Die Staatsgrippe

 von Dino Buzzati

Pünktlich morgens um halb Neun saß der Oberst Ennio Molinas an seinem Schreibtisch im hinteren Teil des riesigen Raumes der Abteilung Dec (Dechiffrierung). Wie alle Militärangehörigen des Ministeriums war er in Zivilkleidung. Da er der Leiter der Abteilung war, befand sich sein Schreibtisch auf einem Podest, von wo aus sich die vierundzwanzig Tische der untergeordneten Dechiffrierer überblicken ließen: eine Art Kathedra. Hohe Regale säumten die umliegenden Wände, gefüllt mit Büchern und mit Registern: Wörterbüchern, Enzyklopädien, Atlanten, Namensverzeichnissen, Nachschlagewerken und Untersuchungsmaterialien. Das riesige Büro, einst für den Krieg eingerichtet, arbeitete jetzt in langsamerem Rhythmus; aber das Personal der Abteilung war vollständig. Es handelte sich, auf ihrem Spezialgebiet, um die fähigsten Männer des Landes. Im Ministerium nannte man sie scherzhaft die „vierundzwanzig Genies“. Weiterlesen

Sinnloser Dienst oder sinnloses Dienen

Es überrascht mich selbst immer wieder, wie oft ich mit den Leuten in Schnellroda einer Meinung bin: ich lese ihre Texte, höre ihre Beiträge, sehe die Werkinterpretationen und in den allermeisten Fällen sagt mir meine innere Stimme: korrekt, so ist es. Und dort, wo sie protestiert, kommt immerhin noch der Einwand: aber so kann man es auch sehen oder: das ist eine interessante, erfrischend andere Perspektive … Weiterlesen