Die Engel des Herrn Rilke

Rezension: Uwe Wolff: Tausend Nächte tief. Rilke und die Engel seiner Dichtung.

Der Kulturbetrieb brummt zufrieden vor sich hin. Ob historische Ereignisse (Bauernkrieg), Todestage (Kafka) oder runde Geburtstage (Thomas Mann), fast schon routiniert wirft er ein gerütteltes Maß an Mono- und Biographien aus. So auch ein halbes Dutzend im Falle Rilke, anläßlich seines 150. Geburtstages; die meisten davon dickleibig, minutiös, geradlinig mit sattem Apparat und unzähligen Fußnoten. Sie nennen sich in der Regel „Eine Biographie“ und rekapitulieren meist das Altbekannte mit einem Schuß Abweichung, einer sogenannten „neuen Perspektive“. Weiterlesen

Jean Paul: Zum 200. Todestag

Nicht von dieser Welt 

von Uwe Wolff (Angologe)

Flügel überall: Jean Paul (1763-1825) ist der Dichter der Freundschaft, der Liebe und der Engel. In keinem Werk der deutschen Literatur wuseln sie mehr herum, als in den Erzählungen und Romanen des Pastorensohnes aus Wunsiedel (Fichtelgebirge). Der hoch begabte Junge hatte einen wahrhaft enzyklopädischen Wissensdurst weit über die gelehrten Bücher hinaus. Die alten Sprachen lernte er bereits als Schüler mit jener Leichtigkeit, die seinen Lehrer erblassen ließ. Texte aus dem Alten Testament in hebräischer sowie griechische Texte des Neuen Testaments übersetzte er aus dem Stand ins Lateinische – die Wissenschaftssprache seiner Zeit.

Jean Paul war ein Überflieger. Weiterlesen

Der gefallene Engel

Es gibt beim Rezensieren zwei Ursünden.

Die eine besteht darin, das zu besprechende Werk an den eigenen Maßstäben und Überzeugungen oder gar am eigenen Glauben zu messen, die andere will den Rezensenten überlegen präsentieren, der über der Zurschaustellung seines Wissens und seiner Originalität vergißt, das Buch zu besprechen.

Um zwei Beispiele aus dem eigenen Milieu zu erwähnen: Caroline Sommerfelds Besprechung von Uwe Wolffs „Der gefallene Engel“ in Sezession 125 repräsentiert Typ eins, denn sie kann es dem Konvertiten und ehemaligen Protestanten nicht vergeben, daß er sein Lutheranertum noch nicht komplett abgelegt hat und in ihre konservative Position des Katholizismus eingeschwenkt ist. Weiterlesen