Die Weisheit der Sprache

Im Ungarischunterricht – wir schreiben das Jahr 2017 – wurde im Vorbeigang die Steigerungsform erörtert. Man brauchte sich nicht lange aufhalten, da es eine der wenigen grammatischen Prinzipien ist, die für den Ausländer unproblematisch sind – die üblichen Ausnahmen nicht berücksichtigt. Dem Adjektiv wird in der ersten Steigerung ein –bb angehängt, wobei die Lautharmonie beim Verbindungsvokal zu beachten ist und in der zweiten Form noch ein –leg vorangestellt.

rossz = schlecht,

rosszabb = schlechter

legrosszabb = schlechteste, am schlechtesten

noch mal:

= gut

jobb = besser (das lange O wird nun kurz)

legjobb = am besten, beste

„Halt mal, langsam bitte“, sage ich: lassan kerem.

„,Jobb‘ bedeutet ja nicht nur ‚besser‘, sondern auch ‚rechts‘.

Wie man an ‚jobbra‘ (nach rechts) erkennt“ … oder an „Jobbik“, der nationalistischen Partei rechts von Orbán, die damals immerhin 20% des Wahlvolkes hinter sich wußte. Offiziell heißt die Partei „Jobbik Magyarországért Mozgalom“ (Bewegung für ein besseres Ungarn) – das „Jobbik“ als Verkürzung ist also ein Wortspiel, in dem das Bessere und das Rechte anklingt.

Ich lächelte meinen Sitznachbarn an, ein Künstler, der einst der westdeutschen KP nahestand und nun erstaunt ist, „mit so einer rechten Socke“ reden zu können. „Na und?“, fragt er.

„Das ist die Weisheit der Sprache“, antwortete ich. Das findest du in allen europäischen Sprachen: „Right is right and left is wrong“. Da er nicht gleich schaltet, erkläre ich es ihm in drei Sätzen:

Deutsch:

rechts – recht, das Recht, richtig

links – eine linke Type, link ist unbeholfen und moralisch verwerflich

Englisch hast du gerade gehört. Dazu kommt noch das aus dem Lateinischen stammende „sinister“ (finster, unheimlich)

Italienisch:

rechts – destra; destramente – gewandt oder geschickt

links – sinistra; sinistramente – finster, düster; sinistrare – schädigen

Dänisch:

rechts – højre; en højreafviger ist ein Rechtsbrecher

links – venstre; „Venstrehåndsarbejde” etwa kann man mit “Pfusch” übersetzen

Russisch (krame ich zu Hause zusammen):

rechts – право; die правда („Prawda“) kennt jeder, sie nennt sich „Wahrheit“

links – левый; bedeutet u.a. auch in den slawischen Sprachen „falsch“, „verkehrt“

So kann man das durch alle europäischen Sprachen „durchdeklinieren“. Nur das Ungarische, als weltenferner Meteorit auf dem Vielsprachenkontinent fehlte noch und nun haben wir es: jó/jobb.

„Aber funktioniert es auch mit links?“, fragte ich die Lehrerin. „Hat ‚bal‘ eine negative Konnotation?“ Nein, sie schüttelt zuerst den Kopf und überlegt: „,baleset‘ heißt nur ‚Unfall‘“.

„Das ist genau, was zu erwarten war!“, rief ich. „,Unfall‘ ist das schreckliche Ereignis und das ist logischerweise mit ‚links‘ verbunden. Und ‚balek‘“ – ich hatte inzwischen selber im Wörterbuch nachgeschaut –, „und ‚balek‘ ist der ‚Trottel‘“.

Was zu beweisen war.

Selbstverständlich ist das alles nur ein Spaß. Erstens gibt es immer wieder politische Verwischungen.

So ist z.B. die „Venstre Parti“ in Dänemark eine liberalkonservative und die „Radikale Venstre“ eine linksliberale Partei.

Dann ist die Ursache dieser Unterscheidung augenscheinlich mit der anthropologischen Konstante der Rechtshändigkeit der meisten Menschen – unabhängig von den Kulturen, aber abhängig vom Aufbau unseres Hirns – verknüpft.

Vor allem stammen die Begriffe von einer eher willkürlichen parlamentarischen Sitzordnung im Anschluß an die Julirevolution 1830 in Frankreich. Dort saßen die Gegner der Monarchie auf der linken, die Traditionalisten auf der rechten Seite. Aus diesem Grunde heißt auch die „Venstre“ in Dänemark so – sie sitzt seit 1848 links obwohl sie rechts ist. Die Begriffe haben sich gehalten.

Allerdings waren „links“ und „rechts“ auch damals, als man sich setzte, schon bedeutungsvoll. Aber einer mußte schließlich links sitzen.

Ein Wunder, daß die „Sprachsoldaten“ noch nicht auf diese sprachliche Diskriminierung des Linken, des linken Typen, der linken Hand und der Linken, gekommen sind.

Warum die Deutschen?

In Ungarn gab ich gelegentlich ein paar Deutschstunden. Mein ausdauerndster Schüler war ein Mann von 80 Jahren, einst der Inhaber einer der größten Weingüter in dieser gottgesegneten Weingegend, promovierter Önologe.

Einmal wollte er die Deutsche Nationalhymne auswendig lernen und begann zu singen: „Deutschland, Deutschland über alles“. Er war überrascht, zu hören, daß man das nicht mehr singe, sondern nur noch „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Er fand das albern, man müsse doch auch einmal vergessen können … Weiterlesen

Die Faszination des Islam

Wenn man sich auch nur ein klein wenig mit dem Islam in Deutschland beschäftigt, dann kommt man nicht umhin, die Menge an Youtube- und TikTok-Videos zu bemerken, die junge deutsche Konvertiten voller Stolz und meist mit missionarischem Eifer ins Netz stellen. Der Prozeß läuft für jedermann sichtbar seit Jahrzehnten – nun werden die ersten Mainstream-Medien aufmerksam, aber auch nur, weil die demographische Wippe längst gekippt ist.

Meist sind es junge Männer mit Ziegenbärten, diversen Kopfbedeckungen und oft beeindruckenden Arabisch- und Korankenntnissen. Weiterlesen

Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Legte mir einst ein muslimischer Freund ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt.

Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Man kann sie auch heute noch bei Amazon etwa erwerben.

Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. Weiterlesen

Mythos Al-Andalus

Ich prophezeie der Philosophie eine andere Vergangenheit (Peter Sloterdijk)
Islam has a proud tradition of tolerance. We see it in the history of Andalusia and Cordoba during the Inquisition (sic!). (Barack Hussein Obama)

Die klassische Geschichtserzählung berichtet uns von einem Wunderland Al-Andalus. Inspiriert durch die romantische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, werden die Jahre zwischen 711 und 1492 vornehmlich als Ideal einer toleranten islamischen Zeit, einer Blüte der Gerechtigkeit, der Multikulturalität und Diversität, des Pluralismus und eines friedlichen und sich gegenseitig befruchtenden Nebeneinanders von Islam, Judentum und Christentum, von Convivencia, bis hin zur Symbiose, dargestellt.

Dabei wird, ganz grob gesehen, von drei Phasen ausgegangen Weiterlesen

Segen und Frieden mit Jesus

Die gestrige Geschichte, die dem allgemein anerkannten Hadith Malik entstammt, erzählte ich einem muslimischen Freunde. Er kennt sie, wenn auch ein klein wenig anders; demnach fehlte ihr eine wesentliche Ergänzung: die Frau wollte das! Sie sei zum Propheten gegangen und nicht er zu ihr, sie wollte ein Urteil über ihre Sünde, sie wollte bestraft werden.

Es gibt, sage ich, eine Parallelerzählung in der Bibel, in der Jesus über eine Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll, richtet. Die geht so: Weiterlesen

Gibt es den Islam?

Den Islam, den Islam gibt es nicht – so hört man allerorten, insbesondere dort, wo man den Islam verteidigen will, also in der Regel gegen „Islamkritiker“ gerichtet argumentiert. Der programmatische Satz  – „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – hatte vor einigen Jahren exakt dieses Argument vielstimmig auf allen Kanälen erneut provoziert.

Uns sollen hier nicht die leicht zu durchschauenden Widersprüche interessieren, etwa daß es den Islam stets dann doch gibt, wenn es ihn zu verteidigen gilt: Der Islam gehört zu Deutschland – Der Islam darf nicht verleumdet werden – Der Islam ist eine friedliche Religion – Der Islam ist grundgesetzkonformIslam ist Barmherzigkeit etc. Wir wollen dem Argument auf den Grund gehen und eventuell dasjenige herausarbeiten, was den Islam ausmacht. Weiterlesen

Was heißt konservativ?

Begeistert streicht ein japanischer Tourist im Quadrangle der University of Oxford über den englischen Rasen. „Wie machen Sie das nur?“, fragt er den Gärtner. „Das ist ganz einfach. Man muß nur 100 Jahre lang jeden Tag den Rasen mähen.“

In einem Garten steht eine Fichte mit dickem Stamm. Sie mag 30 oder 50 oder 70 Jahre auf dem Buckel haben. Der Besitzer hat sie um die Hälfte gekürzt. Wie eine Wunde leuchtet die Schnittfläche, hilflos ragen die Äste rechts und links über den Stumpf hinaus. Weiterlesen

Über Stürzenbergers Mitschuld

Das Messer-Attentat auf Michael Stürzenberger, seine Crew und einen Polizisten, der heute leider seinen Verletzungen erlegen ist, stellt in verschiedenen Milieus die Frage: War Stürzenberger selbst schuld? Hat er geerntet, was er gesät hat? Trägt er eine Mitverantwortung an den schrecklichen Ereignissen? Weiterlesen

Aufklärung und Sklaverei

Hampstead Heath im Frühjahr ist eine naturbunte belebende Oase im Großstadttrubel Londons. Der riesige Park im Norden der Stadt ist mehr als eine grüne Lunge, er beherbergt auch unerwartete Schätze. Plötzlich steht man vor einem opulenten Bau im klassizistischen Stil, der wie ein verzaubertes Schloß die Gegend überragt: Kenwood House. Weiterlesen

Martin Sellner und die Vordiktatur

Credo dieser Seite war es stets – der Titel deutet darauf hin –, nur dann den Mund aufzumachen, wenn wenigstens ein kleiner Teilaspekt der Argumentation nicht „Mainstream“ ist, also von anderen bereits gesagt wurde oder ebensogut oder besser gesagt werden könnte. Jetzt verstoße ich dagegen. Weiterlesen

Sieg der Rechte über die Gerechtigkeit

Es wird vermutlich bei vielen als Zumutung empfunden werden, Lenin als seriöse Denkquelle wieder in den Diskursstrom einspeisen zu wollen[1]. Man muß sich dafür von allen Klischees, Wertungen, Urteilen und Verurteilungen lösen, man muß von der Geschichte – also den Folgen seines Denkens – abstrahieren, um an den denkerischen Schatz zu gelangen, der in diesem 40-bändigen Werk schlummert.

Beim Autofahren haben wir Lenins „Antwort an Kijewski“[2] gehört und meine Frau machte mich auf eine Aussage aufmerksam, dir mir bis dato entgangen war. Weiterlesen

Schluß mit lustig!

Nancy Faesers neuerlicher Vorstoß, mit einem Maßnahmeplan gegen „Rechtsextremismus“ vorzugehen, stellt erneut eine Zäsur dar. Einmal mehr hat Martin Lichtmesz in messerscharfer Analyse Wesentliches zusammengetragen – hier gibt es nur ein paar Ergänzungen. Weiterlesen

Nie wieder ist jetzt!

Es scheint nun also offiziell zu sein: Martin Sellner soll die Einreise nach Deutschland ohne jegliche juristische Grundlage verwehrt werden.

Das ist ein weiterer Willkürschritt in der schleichenden Totalisierung einer sich noch als demokratisch gerierenden Republik. Ein unbescholtener Bürger wird aufgrund einer fabrizierten Lügenkampagne zur persona non grata – wem hier keine historischen Vergleiche in den Sinn kommen, der kennt sie entweder nicht mehr oder aber ist so verblendet, daß er beginnt, Unrecht zu unterstützen. Liest man etwa die Kommentare auf „Zeit online“ dazu, dann bekommt man den Eindruck, daß die linke Blase begeistert den Arm hochreißt. Rosa Luxemburg scheint es plötzlich nie gegeben zu haben …

Ich sehe es als Pflicht an, jetzt, an dieser Zäsur, die ganz persönlich festzumachen ist, das mindeste – leider sehr wenig – zu tun, und die Petition gegen das Einreiseverbot Sellners zu unterschreiben.

Man muß Sellner nicht mögen, man kann auch seine Gedanken ablehnen, aber daß einem friedfertigen Österreicher aufgrund einer politischen Meinung die Einreise verwehrt wird, während in den letzten 10 Jahren viele Millionen Menschen ohne jegliche Legitimation hereinkamen, ist gelinde gesagt ein Skandal.

Dabei hätte Sellner mehr recht, in einem freien Land um Asyl zu bitten, als der Großteil der heutigen „Asylanten“: Es werden mediale Hetzkampagnen gegen ihn gefahren, mehr als 70 Bankkonten wurden ihm gelöscht, zahlreiche Medienkanäle und damit jahrelange Arbeit zerstört, kein Publikumsverlag würde auch nur eines seiner Bücher anfassen … und vor der Antifa, vor physischer Gewalt muß er sich auch noch schützen.

Mich schockt es komplett! Das letzte Vertrauen ist erschüttert. Man muß etwas tun!

Gestern war ich auf der örtlichen Demonstration gegen Rechts; dort sagte eine Rednerin in etwa dies: Man „müsse nun aufstehen“, man „dürfe nicht mehr schweigen“, man müsse „mutig sein“ und den Verblendeten „tapfer entgegentreten“. Nun denn!

Bitte haben Sie den Mut, unterschreiben Sie, teilen Sie den Link!

Nie wieder ist jetzt!

https://martinsellner.info/petition-einreiseverbot-gegen-sellner-aufheben/

Siehe auch: Der Sellner-Skandal
Wachsen eines Vulkans im Lügenmeer

Deutsche Vergewaltiger

Fünf Deutsche haben auf Mallorca eine junge Frau vergewaltigt. So posaunt die Presse. Dabei wissen alle, daß es nicht Deutsche, sondern Türken, im „günstigsten“ Falle Deutschtürken waren.

Wo liegt das Problem? Weiterlesen

Zweierlei Maß

Dieser Tage las ich ein recht interessantes Buch zur Wohnungsfrage. Darin finden sich Zeilen wie diese (Hervorhebungen von mir): Weiterlesen

Baños: So beherrscht man die Welt

 Rezension von: Pedro Baños: So beherrscht man die Welt. Heyne 2019
Es gab in den letzten Wochen ein verstärktes Interesse für Baños‘ Buch. Woher es kommt, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht war Erik Lehnerts Vortrag zur Geopolitik der Auslöser oder sein entsprechender Beitrag in der „Sezession“ Heft 110. Dort findet sich auch eine sehr kurze Vorstellung des Buches. Aufgrund des Interesses stelle ich meine sehr ausführliche Rezension des Werkes erneut ein. Sie entstand vor drei Jahren und ist noch immer weit und breit die umfassendste und neutralste. Das Buch ist auf dem deutschen Markt weiterhin „verschwunden“, das spanische Original, eine italienische oder polnische Übersetzung kann man erwerben.
Druckfassung PDF

Dank des Angebotes des „Antaios”-Verlages und meines schnellen Entschlusses, kam ich in die Lage, jenes Buch lesen zu können, das den meisten Menschen in diesem Land verwehrt bleiben wird, weil ein Journalist – Alan Posener – dieses Buch als antisemitisch bezeichnete. Daraufhin nahm der namhafte Heyne-Verlag es aus dem Programm und ihm folgten in einer seltsam konzertierten Aktion alle – alle! – kommerziellen Anbieter auf dem Fuß. Ich versprach daraufhin, das Buch hier öffentlich zu besprechen.

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Wahrheit oder Verleumdung?

Der ganze Hype um den Stand des „Jungeuropa“- und des „Oikos“-Verlages – letzterer veröffentlicht das Umweltmagazin „Die Kehre“ – ließe sich eigentlich in einem Satz entschärfen. Hat Jasmina Kuhnke – alias „Quattromilf“ – recht oder lügt sie? Ich selbst kann diese Frage nicht beantworten, wundere mich aber, daß es diejenigen, die sie beantworten könnten, es noch nicht getan haben.

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Ramadan als Wehrübung

Gerade begehen Millionen unserer Mitmenschen den Ramadan. Mittlerweile wird das in der Presse gefeiert, mittlerweile klären die Medien flächendeckend auf, mittlerweile wünschen staatliche Stellen einen „Gesegneten Ramadan“, mittlerweile haben wir uns an den Mundgeruch in der Straßenbahn gewöhnt – als Ausdruck des Rechtes auf freie Religionsausübung.

Alle Religionen kennen Fastenzeiten und asketische Exerzitien. Wenn man den Begriff der Religion – religio: Rückbindung – aber modifiziert oder ihn durch einen anderen ersetzt, dann werden neue Perspektiven sichtbar, dann wird auch verständlich, weshalb der Islam – die theologisch wohl schwächste aller Weltreligionen – eine solche Ausdauer haben konnte und weshalb er gerade jetzt, verbunden mit einer demographischen Explosion, sich anschickt, die Welt ein zweites Mal zu erobern.

Der Ramadan ist eine der „fünf Säulen des Islam“:

  1. Das Glaubensbekenntnis, die Schahada
  2. Das fünfmalige tägliche Gebet
  3. Das einmonatige Fasten während des Ramadans
  4. Die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka
  5. Der Zakad, die Spende an die Bedürftigen

Peter Sloterdijk hatte in seinem fulminanten Großessay „Du mußt dein Leben ändern“, den umstürzenden Gedanken geäußert, den Begriff der Religion abzulegen. Es gibt keine Religionen, „es gibt nur mehr oder weniger ausbreitungsfähige oder mehr oder weniger ausbreitungswürdige Übungssysteme.“ … „Das wirklich Wiederkehrende, das alle intellektuelle Aufmerksamkeit verdient, hat eher eine anthropologische als eine ,religiöse‘ Spitze.“ Darüber hinaus sei der Begriff kulturimperialistisch, da er nur im Westen verstanden würde und Hindus und Buddhisten schon Jahrhunderte zuvor „Religion“ ausübten, ohne diesen Begriff zu benötigen, der ihnen erst durch „Religionswissenschaftler“ aufgedrängt wurde.

Mohammeds Genie liegt in der Vorwegnahme dieses Gedankens und in der Installation eines entsprechenden Regulariums. Betrachtet man unter diesem Gesichtspunkt die fünf Säulen des Islam – andere Pflichten, wie der kleine und der große Djihad, die Koranlektüre, das Auswendiglernen … kommen hinzu –, so erkennen wir ein ausgeklügeltes Hochintensivtrainingsprogramm. Bis auf die Schahada, die theoretisch nur ein Mal, bei der Annahme der Religion, gesprochen werden muß, die in der Realität aber tagtäglicher innerer Begleiter der meisten Muslime ist – etwa beim Bismillah vor jeder Mahlzeit, vor dem Geschlechtsverkehr etc. –, bis auf die Schahada also und die Hadsch, handelt es sich um Permanenzübungen.

Vor allem das Gebet entfaltet eine enorme Macht. Alle drei Stunden circa ist der Muslim angehalten innezuhalten, sich aus der realen in die spirituelle Welt zu begeben, eine „Vertikalspannung“ zu seinem Gott aufzubauen, und dabei immer wieder die gleichen Formeln zu beten und sich mindestens 17 Mal vor dem Gott in den Staub zu werfen. Die psychomotorische Ausrichtung eines Hirns, das sich diesem Exerzitium unterwirft, ist sehr wahrscheinlich. Der physische Akt des Niederwerfens – hier erkennt man, daß Mohammed ein kluger Intuitivpsychologe war – verbindet beide Ebenen und vertieft die geistige Gravur durch körperliche Repetition. Heute ist das neuester Stand der Wissenschaft, heute nutzt man das Verfahren im Profisport, bei Rehabilitation oder bei der Gehirnwäsche.

Die Hadsch war einst ein enormer Kraftakt. Sich in einen Jet zu setzen, in Mekka zu landen, sich ein Tuch umzuwerfen, ein Selfie zu machen, dieses bei Instagramm einstellen und zwei Tage später schon wieder im Trainingslager der Nationalmannschaft zu sein, dürfte an der Paradiespforte eher wenig goutiert werden. Die Hadsch war als asketisches Exerzitium gedacht, als Leidenszeit, als Zeit des Selbstrisikos. Wer einmal durch die Wüste zog, um die Kaaba zu umrunden, und dabei Hitze und Entbehrung erleiden mußte, den Tod riskierte oder den Überfall durch marodierende Banden, die gnadenlose Sonne ertrug … für den ist die Ankunft, ist das Gemeinschaftserlebnis, ist das Erreichen des Ziels wie eine Offenbarung. Man muß als moderner Mensch schon Reinhold Messner lauschen, um eine Ahnung davon zu bekommen.

Selbst der Zakad ist als Übung zu beschreiben. Es geht darum, 2,5 bis 10 Prozent seines Einkommens an die Armen abzugeben. Die christlichen Konfessionen kennen das als Zehnt oder Kollekte. Aber das Opfer, die Spende, das Almosen ist seit je ein stark wirkendes Gottes-Aphrodisiakum, eine Wohlfühlmaschine und eine Verbindung zum Transzendenten. Wird sie regelmäßig eingeübt, entfaltet sie ihre abhängig machende Glückswirkung.

Unter diesen Vorzeichen ist die Funktion des Ramadan evident. Sein jährlicher Wiederholungscharakter zeichnet ihn als Exerzitium par excellence aus. Der Hadsch vergleichbar, konnte Mohammed nicht ahnen, daß seine Jünger einst in allen Weltteilen sich umtreiben, bzw. war es Mohammed nicht bewußt gewesen, wie groß die Welt eigentlich ist. Es gibt Indizien dafür, daß er vom Scheibencharakter der Erde und damit ihrer Endlichkeit, überzeugt war. Seine Religion ist eine Wüstenreligion, seine Welt reichte bis an den Rand der Dürre, bis an die Berge, er konnte also nicht ahnen, daß es für einen Muslim in Norwegen Probleme geben könnte, die Mekkawanderung zu leisten oder den Ramadan ohne Kompromisse zu überleben. Man hätte von Al Alim, dem Allwissenden, möglicherweise eine konkrete Anweisung für diesen Fall erwarten können …

Auf der arabischen Halbinsel teilen sich Tag und Nacht in schöner Gleichmäßigkeit von ca. 12 Stunden (± zwei) die Zeit, sommers wie winters. Trotzdem ist der Übungserfolg bedeutend. Es ist eine 30-malige Übung zur Abwehr des Zweifels, eine Überwindung des inneren Schweinehundes (pardon), ein zwar überschaubares Leid, durch seine Wiederholung aber ein sehr wirksames. Zudem führen die Intensivierung des Gebets, die größere Offenheit für Spiritualität während des Fastens, die Freude über die Überwindung zu einer gefühlten Gottesnähe, das täglich gemeinsame Fastenbrechen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Umma, die Distinktion zwischen „Wir“ und „die anderen“, zwischen mumin und kuffar, und damit die Sicherheit des Dazugehörens.

Vermutlich ist der Islam das am meisten durchorganisierte – man kann von Psychodesign sprechen – „religiöse“ System. Seine Anhänger sind – das muß die Intention des Gründers gewesen sein – mehr oder weniger durchtrainierte potentielle Glaubenssoldaten. Lediglich der Buddhismus kennt in einigen Spielarten ein ähnlich starkes Training, die Meditation, deren Energie freilich komplett nach innen geleitet wird, wohingegen der Islam eine extrovertierte Religion darstellt. Seine hohe Repetitivität verleiht ihm seine Macht, die er seit 1400 Jahren, trotz weitgehend kultureller Rückständigkeit, beeindruckend unter Beweis stellt. Wer all diese Entbehrungen auf sich genommen hat, für den ist es mit jedem Male schwerer, den zurückgelegten Weg kritisch zu betrachten. Es wäre dann alles umsonst gewesen …

In diesem Sinne: Gesegneter Ramadan!

Pierre Vogel: „Der Ramadan ist ein Trainingslager, eine Schule für dich.“

Siehe auch: Allahu Akbar – eine Klarstellung

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Die Galerie des Hasses

Wer nach dieser Meldung sein Vertrauen in die Presse nicht verliert, dem ist nicht mehr zu helfen. Ich bin sprachlos. Ich will auch gar nicht versuchen, mein Entsetzen – und meine Abscheu – in Worte zu fassen – es übersteigt meine Ausdrucksmöglichkeiten.

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