Die Fülle der Leere

Rezension: Ernst Osterkamp: Poesie der leeren Mitte – Stefan Georges Neues Reich. Weiterlesen

Die Geburt des Feminismus aus dem Geist des Kynismus

„Ist es nicht eben diese Hipparchia, die, schon im frühen Morgen ihres Lebens vom Licht der Philosophie angestrahlt, aus der betäubenden Dumpfheit, worin die verpuppten Seelchen ihrer meisten Ge­schlechts­schwestern ihr Daseyn ver­träumen, zum Gefühl der Würde ihrer Natur erwacht ist?“ Wieland

Fast unbemerkt vollführt sich im kynischen Mantel eine metaphysische Revolution, der Diogenes Laertius nur wenige Zeilen zu widmen weiß. Es ist die einzige Lebens­beschreibung in seinem Monumentalwerk „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“, die eine Frau, eine Philosophin zum Gegenstand hat. Weiterlesen

Frauen und Kinder in Ungarn

Was in Ungarn sofort auffällt: Es gibt kaum ningelnde, nörgelnde, nervende Kinder. Zumindest habe ich noch kaum eines gesehen. In Deutschland jedoch genügen in der Regel fünf Minuten im Stadtzentrum oder einem Einkaufspalast, um gestreßten Müttern, die ihre Kleinen anblaffen, und weinenden, schreienden, zappelnden Kindern zu begegnen.

Mütter sind hier auffällig auf ihre Sprößlinge fokussiert. Weiterlesen

Grundtvigs Begriff der Volklichkeit

 Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl?

Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783 – 1872), der Mann mit dem lustigen Bart, ist an Bedeutung kaum zu überschätzen.

© Den store danske

© Den store danske

Denkt man an Dänemarks Geistesgrößen, dann fallen Namen wie Kierkegaard oder Hans Christian Andersen, tatsächlich hat aber keiner die skandinavischen Geisteswelten derart durchsäuert wie der in Europa wenig bekannte Grundtvig. Sein Werk ist enorm, vielfältig und schillernd; ohne ihn gäbe es das heutige Skandinavien nicht, wäre Dänemark nicht die Vorzeigedemokratie und ein Wohlfahrtsstaat geworden – und ohne die Umsetzung seiner Idee der „Volklichkeit“ beherbergte es wohl auch nicht das seit Jahrzehnten „glücklichste Volk“ Europas. Weiterlesen

Volklichkeit

Die Volklichkeit
(Gedicht von N.F.S. Grundtvig)

Volklich soll nun sein das Ganze
rings im Land von Kopf bis Fuß;
etwas Neues ist im Werke,
selbst ein Tor es sehen muß;
aber kann es, kaum geboren,
das ersetzen, was verloren?
Weiß man wirklich, was man will,
mehr als „Brot und Zirkusspiel“?
Mit Verlaub zu fragen!

Volk! Was ist denn Volk im Grunde?
Was bedeutet „volklich“ wohl? Weiterlesen

Linke Liebe und richtige Liebe

Der aufrüttelnde – „Geschlechterrollen wurden in linken Kreisen höchstens pro forma in Frage gestellt“ – und bemerkenswert ehrliche – „ich stellte ihnen meine Vagina zur Verfügung, damit sie an und in mir ruhen und rasten konnten nach dem erschöpfenden Kampf gegen Nazis, die imperialistische Weltverschwörung und all die Bösen da draußen“ – Beitrag einer linken Feministin  führt mich down the memory lane, weckt Erinnerungen. Weiterlesen

Ellen Kositza: Geschlecht und Politik

Rezension: Ellen Kositza: Geschlecht und Politik.

So ein Kaplaken-Bändchen hat höchstens hundert Seiten, Kleinformat, im Grunde ein längerer Aufsatz, in zwei Stunden gelesen, aber die darin behandelten Themen sind manchmal gigantisch groß – so ein Büchlein kann sie per se nicht ausfüllen.

So geht es auch mit Ellen Kositzas „Geschlecht und Politik“, das einen Riesenhorizont auftut und doch nur einen schmalen Pfad erschließen kann. Weiterlesen

Das Ende der Kunst

Besonders unter Künstlern und Intellektuellen scheint die „Einwanderungsgesellschaft“ akzeptiert zu sein. Aber haben sich das unsere Gebildeten und Bildenden auch gut überlegt? Wissen sie – unter der Prämisse, daß die Zuwanderung zugleich eine deutliche Zunahme an Mitmenschen muslimischen Glaubens mit sich bringt, wissen sie also: Weiterlesen

Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Legte mir einst ein muslimischer Freund ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt.

Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Man kann sie auch heute noch bei Amazon etwa erwerben.

Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. Weiterlesen

Aufklärung und Sklaverei

Hampstead Heath im Frühjahr ist eine naturbunte belebende Oase im Großstadttrubel Londons. Der riesige Park im Norden der Stadt ist mehr als eine grüne Lunge, er beherbergt auch unerwartete Schätze. Plötzlich steht man vor einem opulenten Bau im klassizistischen Stil, der wie ein verzaubertes Schloß die Gegend überragt: Kenwood House. Weiterlesen

Malmö – Europas dystopischer Entwurf

Immerhin. Ein morgendliches Durchsuchen einiger Twitter-Konten bestätigt: mein Gefühl hat nicht getrogen, ich war nicht allein. War mir auch vorher schon klar, denn ich habe zusammen mit einer Rentnerin den European Song Contest gesehen und die war fassungslos und konnte nur immer wieder die Worte stammeln: „Ich verstehe das nicht“ und: „Die jungen Leute von heute sind ganz anders“ und: „Die sind doch krank, oder?“

Ja, so ist es. Wollen wir versuchen, an ihrer statt ein paar von den Worten zu finden, die ihr, der einfachen, nach unserem Verständnis ungebildeten, aber noch natürlich empfindenden Person fehlen. Weiterlesen

Versuch, Links und Rechts zu erklären

Der wahre Linke ist der permanent von sich Abwesende, der aus sich selbst Ausgesiedelte, der von sich Absehende, dem die Sorgen der Unversorgten der Welt mehr bedeuten als die alten Leute im eigenen Viertel … Sich über die Zustände en gros und in der Ferne empören, um Mißstände in Reichweite und en detail ruhiger zu verkennen. Damit ist gesichert, nie etwas Konkretes tun zu müssen, nie etwas zu verantworten, nie an etwas Bestimmten schuld zu sein. Daß man summarisch gegen die Mißstände von überall ist, das genügt, um sich im richtigen Lager zu positionieren. (Peter Sloterdijk: Zeilen und Tage III)

Die (linke) Forschung sagt zum Thema Geschlecht: „Der grobe Draufblick ergibt eine Trennung in männlich und weiblich, aber je näher man an die verschiedenen Definitionen von Geschlecht heranzoomt, desto komplexer wird die Angelegenheit. Bei Säugetieren, auch beim Menschen, gibt es zwischen männlich und weiblich viele Übergangsformen.“ (Focus 2.2.2024)

Das beschreibt ziemlich genau meine – zugegeben grobe – These, daß man „links“ und „rechts“ bei aller Relativität und Fragwürdigkeit der Begriffe am Wirklichkeitszugang unterscheiden kann und das seit Anbeginn der Zeiten:

Also: noch einmal der Versuch, Links und Rechts zu erklären. Weiterlesen

Philosophie der Gender-Ideologie

Den folgenden Text in drei Teilen fand ich im Internet und halte ihn für so bedeutsam, daß seine Verbreitung gefördert werden sollte. Mit Dank für die freundliche Genehmigung an den Autor :
©Nigromontanus

Strukturalismus und Poststrukturalismus

Woher kommt plötzlich die Rede von möglicherweise unzähligen Geschlechtern? Wieso sollen Texte mit Gender-Sternchen versehen, Mohren-Apotheken umbenannt und Diversitäts-Quoten an den Universitäten eingeführt werden? Wieso werden Männer, die Perücken aufsetzen und sich als bezaubernde Frauen bezeichnen, gefeiert, während die restlichen Männer eine toxische Maskulinität um sich herum verbreiten? Weiterlesen

Quoten im Fußball

Bevor ich es vergesse, schnell aufschreiben.

Mir träumte – in einer wirren Folge von wenig zusammenhängenden Bildern –, daß ich mit Freunden Fußball schaute. Bei Everton im Tor ein neues Gesicht. Stürzte wie ein Wilder im Strafraum herum, seltsam unkonventionelles Verhalten, streichelte einen Gegenspieler, nachdem er ihm einen Ball vom Fuß genommen hatte, ein bißchen pummelig, rundes Gesicht, androgyn … Plötzlich fährt es mir durch den Kopf? Ist das eine Frau? Ich schreie meinen Nachbarn an: „Is this a woman?“ Ich bin entsetzt! Weiterlesen

Der Orgasmuszwang

Nun hat die Wissenschaft den Orgasmus-Gap entdeckt und das links-feministische Feuilleton springt gierig auf. Demnach haben echte Männer „beim Sex“ zu 95% einen Orgasmus – warum es irreführend ist, den männlichen und den weiblichen Klimax mit einem gemeinsamen Begriff zu belegen, habe ich hier dargelegt –, Frauen hingegen nur zu 65%, sofern sie sich mit Männern abgeben. Frau/Frau hat etwas mehr Glück. Weiterlesen

Wo ist unsere Unschuld hin?

Sandor Márai erwähnte in seinem „Füves Könyv“ das Kinderbuch „The story of Ferdinand“ (1936) des amerikanischen Schriftstellers Munro Leaf. Offensichtlich ein Klassiker der Zeit, mehr als eine Lebensspanne alt, der zu denken gab. Nun kam mir das Buch in die Hand. Es erzählt die Geschichte eines jungen Stieres in Spanien, der sich ganz und gar nicht wie seine Brüder aufführt und anstatt sich zu stoßen, zu puffen und zu raufen, sich lieber auf eine ruhige Wiese zurückzieht, um die schönen Blumen anzuschauen. Es ist die mittlerweile allseits bekannte Geschichte des anders veranlagten, des identitätsunsicheren Kindes. Weiterlesen

Frauen im Männersport

Die Ungarn lieben Randsportarten, und zwar weil sie es dort zu gewissen Erfolgen gebracht haben: Fechten, Schwimmen, Ringen, Wasserball. So schaue ich also zu nächtlicher Stunde Frauen-Wasserball, Ungarn gegen Japan. Für diesen Sport habe ich ein besonderes Interesse, ich habe ihn in meiner Jugend zwölf Jahre lang aktiv betrieben, er machte einen Großteil meines jungen Lebens aus. Weiterlesen

Das Geheimnis der guten Ehe

Leichtfertige Menschen meinen, es bestünde in der Liebe, und noch leichtfertigere sehen es in der Verliebtheit. Doch sind das Klischees. Nicht, daß ein Gran Liebe nicht notwendig sei, nur darf man ihren Anteil nicht überschätzen. Überhaupt ist der Mensch zu sehr langer Liebe gar nicht fähig, auf keinen Fall zu einer jahrzehntelangen. Weiterlesen

If one is a woman

Mitten in der Lektüre von Virginia Woolfs grandiosem Traktat „A room of one’s own” stolpere ich plötzlich über einen Satz: „Again if one is a woman one is often surprised by a sudden splitting off of consciousness …” Der Satz geht weiter, der Gedanke wird fortentwickelt und sie stellt sich die Frage, ob es nicht auch zwei Geschlechter „in the mind“ gibt, da nun mal die „two sexes in the body“ existieren … aber all das lassen wir jetzt beiseite. Mir kam die Frage in den Sinn, wie man obige Sentenz ins Deutsche übertragen könnte, ohne dabei die neuerlich aufoktroyierten Sprachregeln zu verletzen. Der Text wurde tatsächlich mehrfach übersetzt, zuletzt im Jahr 2022, er stellt schließlich einen Schlüsseltext des modernen Feminismus dar. Wie die Übersetzer das gelöst haben, weiß ich nicht, ich frage mich, wie sie es übersetzt haben könnten. Weiterlesen