Jeden Dezember suchen die Medien ihre besten Fotos des Jahres aus, die in die Sammlungen kommen, die zeigen, was sie als ihre besten Beispiele für Fotojournalismus halten.
Dieses Jahr allerdings beschlossen die New York Times, Reuters und Associated Press in ihre renommierten Fotogalerien Bilder aufzunehmen, die von Fotojournalisten aus dem Gazastreifen aufgenommen wurden, die am frühen Morgen beim Durchbruch der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel am 7. Oktober anwesend waren und die Gräuel der Hamas einfingen, was ernste ethische Fragen aufwarf, die letzten Monat in einem Exposé von HonestReporting ausführlich beschrieben wurden. Der Artikel fragte, ob nicht nur physische Grenzen verletzt worden sind, sondern auch professionelle und moralische.
Die Veröffentlichung des Artikels am 8. November schuf einen öffentlichen Aufschrei, was AP und CNN dazu brachte die Kontakte zu einem der Fotojournalisten zu kappen, dessen enge Beziehungen zu Hamasführer Yahya Sinwar herausgestellt wurden.
Zusätzlich warnte eine Gruppe von 14 US-Staatsanwälten die Chefs von CNN, der New York Times, Reuters und AP, sie sollten ihre Freischaffenden bessert überprüfen, wollen sie nicht mit Gesetzen gegen die materielle Unterstützung von Terrororganisationen wie der Hamas in Konflikt geraten.
Aber all das hat Amerikas führende Zeitung und die größten Nachrichtenagenturen der Welt nicht davon abgehalten einige der umstrittenen Fotos dieser Freischaffenden noch einmal zu veröffentlichen – und ihren professionellen Wert zu feiern.
„Mutige Fotografen“
Die Fotogalerie der New York Times ist überschrieben: „A Weary World“ (eine erschöpfte Welt) und präsentiert Bilder aus der Ukraine bis zu Hawaii. Sie erklärt Folgendes:
Jedes Jahr versuchen unsere Foto-Redakteure den besten Fotojournalismus in einer intensiven Präsentation einzufangen. Das Jahr in Bildern ist eine Möglichkeit der großen Nachrichtenereignisse von Januar bis Dezember zu gedenken: diejenigen, die uns traumatisierten – und davon gibt es viele – gemischt mit einigen Augenblicken des Glücks.
Dann folgt:
Die hier gesammelten Bilder, ein Tribut an die mutigen Fotografen, die sich in Gefahr brachten, um sie einzufangen, erinnern uns daran, dass es 2023 viele Tränen gab.
Mit dem im Hinterkopf stoßen die Leser auf das folgende Foto des Durchbruchs durch den Gaza-Grenzzauns:

Wurde der „mutige Fotograf“, Mohammed Fayq Abu Mostafa für Reuters, von den Eindringlingen bedroht, die die Grenze gestürmt hatten, um Juden zu ermorden und zu vergewaltigen? Oder ließen sie ihn seine Bilder ungestört aufnehmen? Und ist das eine professionelle Leistung, die gefeiert werden sollte?
Reuters wählte ein anderes Bild desselben Fotografen für seine Galerie, die den Titel „Eine Auswahl einiger unserer Top-Nachrichtenfotografie aus aller Welt 2023“ trägt:

Der Fotograf war eindeutig in der Lage ungehindert vom Lynchmob zu agieren und trug natürlich zur visuellen Botschaft bei, die die Hamas an diesem Tag mit ihrer eigenen Dokumentation des Massakers übermitteln wollte. Und was ist mit dem fehlenden Respekt, der von Reuters mit der Veröffentlichung eines Fotos gezeigt wird, das der Welt das Gesicht eines ermordeten israelischen Soldaten und dessen verstümmelte Leiche zeigt? Hat irgendjemand bei Reuters die Erlaubnis der Familie des Opfers eingeholt? Und noch einmal: Ist das die Art von Journalismus, auf den ein seriöses Presseorgan stolz sein sollte?
„Mit Ethik und Mitgefühl“
AP zog nach. Diese Worte leiten ihre Fotogalerie 2023 ein:
Der Auftrag des Fotojournalismus besteht darin Momente einzufangen, die das endlose Spektrum der menschlichen Erfahrung repräsentieren – und im besten Fall wirklich offenbaren.
Fotografen der Associated Press in aller Welt haben 2023 damit verbracht genau das zu tun – manchmal unter großen Risiken oder persönlichen Strapazen, immer ethisch und mit Mitgefühl und Qualität und einem Auge, das auf immer für das Unvergessliche geschult ist.
Wenn diese Fotografen der Welt begegnen, dann haben sie allerdings oft – von Israel und dem Gazastreifen bis nach Brasilien, von der Mongolei bis zum amerikanischen Kernland und darüber hinaus – keine Ahnung, was sie vorfinden werden, bis es ihnen begegnet.
In der AP-Galerie ist das folgende Foto von Ali Mahmud enthalten:
Erkannte Mahmud, was ihm begegnete, als er dieser Welt der Hamas-Terroristen „begegnete“, die die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk herumparadierten? War er überrascht? Zeigte er irgendwelche „Ethik und Mitgefühl“, indem er Fotos ihrer nackten, verschandelten Leiche machte?
Aber warum sollte ein Fotograf solche Überlegungen anstellen, wenn ein Bild wie dieses den Erfolg hat es in die Fotos des Jahres 2023 zu schaffen?
Wie schon im HonestReporting-Artikel vom 8. November erklärt, kommen ernste Fragen allein schon durch die Tatsache auf, dass diese Fotografen zur richtigen Zeit am richtigen Ort eingesetzt waren, um die Einmärsche und Entführungen aufzunehmen.
Die Öffentlichkeit verdient immer noch Antworten. Wie konnten diese Freiberufler wissen, wann sie wo sein sollten, was gaben sie ihren Nachrichtenredakteuren weiter und was könnte sich sonst noch auf ihren Speicherkarten befinden?
Es spricht Bände, dass CNN offenbar beschloss keines ihrer Fotos in die Galerie des Senders für 2023 einzustellen.
Derweil hoffen Medien, dass sie für ihre Marke werben und davon profitieren, dass sie diese Fotos veröffentlichen, besonders wenn sie mit dem Qualitätsstempel „Fotos des Jahres“ versehen werden. Ganz zu schweigen von dem hervorragenden Ruf und Respekt, den die Fotojournalisten selbst erlangen, die für den Job bezahlt wurden.
Wie lautet also die Botschaft dieser Fotogalerien? Zugang ist alles? Es gibt keine Grenzen?
Können die die Aufnahmen der Hamas-Terroristen von ihrem Mordzug in Südisrael aufgrund dieser Logik ebenfalls als mutige Dokumentation der Realität gelten?

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