Im Ungarischunterricht – wir schreiben das Jahr 2017 – wurde im Vorbeigang die Steigerungsform erörtert. Man brauchte sich nicht lange aufhalten, da es eine der wenigen grammatischen Prinzipien ist, die für den Ausländer unproblematisch sind – die üblichen Ausnahmen nicht berücksichtigt. Dem Adjektiv wird in der ersten Steigerung ein –bb angehängt, wobei die Lautharmonie beim Verbindungsvokal zu beachten ist und in der zweiten Form noch ein –leg vorangestellt.
rossz = schlecht,
rosszabb = schlechter
legrosszabb = schlechteste, am schlechtesten
noch mal:
jó = gut
jobb = besser (das lange O wird nun kurz)
legjobb = am besten, beste
„Halt mal, langsam bitte“, sage ich: lassan kerem.
„,Jobb‘ bedeutet ja nicht nur ‚besser‘, sondern auch ‚rechts‘.
Wie man an ‚jobbra‘ (nach rechts) erkennt“ … oder an „Jobbik“, der nationalistischen Partei rechts von Orbán, die damals immerhin 20% des Wahlvolkes hinter sich wußte. Offiziell heißt die Partei „Jobbik Magyarországért Mozgalom“ (Bewegung für ein besseres Ungarn) – das „Jobbik“ als Verkürzung ist also ein Wortspiel, in dem das Bessere und das Rechte anklingt.
Ich lächelte meinen Sitznachbarn an, ein Künstler, der einst der westdeutschen KP nahestand und nun erstaunt ist, „mit so einer rechten Socke“ reden zu können. „Na und?“, fragt er.
„Das ist die Weisheit der Sprache“, antwortete ich. Das findest du in allen europäischen Sprachen: „Right is right and left is wrong“. Da er nicht gleich schaltet, erkläre ich es ihm in drei Sätzen:
Deutsch:
rechts – recht, das Recht, richtig
links – eine linke Type, link ist unbeholfen und moralisch verwerflich
Englisch hast du gerade gehört. Dazu kommt noch das aus dem Lateinischen stammende „sinister“ (finster, unheimlich)
Italienisch:
rechts – destra; destramente – gewandt oder geschickt
links – sinistra; sinistramente – finster, düster; sinistrare – schädigen
Dänisch:
rechts – højre; en højreafviger ist ein Rechtsbrecher
links – venstre; „Venstrehåndsarbejde” etwa kann man mit “Pfusch” übersetzen
Russisch (krame ich zu Hause zusammen):
rechts – право; die правда („Prawda“) kennt jeder, sie nennt sich „Wahrheit“
links – левый; bedeutet u.a. auch in den slawischen Sprachen „falsch“, „verkehrt“
So kann man das durch alle europäischen Sprachen „durchdeklinieren“. Nur das Ungarische, als weltenferner Meteorit auf dem Vielsprachenkontinent fehlte noch und nun haben wir es: jó/jobb.
„Aber funktioniert es auch mit links?“, fragte ich die Lehrerin. „Hat ‚bal‘ eine negative Konnotation?“ Nein, sie schüttelt zuerst den Kopf und überlegt: „,baleset‘ heißt nur ‚Unfall‘“.
„Das ist genau, was zu erwarten war!“, rief ich. „,Unfall‘ ist das schreckliche Ereignis und das ist logischerweise mit ‚links‘ verbunden. Und ‚balek‘“ – ich hatte inzwischen selber im Wörterbuch nachgeschaut –, „und ‚balek‘ ist der ‚Trottel‘“.
Was zu beweisen war.
Selbstverständlich ist das alles nur ein Spaß. Erstens gibt es immer wieder politische Verwischungen.
So ist z.B. die „Venstre Parti“ in Dänemark eine liberalkonservative und die „Radikale Venstre“ eine linksliberale Partei.
Dann ist die Ursache dieser Unterscheidung augenscheinlich mit der anthropologischen Konstante der Rechtshändigkeit der meisten Menschen – unabhängig von den Kulturen, aber abhängig vom Aufbau unseres Hirns – verknüpft.
Vor allem stammen die Begriffe von einer eher willkürlichen parlamentarischen Sitzordnung im Anschluß an die Julirevolution 1830 in Frankreich. Dort saßen die Gegner der Monarchie auf der linken, die Traditionalisten auf der rechten Seite. Aus diesem Grunde heißt auch die „Venstre“ in Dänemark so – sie sitzt seit 1848 links obwohl sie rechts ist. Die Begriffe haben sich gehalten.
Allerdings waren „links“ und „rechts“ auch damals, als man sich setzte, schon bedeutungsvoll. Aber einer mußte schließlich links sitzen.
Ein Wunder, daß die „Sprachsoldaten“ noch nicht auf diese sprachliche Diskriminierung des Linken, des linken Typen, der linken Hand und der Linken, gekommen sind.
Es scheint nun also offiziell zu sein: Martin Sellner soll die Einreise nach Deutschland ohne jegliche juristische Grundlage verwehrt werden.
Das ist ein weiterer Willkürschritt in der schleichenden Totalisierung einer sich noch als demokratisch gerierenden Republik. Ein unbescholtener Bürger wird aufgrund einer fabrizierten Lügenkampagne zur persona non grata – wem hier keine historischen Vergleiche in den Sinn kommen, der kennt sie entweder nicht mehr oder aber ist so verblendet, daß er beginnt, Unrecht zu unterstützen. Liest man etwa die Kommentare auf „Zeit online“ dazu, dann bekommt man den Eindruck, daß die linke Blase begeistert den Arm hochreißt. Rosa Luxemburg scheint es plötzlich nie gegeben zu haben …
Ich sehe es als Pflicht an, jetzt, an dieser Zäsur, die ganz persönlich festzumachen ist, das mindeste – leider sehr wenig – zu tun, und die Petition gegen das Einreiseverbot Sellners zu unterschreiben.
Man muß Sellner nicht mögen, man kann auch seine Gedanken ablehnen, aber daß einem friedfertigen Österreicher aufgrund einer politischen Meinung die Einreise verwehrt wird, während in den letzten 10 Jahren viele Millionen Menschen ohne jegliche Legitimation hereinkamen, ist gelinde gesagt ein Skandal.
Dabei hätte Sellner mehr recht, in einem freien Land um Asyl zu bitten, als der Großteil der heutigen „Asylanten“: Es werden mediale Hetzkampagnen gegen ihn gefahren, mehr als 70 Bankkonten wurden ihm gelöscht, zahlreiche Medienkanäle und damit jahrelange Arbeit zerstört, kein Publikumsverlag würde auch nur eines seiner Bücher anfassen … und vor der Antifa, vor physischer Gewalt muß er sich auch noch schützen.
Mich schockt es komplett! Das letzte Vertrauen ist erschüttert. Man muß etwas tun!
Gestern war ich auf der örtlichen Demonstration gegen Rechts; dort sagte eine Rednerin in etwa dies: Man „müsse nun aufstehen“, man „dürfe nicht mehr schweigen“, man müsse „mutig sein“ und den Verblendeten „tapfer entgegentreten“. Nun denn!
Bitte haben Sie den Mut, unterschreiben Sie, teilen Sie den Link!
Nie wieder ist jetzt!
https://martinsellner.info/petition-einreiseverbot-gegen-sellner-aufheben/
Siehe auch: Der Sellner-Skandal
Wachsen eines Vulkans im Lügenmeer