Prinzip Hoffnungslosigkeit

19 04 2026

Da haben sich die christlichen Parteien mal wieder etwas Feines ausgedacht. Wir müssen ja alle unsere Gürtel enger schnallen, damit die Reichen nicht auf ihre alten Tage noch Erwerbsarbeit brauchen, um ihre Erbschaften vor dem Verfall zu retten. Darum, so legt der Paritätischen Gesamtverband in einem interne Arbeitspapier dar, sitzen Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände an einer Liste mit den nötigen Kürzungen, die die Regierung durchsetzen soll. Betroffen davon sind Kinder, Jugendliche und Behinderte. Schulbegleitung, Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe, Kürzung des Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende, viele der Einschränkungen widersprechen offen den UN-Konventionen für Behinderten- und Kinderrechte. Die Hoffnung stirbt zuletzt, vorher sind jetzt also z.B. Kinder dran, denen Betreuungsmöglichkeiten und Krankengeld gestrichen werden. Es sieht nach einer Arbeitserleichterung für die Politik aus, jetzt wird undifferenziert nach unten getreten, irgendwen trifft man immer – das Prinzip Hoffnungslosigkeit ist genau die richtige Antwort, wenn man junge Menschen sozial schwächen, in Armut, Krankheit und Radikalität treiben will. Kahlschlag, oder wie das Papier zitiert: der effiziente Ressourceneinsatz wird sicher auch das Potenzial an Arbeitsvieh und Kanonenfutter stärken, mit der wir in Zukunft die Durchsetzung nationaler Interessen für das Kapital betreiben. Nicht, dass wir am Ende noch die 200 Milliarden eintreiben müssen, die uns jährlich durch Steuerbetrug verloren gehen. Alle weiteren Anzeichen, dass wir bei der Zerstörung des Landes ein beachtliches Tempo vorlegen, wie immer in den Suchmaschinentreffern der vergangenen 14 Tage.

  • digitale gewalt: Strafverschärfungen werden es richten, und wenn nicht, dann gibt es einfach noch viel schärfere Strafen.
  • mieten deutschland: Der Anstieg dient der Steigerung des BIP, genau wie bei der Korruption.
  • wal videos: Demnächst sehen wir dann hoffentlich mal schöne Bilder aus dem Schlachthof.
  • prien demokratie: Sie wurde dafür gekauft, kaputtzumachen, was sie nicht kapiert.
  • gas kathi: Sie wurde dafür gekauft, kaputtzumachen, was sie nicht kapiert.
  • spahn reaktor: Komplett verstrahlt, Einbetonieren und Endlagern.
  • merz weltkrieg: Er schickt seine Truppen erst mal gegen das eigene Volk.
  • links extremismus: Wir sollten endlich den Besitz des Grundgesetzes unter Strafe stellen.
  • radweg parken: Führt meist zu Verkehrsbehinderungen durch Radfahrer, die auf die Straße ausweichen.
  • cartoon malen: Hauptsache, sie sind nicht witzig oder irgendwas mit Eiern.
  • gesetz lügen internet: Sind Sie auch so gespannt, ob der Bundeskanzler nur eine Bewährungsstrafe nach der anderen kriegt?
  • spahn stricher: Er bildet inzwischen aus.
  • sozialstaat abbauen: Die Union ist ein Parasitärer Wohlfahrtsverband für die Fossilindustrie.




In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DCCXC)

18 04 2026

Bei Karel sieht man in Pelechen
am Tresen die jugendlich Frechen,
die schreien und trinken
und zu Boden sinken.
Am Ende, da müssen sie blechen.

Es sah Aurélien stets in Veckring,
dass der Küchenjunge früh wegging.
Er blickt in die Taschen,
denn der pflegt zu naschen –
nicht, dass er ihm noch an den Speck ging!

Es schleuderte Ondřej in Plaben
im Bienenstock sämtliche Waben.
Mit freundlicher Miene
sah er eine Biene –
die will auch davon etwas haben.

Es schloss Guillaume in Villechétif
die Fenster samt Läden und schlief.
Am Morgen, beim Lüften,
war’s nichts mit den Düften.
Heraus drang, wie immer, nur Mief.

Es buk Hanuš eifrig in Scheles
exakt nach dem Maß seines Mehles.
Er hat auch den Jungen
zur Strenge gezwungen.
„Da hilft nicht mal nachwiegen – zähl es!“

Geoffroy kennt man in Val-de-Bride,
der stets ein Seil hinter sich zieht.
Man kann dieses Schleifen
auch sehr gut begreifen,
sobald man ihn beim Schieben sieht.

Es züchtete Květa in Brösel
seit Jahren schon Pferde und Esel.
Sie konnte mit Tieren
ihr Leben gut führen.
Ihr Ex-Mann war nämlich ein Schnösel.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCX): Die globale Katastrophe

17 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

So stellen sich die Rummelplatzplärrer das vor: aus dem Orient stürmt ululierend eine Milliarde böser Männer mit je hundert Kopftuchmädeln in die Häkeldeckchenstuben der Volksgenossen und macht mit dem Krummsäbel das Licht aus. Es gibt keinen Leberkäs mehr, in jedem Garten steht ein Minarett, es ist verboten, die Gattin zusammenzuschlagen und dann zu vergewaltigen (oder umgekehrt), das Deutsche, das ja seit Anbeginn als Höhepunkt der Schöpfung vorgesehen war, es wird einfach von Halbtieren in die Scheiße getreten. Futschikato das Abendland. Dabei lief sonst die Geschichte anders. Die Harappa im Indusgebiet waren eine der ersten Hochkulturen, die den Übergang vom Jäger und Sammler zu Bauern und Viehzüchter vollzogen, sesshaft wurden und dann zusahen, wie ihr Fluss austrocknete. Nach 3.000 Jahren wuchs die Zahl der Maya, während die Ackerflächen durch Raubbau nicht mehr ausreichten. Temperaturschwankungen und Kriege mit durchgeknallten Potentaten halfen dabei, diese Zivilisation auszulöschen. Die Anasazi, Indigene im amerikanischen Südwesten, wurden von einer anhaltenden Dürre während der mittelalterlichen Klimaanomalie durch die sich sprunghaft vermehrenden Vorratsschädlinge wie den Kornkäfer und den Menschenfloh ausgerottet, die auch in Europa mit Pest und Mutterkorn den Leuten das Hirn aus der Rübe marmelte. Das alles aber waren lokale Probleme. Was wir heute sehen, ist die globale Katastrophe. Wir sitzen alle in einem Boot. Während das Brot teurer wird, säuft der Kahn ab. Nur die Kapitäne feiern sich.

Das Mindset dieser Zerebraldilettanten besteht aus dem Reflex, sich schnell die ganze Schokolade in die Fresse zu pfropfen, bevor sie alle ist. Gier, die aus tieferen Hirnanhangregionen stammt und Neoliberalismus mit Konservierungsstoffen braucht für die rumpelnde Wirklichkeitsausblendung, ist das Betriebssystem für einen Kapitalfaschismus, der in Hobbes’ postuliertem Naturzustand enden wird, im bellum omnium contra omnes – die zivilisatorischen Kräfte sind schon gelähmt, uns bleiben Fehlentscheidungen aus der Perspektive des bornierten Urmenschen und zunehmend blutige Verteilungskämpfe.

Fehlentscheidungen treffen die Industriestaaten im Moment mit voller Wucht. Statt auf erneuerbare Energien zu setzen, prügeln die Steinzeithirne sich um alles, was brennen kann, Öl, Gas, Kohle. Statt die tröpfelnden Ressourcen schnellstmöglich gegen bereits funktionsfähige Technologien zu ersetzen, mit den knapper werdenden Vorräten hauszuhalten, zünden die fleischgewordenen Fehlzündungen in politischen Spitzenämtern lieber gleich das eigene Haus an, damit immer genug Feuer für den Rest im Öltank brennt. Dass sich physische Knappheit nicht mit Geld aus der Wirklichkeit schwiemeln lässt, ist die Wahrheit, die man in der geschlossenen Anstalt der Regierungsversager nicht denken darf. Dass alle Konflikte sich dadurch nur verschärfen: wer konnte das ahnen. Die dümmsten Zierpinscher greinen von Fusionsreaktoren, während sich nicht einmal ein schnöder Atomkocher in weniger als sieben Jahren aus dem Boden stampfen ließe.

Die Verteilungskämpfe der Gegenwart sind in vollem Gange, und wenn der Sand knapp wird, den wir für Beton, Glas und Küstenschutz brauchen, der Phosphor, der bald in Düngemitteln fehlt, wenn wir nicht unsere Besessenheit vom Fressen toter Tiere ablegen, dann kommt der nächste Weltkrieg um die Ressource überhaupt: Wasser. Wir haben es episch verkackt. Die Krise der Globalisierung hat seit der kolonialistischen Plünderung für eine Wirtschaft ohne Ausweg gesorgt, die wir nicht einmal selbst kapieren, da wir dieses chaotische System, in dem wir existieren, linear sehen und verändern möchten; man könnte genauso gut die Heizungen aufdrehen und die Fenster öffnen, um den Frost zu beseitigen. Alle Missgriffe führen zu politischer Polarisierung, in der die dümmsten Schreihälse ohne Kompetenz noch Erfahrung das Ruder in die Hand bekommen, um dann mit ihrem als Nationalismus getarnten Größenwahn geopolitische Spannungen bis zum Krieg hochzukochen. Gute Idee. Wenn die Bomben fallen, kann uns egal sein, was der Spargel kostet.

Die Schwierigkeiten vergangener Jahrtausende hätte man mit den technischen Voraussetzungen unserer Zeit kurzfristig erkannt und gelöst. Nicht für umme. Aber nachhaltig. Und das Völkchen, das die Osterinseln mit Betonköpfen vollklotzte, hätte heute dank Wetterbericht und besserer Kontrolle der Flächennutzung eine faire Chance, gegen Gefahren wie Bodenerosion oder Holzmangel dank Axt im Haus anzusteuern, bevor alle sich übers Meer vom Acker machen müssen.

Verteilungskämpfe erzeugen Ungleichverteilung und Ungleichverteilung lässt Kooperationen als ungeeignete Antwort auf die multiplen Krisen erscheinen, worauf neue Verteilungskämpfe folgen. Die Abwärtsspirale schleudert uns längst weit über die planetarer Grenzen hinaus. Das System gibt uns den Rest, und diesmal haben wir es mit Physik und Grundrechenarten zu tun. Unangenehme Gegner, wenn man gierig und dumm ist. Mal sehen, wie sich das Leben von uns erholt. Zeit wäre es ja mal.





Einstiegsstraftat

16 04 2026

„… endlich entkriminalisiert werden müsse. Die Beförderungserschleichung sei für Hubig kein im Strafrecht sinnvoll zu…“

„… als parasitäre Subjekte, die sich freiwillig zur Volksschädigung entschlossen hätten, fast so schlimm wie Bürgergeldempfänger seien, die das Land aus entmenschter Gier in den Abgrund reißen und deshalb drakonisch zu bestrafen seien, um das Vertrauen der Deutschen in die Regierung des besten Bundeskanzlers aller Zeiten wieder zu stärken. Linnemann fordere eine…“

„… habe das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung bekannt gegeben, dass sich der Kanzler erst dann mit der Sache beschäftigen wolle, wenn ihm die Komplexität der Lage erklärt worden sei. Laut Regierungssprecher Kornelius sei damit in dieser Legislaturperiode sicher nicht mehr zu…“

„… straffreies Schwarzfahren der erste Schritt zu kostenlosen Bussen und Bahnen sei, was dann logischerweise zu bedingungslosem Bürgergeld und linksgrünem Sozialismuswahnsinn führe. Söder werde alle Versuche von Hubig und ihrer Partei im Keim ersticken und für ein gerechtes…“

„… dürfe die Regierung hier nicht einfach wegschauen. Der Verband der Automobilindustrie sehe in den Vorstößen des SPD-Ministeriums einen Vorboten der autofreien Gesellschaft, in der alle das normale Auto durch den aufoktroyierten ÖPNV ersetzt bekommen. Verbandspräsidentin Müller (CDU) werde diese Zerstörung einer gewachsenen Leitkultur nicht wehrlos…“

„… der soziale Nutzen nur von Juristen als Argument benutzt werde, die sich lediglich mit der juristischen Seite, nicht aber mit Politik auskennen würden. Auch Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro im Jahr seien für Dobrindt nicht relevant, da er wesentlich höhere Beträge zu investieren bereit sei, um vorsätzlich EU-Recht und Verfassung zu brechen, weil sonst Deutschland nicht mehr Deutschland sei und die…“

„… die angekündigte Entlastung der Justiz nicht so entscheidend sei. Der bereits von der Ampel als notwendig erachtete Schritt dürfe nach Meinung der Union niemals zur Zerschlagung des Rechtsstaates und zur institutionellen Strafvereitelung führen. Es müsse nach der Forderung des CDU-Präsidiums zwingend eine ausgleichende Verurteilung anderer Angeklagter geben, zur Not auch ohne strafbare Handlungen, damit das gesunde Rechtsempfinden der Wähler sich nicht in der…“

„… sich die Resozialisierung auch durch den Justizvollzug ergebe. Der CSU-Vorsitzende gehe von einer Läuterung der Persönlichkeit durch den Gefängnisaufenthalt aus, der ja als erzieherisches Mittel so erfolgreich sei, dass er von den meisten Straftätern regelmäßig und mit Tendenz zu einer längeren Nutzung der…“

„… auch frühzeitig an das Unrechtsbewusstsein herangeführt werden müsse. So sei eine Absenkung der Strafmündigkeit auf den Tag der Empfängnis für Linnemann unumgehbar, um bereits Kinder, die ihren Schülerausweis vergessen hätten, mit einem Schild um den Hals durch die Stadt getrieben und von den anständigen Deutschen mit…“

„… sinnvoll und gerecht sei, dass die Ersatzhaft nicht die treffe, die zahlungsunwillig seien, sondern ausschließlich die, denen die Mittel fehlen würden. Der Unionsexperte für Fairness, Objektivität und Stolz Spahn sei ohnehin davon überzeugt, dass mit der Anerkennung von Armut als Straftatbestand eine erhebliche Verschlankung der juristischen…“

„… zeige der Slogan Deutschland den Deutschen – Schwarze ins Lager über die CDU hinaus Anschlussfähigkeit, die sich zuerst im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt als starkes Signal für eine Koalition mit der…“

„… als Einstiegsstraftat gewertet werden müsse. Erfahrungsgemäß seien viele Mörder, Diebe und Linksterroristen bereits wegen Schwarzfahrens im Knast gewesen, was für Söder im Umkehrschluss bedeute, dass in jedem dieser Täter ein erhebliches kriminelles Potenzial schlummere, das möglichst durch eine lebenslange…“

„… vor verfassungsrechtlich unklaren und den Markt gefährdenden Vorschlägen warne, die den Steuerzahler viel Geld kosten und keine messbaren Effekte zeigen würden. Reiche fordere dagegen eine Streichung der Einkommensteuer für die oberen 0,1% der Vermögensmilliardäre, um die…“

„… von der rechtspolitischen Sprecherin der Unionsbundestagsfraktion Hierl bekämpft werde. Das Verhalten untergrabe die Solidargemeinschaft, die den öffentlichen Verkehr trage, und verursache erhebliche wirtschaftliche Schäden. Dazu komme noch, dass die 200 Millionen Euro, die für Justiz- und Haftkosten ausgegeben würden, durch die Reform nicht mehr im BIP erscheinen und damit das dringend benötigte Wirtschaftswachstum…“

„… weil durch die Entkriminalisierung von zum Teil schwersten gemeinschädlichen Straftaten wie Schwarzfahren, Kiffen oder Rassenschande große Zahl an Straftaten begangen würden, die nur aus der Statistik gestrichen würden. Dobrindt fordere eine Strafrechtsreform, die den natürlichen Zustand des deutschen Rechtsgefühls wiederherstelle, um durch ausreichend viele Verdachtsmomente alle aus der Bundesrepublik entfernen zu können, die hier sonst noch viel schlimmere…“

„… Steuerbetrug ab einer gewissen Höhe nicht mehr als Straftat, sondern nur noch als fahrlässiges Versehen ansehen müsse, das nicht auch noch die Justiz belasten müsse. Fiskalisch sehe Reiche, dass die hinterzogenen Beträge ja im Volksvermögen ausgehen würden und sogar den Wohlstand des…“





Frühlingserwachen

15 04 2026

„Seit Tagen!“ Breschke rang die Hände. „Ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll, und nachts schläft er!“ Während er mit zitternden Händen den Wasserkessel vom Herd nahm und den Tee aufgoss, blickte er um die Ecke ins Wohnzimmer, wo auf dem bequemen braunen Ledersessel Bismarck mit geschlossenen Augen ruhte und sich durchaus nicht bewegten wollte.

„Doktor Witzky ist ja auch in Urlaub“, erklärte der pensionierte Finanzbeamte. Offenbar hatte er den Veterinär telefonisch zu erreichen versucht, war aber an der Bandansage gescheitert. „Ich kann doch jetzt nicht noch eine Woche warten!“ Nun war der gute Dackel, und das muss man der Wahrheit halber zugeben: das dümmste Exemplar seiner Art im weiten Umkreis, ja auch schon ein älterer Herr mit grauer Schnauze, gesetztem Benehmen und leichten Marotten, was die stoische Gleichförmigkeit seines Tagesablaufs anging. So inspizierte er nicht mehr wie früher ständig die Grundstücksgrenzen sowie das Territorium außerhalb des Jägerzauns, behielt aber alles im Blick und duldete keine Eindringlinge. „Frisst er denn nicht mehr?“ Horst Breschke sah mich ganz verwundert an. „Natürlich“, antwortete er. „Jeden Morgen eine Dose Wuffi, die Hundedrops hier aus der Schublade, und dann, was sich so ergibt.“

Unsere Unterhaltung hatte Bismarck nicht im Geringsten gestört. Immerhin schlug er kurz die Augen auf, als wir den Raum betraten. Es war ernst. Schließlich gab es im ganzen Haus nur einen diesen einen Platz, den Fernsehsessel, den außer Breschke niemand besetzen durfte, weder seine Gattin noch die Tochter, falls sie einmal zu Besuch kam. Dieser Hund, dessen Hauptbeschäftigung das Heimsuchen fremder Gärten bei Blumen- und Gartenzwergbefall war, hatte es sogar schon geschafft, dass sein Herr und Fütterer die Stimme gegen ihn erhob, wenn der Platz neben dem Beistelltischchen nicht frei war. Es war also wirklich ernst.

„Frühjahrsmüdigkeit?“ Breschke schüttelte den Kopf. „Wenn ich mit der Zeitung durch bin und die Leine hole, läuft er ja immer schon zur Tür vor, und ich muss nur noch aufschließen.“ „Bewegung ist ja gut und schön“, befand ich, „vielleicht bekommt er gerade nicht ausreichend davon?“ Er zog die Stirn missbilligend in Falten. Sollte er es so verstanden haben, dass seine eigene Passivität den vierbeinigen Freund zur Erschöpfung getrieben hat? „Wenn wir wieder zu Hause sind, mag er kaum noch mit in den Garten kommen.“ Ein kurzer Blick aus dem Fenster auf die Terrasse verriet mir, dass der Rasen seit gut einer Woche nicht mehr gemäht worden war. Ob das an der Frühjahrsmüdigkeit lag, vor allem: an wessen Frühjahrsmüdigkeit, ließ sich indes nicht so einfach feststellen.

Ich stellte meine Tasse auf den Küchentisch. „Es ist gerade so schönes Wetter, wir sollten uns mal den Bewuchs hinten am Wall anschauen.“ Breschke nickte widerwillig; zwar hatte er mich bereits vor Wochen gefragt, wann ich für ihn mit allerlei Gerät hinter dem Rosenbeet herumwerkeln würde, aber seine Lust schien deutlich gemindert. „Heute soll es ja noch regnen“, wandte er zaghaft ein. „Wir haben kurz nach zehn Uhr“, informierte ich ihn, „so lange werde ich sicher nicht für eine erste Einschätzung brauchen.“ Unwillig zog Breschke sich eine Jacke über den Strickpullover, setzte seinen Hut auf und schritt zur Kellertreppe. „Ziehen Sie Handschuhe an“, riet er mir, „die liegen auf der Stellage…“ „… neben der Tür“, vollendete ich. Schließlich hatte ich sie extra in meiner Größte gekauft und gleich hier verstaut, um sie nicht jedes Mal mitzubringen. Die Eisentür quietschte beim Öffnen, wir steigen sieben Stufen auf der Außentreppe hoch und standen hinter dem Bungalow. Es ging ein leichter Wind. Hier und da guckten noch Winterlinge aus den Beeten.

„Im Herbst müsste man dann den Feuerdorn mal kräftig stutzen“, erläuterte Herr Breschke. „Das war ja letztes Jahr schon ein Problem, aber man kommt eben zu nichts.“ Ich blickte auf den Rasen. „Das kann man wohl sagen.“ Die Grasnarbe war schon bucklig, Moos hatte sich angesammelt, es musste dringend vertikutiert werden. Unter der Hecke, die die Einfahrt vom Nachbargrundstück schied, wuchs allerlei Unkraut. Die Ritzen zwischen den Platten auf der Terrasse ließen leises Grün erahnen. Mitten auf dem Rasen lag wie hingegossen der Hund, regte sich nicht und blickte ins Leere. „Also ich habe ihn bisher nicht einfach rausgekriegt“, sagte Breschke verwirrt. „Wie haben Sie das gemacht?“

„Spielen Sie doch mal ein bisschen mit ihm“, riet ich, „jeden Nachmittag eine Viertelstunde an der frischen Luft tut sicher auch ihm gut.“ Er stutzte wieder; hatte er wieder gehört, er selbst sei nicht genug in Bewegung? „Ich habe nämlich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen, dass Hunde regelrecht zu Depressionen neigen können, und da wollte ich mal bei Doktor Witzky…“ „So weit sind wir ja nun doch noch nicht“, unterbrach ich ihn. „Und selbst wenn, da hilft erst einmal Zuwendung und viel Zeit mit der richtigen Beschäftigung, sonst ist das… –“

Keiner von uns beiden hatte es gehört. Wie der Blitz schoss Bismarck durch den Garten und sprang wild kläffend am Zaun hoch. Ein grau getigerter Kater saß da oben, fauchte und hieb mit der Pfote nach dem Dackel, der todesmutig sein Revier gegen den Eindringling verteidigte. „Frühlingserwachen“, konstatierte ich. „Er braucht ganz einfach etwas mehr Abwechslung, also unternehmen Sie öfter mal etwas mit ihm.“ Breschke nickte. „Das hilft dann bestimmt auch gegen Frühjahrsmüdigkeit.“





Süßes Leben

14 04 2026

„… und Steuern für sinnvoll halte, um kostspielige Folgeerkrankungen des Trinkens und Rauchens zu kompensieren. Auch sehe der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen Blatt eine Zuckersteuer als richtiges Instrument zur Regulierung im…“

„… sich vehement gegen die Einführung von Strafsteuern ausgesprochen habe. Wenn etwa die obere Mittelklasse mit Milliardenvermögen im zweistelligen Bereich Abgaben als Buße für ihre Leistungsbereitschaft empfände, fürchte Merz eine Kapitalflucht von mindestens…“

„… die Altparteien wie CDU und SPD das Volk grundsätzlich in seiner Freiheit einschränken und finanziell ausnehmen wollten. Kubicki habe die freie Entscheidung jedes Bürgers betont, sich durch Alkohol, Nikotin oder…“

„… sei es für die Bundesregierung kein Grund, Zuckersteuern einzuführen, nur weil andere Staaten ihre Bürger damit bestrafen würden. Es sei für Merz als Befürworter von Menschenrechten schlimm genug, dass Deutschland das einzige EU-Mitglied sei, das nicht vom allgemeinen Tempolimit…“

„… befürworte Linnemann generell Verbote, die zur Bestrafung von Suchtverhalten benutzt werden könnten. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass diese ausschließlich für nicht leistungsbereite Bürger, die ihren Konsum auf Kosten der …“

„… generelle Steuererhöhungen für ein gutes Lenkungsmittel halte, wenn andererseits auch generelle Steuersenkungen dadurch bezahlt würden. Söder wolle mit einem Modell zur Senkung der Erbschaftssteuer, das andererseits durch Steuern auf Cannabis, das allerdings trotzdem verboten werden müsse, um keine kriminellen…“

„… mit Sicherheit verfassungswidrig seien. Für Reiche stelle die faktische Einschränkung des Verkaufs von Alkohol und Tabakwaren eine nicht mit der im Grundgesetz verankerten Staatsform des Kapitalismus dar, die keiner Prüfung vor dem Bundesverfassungsgericht…“

„… der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Rainer mit einer Steuer auf Alkohol und Zucker einverstanden sei. Er lege aber größten Wert darauf, dass sämtliche Einnahmen zweckgebunden wieder zur Förderung an deutsche Winzer und Zuckerrübenproduzenten ausgeschüttet würden, um den Wirtschaftskreislauf nicht zu…“

„… halte Reiche es für gefährlich, damit den Verkauf zucker- und alkoholfreier Erzeugnisse zu ermöglichen, die vom Verbraucher danach erst mit wesentlich höheren Dosen von nicht versteuertem Zucker zu einem gesundheitlich noch viel…“

„… könne Söder beim Genuss von Zucker und Alkohol nach landläufiger Einschätzung kein Suchtverhalten konstatieren, da diese sich durch Verbote nicht wirksam…“

„… müsse man bei der Lenkungswirkung von Strafabgaben viel früher ansetzen. Linnemann sehe in der 100%-igen Besteuerung der Grundsicherung, die ein süßes Leben verspreche, eine gut geeignete Abschreckung zur erzieherischen…“

„… sich bei der Suchtprävention weiterhin als Partner der Versicherten zeigen müssten. Warken halte es aber angesichts der Auswahlmöglichkeiten unter 110 gesetzlichen Krankenkassen für denkbar, dass eine Zuckersteuererstattung als Wahlleistung für die…“

„… dem CSU-Vorsitzenden widerspreche, wenn er Steuern auf sämtliche Drogen erheben wolle. Kubicki fürchte, dass sich in seinem Freundeskreis die Zahl der Privatinsolvenzen durch steigende…“

„… das gesamte System der Krankenkassen sich dadurch in Gefahr befinden würde. So fürchte der Unionsexperte für steigende Beiträge, plötzlich verschwundene Rücklagen und Vermögensdelikte Spahn, dass bald Arme und Alte in die privaten Kassen wechseln würden, um keine Steuern zu…“

„… die Lenkungswirkung auf sämtliche Bereiche ausweiten müsse. Da nach Söders Ansicht bald Erwerbslose anderen die Jobs wegnehmen könnten, um arbeitssüchtig zu werden, müsse man Erwerbsarbeit im Vergleich zu Vermögen noch sehr viel höher…“

„… sich nun auch Klöckner in die Debatte einbringen wolle. Die Bundestagspräsidentin habe in einer von Nestlé veröffentlichten Studie gelesen, dass deutsche Kinder nur etwa zehn Prozent der von ihren Lebensmittelforschern empfohlenen Tagesdosis zu sich nehmen würden, was auf eine eklatante Untervorsorgung schließen lasse. Die CDU dürfe daher durch eine ungerechte Steuer nicht die gesunde, süße Ernährung verhindern, die besonders im Säuglingsalter alternativlos und…“

„… wegen des Nichtgebrauchs juristisch als analog zur Steuerhinterziehung betrachte. Für Merz sei die Ablehnung von Alkohol als Teil deutscher Leitkultur ein wesentliches Merkmal migrantischer Parallelgesellschaften, die in einem Rechtsstaat so nicht mehr straflos…“

„… auch das Scheitern der Regierungskoalition in Kauf nehmen würde, um weitere Abgaben gegen die Interessen der Bürger zu verhindern. Söder ahne bereits die Hetz- und Lügenkampagne der Grünen für eine Fleischsteuer, so dass sich der einfache Arbeiter mit einem Bruttogehalt von weit unter einer Million Euro seine Leberkässemmel bald nur noch einmal pro…“

„… die Vorschläge der SPD zurückgewiesen habe, durch eine dauerhafte Erhöhung der Steuern auf Mineralölerzeugnisse den Autoverkehr zu vermindern und Verkehrstote zu vermeiden. Reiche sei dabei jedoch auf Kritik gestoßen, da sich der Kanzler nicht an ihre…“





Aussage gegen Aussage

13 04 2026

„Selbstverständlich stimmen wir Ihnen als die gewählte und amtierende Bundesregierung zu, dass die Lage sehr schwierig, teils sogar komplex ist, so dass wir jetzt unverzüglich überlegen müssen, ob es von unserer Seite zu Handlungen kommen sollte, die sich mit dieser teils komplexen, andererseits sogar sehr schwierigen Lage befassen, und darüber hinaus muss in Erwägung gezogen werden, ob eine rein innenpolitische Antwort auf die doch jetzt sehr komplexen Problematiken… – Müssen Sie mich unbedingt jetzt unterbrechen?

In dieser Lage, in der wir uns befinden, und das gilt natürlich zunächst auch für die Wirtschaft, ist es von allerhöchster Dringlichkeit, dass wir jetzt keine übereilten Entscheidungen treffen, die sich als rein innenpolitische Anordnungen erweisen würden, für die wir als Bundesregierung selbstverständlich die volle Verantwortung erst übernehmen, wenn wir das als richtig erörtert und so beschlossen haben, dass es auch den Weg durch die Gremien, in denen sich erfahrungsgemäß noch viele Sachfragen, die auch in der kürze der Zeit genau geklärt werden müssen, ergeben, gehen kann und dann letztendlich zu einer durchgreifenden Lösung kommt, wie sie bereits in den Ausschüssen angemahnt wird, die sich mit den relevanten Sachthemen eingehend befasst haben. Sie lesen dann rechtzeitig davon in der Presse.

Aktuell können wir Einzelthemen wie den Kontakt zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika nicht eingehend beurteilen, da wir auf die Aussagen des Bundeskanzlers angewiesen sind und davon ausgehen, dass er seine Aussagen und die des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika nicht beurteilen kann. Es könnte also auch sein, dass er die Aussage, er wolle die Vernichtung einer Zivilisation zwar nicht unterstützen, aber sie wegen des möglicherweise sehr schwierigen, teils sogar komplexen Sachverhalts nicht zu vorschnell beurteilen oder ablehnen, auch auf die Deutschen bezogen hat, wobei hier die Wirtschaft sicher erst in zweiter Linie gemeint sein könnte, aber so genau ist das natürlich noch nicht zu sagen. Das ist ja so eine Aussage gegen eine Aussage, und da müssen wir in außenpolitischen Zusammenhängen sehr vorsichtig sein, weil der Bundeskanzler hier für seine Worte direkt verantwortlich gemacht werden kann, und das will ja keiner.

Wir können daher dann erst eingreifen, wenn das Tanken noch teurer wird. Wie teuer, das muss sich erst zeigen – wir sind ja die Bundesregierung, keine Hellseher. Darum können wir auch noch nicht sagen, wann wir eingreifen, weil das ja immer mit den Ressorts abgestimmt werden muss, und die sind meist entweder nicht im Bild, haben keine Ahnung oder eine eigene Meinung, was ihnen ja zusteht, da wir immer noch Meinungsfreiheit haben. Das wird aber rechtzeitig angekündigt, darauf kann man sich bei der Bundesregierung, insbesondere auch beim Bundeskanzler, verlassen. Dass er ankündigt, dass er etwas ankündigt, was dann auch ankündigt wird.

Außerdem befindet sich die Bundesregierung hier in einem Verfassungskonflikt. In Artikel 1 des Grundgesetzes ist zwar ein Recht auf billiges Benzin verankert, aber eben auch das Recht auf immer schneller immer höher wachsende Vermögen ohne menschenrechtswidrige Verbrechen wie etwa Steuern oder Abgaben, die Milliardären die Würde nehmen könnten. Das ist mit der Pendlerpauschale nicht getan. Damit würden sich Milliardäre auch nicht zufrieden geben. Das werden Sie einsehen.

Die Bundesregierung will jetzt nicht dieselben Fehler machen wie die linksgrüne Ampelkoalition, die damals viel zu schnell gehandelt hat, obwohl kriegsbedingte Lücken in der Energieversorgung nicht im Koalitionsvertrag gestanden haben, was dann zu Steuerausfällen führte. Wir hingegen sind angetreten, um nach einem Wahlkampf, in dem wir die Notwendigkeit von Veränderungen angekündigt haben, die Reformen, die jetzt unausweichlich sind, in aller Deutlichkeit so in Aussicht gestellt haben, dass die Wirtschaft, und für die müssen die Bürger jetzt ja auch wieder viel mehr tun, endlich weiß: es wird schon noch etwas getan worden sein, aber nur nach sehr gründlichen Überlegungen, wer was tun sollte. Dazu gehört auch, dass der Kanzler, der den Sommerurlaub der linksgrünen Ampel als bösartige Missachtung der Wirtschaft, und letztlich ja auch der Bürger, die noch nichts tun, jetzt noch einen Tag an seine Osterferien angehängt hat. Aber das hatte er vorher angekündigt, also machen Sie daraus kein Drama. Es ist ja nicht passiert in der Zwischenzeit.

Wir müssen uns als Bundesregierung, die für die Bereitschaft gewählt wurde, Reformen für dieses Land, das auch als Wirtschaft, die wir nicht mit höheren Ansprüchen an Lebensqualität oder das, was selbst ernannte Demokraten, die in der Wahl ihrer Mittel ja inzwischen weit über das, was wir als Bundesregierung nicht mehr dulden können, weil es nicht im Koalitionsvertrag steht, und es liegt nicht an uns, dieses Zweckbündnis, das wir freiwillig mit denen geschlossen haben, die uns als Deutsche in diesem Land, das unser Deutschland ist, und das lassen wir uns nicht von denen nehmen, die darauf hingearbeitet haben, uns Leitkultur, Wohlstand und die Wirtschaft, für die wir alles auf uns nehmen!

Wenn die deutschen Bürger, die bei der letzen Wahl Feinde des Deutschtums gewählt haben, die diese gewählte und amtierende Bundesregierung an der Amtsführung hindern wollen, die uns hier und heute, sagen wir trotzdem: unsere Verhandlungen mit Mullahs und Taliban sind jetzt nötiger denn je. Die Abschiebungen müssen weitergehen, oder sollen Ihnen Ausländer weiterhin Zahnarzttermine wegnehmen?“





Abendlied

12 04 2026

für Robert Gernhardt

Der Mond ist aufgegangen.
Das ist ja sein Beruf,
und das kann auch verlangen,
wer ihn dazu erschuf.

Es soll uns nicht verleiten,
nicht Mann, nicht Weib noch Kind,
dass Selbstverständlichkeiten
zu hinterfragen sind.





In fünf Zeilen um die Welt. Limericks (DCCLXXXIX)

11 04 2026

Es fiel auf Joe in Forty Fort
ein schlimmer Verdacht: Meuchelmord!
Ihn konnte nur retten,
dass er Zigaretten
zur fraglichen Tatzeit geschnorrt.

Es ließ Árpád sich in Deutschhütten
beim Tanz gern von den Damen bitten.
Er tanzte vorzüglich
und fand es vergnüglich,
dass sie heftig sich um ihn stritten.

Glenn sitzt abends oft in North East
am Feuer, wo er Zeitung liest.
Trotz seines Monokels
riecht er des Gekokels,
was Lesen und Feuer vermiest.

Als Amtsvorstand locht György in Acker
wohl hundert Blatt stündlich. Recht wacker
sieht man ihm zu, wie er
mit dem Schraubenzieher
Papier schichtet wie mit dem Tacker.

Es musste sich Nancy in Creighton
mal wieder um Stunden verspäten,
da sie vor der Uhr saß,
und mit einer Schnur maß,
wie schnell sich die Zeiger just drehten.

Es ist Pater Ernő in Kirment
bei Kindern stets mild und beschirmend,
bei schweren und leichten
Gebeten, beim Beichten,
oft segnend und singend und firmend.

Bei Mike, John und Ringo in Fullerton,
die heimlich ins Hallenbad pullerten,
färbt sich’s sofort grünlich,
als Hinweis sachdienlich,
worauf manche Tränen dann kullerten.





Gernulf Olzheimer kommentiert (DCCCIX): Die Parallelgesellschaft der Superreichen

10 04 2026
Gernulf Olzheimer

Gernulf Olzheimer

Mein Name ist Gernulf Olzheimer und dies ist das Weblog aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten.

Die Romantik hat ganze Arbeit geleistet. Da ist der Ritter auf dem stolzen Ross, in schimmernder Wehr, wie er Abenteuer sucht, Minnelieder klampft und nebenher Witwen und Waisen von dem Bösen schützt. Am Arsch. Der Adel, zumal aus den älteren Geschlechtern, hatte über viele Jahrhunderte nichts Besseres zu tun, als Bauern und Pilger auszurauben, Frauen zu schänden, von der ergaunerten Kohle Burgen in die Landschaft zu klotzen und von den durchreisenden Händlern Wegezölle in beliebiger Höhe abzuzocken. Und das nicht in herrschaftlicher Umgebung, in prunkvoll geschmückten Sälen oder an höfischer Tafelrunde, sondern in begehbaren Kloaken mit Schweinezucht im Erdgeschoss und offener Kohleheizung. Warum hören wir noch heute mit kugelrunden Augen zu, wenn Großfürst Emil der Ausgestopfte die Prinzessin Popeline von Dings zu Bums ehelicht, mit der er um ein paar Ecken eh aus dem gemeinsam gepinkelten Genpool stammt? Was macht diese Traumwelt, die in jeder dämlichen Märchenverfilmung klischeetreu aufpoppt, zu einer ultimativen Parallelgesellschaft? Haben wir nicht schon genug von der Sorte?

Zum Beispiel die der Superreichen: abgeschottet von der Mehrheit der 99,9999%, abgehoben in ihrer Gier, die sie den Rest der Welt wie ein langweiliges Computerspiel durchdaddeln. Wenn sie etwas daran interessiert, dann die Möglichkeit zum spektakulär bekloppten Auftritt und zur hirnverbrannten Idee. Autos in die Umlaufbahn katapultieren, zum Mars fliegen, ganz Venedig für eine Disney-Hochzeit als privaten Mülleimer mieten, nichts ist dem Pack zu peinlich, ihre Hybris damit lautstark zu inszenieren.

Sie haben ihre Vermögen nicht erarbeitet, sie haben geerbt, durch Spekulation, Erzwingen von Standards und Plünderung von Ressourcen nach libertärem Muster – Gewinne werden privatisiert, Kosten sozialisiert – in weltweitem Stil und ohne Rücksicht auf die Verluste der anderen. Sie wollen die Erde brennen sehen, weil sie es können. Regeln gelten für sie nicht. Sie bedienen sich allenfalls der Ausnahmen, die ihr Geld kauft. Sie destabilisieren ihr eigenes System, aber für jemanden, der so viel Geld hat, sind die Schwankungen, die längst auch die Mittelschicht in Armut und Krankheit wirft, eine amüsante Vibration der Börsenkurse.

Natürlich hat der Staat genug Mittel, sie in die Schranken zu weisen. Man besteuert ihr Vermögen, kontrolliert ihre Firmennetzwerke mit Werkzeugen des Kartellrechts, sieht ihnen auf die Finger, wo sich Korruption oder Einflussnahme auf die Politik offenbaren, und man lässt sie vor dem Richter die Hacken zusammenschlagen, wenn sie ihre Steuern hinterziehen. Ihre Ausbeutung, die sich bis in den privaten Rahmen fortsetzt, die gewohnheitsmäßigen Umweltstraftaten, die bei jeder Benutzung von Luxusjachten und Privatjets an der Tagesordnung sind, Erpressung und Betrug, was auch immer in dieser Dreckschicht zum guten Ton gehört, um die Exklusivität zu erhalten, werden mit drakonischen Strafen und sozialer Ächtung geahndet. Eben noch Supermilliardär mit dem Hang, Dienstmädchen zu vergewaltigen, jetzt schon Langzeitinsasse in einer Einrichtung, die kostengünstig ohne das lästige Resozialisierungsgedusel auskommt. Wir müssen nur wollen.

Allein sie wollen nicht, denn sie tanzen uns auf der Nase herum. Sie kaufen Regierungen und ganze Volkswirtschaften, lassen Länder verarmen und in Infektionswellen versinken, weil der Profit für die gängigen Arzneimittel immer noch etwas höher sein könnte, und schließlich kaufen sie Kinder, die sie benutzen und wegschmeißen. Sie lassen gekaufte Politiker und ökonomisch interessante Opfer an der Widerlichkeit ihres entmenschten Verhaltens und an der nicht abwaschbaren Schuld teilhaben, wie man jemandem Drogen spendiert, um ihn an die Nadel zu kriegen. Die Grenzen dieser Parallelgesellschaft laufen, der Name sagt es, nie so, dass irgendwo eine Überschneidung zu erwarten wäre. Das Recht, wie es die zivilisiert verfassten Gemeinschaften kennen, spielt hier keine Rolle, nicht einmal die eines dreist verschwiemelten Zerrbildes, das zum Scheingefecht mit der realen Welt taugt. Wir lassen sie gewähren, kontrollieren sie weniger als einen Armen, der von Transferleistungen überleben muss, und lassen uns von ihnen auf der Nase herumtanzen wie von einem verzogenen Drecksbalg, dem Diener hinterräumen. Und dann gaukeln sie uns noch durch ihre Medien – wir nutzen sie alle, sie gehören nur inzwischen ihnen – dieses antisoziale Verhalten als Erfolgsstory vor, damit der Normalverbraucher, einem Bettler unter der Brücke näher als einem Einfachmillionär, ihre Fresslust als Vorbild verteidigt.

Es gäbe einen Ausweg, die Geschichte hat ihn an entscheidenden Wendepunkten gewählt, um sich dieser apokalyptischen Zersetzung zu erwehren. Multimilliardäre brauchen die Gesellschaft, um von ihr zu leben. Umgekehrt sieht die Sache schon ganz anders aus. Wie blutig es verläuft, sehen wir dann. Eine Enteignung und die Abschaffung des Adels, in welcher Form auch immer, wäre ja durchaus drin. Man müsste nur das geltende Recht der Mehrheit anwenden. Dazu ist es unter anderem auch da. Alles andere können wir uns nicht mehr leisten.