First One Through, 13. Mai 2026
Seit Jahren gehört der Vorwurf der „Apartheid“ zu den häufigsten Anschuldigungen gegen Israel. Internationale NGOs rufen ihn routinemäßig auf und Aktivisten an Universitäten wiederholen ihn endlos. Ein großer Teil der westlichen Debatte behandelt die Behauptung inzwischen nicht als Argument, das zu diskutieren ist, sondern als feststehende Tatsache.
Die Anschuldigung trägt eine sehr spezifische Folge: dass arabische Staatsbürger Israels eine dauerhaft ausgegrenzte und unterdrückte Bevölkerung sind, die grundsätzlich von der sie umgebenden Gesellschaft ausgeschlossen ist und dass Israel ein rassistisches illiberales Regime ist.
Aber die Umfragedaten aus Israel zeigen ein grundlegend anderes Bild. Kein vereinfachtes Bild. Kein utopisches Bild. Sondern ein weitaus menschlicheres und komplizierteres.
Seit Jahrzehnten spricht ein großer Teil der Welt über arabische Israelis, ohne jemals ernsthaft ihnen zuzuhören. Westliche Aktivisten sprechen in der Sprache der Revolution. Internationale NGOs sprechen in der Sprache der permanenten Unterdrückung. Protestierende an Universitäten sprechen in der Sprache von „Dekolonisierung“, „Widerstand“ und „Rückkehrrecht“. Die zugrunde liegende Annahme ist immer dieselbe: Arabische Israelis gelten als dauerhaft entfremdete Bevölkerung, die auf die endgültige Abschaffung des jüdischen Staates wartet.
Doch die tatsächlichen Umfragen unter arabischen Israelis weisen zunehmend in eine völlig andere Richtung.
Die neuesten Belege stammen aus einer Studie des Konrad‑Adenauer‑Programms für jüdisch‑arabische Zusammenarbeit an der Universität Tel Aviv vom Mai 2026. Die Umfrage ergab, dass 75,8 % der arabischen israelischen Zwölftklässler das freiwillige Engagement im nicht sicherheitsrelevanten nationalen Dienst [Zivildienst] unterstützen. Noch bemerkenswerter unterstützten 77,2 % den Eintritt arabischer politischer Parteien in israelische Regierungskoalitionen, während erhebliche Anteile den Eintritt in Koalitionen über das gesamte politische Spektrum hinweg unterstützten und nicht nur in linke Allianzen. Mehr als die Hälfte berichtete von einem starken Zugehörigkeitsgefühl zum Staat Israel.
Ds ist nicht das Umfrageprofil einer Bevölkerung, die sich auf einen Aufstand vorbereitet. Es ist das Umfrageprofil einer Bevölkerung, die sich zunehmend für bürgerschaftliche Teilhabe, Integration und praktische Koexistenz interessiert.
Der Verlauf ist noch wichtiger als die reinen Zahlen. Im Jahr 2010 lag die Unterstützung für den Zivildienst bei arabischen Jugendlichen bei nur 43 %. In fünfzehn Jahren verdoppelte sich die Unterstützung nahezu. Das ist keine statistische Schwankung. Es ist gesellschaftliche Entwicklung.
Dann kam der 7. Oktober.
Würde das modische revolutionäre Narrativ zutreffen, dann hätte man erwarten sollen, dass arabische Staatsbürger Israels sich nach dem Hamas-Massaker und dem folgenden Gaza-Krieg radikalisieren. Doch eine Umfrage der Universität Tel Aviv aus dem Jahr 2024 ergab, dass 57,8 % der arabischen Israelis sagten, der Krieg habe die Gefühle eines „gemeinsamen Schicksals“ zwischen arabischen und jüdischen Staatsbürgern Israels tatsächlich gestärkt.
Das ist möglicherweise das wichtigste Umfrageergebnis der Zeit nach dem 7. Oktober.
Denn es kollidiert direkt mit dem Apartheid-Gefüge, das im westlichen Diskurs so dominant ist. Apartheid-Systeme erzeugen im Krieg typischerweise keine wachsenden Gefühle eines gemeinsamen bürgerschaftlichen Schicksals. Welche Spannungen und Ungleichheiten in Israel auch existieren, die Umfragen legen zunehmend nahe, dass arabische Israelis ihre Zukunft nicht primär durch das Objektiv einer dauerhaften Trennung sehen.
Die Umfragen erzählen auch eine subtilere Geschichte über das sogenannte „Rückkehrrecht“, vielleicht das emotional aufgeladenste Thema des gesamten Konflikts. Westliche Aktivisten stellen die Forderung, dass Millionen palästinensischer Nachkommen in das Israel von vor 1967 ziehen sollen, häufig so dar, als würde sie von allen palästinensischen Arabern und israelischen Arabern gleichermaßen universell bejaht.
Die Umfragen deuten auf etwas anderes hin.
Eine gemeinsame Umfrage der Universität Tel Aviv und des Palestinian Center for Policy and Survey Research vom September 2024 ergab, dass 72 % der israelischen Araber eine Zweistaaten-Lösung unterstützten. Diese Zahl lag deutlich höher als unter jüdischen Israelis und sogar höher als unter in den Gebieten lebenden Palästinensern.
Dieses Ergebnis ist von großer Bedeutung, weil ein echtes Zweistaatenmodell die maximalistische Auslegung des „Rückkehrrechts“ implizit zurückweist, die Israel demografisch als jüdischen Mehrheitsstaat auflösen würde. Dieselbe Umfrage stellte nur kleine Minderheiten fest, die Einstaaten-Modelle unterstützten, die auf Dominanz oder Eliminierung der jeweils anderen Seite beruhen.
Mit anderen Worten: Die Umfragen legen zunehmend nahe, dass israelische Araber zwischen der Unterstützung palästinensischer nationaler Bestrebungen und der Unterstützung für die vollständige Beseitigung Israels unterscheiden.
Diese Unterscheidung fehlt im westlichen Aktivistendiskurs nahezu vollständig.
Arabische Israelis identifizieren sich weiterhin deutlich und tief kulturell und emotional mit Palästinensern. Sie bleiben scharf kritisch gegenüber vielen politischen Maßnahmen der israelischen Regierung. Eine Umfrage des Institute for National Security Studies vom März 2025 ergab ein äußerst geringes Vertrauen arabischer Israelis in Premierminister Benjamin Netanyahu und seine Regierung.
Aber Unzufriedenheit mit der Regierung hat sich nicht in breite Unterstützung für die Hamas oder für eine revolutionäre Konfrontation übersetzt. Ganz im Gegenteil. Eine Umfrage nach der anderen seit dem 7. Oktober zeigte weit größere Furcht vor Instabilität, Gewalt in der Gemeinschaft und wirtschaftlicher Störung als Begeisterung für bewaffneten Kampf. Die dominierenden Prioritäten, die aus wiederholten Umfragen hervorgehen, sind öffentliche Sicherheit, wirtschaftliche Chancen, Bildung, Wohnraum, Infrastruktur und die Verringerung gewalttätiger Kriminalität innerhalb arabischer Gemeinschaften.
Gemeinschaften, die sich auf eine Revolution vorbereiten, setzen nicht konsequent Polizeiarbeit, Schulqualität, Infrastrukturinvestitionen und wirtschaftliche Mobilität in der Gemeinschaft ganz oben auf ihre Prioritätenliste. Bürger tun das.
Die Umfragen zeigen zunehmend, dass arabische Israelis weniger wie westliche universitäre Radikale klingen, sondern mehr wie Bürger, die das tägliche Leben für ihre Familien verbessern wollen.
Deshalb ist der Aufstieg pragmatischer arabischer politischer Teilhabe innerhalb Israels so bedeutsam. Persönlichkeiten wie Mansour Abbas stehen für etwas, das viele Außenstehende noch immer schwer verstehen: eine wachsende Bereitschaft arabischer Israelis, innerhalb israelischer politischer Institutionen zu arbeiten, statt sie komplett abzulehnen.

Das bedeutet nicht, dass Spannungen verschwunden sind. Der Israeli Democracy Index 2025 des Israel Democracy Institute stellte fest, dass arabische Israelis weiterhin von erheblicher Diskriminierung berichten und die jüdisch-arabischen Beziehungen als die tiefste soziale Kluft des Landes identifizieren.
Aber auch hier ist die entscheidende Frage, was arabische Israelis zunehmend als Antwort auf diese Beschwerden getan sehen wollen. Die Umfragen legen nahe, dass sie in deutlicher Mehrheit nicht die Demontage Israels bevorzugen, sondern die Verbesserung ihres Platzes innerhalb des Landes.
Das ist eine transformative Unterscheidung.
Das geht noch deutlicher auseinander, wenn man die Umfragen unter israelischen Arabern mit Umfragen unter Palästinensern im Gazastreifen und im Westjordanland vergleicht, die vom Palestinian Center for Policy and Survey Research durchgeführt wurden.
| Thema | Israelische Araber | Palästinenser im Gazastreifen/der Westbank |
| Unterstützung des Beitritts zu israelischen Regierungskoalitionen | Starke mehrheitliche Unterstützung | Allgemeine Ablehnung des israelischen politischen Systems |
| Unterstützung nicht militärischen nationalen Dienstes (Zivildienst) | 75.8% bei arabischen Israelis in der 12. Klasse | Nicht einsetzbar |
| Gefühl eines „gemeinsamen Schicksals“ mit den jüdischen Israelis nach dem 7. Oktober | 57.8% sagte, der Krieg said habe es gestärkt | Umfragen zeigen starke Zunahme der Feindschaft nach Kriegsbeginn |
| Bevorzuge Prioritäten | Reduzierung der Straftaten, Wohnung, Bildung, Infrastruktur, Arbeitsplätze | Konflikt, Eigenstaatlichkeit, Erholung vom Krieg, Widertandspolitik |
| Unterstützung der Zweistaaten-Lösung | 72% | In aktuellen Umfragen niedriger und abnehmend |
| Beteiligung an israelischen Institutionen | Zunehmend normalisiert | Allgemein als illegitim angesehen |
| Einstellungen gegenüber der Hamas nach dem 7. Oktober | Keine Beweise für breite Unterstützung | Beträchtlich stärkere Unterstützung in zahlreichen Umfragen |
Die Tabelle zeigt eine tiefgreifende Diskrepanz zwischen israelischen Arabern und palästinensischen Arabern sowie zwischen dem ideologischen Aktivismus im Ausland und der gelebten Realität innerhalb Israels selbst.
Die Aktivisten, die „globalize the intifada“ skandieren, stellen sich permanenten Kampf vor. Doch die Umfragen deuten zunehmend auf Koexistenz hin, vermischt mit Frustration; und auf Integration, vermischt mit kultureller Eigenständigkeit.
Deshalb wirkt ein weiterer aktueller Trend in der westlichen Medienberichterstattung zunehmend von der Realität abgekoppelt: das Beharren darauf, den Begriff „israelische Araber“ durch „palästinensische Staatsbürger Israels“ zu ersetzen, als ob letzterer vollständig erfasse, wie diese Bevölkerung sich selbst sieht.
Diese Bürger sind eindeutig Araber. Eindeutig kulturell und emotional mit der breiteren palästinensischen Geschichte verbunden. Aber die Umfragen zeigen zunehmend, dass sie sich auch als Beteiligte am israelischen bürgerlichen Leben, an israelischen Institutionen, an der israelischen Politik, an israelischen Bildungssystemen und an der israelischen Wirtschaft sehen. Sie wählen bei israelischen Wahlen und unterstützen zunehmend den Eintritt in israelische Regierungskoalitionen. Sie unterstützen zunehmend den Zivildienst und äußern zunehmend ein Zugehörigkeitsgefühl zum Staat selbst.
Westliche Aktivisten sprechen die Sprache der permanenten Revolution und des endlosen „Widerstands“. Die Umfragen zeigen, dass arabische Israelis die Sprache von Bürgerschaft, Koexistenz, Chancen, Sicherheit und praktischer Realität sprechen.
Israelische Araber stellen 21 % der israelischen Bevölkerung. Ihre Zahl hat seit 1948 schneller zugenommen als die der jüdischen Israelis. Und sie fühlen sich zunehmend zu Hause im jüdischen Staat.










