The Stranger within my gate,
He may be true or kind,
But he does not talk my talk–
I cannot feel his mind.
I see the face and the eyes and the mouth,
But not the soul behind. Weiterlesen
Mythos Al-Andalus
Ich prophezeie der Philosophie eine andere Vergangenheit (Peter Sloterdijk)
Islam has a proud tradition of tolerance. We see it in the history of Andalusia and Cordoba during the Inquisition (sic!). (Barack Hussein Obama)
Die klassische Geschichtserzählung berichtet uns von einem Wunderland Al-Andalus. Inspiriert durch die romantische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts, werden die Jahre zwischen 711 und 1492 vornehmlich als Ideal einer toleranten islamischen Zeit, einer Blüte der Gerechtigkeit, der Multikulturalität und Diversität, des Pluralismus und eines friedlichen und sich gegenseitig befruchtenden Nebeneinanders von Islam, Judentum und Christentum, von Convivencia, bis hin zur Symbiose, dargestellt.
Dabei wird, ganz grob gesehen, von drei Phasen ausgegangen Weiterlesen
Das Ende des Migrationszeitalters
Thomas Wangenheim ist Solitär und Aristokrat. Seine Wirkung hat keine Masse und die sucht er auch nicht. Auf YT pflegt er einen Kanal, auf welchem er über Goethe, Nietzsche, Spengler spricht oder darüber, wie man Vorkriegsherrenhüte richtig datiert. Er steht dabei vor einem Bücherregal, das nie ein modernes Taschenbuch wird ertragen müssen. Seine Kleidung, seine Sprache, sein Denken scheinen aus den goldenen 20ern zu stammen; man wundert sich, daß er nicht von Wangenheim heißt. Weiterlesen
Heidegger in Gelb?
Prinzipiell bin ich Inhaltsleser, Inhalt geht vor Form. Aber es gibt Autoren, Bücher und Situationen, in denen sich das Verhältnis umkehrt.
Da hatte ich mir den Jakob-Böhme-Roman von Edith Mikeleitis bestellt und bekam ein Book-on-demand-Erzeugnis in aggressivem Orange, auf dessen Vorderfront eine „abstrakte Künstlerin“ mithilfe eines Nullachtfünfzehn Computerprogrammes eine Art Böhme-Fraktal gepappt hatte. Weiterlesen
Dank sei Allah!
Eine feine Seele bedrückt es, sich jemandem zum Dank verpflichtet zu wissen, eine grobe, jemandem zu Dank verpflichtet zu sein. (Nietzsche)
Man kann sich auf Jahre mit islamkritischen Schriften eindecken und sich so sein Islambild formen. Aber ich empfehle, sich daneben auch an die islamischen Quellen, die proislamische Literatur zu wagen. Das ist nicht immer eine angenehme Lektüre – das sprachliche und intellektuelle Niveau ist mitunter erschreckend niedrig –, schließt aber das apriorische Haßargument aus und gestattet einen ungefilterten Blick in die Köpfe der jeweiligen Muslime.
Ein Zentralwerk – im Übrigen auf hohem Niveau –, das ich jedermann wärmstens ans Herz lege, ist das „Handbuch Islam“ von Ahmad A. Reidegeld. Weiterlesen
Islamismus als Zornsammelstelle
Frage: Könnte der Islamismus eine neue Zornsammelstelle sein?
Antwort: Ich verneine diese Frage. Ich stelle sie zwar auch selbst und gebe ihr so lange Kredit, wie es nur möglich ist, unter der Prämisse der intellektuellen Redlichkeit. Also ich versuche, die möglichen Stärken des politischen Islam bis zum Äußersten in Gedanken zu begleiten, komme dann aber doch zu dem Schluß, daß man die Frage verneinen muß. Der Islam hat nicht die Kraft, den Katholizismus in seiner historischen Funktion als geistige Weltsammlungsbewegung zu ersetzen. Er hat nicht die Kraft, erst recht nicht die Kraft, den Kommunismus zu ersetzen, der zugleich eine Produktionsidee hatte. Weiterlesen
Der Weg aus dem Menschenpark
Gesamttext PDF Sloterdijks Menschenpark
Fortsetzung von: Wo befindet sich der Menschenpark?
Das in etwa ist der Stand innerhalb dieses Problemkreises, als Sloterdijk 1997 zum ersten und 1999 zum zweiten Mal seinen Vortrag „Regeln für den Menschenpark“ hielt. Hätte es die Skandalisierung nach Elmau nicht gegeben, es wäre nicht mal sicher, ob diese schmale Schrift je eine breitere Öffentlichkeit erreicht hätte. Weiterlesen
Wo befindet sich der Menschenpark?
9745 Wörter, 56 großgedruckte Seiten im Taschenbuchformat, vier Doppelseiten in der „Zeit“, das ist der Umfang des Vortrages „Regeln für den Menschenpark“, den Peter Sloterdijk im Juli 1999 vor auserlesenem Publikum gehalten und der einen veritablen Skandal, oder besser eine Skandalisierung, ausgelöst hat[1].
Im gleichen Jahr war der zweite Teil seiner „Sphären“-Trilogie erschienen, ein Werk von über 1000 Seiten, zusammen füllen die drei Bände 2500 Seiten. Schon sein Erstling, der Bestseller „Kritik der zynischen Vernunft“, von 1983 umfaßte fast tausend Seiten und auch sein Grundlagentext „Du mußt dein Leben ändern “ (2009) kommt noch einmal auf 700 engbeschriebene Blätter. Weiterlesen
Das Wagnis Mensch
Rezension Herbert Fritsche: Das Wagnis, Mensch zu sein: Herbert Fritsche – eine Einführung.
Daß Fritsches gesammelte Werke seit 2014 vollständig veröffentlicht vorliegen, ist seinem Verleger und Biographen Werner Zachmann zu danken. Innerhalb von nur drei Jahren hat er eine 17-bändige Gesamtausgabe editiert, ein wahres Mammutprojekt!
Begonnen hat alles – anläßlich des 100. Geburtstag Fritsches – mit „Das Wagnis, Mensch zu sein“ Weiterlesen
Wiederkehr des Gleichen (Elends)
Vor acht Jahren schilderte ich den Aufenthalt in der Notfallaufnahme im örtlichen Krankenhaus. Das gab Anlaß – wie alles in der Welt, denn wenn es etwas zu sehen gibt, dann muß es immer und überall zu sehen sein – zu einigen kurzen Beobachtungen über unser Land, seine Menschen, seinen Zustand.
Ein kleiner, dummer Sportunfall läßt mich wieder hier sitzen, nachts um vier Uhr. Der Empfang ist unterkühlt, ob das nicht Zeit bis morgen gehabt hätte. Unwillig werden wir plaziert.
Im Fernseher im Warteraum läuft ein Krimi. Gleich eines der ersten Worte lautet: queer. Weiterlesen
Seidwalk gibt’s jetzt auch als Twitter!
Vorerst als Experiment. Das Medium ist giftig, man muß es beherrschen lernen, es kann einen verschlingen.
Aber es hat auch sein Potential und das sollte man nicht ungenutzt liegen lassen. Dies ist das Ergebnis eines längeren Selbstexperiments und Umdenkens. Weiterlesen
Die historische Chance zur deutschen Wiedervereinigung
Jetzt ist sie da, die einmalige Chance. Endlich das realisieren, was den Deutschen seit 35 Jahren – die DDR ist nur 40 Jahre alt geworden! – versprochen wird. Vor allem könnte der Osten endlich ausgesöhnt und befriedet werden. Dort liegt die AfD großflächig bei über 40 Prozent, im Osterzgebirgskreis, in Görlitz, in Bautzen wurde sie fast von der Hälfte der Menschen gewählt. Weiterlesen
Einheimischenasyle
Moderne Nationen, versteht man daher, glaube ich, am besten, wenn man in ihnen politische Asyle sieht – und zwar, so paradox es klingt, Einheimischenasyle.
Ein Asyl ist ein Zufluchtsort, ein Schutzraum für Entwurzelte und Bedrohte. Heute sind es nicht allein die Flüchtlinge von außen, sondern fast genauso die Einheimischen, die sich bedroht und virtuell entwurzelt fühlen. Nationalasyle stützen die notwendige Illusion von Verankerung, von territorialer Immunität, von solidarischer Einbettung, und wo diese Asylfunktion versagt, bricht die Gewalt auf. Weiterlesen
Epilog: Also nein, diese Ungarn!
Fortsetzung von: Budapest endlich! von J. Remp
Ich erinnere mich an ein Buch in der Bibliothek meiner Eltern mit diesem Titel: „Zwei Journalisten der Budapester Rundschau plaudern in über 50 Glossen über die Eigenheiten ihrer Landsleute auf ironische Art“. Der Buchtitel wurde ein geflügeltes Wort zu Hause. Wenn ich von meinen Erlebnissen erzählte, dauerte es nicht lange, bis meine Mutter theatralisch ausrief: „Also nein, diese Ungarn.“
Fünf Jahre in Ungarn, in der Fremde. Ich kehrte nicht nur mit einem Berufsabschluß zurück, sondern auch mit einem ganzen Rucksack voller Erfahrungen. Weiterlesen
Budapest, endlich!
Fortsetzung von: Ungarisch lernen? von J. Remp
Ostdeutsche Erinnerungen an Ungarn III
Flirrende Augusthitze. Südliche Sonne. Verwirrender Autoverkehr. Verschlafen blinzelten wir auf die fremde Szenerie.
Während einer endlosen nächtlichen Zugfahrt von Berlin Ostbahnhof hatten wir eingezwängt zwischen unserem Koffern und Rucksäcken vor uns hingedöst. Geweckt wurden wir von den Schaffnern, die ärgerlich auf unserem Gepäck herumtrampelten. Die Grenzbeamten behandelten uns hingegen einigermaßen respektvoll, als wir stolz unsere frischen blauen Pässe vorwiesen. Weiterlesen
Die Macht der Argumente und die Argumente der Macht
Fast jeden Abend höre ich eine halbe Stunde Radio und zwar während des Kochens. Verschiedene ausländische Sender, um ein wenig Sprach-Input zu bekommen. Oft P1 (sprich: Pe Et), den öffentlich-rechtlichen Informationskanal Dänemarks. Der hat gerade einen Skandal zu verkraften, denn im Fernsehen wurde eine schwer linkslastige Dokumentation ausgestrahlt, von einem marxistischen Ökonomieprofessor verantwortet, die den Dänen eine grönländische Kolonialschuld einreden will und dabei frei mit großen Zahlen jongliert. Die Öffentlichkeit ist ob der offenbaren Propaganda entsetzt und hinterfragt den Rundfunkbeitrag … wir kennen das zur Genüge. Weiterlesen
Dem Merz seine Unterschrift
Selbst die Unterschriften gehen verloren. Auf dem Einwohnermeldeamt sollte ich mein Autogramm für den neuen Ausweis auf einen Bildschirm schreiben – und scheiterte. Mußte drei oder viermal neu ansetzen, um was halbwegs Erkenntliches zusammenzubekommen. Der Computer hat mir die Handschrift gestohlen und mit ihr die schriftliche Einzigartigkeit und Individualität: meine Signatur.
Sie soll ja eine Menge verraten, über Charakter, Stimmung, Selbstwahrnehmung, Typus und solche Sachen. Weiterlesen
Ungarisch lernen?
Fortsetzung von: Eine Reise in die Jugend von J. Rempt
Ostdeutsche Erinnerungen an Ungarn II
Man kann über die Methoden der DDR-Pädagogik unterschiedlicher Meinung sein. Ein paar der damaligen psychologischen Kniffe spürte ich am eigenen Leib. Wir künftigen Auslandsstudenten wurden nicht einfach so aus unseren alten Klassen herausgerissen und nach Halle an die ehemalige ABF, die Arbeiter- und Bauernfakultät verpflanzt. Nein, schon damals wendete man die Technik des Teambuildings an. Eine Woche in einem Lager der FDJ im Harz sollte uns zusammenschweißen. Schweißtreibender Sport, gemeinsames Kochen in der Großküche, politische Berieselung in den Seminarbaracken, abends Kulturprogramm. Wir beäugten uns und schlossen erste Bekanntschaften. Es schien zu funktionieren. Weiterlesen
Ostdeutsche Erinnerungen an Ungarn
Im Oktober, als es um den Vergleich von Budapest und Berlin ging, deutete im Kommentar ein Leser an, daß er einst – noch zu DDR-Zeiten – in Budapest studiert hatte. Auf Ungarisch! Das mußte ein wahres Abenteuer gewesen sein und ein seltenes dazu. Was DDR, was Sozialismus, was Ungarn und der Osten war, mußte sich doch auch in diesen Erlebnissen versteckt halten. Heute ist er, J.Rempt, über sechzig Jahre alt und arbeitet als Landzahnarzt. Ich bat ihn, seine Erinnerungen aufzuschreiben. Hier sind sie, in vier Folgen.
Eine Reise in die Jugend
Ich erinnere mich an einen trüben Tag im Winter 1978. Die letzte Stunde sollte gerade beginnen. Unsere stämmige rothaarige Geschichtslehrerin kam nicht alleine. Der Kunstlehrer stakte hinterher. Er fungierte gleichzeitig als unser Berufsberater und Staatsbürgerkundelehrer. Die zwei langweiligsten Lehrer nebeneinander. Resignation und Müdigkeit machte sich in der Klasse breit. Weiterlesen
Euch all trifft tod
DIE TOTE STADT
Die weite bucht erfüllt der neue hafen
Der alles glück des landes saugt · ein mond
Von glitzernden und rauhen häuserwänden·
Endlosen strassen drin mit gleicher gier
Die menge tages feilscht und abends tollt.
Nur hohn und mitleid steigt zur mutterstadt
Am felsen droben die mit schwarzen mauern
Verarmt daliegt · vergessen von der zeit. Weiterlesen