Sharon Levy, HonestReporting, 17. März 2026
2006 als Plattform für geleakte Dokumente gegründet, die Krieg, Spionage und Korruption offenlegen, baute WikiLeaks seinen Ruf auf radikaler Transparenz auf. Trotz der Kontroversen um die Veröffentlichung von geheimem Material erlangte die Organisation weltweite Anerkennung, gewann zahlreiche Auszeichnungen und wurde vor allem dafür bekannt, Dokumente zu den US-Kriegen in Afghanistan und im Irak zu veröffentlichen.
Heute erzählt sein X-Account eine ganz andere Geschichte.
Mit mehr als 5,6 Millionen Followern ist WikiLeaks zunehmend zu einem Zentrum für israelfeindliche Verschwörungstheorien geworden – Inhalte, die kaum noch Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Mission haben geheimes Material zu veröffentlichen.
Anstatt neue Informationen offenzulegen, scheint der Account nun Narrative über Israel und das jüdische Volk zu konstruieren, die auf Dokumenten basieren, die weder geheim noch neu enthüllt sind; verstärkt wird das durch sorgfältig getimte Beiträge.
Das Muster ist klar. Zwei Monate nach Beginn von Israels Krieg mit der Hamas ließ WikiLeaks ein Dokument erneut auftauchen, das es erstmals 2010 veröffentlicht hatte und das behauptet, ein „israelischer Geheimdienstchef habe die Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen ermutigt“ – eine Darstellung, die die Schuld für den Konflikt auf Israel verschiebt.
Seit Beginn des Jahres 2026 hat der Account 15-mal gepostet (Antworten ausgenommen). Davon befassten sich 11 Beiträge ausschließlich mit Israel oder dem jüdischen Volk.
Das jüngste Beispiel ist besonders aufschlussreich. WikiLeaks „leakte“ ein Dokument vom 21. Juli 1947, verfasst von US‑Präsident Harry S. Truman, das abfällige Bemerkungen über Juden enthält.
Was der Account nicht erwähnte: dass das Dokument im Jahr 2003 veröffentlicht wurde und daher kein Leak ist. Genauso lieferte er auch nicht den breiteren historischen Kontext, einschließlich Trumans Entscheidung, den Staat Israel unmittelbar nach seiner Gründung anzuerkennen.
Stattdessen hebt der Beitrag die Bereitschaft hervor, aufhetzendes Material an ein Publikum zu verbreiten, das darauf vorbereitet ist, es zu akzeptieren. Damit trägt WikiLeaks dazu bei, eine Online‑Echokammer aufrechtzuerhalten, in der irreführende israelfeindliche Narrative mit wenig Prüfung kursieren. Diese Dynamik wird durch prominente Aktivisten wie Shaun King und Susan Abulhawa verstärkt, die solche Behauptungen bereitwillig wiederholen und an große Zielgruppen verbreiten und dadurch irreführende Beiträge in weit verbreitete Gesprächspunkte verwandeln.
Der Trend ist nicht neu. Im Oktober 2025 half WikiLeaks dabei, die falsche Behauptung zu verbreiten pro-israelische Influencer würden 7.000 Dollar pro Beitrag bezahlt, um den „globalen Einfluss zu erhöhen“. Doch die zitierten Dokumente lieferten keinen Beleg für solche Zahlungen oder irgendeine Aufschlüsselung darüber, wie Gelder zugewiesen wurden.
Die Fixierung von WikiLeaks auf Israel beschränkt sich nicht auf seine Social-Media-Beiträge. Sein Gründer, Julian Assange, hat eine eigene Vorgeschichte israelfeindlichen Aktivismus, was weitere Fragen zur Unparteilichkeit der Organisation aufwirft.
Im Jahr 2012 startete Assange The Julian Assange Show, produziert vom russischen staatlich kontrollierten Sender RT. Sein erster Gast war der Hisbollah-Anführer Hassan Nasrallah, dem Assange erlaubte, Israel als einen „illegalen Staat“ darzustellen, während er Medienberichterstattung als einen „Krieg“ gegen die Hisbollah framte.
Assanges Aktivismus hat auch die Straße erreicht. Zuletzt, wurde Assange im August 2025 dabei gesehen, wie er in Sydney eine pro-palästinensische Demonstration anführte, auf der Fahnen von Terrororganisationen und Bilder ihrer Anführer zu sehen waren.
Wenn WikiLeaks gegründet wurde, um zensierte Informationen im öffentlichen Interesse offenzulegen, wirft seine aktuelle Entwicklung ernsthafte Fragen über seinen Zweck auf. Anstatt Transparenz zu priorisieren, scheint die Organisation nun zunehmend darauf ausgerichtet zu sein israelfeindliche Narrative zu verstärken, die mit ihrem ursprünglichen Auftrag nichts zu tun haben.
Mit einer Plattform, die Millionen erreicht – und durch einflussreiche Verstärker unterstützt wird – werden irreführende Behauptungen ohne viel Überprüfung verbreitet und legitimiert. Was entsteht, ist kein Bekenntnis zur Wahrheit, sondern ein Ökosystem, in dem Informationen selektiv kuratiert werden, um eine israelfeindliche Weltanschauung zu festigen.



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