Die Partei und ihr Vorfeld

Rezension: Benedikt Kaiser: Die Partei und ihr Vorfeld. Kaplaken 91. Antaios Verlag, Schnellroda 2022

Eine Schrift, die am Rande des metapolitischen Terrains aufklärt. Und zugleich wohl so etwas sein soll, wie ein entree billet in interessierte Politikkreise. Denn dieser dritte Kaplaken-Band Benedikt Kaisers ist nicht nur an das gängige Sezessions-Milieu gerichtet, sondern direkt auch an die politischen Akteure in- und außerhalb der Partei. Es soll ein Leitfaden sein, eine strategische Anleitung und ein direkter Versuch, „das politische Bewußtsein des gesamten patriotischen Lagers“ zu heben. Weiterlesen

Noch einmal Grönland

Aus aktuellem Anlaß lege ich diesen Artikel, der fast auf den Tag genau vor einem Jahr geschrieben wurde, noch einmal vor. Er ist noch wahrer und dringlicher als damals. Allein die politischen Reaktionen in Dänemark haben sich geändert: Verfiel man damals in ratloses Schweigen, will man heute quer durch die Parteienlandschaft bis aufs Messer kämpfen – was selbstredend nur rhetorische Entschlossenheit ist. 

Seit Donald Trump seine grönländischen Träume veröffentlicht hat, steht das kleine Dänemark Kopf. Was aus diesen Plänen noch werden kann, steht vollkommen in den Sternen. Allein Trumps Äußerungen haben bereits eine Dynamik in Gang gesetzt, Energien freigesetzt, deren Folgen unabsehbar sind.

Aus welcher Perspektive man sie betrachtet – grönländischer, dänischer, amerikanischer, russisch-chinesischer, europäischer, politischer und geopolitischer … –, stets wird es komplex, zeigt Licht- und Schattenseiten, kann utopisch oder apokalyptisch oder dazwischen verstanden werden. Weiterlesen

Lektüren Dezember 2025

Wolfgang Schad: Vom Menschlichen in der Natur (2025)

Endlich werden Schads Gesammelte Schriften herausgegeben. Angefangen hatte es 2007 mit „Goethes Weltkultur“, eines der wenigen Bücher, die mir Goethes Denken und Schauen nahegebracht, die mein Goethe-Bild nachhaltig beeinflußt, ja regelrecht zu einer Goethe-Euphorie geführt hatten …, die dann 2015 jäh erstickt wurde.

Dieser Band – der zweite in den Schriften – versammelt nun seine zoologischen Arbeiten. Weiterlesen

Quo Vadis Seidwalk?

Statistik lügt nicht, so heißt es. Das gilt auch für meine Arbeit hier. Die Zugriffszahlen sind eindeutig und jenseits aller Rationalisierungen. Das Interesse an diesem Blog nimmt seit vier, fünf Jahren kontinuierlich ab, das Jahr 2025 war noch einmal ein besonders starker Einbruch. Um sich nicht zum Clown zu machen, muß ich mir die Frage stellen, wie und ob es weitergehen soll.

Das sage ich ganz ohne Groll. Weiterlesen

Silvesternacht

Das Besondere der Silvesternacht: Man schaut in zwei Richtungen, nach vorn und nach hinten. Januskopf.

Man läßt Revue passieren und man wagt den Vorausblick: was kommen mag.

Aber man erinnert sich auch an die letzte Silvesternacht und welche Hoffnungen und Befürchtungen sie brachte und vergleicht diese mit dem tatsächlichen Geschehenen: Was hätte sein können, was gewesen war, was gewesen wäre, Denken im Plusquamperfekt Weiterlesen

Zitatsammlung: Links und Rechts als ewige Prinzipien

Eine kleine Sammlung von Aussagen kluger Leute, die die These des obigen Beitrages zumindest erahnend bestätigen.

Wir müssen das Mehrheitliche als homogenes und konstantes System, die Minderheiten als Subsysteme und das Minderheitliche als potentielles, erschaffenes und schöpferisches Werden unterscheiden. Das Problem kann nie darin bestehen, die Mehrheit zu erlangen, selbst wenn man dabei eine Konstante einführen sollte. Es gibt kein mehrheitliches Werden, Mehrheit ist niemals ein Werden. Das Werden ist immer minderheitlich. (Gilles Deleuze: Kleine Schriften. Berlin 1980, S. 28) Weiterlesen

Links und und Rechts als ewige Prinzipien

Die Forschung sagt zum Thema Geschlecht: „Der grobe Draufblick ergibt eine Trennung in männlich und weiblich, aber je näher man an die verschiedenen Definitionen von Geschlecht heranzoomt, desto komplexer wird die Angelegenheit.“ (Focus 2.2.2024) Das beschreibt ziemlich genau meine These, daß man „Links“ und „Rechts“ bei aller Relativität und Fragwürdigkeit der Begriffe am Wirklichkeitszugang unterscheiden kann und das seit Anbeginn der Zeiten. Weiterlesen

Albert Wass: Stern in der Nacht

Dieses wenig bekannte Weihnachtsstück von Albert Wass stellt ein Bindeglied zwischen seinen beiden größten Romanen – „Gebt mir meine Berge zurück!“ und „Die Hexe von Funtinel“ – dar. In ihm werden Motive aus beiden Romanen verwoben. So kann es den deutschen Lesern zugleich als Erinnerung  und als Ankündigung dienen

Albert Wass: Stern in der Nacht (1953)

PDF: Wass: Stern in der Nacht

PERSONEN

  1. HEIMATLOSER (János, junger Mann)
  2. HEIMATLOSER (Kuvasz Péter, mittelalterlicher Mann)

III. HEIMATLOSER (Onkel Marci, weißbärtiger Greis)

VERRÜCKT GEWORDENES MÄDCHEN

WEINER, WEINERS FRAU und ein KIND

Sängerin, Männerchor

(Bühnenbild: Schneeverwehte Bergkuppe inmitten dunkler Tannenwälder. Stockfinstere Nacht. Drei zerlumpte Ungarn sitzen um ein kleines Reisigfeuer auf Baumstümpfen.) Weiterlesen

Mein Jahr mit Wildkräutern

In Deutschland muß niemand hungern, sagte meine Mutter immer – zumindest nicht von März bis November. In diesen Monaten liefert die Natur alles, was man braucht: Früchte, Wurzeln, Blätter, Knospen, Pilze und Kräuter. Man muß kein Botaniker sein, um sich von Wiese und Wegesrand zu ernähren. Die folgenden Pflanzen gehören seit Jahren zu meinem Alltag.

Es ist kein Geheimwissen – unsere Vorfahren und noch die Großeltern lebten ganz selbstverständlich mit ihnen und von ihnen. Weiterlesen

Benedikt Kaiser: Blick nach links

Rezension: Benedikt Kaiser: Blick nach links oder: Die konformistische Rebellion. Kaplaken 61. Antaios Verlag, Schnellroda 2019

Kaisers zweiter Kaplaken. Die fungieren – wie auch viele Artikel in der Sezession oder auf Sezession im Netz – als Aufmunitionierungen zu den umfänglicheren Werken. Hier in doppelter Hinsicht, denn vier der fünf Beiträge konnten Sezessionsleser die Jahre davor bereits lesen. Ihr gemeinsamer Nenner ist der Rückgriff auf aktuelle linke Theoriediskussionen oder vielmehr deren Abwesenheit.

Denn die Linke sei geistig erschöpft, vom eigenen Moralismus und Wokismus überrannt, nur noch einige wenige Leuchttürme seien relevant und lesenswert und die stehen im eigenen Gewässer bis zum Hals im Sturm und drohen davongeschwemmt zu werden. Weiterlesen

Alan Poseners Mehrfacharroganz

Unverhofft kam ich zu der Ehre, mal wieder von Alan Posener beschimpft worden zu sein. Kein Ding! Auf die Liebe kann ich auch noch verzichten.

Mir geht es nicht um Poseners Niveau, sondern um das Argument, das er hier bringt: daß er nicht mit Leuten rede, die unter Alias posten, weil er ihre Feigheit verachte. Weiterlesen

Prenzlau als große Metapher

Da springt einer und springt zu kurz. Jubeln die einen und sagen: tapfer, mutig, du bist gesprungen. Und kritteln die anderen: zu kurz, die Haltungsnoten waren nicht gut, du hast es nicht bis in unser Lager geschafft.

So in etwa waren die Reaktionen auf Simon Strauß‘ neues Buch „In der Nähe“ aus der konservativen bis rechten Ecke. Weiterlesen

Lektüren November 2025

Friedrich Reck-Malleczewen: Das Ende der Termiten. Ein Versuch über die Biologie des Massenmenschen. (1946)

Das dritte Glied in der Auseinandersetzung mit dem Massenmenschen im Allgemeinen und dem Nationalsozialismus im Besonderen, die theoretische Grundlegung dessen, was im Tagebuch rausgerotzt und im „Bockelson“ in eine Symptomgeschichte eingebunden wurde. Wieder veröffentlich als Kaplaken 48 bei Antaios. Ausführliche Besprechung hier!

Friedrich Reck-Malleczewen: Krach um Peyta. Eine Geschichte aus Dschungel und Sumpf. (1935) Weiterlesen

Die Engel des Herrn Rilke

Rezension: Uwe Wolff: Tausend Nächte tief. Rilke und die Engel seiner Dichtung.

Der Kulturbetrieb brummt zufrieden vor sich hin. Ob historische Ereignisse (Bauernkrieg), Todestage (Kafka) oder runde Geburtstage (Thomas Mann), fast schon routiniert wirft er ein gerütteltes Maß an Mono- und Biographien aus. So auch ein halbes Dutzend im Falle Rilke, anläßlich seines 150. Geburtstages; die meisten davon dickleibig, minutiös, geradlinig mit sattem Apparat und unzähligen Fußnoten. Sie nennen sich in der Regel „Eine Biographie“ und rekapitulieren meist das Altbekannte mit einem Schuß Abweichung, einer sogenannten „neuen Perspektive“. Weiterlesen

Bürgerkrieg und Romantik im Realsozialismus

Man muß es fast tragisch nennen, daß eines der wichtigsten Bücher der letzten zehn, zwanzig Jahre sich als Dissertation tarnt, von einem Autor mit Allerweltsnamen stammt, der noch kein Werk vorzuweisen hat – sieht man von verstreuten Fachartikeln ab –, daß sich das Buch scheinbar einem Nischenthema widmet – dem Frühwerk Rudolf Bahros –, es in kleiner Auflage und zu einem exorbitanten Preis erschienen ist. Weiterlesen

Drei Geschenkempfehlungen

Lesen. Seit Jahr und Tag macht sich der Guggolz-Verlag durch die Veröffentlichung großartiger nordischer Literatur verdient. Ob Amalie Skrams gigantische Hellemyr-Tetralogie, die Meistergeschichten des verfemten Johannes V. Jensen, ob Tom Kristensens unerreichter Trinkerroman oder Tarjej Vesaas‘ feinselige „Vögel“ oder das einzigartige und wundersame „Straumēni“ des Letten Edvarts Virza …: alles Meisterwerke, alle feinfühlig übersetzt, alles perfekte Weihnachtsbeschenkungen, die einen Unterschied machen. Weiterlesen

Sloterdijk gegen Sloterdijk

Sloterdijk gegen Sloterdijk, oder: Der Philosoph, die AfD – und die Angst vor der eigenen Wirksamkeit

von Frank-Christian Hansel

Peter Sloterdijk ist nach Gunnar Heinsohn nunmehr der letzte verbliebene deutsche Meisterdenker und große Diagnostiker des zivilisatorischen Zustands. Er sezierte früh den Zynismus, entlarvte die Heuchelei der Moderne, beschrieb die Erosion des klassischen Bürgertums, den Niedergang der Bildung, den Verlust von Vertikalspannung, den Zerfall verbindlicher kultureller Formen. All das geschah in den Nullerjahren vor beziehungsweise quasi parallel zum Aufkommen der AfD. Seine Thesen lagen in der Luft – nicht als Parteiprogramm, sondern als intellektuelle Vorahnung einer kommenden Zäsur.

Heute jedoch, da sich diese Gedanken in einer politischen Formation materialisiert haben, zieht Sloterdijk die Notbremse. Weiterlesen

Benedikt Kaiser: Querfront

Rezension: Benedikt Kaiser: Querfront. Kaplaken 49. Antaios Verlag, Schnellroda 2017

Wenn es eine Kongruenz zwischen Habitus, Optik, Sprache und Denken geben sollte, dann wäre Benedikt Kaiser das ideale Beispiel dafür: er sieht aus wie er spricht wie er schreibt wie er denkt wie er heißt … und vice versa. Weiterlesen

Links und Rechts

Als man mir kürzlich sagte: „Du unterscheidest immer so streng in links und rechts“, da stutzte ich verdutzt einen Moment und versuchte instinktiv den Vorwurf – der darin enthalten war – abzuleugnen. Aber es genügt, auf die Titelliste zu schauen, um zu sehen, daß ins Schwarze getroffen wurde.

Dabei glaubte ich doch – in der Selbstwahrnehmung –, ein ausgeglichener, vermittelnder, verhältnismäßig ideologiefreier Schreiber zu sein. Weder – als kurze „Denkbiographie“ – das marxistisch-dialektische Herkommen (von der leninistischen Periode abgesehen) oder Nietzsches Perspektivismus noch die intensive postmoderne Phase der Alldekonstruktion und auch nicht die weit umfassende Fundamentalontologie schienen für Ja-Nein-Dichotomien gemacht. Und nun das! Weiterlesen

Zwei Originale in Halle

Unter den vielen Gesprächen in Halle, will ich an zwei erinnern. Denn sie – die Gesprächspartner – haben einiges gemein und sind doch diametral entgegengesetzt.

Zuvörderst sind es zwei Köpfe, die ich sehr schätze und denen ich immer wieder gern zuhöre, mit Gewinn. Und das ist selten, wiederholt sich doch bei den meisten das schon Bekannte nur. Aber diese beiden sind einzigartig, sie denken anders, unkonventionell und daher auch originell.

Beide Männer sind Typen, Käuze könnte man fast sagen Weiterlesen