Auf den Hund gekommen

„Man muss erst lassen können, um gelassen zu sein.“ Meister Eckhart

Was die linkspopulistische „Huffington Post“ uns in letzter Zeit als Aufklärung und Friedensangebot präsentiert, gibt uns in Wirklichkeit einen Vorgeschmack dafür, was bald kommen wird. Wie lebt man mit Muslimen zusammen, ohne sie zu beleidigen und zu verletzen. Zum Beispiel mit Hunden.

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Der Flüchtling als Held

Eine der vielfältigen Strategien, uns die Migrationswelle schmackhaft zu machen, ist die Vorstellung des „Flüchtlings“ als guter Mensch oder in extremis als Held.

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Sex and the Cities

Wer die Sexualität eines Menschen beschneidet, vergiftet nicht nur die Quelle seiner Triebe, er verstört zugleich auch die Klarheit seines Denkens, die Reinheit seines Fühlens und die Sensibilität seiner Sehnsucht. (Eugen Drewermann: Kleriker)

Daß die Massenzuwanderung junger Männer aus fremden patriarchalen Kulturen zu einer deutlichen Zunahme auch an sexueller Gewalt führen muß, wurde auf diesem Blog von Anfang an argumentativ begründet. Das Zerstören eines relativen demographischen Gleichgewichts führt zwangsläufig zu Spannungen. Wenn es sich dabei um ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht handelt, kommt es folglich auch zu sexuellen Spannungen. Umso mehr, wenn es sich um ein schnell und drastisch herbeigeführtes Ungleichgewicht handelt, umso mehr, wenn es sich dabei um die Alterskohorten der unter 30-Jährigen handelt, umso mehr, wenn verschiedene kulturelle und religiöse Paradigmen aufeinanderstoßen und umso mehr, wenn ein patriarchalisches auf ein „freiheitliches“ Verständnis stößt …

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Gerüche

Jedes Mal wenn ich ein Haus betrete, das vornehmlich mit Asylbewerbern bewohnt ist, geht mir der Gedanke auf: Darüber könntest du auch mal einen Artikel schreiben. Aber sofort setzt die Schere im Kopf zum Cut an: Nein, das könnte man als rassistisch verstehen, das ist vielleicht sogar rassistisch?

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Linkes Demokratieverständnis

Vom 16.9. bis 18.9. findet auf dem Rittergut in Schnellroda die Sommerakademie statt. Bei dieser teils akademischen, teils sozialen Veranstaltung des „Instituts für Staatspolitik“ werden Vorträge gehört, Diskussionsrunden veranstaltet, Bücher verkauft, Beziehungen geknüpft.

Man spricht über die „Lage 2016“, es werden Beiträge zur „Flüchtlingskrise“, zur Landwirtschaft, zum Brexit und TTIP, zu Rußland, zur US-Wahl, zu AfD und Pegida und zur Finanzkrise zu hören sein.

Der kleine Ort Schnellroda mit seinen 150 Einwohnern kennt derartige Termine und es hat ihn bisher noch nie aus dem Schlaf gerissen.

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Die Entscheidung

In der „Freien Presse“ vom 17.8.2016 findet sich ein Leitartikel, gezeichnet Christopher Ziedler, betitelt „Die Entscheidung“, der die Ereignisse vom 4./5. September letzten Jahres, das unkontrollierte Durchwinken der in Ungarn gestrandeten Menschen,  minutiös Revue passieren läßt. Ziedler gelingt es, eine Wertung zu vermeiden, was heutzutage bereits eine Wertung ist. Insofern ein überraschender Artikel. Wenn da nicht ganz am Ende die Zitation zweier verstörender Aussagen wäre.

Die Entscheidung (Version aus der Badischen Zeitung vom 4.9.2016)

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Die AfD wählen

Die AfD wählen, ist keine gute Idee – zumindest wenn man dem jungen Manne glaubt, mit dem ich mich gerade unterhalten habe. Er ist wohlsituiert, Leiter einer größeren Verkaufseinrichtung, Fahrer eines sehr großen Mercedes, der so viel wert ist wie ein ganzes Einfamilienhaus; ein vierschrötiger Mann, der das Jagen in afrikanischen Parks liebt und Waffen – ganz legal – im Keller lagern hat.

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Die Stuhlprobe: Scheiß Deutsche

Ich behaupte nicht, daß andere Völker nicht auch ein gesundes Interesse an diesem Bereich zeigen, sondern vielmehr, daß die Deutschen von diesem Thema in Besitz genommen zu sein scheinen. (Alan Dundes)

Heute geht es um Scheiße. Darf man so klipp und klar sagen, denn das Wort ist längst gesellschaftsfähig. Das zeigt auch ein Artikel in der „Welt“, bei dem es um künstlerische Umsetzung mit besagtem Material geht. Das war mal aufregend, langweilt nun aber nur noch. Alles schon tausend Mal dagewesen: Blut, Menses, Sperma, Scheiße … schocken uns nicht mehr.

Trotzdem, so besagen diverse Studien, sind die Deutschen besessen vom Thema. Till Eulenspiegel, Luther, Grimmelshausen, Mozart … waren alle bejahende Meister der Fäkalien und der Aufklärungsphilosoph Carl Julius Weber hat in seinem vielbändigen „Demokritos“ die Sache zur philosophischen Chefsache erklärt: „Ohne das Emana­tions­system der Posterio­ra könn­ten wir gar nicht existie­ren; und eine Stö­rung darin könnte unsere ganze Philosophie über den Haufen wer­fen…“

Gemessen daran erscheint Slavoj Zizeks Beobachtung, die die „Welt“ genüßlich wiedergibt, weniger originell: „Auch der Star der Gegenwartsphilosophie, Slavoj Zizek, wird nicht müde zu betonen, wie sich die drei großen europäischen Denkströmungen anhand der Bauart von Kloschüsseln analysieren lassen. In Frankreich flutscht alles sofort weg, weil die Franzosen gerne verdrängen. Die Deutschen dagegen blicken gerne zurück und untersuchen daher sorgfältig, was sich da im Becken offen vor ihnen ausbreitet. In England schwimmt die Notdurft im Wasser herum, man ist eben pragmatisch. Philosophisch kann man also einiges aus dem im Alltag so unliebsam weggespülten Stuhlgang ziehen – von der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte.“

Da ist was dran! Nur: Warum bleibt Zizek auf halbem Wege stehen? Wäre es nicht hilfreich, einen Blick über den europäischen Kloschüsselrand zu werfen? Wenn die Stuhlprobe kulturelle Aufschlüsse liefert, sollte man im multikulturellen Bereich auch die anderen Kulturen befragen. Zum Beispiel die islamische.

Der Begriff der „Besessenheit“ erhält hier neue Bedeutung – im negativen Sinne. Muslime haben ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer eigenen Natur. Von Kleinauf wird Kindern eingetrichtert, Nacktheit zu vermeiden und insbesondere momentane Ausscheidungs- und spätere Fortpflanzungsorgane schamvoll zu verstecken.

Das Verrichten des Geschäftes in Richtung Mekka – in beiderlei Verlängerung – gilt als gotteslästerlich. Auch benutzen Muslime keine Urinale, da das Pinkeln im Stehen mißbilligt wird, makruh ist. Das Ausscheidungsorgan sollte danach sorgfältig mit Wasser gereinigt werden: „Während bei der Frau das reinigende Wasser über die Scheide fließt, muss der Mann zudem den Harnleiter von den letzten Tropfen befreien und den Penis derart halten, dass die äußere Öffnung der Harnröhre geöffnet und somit ein Teil der Röhre ebenfalls mit Wasser gereinigt wird.“ Das alles mit der linken Hand, die im Islam als unrein gilt, und für derartige Prozeduren prädestiniert ist. Überhaupt wird die Nutzung von Toilettenpapier nur in jenen Fällen befürwortet, wo keine Wasserreinigung möglich ist. Der Prophet nahm stets einen Lederbeutel mit Wasser auf die Toilette mit.

Während der Verrichtung ist es angeraten, sein Geschlechtsteil nicht zu betrachten und nicht zu berühren. Erfolgt sie im Freien, sollte man sich nicht in Richtung Sonne oder Mond – als „wichtige Zeichen Gottes in seiner Schöpfung“ – positionieren und möglichst den Blick in den Himmel vermeiden.

Im Idealfall handelt es sich um eine „französische Toilette“. Einige Muslime bevorzugen die Hockstellung auch bei Sitzklos und erklettern dann den Porzellanrand.

Die Toilette sollte man mit dem linken Fuß betreten und mit dem rechten Fuß verlassen, wobei man jeweils eine Gebetsformel murmelt: Beim Betritt: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan. Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Oh Allah, ich suche Zuflucht bei dir vor dem Bösen und den Satanen, und ich suche Zuflucht bei Dir, oh mein Herr, vor ihrer Anwesenheit“, beim Abtritt: „Oh Allah, ich suche deine Vergebung“.

Der Koran darf das Licht des Aborts nie erblicken, auch andere Schriften, die den Namen Allahs beinhalten, sind verboten. Sogar arabisch-grün gestrichene Toiletten sollen schon zu kulturellen Verstimmungen geführt haben.

Zumindest beim finalen Händewaschen nähert man sich den europäischen Gepflogenheiten wieder an.

Nun bedarf es freilich eines hellsichtigen und tapferen Denkers wie Slavoj Zizek, um diese „außereuropäische Denkströmung“ von „der Charakterstudie bis zur Kulturgeschichte“ und besser noch bis zur sozialpsychologischen Studie zu anal-ysieren.

Quellen:
Handbuch Islam
Islam-Pedia
Enzyklopädie des Islam
Dundes, Alan: Sie mich auch! Das Hinter-Gründige in der deutschen Psyche.
Weber, Carl Julius: Demokritos oder die hinterlassenen Papiere eines lachenden Philosophen.

Huhn oder Ei

Islam und Islamismus zu verstehen, gehört zu unseren dringendsten Aufgaben. Dazu gehört es, auf relevante Stimmen zu hören. In der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ erschien ein Artikel über und ein Interview mit Abdelkader Sadouni, einflußreicher Imam in Nizza, der Stadt des Terrors. Beides kann sehr gut dazu dienen, der Aufgabe ein klein wenig besser gerecht zu werden. (leicht gekürzt)

NizzaDer Imam von Nizza: “Die laizistische Verfaßtheit Frankreichs ist für die Attentate verantwortlich.“  

Abdelkader Sadouni, sunnitischer Prediger im Stadtzentrum: “Die Attentate sind alleinige Schuld der Franzosen.“

© Luca Steinmann/Il Giornale – 19/07/2016

Die Avenue Jean-Mèdecin, die Magistrale Nizzas, die vom Bahnhof bis zur Promenade des Anglais reicht, ist stark bevölkert. Sie wird von handtuch- und sonnenschirmbewaffneten Touristen überquert, die zum Strand gehen. Viele Einwohner Nizzas nutzen sie, um auf der Suche nach Schnäppchen von Geschäft zu Geschäft zu bummeln.

Die Bars und Restaurants sind voll und nichts läßt ahnen, daß sich die Stadt in diesem Moment im Ausnahmezustand befindet. Vor der Basilika Notre Dame treffen sich verschiedene Touristen, die die gotische Fassade photographieren.

Hinter der Kirche, genau gegenüber, wurde inmitten des historischen Zentrums eine Moschee errichtet. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich das Viertel zu einem islamischen Stadtteil entwickelt. Die Straßen werden ununterbrochen von Männern mit langen Bärten überquert, die Sandalen tragen und lange weiße Tuniken. Alle Lebensmittelläden verkaufen Halal-Produkte, die alten Weinboutiquen wurden in Islamzentren oder koranische Bibliotheken verwandelt. An der Seite der Moschee ist der Fußweg mit Modepuppen zugestellt, die lange weite Gewänder, typisch für die islamische Welt, für Frauen und Männer zu Schau stellen. Dahinter erblickt man ein Geschäft, in dessen Schaufenster neben Kinderbüchern mit Titeln wie „Warum Allah gut ist“, verschiedene Koranausgaben ausliegen.

Dieses Geschäft gehört Abdelkader Sadouni, einem malakitischen sunnitischen Imam mit algerischen Wurzeln, der nun schon seit einigen Jahren das Gesetz Allahs in Frankreich predigt. Immer wieder treten verschiedene Gruppen von Gläubigen ein, um irgendein Produkt zu erwerben, streng islamisch, oder um Rat einzuholen. Es sind Tage, in denen die muslimische Gemeinschaft Nizzas unter großem Druck steht und viele fragen den Imam, wie sie sich verhalten sollen. Der antwortet, man solle sich ruhig verhalten und das Wort Mohammeds weiterhin verbreiten. „Wir tragen für das, was passiert ist, keine Verantwortung – schuldig sind andere“, sagt er.

Abdelkader Sadouni ist einer der am meisten gehörten Prediger Nizzas. Seine Popularität verdankt er seinen Predigten in der Moschee, seinem Geschäft im Zentrum des Viertels, aber auch einer privilegierten Beziehung zu Christian Estrosi, dem ehemaligen Bürgermeister und dem heutigen Regionalpräsidenten. In diesen Tagen wird Estrosi für seine zweideutigen Kontakte mit radikalen Muslimen angegriffen, für Sadouni sind das allerdings nur fruchtlose Polemiken.

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Nizza ist die Hauptstadt der europäischen foreign fighters. Mehr als 100 junge Männer der islamischen Kommune sind nach Syrien gereist. Sie sind einer der bedeutendsten Anlaufpunkte dieser Gemeinschaft. Wie erklären Sie das Phänomen?

In den letzten Jahren waren wir regelmäßig Zeuge der Ausreise nach Syrien vieler junger Muslime aus Nizza, die oft sogar Frauen und Kinder mitnehmen. In den meisten Fällen handelt es sich um Personen, die alle Annehmlichkeiten der französischen Staatsbürgerschaft genießen und trotzdem entscheiden sie sich, die Côte d’Azur zu verlassen, um an einem bewaffneten Konflikt teilzunehmen, und das Risiko einzugehen, das eigene Leben und das der Familien aufs Spiel zu setzen. Das beweist das Versagen der französischen Politik im Hinblick auf den Islam. Die Diskriminierung der französischen Muslime, die islamophoben Attacken und das Verbot, die religiösen Symbole öffentlich zu nutzen, sind die Motive, die jene Jugendlichen dazu treibt, sich nicht als Teil der Gemeinschaft zu empfinden und sich zu entscheiden, sich mit jenen zusammenzuschließen, die sie als Ihresgleichen wahrnehmen. Meiner Meinung nach ist die Situation der Muslime in Frankreich der ausschlaggebende Faktor, der diese Leute in den Kampf treibt. Solange es nur so wenige Moscheen gibt, solange deren Konstruktion Proteste erregt, solange Muslime diskriminiert werden, so lange wird es diese Reaktionen geben. Zwar sicherlich falsche Reaktionen, aber eben reale und in deren Anbetracht muß man jene Phänomene ausrotten, die diese hervorbringen.

Sie klagen also das französische System an, für die Explosion des bewaffneten Djihadismus verantwortlich zu sein? Meinen Sie nicht, daß es auch interne Verantwortlichkeiten der muslimischen Kommune gibt?

Das Problem der muslimischen Kommune ist, daß sie keinen Platz im Inneren der französischen Gesellschaft findet. Frankreich ist ein laizistisches Land, das sich der Förderung der Religion und ihrer Manifestationen widersetzt. Indem sie das tut, treibt sie den Islam in einen Winkel, die Muslime werden diskriminiert und attackiert, nur weil sie ihren eigenen Glauben leben wollen. Das Problem ist nicht die muslimische Gemeinschaft, sondern die mangelnde Bereitschaft, ihr mehr Raum zu geben.

Die Laizität ist allerdings das Fundament der französischen Republik und der Werte, die die Revolution und die Aufklärung bejaht haben …

Die Laizität wäre ein richtiges Prinzip, wenn sie die Freiheit des Kultes für alle garantierte. Das geschieht gerade nicht. Die heutige Laizität ist ein Extremismus, der dazu tendiert, alle Religionen auszumerzen. Die Christen haben sich daran gewöhnt, die Muslime machen das nicht, weil es eine Ungerechtigkeit wäre. Wenn die Laizität weiterhin so angewandt wird wie heute, wird der Wunsch, sich unter Muslimen, die nach Syrien gehen, zu vereinen, in vielen Jugendlichen sehr stark erhalten bleiben.

Sie verstehen also die Gründe derjenigen, die in den Djihad ziehen?

Ja, ich verstehe sie, aber ich rechtfertige sie nicht. ISIS repräsentiert eine starke und gewalttätige Identität, die deshalb viele junge Menschen anzieht. Menschen, die sich nicht als Teil Europas verstehen, sind weniger durch ihre eigenen Anfänge als durch die eigenen religiösen Wurzeln angezogen.

Sie sind ein sehr bekannter Imam in Nizza und Sie werden sicherlich von vielen jungen Leuten angesprochen, die Ihnen den Willen, zu ISIS zu gehen, deutlich machen. Was sagen Sie denen?

Ich sage, daß ISIS nicht der Islam ist und daß die Unterstützung, die sie ihm geben, nicht gerechtfertigt ist. Ich lade sie ein, mir in die Moschee zu folgen, wo sie die Botschaft des Propheten wirklich verstehen können und sich nicht in falsche Interpretationen des Korans verstricken, die sie oft im Internet aufschnappen.

Die Daten der Gendarmerie zeigen jedoch, daß fast die Gesamtheit derjenigen, die abgereist sind, sich in der Moschee radikalisiert haben, oft durch Predigten radikaler Imame. Wenn Sie ISIS bekämpfen wollen, müßten Sie doch versuchen zu verhindern, daß sich bestimmte Arten von Botschaften in den Kultorten übermittelt werden.

Ich stimme zu. Wir müssen verhindern, daß bestimmte falsche Interpretationen sich verbreiten. In Nizza gibt es viele verschiedene Gruppen von Muslimen, wie die Salafisten und die Muslimbrüder, zu denen ich nicht gehöre. Man muß darauf aufmerksam machen, denn die Gesetze des Islam finden in den Moscheen wie in der Gesellschaft Platz ohne den Terrorismus berühren zu müssen. Der erreicht nichts anderes, als die Attacken, die wir Muslime ohnehin schon erfahren, zu vermehren.

Sie sagen, daß nicht alle Muslime gleich sind und daß ISIS ein Feind ist. Denken Sie also, daß es notwendig sei, jene muslimischen Kräfte zu unterstützen – wie etwa das Syrien Assads – die gegen die Terroristen kämpfen?

Nein, das denke ich nicht. Ich denke, daß es hingegen notwendig ist, die Finanzen der Terroristen zu treffen. Mittlerweile wissen wir doch alle, daß Katar und Saudi-Arabien ISIS finanziert haben – man müßte verhindern, daß die Finanzierungen und Nachschübe die Krieger erreichen. Wie man auch die Finanzierung anderer terroristischer Gruppen abschneiden müßte, die den Terror im Nahen Osten im Kampf gegen ISIS verbreiten. Man müßte zum Beispiel versuchen zu verhindern, daß der Iran weiterhin die Hisbollah finanziert, die ihrerseits eine terroristische Vereinigung ist.

Sie verurteilen die Konstitution und die französischen Gesetze. Mit welchen anderen Gesetzen wollen sie das ersetzen? Mit denen des Korans?

Die Scharia ist Gottes Gesetz, nicht das Gesetz des Staates. Ich identifiziere mich mit der französischen Nation und ich möchte, daß diese Gesetze förderte, die es den Gläubigen gestatten, im öffentlichen und privaten Leben das göttliche Gesetz zu leben.

Quelle:
Il Giornale: L’imam di Nizza: „La laicità francese è responsabile per gli attentati“, 19.7.2016

 

Entwarnung: Moscheenzensus

Wieder so ein Qualitätsprodukt der Leitmedien. „Experten rechnen vor“ – wer die Experten sind, bleibt ungesagt.

Focus: Im vierstelligen Bereich: so viele Moscheen gibt es in Deutschland wirklich

Demnach „recherchiert“ die „Zeit“ und zählt alle Moscheen in Deutschland zusammen, denn bislang gibt es – das ist doch der eigentliche Skandal! – keine offizielle Bestandsaufnahme. Man kommt auf 2750. Ist das nun viel oder wenig? Wie kommt man auf diese Zahl, wenn es „keine offiziellen Auskünfte gibt“? Und was ist überhaupt eine Moschee? Ein Bau mit Kuppel und Minarett oder zählt jeder x-beliebige Gebetskeller im Hinterhaus dazu?

Der „Focus“ schießt den Vogel an Unwissenheit ab, indem er uns das sehenswerte Yenidze-Gebäude in Dresden präsentiert – das definitiv nie eine Moschee war, sondern eine Zigarettenfabrik.

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Schön, aber keine Moschee: Yenidze in DD

Überhaupt will man beim linkspopulistischen „Focus“ durch die Blume Entwarnung geben ohne freilich den Mut zu haben, wirklich zu bekennen. Das signalisiert der Eingangssatz: „In Deutschland gibt es schätzungsweise sechzehn Mal mehr christliche Kirchen als Moscheen.“ Also kein Grund zur Panik.

Doch ist die Zahl sinnlos, wenn man nicht die Dynamik betrachtet. Wie viele Moscheen gab es vor 50 Jahren? Wir wissen es nicht, doch dürfte die Zahl nicht im vierstelligen, sondern eher im zweistelligen Bereich gelegen haben. Und vor 40 Jahren, vor 30, vor 20, vor 10 Jahren? Man riskiert keine Lüge, wenn man von einem exponentiellen Wachstum ausgeht.

Merken wir uns den Faktor 16. Die nächste Zählung wird ihn nicht mehr bestätigen und in 10, 20, 30, 40 oder 50 Jahren wird er Makulatur sein.

Allein unsere Presse bleibt stoisch und lebt – im Hier und Jetzt.

Die Freude am Verschwinden

„Kunden und Kollegen müssen sich ans Kopftuch gewöhnen“, schreibt sichtlich begeistert Parvin Sadigh in der „Zeit“ und reitet damit ihr Lieblingspferd der letzten Jahre eine Runde weiter. Es geht um die Einschätzung der Generalanwältin des Europäischen Gerichtshofes, die einer klagenden Muslima Recht gibt, auch weiterhin als Vertreterin an Türen klingeln zu dürfen und dabei das Kopftuch zu tragen. So weit so gut.

Aber im Artikel fallen zwei Sätze, schön verpackt, die aufhorchen lassen. „Die gute Nachricht ist: Die langweilige Diskussion, ob Muslime in europäische Länder gehören, ist wirklich vorbei.“ Der Satz ist gleich mehrfach fraglich. Es gibt keine guten Nachrichten an sich – außer vielleicht die „Gute Nachricht“ –, sondern nur in Abhängigkeit vom Empfänger. Gute Nachricht für wen? Langweilig ist die Diskussion zudem wohl nur für diejenigen, die sie nicht mehr führen wollen, für die die Frage schon längst entschieden ist. Fait accompli. Und drittens gibt es diese Diskussion doch gar nicht, wird sie hier verrührt mit der hochaktuellen und hoch brisanten Frage: Gehört der Islam zu Europa/Deutschland? Mit ein paar linguistischen Tricks soll Normalität fingiert werden.

Wirklich brenzlig wird es dann zwei Zeilen weiter: „Wie sehr Muslime schon mitten unter uns sind, zeigt sich schon allein daran, dass wir nicht mehr nur über ihre Rechte reden, sondern dass sie selbst ihre Rechte einfordern.“

Sadigh – das bedeutet übrigens „Freund“ – beschreibt eine kaum mehr zu bezweifelnde Tatsache, insofern spricht sie die Wahrheit. Aber Kontext und Ton weisen auf eine präskriptive Intention hin: Wir haben das demnach zu bejahen. Daß sie in diesem einen Satz, den man durch ein einziges Wort ersetzen kann, eine fundamentale Umwälzung der Gesellschaft einfordert, kann man nur zwischen den Zeilen lesen. Das Wort heißt: Islamisierung.

Vermutlich kennt Sadigh den südafrikanischen Autor Peter Hammond nicht und er gehört auch nicht zu den allseits zu vertrauenden Quellen – zu sehr bestimmen Abneigung gegen den Islam und Missionswille seine Arbeit. Aber er hat eine interessante Nomenklatur der Islamisierung aufgestellt, die, bei aller Holzschnittartigkeit, zu falsifizieren wäre.

Demnach korreliert der Grad der normativen Islamisierung einer Gesellschaft mit dem Bevölkerungsanteil, ganz gleich, welcher konkreten islamischen Ausrichtung. Er ist friedlich und submissiv, solange der muslimische Bevölkerungsanteil unter 2% der Gesamtbevölkerung liegt. Werden es bis 5%, beginnt die systematische Missionsarbeit, nicht zuletzt in Gefängnissen, Vorstädten, bei Immigranten. Die nächste Stufe sei dann die direkte Einflußnahme auf mikropolitische Prozesse und die durch die „Religionsfreiheit“ abgedeckte Einforderung eigener Rechte, wie etwa das Tragen der Verschleierung, der Bau von Moscheen oder die Versorgung mit Halal-Produkten. Diese Interessen werden sowohl juristisch als auch mehr oder weniger offen durch Gewaltandrohung durchgesetzt. In der Heimgesellschaft finden sich zusehends Interessenvertreter in Medien und Verbänden, eine Islam-Lobby, die diese Forderungen unter freiheitlich-demokratischem Mantel und edlen Motiven zu den ihrigen machen. Sadighs Artikel dürfte dazu ebenso zählen wie der Beschluß des Europäischen Gerichtshofes.

Es folgen Forderungen nach Selbstregulierungen, Scharia-Zonen, geschlossene Moscheen etc.; man verbittet sich die Einmischung staatlicher Stellen – wie wir es aus bestimmten Stadtteilen in Deutschland bereits kennen. Ab 10% wird Gewalt zunehmend normal, oft „getarnt“ als „soziale Gewalt“, wie man sie in Paris in den Banlieues, oder als Empörungsgewalt, in vielen Städten Europas im Zuge der Mohammed-Karikaturen beobachten konnte. Dort wurden offen und polizeibeschützt Plakate getragen mit der Aufschrift: „Behead those who insult Islam“, „Britain go to hell“, „Islam will dominate the world“ oder „Muslims rise up! Establish the Sharia“. Die Lage wird zusehends volatil, jederzeit kann das beliebige Tun eines „Anti-Islamisten“ zu Eruptionen eines „beleidigten“ Mobs führen. Die Zivilgesellschaft erstarrt dann in der Regel in Furcht, reagiert mit Vorabentschuldigungen, beschneidet „freiwillig“ die Presse- und Meinungsfreiheit und versucht immer wieder „Verständnis für die Belange der Muslime“ aufzubringen. Ab 20% nehmen Terror und militärische Konflikte zu, Kirchen und Synagogen werden in Brand gesetzt, wie man das in Zentralafrika beobachten kann. Es folgen sukzessive, nach Hammond, Scharia, Bürgerkrieg, ethnische Säuberungen, Genozid, Terror, kurz: die Verfolgung Andersgläubiger, wie man sie im Iran, in Pakistan und zunehmend in der Türkei studieren kann.

Dann allerdings, bei Komplettislamisierung, so beschreibt es Hammond, könnte der Islam tatsächlich die Religion des Friedens sein: wenn alle Muslims sind und alle das gleiche wollen. Und da das nie der Fall ist, wird man sich an gemäßigteren Muslimen gütig tun oder über die Landesgrenzen schauen, denn das Ziel sei der weltumspannende Islam.

Davon ahnt die klagende Kopftuchträgerin nichts und auch Parvin Sadigh würde das als islamophob bezeichnen. Und sie hat recht: Es gibt Gründe, vor dem Islam Angst zu haben!

Die Angst vor dem Brexit

Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.  Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?  Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?  Du Heuchler, zieh am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst! (Matthäus 7.1ff.)

Nun ist es also so weit: die Briten stimmen über den Brexit ab. Doch der wird nicht kommen – so lautet meine Prognose. Und der wesentliche Grund ist die Angst!

Geht es gegen „rechts“, dann wird die Angstkeule wild geschwungen. Von AfD bis Trump von FPÖ bis Neue Rechte …, alle schürten nur Angst, quirlten demagogische Horrorszenarien und schöpften den Schaum  genüßlich ab.

Dabei gibt es seit Monaten keine größere Angstmaschine als die Berichterstattung über den möglichen Brexit, auf der Insel und in Europa. Politiker und Medien sind sich einig: das Wirtschaftsgefüge könnte kollabieren, die Märkte zusammenbrechen, Arbeitsplätze millionenfach verloren gehen, die Immobilien ihren Wert verlieren, der Euro ins Unermeßliche absacken, andere Länder könnten folgen … Krieg und sogar der Ökokollaps stünden möglicherweise bevor, wenn die Briten für den Ausstieg votierten. Und sollten sie es tun, dann wird man ihnen schön in die Suppe spucken und den Ausstieg so unangenehm wie möglich machen, dann wird die EU sie richtig bestrafen – so viel zur Völkerfreundschaft, so viel zum Europa-Gedanke.

Da kann einem schon mulmig werden. Angst, Angst, Angst. Angst führt auch zu Panikreaktionen.

Und so wird es wohl kommen – das Schottlandreferendum, die Österreich-Wahl, die Regionalwahlen in Frankreich dienen als Blaupause –: am Ende wird die Angst siegen, die Angst vor den an die Medienwände gemalten Menetekeln, die Angst vor dem Ungewissen, vor dem Neuen.

Paradox: Weil die Menschen konservativ sind, werden sie links wählen.

Zumindest knapp zur Hälfte – und das ist das eigentliche Drama: Auch Großbritannien wird mittendurch gespalten sein. Und die Eurokratie wird zur Tagesordnung übergehen, auf daß die Fallhöhe zunehme.

 

Angst vorm Minarettchen

Mit diesen schnippischen Worten betitelt AfD-Versteher Lenz Jacobsen von der „Zeit“ seinen Versuch, die Ängste der Erfurter und Thüringer vor einem Zehnmeterturm  muslimischer Bauart zu ridikülisieren. Bauen will die Ahmadiyya-Gemeinde, vertreten durch Sulaiman Malik, eben jenem Missionar, mit dem ich im November in Weimar diskutierte. Die Frage „Was wollen die Ahmadiyya?“ wurde seither in mehreren Anläufen auf dieser Seite besprochen. Daß es intrinsische Gründe für Einspruch geben kann, sollte daraus deutlich geworden sein. Daß die Ahmadiyya andererseits eine der wünschenswerteren Formen des Islams vertreten – wenn es denn schon sein muß – ebenfalls.

Wir kennen die Argumente der AfD, wir sehen das Ringen und den vielfältigen Umgang von Höcke bis Meuthen, von Weidel bis Petry, und jeder kann sich dazu verhalten, wie ihm es für richtig erscheint. Ein Argument ist in der ganzen Diskussion freilich überhaupt noch nicht erörtert worden: die Frage der Sicherheit!

Wiederholen wir und schauen wir in die Geschichte. Der wesentliche Unterschied der Ahmadiyya zu sunnitischen und schiitischen Auffassungen ist die Annahme eines Mahdi. Es gibt im Islam sieben anerkannte Hauptpropheten („Rasul“; insgesamt gibt es 25): Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus, Mohammed und den Mahdi. Die ersten fünf sind biblischen Herkommens, also eine ausbaufähige Gemeinsamkeit mit der christlich geprägten Kultur, Mohammed ist der Prophet des Islam und zugleich das „Siegel der Propheten“, also der letzte – in der gegenwärtigen Zeit. Der Mahdi hingegen – es gibt hier ganz unterschiedliche Interpretationen, man muß abstrahieren – ist der Endzeitprophet, den vor allem die Schiiten sehnsüchtig erwarten, der allerdings auch von den meisten Sunniten anerkannt wird. Ähnlich dem Christentum, gibt es also ein Parusie-Problem. Wer ist der Erlöser? Wann kommt er?

Die Geschichte kennt im islamischen Kontext viele verschiedene Versuche, einen Erlöser zu installieren. Es ist aufschlußreich, sich die theologisch drei bedeutendsten anzuschauen.

Zwar sind die Jesiden im engsten Sinne keine Muslime – ihre Religion speist sich aus zoroastrischen, paganen, islamischen, nestorianischen und anderen Quellen – aber ihr Gründer, Scheich Adi, führt sich auf den omayyadischen Kalifen Marwan I. zurück. Die streng abgeschlossenen Jesiden – man kann nicht konvertieren und auch Heirat ist nur innerhalb der Gemeinde möglich – waren seit je ein Haßobjekt für Muslime. Aus zwei Gründen: die Religion kennt kein Heiliges Buch und der Koran unterscheidet streng zwischen Buchreligionen und Heiden, und sie haben mit Scheich Adi einen Mahdi-ähnlichen neuen Prophet. Daher werden gerade, schariakonform, männliche Jesiden vom IS in der Regel ermordet, weibliche als Sexsklaven mißbraucht.

Die Bahai anerkennen alle Heiligen Bücher und versuchen, vergleichbar den Ahmadiyya, eine ausgleichende, friedliche Interpretation. Früher sah man sie im Westen als „Sekte der Mohammedaner“ (Helfritz).  Ihr Gründer Mirza Ali Muhammed verstand sich ebenfalls als Empfänger göttlicher Offenbarungen und als Mahdi. Diese Gotteslästerung löste empörte und gewaltsame Ausbrüche der schiitischen Bevölkerung aus – der Bab wurde 1850 hingerichtet. Seither sind die Bahai in weiten Teilen der östlichen Welt – Iran, Indien, Pakistan – Verfolgung und Bedrohung ausgesetzt, viele wurden ermordet.

Das dritte historische Beispiel sind die Ahmadiyya selbst. Auch hier hat die Proklamierung eines Mahdi zu Gewalt, Unterdrückung und Totschlag geführt, vor allem in Pakistan, wo 97% der Bevölkerung Muslime sind.

Man sollte zur Kenntnis nehmen: der Mahdi-Gedanke löst bei den meisten Muslimen sofort Skepsis und starke Aversionen aus. Einige von ihnen werden bereit sein, Vertreter dieses Konzeptes auch zu bekämpfen. Noch sind die Ahmadiyya mit ca. 15 Mio Gläubigen in der Welt und 40 000 Bekennenden in Deutschland eine verschwindende Minderheit (unter 1%). Aber sie sind bei exponentiellem Wachstum nicht nur die am schnellsten wachsende Gemeinde, sondern sie praktizieren auch eine sehr intensive Missionsarbeit weltweit und sie erheben den Anspruch, den einzig wahren Islam zu lehren, der sie in historisch absehbarer Zeit zur einzigen und letzten Religion auf dem gesamten Erdball werden läßt (kolportiert werden 300 Jahre, von denen die ersten 120 vorbei sind). Ihr globaler Versuch der Missionierung ist augenfällig, die Osterweiterung in Deutschland folgt einem konzisen Plan, die gebetsmühlenartigen Formulierungen ihrer Vertreter weißen auf eine zentralistische Organisation hin, die Anweisungen von oben nach unten durchsetzt.

Die Hypothese: Sobald sie eine kritische Masse erreicht haben werden, sobald der Mainstream-Islam auf sie aufmerksam geworden ist, sobald er sich bedroht fühlt und sie ernst nimmt, werden sich radikale Kräfte finden, Personen und Einrichtungen physisch zu bekämpfen. Wer, bei aller Friedfertigkeit der Ahmadiyya, eine Verbreitung der Religion unterstützt, könnte innerislamische Machtkämpfe provozieren helfen – von den antiislamischen Impulsen in Teilen der deutschen Bevölkerung ganz zu schweigen.

Auch wenn die Einwohner von Erfurt-Marbach diese mögliche Gefahr noch gar nicht zu sehen scheinen, so zeigen sie doch einen gesunden Skeptizismus und Egoismus, den man nicht lächerlich machen, den man stattdessen ernst nehmen sollte.

Selbstanalyse

Das ist der 200. Artikel auf diesem Blog.

Eigentlich wollte ich in aller Ruhe und in aller Ausführlichkeit ein Buch über den außergewöhnlichen und seltsamen Denker, Heilpraktiker, Homöopathen, ZoologenEsoteriker, Lyriker und Sonderling Herbert Fritsche schreiben. Doch schon im Sommer letzten Jahres ging mir die Konzentration mehr und mehr verloren, zogen die Ereignisse an den Grenzen und auf den Landstraßen Europas, bald darauf auch die chaotischen Zustände in Deutschland alle Aufmerksamkeit auf sich. Schnell war klar: es geht um unser aller Zukunft, es geht um Sein oder Nichtsein. Fritsche, der im seligen Jahre 1961 verstorben war und auf einem ganz anderen Planeten lebte, konnte darauf keine Antwort geben: Demographie, Demokratie, Islam, Integration.

Mit jedem Tag stieg die Spannung. Freund- und Bekanntschaften wurden plötzlich brüchig, der Eindruck, von den meisten Medien manipuliert zu werden, war nicht mehr wegzudiskutieren, das Land begann sich in zwei unversöhnliche Parteien zu spalten, der Dialog zwischen den Positionen mißlang immer öfter. Mir wurde schwer ums Herz, diese seltsame Zukunftsangst kroch hoch, irgend etwas mußte geschehen, den Druck abzulassen, die Sorgen umzuleiten.

Zuerst warf ich mich in die Flüchtlingsarbeit. Ich wollte diese Menschen kennen lernen und ich wollte zumindest denjenigen helfen, die mit größter Wahrscheinlichkeit im Lande bleiben würden, denn wenn diese Personen in die Anonymität absinken würden, in die Parallelgesellschaften, in die Sozialsysteme oder gar in den Untergrund, so dachte ich, dann werden die an sich schon unlösbaren Probleme noch größer. Zuerst waren es Eritreer und Somalier, dann kamen die Syrer hinzu. Mit ihnen konnte ich die Krise auch als persönliche Chance begreifen, denn um den Islam verstehen zu können – das wurde schnell deutlich – wird man wenigstens Grundkenntnisse des Arabischen benötigen und die Syrer, durchschnittlich besser gebildet als sie anderen, eröffneten die Möglichkeit des gegenseitigen Lernens.

Aber je mehr ich von, mit und über die Zugewanderten lernte, umso differenzierter konnte ich die Lage einschätzen, umso mehr Druck zur Entäußerung entstand. So wurde in einer Spontanaktion der Blog gegründet, innerhalb weniger Tage standen mehr als 20 Artikel und noch heute stehen viele in der Warteschleife. Schnell hatte sich eine kleine und, wie ich mit großer Freude feststelle, auch exklusive Leserschaft gebildet. Einige Leser mochten die vielseitige und multiperspektivische Darstellung der Probleme offensichtlich. Ein Artikel, der sich mit dem medialen Mißbrauch in Hinsicht auf die AfD beschäftigte, explodierte mir plötzlich unter der Hand und zog tausende Leser aus aller Welt an und wird selbst heute noch häufig gefunden. Einige dieser Leser sind dem Blog treu geblieben und manchmal kann ich erahnen, wer sie sind und was sie denken.

Und das schafft einen eigenartigen Effekt! Die Vorstellung einer bestimmten Klientel verändert die Art des Schreibens: Kann ich das so sagen? Wird X oder Y dadurch abgeschreckt, provoziert, beleidigt? Wie könnte Z darauf reagieren? …

Auch die Menge der Leser geht nicht unbemerkt an einem vorbei. Selten stimmen die Zugriffszahlen mit der Bedeutung der Texte überein. Grundsätzlichere Beiträge wie „Eritrea unplugged“, „Das Habermas ist voll„, „Mit dem Hammer“, „Warum Köln uns trifft“, „Das Christopherus-Syndrom“, „Clash of civilizations“, „Katastrophendidaktik“, „Die satanischen Verse“, „Die Sloterdijk-Debatte“, „Die Lessing-Legende“, der „Haßprediger“, die Ahmadiyya-Trilogie und einige andere finden oft weniger Leser als Gelegenheitsartikel mit provokanter Überschrift. Es entsteht also eine innere Versuchung, den jeweiligen Titel lärmender, skandalisierender zu gestalten. „AfD“ zieht, „Faschismus“ und „Hitler“ ziehen, „PEGIDA“ zieht … Ein politisch nicht korrektes Wort, eine steile These, ein rotes Tuch voranzuhängen, die Sprache aggressiver zu wählen, deutlicher zu werden, die Offenheit in verschiedene Richtungen aufzugeben, gerade jetzt, wo die nachlassende innere Spannung im Lande auch zu einem Zugriffsrückgang führt … diese Versuchung ist da und es ist davon auszugehen, daß alle Schreibenden, auch die Pressevertreter, dieser Versuchung ausgesetzt sind.

Eine gefährliche Logik – Vorsicht ist geboten –; eine wichtige Erfahrung, die es mir gestattet, auch andere besser zu verstehen.

Friede und Islam in Sachsen?

Die Ahmadiyya Teil II

Die Ahmadiyya sind in der Stadt. Die friedlichen Muslime, wie sie sich nennen. Seit einigen Monaten touren sie durch den noch islamisch-jungfräulichen Osten, verteilen Bücher und Broschüren, diskutieren, stellen ihren Islam vor, brechen eine Lanze für den „wahren, den friedlichen Glauben“.

Nicht alle nehmen ihnen das ab. Mancher spricht von Scheinheiligkeit, von „Wölfen in Schafspelzen“, von besonders gefährlichen Verführern. Als ich den großen Saal eine halbe Stunde vor Beginn des avisierten Vortrages betrete, sind die besten Plätze schon vergeben, bekannte Gesichter darunter, verschränkte Arme vor ausladenden Bäuchen, lange, skeptische, mürrische Gesichter.

Am Stand komme ich mit einem jungen Ahmadiyya-Muslim ins Gespräch. Vor wenigen Tagen hatte ich „Die Philosophie der Lehren des Islam“ des Ordensgründers Mizra Ghulam Ahmad gelesen – wir kommen schnell ins Fachsimpeln. Etwa über den Djihad, den die Ahmadiyya als Djihad der intellektuellen Argumentation verstehen wollen, oder über die Machtfrage: Friedlich sein ist einfach, solange man eine Minderheit ist – oder gibt es ein Beispiel dafür, daß just die Ahmadiyya auch dann tolerant blieben, wenn sie de facto an der Macht wären? Da fällt meinem Gegenüber ein Dorf in Pakistan ein, in welches sich die Gläubigen zurückgezogen hätten und friedlich mit Christen zusammen lebten. Ich warne ihn noch: das wird kein leichter Auftritt.

Dann beginnt der Abend. Es werden Koranverse rezitiert – in hartem, abgehacktem Arabisch, einer Fremdsprache für den Vortragenden. Der Imam Said A. Arif betritt die Bühne – es ist der junge Mann vom Stand. Der Vortrag lautet: „Der Islam – eine Bedrohung oder eine Quelle für den Frieden?“ Mich enttäuscht, daß der Imam keine eigenen Gedanken vorträgt, sondern eine Rede des fünften Kalifen. Darin wird auch das Beispiel mit dem pakistanischen Dorf erwähnt. Spätestens jetzt wird deutlich: Man denkt hier nicht selbst, man hält sich an feste Vorgaben, man hat seine Sätze auswendig gelernt – sie mögen noch so friedlich sein. Habe ich also mit einem Menschen oder mit einer Maske, mit einer Funktion gesprochen?

Dann gibt es eine Diskussion. Ich kenne meine Pappenheimer – plötzlich sind alle Koranexperten. Suren fliegen hin und her: „ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet“ – die Antwort ist immer die gleiche: Kontext beachten. Fast schon routiniert geht der Imam mit diesen altbekannten Vorwürfen um. Schnell ist auf dem Tablet ein anderer Vortrag angeklickt, der eine Reihe friedliebender Verse bringt. Wieder wird nur repetiert und nicht selber gedacht. Aber die alten Herren geben nicht nach: Christenverfolgung, Erdogans Aufforderung zur Assimilierungsverweigerung, der ISIS …, für alles soll sich der Ahmadiyya verantworten. Islam ist Islam ist Islam! Du Muslim? Du verantwortlich!

Noch einer der Aktivisten im Ort meldet sich zu Wort. Was ist denn ein Ungläubiger? Muß man nicht Angst haben vor dem Islam? Und wie will die kleine Gemeinde die große Mehrheit überzeugen? Ungläubigkeit definiert der Imam als Relativ, im Verhältnis zu …: Jesus, Mohammed, Ahmad. Ändert das was? Vor ihrem, dem eigentlichen Islam, müsse man keine Angst haben. Ihre Moscheen stünden jedem allzeit offen. Und die Ahmadiyya seien zwar noch klein, aber schnell wachsend und bald könnten sie eine ernsthafte Größe werden. Niemanden beruhigt das hier. Ich fürchte, so einfach wird das nicht, denn sobald der Mainstream-Islam auf sie aufmerksam werden und sie ernst nehmen würde, dürften sie ein dankbares Freiwild abgeben (was sie in Pakistan oft schon sind). …

Im Nachgang schreibe ich dem Imam eine Mail, frage ihn nach dem Ahmadiyya-Schisma, stelle ihm vor allem die Frage: „Warum sollten sich Menschen im Westen überhaupt mit dem Islam beschäftigen?“ – Die Antwort, alles sehr freundlich, stilvoll und korrekt: „Wir sind der Überzeugung, daß der Sinn und Zweck für die Erschaffung des Menschen es ist, seinen Schöpfer zu erkennen, ihn zu erfahren und eine lebendige Beziehung mit ihm zu haben. Durch das Bewußtsein und die eigne Erfahrung, daß ein Gott existiert, können wir es schaffen, daß Habsucht, Herrschsucht und Machtsucht überwunden werden können. Denn wenn man den Schöpfer erkannt hat, dann würde man aus der Liebe zum Schöpfer heraus die Rechte der Schöpfung erfüllen und achten.“

Ich bin anderer Überzeugung und glaube auch nicht, daß die Gotteserfahrung jemals „Habsucht, Herrschsucht und Machtsucht“ – von einzelnen Individuen abgesehen – überwunden hat.

Trotzdem: War gut mit Ihnen gesprochen zu haben.

Lesen Sie dazu auch:

Die Philosophie der Lehren des Islam

Was wollen die Ahmadiyya?

Der friedliche Islam


Auf „Politically Incorrect“ wird zeitgleich eine Parallelveranstaltung beschrieben: Ahmadiyya – Propaganda in Augsburg

Die Brakteaten- Presse

Es lohnt sich, eine gefundene Münze umzudrehen, beide Seiten einer Medaille anzuschauen.

In den Fundstücken VIII hatte ich einen FAZ-Artikel verlinkt, der über Schnellroda berichtet, wo Götz Kubitschek und Ellen Kositza leben und arbeiten. Beide haben in den letzten Monaten als „Vordenker der Neuen Rechten“ Karriere gemacht. Immer wieder wird versucht, sie in die Primitivnaziecke zu schieben, dabei genügte es, ein einziges Buch aus dem Antaios-Verlag zu lesen, um zu begreifen, daß hier ernsthaft gedacht und seriös gearbeitet wird. Man muß die Meinungen nicht teilen, aber man sollte sie dann diskutieren und nicht diffamieren.

Dies, Diffamierung, schien der FAZ-Artikel leisten zu wollen, weshalb ich ihn als selbstentlarvend empfahl.

Nun hat Kubitschek auf „Sezession“ reagiert und seine Version der Ereignisse abgegeben. Mehr Kontrast geht nicht. Deshalb meine Empfehlung: beide Artikel vergleichend lesen, eigenes Urteil bilden, weiterfragen:

FAZ: Die rechten Fäden in der Hand

Sezession: Die FAZ über Kositza und Kubitschek

AfD – halbfaschistischer Sumpf!

Man gibt sich gern erstaunt in unseren großen Blättern, wenn der Vorwurf der Manipulation oder Lüge kommt – vor allem, wenn es um die AfD geht. Dabei sind die propagandistischen Mechanismen – diesen Begriff wähle ich ganz bewußt und um seine historische Bedeutung wohl wissend! – mittlerweile so eingeschliffen und eingeübt, daß sie tatsächlich kaum noch auffallen, daß man sich mittlerweile daran gewöhnt hat … was sie umso schlimmer macht! Durch permanente Wiederholung bestimmter Adjektive, also Zuschreibungen, soll eine Gewöhnung, eine feste Verknüpfung hergestellt werden, eine Art Pawlowscher Reflex: Hört man AfD, dann soll sofort assoziiert werden … Hier die Ausbeute eines beliebigen Tages (17.3.2016) bei FAZ, Süddeutsche, Spiegel, FR: fremdenfeindlich, Angstschürer, Rechtspopulisten, Rassismus und als neueste Steigerung hin zur Totalstigmatisierung: halbfaschistischer Sumpf.

afd agitprop
1. Daß diese Methode längst greift, zeigt das mangelnde Bedürfnis überhaupt noch argumentativ beweisen zu müssen, ob Skepsis vor dem Fremden, Angst und Sorge, Populismus etc. tatsächlich per se Negativismen sind und wenn ja, weshalb. Diese Begriffe, auch der Rassismus und Faschismus, sind reine, sprich inhaltsleere oder jederzeit auffüllbare, Sprachspielmarken und Diffamierungen geworden.

2. Die Zuschreibung dieser Attribute wird ebenfalls nicht mit der Realität abgeglichen, und falls doch, so verweist man auf Einzelbeispiele, nicht auf Programmatisches.

3. Was man der AfD propagandistisch unterstellt – es mag argumentativ ja tatsächlich nachweisbar sein, nur sollte man die Argumentation inklusive Widerrede dann wagen – wird selbst praktiziert, denn was sonst, wenn nicht entfremdend (spaltend), Angst schürend, populistisch und diskriminierend sind diese skandalisierenden Überschriften und Texte?

4. Bewußt wird die Zirkularität gesucht, um die Beschimpfungen gegen Widerrede zu imprägnieren. Paradogmatisches Beispiel liefert der „Spiegel“, der einen Interviewpartner, nachdem dieser alle Brücken abgebrochen hat („halbfaschistisch“), ausposaunen läßt: „Das ist eine alte Taktik der Rechten: Diskurse so lange zu vergiften, bis es einen vernunftgeleiteten Gedanken darin nicht mehr geben kann.“

5. Böse Erinnerungen steigen auf: „Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge so lange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates.“

Was geschieht eigentlich mit Menschen, die sich permanent derartigen Ausgrenzungen und Unterstellungen ausgesetzt sehen? Wie will man den inneren Frieden bewahren, wenn man bewußt Ausgrenzung und Radikalisierung betreibt?

Wo, bitteschön, ist die gegenteilige, ausgleichende Stimme zum „Halbfaschismus“ im „Spiegel“, die die alternative Sicht repräsentiert – ohne danach massiv angefeindet zu werden (siehe Sloterdijk-Debatte)?

Unser Land erleidet gerade einen fatalen Rechtsruck – er kommt von Links!

Quellen:
FAZ: Das fremdenfeindliche Städtchen
SZ: AfD-Abgeordnete – Angstmacher, Biedermänner, Ex-Kommunisten
Spiegel: Beruf Geheimdienstoffizier, Hobby AfD
FR: Rassismus statt Repolitisierung
Spiegel: Diskurs über die AfD: „Halbfaschistischer Sumpf“

Abrüstung: Haß und Hetze

… sind zwei Begriffe, die eine enorme Karriere gemacht haben, seit Menschen aus dem Süden in Massen Einlaß in unser Land begehren.

Da gibt es ein paar hundert oder tausend, die wohl tatsächlich aus Ohnmacht, Wut und Haß oder auch einfach aus Dummheit und Langeweile und ideologischer Indoktrination, vermutlich aus einem Gemisch aus allem, Brandsätze werfen, Menschen attackieren, Politiker beschimpfen. Spiegelbildlich entsprechen diesen Menschen selbsternannte Antifaschisten – man kann sie selbst äußerlich kaum noch unterscheiden.

Dann gibt es ein paar hundert, die bauen vor lauter Haß Bomben und horten Waffen, um – wie in Paris – Terror zu verbreiten. Auch hier dürfte der Haß auf das andere eine wesentliche Rolle spielen.

Mit diesen Extremen hat man zu rechnen. Es gibt sie immer und in jeder Gesellschaft – in Zeiten der Unsicherheit und der zunehmenden Distanz zwischen einfachen Menschen und politisch-ökonomischer Klasse vermehrt und statistisch zwangsläufig. Eine funktionierende Gesellschaft kann diese Gruppen verkraften, so lästig sie sein mögen.

Wirklich bedenklich und zersetzend ist der „Haß“ im öffentlichen Diskurs. Wann immer man den politischen Opponenten treffen will, selbst wenn er demokratisch legitimiert ist, scheint das Wort „Haß“ wie das Wort „Hetze“ gesellschaftsfähig geworden zu sein. „Die Zeit“, „Die Süddeutsche“, „Der Spiegel“, „Die Welt“, die „FAZ“ … alle lieben den „Haß“ – wie eine Guillotine rauscht dieser messerscharfe Terminus auf die ungeliebten Köpfe herunter. Le Pen haßt und wird gehaßt, AfD das gleiche, Haß im Osten und bei Pegida, gegen Muslime und von Muslimen, Haßbotschaften bei Maas und Facebook, Fremdenhaßer, Islamhaßer, Volksverhetzer allerorten, selbst Eurokritiker sind nur noch Eurohasser … Heribert Prantl von der SZ brachte es sogar fertig, in einem Zweiminutenstatement über Pegida, das wie eine H-Parodie wirkt, mit rollendem „R“ und stechendem Auge, fünf Mal das Wort „Volksverhetzung“, vier Mal „Haß“ und selbst die Mafia als Vergleichsgröße unterzubringen – was alles zusammen fast schon den Tatbestand der „Volksverhetzung“ erfüllt, auf jeden Fall aber von einem tiefsitzenden Haß zeugt. So wird systematisch herbeigeredet, was man zu kritisieren vorgibt.

Dabei wäre es so einfach. Unsere schöne deutsche Sprache kennt viele wunderbar differenzierende Wörter, die eine Abneigung, Differenz oder Dissens o.ä. ausdrücken können, ohne gleich so häßlich und hetzlich zu sein. Hier ad hoc eine kleine Auswahl, gern auch in der verbalen und adjektivischen Form, für copy and paste:

Abgeneigtheit, Ablehnung, Abneigung, Abscheu, Aburteilen, Abwerten, Acht, Ächtung, Affekt, Anfall, Anfechten, Angreifen, Animosität, Antipathie, Anwandlung, Ärger, Aufgebrachtheit, Aufgeregtheit, Aufregung, Aufruhr, Aversion, Bann, Barschheit, Beanstanden, Bedenken, Beflecken, Begeifern, Beleidigen, Bemäkeln, Beschmutzen, Beschuldigen, Besudeln, Bissigkeit, Böswilligkeit, Brandmarken, Brüskieren, Demütigen, Desavouieren, Disharmonie, Diskriminieren, Durchhecheln, Fluch, Ekel, Entadeln, Entehren, Entladung, Erbitterung, Ergriffenheit, Ermahnung, Emotion, Empörung, Erregung, Erregtheit, Erschütterung, Erzürnen, Exaltation, Feindschaft, Gefühlsausbruch, Gefühlsbewegung, Gehäßigkeit, Geifern, Geißeln, Gemütsbewegung, Gereiztheit, Geringschätzung, Gräuel, Grimm, Groll, Herabsetzen, Heruntermachen, Herzklopfen, Impuls, Ingrimm, Koller, Kompromittieren, Kritisieren, Lästern, Laune, Leidenschaft, Mißbilligung, Mißfallen, Mißmut, an den Pranger stellen, Rappel, Ressentiment, Richten, Rügen, Schänden, Schärfe, Schelte, Schimpfen, Schmähen, in den Schmutz ziehen, Spannung, Sträuben, Streit, Streitsucht, Tadel, Überdruß, Übellaunigkeit, Übelwollen, Unbehagen, Unmut, Unlust, Unruhe, Unversöhnlichkeit, Unzufriedenheit, Verachtung, Verärgerung, Verbannen, Verbitterung, Verdammen, Verdrießlichkeit, Verdruß, Verfluchen, Verleumden, Vermaledeien, Verstoßen, Verteufeln, Verunglimpfen, Verurteilen, Verweisen, Verwünschen, Widerstreben, Widerwille, Wut, Wutanfall, Zaudern, Zorn, Zurechtweisung, Zweifel, Zwiespalt …

Bitte um weitere Begriffe!

Huff and Puff

„Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7.3)

Manche Presserzeugnisse sind einfach zu einfach. Die Huffington-Post, die eigentlich niemand braucht, stellt eine Mischung aus dem Focus-Video-Dienst und der Bild-Zeitung dar. Ein Großteil der Focus-Redaktion (man arbeitet mit HP zusammen) scheint dieser Tage damit ausgelastet, Youtube nach sogenannten viralen Hits abzuscannen – vom fußschweißallergischen Katzenbaby und zwei Hunden, die was mit einem Meerschweinchen machen, über das Neueste aus dem Hause Pep und Bayern bis zum täglichen Putin-Bashing und die „Huff“ – wie sie liebevoll genannt wird – hängt sich im Simpelduktus willig ran, an diese neue Form der Information. Inhalt ist nicht mehr. Verdutzt und mit mahnendem Finger notiert man den allgemeinen und demokratiegefährdenden Vertrauensverlust bei den Lesern.

In diesem Waberberg stellen tapfere Positionierungen gegen Putin, Pegida und „Populisten“ so etwas wie ein Rückgrat dar. Kein Tag ohne Verunglimpfung – in diesen Medien hat sich das Wort „Haß“ eingebürgert, freilich nur in eine Richtung anwendbar.

-Leipziger wollen keine Wohnung an Petry vermieten-

Nun also mal wieder die AfD im Allgemeinen, Frauke Petry im Besonderen. Sie findet nämlich keine Wohnung in Leipzig. Sobald sie ihren Namen nennt, will sie keiner mehr. Und zurecht, meint Susanne Klaiber von der Huff, denn sie sei „selber schuld“, „daß es Menschen gibt, die nichts mit einer Vertreterin so einer Partei zu tun haben wollen.“ (Man stelle sich vor, Claudia Roth widerführe derartiges.) Die Wahrheit dürfte eine andere sein: Die Vermieter haben Angst! Denn Frau Petry lebt gefährlich. Wo sie einzieht, dort könnte es ungemütlich werden, insbesondere in Leipzig, wo die sogenannten Antifaschisten vor Gewalt bis zum bitteren Ende nicht zurückschrecken. Auch die 30 Angriffe auf AfD-Büros allein in Sachsen, die Anschläge auf Petrys Firma, die vielen unangenehmen Mails … sprechen eine deutliche Sprache.

Genüßlich weidet sich Frau Klaiber an diesem Zerfall des Rechtsstaates – es trifft ja die Richtigen! Und wenn AfD-Veranstaltungen die Räume gekündigt werden, dann ist das an sich in Ordnung, gäbe es den kleinen Schönheitsfehler des linken Terrors nicht. Und dann kommt der entlarvende Satz: „Sollten die Vorwürfe gegen die extremen Linken stimmen“ – ein überflüssiger und rein rhetorischer Konjunktiv –, „hätten sie der Sache einen Bärendienst erwiesen. Denn wenn die AfD nicht nur mit demokratischem Protest belegt, sondern illegitim bedroht wird … verläßt man den Rahmen der Rechtsstaatlichkeit oder den demokratischen Boden o.ä., hätte der Satz fortgesetzt werden müssen. Aber nein, die Huff schreibt: „Sollten die Vorwürfe gegen die extremen Linken stimmen, hätten sie der Sache einen Bärendienst erwiesen. Denn wenn die AfD nicht nur mit demokratischem Protest belegt, sondern illegitim bedroht wird, kann sie sich zum Opfer stilisieren.“

Das ist der Zustand eines wesentlichen Teils unserer Presse im Jahre 2015!

 

Der Mord an Khaled B.

Mehrere Male habe ich versucht, meine beiden eritreischen Sprachgruppen mit dem Mord des eritreischen Asylsuchenden Khaled B. zu konfrontieren. Zur Erinnerung:

Am 13. Januar 2015, einem Montag, einem Pegida-Tag, wurde ein eritreischer Mann vermißt, tags darauf die Leiche gefunden. Äußere Gewalteinwirkung soll nicht sichtbar gewesen sein, weshalb eine Obduktion angeordnet wurde. Diese wiederum brachte tödliche Stichwunden zum Vorschein, woraufhin in einem Mordfall ermittelt wurde.

Sofort und lange bevor polizeiliche Erkenntnisse kund wurden, schrillten in den dafür bekannten Medien die Alarmglocken, man sah die Pegida-Saat aufgehen, eine fremdenfeindliche Tat mußte es sein, man stellte einen Zusammenhang zu den Demonstrationen her. Grünen-Politiker Beck vermutete eine polizeiliche Verschwörung und stellte Strafanzeige gegen die Polizei, linke und grüne Politiker*innen twitterten und facebookten, Antifa-Demonstrationen fanden statt, auf denen „Rassismus tötet“ skandiert und brutale Straßenschlachten mit der Polizei geführt wurden. Selbst die internationale Presse berichtete, internationale Menschenrechtsorganisation appellierten an die deutsche Politik gegen Extremismus vorzugehen …

Zwei Wochen darauf wurde der Täter ermittelt: Es war der ebenfalls eritreische Asylsuchende Hassan S., der in Gegenwehr gehandelt haben will, der am 6.11. aber dennoch zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt wurde.

Quelle BR

Quelle: br.de

Auf einem der Photos der „spontanen Mahnwache“ vom 14.1., die sich zu einer „Spontandemo“ entwickelte, erkannte ich einen meiner Schüler – Mohammed – wieder. Im Zusammenhang mit der Meldung über den Prozeß, befragte ich ihn dazu. Ja, er sei deswegen nach Dresden gereist – wie viele andere. Ob er wisse, wer der Täter sei? Nein, er verstehe nicht recht.

Und das ist der Tenor aller dieser Versuche. Es gab sehr große Aufmerksamkeit, wenn ich den Fall besprach. Einige schienen die involvierten Personen auch gekannt zu haben. Daß der Täter jedoch ein Landsmann gewesen sein soll, schien ihnen nur schwer verständlich zu sein. Die Reaktionen waren ausweichend, fast schamhaft. Es ist mir nicht gelungen, konkrete Aussagen zu erlangen. Immer wieder versteckte man sich hinter dem rettenden „nicht verstehen“.

Nun versuchte ich ihnen zu erklären, daß es sich nicht um die Tat eines Rechtsextremen gehandelt habe. Aber auch hier stieß ich auf Verständnis-schwierigkeiten. Was ein Rechtsextremer, ein Skinhead, ein Neonazi sei, konnten oder wollten sie nicht verstehen. Trotzdem gab es sehr aufgeregte Diskussionen auf Tigrinya.

Schließlich entschied ich, den Zeitungsartikel über den Prozeß der besten Schülerin zu geben, mit der Aufgabe, ihn zu übersetzen und die anderen beim nächsten Mal zu informieren. Auf die Frage, ob sie die Übersetzung geschafft hätte, antwortete die junge Frau positiv, fing aber erneut an, um den heißen Brei herumzureden, so als sei es ein Sakrileg oder überschreite die Schamgrenze, zu sagen: Einer von „uns“ war es. Die Namen von Täter und Opfer weisen auf muslimische Männer hin – die Gruppen bestehen zu 70% aus Christen. Vielleicht ist das eine Hürde? Oder ist es wirklich die Angst vor Gewalttaten oder spricht man einfach nicht darüber …?

In solchen Momenten bleiben mir diese Menschen fremd.