Rachel O’Donoghue, HonestReporting, 16. November 2025
CNN, ABC News und die BBC.
Drei der größten und einflussreichsten Nachrichtenorganisationen der Welt – mit einer kombinierten Reichweite von Hunderten Millionen über Fernsehen, Radio und digitale Plattformen – und einer entsprechend großen Verantwortung.
Wenn Medien dieser Größenordnung Fehler machen, verzerren sie nicht nur einen einzelnen Nachrichtenzyklus; sie prägen das öffentliche Verständnis eines gesamten Konflikts.
Das ist gerade jetzt besonders wichtig. Als Mitte Oktober die Feuerpause zwischen Israel und der Hamas begann und die ersten israelischen Geiseln nach zwei Jahren unterirdischer Gefangenschaft zurückkehrten, war die weltweite Aufmerksamkeit enorm – und Genauigkeit wichtiger denn je.
Doch innerhalb nur einer Woche veröffentlichten oder sendeten alle drei Organisationen gravierende, folgenschwere Fehler. Jeder Fehler war anders gelagert, doch gemeinsam offenbarten sie dasselbe Muster, das HonestReporting während des gesamten Krieges aufgezeigt hat: Desinformation verbreitet sich mit Höchstgeschwindigkeit, während Korrekturen viel zu spät hinterherhinken – sofern sie überhaupt erfolgen.
Das ist kein isoliertes Problem. Es ist ein kumuliertes.
Nach zwei Jahren, in denen das Publikum mit irreführenden Berichten, Fehlübersetzungen, Euphemismen und offenen Falschdarstellungen bombardiert wurde, bieten diese Fehler von Mitte Oktober einen Momentaufnahme des angerichteten Schadens – und zeigen, warum mediale Rechenschaftspflicht unverzichtbar bleibt.
Die drei Fehler – und was sie offenbaren:
1. CNN: Amanpour verharmlost die Folter an Geiseln
Am 13. Oktober behauptete Christiane Amanpour, die internationale Chefkorrespondentin von CNN, israelische Geiseln seien „wahrscheinlich besser behandelt worden als der durchschnittliche Gazaner“ und bezeichnete sie als „Schachfiguren“, um die sich die Hamas aus Eigeninteresse gekümmert habe.
HonestReporting machte die Äußerung öffentlich und löste breite Empörung aus.
Amanpour entschuldigte sich später live auf Sendung und räumte ein, ihre Bemerkungen seien „unsensibel und falsch“ gewesen, nachdem sie erfahren hatte, dass die Geiseln berichteten, sie seien ausgehungert, mit Stromschlägen misshandelt, in Ketten und Käfigen unter der Erde festgehalten, am Weinen gehindert und gezwungen worden, ihre eigenen Gräber zu schaufeln.
Das war kein Versprecher. Es war ein Weltbild – eines, das israelisches Leid reflexhaft herunterspielt, selbst in Momenten, in denen die Fakten eigentlich unbestreitbar sein sollten.
2. ABC News: Ein Terrorist erhält einen Heldenzuschnitt
In derselben Woche sendete ABC News Aufnahmen, in denen ein Hamas‑Kämpfer während der Feuerpause als heroischer Retter dargestellt wurde – ohne ihn als Mitglied einer von den USA eingestuften Terrororganisation zu identifizieren.
HonestReporting deckte die Verbindungen des Mannes und seine Rolle im Hamas‑Terrorismus auf. ABC hat ihn seither in keiner weiteren Berichterstattung mehr verwendet.
Quellen berichten, dass dieser Beitrag außerhalb des üblichen redaktionellen Prozesses von ABC News eingereicht wurde und ausschließlich von einem in Gaza ansässigen Kameramann produziert wurde – ohne Beteiligung eines ABC‑Reporters. Nach zwei Jahren, in denen Hamas‑nahe „Content Creator“ als unabhängige Journalisten auftraten, lässt sich die Verantwortungslosigkeit kaum übertreiben, dass solches Material ohne gründliche Überprüfung ausgestrahlt wurde.
Das war mehr als ein Fehlurteil. Es war ein Versagen der Sorgfaltspflicht: Material, das vollständig aus von der Hamas kontrolliertem Gebiet stammt, durfte einen Terroristen in einen vermeintlichen Retter verwandeln – und wurde an Millionen von Menschen ausgestrahlt. Das zeigte ein grundlegendes Versagen der Verifikation durch ABC News.
3. BBC News: Die Freilassung von Gefangenen als „Geiselaustausch“ bezeichnet
Ebenfalls am 13. Oktober beschrieb die BBC die Freilassung israelischer Geiseln – entführter Zivilisten, die zwei Jahre lang unterirdisch festgehalten worden waren – als Teil eines „Geiselaustauschs“ mit palästinensischen Gefangenen.
Diese falsche Gleichsetzung hat sich zu einem hartnäckigen Medientopos entwickelt, der den Unterschied zwischen der Entführung von Zivilisten und der Inhaftierung von Personen, die gewalttätiger Verbrechen beschuldigt oder dafür verurteilt wurden, einebnet.
Die BBC veröffentlichte keine Klarstellung. Stattdessen beharrte die Journalistin, die den Text verfasst hatte, später darauf, die Formulierung habe nicht beabsichtigt, israelische Geiseln mit palästinensischen Gefangenen gleichzusetzen.
Die von diesen drei Vorfällen aufgedeckte Wahrheit
Diese drei Fehler sind nicht im luftleeren Raum entstanden.
Sie sind Teil desselben Ökosystems der Fehlberichterstattung, das seit dem 7. Oktober 2023 die öffentliche Wahrnehmung geprägt hat. Im Nebel des Krieges – und dem politischen Druck, der darauf folgt – haben etablierte Medienorganisationen wiederholt ungeprüfte Behauptungen verbreitet, aktivistische Sprache übernommen, Extremisten eine Plattform geboten und israelische Selbstverteidigung als Aggression dargestellt.
Korrekturen, sofern sie überhaupt erscheinen, sind verhalten, verspätet und erreichen nur einen Bruchteil des Publikums, das die ursprüngliche Behauptung aufgenommen hat.
Das Ergebnis?
Zwei Jahre globaler Meinungsbildung, die nicht von Fakten bestimmt waren, sondern von einem stetigen Strom verzerrter, ungenauer und mitunter völlig falscher Berichterstattung. Die Woche während der Feuerpause Mitte Oktober ist kein Ausreißer, sondern ein Fallbeispiel – eine komprimierte Zeitleiste, die zeigt, wie schnell israelfeindliche Desinformation sich verbreiten, festsetzen und zu „Wahrheit“ verhärten kann.
Und wenn drei derart gravierende Fehler innerhalb einer einzigen Woche auftreten können – aus drei der einflussreichsten Redaktionen der Welt –, dann zeigt das, womit HonestReporting in den vergangenen zwei Jahren konfrontiert war. Das ist die Dimension des Problems: Dutzende Millionen Menschen, die Verzerrungen in Echtzeit ausgesetzt sind, während Korrekturen – falls sie überhaupt erscheinen – leise und zu spät kommen, um noch etwas zu bewirken.
Deshalb darf unsere Arbeit nicht beim Faktencheck stehenbleiben. HonestReporting konzentriert sich zunehmend auf Medienkompetenz: dem Publikum beizubringen, wie man Fehlrahmungen, emotionale Manipulation, aktivistische Sprache und faktische Taschenspielertricks erkennt. Und deshalb widmen wir uns nun der schwierigen, aber unverzichtbaren Aufgabe, Israels Ansehen nach zwei Jahren unablässiger Fehlrepräsentation wiederherzustellen – indem wir Leserinnen und Lesern, Zuschauerinnen und Zuschauern sowie Entscheidungsträgern zeigen, was tatsächlich geschehen ist und warum Genauigkeit zählt.
Denn wenn diese Oktoberwoche eines gezeigt hat, dann dass Desinformation über Israel kein gelegentliches Phänomen ist.
Sie ist systemisch.
Sie ist einflussreich.
Und wenn man ihr nicht widerspricht, wird sie zur Geschichte.






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