
Gernulf Olzheimer
Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.
Machen wir es kurz: das Ende ist nah. Gut, wer nicht jeden Tag gegen den Briefkasten läuft, merkt es früher oder später, aber dann bleibt die Frage, warum. Wer sich das ausgedacht hat. Und wem es nützt. Selbst der Nerobefehl, den der Bettnässer aus Braunau ausgab, um dem Eroberer verbrannte Erde und den minderwertigen Verlierern ein Leben in Schmutz und Schande zu hinterlassen, war aus der klaren ideologischen Perspektive eines Irren auf ein siegreiches Imperium der ostischen Untermenschen ausgerichtet. Je mehr wir heute am Abgrund der neuen faschistischen Machtergreifung vergleichen, wie wir in die Vernichtung hineingezogen wurden und wie es heute geschieht, ist uns doch neben der Ausweglosigkeit auch die Dimension klar, in der es geschieht: wir verschwinden nicht mehr als die Deutschen oder Österreicher von der Landkarte, sondern als evolutionäres Experiment innerhalb der Hominiden, die offensichtlich mit Atmen für die intellektuelle Auslastung ausgelastet waren. Ist es der Todestrieb, der als Regression in manischer und geradezu sakraler Wiederholung des Tötens die Selbstzerstörung vollenden will, damit Ruhe im Puff ist? Ist es nicht so, dass wir gerade in den Sog hineingezogen werden, der uns die Lust an der Zerstörung der Lebensgrundlagen als normal, als wünschenswert, ja notwendig erscheinen lässt?
An der Aggression gegen die eigene Art mag es liegen, aber mehr noch an der zwanghaften gegen jede Vernunft gerichteten Neigung, aufgeblasene Versager als Helden zu feiern und sie als Anführer auf den Thron zu hieven, wo sie ihre narzisstische Kränkung in der finalen Demontage der Welt abreagieren, die sie nicht erschaffen haben – die beleidigte Prometheuswurst sozusagen, die sich ein billiges Märchen zurechtschwiemelt, damit sie vor dem gewaltsamen Abtritt noch mal Bedeutung vorhampeln kann. Diese dünnhäutigen Heulsusen aber sind nicht die Bösen, sie verschaffen ihnen nur das, was diese unbedingt haben wollen und nach der gemeinsamen Glaubensvorstellung auch haben müssen: Macht. Die Demontage dieser Welt, die Preisgabe an die Klimazerstörung, die Implosion des Sozialstaates, der wirtschaftsfeindliche Pfad der auf fossile Energien gehämmerten Produktion, die Verheerung der privaten Haushalte durch kaum zu bewältigende Mieten und Lebensmittelpreise, sie ist kein Versehen, nicht einmal da, wo sie durch die Impulskontrollstörung verdeppter Arschgeigen mit stinkender Druckluft unter der Kalotte eskaliert. Alles das ist abgewogen, abgemacht, eingepreist. Es ist das Finale des Kapitalismus als kollektiver Suizid der Mitläufer mit der Auslöschung der Welt als Kollateralschaden.
Die Konsequenz der kapitalistischen Endzeit ist ein Menschenbild ohne Menschen, jedenfalls nicht mehr in der Form, wie sie von einer bürgerlichen Politkaste verkauft wird. Mit der Konzentration des gesamten Kapitals auf eine rücksichtsfreie Kaste ist die Stufe erreicht, die das letzte Privileg gewährt, das die gierigen Sozio-Paten an ihrem ergaunerten Besitz exekutieren. Wie man einen Ming-Pott auf dem Marmorboden zerdeppert, weil man es kann, crashen diese Milliardenkasper die Ökonomie und den Energiemarkt mit unsinnigem KI-Zirkus. Sie finanzieren Guerillatruppen, um sich die blutigen Stammeskämpfe in verarmten Militärdiktaturen zu gönnen. Was die Vernunft verhöhnt, wird in großem Stil aufgeblasen, als alternativlos den Volleulen im Stimmvieh vorgesetzt und als Brandmauer gegen Sozialismus oder die linkswoke Gefahr.
Dieses System war fraglos als Verwertungslogik geplant, jetzt ist er nur noch die Demonstration des Besitzes, der sich als Machtdemonstration entladen muss, weil er sonst nicht mehr als Wettbewerb um Leben und Tod erscheint – wer überlebt und wer nicht, ist dabei nicht so wichtig, die Hauptsache ist, es gibt Tote. Die Zerstörung, die das Eigene als unumschränkten Herrschaftsbereich umfasst, ist letztlich nicht mehr als eine chiliastische Vision, der Endkampf im Schulterschluss zwischen Kohle und Kriegsgerät. Willkür hat die Vorstellung von einer durch Recht und Gemeinsinn geprägten Sittlichkeit als Untergang des Abendlandes geprägt. Wer nicht sein Großmütterchen ans Messer liefert, ist kein leistungsbereiter Staatsbürger mehr und muss sozial isoliert werden. Sie herrschen, indem sie teilen. Sie nehmen Rache an einer Zukunft, die sie nicht mehr erleben müssen.
Diese Zerstörung ist eine Abkehr von der Logik, man müsse sich und der Welt alles zumuten, damit irgendwo Fortschritt entstehen könne, im Abriss von Dörfern für ein bisschen Brennmaterial, bei der Ausbeutung von Kindern für etwas Erz, durch die Verschmutzung von Meeren und Gewässern für den höheren Profit der Farbenindustrie. Die Erde wehrt sich mit Flut und Waldbränden und wird gleichsam zum Komplizen der Kapitalfaschisten, die sie der Geschichte als Müllhalde hinterlassen wollen. Das Zeitalter ist vergangen, in dem man Probleme mit Technologie lösen wollte. Sie selbst ist jetzt das Problem. Ein feuerfester Truck mag der Ausweg sein. Der Flug zum Mars. Machen wir es ihnen leicht, helfen wir ihnen auf die Müllhalde. Das wirkt wenigstens sofort.






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