3.1.2026 nachmittags : Architekturtour
Gegen 13 Uhr brach ich wieder auf. Am Bahnhof nahm ich den 44er Bus zum Killesberg, um die Weissenhofsiedlung zu besuchen. Während der Busfahrt unterhielt ich mich mit einer netten älteren Stuttgarterin über den immerwährenden Bahnhofsumbau „Stuttgart 21“. Die Gleise sind seit Jahren nur über große Umwege zu erreichen. Wahrscheinlich musste ich bei der Rückfahrt einen noch längeren Weg als am Vortag gehen, da mein Zug von Gleis 16 abfuhr.
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Bevor sie aussstieg, empfahl mir die Stuttgarterin noch, auf dem Rückweg den kleinen Chinagarten zu besuchen. An der Haltestelle „Kunstakademie“ stieg ich, mäanderte ein wenig durch die Straßen, fand aber schließlich den Eingang zum Weissenhofmuseum.

Die Weissenhofsiedlung entstand 1927 in Stuttgart unter der Leitung von Mies van der Rohe. Beteiligt waren später berühmte Architekten u.a. Walter Gropius, Peter Behrens und Le Corbusier. Für die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ wurde eine Mustersiedlung errichtet. Gefragt waren Wohnbauten, die mit geringen finanziellen Mitteln in kurzer Zeit errichtet werden konnten. Neue kostengünstige Materialien wie Stahl und Eisenbeton wurden verwendet. Der schnörkel- und schmucklose Stil der Neuen Sachlichkeit zeigt sich an den Gebäuden, die ausnahmslos Flachdächer aufwiesen.
Quelle : ReiseKnow City Trip Stuttgart
Das Museum der Weißenhofsiedlung ist im Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret untergebracht. Das Gebäude gehört seit 2016 zum Unesco Weltkulturerbe. In der rechten Haushälfte zeigen sich die Räume weitgehend im Zustand von 1927. Wiederhergestellt werden konnten auch die Einrichtungsgegenstände. Le Corbusier entwarf feste Einbaumöbel. Die massiven Schränke dienten als Aufbewahrungsort für Haushaltsgegenstände und Betten. Weitere Möbel waren nicht notwendig. Nachts konnten die Betten zum Schlafen aus den Schränken herausgezogen werden. Tagsüber verschwanden sie dort wieder und so entstand ein großer freier Wohnraum. Die Räume wurden von einem schmalen Flur mit nur 60 cm Breite erschlossen.
Ein weiteres Kennzeichen des Doppelhauses war der große Dachgarten. In großen Pflanztrögen sollten hohe Sträucher und Blumen wachsen.
Quelle : Doppelhaus Le Corbusier/Pierre Jeanneret , Wüstenrotstiftung, 2005
Die Ausstellung fand ich toll. Die Geschichte des Neuen Bauens wurde anschaulich vermittelt. Vor allem den Kulturwandel des Wohnens fand ich sehr interessant: von der Gründerzeit mit pompösen Bauten und der entsprechenden Inneneinrichtung zu kleineren und lichten Behausungen mit wenig transportablen Möbeln. Sowohl die Bauzeit wurde so drastisch reduziert als auch die Mobilität der Bewohner erleichtert. Man merkte dem Gebäude allerdings auch an, dass es als Musterwohnung und weniger zum tatsächlichen Benutzen konzipiert worden war. Das sehr enge und steile Treppenhaus bildete sicherlich eine Herausforderung für die Bewohner. Ein wenig erinnerte mich das Haus an die, allerdings vollständig möbilierte, Musterwohnung Perret in Le Havre aus den 1950er Jahren (s. Post), in der aber viel Wert auf den Wohnkomfort gelegt worden war.
Mit dem Faltblatt des Museums ging ich durch die Weissenhofsiedlung und schaute mir die verbliebenen Gebäude an. Die privat vermieteten Häuser waren zum Teil schlecht einsehbar und einige wegen Renovierung hinter Gerüsten versteckt. Erhalten war auch ein Wohnblock, den Mies van der Rohe entworfen hatte. Reinstes Bauhaus! Das Gebäude hätte glatt Neuperlach stehen können (Trabantenstadt in München aus den 1970er Jahren).
Herrlich fand ich die Lage auf dem Killesberg. Nun sah ich die hüglige Stadtlandschaft von Stuttgart, die mir sehr gefiel. In der warmen Jahreszeit musste es dort herrlich zum Spazierengehen und Ausschauhalten sein.
Unterwegs entdeckte ich noch ein weiteres Graffiti von Jeroo auf einem Spielplatz.
Nach meinem Rundgang nahm ich wieder den 44er Bus, googelte aber gleich das nächste Café. An der Haltestelle „Helfrichstraße“ stieg ich aus. Inzwischen hatte es sich stark bewölkt und es fing an zu schneien. Ich flüchtete in das sehr nette Nachbarschaftscafé, wo ich einen Karottenkuchen zum Cappuccino bestellte und den kurzen Schneesturm abwartete.
Zum Chinagarten ging ich zu Fuß, immer bergab, an der Busstrecke entlang. Der Garten war eine der Attraktionen der Internationalen Gartenbauausstellung 1993 und wurde auf dem Killesberg wieder aufgebaut. In dem durch eine Mauer von der Umgebung getrennte Garten wuchsen im Winter natürlich keine Pflanzen, aber die Tempelchen und die durch kleine Felsen und Teiche dargestelle Landschaft sahen zauberhaft aus. Und natürlich bot sich vom höchste Punkt ein guter Ausblick auf die Stuttgarter City.
Auf der Rückfahrt hielt der Bus an der Stadtbibliothek. Ich stieg dort aus, weil ich mir das Gebäude von Innen anschauen wollte. Entworfen wurde das Gebäude vom koreanischen Architekten Eun Young Yi. Das Zentrum des Innenraums bildet der 14 m Galeriesaal, ein beeindruckend schlichter heller Hohlraum, der über vier Geschosse reicht und durch ein zentrales Oberlicht beleuchtet wird. Die umlaufenden Wände enthalten Bücher- und Medienregale sowie Sitzgelegenheiten. Der Blick nach unten zeigt eine umgedrehte Stufenpyramide.
Quelle : Reise Know-How City Trip Stuttgart
Den Raumeindruck fand ich wunderschön. Der Innenraum wurde am späten Nachmittag zusätzlich künstlich beleuchtet. Ich fragte mich, ob der Raum bei hellem Tageslicht sogar noch besser wirkte. Jedenfalls gefiel mir die ruhige Atmosphäre. Auf einer Bank setzte ich mich hin und schmökerte ein bisschen in einem Roman.
Beim Fotografieren wurde ich von einem freundlichen Security Mann angesprochen, der mir nach kurzer Rücksprache zum Zweck meiner Aufnahmen einen Badge „Film- und Fotoarbeiten “ gab und mich bat, diesen an meine Jacke zu kleben. Der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtbibliothek Stuttgart danke ich für die Genehmigung zum Posten der nachfolgenden Fotos.



Abends folgte ich einem Tipp der Rezeption und ging in einem Traditionslokal essen. Die handgemachte schwäbische Maultasche mit geschmelzten Zwiebeln und Salat schmeckte köstlich. Hatte sogar noch Platz für ein Dessert. Den leckeren Ofenschlupfer mit Vanillesoße, einen schwäbischen Brotauflauf, schaffte ich dann gerade noch.
Bevor ich einschlief, dachte ich an den herrlichen Tag. Ich hatte spannende moderne Architektur gesehen und schöne Wohngegenden entdeckt.
Am nächsten Tag vor der Abreise sollte das Wetter schlechter werden. Nun stand mein Besuch der Staatsgalerie Stuttgart an, die schon seit langer Zeit auf meiner Liste gestanden hatte (s.Bericht)
Stuttgart im Januar # 3 erschien zuerst auf Wanderlustig.











































































































































































