In der Praxis erwies sich die Resolution als zahnlos. Damals kamen Experten des angesehenen Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv zu dem Schluss, dass die Resolution 1701 „keinen effektiven Mechanismus für Handeln zur Entwaffnung der Hisbollah oder die Beendigung ihrer Existenz als Staat im Staat bietet“.

Der Analyst Aiman Mansour hielt fest, dass Nasrallah von 1701 nicht betroffen war, was eine Situation schuf, „in der der Libanon nach dem Feldzug wenig anders als der Libanon davor ist … sie schuf keinen rahmen, der die Existenz der Hisbollah oder anhaltender Terroraktivitäten bedroht“.

Dreizehn Jahre nach der Verabschiedung von Resolution 1701 ist die Hisbollah nicht nur bewaffnet, sondern ihr Waffenarsenal ist enorm vergrößert worden und sie bleibt südlich des Litani voll stationiert – als ob es die Resolution des UNO-Sicherheitsrats nie gegeben hätte. Schätzungen geben das Raketen- und Flugkörper-Arsenal der Hisbollah mit mehr als 130.000 an – genug, um theoretisch vier Monate lang 1.000 Raketen am Tag auf Israel zu feuern.

UNIFIL (die United Nations Interim Force in Lebanon) wurde 1978 geschaffen, angeblich der libanesischen Regierung zu helfen Souveränität über den Süden des Landes durchzusetzen, das von bewaffneten Milizen kontrolliert wurde. Die UNO blättert fast eine halbe Milliarde Dollar im Jahr hin, um die Friedensschützer-Truppe zu betreiben. Stand August 2019 bestand sie aus 1.0277 Friedensschützern aus 44 Truppen beitragenden Ländern, während von der Hisbollah geschätzt wird, dass sie 21.000 aktive Kämpfer hat.

Machtlose Friedensschützer

Seit 2006 haben die Libanesischen Streitkräfte (LAF) Einheiten im Süden stationiert, aber die militärische Kontrolle des Bereichs ist fest in der Hand der Hisbollah. Die Hisbollah agiert unter der Nase der UNIFIL und sie ist die Kraft, die de facto den Bereich entlang der gesamten Länge der libanesisch-israelischen Grenze kontrolliert. Tatsächlich dominieren Hisbollah-Flaggen gegenüber denen der libanesischen Nationalflagge.

Abgesehen von einer Reihe von Scharmützeln mit grenzüberschreitendem Raketen- und Gewehrfeuer sowie dem Hisbollah-Angriff, der den Krieg von 2006 auslöste, war das eklatanteste Beispiel der Schwäche der UNIFL die zahlriechen Angriffstunnel, die die Hamas unter der Grenze auf israelisches Territorium gegraben hatte. Das  Ziel der Tunnel, die 2018 aufgedeckt wurden, bestand darin in Israel verheerende Schäden anzurichten: israelische Zivilisten und Soldaten gefangen zu nehmen, aber dennoch einen offenen Krieg zu vermeiden, der für den Libanon katastrophal und für Israel schädlich sein würde.

Obwohl die UNIFIL anerkannte, dass die Tunnel „gegen die Waffenstillstands-Vereinbarungen verstoßen“, waren die UNIFIL-Friedensschützer machtlos und konnten nicht handeln.

„Auf die ständigen Aufforderungen der UNIFIL an die libanesische Obrigkeit diesbezüglich sofortiges zu handeln wurde nicht reagiert und UNIFILs Zugang zu der Stelle wird von den libanesischen Streitkräften weiter verhindert, trotz der wiederholten Anfragen“, sagte der Sicherheitsrat in einem Bericht.

UNIFIL-Friedensschützer patrouillieren im Südlibanon

Die UNO ist allgemein für ihre Geduld bekannt; Diplomaten tun ihre Arbeit mit Verhandlungen, suchen nach Kompromissen und arbeiten auf konsens-orientierte Lösungen hin. Diese Geduld wird manchmal überstrapaziert, besonders wenn die USA involviert sind.

Bei der jährlichen Erneuerung des UNIFIL-Mandats stimmte die US-Delegation 2019 mit den anderen Mitgliedern des UNSC, um die UNIFIL ein weiteres Jahr lang weitermachen zu lassen., hielt aber fest, dass UNIFIL der Zugang zu den Tunneln der Hisbollah verweigert worden ist. „Angesichts dessen, dass UNIFIL eine Aufgabe innerhalb ihres Mandats nicht erfüllen kann, ist es an der Zeit ihre Truppenstärke und Ressourcen-Effektivität zu überprüfen“, sagten die Amerikaner.

Libanesischer Frust.

Frustration wegen der Resolution 1701 ist ebenfalls bei einigen Parteien im Libanon offensichtlich, deren zänkische und brüchige Regierungskoalition aus Sunniten, Schiiten, Christen und Drusen ist nicht in der Lage gewesen die libanesischen Milizen unter Kontrolle zu bringen – insbesondere die Hisbollah und Nasrallah – um den Auftrag der Resolution zu erfüllen „dass es keine Waffen ohne Zustimmung der Regierung des Libanon gibt und keine Obrigkeit außer der der Regierung des Libanon“.

„Die Resolution 1701 ist seit 2006 nicht geachtet worden und wird tagtäglich missachtet, ob von Israel mit seinen Verstößen gegen die libanesische Souveränität in der Luft und auf dem Boden, oder von der Hisbollah und ihrem Anspruch, dass sie, und sie allein, mit der Aufgabe der Verteidigung des Libanon beauftragt ist“, sagte der pensionierte libanesische Brigadegeneral Khaled Hamada, ehemaliger Direktor des Strategic Research & Studies Centre der libanesischen Streitkräfte.

Seitdem ist die schiitische Terrororganisation so mächtig geworden, dass der libanesische Premierminister Saad Hariri eingestand, dass der Libanon die Hisbollah nicht unter Kontrolle bekommen kann und die Verantwortung von sich wies.

Die Gefahren, die dem Versagen innewohnen die UNSC-Resolution 1701 Versageumzusetzen, sind offensichtlich. Die Hisbollah, eine anerkannte Terrororganisation, wird weiter von Iran bewaffnet und geführt. Es gibt keine internationalen Druck, der die Hisbollah zwingt ihre Politik aufzugeben, ein Staat im Staate mit einer eigenen großen, gefährlich bewaffneten Privatarmee zu ein.

Trotz ihrer gut klingenden Absichten ist die Resolution 1701 ein erbärmlicher Fehlschlag. Die Hisbollah hat keinerlei Anreiz ihr zentrale Ideologie oder Politik zu ändern, die das wiederholt erklärte nationale Ziel des Iran nachahmt „Israel komplett auszulöschen“.

Der Streit um das Gasfeld Karish: Die Zunahme der Spannungen zwischen dem Libanon und Israel verstehen

23. Juni 2022

Chaim Lax, HonestReporting, 14. Juni 2022

Die aktuelle Ankunft einer Gasförderplattform vor der Küste Israels hat erneut die Medienaufmerksamkeit auf die köchelnden Spannungen zwischen Israel und dem Libanon gelenkt (siehe hier und hier), wobei einige Analysten spekulieren, dass ein weiterer Konflikt zwischen den beiden Ländern bevorstehen könnte.

Um aus der unbeständigen Lage Sinn zu machen, die sich zwischen Israel und dem Libanon zusammenbraut (und was das mit einer Gasförderplattform zu tun hat), ist es wichtig sowohl den historischen Kontext als auch zu verstehen, was es für die Akteure der Region bedeutet.

Libanon, Israel und das Gasfeld Karisch: ein kurzer Überblick

Obwohl sie Nachbarn sind, haben Israel und der Libanon keine offiziell anerkannte Grenze. Stattdessen werden die beiden Länder von der Blauen Linie getrennt, einer territorialen Demarkationslinie, die von den Vereinten Nationen nach dem israelischen Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 festgelegt wurde. Die Blaue Linie basiert auf der Grünen Linie, also der Waffenstillstandslinie, auf die sich der Libanon und Israel nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948/49 einigten.

Während die Blaue Linie die anerkannte Landgrenze zwischen Israel und dem Libanon darstellt, verlängert sie sich nicht ins Mittelmeer, wo beide Länder Territorialgewässer und Exklusivhandelszonen (maritime Regionen, in denen sie die alleinige Kontrolle über alle Wirtschaftsressourcen behalten) haben. Diese Störung eine offizielle Demarkationslinie der Seegrenzen zu bieten hat zu Auseinandersetzungen zwischen dem  Libanon und Israel darüber geführt, wo die Territorialgewässer des einen Landes enden und die des anderen anfangen.

Die aktuellen Spannungen zwischen Israel und dem Libanon entstammen einem Disput über 850 Quadratkilometer Mittelmeer, die entlang der Grenze zwischen den beiden Ländern liegen. Israel betrachtet diesen Bereich als Teil der nördlichsten Grenze seiner Territorialgewässer, während der Libanon es als Teil seiner südlichsten Grenze betrachtet.

Dieser territoriale Disput zwischen dem Libanon und Israel ging bis zum Jahr 2000 weiter, als die USA und die UNO halfen indirekte Gespräche zwischen den beiden Ländern bezüglich einer endgültigen Vereinbarung zu den maritimen Grenzen zu vermitteln. Nach diesen Gesprächen dehnte der Libanon seine Ansprüche aus, so dass weitere 1.400 Quadratkilometer territorialer Gewässer eingeschlossen sind, die von Israel beansprucht werden, darunter das Gasfeld Karisch.

Das Gasfeld Karisch 75km nordwestlich von Haifa  wurde 2013 als reiche Erdgas-Quelle entdeckt. 2017 genehmigte das israelische Energieministerium einen Plan zur Entwicklung des Feldes, zu dem die griechische Offshore-Bohrfirma Energean und der Transport von Gas an Land nach Israel durch eine 90 km lange Pipeline gehörten.

Mit der geplanten Ankunft der Gasförderplattform von Energean im Feld Karisch am 5. Juni 2022 spitzte sich die Krise zwischen Israel und dem Libanon zu. Die Ankunft der Gasplattform wurde im Libanon mit Wut begegnet, sowohl seitens der libanesischen Politik als auch der Bürger, die den Schritt verurteilten und drohten, dass jegliche Aktivität in dem Bereich als „Provokation“ und „Akt der Aggression“ betrachtet werden würde. In Reaktion forderte Israel die Rückkehr an den Verhandlungstisch und versprach, es werde in den 850 Quadratkilometer umfassenden Gewässern nicht nach Gas zu bohren.

Wie von der israelischen Zeitung Ha’aretz berichtet, zeigen Satellitenbilder, dass die Gasplattform von Energean knapp 10km südlich der umstrittenen 850 Quadratkilometer liegt, die der Libanon ursprünglich beanspruchte.

Der US-Gesandte Amos Hochstein besuchte den Libanon am 13. und 14. Juni im Versuch die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon wieder in Gang zu bringen und hoffentlich eine Lösung für den anhaltenden Streit zwischen den beiden Ländern herbeizuführen.

Warum ist das Gasfeld Karisch wichtig?

Der Hauptgrund, dass sowohl Israel als auch der Libanon hartnäckig das Gasfeld Karisch für ihre jeweiligen Exklusiv-Wirtschaftszonen haben wollen, istt, dass solch ein großes Vorkommen an Erdgas für jedes der beiden Ländern ein wirtschaftlicher Segen wäre.

Eine solch große Menge Gas zu verarbeiten würde Israel erlauben seine einheimischen Brennstoffreserven zu vergrößern und auch in der Lage zu sein seinen Exportmarkt auf europäische Länder auszuweiten, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 Sanktionen gegen russisches Gas verhängten.

Der Libanon betrachtet das Gasfeld Karisch als eine Möglichkeit die die Kräfte des Landes aufzehrende Treibstoffknappheit einzudämmen, und außerdem ein Weg der schweren Wirtschaftskrise entkommen, die es seit 2019 erlebt. Abgesehen vom Wirtschaftswachstum könnte das Gasfeld Karisch auch helfen das anfällige politische System des Landes zu stabilisieren.

Der Faktor Hisbollah

Wann immer es einen Disput zwischen Israel und dem Libanon gibt, kann man sicher sein, dass die Hisbollah, die vom Iran gestützte Terrororganisation, sich auch einmischt.

In diesem besonderen Fall soll Scheik Naim Qassem (der stellvertretende Leiter der Hisbollah) in Reaktion auf die Ankunft der Gasförderplattform im Gasfeld Karisch gesagt haben, wenn die libanesische Regierung ankündigen würde, dass Israel die Souveränität der Gewässer formell verletzt, dann würde sie mit Gewalt reagieren, „egal, wie die Antworten lauten“. Das könnte als Signal der Bereitschaft der Hisbollah betrachtet werden die Spannungen zu schüren und eine direkte Konfrontation mit Israel zu betreiben, eine Möglichkeit, auf die die IDF sich vorbereitet.

Qassems Kommentare folgten Äußerungen von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, die von den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe sei in der Lage die Offshore-Bohrungen mit Gewalt aufzuhalten.

Von Nasrallah wird auch berichtet, er habe seine Opposition gegenüber fortgesetzten Verhandlungen über den US-Vermittler Amos Hochstein zum Ausdruck gebracht. In einer Ansprache voller antisemitischer Untertöne soll er gesagt haben: „Wenn ihr die Verhandlungen fortsetzen wollt, dann macht das, aber … nicht mit Hochstein, Frankenstein oder sonst irgendeinem Stein, der in den Libanon kommt.“

Diese Äußerung Nasrallahs widerspricht direkt dem Willen der libanesischen Regierung, die Hochstein im Versuch die Spannungen abzumildern in den Libanon eingeladen hat.

In der Vergangenheit ist die Hisbollah dafür bekannt gewesen territoriale Streitigkeiten zwischen Israel und dem Libanon für die eigenen üblen Zwecke auszunutzen. Ein berühmtes Beispiel dafür sind die fortgesetzten Angriffe der Hisbollah auf Israel im Vorfeld des zweiten Libanonkriegs; damals behauptete die Gruppe, sie kämpfe um die umstrittene Region der Schebaa-Farmen.

Warum machen drusische Dorfbewohner im Libanon den Job der UNO?

13. August 2021

Emanuel Miller, HonestReporting, 9. August 2021

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Libanon-Krieg (2006) hat die Hisbollah die Verantwortung für auf Israel geschossene Raketen übernommen. Am Freitag wurden 19 Raketen von vom Iran unterstützten Terrororganisationen geschossen.

Die Zahl hatte problemlos höher sein können.

Als drusische Bürger eines Dorfes im südlichen Libanon Hisbollah-Kämpfer ausmachten, umzingelten sie die Terroristen und vertrieben sie, wobei sie sie wütend beschuldigten aus einem zivilen Bereich heraus geschossen zu haben.

Der Libanon, der seit Jahren unter einer Wirtschaftskrise aufgrund von Korruption und iranischer Einmischung leidet, steht am Rande des Zusammenbruchs. Weit verbreitete Stromknappheit ist alltäglich und die Währung hat im Lauf des letzten Jahres beträchtlich an Wert verloren.

Das Letzte, was der Libanon braucht, ist ein Krieg mit Israel, aber die Hisbollah hat ein Arsenal von tausenden Raketen und hat gezeigt, dass er Israel angreifen kann.

UNIFIL, die UNO-Friedensschützer-Truppe in der Region, muss ihren Job tun und die Hisbollah davon abhalten den völligen Zusammenbruch des Landes herbeizuführen.

Weitere Informationen zu den Vereinten Nationen und warum ihnen nicht getraut werden kann den Frieden zu erhalten, finden Sie in den folgenden Quellen (auf Englisch):

Daily Telegraph: Israel besetzt noch immer den Südlibanon

21. Januar 2015

Simon Plosker, HonestReporting, 20. Januar 2015 / Übs: YdW

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Ein Selfie von Miss Israel direkt neben Miss Libanon bei einem Miss-Universe-Wettbewerb hat international Schlagzeilen gemacht. Der Grund hierfür war die säuerliche Reaktion von Miss Libanon und vielen ihrer Landsleute. Wir hätten nicht gedacht, dass HonestReporting darüber berichten muss, aber der Daily Telegraph hat einen Artikel veröffentlicht, in dem die tieferen Gründe hinter dem Selfie-Zoff angesprochen werden.

Darin steht auch folgender Kommentar von George Asseily, dem Vorsitzenden des Center for Lebanese Studies:

Der Grund ist, dass Libanon Israel beschuldigt hat – und noch immer beschuldigt -, einen Krieg gegen libanesische Zivilisten zu führen. 2006 gab es sehr viel Zerstörung, und seither hat sich die Beziehung nicht verbessert, da Israel noch immer Teile des Südens besetzt und den Rückzug verweigert, obwohl es sich um libanesisches Gebiet handelt.

Leider findet der Daily Telegraph keine erklärenden Worte für Asseilys Anschuldigung, und daher glaubt der gewöhnliche Leser jetzt, Israel besetze libanesisches Gebiet.

In Wahrheit ist das nicht der Fall. YNet News erklärt:

Die Schebaa-Farmen sind ein kleines Gebiet von ungefähr 28 km² an der Grenze zwischen Israel, Libanon und Syrien. Es liegt auf einem Berg etwa 1.500 m über dem Meeresspiegel und bietet einen Ausblick über das libanesische Bekaa-Tal. Seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 hielt Israel diese relativ hohe Gegend, die ihm gewisse Vorteile in geheimdienstlicher und strategischer Hinsicht bietet. (…)

Schebaa wurde 1974 von den Vereinten Nationen als Teil der von Israel besetzten syrischen Golanhöhen anerkannt. Im Mai 2000 zog sich Israel nach 18 Jahren aus dem Südlibanon zurück. Libanons Hisbollah behauptete, der Rückzug sei unvollständig, da Schebaa sich auf libanesischem – nicht syrischem – Territorium befände. Diese Behauptung gibt Hisbollah einen Grund, um weiter gegen die israelischen „Besatzer“ vorzugehen. In einem Interview mit The Media Line im Jahr 2004 zu diesem Thema sagte Ghasan Al-Ezzi, Professor für Politologie an der Libanesischen Universität in Beirut, die Bürger des Libanon lebten und arbeiteten auf den Schebaa-Farmen, aber das ändere nicht die Tatsache, dass die Region in den Augen der internationalen Gemeinschaft unter syrischer Souveränität stehe.

Wenn sogar die UN anerkennt, dass Israel nicht länger libanesisches Gebiet besetzt, warum kann dann der Daily Telegraph das nicht klarstellen?

UPDATE

Der Daily Telegraph hat Folgendes ergänzt:

Israel besetzt die Region der Schebaa-Farmen, die sowohl vom Libanon als auch von Syrien beansprucht werden.

Soweit es uns betrifft, ist diese Erläuterung nicht hinnehmbar und versagt völlig darin, ein legitimes Gegengewicht zu Asseilys Behauptung aufzustellen oder Klarheit zu schaffen. HonestReporting wird weiter hierüber berichten.

Die windschiefen Prioritäten der BBC

14. Juni 2011

HonestReporting Media BackSpin, 14. Juni 2011

Gerade jetzt bietet der Nahe Osten jede Menge wichtiger Nachrichtenstories. Tausende syrische Zivilisten fliehen über die türkische Grenze, um Bashar Assads mörderischer Niederschlagung von Protesten gegen seine Regierung zu entkommen. Im Libanon ist eben eine von der Hisbollah dominierte Regierung ernannt worden.

Doch was ist das zweitwichtigste Thema auf der News Online-Homepage der BBC? Ein von der UNRWA veröffentlichter Bericht über Arbeitslosigkeit im Gazastreifen.


Das sagt eine Menge aus über die windschiefe Wahrnehmung der BBC für Prioritäten, wenn es um Nahost geht. Und die Geschichte selbst stimmt perfekt mit der Weltsicht der BBC überein, in der die Palästinenser – diesmal die Hamas – in keinerlei Weise für die Sorgen der palästinensischen Menschen verantwortlich gemacht werden dürfen.

Für beide – UNRWA und BBC – ist nur ein Part für die wirtschaftliche Misere in Gaza verantwortlich: Israel. Vielleicht denken beide darüber nach, ob die Gazaner besser damit dran wären, wenn die Hamas entschiede, bezüglich der Anhäufung von  Waffen ihr Wort zu brechen und zuzulassen, dass vom Gazastreifen aus Raketen auf zivile israelische Ziele abgefeuert werden. Vielleicht wäre dann eine israelische Blockade obsolet.

Ist es ein Zufall, dass diese Geschichte es in die Schlagzeilen-News der BBC geschafft hat? Oder könnte es damit zu tun haben, dass UNRWA-Sprecher Christopher Gunness, der den Bericht an die BBC und andere Medien zugespielt hatte, rein zufällig ein ehemaliger Mitarbeiter der BBC ist?

Bemerkungen zur Naqba-Berichterstattung

16. Mai 2011

HonestReporting Media BackSpin, 16. Mai 2011

Als ich mir die Berichterstattung über die letzten Ereignisse an Israels Grenzen durchgesehen hatte, wurde ich gleich mehrmals aufgeschreckt:


• Demonstranten oder Eindringlinge?

Die meisten Schlagzeilen lauten, dass Israel das Feuer auf „Demonstranten“ eröffnet habe. Aber das waren nicht die Allerweltsdemonstranten, die wir sonst kennen. Es gab ernsthafte Versuche, Israels Grenzen zu überrennen. Und beim Golan war man damit erfolgreich. Bedenken wir, dass es sich hier nicht um die belgisch-niederländische oder selbst die mexikanische Grenze zur USA handelt, wo illegale Einwanderer versuchen, die Grenze zu überqueren, um ein besseres Leben führen zu können. Die Grenzen  zu Syrien, Libanon und Gaza sind Kriegsgrenzen.

Jede Infiltration muss ernst genommen werden – und entsprechend hätte auch die Presse über diese Vorfälle berichten sollen: als Versuch, unrechtmäßig die Grenze eines souveränen Staats zu verletzen.

Und was sollen die vielen Schlagzeilen, die mit „Israel eröffnet das Feuer“ aufwarten? Wieder einmal wird die Geschichte in Farben geschildert, die von israelischer Aggression statt israelischer Reaktion auf eine Provokation sprechen. Dies bringt wahrscheinlich genau das Ergebnis, das sich diejenigen erhoffen, die hinter diesen Vorfällen stecken: ein Medienereignis, gedacht dazu, die IDF-Truppen in eine Konfrontation vor laufenden Fernsehkameras zu verwickeln und, wie im Fall Syrien, von der Unterdrückung im eigenen Land abzulenken.

• Beschuss unbewaffneter Zivilisten?

Beim Betrachten der Ereignisse auf Sky News war es sehr verstörend zu hören, wie Nahost-Korrespondent Dominic Waghorn Israels Aktionen mit denen von Syrien verglich – also beide schießen auf unbewaffnete Zivilisten.

Hey Dominic – glaubst du wirklich, dass man hier ernsthaft einen schlüssigen Vergleich ziehen kann?

Über 800 tote Syrer sind ein Beweis erneuter völliger Missachtung des syrischen Regimes für das Leben seiner eigenen Bürger und ein Beleg für Bashar Assads Entschlossenheit, mit größtmöglicher Brutalität einen nationalen Aufstand niederzuschlagen.

Auch wenn einige Tote und zahlreiche Verletzte selbstverständlich tragisch sind, gibt es keinen Zweifel daran, dass, wenn Israel die gleiche Politik angewandt hätte wie Syrien bezüglich der Kontrolle von Menschenmassen oder Beendigung von Unruhen, die israelischen Soldaten die Eindringlinge und Steinewerfer mit Maschinenpistolen niedergemäht hätte, und wir sähen hunderte Tote statt der relativ überschaubaren Zahl derer, die aufgrund der gestrigen Vorfälle ums Leben gekommen waren.

Hoffentlich legt sich bald wieder die Aufregung um diesen besonders hässlichen Tag, und vielleicht sehen die Medien dann diese Vorfälle in einem größeren Zusammenhang als jetzt, und vielleicht haben dann einige von ihnen realisiert, dass sich in Nahost nicht immer alles um Israel und die Palästinenser drehen muss. Aber darauf würde ich nicht setzen.

Diplomat übt scharfe Kritik an unterschwelligem Lobgesang der NY Times

12. Januar 2011

HonestReporting Media BackSpin, 12. Januar 2011

Der ehemalige US-Diplomat Jeffrey Feltman kritisiert scharf ein Times-Profil zu Al Akhbar, der von der Hisbollah herausgegebenen Tageszeitung.

Feltman, ehemaliger US-Botschafter im Libanon, schreibt in diesen Leserbrief auf der Opinion-Seite:

Leider ist Al Akhbar kaum Außenseiter und weit weniger heroisch, als Ihr Artikel suggeriert. Al Akhbar würde Hassan Nasrallah, den Generalsekretär der Hisbollah, ebenso wenig kritisieren wie die staatliche Tageszeitung Tishreen in Syrien ihren Präsidenten Baschar al-Assad.

Eine der Kuriositäten, die ich als Botschafter im Libanon wahrnahm, war die große Zahl westlicher Journalisten und Mitarbeiter von NGO’s, die, während sie feinen Wein und das Nachtleben in Beirut genossen, die Hisbollah und ihre Genossen bei Al Akhbar verklärten, als seien diese authentische Stimmen der unterdrückten libanesischen Massen.

Michael Totten mit einer wichtigen Hinzufügung:

Ich wünsche, ich könnte sagen, es wäre bizarr, dass ein enorm anspruchvolles und mehr professionelles Blatt wie die NY Times es alles in allem nett finden würde, etwas über groben Unfug in einem semi-demokratischen Land zu sagen, das in Wirklichkeit respektable Tageszeitungen hat. Aber dies ist typisch für einen skandalös großen Prozentsatz westlicher Reporter, die in Beirut Fallschirm-Journalismus betreiben oder dort ihren Laden aufmachen.

Leseempfehlungen, 13. Dezember 2010

13. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 13. Dezember 2010

Iranische Hardliner drohen mit Zerstörung jüdischen Heiligtums
Königin Esthers Grab soll zerstört werden, falls Israel Schäden an der Al-Aqsa Moschee anrichte, so islamistische Studenten.

WikiLeaks: Israel bot Ende von Überwachungsflügen für US-Geheimdienst an
Das zeigt, dass auch die USA den libanesischen Luftraum auskundschaftete.

UN: Geschmacklosigkeit  zum Jahrestag von 9/11
Warum wird Durban III im September 2011 in New York abgehalten? „Um Salz in die Wunden der Stadt zu streuen und auf den Gräbern zu tanzen.“

Krav-Maga: Israelische Selbstverteidigungstechnik weltweit verbreitet
Krav-Magas zunehmende internationale Beliebtheit beunruhigt israelische Puristen.

Sich weltweit zurückziehen
Was geschah mit all den Auslandsbüros, und  wie kommen internationale Nachrichten in Ihre Heimatzeitung?

WikiLeaks: Menschliche Schutzschilde aus Syrien schützen Hisbollah-Stützpunkte

9. Dezember 2010

HonestReporting Media BackSpin, 9. Dezember 2010

Die neueste WikiLeaks-Enthüllung kann man bei NaharNet nachlesen:

Falls Raketen auf israelische Zivilisten in Tel Aviv runterregnen sollten, hätte Israel ausreichend mächtige Motive, wie im Jahr 2006 Syrien aus dem Konflikt heraus zu halten, aber es könnte auch mit zwingenden Gründen konfrontiert sein, Stützpunkte der Hisbollah in Syrien ins Visier zu nehmen, die sich inner- oder außerhalb bevölkerter Areale befinden„, sagte der Diplomat in der undichten Depesche, die den Titel „Ist jetzt die Zeit gekommen, die Hisbollah zusammen mit Syrien fertig zu machen?“ trägt.

 

Lieb von der Hisbollah, ihre menschlichen Schutzschild-Truppen um Syrer zu erweitern. Während des zweiten Libanonkrieges veröffentlichte die australische Sunday Herald-Sun Fotos, die Vorstadtkrieger der Hisbollah zu outen.*

—————-
*Vielleicht wird sich dann auch wieder der mexikanische Karikaturist Antonio Neri Licon zu Wort melden (bd).

Libanon: Bevorstehender Showdown führt das Land an den Abgrund

10. November 2010

HonestReporting Media BackSpin, 10. November 2010

Dieser Bericht der Beiruter Tageszeitung Daily Star trägt dramatische Züge: Das libanesische Kabinett möchte die Kontroverse über „falsche Aussagen“ auflösen, indem es erwägt, sie an den Obersten Richterrat des Libanon zu verweisen. Dabei steht viel auf dem Spiel:

Eine Abstimmung im Kabinett bzw. deren Scheitern könnte das Land in seine schwerste Krise seit Mai 2008 stürzen und die Regierung „der nationalen Einheit“ bedrohen.

Die von der Hisbollah angeführte Koalition des 8. März spekuliert darauf, dass die Frage der falschen Zeugenaussagen zur internationalen Untersuchung bezüglich der Ermordung des ehemaligen Premierministers Rafik Hariri im Jahr 2005 an den Obersten Richterrat verwiesen wird, um das Sondertribunal zum Libanon (STL) auszuhebeln.

Premierminister Saad Hariri und seine Verbündeten wollen eine Abstimmung vermeiden und drängen darauf, dass der Fall an den Richterrat verwiesen wird, nachdem das STL seine Anklageschrift in dieser Sache formuliert hat (Heraushebung durch mich; [bd]). Die Hisbollah fürchtet, dass das Anklageverfahren einige Namen ihrer Mitglieder aufzählen wird….

Noch ist unklar, welche Seite in der Lage ist, sich die absolute Mehrheit der Stimmen im vorliegenden Fall zu sichern.

Vom eigens einberufenen UNO-Tribunal zum Libanon wird weit erwartet, dass in naher Zukunft Hisbollah-Figuren angeklagt werden.

Wie nicht anders zu erwarten beschuldigt die Hisbollah Israel.

Leseempfehlungen 17. Oktober 2010

18. Oktober 2010

HonestReporting Media BackSpin, 18. Oktober 2010

The Undeniable Jewish State
Democracy and ethnic distinctiveness are perfectly compatible.

Hezbollah Chief ‚Deceived‘ Iran Leader With Gun Gift
‚Najad went to Lebanon, and all he got was a lousy FNFAL 7.62 rifle — out of use since ’74 . . .

General Dayton Ends his Tenure, Replaced by US Air Force General
Who is Michael Moeller, and what does he bring to PA security training?

No Ceasefire Means No Peace In War On Israel
Rupert Murdoch speaks out on the war against Israel.

UNIFIL: Nach 32 Jahren immer noch „interim“

31. August 2010

HonestReporting Media BackSpin, 31. August 2010

Der UN-Sicherheitsrat hat das UNIFIL-Mandat um ein weiteres Jahr verlängert.

Wie kann sich eine seit 32 Jahren bestehende Friedenstruppe als Interimslösung bezeichnen?

Und die nennen Israel einen „Gangsterstaat“

25. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 25. August 2010

Ich frage mich, ob dieser Waffenträger mit der als Hisbollah bekannten „politischen Partei“ in Verbindung steht – oder mit der „Wohlfahrtsorganisation“, die man als Abhash (Vereinigung islamischer Wohlfahrtsverbände) kennt.

Ein Bewaffneter trägt während Zusammenstößen zwischen Unterstützern der schiitischen Hisbollah und einer konservativ-sunnitischen Gruppe im gemischten Wohnviertel Bourj Abu Haidar nahe des Zentrums von Beirut (Libanon) eine Panzerfaust – Dienstag, 24. Aug. 2010. Libanesische schiitische und sunnitische Gruppen feuerten am heutigen Dienstag in Beirut mit Maschinengewehren und Granaten auf einander; dabei wurden zwei Personen getötet und mehrere andere verletzt, nur ein paar Häuserblocks entfernt von einer geschäftigen Innenstadt, die zu dieser Jahreszeit voller Touristen ist. (AP Photo)

Warum eigentlich sind Sympathisanten bewaffneter politischer Parteien und jetzt bewaffneter Wohlfahrtsorganisationen so schnell dabei, Israel einen Gansterstaat zu nennen?

3 Gründe dafür, warum Sie keine Fotos der jüngsten Baumbeseitigung an der Blauen Linie sehen werden

18. August 2010

HonestReporting Media Backspin, 18. August 2010

Nach Angaben des Beiruter Daily Star reißen sich Israel, der Libanon und UNIFIL am Riemen und erledigen still einige landschaftsgärtnerische Arbeiten entlang der Grenze und entfernen fünf Bäume. Wir werden wohl keine Fotos der Arbeiten zu sehen bekommen, weil:

1. Jeder weiß, dass Routinewartungsarbeiten an der Grenze keine Nachrichten sind.

2. Reuters‘ Anwesenheits-Overkill bei der letzten Operation Gartenarbeit ließ zu viele Verdachtsmomente aufkommen.

3. Der „In-Ort“ für nicht berichtenswerte Fotos ist im Moment der Flughafen von Gaza. Die gestrigen AP-Bilder 1, 2, 3, 4, 5 und 6 versuchen mit Agenturbildern 7, 8, 3, 9, 10, 11, 12, 13 mitzuhalten.

Die Arm-Umdreher der Hamas haben vermutlich das Gefühl, dass die Fotos 14, 15, 16, 17 und 18 (und andere) entweder zu alt waren oder nicht die gewünschte Wirkung auf das westliche Mitgefühl haben.

Palästinenser graben sich durch die ehemalige Startbahn des zerbombten Flughafens von Gaza, um für Bautätigkeiten im vom Krieg verwüsteten Territorium in den Außenbezirken von Rafah im südlichen Gazastreifen den benötigten Kies zu sammeln. (Montag, 16. August 2010) Die Plünderung dessen, was einst ein nationaler Schatz war, spiegelt, wie schlimm die Lage im Gazastreifen geworden ist. Eine israelisch-ägyptische Blockade hat seit fast drei Jahren die Einfuhr fast allen Baumaterials verhindert, was die Gazaner dazu zwang, ihren Schutt in Zement zu verwandeln. (AP Photo/Khalil Hamra

Ganz am Rande: Die folgende Anmerkung des Daily Star könnte Licht auf die wütende Reaktion des Iran auf den Grenzzwischenfall werfen:

Die Bäume wurden als Teil eines vom Iran finanzierten Projekts zur Verschönerung der Landschaft an der Südgrenze gepflanzt.

Würde die Hisbollah die Gaza-Flottille sabotieren?

27. Juni 2010

HonestReporting Media BackSpin, 27. Juni 2010

Dazu Con Coughlin im Daily Telegraph:

Auch wenn es unglaublich klingen mag: meine libanesischen Quellen berichten mir, dass hochrangige Hisbollah-Funktioäre erwägen, Sprengsätze einzusetzen, die sie während des Libanonkrieges 2006 von den Israelis erbeutet hatten, um eines der Schiffe, die sich auf dem Weg nach Gaza befinden, damit in die Luft zu jagen und Israel dafür die Verantwortung zuzuschanzen.

Auch wenn es weit hergeholt scheint: angesichts der Spannungen zwischen dem Iran und Israel, die sich wegen Teherans Weigerung, von seinem Urananreicherungsprogramm abzulassen, einem kritischen Punkt nähern, kann ich mir gut vorstellen, dass der Iran die Hisbollah dazu ermutigen würde, sich auf eine solch drastische Aktion einzulassen, die die Aufmerksamkeit vom Iran ablenkt. Im unsichtbaren schmutzigen Krieg zwischen Israel und dem Iran, in dem iranische Atomwissenschaftler regelmäßig verschwinden und unerklärliche „Zwischenfälle“ in iranischen Nuklearanlagen passieren, gehe ich von jeder Möglichkeit aus – selbst dass die Hisbollah ein Schiff in die Luft jagt, das für die verbündete Hamas bestimmt ist.

Weit hergeholt?

Es gibt immer wieder Déjà-vu-Erlebnisse.

Pressefreiheit auf Libanesisch

21. Januar 2010

HonestReporting Media BackSpin, 21. Januar 2010

Memri berichtet:

Libanons staatlicher Sicherheitsapparat verhinderte am 17. Januar landesweit die Auslieferung der kuwaitischen Tageszeitung Al-Siyassa.

Die Ausgabe jenes Tages enthielt einen Artikel mit dem Titel „Von Beirut bis Jemen und Gaza: Das Terrorbündnis der Teufel“, in dem Ahmad Al-Jarallah, der Herausgeber des Blattes, Hisbollah und Hamas angriff.

In seinem Beitrag nannte Al-Jarallah den Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah „ein ferngesteuertes Werkzeug, geleitet von iranisches Machtinteressen.“

Die Libanesen hatten sich wohl nicht mehr einbremsen können, nachdem Reporter ohne Grenzen die Pressefreiheit des Landes weit vor der Israels eingestuft hatte.


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