Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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KI und die Folgen

Aufforderung an eine KI: „Charakterisiere den Stil und das Denken von Seidwalk auf gleichnamiger Webseite“

Antwort: „Der Stil und das Denken von Seidwalk, wie sie auf seidwalk.wordpress.com zum Ausdruck kommen, lassen sich durch eine Kombination aus reflektierter Analyse, philosophischer Tiefe und einem kritischen Blick auf zeitgenössische gesellschaftliche Entwicklungen charakterisieren.“ Blablabla.

Dann der Befehl: Schreibe in diesem Stil einen Text über Heidegger und sein Konzept des Wohnens. Weiterlesen

Das Telefon als Zirkelwichs

Ringringring. Die Schwiegermutter, wie das Display verrät:

  • Ja, hallo!
  • Ach, Jörg, bei mir hat das Telefon wie verrückt geklingelt und da dachte ich, das wart ihr. Und da habe ich gleich zurückgerufen.
  • Nee, wir haben nicht angerufen.
  • Aber ich habe einfach auf den Knopf gedrückt und jetzt bist du dran.
  • Naja, wer weiß.
  • Also ihr wart das nicht?
  • Nee!
  • Na, dann wird derjenige sich schon melden. Grüße an K.
  • Die schläft noch.
  • Ach, hat die’s gut.
  • Sonst alles in Ordnung?
  • Ja, hier ist alles in Ordnung. Nur das Telefon hat geklingelt.
  • Na, dann ist doch alles in Ordnung. Wenn was ist, rufst du an.
  • Ja, dann ruf ich an. Tschüß.
  • Tschüß.

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Alles Virtuelle ist irreal!

Diesen Satz muß man sich immer wieder vor Augen halten. Ich sage ihn hin und wieder im persönlichen Umfeld, aber heute hatte ich ein Erlebnis, das ihn mir mit aller Macht erneut ins Gedächtnis hämmerte.

Es begann mit einem normalen Windows-Update. Schon beim Neustart konnte man stutzig werden: er dauerte ungewöhnlich lang. Dann paßte mein Paßwort nicht mehr. Nach mehreren Neustarts ging es dann doch. Was mich begrüßte, war ein komplett leerer Bildschirm. Weiterlesen

Der Fluch des Computers

Die erste Berührung mit einem Rechner hatte ich in den 80er Jahren. Bis dahin war das Gerät im Osten nur ein Gerücht. Bevor ich eines zu sehen bekam, las ich darüber, denn in der DDR-Philosophie und in den Parteitagsreden drehte sich schon einiges darum: das war offensichtlich die Zukunft.

Damals war ich bei der Armee und einer unserer Zimmergenossen war bereits ein Nerd, lange, bevor es den Begriff gab. Weiterlesen

Die Klugen werden klüger …

In seinem kurzen Vortrag zu Bradburys dystopischem Roman „Fahrenheit 451“ spricht Götz Kubitschek den Satz: „Das Internet macht die Klugen klüger und die Dummen dümmer“.

Das ist ein typischer Kubitschek-Satz, kurz, prägnant, auf den Punkt gebracht, fast herrisch. Herrisch im Sinne von Nietzsche, George, Benn. Aussprechen von unerschütterlichen Wahrheiten, Setzungen, Pflöcke einrammen. Nur wenige Menschen können so sprechen und in unserer Zeit noch weniger.

Da gibt es nichts zu diskutieren, Kubitschek hat recht: jedes Medium kann beides sein, Fluch und Segen. Man muß es nur intelligent nutzen.

Leider gehöre ich zu den Dummen. Weiterlesen

Das Handy als Prozeß

Wir nehmen die Welt vornehmlich momentan auf: durchschauten wir die Prozesse, würde wir vieles anders machen oder vielleicht gar nicht. Das gilt vom Kleinen bis zum ganz Großen, etwa der Wirkung des Menschen auf die Ökosysteme oder das Klima. Weiterlesen

Der Pool als Metapher

Vier Wochen lang darf ich im Haus einer Bekannten wohnen und in Ruhe, ohne Ablenkungen, arbeiten. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Sie tut es, weil sie nun ihr Haus bewohnt, gepflegt und behütet weiß. Zu den wenigen Aufgaben, die ich habe, gehört es, die Katze zu verpflegen – die ohnehin mal unsere war –,   Pool und Garten in Schuß zu halten. Letzteres führt mich zwangsläufig zu kritischen Überlegungen. Weiterlesen

Dekadenzgedöns

Der Drache hebt noch immer sein Haupt! Selbst in unseren Leitmedien darf seine Apologie gesungen werden.
FireShot Capture 685 - Laubbläser_ Gepriesen sei dein kraftvoll konstantes »Bröööööö« - Glos_ - www.spiegel.de
Daher noch einmal der vernichtende Bannspruch!

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Die Budapester Burg

Budapester Impressionen VIII

Auch die Burg gehört zum Basisprogramm eines jeden Budapest-Reisenden. Vom Szell-Kalmán-Ter nehme ich den Bus, der den Anstieg bequem in drei Minuten schafft und steige gleich an der ersten Station innerhalb der Mauern aus. Wie der Zufall es will, stehe ich fast direkt vor dem Militärmuseum, das schon von Anfang an auf meiner Liste stand. Also wird der Burgspaziergang nach hinten verschoben, wohl wissend, daß sich das Gelände am Sonntagmittag bald zu einem Ameisenhaufen verwandeln wird.

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Die mit dem ewigen Feuer spielen

Plötzlich wurde ich alt, steinalt. Ein Blick in den Spiegel, ein graues, fahles Gesicht, zerfurcht, überlebt, verbraucht.

Es waren Worte – was sonst? –, die mich ergrauen ließen, Worte eines Gleichaltrigen, der dennoch einer ganz anderen Generation, einer völlig anderen Welt zugehört.

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Dekadenzgedöns

Allerdings giebt es Leute, ja, recht viele, die hierüber lächeln; weil sie unempfindlich gegen Geräusch sind: es sind jedoch eben die, welche auch unempfindlich gegen Gründe, gegen Gedanken, gegen Dichtungen und Kunstwerke, kurz, gegen geistige Eindrücke jeder Art sind. (Schopenhauer)

Den Grad der Dekadenz einer Gesellschaft, kann man an den großen historischen Parallelen erkennen – wie das David Engels etwa tut, Alessandro Barbero oder Alexander Demandt – aber auch an den ganz kleinen Details. Und ich behaupte:

Eine Gesellschaft, in der man zum Laubharken nicht mehr die Harke, sondern Laubbläser benutzt, ist wert unterzugehen.

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Intensität – ein Kryptodialog

Eine Buchbesprechung

Manche Bücher versteht man erst, wenn sich erschließt, was fehlt, was sie verschweigen, umso mehr, wenn es wissensgesättigte Werke sind, wenn man also davon ausgehen muß, daß der Autor tatsächlich meidet, was er kennt. Dies könnte der heimliche Dirigent sein. In Tristan Garcias philosophischem Bestseller sind es zwei absente Namen: Husserl und Heidegger.

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Mein Rumänisches Tagebuch

„Rumänisches Tagebuch“ – so nannte Hans Carossa seine knappen Kriegserinnerungen – ein Buch, das durch seinen kühlen, sachlichen Ton hervorsticht. Man kann es sich als Beispiel nehmen, wenn man fremde Länder bereist.

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2. Incipit historia.

Die Suche nach einem Sinn strukturiert das Denken, nachdem dieser als Ursinn verloren gegangen ist. Im eigentlichen, im Ursinn gab es nie Sinn, sondern nur Sein. Dieses selbst war der Sinn. Laotse, so scheint es, ist der früheste Zeuge dieses Bruches[1]; die Art seines Sprechens könnte darauf hindeuten, daß er Zeitzeuge war, daß er diese, für die gesamte Menschheitsgeschichte fundamentale Bewegung tatsächlich wahrnahm:

verloren ging das große Dau –

güte und rechtschaffenheit entstand

hervortrat die klugheit –

die große heuchelei entstand

zerrissen war die sippe –

der familiensinn entstand

in wirrnissen zerfiel der staat –

der treue minister entstand

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1. Geschichte als Experiment

Die menschliche Geschichte ist eine Aneinanderreihung von Selbstexperimenten, deren Folgen unvorhersehbar, in der Regel jedoch langfristig katastrophal sind. Die Entdeckung der Technik durch ein übermäßig gewachsenes, über ein Sprachorgan verfügendes Hirn mit zwei freien Händen hat die Katastrophenkette ausgelöst.

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Idiotie und Intriganz

Nicht die Politiker sind beschränkt, sondern die Beschränkten werden Politiker. (Günther Anders)

Ja, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man liest, daß nun Ursula von der Leyen, die siebenfache Mutter und Verteidigungsministerin, als neue NATO-Generalsekretärin im Gespräch sei.

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Ist Sterben noch modern?

I’m not planning to die. Ray Kurzweil

Schlägt man ein beliebiges Werk zur Spiel- oder Kulturgeschichte des Schachs auf, so wird man mit großer Wahrscheinlichkeit die Reiskornlegende finden; der Kundige kann sie schon nicht mehr hören, die Erzählung vom klugen Bauer/Wesir/Weisen/Zauberer, der den König/Sultan zu einer Schachpartie überredet/das Schachspiel erfand/einen Krieg damit abwendete und den Herrscher derart damit begeisterte, daß dieser ihm einen hohen Lohn versprach. Der Weise mimt den Bescheidenen und erbittet sich lediglich ein Reis/Weizenkorn auf dem ersten der 64 Felder, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, acht auf dem vierten und so fort, immer die jeweils doppelte Menge des vorherigen Feldes. Der Machthaber wird anfangs von der Genügsamkeit des Weisen überrascht, muß aber bald feststellen, daß alles Korn der Welt nicht genügte, dem Wunsch nachzukommen, und wird durch dieses kathartische Erlebnis geheilt und ein besserer Mensch.

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Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: heute vor 20 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Wiese und Weg

Fast ein Märchen

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