Lektüren Februar 2026

Theodor Fontane: Effi Briest (1895)

Komme mir im Grunde genommen albern vor, solche Bücher noch vorzustellen. Fontane ist Fontane ist Fontane. Sollte ohnehin jeder wissen. Habe hier parallel gehört und gelesen, die Komplettlesung Gert Westphals, dessen Lebens-Entelechie gewesen sein muß, Fontane laut vorzulesen: Westphal ist Westphal ist Westphal. (beide 10/10)

Ralf Konersmann: Außenseiter. Ein Essay (2025)

War sehr gespannt auf dieses Buch, saß als Student mal in einem Seminar bei ihm und habe mich später gewundert, daß er so bekannt wurde. Schien von den Göttern begünstigt: jung, attraktiv, intelligent. Weiterlesen

20 Jahre Mohammed-Karikaturen

Hans Kirk schrieb in seinem Roman „Der Sklave“, daß es genüge, einen Sklaven ein einziges Mal auszupeitschen – beim zweiten Mal würde schon das Zeigen der Peitsche ausreichen, den Gehorsam zu erzwingen. Die Mohammed-Krise oder Karikaturen-Krise vom Herbst 2005 bis Frühjahr 2006 war eine solche einschneidende Zäsur, nicht nur für das kleine Dänemark, sondern für ganz Europa und die westliche Welt. Der Westen hat sich darin selbst spiegeln können, sich im Innersten kennengelernt; man kann an ihr, in ihren komplexen Verwicklungen und unterschiedlichen Interpretationen das Wesen von Politik, Islam und Islamismus kenntlich machen. Weiterlesen

Der Islam i s t auch Deutschland

Rezension: Murad: Heimwärts – Über den Islam in Europa.

Ein Widerspruch der islamischen Theologie, die uns angeht, ist dieser: Sie will uns den Islam als große Alternative zur säkularen, sinn- und transzendenzleeren westlichen Welt anpreisen, aber ihre wesentlichen Beiträge kommen nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus dem Westen selbst, sind von Konvertiten oder von europäisch sozialisierten Gelehrten geschrieben, schöpfen also aus der europäischen Tradition, die sie verwinden wollen. Das europäische Kulturerbe wirkt noch in seinen Selbstüberwindungsversuchen mit und der geistige Schatz des Islam reicht für die meisten modernen Menschen nicht aus. 

Abdal Hakim Murad, geborener Timothy Winter, ist so ein hochgebildeter englischer Konvertit, der aus beiden Quellen schöpfen kann. Weiterlesen

Demographische Konvergenzen

Welches geheime Gesetz ist am Wirken, wenn parallel zum Rückgang der Geburtenraten fast überall in der Welt das Durchschnittsalter kontinuierlich steigt, die Menschen immer älter werden und man heutzutage den Rentnern das Alter nicht mehr ansieht?

Dieser Trend wird sich auch nicht ändern, wenn der industrialisierte Westen seinem wohlverdienten ökonomischen und auch geistigen Niedergang entgegengeht. Weiterlesen

Silvesternacht

Das Besondere der Silvesternacht: Man schaut in zwei Richtungen, nach vorn und nach hinten. Januskopf.

Man läßt Revue passieren und man wagt den Vorausblick: was kommen mag.

Aber man erinnert sich auch an die letzte Silvesternacht und welche Hoffnungen und Befürchtungen sie brachte und vergleicht diese mit dem tatsächlichen Geschehenen: Was hätte sein können, was gewesen war, was gewesen wäre, Denken im Plusquamperfekt Weiterlesen

Mein Jahr mit Wildkräutern

In Deutschland muß niemand hungern, sagte meine Mutter immer – zumindest nicht von März bis November. In diesen Monaten liefert die Natur alles, was man braucht: Früchte, Wurzeln, Blätter, Knospen, Pilze und Kräuter. Man muß kein Botaniker sein, um sich von Wiese und Wegesrand zu ernähren. Die folgenden Pflanzen gehören seit Jahren zu meinem Alltag.

Es ist kein Geheimwissen – unsere Vorfahren und noch die Großeltern lebten ganz selbstverständlich mit ihnen und von ihnen. Weiterlesen

Bürgerkrieg und Romantik im Realsozialismus

Man muß es fast tragisch nennen, daß eines der wichtigsten Bücher der letzten zehn, zwanzig Jahre sich als Dissertation tarnt, von einem Autor mit Allerweltsnamen stammt, der noch kein Werk vorzuweisen hat – sieht man von verstreuten Fachartikeln ab –, daß sich das Buch scheinbar einem Nischenthema widmet – dem Frühwerk Rudolf Bahros –, es in kleiner Auflage und zu einem exorbitanten Preis erschienen ist. Weiterlesen

Das Ende der Termiten.

Rezension: Friedrich Reck-Malleczewen – Das Ende der Termiten. Ein Versuch über die Biologie des Massenmenschen. (1937). Kaplaken Band 48

Es empfiehlt sich – bevor man diesen scharfen Kaplaken-Band zu Hand nimmt –, Malleczewens „Tagebuch eines Verzweifelten“ und seine „Bockelson“-Chronik zu lesen, und bevor man die liest, sollte man wiederum die „Termiten“ kennen … Hier wird ein klassischer hermeneutischer Zirkel aufgebaut, die drei Bücher komplementieren und ergänzen einander und je besser man des Autors Gedankengänge kennt, um so besser erschließt sich das jeweilige Werk. Weiterlesen

Die Engel als Schlüssel zu Rilke

Rezension: Uwe Wolff: Tausend Nächte tief. Rilke und die Engel seiner Dichtung. 

Der Kulturbetrieb brummt zufrieden vor sich hin. Ob historische Ereignisse (Bauernkrieg), Todestage (Kafka) oder runde Geburtstage (Thomas Mann), fast schon routiniert wirft er ein gerütteltes Maß an Mono- und Biographien aus. So auch ein halbes Dutzend im Falle Rilke, anläßlich seines 150. Geburtstages; die meisten davon dickleibig, minutiös, geradlinig mit sattem Apparat und unzähligen Fußnoten. Sie nennen sich in der Regel „Eine Biographie“ und rekapitulieren meist das Altbekannte mit einem Schuß Abweichung, einer sogenannten „neuen Perspektive“.

Wenn einer diesen Massiven ein schmales Bändchen von 150 Seiten dagegenhält und dies als „Die Biographie“ apostrophiert, dann muß er der Meinung sein, einen, vielleicht den Schlüssel zu Werk und Person gefunden zu haben, Weiterlesen

Helmut Lethen: Stoische Gangarten

Stoisches Staunen über sich selbst

Rezension: Helmut Lethen: Stoische Gangarten: Versuche der Lebensführung.

Wie ging der abgeschmackte Spruch mit dem Wein, der immer besser wird? Helmut Lethen ist 39er Jahrgang, das Herz ist schwach, der Kopf hatte einen schweren Unfall erlitten, aber das Hirn arbeitet besser denn je. In immer kürzeren Abfolgen veröffentlicht er ein Buch nach dem anderen und während die „Stoischen Gangarten“ gerade erschienen sind, stapeln sich schon die Bücher und die beschriebenen Blätter für das nächste Werk. Als wollte da einer – wie Scheherazade – gegen das Unabänderliche anschreiben. Wer schreibt, bleibt, wer erzählt, lebt.

Der Mund geht ihm auch deswegen über, weil Lethen einer der wenigen ist, die verstanden haben, daß grundlegende Zäsuren stattfanden: Weiterlesen

Junger Mann mit 77 Jahren

In seinen „Stoischen Gangarten“ nennt Helmut Lethen zwei biographische, zwei zufällige Ereignisse, die in ihm eine „Wende des Denkens zur Schwermut“ ausgelöst und mithin ursächlich für das Verfassen dieses Buches wurden. Das eine war eine lebensbedrohliche Hirnblutung, die er im Mai 2022 erlitten hatte, das andere der Tod seines Freundes und Lehrers Hans-Thies Lehmann ein gutes Jahr darauf.

Da schreibt er den unscheinbaren Satz „Der Junge wurde nur siebenundsiebzig Jahre alt und starb im fernen Athen“. Mir gab es einen Stich! Weiterlesen

Von Ungarn, von Orbán lernen?

Eine der besten Anschaffungen der letzten Jahre und ein Moment, wo ich den Fortschritt bejahen kann, war das Internet-Radio. Nicht mehr Wellen, die durch die Luft wabern, bringen den Sound, sondern kleinste Datenpakete werden am Ende wieder zusammengepackt und man kann was hören: alles ein noch größeres Mysterium. Statt Wellen nun ein Stream … Und zwar von überallher.

Wo man früher feintariert vor dem beängstigenden Katzenauge sich in Tirana, Straßburg, Hilversum oder anderen geheimnisvollen Orten einhören mußte Weiterlesen

Sloterdijk-Vortrag in Schnellroda

 

 

Der Wettlauf mit dem Mammut

Ein früher, aber stark nachhallender Leseeindruck! Das Buch wurde schon in den 30ern geschrieben, war in der DDR sehr beliebt und in Ungarn ein Klassiker mit vielen Auflagen. Als Kind habe ich es verschlungen und sicher viele Male gelesen. Weiterlesen

Genau!

Genau! Erschrocken fahre ich mir über den Mund. Scheiße! Wieder ist es passiert. Ich habe „genau!“ gesagt. Habe das Fremde, das Uneigentliche, das Gerede, das Hohle, die Leere, das Man in meinen Kopf und Mund gelassen. Den Westen! Das bin nicht ich, das sind wir nicht – genau!

Warum nicht „ja“, „klar“, „richtig“, „korrekt“, „sicher“, „eben“, „freilich“, „wahrhaftig“ … was weiß ich. Alles wäre gegangen, nur „genau“ nicht. Weiterlesen

Europas Schicksalskampf – der ganze Vortrag

Vortrag von: Johann Christian Nord komplett in deutscher Übersetzung als PDF

Europas Schicksalskampf

von Johan Christian Nord

Ich werde heute nach bestem Wissen und Gewissen über unsere aktuelle Situation sprechen, über die sich vollziehende islamische Kolonisierung der europäischen Territorien und über den guten Kampf, der kommen wird, wenn diese verlorenen Territorien zurückerobert werden sollen. Weiterlesen

Die moderne Nation

Die Nation ist ein hysterisches und panisches Informationssystem, das ständig sich selbst erregen, sich selbst stressieren, ja sogar sich selbst terrorisieren und in Panik versetzen muß, um sich selbst zu beeindrucken und um sich, als in sich selbst schwingende Streßgemeinschaft, davon zu überzeugen, daß es sie wirklich gibt. Ist ein solches nationales Informationssystem erst einmal hinreichend ausgebaut – können die Mehrheiten erst lesen, schreiben und sich selbst irritieren -, so ist die Nation imstande, sich von Tag zu Tag als selbstnötigende Einheit sinnlich konkret und doch auch gespenstisch abstrakt zu erleben und sich immer von neuem davon zu überzeugen, daß sie einen hinreichend starken Grund für ihre Existenz und ihre Kohärenz besitzt. Weiterlesen

Budapest, endlich!

Fortsetzung von: Ungarisch lernen? von J. Remp

Ostdeutsche Erinnerungen an Ungarn III

Flirrende Augusthitze. Südliche Sonne. Verwirrender Autoverkehr. Verschlafen blinzelten wir auf die fremde Szenerie.

Während einer endlosen nächtlichen Zugfahrt von Berlin Ostbahnhof hatten wir eingezwängt zwischen unserem Koffern und Rucksäcken vor uns hingedöst. Geweckt wurden wir von den Schaffnern, die ärgerlich auf unserem Gepäck herumtrampelten. Die Grenzbeamten behandelten uns hingegen einigermaßen respektvoll, als wir stolz unsere frischen blauen Pässe vorwiesen. Weiterlesen

Debanking

Kein Beitrag heute von mir. Stattdessen der Verweis auf einen anderen Artikel, einen, der zum Aufwachen zwingen soll, zwingen muß! Weiterlesen

Der alte Pfarrer klopft an

Leser dieses Blogs wissen um die Bedeutung Jakob Knudsens. Der konservative dänische Autor – 1917 gestorben und einst ein Klassiker, dann dem linken Zeitgeist geopfert – hatte hier bereits mehrere Auftritte und wird auch weitere bekommen.

Bisher konnten die Leser mir nur vertrauen. Jetzt haben sie die Möglichkeit, Knudsen selbst zu lesen! Weiterlesen