Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 24. März 2026
Die Explosionen, die am frühen Montagmorgen in Golders Green im Nordwesten Londons vier Krankenwagen der jüdischen Hilfsorganisation Hatzola zerstörten, waren ohrenbetäubend. Sie waren so heftig, dass sie die Fenster umliegender Gebäude zersplitterten, darunter auch die einer Synagoge, deren Buntglasscheiben herausgesprengt wurden. Rauchwolken zogen sich über die gesamte Umgebung und sendeten eine klare und unmissverständliche Botschaft.
Drei vermummte Verdächtige werden nun im Zusammenhang mit dem Anschlag gesucht. Es war – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – kein Anschlag mit vielen Opfern geplant. Vielmehr scheint er darauf abgezielt gewesen zu sein Angst zu verbreiten und zu demonstrieren, dass jüdische Gemeinschaften im Westen jederzeit erreicht, ins Visier genommen, terrorisiert und sogar ermordet werden können.
Die Gruppe, die sich zu dem Anschlag bekannte, die Islamische Bewegung des Volkes der Rechten Hand, ist kein Einzeltäter. Sie wurde bereits mit ähnlichen Angriffen in ganz Europa in Verbindung gebracht, darunter ein Bombenanschlag auf eine Synagoge in Belgien am 9. März und ist Teil eines größeren Netzwerks von mit dem iranischen Regime verbündeten Agenten, vor denen westliche Behörden seit Jahren gewarnt wurden – Warnungen, die selten mit der gebotenen Dringlichkeit behandelt wurden.
Auch jetzt noch scheinen die britischen Behörden bereit zu sein, das als einen isolierten antisemitischen Vorfall zu behandeln. Obwohl sich die Gruppe zu dem Anschlag bekannte, behaupteten Polizeiberichte hin, dass der Angriff noch nicht eindeutig dem iranischen Regime zugeschrieben werden könne. Sir Mark Rowley räumte am Montag beim jährlichen Abendessen des Community Security Trust (CST), der in Großbritannien Antisemitismus beobachtet, ein, dass der „rasante Anstieg der staatlich iranischen Drohungen in den letzten Jahren gravierend“ sei, fügte aber hinzu, es sei „noch zu früh“, diesen Anschlag mit dem Staat selbst in Verbindung zu bringen.
Das Ergebnis ist bekannt: eine sofortige Fokussierung und die Bereitschaft, zur Tagesordnung überzugehen, ohne sich mit dem größeren Muster auseinanderzusetzen, in das sich dieser Anschlag eindeutig einfügt.
Seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran ist diese Bedrohung deutlich in den Vordergrund gerückt. Angriffe auf jüdische Gemeinden haben in ganz Europa und den Vereinigten Staaten zugenommen. Nicht alle lassen sich eindeutig auf Teheran zurückführen, doch tragen genügend die Handschrift des Irans, um eine anhaltende Leugnung zunehmend zu erschweren.
Nur wenige Stunden nach den Anschlägen, bei denen Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, begann die weltweite Ausstrahlung ein neues Kurzwellenradiosignals. Zweimal täglich, in präzisen Abständen, beginnt eine verzerrte Männerstimme mit einem einzigen persischen Wort, „Tavajjoh“ („Achtung“), bevor sie Zahlenfolgen vorträgt, die sich bisher jeder Entschlüsselung entzogen haben.
Das Signal weist die Merkmale einer „Zahlenstation“ aus der Zeit des Kalten Krieges auf, die historisch von Geheimdiensten genutzt wurde, um verschlüsselte Anweisungen an Agenten im Feld zu übermitteln. Es gab auch Anzeichen von Störungen, darunter Störversuche und Frequenzwechsel, was darauf hindeutet, dass es sich eher um einen laufenden Geheimdienstwettlauf als um ein zufälliges Ereignis handelt.
Anfängliche Spekulationen konzentrierten sich auf den Iran, da man vermutete, das Regime versuche, mit ausländischen Agenten zu kommunizieren. Neuere Analysen weisen jedoch in eine weniger eindeutige Richtung und legen nahe, dass die Übertragung von einem mit den USA verbundenen Militärstützpunkt in Europa stammen könnte. Bislang hat jedoch keine Behörde bestätigt, wer dahintersteckt oder wer die beabsichtigten Empfänger sind.
Diese Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass US-Bundesbehörden die örtlichen Strafverfolgungsbehörden davor warnten, dass das Signal als „operativer Auslöser“ für Schläferagenten dienen könnte. Sollte die Übertragung tatsächlich von einer US-amerikanischen Quelle stammen, lässt sich diese Warnung nur schwer damit in Einklang bringen und wirft die Frage auf, warum die Behörden sie als potenzielle Bedrohung einstufen sollten, wenn sie Teil ihrer eigenen Operationen wären.
Dies mindert nicht die Bedrohung durch mit dem Iran verbundene Netzwerke im Westen. Im Gegenteil, es deutet auf ein komplexeres und beunruhigenderes Bild hin, in dem sichtbare Gewalttaten und Einschüchterungen neben einer weitgehend unsichtbaren Ebene nachrichtendienstlicher Aktivitäten stattfinden.
Die Angriffe sind nicht zufällig, doch die dahinterstehende Struktur ist noch nicht vollständig erkennbar.
Warum also brauchte es einen Krieg mit dem Iran, damit die Medien und in vielen Fällen auch die Behörden eine Bedrohung anerkennen, die seit Jahren dokumentiert, vor der gewarnt und die konsequent heruntergespielt wurde?
In den letzten Wochen warnten Schlagzeilen vermehrt vor der „Möglichkeit“, dass iranische Terrorzellen sowohl in den USA als auch in Europa aktiv seien.
Am 9. März titelte ABC News unter Bezugnahme auf eine persischsprachige Übertragung: „Der Iran aktiviert möglicherweise Schläferzellen im Ausland, so eine Warnung.“
Am 13. März lautet eine Schlagzeile der New York Post: „Iranischer Angriff auf US-amerikanischem Boden wahrscheinlich, mit ‚Tausenden‘ rachsüchtigen Schläferzellen im Land: ‚Nicht die Frage, ob, sondern wann‘.“
Einen Tag später lautete die Schlagzeile der New York Times: „‚Schläferzellen‘ und Einzeltäter: Sicherheitsexperten warnen vor weiterer Gewalt im eigenen Land.“
Was in diesen Berichten weitgehend fehlt, ist die Erkenntnis, dass solche Netzwerke schon lange vor dem aktuellen Krieg gegen das iranische Regime aktiv waren.
Die Beweislage ist lang und gut dokumentiert – für alle, die bereit sind sie zu prüfen. Das wohl deutlichste Beispiel für die Aktivitäten des Regimes auf westlichem Boden ist die Assadi-Affäre, in deren Verlauf der iranische Diplomat Assadollah Assadi als erster iranischer Beamter seit der Revolution von 1979 wegen terroristischer Handlungen angeklagt und inhaftiert wurde.
Der in Wien ansässige Assadi nutzte seinen diplomatischen Posten, um eine mit Triacetontriperoxid (TATP) gefüllte Bombe aus Teheran in einem diplomatischen Kurierbeutel zu schmuggeln. Anschließend übergab er sie einem belgisch-iranischen Paar mit der Anweisung, im Juni 2018 einen Bombenanschlag auf eine Kundgebung des Nationalen Widerstandsrates des Iran in der Nähe von Paris zu verüben. An der Veranstaltung nahmen rund 25.000 Menschen teil, darunter britische und amerikanische Persönlichkeiten. Der Anschlag wurde jedoch durch eine koordinierte, länderübergreifende Anti-Terror-Operation vereitelt.
Die belgische Staatsanwaltschaft stellte nach dem Urteil klar, dass der Fall „die Verantwortung des iranischen Staates für das belegt, was ein Blutbad hätte sein können“. Die Europäische Union zog jedoch nicht denselben Schluss und stufte den versuchten Anschlag als Einzeltat und nicht als staatlich geförderten Terrorismus ein. Assadi selbst wurde nur zwei Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs gegen einen im Iran inhaftierten belgischen Entwicklungshelfer freigelassen.
Der Fall Assadi war keine Anomalie. Er war Teil einer umfassenderen Strategie.
Der Fall des britisch-indischen Autors Salman Rushdie ist ein weiteres prominentes Beispiel für die Vorgehensweise des Regimes. 1989 erließ Ayatollah Ruhollah Khomeini eine Fatwa (ein religiöses Dekret) in der er Rushdies Tod wegen der „Satanischen Verse“ forderte. 1998 distanzierte sich die iranische Regierung unter Präsident Mohammad Khatami öffentlich von dem Dekret und erweckte so den Eindruck, die Bedrohung sei vorüber.
Faktisch wurde die Fatwa nie zurückgenommen und Ali Khamenei bezeichnete sie später als „unumstößlich und unwiderruflich“. Als Rushdie 2022 in New York beinahe einem brutalen Messerangriff zum Opfer fiel und auf einem Auge erblindete, leugneten offizielle Vertreter des Iran jegliche Beteiligung, während Hardliner-Zeitungen den Angreifer lobten.
Das ist keine Distanzierung von Gewalt. Es ist das bevorzugte Vorgehen des Regimes: die Hetze aufrechterhalten, die operative Verantwortung leugnen und anderen die Tat überlassen.
Diese Vorgehensweise wird zunehmend kombiniert mit dem Einsatz von Stellvertretern.
Nach dem vereitelten Assadi-Anschlag von 2018 stützten sich die iranischen Streitkräfte, insbesondere die Revolutionsgarden und das Geheimdienstministerium, verstärkt auf kriminelle Netzwerke, um Anschläge im Ausland zu verüben und so die Distanz Teherans zu seinen Aktivitäten zu wahren.
In Deutschland warf 2022 ein Mitglied der Hells Angels in Bochum im Auftrag der Revolutionsgarden einen Molotowcocktail auf eine Synagoge. Im Jahr 2024 erhoben die französischen Behörden Anklage gegen zwei Verdächtige, die mit einem vom Iran gesteuerten Komplott in Verbindung standen, das sich gegen Israelis und Juden in Paris, München und Berlin richtete.
In den Vereinigten Staaten leitete der iranische Geheimdienstmitarbeiter Alireza Shavaroghi Farahani ein Netzwerk, das einen iranisch-amerikanischen Staatsbürger in Kalifornien und ahnungslose Privatdetektive einsetzte, um Informationen über die iranisch-amerikanische Aktivistin Masih Alinejad zu sammeln; das war Teil eines Komplotts sie zu entführen und von New York nach Venezuela und schließlich in den Iran zu bringen.
In den Jahren 2022 und 2023 wurden mehrere Anschläge auf ehemalige US-Beamte, darunter John Bolton und Mike Pompeo, vereitelt. Die Verbindungen ließen sich zum iranischen Regime zurückverfolgen. In Großbritannien gab der MI5 an, allein im Jahr 2025 mehr als 20 Anschläge mit iranischem Bezug vereitelt zu haben.
Nichts davon wurde verheimlicht. Es wurde dokumentiert, veröffentlicht und war für jeden Journalisten und jeden politischen Entscheidungsträger zugänglich. Die Frage ist nicht, ob die Bedrohung vor dem aktuellen Krieg existierte, sondern warum so wenige in Machtpositionen sie als solche behandelten.
Was aus diesen Aufzeichnungen hervorgeht, ist keine Unklarheit, sondern ein Muster, dem sich die westlichen Regierungen wiederholt nicht vollständig gestellt haben.
Immer wieder wurden Anschläge vereitelt, Agenten identifiziert und Verbindungen nach Teheran aufgedeckt. Doch anstatt die naheliegende Schlussfolgerung zu ziehen, dass das iranische Regime systematisch ein Netzwerk aufbaute, das zu Angriffen auf westlichem Boden fähig war, wurde jeder Fall als isoliert und beherrschbar behandelt.
Selbst als die Beweise eindeutig auf eine staatliche Beteiligung hindeuteten, beschränkte man sich darauf Einzelpersonen zu verfolgen, Zellen zu zerschlagen und die weitreichenderen Folgen zu ignorieren. Der Fall Assadi ist trotz seiner Bedeutung vielleicht das deutlichste Beispiel. Er wurde zwar zur Kenntnis genommen, aber nicht so behandelt, dass die darin enthaltenen Erkenntnisse über das Regime selbst angemessen gewesen wären.
Infolgedessen konnte die Infrastruktur fortbestehen. Netzwerke wurden nicht zerschlagen, sondern lediglich verwaltet. Die diplomatische, operative und logistische Präsenz des Regimes in westlichen Ländern blieb weitgehend intakt, obwohl es weiterhin Gewaltakte lenkte, ermöglichte oder inspirierte.
Auch die Medien trugen zu diesem Versagen bei. Erst jetzt, inmitten des offenen Konflikts zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und Israel, sprechen die Schlagzeilen in dringlichen Worten von Schläferzellen und drohenden Anschlägen. Das erweckt den Eindruck, dass diese Bedrohung als Folge des Krieges plötzlich entstanden ist.
Was wir jetzt erleben, ist nicht die Entstehung einer neuen Bedrohung, sondern die Aufdeckung einer bereits bestehenden. Sie wurde jahrelang in Gerichtssälen, Geheimdienstberichten und vereinzelten Berichten dokumentiert, aber selten als zusammenhängende oder systemische Gefahr dargestellt.
Der Anschlag in Golders Green war nicht der Beginn dieser Entwicklung. Er war völlig vorhersehbar.
Doch erneut besteht die Gefahr, dass er missverstanden und als isolierter Akt antisemitischer Gewalt abgetan wird, anstatt als Teil einer tiefer liegenden, organisierten Bedrohung erkannt zu werden.
Die Frage ist nicht mehr, ob das iranische Regime die Fähigkeit entwickelt hat, Terror auf westlichem Boden zu verüben, sondern warum es dies so lange tun konnte und ob diejenigen, die ein klares und anhaltendes Muster regimegesteuerter Aktivitäten ignoriert haben, nun bereit sind sich diesem Versagen zu stellen.














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