Abschied vom Islamismus

Soll einen Artikel über die Mohammed-Krise 2005/2006 schreiben. Selbstgewähltes Thema, war damals gerade in Dänemark und kam beeindruckt zurück. Die ikonischen Bilder, die seinerzeit um die Welt gingen und für die Dänen den größten nationalen Schock seit der Besetzung durch Hitlerdeutschland auslösten, sah ich live im dänischen Fernsehen unter Dänen … und Arabern. Weiterlesen

Orbán gegen Soros

Eines muß vorab klar sein – wenn zwei Ungarn über ungarische Politik informieren, dann entstehen zwei vollkommen unterschiedliche Welten, so gegensätzlich, daß man als Außenstehender gar nicht auf die Idee kommt, es könne sich um die Beschreibung ein und desselben Landes handeln. Und weil das so ist, reden die Ungarn nicht miteinander oder nur in ihren Blasen. Man bildet Teams, wie beim Fußball und wenn man Ferencváros ist, dann kann man nicht Ujpest sein und wenn ein Grüner foult, dann gehen die Violetten Amok, während die Grünen nichts gesehen haben wollen. Gábor G. Fodor ist Team Orbán – ein Ultra! Weiterlesen

Der Ungar als Untertan

Pathetisch hatte Sándor Petőfi, der ungarische Nationaldichter schlechthin, in seinem Nationallied die Ungarn in sechsfachem kraftvollem Refrain vereidigt:

A magyarok istenére
Esküszünk,
Esküszünk, hogy rabok tovább
Nem leszünk!

Beim Gott der Ungarn
Schwören wir,
Schwören wir, Gefangene
wir nicht bleiben werden! Weiterlesen

Logik der Rettung

Jeder hat so seine Untoten. Für mich ist Rudolf Bahro einer: vor fast 30 Jahren starb er – in meinem Bewußtsein ist er so lebendig wie eh und je.

Das liegt im Grunde genommen an einem einzigen Buch, der „Logik der Rettung“, das ich – würde jemand danach fragen – ohne zu zögern, als das wichtigste Buch in meinem Leben bezeichnen würde, weil es eines der ganz wenigen Bücher ist, die direkt und unmittelbar mein Leben verändert haben. Wieder und wieder habe ich es durchgearbeitet und jede Lektüre ließ mich erschüttert zurück – das letzte Mal vielleicht vor 10,12 Jahren.

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Für jeden kommt der Tag

Schon wieder der Buchengel. Eigentlich wollte ich nur einen x-beliebigen DDR-Roman lesen, was Leichtes, zur Unterhaltung und zum Erinnern vielleicht, zur Ablenkung und Neujustierung vor allem. Es hätte sonstwas sein können, aber da lag nun dieser Roman in der Bücherzelle, Autor unbekannt, aber vom „Verlag Sport und Technik“ herausgegeben, 1960, „Genehmigt vom Ministerium für Kultur der Deutschen Demokratischen Republik“ … was will man mehr?

Geht auch gleich ordentlich los, mit heulenden Luftschutzsirenen, „branstigen Qualmwolken“, U-Boot-Jargon. Weiterlesen

Die Frage, woher das Neue kommt

Die Frage, woher das Neue kommt, ist falsch gestellt. Was da ist, ist immer von Abweichungen belagert und von Variation animiert. Viel mehr geht es darum, in Erfahrung zu bringen, wie das moderne Kulturmerkmal „Innovationstoleranz“, in die Welt treten konnte, ausgedrückt in Form einer wachsenden Nachgiebigkeit gegen die Unterwanderung der Sitte durch aktuelle Nachahmungsmuster und vorangetrieben von der programmatischen Neophilie der jüngeren Forschungs-, Kunst-, Konsum- und Lifestyle-Kulturen. Weiterlesen

Der Wettlauf mit dem Mammut

Ein früher, aber stark nachhallender Leseeindruck! Das Buch wurde schon in den 30ern geschrieben, war in der DDR sehr beliebt und in Ungarn ein Klassiker mit vielen Auflagen. Als Kind habe ich es verschlungen und sicher viele Male gelesen. Weiterlesen

Die normale Segregation

Schaue mir an, wie die Spieler von Manchester City aus dem Flugzeug steigen. Nichts langweiliger als das? Korrekt – wenn man an der Oberfläche bleibt.

Aber es gibt Strukturen beim Ausstieg. Kein Mist. Weiterlesen

Geschichte einer Widmung

Wir wissen nie, was wir tun. So zu verstehen, daß die Folgen unserer Handlungen immer unabsehbar sind und daß Handeln Eingriff in den Lauf der Welt bedeutet. Meist ist der Beitrag so gering, daß der Lauf der Welt sich nicht darum kümmern muß, aber manchmal haben auch unscheinbare Ursachen unfaßbar große Wirkungen. Das demonstriert man am besten an einem kleinen Beispiel. Weiterlesen

Warum ich so gefährlich bin!

Da pusselt man so vor sich hin, einsam in der Stube, zwischen Bücherwänden versteckt und unter Bücherbergen begraben …, liest, grübelt, schreibt was nieder, übersetzt, alles ganz unverdächtige Tätigkeiten, sollte man meinen, und sendet ab und zu eine Postille in die Welt, ist froh, einen kleinen Verlag gefunden zu haben, der ein paar Kleinigkeiten davon auch noch abdruckt … und dann plötzlich bekommt man an den Kopf geworfen, daß man gefährlich oder doch zumindest ansteckend sei, eine Art Unberührbarer, Unnennbarer, den man besser nicht kennt, dem man nicht Guten Tag sagt oder die Hand reicht, mit dem man sich in der Öffentlichkeit nicht sehen lassen und schon gar nicht seine Sache betreiben sollte. Weiterlesen

Ihre und unsere Wirklichkeit

Es gibt einen seltenen Schlag Mensch, vor dem alle anderen verstummen, wenn er zu reden beginnt. Man nennt das Charisma. Karen Blixen war so ein Mensch. Diese Frau war mehr als eine bedeutende Schriftstellerin und eine begnadete Beobachterin: sie war weise. Lauschen wir ihr! Weiterlesen

Was ist deutsche Kultur?

The Atlantic: During the election campaign, you criticized the German integration minister for saying that there is no “specifically German culture.” What specifically is German culture, in your view?

Alexander Gauland: That’s very difficult to explain in a short summary. There’s Bach and Goethe and Handel, there’s Thomas Mann. There are German traditions, there are German foods, there is German history. German identity is different in, let’s say, Hamburg or Bavaria, but there is an identity. There is a German way of life.“

Es ist tatsächlich sehr schwer, das in Kürze zu erklären! Es ist sogar unmöglich. Erstens, weil die Menge der Kulturbestandteile die Auffassungsgabe eines jeden Menschen übersteigt und zweitens, weil es auch einen Gefühlsaspekt, ganz und gar subjektiv – aber von Millionen im statistischen Durchschnitt und in diversen Schnittflächen geteilt – gibt, der sich der Mitteilung entzieht. Weiterlesen

Der gefallene Engel

Es gibt beim Rezensieren zwei Ursünden.

Die eine besteht darin, das zu besprechende Werk an den eigenen Maßstäben und Überzeugungen oder gar am eigenen Glauben zu messen, die andere will den Rezensenten überlegen präsentieren, der über der Zurschaustellung seines Wissens und seiner Originalität vergißt, das Buch zu besprechen.

Um zwei Beispiele aus dem eigenen Milieu zu erwähnen: Caroline Sommerfelds Besprechung von Uwe Wolffs „Der gefallene Engel“ in Sezession 125 repräsentiert Typ eins, denn sie kann es dem Konvertiten und ehemaligen Protestanten nicht vergeben, daß er sein Lutheranertum noch nicht komplett abgelegt hat und in ihre konservative Position des Katholizismus eingeschwenkt ist. Weiterlesen

Die Faszination des Islam

Wenn man sich auch nur ein klein wenig mit dem Islam in Deutschland beschäftigt, dann kommt man nicht umhin, die Menge an Youtube- und TikTok-Videos zu bemerken, die junge deutsche Konvertiten voller Stolz und meist mit missionarischem Eifer ins Netz stellen. Der Prozeß läuft für jedermann sichtbar seit Jahrzehnten – nun werden die ersten Mainstream-Medien aufmerksam, aber auch nur, weil die demographische Wippe längst gekippt ist.

Meist sind es junge Männer mit Ziegenbärten, diversen Kopfbedeckungen und oft beeindruckenden Arabisch- und Korankenntnissen. Weiterlesen

Wiederholung und Übersetzung

Wer regelmäßig schreibt, der kennt das Problem. Zum guten Stil gehört es, Wortwiederholungen zu vermeiden. Ein Wort, das man gerade benutzt hat, sollte in unmittelbarer Nähe möglichst nicht noch einmal auftauchen. Das ist einer von vielen Bausteinen, einen ästhetisch gelungenen Text zu schreiben.

Allein, das Hirn sieht es anders und spielt uns oft einen Streich. Weiterlesen

Terror als Ausweg

Euthanasie ist heutzutage ein Unwort geworden – die systematische Vernichtung „unwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten hat einen einst ehrenwerten Begriff entwertet.

Der „schöne Tod“ war einst ein Ideal der stoischen Philosophie. Der Weise entschied nach langer Meditation und ohne äußeren Drang den Tod als natürlich und unabänderlich zu akzeptieren und bestimmte selbst den Zeitpunkt. Schon Sokrates machte es vor, als er das Ansinnen seiner Jünger, den Todestrakt zu fliehen, ablehnte und gleichgültig den Schierlingsbecher leerte. Der Stoiker Seneca war einer der großen Sterbemeister – er schnitt sich in aller Seelenruhe die Pulsadern auf. Weiterlesen

TikTok, Schnellroda und das Ewige

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch III

Das gesamte Gespräch als PDF

Fortsetzung von: Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Frage Seidwalk: Ein neues weites Feld. Man hört immer wieder, TikTok habe Weltgeschichte gemacht. So wurde die Wahl in Rumänien annulliert, weil die Wahl angeblich über russische Beeinflussung via soziale Plattformen den „rechtsextremen“ Kandidaten aus dem Nichts an die Spitze katapultierte. Auch Maximilian Krah behauptet, aufgrund seiner TikTok-Schnipsel der „beliebteste AfD-Politiker“ zu sein, zumindest unter Jugendlichen. Schaut man sich die tatsächlichen Klick-Zahlen an, die in der Regel maximal ein paar hunderttausend Leute erreichen, dann ergibt das alles keinen Sinn. Es kann schon quantitativ nicht stimmen. Weiterlesen

Boomer-Haß, Remigration und Talahons

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch II

Fortsetzung von: Der Krieg der Generationen

Frage Seidwalk: Zurück zum Boomer: Sie hatten mir am Tresen eine Szene geschildert, die mich erschüttert hatte. Können Sie das noch einmal kurz schildern? Weiterlesen

Der Krieg der Generationen

Boomer trifft Zoomer – ein Gespräch I

Frage Seidwalk: Herr Weber, wir haben uns auf der Akademie im Herbst kennengelernt. Sie – als Student – haben mir dort für einen Moment ein Licht angezündet: Mir wurde in unserem Gespräch bei Bier und Schnaps plötzlich der Begriff des „Boomers“ erhellt. Bis dahin hielt ich ihn für ein ironisches Ornament, wenig bedeutsam, ein Witz im Grunde, ein Spaß über die Alten. Ich bat Sie, Ihre Gedanken zu Papier zu bringen. Das erwies sich komplizierter als vermutet und beweist, daß wir es mit einer schwer faßbaren Materie zu tun haben. Also wollen wir versuchen, ob es uns in einem neuerlichen Gespräch dennoch gelingt, den Evidenzmoment an der Bar noch einmal zu vergegenwärtigen. Weiterlesen

Moral im kommerziellen Fußball

Das Fußballspiel ist nicht nur aufgrund seiner intrinsischen Komplexität und Schönheit und auch nicht nur aufgrund der kommerziellen Verwertung ein attraktives Spiel, das Millionen fasziniert, sondern es stellt uns zudem exemplarisch – jeder andere Mannschaftssport könnte dies freilich ebenso leisten – immer wieder vor moralische oder erkenntnistheoretische Probleme, die sensible Abwägungen erfordern, und zwar an einem Gegenstand, der stellvertretend für andere stehen kann und letztendlich eben doch nicht essenziell ist. Die Diskussion dieser Fragen übt und entlastet also zugleich. Weiterlesen