Braucht der Osten eine eigene Zeitung?

Gastbeitrag von Kevin Naumann

Das aktuelle Jahr steht im Zeichen der Landtagswahl am 6. Weiterlesen

Wozu Politik? Vom Interesse am Gang der Welt.

Rezension: Erik Lehnert: Wozu Politik. Vom Interesse am Gang der Welt.

Erst als mir im Laufe der Lektüre der Sinn des „Wir“ aufging, bekam diese Schrift Brisanz. Wen meinte der Autor, wenn er von „wir“ sprach: uns alle? Die Deutschen? Oder die politisch Verbündeten? Nein, der Kreis muß noch enger, im Grunde genommen ganz eng gezogen werden – ohne daß er die größeren ausschließen würde.

2010 erschien dieser Kaplaken-Band – heute liest er sich natürlich ganz anders. Die Krise, von der Lehnert darin spricht, ist die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009, wo man für einen Augenblick den Eindruck gewinnen konnte, das westliche Wirtschafts- und Politsystem stehe auf tönernen Füßen. Seither hat es gravierende Einschnitte gegeben. Die eskalierende Migrationskrise hat die Karten neu gemischt, aus ihr ist eine neue wirkmächtige Partei entstanden und seit einem Jahr wirbelt Trump die „wertebasierte Ordnung“ durcheinander und nur wenige sehen den vorhergehenden Nexus mit Rußlands Überfall auf die Ukraine …

Kann das Buch vor diesem Hintergrund noch bestehen? Weiterlesen

Die Partei und ihr Vorfeld

Rezension: Benedikt Kaiser: Die Partei und ihr Vorfeld. Kaplaken 91. Antaios Verlag, Schnellroda 2022

Eine Schrift, die am Rande des metapolitischen Terrains aufklärt. Und zugleich wohl so etwas sein soll, wie ein entree billet in interessierte Politikkreise. Denn dieser dritte Kaplaken-Band Benedikt Kaisers ist nicht nur an das gängige Sezessions-Milieu gerichtet, sondern direkt auch an die politischen Akteure in- und außerhalb der Partei. Es soll ein Leitfaden sein, eine strategische Anleitung und ein direkter Versuch, „das politische Bewußtsein des gesamten patriotischen Lagers“ zu heben. Weiterlesen

Benedikt Kaiser: Blick nach links

Rezension: Benedikt Kaiser: Blick nach links oder: Die konformistische Rebellion. Kaplaken 61. Antaios Verlag, Schnellroda 2019

Kaisers zweiter Kaplaken. Die fungieren – wie auch viele Artikel in der Sezession oder auf Sezession im Netz – als Aufmunitionierungen zu den umfänglicheren Werken. Hier in doppelter Hinsicht, denn vier der fünf Beiträge konnten Sezessionsleser die Jahre davor bereits lesen. Ihr gemeinsamer Nenner ist der Rückgriff auf aktuelle linke Theoriediskussionen oder vielmehr deren Abwesenheit.

Denn die Linke sei geistig erschöpft, vom eigenen Moralismus und Wokismus überrannt, nur noch einige wenige Leuchttürme seien relevant und lesenswert und die stehen im eigenen Gewässer bis zum Hals im Sturm und drohen davongeschwemmt zu werden. Weiterlesen

Sloterdijk gegen Sloterdijk

Sloterdijk gegen Sloterdijk, oder: Der Philosoph, die AfD – und die Angst vor der eigenen Wirksamkeit

von Frank-Christian Hansel

Peter Sloterdijk ist nach Gunnar Heinsohn nunmehr der letzte verbliebene deutsche Meisterdenker und große Diagnostiker des zivilisatorischen Zustands. Er sezierte früh den Zynismus, entlarvte die Heuchelei der Moderne, beschrieb die Erosion des klassischen Bürgertums, den Niedergang der Bildung, den Verlust von Vertikalspannung, den Zerfall verbindlicher kultureller Formen. All das geschah in den Nullerjahren vor beziehungsweise quasi parallel zum Aufkommen der AfD. Seine Thesen lagen in der Luft – nicht als Parteiprogramm, sondern als intellektuelle Vorahnung einer kommenden Zäsur.

Heute jedoch, da sich diese Gedanken in einer politischen Formation materialisiert haben, zieht Sloterdijk die Notbremse. Weiterlesen

Erik Lehnert: Wozu Partei?

Rezension: Erik Lehnert: Wozu Partei? 

Eine Herangehensweise an eine Rezension ist es, den Gang der Gedanken nachzuzeichnen, durch Wiedergabe ausgewählter Passagen ein paar Höhepunkte oder typische Stellen zu markieren und das Ganze mit einigen wertenden Urteilen zu garnieren.

Hier geht das nur bedingt, das Buch ist zu aufgeladen, die klassische Besprechung müßte sich verheddern, den Rahmen ihrer Aufgabe sprengen, wäre letztlich vielleicht sogar länger als der zu besprechende Text. Wir müssen hier ganz im Abstrakten bleiben.

Lehnert argumentiert wie ein Maschinengewehr: Weiterlesen

Die Iden des Merz

Großes Theater im Bundestag. Wer die Brutusse waren, die Merz versuchshalber das Messer in den Rücken stachen, werden wir wohl nie erfahren. Persönlich würde ich mal bei Saskia Esken nachfragen, ob die was weiß.

Die ganze Szene ist ein treffendes Sinnbild für den rasanten Niedergang dieses Landes, das nicht nur ökonomisch und infrastrukturell rapide abbaut, sondern auch politisch mehr und mehr zur Lachnummer wird. Weiterlesen

Frauen im Schutze des Islam

„… daß Frauen niemals ihre vollen Rechte, natürliche Freiheit und vollständigen persönlichen Rechte genießen werden, als unter dem SCHUTZ des ISLAM. Der Islam hat eine Menge Rechte für Frauen festgelegt und eingesetzt. Dem entsprechend hat er auch bestimmte Pflichten benannt und festgelegt, die sie einhalten und erfüllen muß. All dies aus dem Grund, weil der Islam eine Göttliche Religion ist, im Gegensatz zu den von Menschen gemachten Gesetzen.“

Ist man mit Muslimen zusammen, läßt sich die Geschlechterfrage nicht umgehen. Legte mir einst ein muslimischer Freund ein kleines Büchlein vor: „Frauen im Schutz des Islam“. Darin sei alles erklärt.

Die Schrift lag in der Moschee aus und ist frei erhältlich. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten muslimischen Aufklärungsschriften. Man kann sie auch heute noch bei Amazon etwa erwerben.

Tatsächlich wird man die darin versammelten Argumente im Gespräch mit Muslimen – alteingesessenen ebenso wie neu hinzugekommenen – immer wieder hören. Wir haben es hier mit außerordentlich weit verbreiteten Positionen zu tun. Weiterlesen

Die historische Chance zur deutschen Wiedervereinigung

Jetzt ist sie da, die einmalige Chance. Endlich das realisieren, was den Deutschen seit 35 Jahren – die DDR ist nur 40 Jahre alt geworden! – versprochen wird. Vor allem könnte der Osten endlich ausgesöhnt und befriedet werden. Dort liegt die AfD großflächig bei über 40 Prozent, im Osterzgebirgskreis, in Görlitz, in Bautzen wurde sie fast von der Hälfte der Menschen gewählt. Weiterlesen

Gibt es den Islam?

Den Islam, den Islam gibt es nicht – so hört man allerorten, insbesondere dort, wo man den Islam verteidigen will, also in der Regel gegen „Islamkritiker“ gerichtet argumentiert. Der programmatische Satz  – „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ – hatte vor einigen Jahren exakt dieses Argument vielstimmig auf allen Kanälen erneut provoziert.

Uns sollen hier nicht die leicht zu durchschauenden Widersprüche interessieren, etwa daß es den Islam stets dann doch gibt, wenn es ihn zu verteidigen gilt: Der Islam gehört zu Deutschland – Der Islam darf nicht verleumdet werden – Der Islam ist eine friedliche Religion – Der Islam ist grundgesetzkonformIslam ist Barmherzigkeit etc. Wir wollen dem Argument auf den Grund gehen und eventuell dasjenige herausarbeiten, was den Islam ausmacht. Weiterlesen

Wie die AfD uns spaltet

Artikel dieser Diktion sind Legion. Hier Legion plus 1, nur andersrum.

Die frühen und treuen Leser dieser Seite werden sich an meine Erfahrungen mit einigen Syrern und anderen Migranten der großen Welle erinnern – wen’s interessiert, der sollte die Texte aus 2015/16/17 nachlesen. Mit einem hatte ich seinerzeit Freundschaft geschlossen. Damals ein junger Kerl, keine 20 Jahre alt, hellwach, intelligent, hungrig, seine Chance zu nutzen. Innerhalb von nur zwei Jahren beherrschte er die Sprache fließend und ich wage nicht zu viel, wenn ich sage, daß ihm meine Hilfe dabei wesentlich wurde. Weiterlesen

Sloterdijk über die AfD

El país: Sprechen wir über die politische Situation. Die extreme Rechte, die AfD, kam bei den Europawahlen auf den zweiten Platz. Warum, glauben Sie, geschieht dies in Ihrem Land?

Sloterdijk: Das ist das Resultat eines paradoxen Effekts. Die Parteien haben seit ihrer Gründung eine permanente Kampagne gegen die AfD geführt. Eine permanente Kampagne ist permanente Propaganda für den Feind. Die AfD ist ein Phantom[1]. Wir verfolgen das Gespenst der radikalen Rechten. Aber außer in Ungarn gibt es zum heutigen Tag kein Beispiel für eine regierende rechte Partei, die wirklich schädliche Dinge getan hat. Nicht einmal Meloni in Italien… Weiterlesen

Die neue Reibungslosigkeit

Martin Lichtmesz wirkt fast schon ein wenig angeödet, wenn er über Solingen schreibt. Kein Wunder: für ihn ist es der x-te Text zum Thema und im Grunde gibt es nicht mehr viel zu sagen, nur noch Variationen. Unbedingt lesen!

Hinzuzusetzen gibt es wenig – nur zwei Mikrobeobachtungen. Es geht um die mediale Verarbeitung. Weiterlesen

Herr Neubauer gibt auf

Dirk Neubauer ist seit zwei Wochen wieder in aller Munde, will sagen: in den Medien. Der SPD-Landrat für Mittelsachsen wirft das Handtuch, fühlt sich einerseits bedroht von „Freien Sachsen“ – was man ihm abnehmen sollte – und ins Stolpern gebracht von den Stöcken, die ihm Bürokratie, Desinteresse, Machtkämpfe, Ideologie, Dysfunktionalität sprich: das System, das er zu optimieren angetreten ist, zwischen die Beine werfen. Nun die große Ernüchterung, nun die Aufgabe, der entnervte Rückzug. Er schließt sich dem neuen Trend an, das Handtuch zu werfen, wenn die Probleme zu groß werden, eine Übung, die besonders Linke gern vollführen. Damit gestehen sie den Identitätsverlust – den sie noch nicht begreifen – in der Tat ein: es gibt nichts mehr viel, dem man dienen oder sich gar opfern kann in diesem Land.

Vor fünf Jahren hatte Neubauer – damals noch Bürgermeister und ebenfalls ein Medienstar von 15 Minuten – ein Buch geschrieben und ich habe es rezensiert. Man kann an Buch und Rezension erkennen, wer den klareren Blick auf die Lage im Land hatte und wohl auch noch immer hat. Mit Neubauer bekommt man einen tiefen Blick in die Wirkmechanismen des Systems, wenn man denn in der Lage ist – das ist er nicht – über den eigenen Horizont zu schauen. Nicht als traurigen Triumph, sondern als Lehrstück, stelle ich die Besprechung nun zur Wiederlektüre ein: Weiterlesen

Das Gerede vom Rechtsruck

Es wird von beiden Seiten ventiliert. Die Rechte wähnt sich im Aufwind, die Linke malt Untergangsszenarien an die Wand. Das Erstarken der rechten Parteien bei der EU-Wahl ließ die einen jubeln und die anderen erschrecken. „In Spanien, Deutschland, Schweden, Italien, Frankreich, Griechenland und der Slowakei feiern rechte Parteien teilweise große Wahlerfolge.“ In Italien ist man an der Macht, in Frankreich besteht die theoretische Möglichkeit – auch wenn die neuen Bündnisse gegen Le Pen den status quo wohl doch erhalten werden –, die AfD feiert gegen alle Mediengewalt Erfolge, die FPÖ scheint auf einem Siegeszug zu sein usw. usf. Weiterlesen

Viktor Orbáns Waterloo

Unter den zahlreichen aufsehenerregenden Ergebnissen der Wahl zum Europäischen Parlament – national und international –, ragt für mich das ungarische Ergebnis heraus. Hier haben wir es mit einem veritablen Erdbeben zu tun, das die gesamte politische Tektonik des Landes fundamental verändern kann. Weiterlesen

Kommt die Spaltung der AfD?

Meine empfindliche Nadel schlägt immer öfter an. Es rumort unter der Oberfläche und wenn ich das Grummeln recht verstehe, dann könnte es Konsequenzen geben.

Der Umfrageerfolg der Partei bis in den Januar 23 hinein war vor allem der oberflächlichen Einigkeit geschuldet. Es war gelungen, über mehrere Monate hinweg Skandale zu vermeiden, interne Streitereien und Machtkämpfe verdeckt zu führen, schließlich das Bild einer in sich beruhigten, seriösen, ernsthaften Partei – eines nicht mehr gärigen Haufens  – zu erwecken, die die Sorgen im Land ernst nimmt und an deren Lösung konstruktiv arbeitet. Zumindest sahen das fast 25 Prozent der potentiellen Wähler so. Weiterlesen

Das Sylt-Problem

Wer das Video von Sylt gesehen hat, sollte eigentlich wissen können, daß wir es nicht mit einem Phänomen des Rechtsextremismus zu tun haben. Unter dieser Guillotine-Parole wird es in den Medien aber verhandelt.

Wir sehen ein paar junge Leute, offenbar unter Alkoholeinfluß zu einer lustigen Melodie die Parole singen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Alle lachen, alle hüpfen, einer hält zwei Finger unter die Nase und winkt einen angedeuteten Hitlergruß. Weiterlesen

Die Macht der Tendenz

Viele irrige Entscheidungen beruhen auf der Verkennung der momentanen Lage. Aufgrund ihres psychischen Apparates tendieren Menschen dazu, sich ein falsches Bild vom Augenblicksmoment zu machen. Moment meint hier eher die Bewegung – nicht den, sondern das. Es gibt mittlerweile zahlreiche technische, statistische Hilfsmittel, doch die Psyche ist oft stärker und das Gedächtnis schwächer. Gedächtnis bräuchte man z.B., um sich der Hilfsmittel noch rechtzeitig zu erinnern, um sie zu Rate zu ziehen. Weiterlesen

Die Perfidie des Gegners

Sie kennt keine Grenzen, die politische Niederträchtigkeit, Heimtücke, Hinterhältigkeit und Hinterfotzigkeit und was es dergleichen Synonyme noch geben mag. Der politische Gegner ist gnadenlos, er nutzt strategisch jede Schwäche aus und dies auch taktisch, d.h. im gegebenen, im entscheidenden Moment – etwa unmittelbar vor Wahlen.

Das ist eine Grundregel der Politik überhaupt, man kann darüber theoretisch viel bei Machiavelli lernen, bei Schmitt oder bei Lenin, aber das politische Leben durch die Jahrtausende ist voller Evidenzen und Beispiele, ja, man kann sogar sagen: Politik ist Schweinerei. Weiterlesen