Stuttgart im Januar # 4

4.1.2026 – Morgenspaziergang, Staatsgalerie Stuttgart und Fazit

Am frühen Sonntagmorgen spazierte ich über die verlassene Königstraße an geschlossenen Läden vorbei zum Dorotheenquartier, einem Einkaufszentrum in zentraler Lage neben dem Kaufhaus Breuninger, in dem Luxusprodukte und teure Markenkleidung verkauft werden.

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Die moderne Architektur nahm ich in einer kurzen Fotosession auf, während der angenehmerweise nur wenige Passanten durchs Bild liefen. Dann ging ich weiter zum Marktplatz und entdeckte dort in einem Hauseingang ein weiteres Piece von Jerroo, interessanterweise direkt gegenüber der Touristeninformation. Dort hatte man mir mitgeteilt, dass es keine Karte mit Stutttgarter Street Art gebe. Soweit so gut, aber ein winziger Hinweis auf das quasi vor der Haustür liegende Werk des Stuttgarter Streetart Matadors wäre sicher nicht verkehrt gewesen.

Die Stiftskirche, der älteste Kirchenbau in Stuttgart, war zwar bis zum 6.1. geschlossen, sollte aber zur Sonntagsmesse um 10 Uhr geöffnet werden. Das wollte ich nutzen, um mir das Kircheninnere anzuschauen. Am Eingang wurde jeder Besucher begrüßt und bekam ein Sitzkissen sowie ein Gebetbuch angeboten. Peinlich! Ich lehnte Beides ab und sagte, dass ich nur eine kurze Runde vor dem Gottesdienst drehen wollte. Die verbliebenen fünf Minuten reichten mir völlig. In dem nach den Zerstörungen des 2.Weltkriegs modern restaurierten Kircheninneren gab es nur einige historische Statuen zu sehen. Aber das dunkle hölzerne Tonnengewölbe gefiel mir. Allerdings war Fotografieren verboten und kam unter den gegebenen Umständen überhaupt nicht in Frage.

Dann war es Zeit für den Besuch Staatsgalerie. Das bekannte Kunstmuseum hatte schon seit ewigen Zeiten auf meiner Liste gestanden. Durch die Sammlung der Klassischen Moderne u.a. mit Werken von Oskar Schlemmer, Amedeo Modigliani, Henri Matisse, Egon Schiele, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Wassily Kandinsky und Franz Marc schlenderte ich fast drei Stunden lang. Zwischendurch verspeiste ich ein delikates Pastagericht im Museumsrestaurant.

Auf der DB-Seite sah ich dann, dass mein Zug Verspätung hatte. So blieb mir noch Zeit für einen Abschiedscappucino in einer italienischen Bar. Dazu bestellte ich mir einen köstlichen Pistazienéclair.

Gegen 15:30 Uhr holte ich meinen Koffer aus dem Hotel und ging zum Bahnhof. Der Weg zum Gebäude war nicht weit, aber wegen der andauernden Bauarbeiten im Rahmen des Projekts „Stuttgart 21“ folgte ein ewig langer Umweg durch einen überdachten Tunnel. Am Gleis wurde eine weitere Verspätung meiner Zugverbindung angezeigt, da aber ab 20 Minuten Verspätung die Zugbindung aufgehoben ist, konnte ich einen anderen Zug nach München nehmen, der nach wenigen Minuten abfuhr. Nach zwei entspannenden Stunden erreichten wir pünktlich den Münchner Hauptbahnhof und bald hieß es bald wieder „Home sweet Home“.

Fazit

Schwierig ! Die Stuttgarter Innenstadt hat mich nicht begeistert : keine herausragenden Sehenswürdigkeiten und zuviel Kommerz. Shopping ist nicht mehr mein Ding. Weil ich es nicht schaffte, mir neue Handschuhe zu kaufen, trug ich während meines Aufenthalts ein nicht zusammenpassendes Paar!

Die Weissenhofsiedlung, der Chinagarten und die Staatbibliothek waren richtig toll. Auch gefiel mir das Quartier am Killesberg mit seinen Stadtaussichten. Im Sommer auf den Panoramawegen (Broschüre der Touristeninformation) durchs Grüne zu spazieren und die Stadt von oben anzuschauen, würde mir wahrscheinlich gefallen.

Sehr wohlgefühlt habe ich mich in den beiden Nachbarschaftscafés, in denen ich Pausen einlegte. Dort herrschte eine sehr entspannte Atmosphäre und ich traf nur nette und hilfsbereite Mitmenschen. Das galt auch für meine sonstigen Begegnung mit Stuttgartern.

Die Staatsgalerie zu besuchen, hatte zu den Hauptmotiven für den Besuch in Stuttgart gehört. Könnte mir gut vorstellen, wegen einer Sonderausstellung zurückzukehren ein oder zweimal zu übernachten, vielleicht eine Theatervorstellung zu besuchen und auf einem Panoramaweg zu wandern. Gerade lese ich allerdings, dass die Staatsgalerie im Laufe diesen Jahres wegen Sanierungsarbeiten schließt und ein Interimsquartier am Schlossplatz beziehen wird. Mal sehen …

Im Januar schaffte ich noch einen Tagesausflug nach Memmingen, ein wunderbares Städtchen mit einer sehr sehenswerten Altstadt. Stay tuned!

Stuttgart im Januar # 4 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Stuttgart im Januar # 3

3.1.2026 nachmittags : Architekturtour

Gegen 13 Uhr brach ich wieder auf. Am Bahnhof nahm ich den 44er Bus zum Killesberg, um die Weissenhofsiedlung zu besuchen. Während der Busfahrt unterhielt ich mich mit einer netten älteren Stuttgarterin über den immerwährenden Bahnhofsumbau „Stuttgart 21“. Die Gleise sind seit Jahren nur über große Umwege zu erreichen. Wahrscheinlich musste ich bei der Rückfahrt einen noch längeren Weg als am Vortag gehen, da mein Zug von Gleis 16 abfuhr.

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Bevor sie aussstieg, empfahl mir die Stuttgarterin noch, auf dem Rückweg den kleinen Chinagarten zu besuchen. An der Haltestelle „Kunstakademie“ stieg ich, mäanderte ein wenig durch die Straßen, fand aber schließlich den Eingang zum Weissenhofmuseum.

Die Weissenhofsiedlung entstand 1927 in Stuttgart unter der Leitung von Mies van der Rohe. Beteiligt waren später berühmte Architekten u.a. Walter Gropius, Peter Behrens und Le Corbusier. Für die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ wurde eine Mustersiedlung errichtet. Gefragt waren Wohnbauten, die mit geringen finanziellen Mitteln in kurzer Zeit errichtet werden konnten. Neue kostengünstige Materialien wie Stahl und Eisenbeton wurden verwendet. Der schnörkel- und schmucklose Stil der Neuen Sachlichkeit zeigt sich an den Gebäuden, die ausnahmslos Flachdächer aufwiesen.
Quelle : ReiseKnow City Trip Stuttgart

Das Museum der Weißenhofsiedlung ist im Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret untergebracht. Das Gebäude gehört seit 2016 zum Unesco Weltkulturerbe. In der rechten Haushälfte zeigen sich die Räume weitgehend im Zustand von 1927. Wiederhergestellt werden konnten auch die Einrichtungsgegenstände. Le Corbusier entwarf feste Einbaumöbel. Die massiven Schränke dienten als Aufbewahrungsort für Haushaltsgegenstände und Betten. Weitere Möbel waren nicht notwendig. Nachts konnten die Betten zum Schlafen aus den Schränken herausgezogen werden. Tagsüber verschwanden sie dort wieder und so entstand ein großer freier Wohnraum. Die Räume wurden von einem schmalen Flur mit nur 60 cm Breite erschlossen.

Ein weiteres Kennzeichen des Doppelhauses war der große Dachgarten. In großen Pflanztrögen sollten hohe Sträucher und Blumen wachsen.
Quelle : Doppelhaus Le Corbusier/Pierre Jeanneret , Wüstenrotstiftung, 2005

Die Ausstellung fand ich toll. Die Geschichte des Neuen Bauens wurde anschaulich vermittelt. Vor allem den Kulturwandel des Wohnens fand ich sehr interessant: von der Gründerzeit mit pompösen Bauten und der entsprechenden Inneneinrichtung zu kleineren und lichten Behausungen mit wenig transportablen Möbeln. Sowohl die Bauzeit wurde so drastisch reduziert als auch die Mobilität der Bewohner erleichtert. Man merkte dem Gebäude allerdings auch an, dass es als Musterwohnung und weniger zum tatsächlichen Benutzen konzipiert worden war. Das sehr enge und steile Treppenhaus bildete sicherlich eine Herausforderung für die Bewohner. Ein wenig erinnerte mich das Haus an die, allerdings vollständig möbilierte, Musterwohnung Perret in Le Havre aus den 1950er Jahren (s. Post), in der aber viel Wert auf den Wohnkomfort gelegt worden war.

Mit dem Faltblatt des Museums ging ich durch die Weissenhofsiedlung und schaute mir die verbliebenen Gebäude an. Die privat vermieteten Häuser waren zum Teil schlecht einsehbar und einige wegen Renovierung hinter Gerüsten versteckt. Erhalten war auch ein Wohnblock, den Mies van der Rohe entworfen hatte. Reinstes Bauhaus! Das Gebäude hätte glatt Neuperlach stehen können (Trabantenstadt in München aus den 1970er Jahren).

Herrlich fand ich die Lage auf dem Killesberg. Nun sah ich die hüglige Stadtlandschaft von Stuttgart, die mir sehr gefiel. In der warmen Jahreszeit musste es dort herrlich zum Spazierengehen und Ausschauhalten sein.

Unterwegs entdeckte ich noch ein weiteres Graffiti von Jeroo auf einem Spielplatz.

Nach meinem Rundgang nahm ich wieder den 44er Bus, googelte aber gleich das nächste Café. An der Haltestelle „Helfrichstraße“ stieg ich aus. Inzwischen hatte es sich stark bewölkt und es fing an zu schneien. Ich flüchtete in das sehr nette Nachbarschaftscafé, wo ich einen Karottenkuchen zum Cappuccino bestellte und den kurzen Schneesturm abwartete.

Zum Chinagarten ging ich zu Fuß, immer bergab, an der Busstrecke entlang. Der Garten war eine der Attraktionen der Internationalen Gartenbauausstellung 1993 und wurde auf dem Killesberg wieder aufgebaut. In dem durch eine Mauer von der Umgebung getrennte Garten wuchsen im Winter natürlich keine Pflanzen, aber die Tempelchen und die durch kleine Felsen und Teiche dargestelle Landschaft sahen zauberhaft aus. Und natürlich bot sich vom höchste Punkt ein guter Ausblick auf die Stuttgarter City.

Auf der Rückfahrt hielt der Bus an der Stadtbibliothek. Ich stieg dort aus, weil ich mir das Gebäude von Innen anschauen wollte. Entworfen wurde das Gebäude vom koreanischen Architekten Eun Young Yi. Das Zentrum des Innenraums bildet der 14 m Galeriesaal, ein beeindruckend schlichter heller Hohlraum, der über vier Geschosse reicht und durch ein zentrales Oberlicht beleuchtet wird. Die umlaufenden Wände enthalten Bücher- und Medienregale sowie Sitzgelegenheiten. Der Blick nach unten zeigt eine umgedrehte Stufenpyramide.
Quelle : Reise Know-How City Trip Stuttgart

Den Raumeindruck fand ich wunderschön. Der Innenraum wurde am späten Nachmittag zusätzlich künstlich beleuchtet. Ich fragte mich, ob der Raum bei hellem Tageslicht sogar noch besser wirkte. Jedenfalls gefiel mir die ruhige Atmosphäre. Auf einer Bank setzte ich mich hin und schmökerte ein bisschen in einem Roman.

Beim Fotografieren wurde ich von einem freundlichen Security Mann angesprochen, der mir nach kurzer Rücksprache zum Zweck meiner Aufnahmen einen Badge „Film- und Fotoarbeiten “ gab und mich bat, diesen an meine Jacke zu kleben. Der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtbibliothek Stuttgart danke ich für die Genehmigung zum Posten der nachfolgenden Fotos.

Stadtbibliothek Stuttgart / Yi Architects
Stadtbibliothek Stuttgart / Yi Architects
Stadtbibliothek Stuttgart / Yi Architects

Abends folgte ich einem Tipp der Rezeption und ging in einem Traditionslokal essen. Die handgemachte schwäbische Maultasche mit geschmelzten Zwiebeln und Salat schmeckte köstlich. Hatte sogar noch Platz für ein Dessert. Den leckeren Ofenschlupfer mit Vanillesoße, einen schwäbischen Brotauflauf, schaffte ich dann gerade noch.

Bevor ich einschlief, dachte ich an den herrlichen Tag. Ich hatte spannende moderne Architektur gesehen und schöne Wohngegenden entdeckt.

Am nächsten Tag vor der Abreise sollte das Wetter schlechter werden. Nun stand mein Besuch der Staatsgalerie Stuttgart an, die schon seit langer Zeit auf meiner Liste gestanden hatte (s.Bericht)

Stuttgart im Januar # 3 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Stuttgart im Januar #2

Seit einigen Monaten kann ich aus persönlichen Gründen keine längeren Reisen mehr unternehmen. Anfang Januar tat sich dann wieder ein kleines Zeitfenster auf. Ich verbrachte zwei Tage in Stuttgart.

Über die Ankunft und meinen etwas holprigen Start in Stuttgart hatte ich schon berichtet (Stuttgart im Januar #1). Nun folgt die Fortsetzung. Damit es euch nicht langweilig wird, versuche ich einmal etwas Anderes. Anstatt „Dann ging ich dahin, fotografierte und dann ging ich weiter“ will ich die nicht mehr ganz junge Inga von außen beobachten und ihre altersbedingten Irrungen und Wirrungen beschreiben. Wenn euch die besuchten Sehenswürdigkeiten und Orte interessieren, könnt ihr jeweils die Links zu Wikipedia und Co anklicken.

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Früh am Morgen suchte Inga ein Bäckereicafé in der Nähe des Hotels auf. Schon seit einiger Zeit schaffte sie das Hotelfrühstück nicht mehr. Tja, das Alter ! Sie aß dann oft zuviel und hinterher war es ihr schlecht. Im Café bestellte sie sich einen Latte Macchiato, Orangensaft und ein Croissant mit Honig. Zusammen kostete es fast soviel wie das Hotelfrühstück und das Sitzen unter der lauten Lüftung fand sie sehr ungemütlich.

Bei sonnigem Winterwetter tappte sie danach durch den noch nicht bevölkerten Oberen Schlossgarten. Wegen Schnee und Glatteis musste sie sehr aufpassen. Jetzt bloß nicht stürzen ! Hinter dem Opern- und Schauspielhaus und dem Landtag (stylische Architektur aus den 1950er Jahren, aber das Gebäude wirkte recht klein) folgte sie der Eugenstraße.

Warum Inga dann unbedingt die vielen Stufen auf der steilen Treppe des Eugenstäffele zum Eugensplatz hinaufsteigen musste, weiß der Teufel. Die Stuttgarter Treppenanlagen oder Stäffele, sind eine lokale Sehenswürdigkeit, und diese konnte sie mal wieder nicht auslassen. Es klappte aber recht gut, obwohl die Stufen im oberen Bereich teilweise vereist waren und sie etwas außer Atem oben ankam. Der prächtige Panoramablick über den Stuttgarter Talkessel entschädigten sie für die Mühe.

Wir folgen der alten Dame, die auf nun auf breiten Straßen hinab zum Bohnenviertel schlenderte. In diesem Szene- und Ausgehviertel waren zur morgendlichen Stunden alle Läden und Lokale verrammelt, die Gassen wirkten verlassen ( na so was aber auch !) und die alten Bauten fand sie nicht gerade spektakulär. Die evangelische Leonhardskirche war außerdem geschlossen.

Als sie durch das Leonhardsvierel in Richtung Heusteigviertel ging, sah sie einige Erotik Bars („Girls, girls, girls“ o.Ä.). Die Gegend war wohl eine Mischung aus Rotlicht- und Ausgehviertel. Bohnen- und Heusteigviertel sollten laut Reiseführer Hotspots für Kaffeepausen sein, aber die durchgefrorene und kaffeedurstige Inga sah kein Café oder Lokal, das um 10 Uhr morgens geöffnet hatte.

Sie suchte Rat bei „Tante Google“ und fand ein hochgelobtes Café in der Nähe. Auf dem Weg entdeckte sie mehrere Pieces und zwei Murals, eine vom lokalen Street Artist Jeroo. Seine Werke hatte sie schon in Nürnberg und aus Rosenheim bewundert. So ganz verstehe ich nicht, warum Inga erst in reiferem Alter die Street Art lieben gelernt hat. Aber seis drum, es interessiert sie und macht ihr Spaß, und das ist schließlich die Hauptsache.

Im Nachbarschaftscafé fühlte sich Inga sehr wohl. Der Barista verneinte ihre Frage nach koffeinfreiem Kaffee, bereitete ihr aber reizenderweise einen weniger starken Cappuccino zu. Dazu bestellte sie sich ein Laugencroissant mit Ei. Alles schmeckte ausgesprochen köstlich und die anderen Gäste fand sie sehr freundlich und nett. Sie hätte den Rest des Tages in diesem Lokal verbringen können, aber das kam selbstverständlich nicht in Frage. Ihr Besichtigungsprogramm musste absolviert werden!

Wunderbar regeneriert kehrte sie zurück ins Zentrum. Die Touristeninformation war nun geöffnet. Sie bekam dort gute Unterlagen zu Rundgängen, z.B. über die Stuttgarter Hügel, die für die wärmere Jahreszeit geeignet waren, aber der Flyer zum Kunstspaziergang mit modernen Kunstwerken in der Öffentlichkeit wurde nicht mehr aufgelegt und zu Street Art gab es auch Nichts.

Nun war es höchste Zeit für Inga sich auszuruhen. Nicht nur die müden Knochen brauchten eine Pause. Sie kehrte ins Hotel zurück, wo sie bis 13 Uhr relaxte. Am Nachmittag besuchte sie die Weißenhofsiedlung auf dem Stuttgarter Killesberg. Wenn ihr euch für die Geschichte der Modernen Architektur interessiert, kommt doch einfach mit (Bericht folgt)!

Enttäuschen muss ich euch allerdings, wenn euch das Mercedes-Benz oder das Porsche Museum eher zusagen würde. Mit Autos hatte die alte Frau leider überhaupt nichts am Hut.

Stuttgart im Januar #2 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Stuttgart im Januar #1

Seit einigen Monaten kann ich aus persönlichen Gründen keine längeren Reisen mehr unternehmen. Anfang Januar tat sich dann wieder ein kleines Zeitfenster auf. Ich fuhr nach Stuttgart, eine Stadt, die ich schon lange kennenlernen wollte.

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2.1.2026 – Ein holpriger Start !

Um meine Stimmung an diesem Tag zu schildern, gebe ich Auszüge aus meinem Reisetagebuch wieder.

Im Hauptbahnhof in München bekam ich erst einmal einen Schrecken. Mein Zug um 8:45 Uhr fiel aus. In der Reiseinformation sagte man mir, dass ich den nächsten Zug um 9:02 Uhr nehmen solle und eine Tür weiter, im Reisezentrum, konnte ich meine Sitzplatzreservierung umbuchen. Nach zwei Stunden erholsamer Fahrt in der 1.Klasse (Endlich wieder ! Mit dem wahrscheinlich voll belegten Eilzug via Deutschlandticket hätte ich mehr als drei Stunden gebraucht.) kamen wir in Stuttgart an. Irrte einmal rund um die Monsterbaustelle des Bahnhofsgebäudes zum Hotel, das in der Nähe des normalen Hauptausgangs lag.

Im Hotel war das Computersystem zusammengebrochen. Einchecken war nicht möglich. Wartete eine Viertelstunde, dann gab ich den Koffer ab und trollte mich. Draußen war es eklig nasskalt und grau. Freute mich über die gute Lage des Hotels : nicht weit von der Königstraße (Fußgängerzone zum Shoppen, was ich nicht nutzen sollte), über die man in kurzer Zeit den zentralen Schlossplatz erreicht. Na ja, der riesige Platz begeisterte mich nicht. Im Sommer, wenn die Blätter grün sind, sieht es dort wahrscheinlich schöner aus.

Der Renaissancehof des Alten Schlosses gefiel mir dann aber doch. Direkt dahinter liegt der Schillerplatz, der schönste Stuttgarter Platz (laut Reiseführer). Er war von historischen Gebäuden umgeben und ausnahmsweise waren dort mal keine Restaurants, Cafés oder Läden untergebracht (Anm: Bis auf das Restaurant „Alte Kanzlei“, das ich erst später entdecken sollte).

Danach kam ich an der Stiftskirche vorbei, dem ältesten Stuttgarter Gotteshaus. Am Eingang hing ein Schild „Geschlossen bis 6.1.2026, außer zur Messe am 4.1.“. Dann folgte der nächste Hammer. Die Touristeninformation am Marktplatz, wo ich mir einen besseren Stadtplan holen und mich nach Street Art erkundigen wollte, war wegen Inventur an diesem Tag nicht geöffnet.

Auf dem riesigen Marktplatz mit dem markanten Gebäude des Kaufhauses Breuninger wollte ich mich hinsetzen, fand aber keine freie Bank. Ich spazierte weiter zur Markthalle. Beide Restaurants im Erdgeschoss waren voll belegt und in die Edelgastronomie auf der Empore wollte ich nicht einkehren. Der Blick von oben in die Markthalle sah aber nett aus.

Schon etwas entnervt ging ich in ein Bräuhaus gegenüber der Markthalle. Wollte mir mit einer Flädelesuppe (Rinderbrühe mit Pfannkuchenstreifen) etwas Einfaches bestellen. Die Suppe musste ich zweimal zurückgehen lassen, weil sie lauwarm serviert wurde, was für mich bei Fleischbrühe ein absolutes Tabu darstellt. Beim zweiten Mal beschwerte ich mich und danach konnte ich die Suppe endlich heiß genießen. Das ganze Theater dauerte dann etwa eine Stunde (!).

Danach zog ich weiter zur Calwer Straße. Gut, da standen schöne historische Giebelhäuser, aber nur wenige, und in jedem alten Gebäude befand sich ein Café oder ein Restaurant.

Besuchte dann das Kunstmuseum, mehr aus Verzweifelung, weil ich nicht wusste, was ich in der Stuttgarter Innenstadt noch tun sollte. Die Sammlung mit vielen Gemälden von Otto Dix war allerdings nicht mein Fall. Ich hatte auf einen Platz im Dachterrassencafé mit schönem Blick auf den Schlossplatz gehofft, aber der gute Mann am Eingang konnte uns keinen Platz mehr anbieten. Im Gastraum sah es eigentlich nicht voll aus, aber er meinte, die Kollegen seien krank und er schaffe es nicht mehr. Wenigstens konnte ich neben dem Café den Schlossplatz durch die spiegelnden Scheiben fotografieren.

Sogar das Kaffeetrinken war schwierig. Im Café im Königsbau dachte ich, dass es eventuell noch etwas Besseres gab und ging in ein bekanntes Lokal in der Königstraße. Dort stand ich mit einigen Anderen in der Warteschlange. Schließlich wurde ich zu einem langen Holztisch geführt, an dem Hocker ohne Lehne standen. Ein Paar, das mit mir hineingekommen war, durfte an einem Vierertisch mit bequemen Stühlen sitzen. Fragte beim Kellner nach, der mir antwortete, dass es für mich keine andere Sitzmöglichkeit gab, weil ich alleine war. Verließ die ungastliche Stätte und kehrte zurück ins Café im Königsbau, wo ich eine köstliche Pistazienschnitte zum Cappuccino bekam.

Hinterher fotografierte ich noch ein bisschen auf dem Schlossplatz. Nun sah ich sogar die Sonne. Das Riesenrad und die Jubiläumssäule sahen im Abendlicht und in der Dämmerung herrlich aus.

Danach checkte ich im Hotel ein. Mein Zimmer lag sehr ruhig im 7.Stock im Innenhof.

Abends aß ich in einem vietnamesischen Lokal in der Nähe des Schlossplatzes. Hatte reserviert und wurde an ein Tischchen gesetzt, das direkt an der Theke stand. War nicht wirklich gemütlich, weil die Kellnerinnen dauernd vorbei flitzten, auch wenn sie dabei so ruhig waren, dass es nicht so auffiel. Fünf Minuten nach meiner Bestellung kam schon das Essen und nach einer knappen halben Stunde war ich wieder draußen. Die Ente hatte mir aber gut geschmeckt !

Das Riesenrad war um 20 Uhr schon geschlossen, aber den Königsbau, den Pavillion und das Kunstmuseum konnte ich schön beleuchtet fotografieren

Mit der U-Bahn fuhr ich zur Stadtbibliothek. Die Fassade war aber nicht so herrlich blau illuminiert, wie ich es auf vielen Fotos gesehen hatte. An der Information im Gebäude fragte ich nach. Es passierte nur noch an wenigen Tagen im Jahr. Wahrscheinlich eine Sparmaßnahme genau wie die Abschaffung der „Glanzlichter Stuttgart“, der Weihnachtsbeleuchtung des Schlossplatzes durch fünf Lichtkunstwerke, seit der Saison 2025/2026.

Zurück im Hotel ging ich an die Bar, wo ich einen alkoholfreien Mojito trank (nur Ginger Ale, Minze, Limette und Rohrzucker aber erfrischend und lecker). Mein 1. Tag in Stuttgart war nicht wirklich rund gelaufen. Hoffentlich wurde das noch besser !

Tatsächlich gefiel es mir am nächsten Tag in Stuttgart. Seid gespannt auf meinen Bericht.

Stuttgart im Januar #1 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Tagestour : Landshut im Dezember

„Landshut lohnt sich immer !“ dachte ich und begab mich an einem trüben Dezembermorgen in die niederbayerische Stadt mit 72000 Einwohnern. Mein letzter Besuch im liebenswerten Landshut lag schon jahrelang zurück. Es hatte mir dort immer gut gefallen, daher war nun höchste Zeit für eine Wiederholung.

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Eigentlich wollte ich mit dem Zug fahren, um mein Deutschlandticket zu nutzen, aber wieder einmal wurde eine Bahnstrecke saniert, so daß sich die Fahrtzeit verdoppelt hatte. Mit dem Weg zum Bahnhof wäre ich fast drei Stunden unterwegs gewesen, daher nahm ich das Auto. Nach einer guten Stunde kam ich in Landshut an, parkte auf dem riesigen Platz an der Grieserwiese (1€ pro Tag) und legte den kurzen Fußweg in die Altstadt zurück. Auf dem Dreifaltigkeitsplatz warf ich einen ersten Blick auf die hoch über der Stadt thronende Burg Trausnitz, die ich später besichtigen wollte.

Zunächst besuchte ich die spätgotische Martinskirche, die im Jahr 1500 fertiggestellt wurde und mit 130 Metern den höchsten Backsteinturm der Welt sowie den höchste Kirchturm Bayerns aufweist.

Weiter ging es durch die Fußgängerzone mit dem passenden Namen „Altstadt“ (wobei es noch eine Parallelstraße namens „Neustadt“ gibt, die nur etwas neuer wirkt), wo ich den gut erhaltenen Stadtkern mit zahlreichen Bauten aus der Gotik und der Renaissance bewundern konnte.

Vor einer Fassade hing eine riesige Stoffplane mit einer Darstellung der Landshuter Hochzeit. Im Jahr 1475 war Landshut Schauplatz der pompösen Hochzeit von Herzog Georg dem Reichen und der polnischen Königstochter Hedwig. Dieses Ereignis wird von den Landshuter Bürgern seit 1903 in einem mehrwöchigen historischen Fest nachgespielt, das alle vier Jahre im Sommer veranstaltet wird. Die nächste „Landshuter Hochzeit“ ist im Jahr 2027 geplant. Ich hätte schon Lust, mir einmal einen der Festzüge anzuschauen.

Mein nächstes Ziel war die Burg Trausnitz, aber vor dem Aufstieg brauchte ich noch eine Stärkung. Ich kehrte im Café Belstner (Werbung ohne Auftrag) im Herzen der Altstadt ein, wo ich mich aufwärmte und eine wunderbar köstliche „Himmlische Torte“ verspeiste. Danke Tom (von CoffeeNewstom) für diesen guten Tipp !

Gut gestärkt machte ich mich an den Aufstieg auf den Hofberg. Sehr fit war ich wieder nicht, doch langsam aber stetig erreichte ich das Ziel. Dabei muss ich recht angestrengt gewirkt haben. Eine freundliche Dame, die mir entgegenkam, rief mir aufmunternd zu : „Gleich haben Sie es geschafft !“. Schon peinlich, das Alter !

Im Burghof traf ich auf eine große Reisegruppe aus China, aber als meine Führung eine halbe Stunde später startete, waren wir glücklicherweise nur zu dritt. Wir verbrachten eine kurzweilige und interessante Geschichtsstunde im historischen Gemäuer (Baubeginn im Jahr 1204). Die Führerin erwähnte natürlich, dass die Ludwigs-Maximilian Universität in München bis 1826 in Landshut angesiedelt war, worauf das Ingolstädter Ehepaar, das an der Führung teilnahm, darauf hinwies, das die erste bayerische Landesuniversität 1472 in Ingolstadt gegründet wurde und erst im Jahr 1800 nach Landshut verlegt wurde. Heutzutage ist Landshut wieder Hochschulstandort mit knapp 5000 Studierenden.

Den wunderbaren Ausblick über die Landshuter Altstadt von der Burgterrasse konnte das trübe Wetter nur ein kleines bisschen trüben.

Durch den Hofgarten, der auf mich wie ein großer Stadtwald wirkte, stiegen wir wieder hinunter zur Altstadt. Ich ging sehr langsam und vorsichtig, weil mir das feuchte, steile Gelände rutschig vorkam. Schnell trennten sich daher unsere Wege.

Zurück in der Altstadt schaute ich noch im Rathausprunksaal vorbei, den man kostenlos besichtigen kann. Im Obergeschoss des Rathausmittelgebäudes befindet sich dieser prächtig bemalte Raum. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Saal im neugotischen Stil umgestaltet. Dargestellt ist auf Gemälden des umlaufenden Frieses die Landshuter Hochzeit (https://www.ostbayern-tourismus.de/attraktionen/rathausprunksaal-60cdcda1c7 mit einer 360 ° Ansicht). Angemessen beeindruckt verlies ich das Rathaus und bummelte noch ein bisschen durch die Fußgängerzone.

Zum Abschluss gönnte ich mir eine kleine Brotzeit und fuhr dann hochzufrieden nach Hause. Landshut hatte mir wieder sehr gut gefallen. In der warmen Jahreszeit möchte ich zurückkehren und weitere Plätze besuchen, u.a. am Isarufer spazieren und mir die Skulpturen von Fritz Koenig im Prantlgarten am Hofberg anschauen. Und auf einer Caféterrasse dem Treiben in der Altstadt zuzuschauen, ist sicher herrlich.

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Kurztrip im November : Ulm #2

14.11.2025

Vor 9 Uhr brach ich auf, um meine restlichen Ziele in Ulm „abzufrühstücken“. Zunächst machte ich mich auf den Weg zu den Grabenhäusle.

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Unterwegs kam ich am Kepler-Gymnasium vorbei, wo ich eine herrliche Mural mit Portraits der Wissenschaftler Kepler (links) und von Humboldt (rechts) bewunderte, die von Partners in Paint umgesetzt wurde.

Weiter ging’s zu den Grabenhäusle. Dort wohnt man quasi direkt auf der Stadtmauer. Die Grabenhäusle wurden Anfang des 17. Jahrhunderts als Soldatenunterkünfte gebaut. Damals eher einfach ausgestattet, sind die restaurierten Häuschen in malerischer Umgebung inzwischen heiß begehrte Immobilien. Und in einer Straße mit dem wunderbaren Namen „Seelengraben“ zu wohnen, hat was!

Während ich in Richtung Donauufer schlenderte, passierte ich das historische Zeughausgebäude, vor dem der skurrile Einsteinbrunnen steht, der dem berühmten Phyiker und Sohn der Stadt Ulm gewidmet ist. Es handelt es sich allerdings nicht um einen Brunnen sondern um eine Plastik.

Nun war es nicht mehr weit zum Gänsturm (Baubeginn im Jahr 1360), dem letzten noch verbliebenen Stadttor. An diesem Morgen war es sehr dunstig. Eigentlich sollte die Sonne herauskommen, aber darauf wartete ich vergeblich. Im Gegensatz zu dem herrlichen Wetter am Vortag musste ich nun mit flachem, trübem Fotolicht zurechtkommen.

Dann folgte ich dem Donauuferweg in Richtung Innenstadt. Mein nächstes Ziel war der Aufstieg auf den Berblinger Turm, der an Pionier der Luftfahrt Albrecht Ludwig Berblinger, den sog. Schneider von Ulm, und seinen leider mißglückten Flugversuch mit einer Art Gleitfluggerät über die Donau am 30. Mai 1811 erinnert. Erst 2020 wurde am Donauufer an der Stelle von Berblingers Flugversuch ein 20 Meter hoher, um 10° aus der Senkrechten zur Donau geneigter Aussichtsturm in Gestalt einer Wendeltreppe eröffnet, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Mir war der Aufstieg über die Stufen, durch die man nach unten blicken konnte, verbunden mit der Neigung des Turms, nicht geheuer. Stur geradeaus schauend strebte ich nach oben und nach einem kurzen Rundblick gleich wieder hinunter.

Zurück in der Altstadt fotografierte ich noch ein bisschen, u.a. den Kontrast der Fassade des historischen Rathauses zum pyramidenförmigen Neubau der Stadtbibliothek und eine besprühte Wand am Museum Ulm. Die Mural war teilweise von einer Baustelle (des Museumsgebäudes ?) verdeckt. Des öfteren frage ich mich, warum zur Zeit in unserem Land an so vielen Stellen gebaut wird, ob es sich vielleicht um Investitionen aus dem deutschen Sondervermögen für die Infrastruktur handelt.

Nach einem kurzen Rundgang durch die Altstadt kehrte ich ins Hotel zurück, um auszuchecken und meinen Koffer zu deponieren. Nach einer Stärkung in einem Bäckerei Café beschloss ich, dem nasskalten Wetter durch Ausstellungsbesuche auszuweichen.

In Stadthaus schaute ich mir die überaus interessante Fotoschau „Nothing Personal – The Back Office of War“ von Nikita Teryoshin an. Mit seiner Langzeitserie dokumentierte der Fotograf internationale Waffenmessen und zeigte dabei die Kulissen des Millardengeschäfts. Auf Empfängen wird das Kriegsgeschehen in einer künstlichen Umgebung vor Ministern, Staatsoberhäuptern, Generälen und Händlern eindrucksvoll inszeniert. Mir gefiel besonders, dass die Akteure zwar abgebildet, aber ihre Gesichter in der Regel nicht gezeigt wurden, was ihre Anonymität und Austauschbarkeit akzentuierte. Teilweise waren sie von hinten zu sehen, z.B. mit riesigen Militärkappen bekleidet, oder die Köpfe waren abgeschnitten.

Danach besuchte ich die Kunsthalle Weishaupt in der Neuen Mitte, die ich am Vortag fotografiert hatte. Leider wurde nicht die Sammlung von geometrisch-konkreter Kunst gezeigt, sondern die Ausstellung „Cosmic Color“ von Werken von Willi Siber, die nicht mein Fall war. Aber die moderne Architektur von Innen zu sehen, war interessant und eröffnete schöne Durchblicke.

Zum Mittagessen setzte ich mich in ein Café neben dem Herrenkeller, das gut besucht war und zwei Tagesgerichte anbot. Ich entschied mich für Tagliatelle mit Hähnchenbrust und Pilzen: eine gute Wahl!

Auf dem Rückweg zum Hotel entdeckte ich noch herrliche Fachwerkbauten und eine Figur, die den Ulmer Spatz darstellt. Dieser Vogel ist ein Wahrzeichen Ulms. Der Sage nach schafften es die Ulmer beim Bau des Münsters nicht, einen großen Balken durch das Stadttor zu bringen. Da sahen sie einen Spatzen, der einen Zweig im Schnabel trug und diesen vor dem Einbau in sein Nest längsseits drehte. Nun ging den Ulmern ein Licht auf. Sie legten den Balken der Länge nach auf ihren Wagen nicht, wie bisher, quer. Man muss sich aber fragen, ob derart begriffsstutzige Menschen ein so großartiges Bauwerk wie das Münster hätten errichten können.

Für das Museum „Brot und Kunst“ fehlte mir leider die Zeit. Diesen Besuch werde ich bei Gelegenheit nachholen.

Als ich mein Köfferchen zum Bahnhof rollte, entdeckte ich zum Abschied ein bemerkenswertes Street Art Werk „Stop Bombing Civilians“ : das ein Sterntalermädchen zeigt, das statt Talern Raketen auffängt. Man muss allerdings befürchten, dass sie dabei zu Schaden kommt!

Vor meiner Abfahrt wollte ich gerne noch einen Kaffee im Bahnhof trinken. Dort angekommen merkte ich, dass die Bahnhofshalle wegen Renovierung geschlossen war. In einem Bäckereicafé auf der anderen Straßenseite fand ich noch einen Platz. Beim Cappuccino, der nicht gerade köstlich war, dachte ich wieder darüber nach, warum zur Zeit so viele öffentliche Gebäude in Deutschland jahrelang umgebaut werden müssen.

Der Zug nach München war hoffnungslos überfüllt. Ich fand noch einen Sitzplatz, war aber froh als die zweistündige Fahrt mit zum Teil arg nervenden Mitreisenden zu Ende war. Immerhin kamen wir pünktlich in München an.

Fazit

Ulm ist eine Reise wert. Die kompakte Innenstadt lässt sich ohne Weiteres fußläufig besichtigen. Ulm eignet sich gut für einen Kurztrip und kann z.B. an langen Sommertagen auch gut an einem Tag besichtigt werden. Gemütlicher ist es allerdings mit einer Übernachtung in der malerischen Altstadt.

Hin- und hergerissen war ich nicht von den Ulmer Sehenswürdigkeiten, fand ich es aber recht nett in der Stadt. Mit weniger Baustellen, z.B. im Fischerviertel, lässt sich dort sicher eine entspannte Zeit verbringen.

Gefallen hat mir besonders die hochkarätige, kostenlose Fotoausstellung im Stadthaus. Wenn ich wieder einmal in der Gegend bin, würde ich schauen, was dort gezeigt wird.

Eine längere Reise mit dem Regionalzug möchte ich mir aber nicht mehr antun. Lieber verzichte ich auf die Fahrt mit dem Deutschlandticket und nehme den ICE.

Kurztrip im November : Ulm #2 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Kurztrip im November: Ulm #1

Seit einigen Monaten kann ich aus persönlichen Gründen keine längeren Reisen mehr unternehmen. Kleine Fluchten sind aber mitunter möglich. Im November 2025 brach ich wieder zu einem Kurztrip auf. „In Ulm und um Ulm und in Ulm und um Ulm herum“ hielt ich mich nicht auf, stromerte aber doch kreuz und quer durch die Ulmer Altstadt.

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13.11.2025
Kurz vor 11 Uhr kam ich nach zwei Stunden Fahrt mit dem Bummelzug (pardon: Regionalexpress) pünktlich in Ulm an. Zum Hotel lief ich nur zehn Minuten, deponierte mein Köfferchen und ging gleich zum Münsterplatz. Ebenfalls ein kurzer Fußweg !

Auf dem Münsterplatz erlitt ich den im deutschen November üblichen Schock : alles war verbarrikadiert, der Weihnachtsmarkt wurde aufgebaut. Im Stadthaus, dem modernen Ausstellungsgebäude am Münsterplatz, fuhr ich auf die Aussichtsterrasse im 3. Stock. Dort hatte ich einen guten Blick auf das Münster.

Dann war es nicht einfach, den Zugang zum Ulmer Münster, immerhin die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, zu finden. Nachdem ich mehrfach am Bauzaun entlang gelaufen war und Passanten angesprochen hatte, gelang es mir schließlich. Im Kircheninneren des größten gotischen Sakralbaus in Süddeutschland und der größten protestantische Kirche in Deutschland, die ab 1377 gebaut wurde (Quelle: Wikipedia), war natürlich wieder Baustelle. Der lichte Gesamteindruck im Münster gefiel mir, auch wenn man hinter dem Gerüst den Altar und weitere kunstvollen Objekte nicht sehen konnte, wohl aber die Orgel.

Dann konnte ich es wieder einmal nicht lassen. Gesundheitlich war ich nicht richtig fit, musste aber unbedingt auf den Turm steigen. Immerhin handelt es sich um den zweithöchsten Kirchturm der Welt (erst im Oktober 2025 war er vom noch unvollendeten Turm der Sagrada Familia in Barcelona als der Höchste entthront worden). Glücklicherweise konnte ich wegen der Bauarbeiten von den 768 Stufen nur 520 Stufen hinaufsteigen.

Der Aufstieg über die enge Treppe ohne nennenswerte Rastmöglichkeiten war schrecklich anstrengend. Zum Schluss ging ich im Zehnertakt, immer 10 Stufen weiter und dann eine kurze Pause. Außerdem begann, als ich den Turm hinaufjapste, auch noch ein sehr lautes und langes Mittagsläuten der Glocken. Der Ausblick über die Stadt war schön, aber die Strapaze definitiv nicht wert. Es wunderte mich nicht, dass ich beim Aufstieg nur einem Mann begegnete.

Mit zitternden Knien kam ich wieder unten an. Ich steuerte das nächste Restaurant am Münsterplatz an und regenerierte mich bei sehr leckeren knusprigen Bruschette.

Gut erholt spazierte ich danach zum Rathaus, aber zunächst zur „Neuen Mitte“. Durch den Rückbau einer vierspurigen Straße durch das Ulmer Zentrum hatte sich die Möglichkeit ergeben, ab dem Jahr 2004 mitten in der Altstadt modernste Architektur zu errichten. Beteiligt waren an den Bauten rund um den Hans-und-Sophie-Scholl-Platz Stararchitekten wie Gottfried-Böhm, der einzige deutsche Träger des Pritzker Preises (Zentralbibliothek in Pyramidenform), Stefan Braunfels (Kaufhaus „Münstertor“ und Sparkassengebäude) und Wolfgang Wöhr (Kunsthalle Weishaupt).
Quelle: http://www.schwaebischealb.de

Nachdem ich die Pilgerstätte der modernen Architektur bewundert hatte, ging ich zum historischen Rathaus mit seinen farbenprächtigen Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert und der astronomischen Uhr. Ziemlich opulente Fassaden, die ich persönlich fast schon ein kleines bisschen überladen fand (sorry !).

Dann schlenderte ich bei schönstem Sonnenschein zur Donau, ging durch das Metzgertor aus dem 13.Jahrhundert, dem schiefen Turm von Ulm, und auf der Stadtmauer zum Fischerviertel. Leider waren die schönsten malerischen Fachwerkgebäude hinter Bauzäunen versteckt. Und erst im dritten Anlauf gelang es mir, ein Mühlrad von dem Standpunkt zu fotografieren, den ich auf der Seite der Touristeninformation gesehen hatte. Trotzdem gefiel mir der Spaziergang im Sonnenschein.

Zurück in der Altstadt besuchte ich das Café Bellavista (Werbung ohne Auftrag) im Münstertor. Während ich ein sehr delikates Tiramisutörtchen zum Cappuccino verspeiste, freute ich mich über einen herrlichen Blick auf das Münster im warmen Nachmittagslicht.

Danach kehrte ich zur Donau zurück, um den Sonnenuntergang abzulichten, der allerdings nicht sehr fotogen war, weil die Sonne vorher hinter den Häusern verschwand.

Abends folgte ich einer Empfehlung von Tripadvisor und speiste in einem Traditionslokal. Die sauren Nierchen waren in Ordnung, aber ich hatte noch nicht ausgetrunken, da wurde ich schon gefragt, ob ich ein neues Getränk bestellen wollte und kurz danach, ob ich ein Dessert möchte. Ich verneinte Beides und dann kam immer abwechselnd einer der beiden Kellner an meinen Tisch und fragte nach meinen Wünschen. Dabei waren im Restaurant noch Tische frei ! Schließlich reichte es mir, ich zahlte und verließ das Lokal.

Auf dem Weg ins Hotel kehrte ich im Herrenkeller (Werbung ohne Auftrag) ein, einem Tipp der Hotelrezeption. Dort war es pickpacke voll, ich durfte mich aber trotzdem auf dem letzten Platz niederlassen. Sehr gemütlich ließ ich den Abend bei einem leckeren, wenn auch sehr mächtigen, Dessert und einem alkoholfreien Weißbier ausklingen.

Bevor ich ziemlich erschöpft in die Federn sank, überlegte ich mir noch, was ich vor meiner Heimreise am nächsten Tag unternehmen wollte. Seid gespannt!

Kurztrip im November: Ulm #1 erschien zuerst auf Wanderlustig.

Kurztrip im Oktober: Nürnberg

Seit einigen Monaten kann ich aus persönlichen Gründen keine längeren Reisen unternehmen. Kleine Fluchten sind aber mitunter möglich. So verschlug es mich Mitte Oktober wieder nach Nürnberg.

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Fotomesse

Am Samstag fuhr ich nach Nürnberg, um die Fotomesse „Imaging World“ zu besuchen. Von meinem Hotel in der Nähe des Bahnhofs nahm ich die U-Bahn, die mich in wenigen Minuten zum Messezentrum brachte.

Es war mein erster Besuch einer Fotomesse. Zum Einen staunte ich sehr über das große Sortiment der ausgestellten Fototechnik und zum Anderen über das Publikum. Etliche Besucher, vor allem die männlichen, hatten sich Kameras mit Monsterteleobjektiven umgehängt. Soo weit waren die Motive in der mittelgroßen Messehalle nun auch wieder nicht entfernt …

Die Panels waren zum Teil recht interessant, besonders gefiel es mir beim Schauspieler Armin Rohde, der von seiner Fotoleidenschaft erzählte. In seiner Jugend wollte er Fotojournalist werden, aber dann war ihm in den USA sein sehr teures Equipment gestohlen worden, so dass er viele Jahre lang nicht mehr fotografierte und stattdessen Schauspieler wurde. Inzwischen pflegt er seine Passion wieder und zeigt seine Fotos auf Ausstellungen.

Eine sehr delikate Kostprobe bekam ich am Stand der Foodfotography.

Abends ging ich noch zu einem Empfang der Fotocommunity, in der ich seit einem Jahr Mitglied bin. Alles in Allem ein interessanter und anregender Tag !

Street Art und Stadtspaziergang

Am Sonntag morgen begab ich mich wieder auf Street Art Suche. Im Februar hatte ich die Nürnberger Street Art Hotspots in Langwasser und Gostenhof ausgekundschaftet. Nun wollte ich weitere Werke in anderen Stadtteilen anschauen.

Zunächst lief ich zur Köhnstraße 5 hinter dem Hauptbahnhof. Unter der künstlerischen Leitung von Marissa Herzog entstand dort im Sommer 2025 eine bunte Wand zum Nachhaltigkeitsziel „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ mit Bürgerbeteiligung nach dem Prinzip „Malen nach Zahlen“.

Dann erkundete ich die Urban Art in der Nähe der Wöhrder Wiese. Ich spazierte an der Pegnitz entlang und fand nach etwas Suchen das Werk „Letting the Kids play“ von Hombre SUK und Skor 72 am Hübnersplatz 12.

In der Marientorunterführung in der Nähe bewunderte ich „Intra Muros, Extra Muros“, die poetischen Kinderbilder des tschechischen Künstlers Jakub Janowski.

Nach einer Pause in einem Bäckerei Café wurde es Zeit für einen Gang durch die Altstadt, wo ich die allseits bekannten Fotomotive, das Heilig-Geist-Spital und den Blick von der Maxbrücke noch einmal aufsuchte, bevor ich mit der U-Bahn zur weiteren Street Art Suche in den Nürnberger Nordosten fuhr.

Die wunderbare Mural „Frau mit Kind und Chrysantheme und Kind “ von Telmo Miel, die für die Verbindung zwischen den Generationen steht, in der Äußeren Bayreuther Str. 102 entdeckte ich gleich neben dem U-Bahnhof.

Zur Äußeren Bayreuther Straße 41 ging ich zu Fuß und sah dort „Für Vielfalt in Nürnberg“ von Christian Roesner. Auf der riesigen Häuserfassade werden viele verschiedene Tiere gezeigt, die um einen schwarzen Tapir gruppiert sind, ein Plädoyer für Biodiversität, gesponsert durch die Tiergartenfreunde Nürnberg e.V.

Schon ein bisschen fußlahm schlappte ich zur Schopenhauer Straße 32, wo Jeroo, einer der bekanntesten deutschen Urban Artists, ein 120qm großes Wandgemälde gestaltet hatte. Das Mural zeigt die typischen Vögel, Formen und Blüten, die an Jugendstil-Motive erinnern. Den Titel des großartigen Werks konnte ich leider nirgends finden.

Mit dem Bus fuhr ich zum nächsten und letzten Street Art Werk am Nordring 48-50, in einer Tordurchfahrt zu einem Wohngebiet, die von Julian Vogel, dem lokalen Street Artist, mit farbenfrohen tropischen Vögeln verziert wurde. Zu meinem Ärger stand dort ein Polizeifahrzeug, das sich kein Stückchen weiter bewegte, obwohl die Herren sehen mussten, wie ich mich verrenkte, um das Piece „Exotische Vögel“ einigermaßen abzulichten.

Mit Bus und U-Bahn fuhr ich zurück in die Innenstadt.

Und zum Abschluss ließ ich mir noch Fränkische Bratwürste mit Sauerkraut und Krustenbrot schmecken. Sehr lecker! War nur eine Vorspeise und die Portion hätte dem fränkischen Esser, der an Schäufelegerichte gewöhnt ist, wahrscheinlich nicht ausgereicht.

Als ich mit dem Zug zurück nach Hause fuhr, ließ ich meinen kurzen Aufenthalt in Nürnberg Revue passieren. Neben dem Messebesuch dachte ich vor allem an die großartige Street Art, die ich gesehen hatte. Während in Langwasser und Gostenhof zahlreiche Werke in unmittelbarer Umgebung zu sehen sind, waren die von mir gerade besuchten Pieces in der Stadt verteilt und daher etwas mühsamer zu erreichen.

Aber es hatte sich trotzdem gelohnt. Allerdings hatte ich nun die Highlights der Nürnberger Urban Art gesehen und ein weitere Tour konnte warten, bis es etwas Neues zu bewundern geben würde.

Kurztrip im Oktober: Nürnberg erschien zuerst auf Wanderlustig.

Rückfahrt von Zingst : Halle

19. und 20.9.2025 – Heimreise mit Übernachtung in Halle, Fazit Fischland Darß Zingst

Um 9:30 Uhr verließen wir Zingst und fuhren entspannt über endlose Landstraßen und schließlich über die Autobahn nach Halle, wo wir um kurz vor 14 Uhr eintrafen. Unser Hotelzimmer war noch nicht fertig, aber da wir sehr nah am Marktplatz wohnten, unternahmen wir gleich einen Altstadtspaziergang.

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Die Marktkirche war leider wegen einer Veranstaltung geschlossen. Wir schlenderten weiter durch die Gassen und landeten in einem alternativen Café in der Kleinen Ulrichstraße, wo wir sehr nett auf der Terrasse saßen und den restlichen Tag planten. Zingst hatten wir bei fiesem Nieselregen verlassen, in Halle schien die Sonne bei angenehmen 23 ° C.

Sodann kehrten wir zum Hotel zurück, wo wir den Check-In am Automaten mit sofortiger Bezahlung und Codierung der Zimmerkarten mit Hilfe der Rezeptionistin meistern konnten. Nachdem wir uns kurz ausgeruht hatten, zogen wir wieder los.

Da die Kirchen (auch der Dom) geschlossen waren, besuchten wir das Kunstmuseum in der spätgotischen Moritzburg. Die Burg wurde im 30jährigen Krieg zerstört. Die Ruine wurde teilweise rekonstruiert sowie durch einen Neubau von 2005 bis 2008 ergänzt. In dem so gestalteten Burghof gefiel es uns sehr.

Dann schauten wir uns die Ausstellungen an. Wegen Umbauarbeiten wurde nur ein Teil der ständigen Sammlung gezeigt, die „Highlights der Moderne“, u.a. mit großartigen Werken von Beckmann, Feininger, Liebermann, Kandinsky, Klee, Klimt, Marc, Moderson-Becker, Nolde und der Brücke-Maler.

Sehr gelungen fand ich die Präsentation der Gemälde und der Skulpturen in den historischen Räumen. Im gotischen Gewölbe im Keller fand außerdem eine sehr sehenswerte Schau statt, „Sakrale Kunst vom Mittelalter bis Barock“.

Anschließend spazierten wir auf der Saalepromenade zum „Pfälzer Ufer“. Dort sollte sich laut Auskunft der Touristeninformation ein Hotspot der Gastronomie befinden. Wir entdeckten allerdings nur drei Restaurants, von denen eines geschlossen war. Auch schien es sich eher um Barbetriebe zu handeln. Jedenfalls saßen die Leute vor ihren Getränken. Niemand hatte ein Essen bestellt.

Auf dem Rückweg zum Marktplatz fanden wir ein böhmisches Lokal mit einem schönen Außenbereich. Wir genossen das leckere Essen, Goulasch bzw. Rinderbraten, mit leckeren Böhmischen Knödeln und beobachteten die vorbeiziehenden Passanten.

Als wir wieder am Marktplatz angekommen waren, fanden wir es noch zu früh zum Schlafengehen. Wir spazierten durch die Umgebung und entdeckten schließlich eine Restaurantzeile in der Sternstraße, wohl den eigentlichen Gastro-Hotspot. Man hatte nichts dagegen, dass wir nur etwas trinken wollten. Es war immer noch angenehm warm und so genossen wir, zum ersten und einzigen Mal in unserem Urlaub, nachts im Freien ein kühles Getränk .

Am nächsten Morgen ging ich nach dem Frühstück auf einen kleinen Fotowalk durch die Altstadt, während sich H. um unser Gepäck kümmerte. Noch einmal kam ich am Halleschen Dom vorbei, einem recht seltsam aussehenden Kirchengebäude. Auf dem Domplatz versuchte ich, den Dom möglichst mit der Perspektive zu fotografieren, die auf dem Gemälde von Lynonel Feininger zu sehen ist. Leider war der Dom noch nicht geöffnet, so dass ich in Sachen Kirchenbesichtigungen in Halle völlig leer ausging.

Zurück auf dem Marktplatz traf ich H. wieder und wir spazierten zum Hotel zurück, wo wir schon um 9 Uhr ausscheckten.

Auf unserem Weg zur Autobahn lag der Stadtteil „Freiimfelde“. Da es noch früh war, konnte ich H. überreden, die Fahrt zu unterbrechen, um die dort besonders zahlreich vertretene Street Art Werke in der sog. Freiraumgalerie anzuschauen. Bei einem Rundgang durch die Seitengassen der Freiimfelder Straße entdecken wir in der Tat viele großartige Werke.

Gegen 10 Uhr fuhren wir weiter. Während der ersten zwei Stunden bis zur Mittagspause verlief die Fahrt reibungslos. Danach gerieten wir immer wieder in stockenden Verkehr und in mehrere Staus. Und am Ende der Fahrt, schon in unserem Viertel in München, standen wir noch einmal an einer Baustelle. Ziemlich erschöpft kamen wir zwei Stunden später, als es Google berechnet hatte, gegen 16 Uhr zu Hause an.

Fazit

Auf der Halbinsel „Fischland, Darß, Zingst“ befinden sich einzigartig schöne Strände und Wälder. Die Gegend ist jedoch generell eher zum Radfahren geeignet und nicht so gut zum Wandern (s. Berichte).

Das Wetter an der Ostsee war extrem wechselhaft. Wir erlebten Sonnenschein und Regen im ständigen Wechsel. Das führte aber auch zu meinem persönlichen Highlight dieses Urlaubs : dem traumhaften Wolkentheater (s. Fotos in den Berichten).

Die Orte Wustrow, Ahrenshoop, Prerow und Zingst sind jeweils unterschiedlich. Als Urlaubsquartier eignet sich u.E. Zingst am besten (s. meine Posts).

Die Autofahrt von München ist mit ca. 835 km sehr lang und die Strecke wird zum Teil stark befahren. Eine gute Alternative mit Bus und Bahn haben wir nicht gefunden. Auch wäre es im Urlaubsgebiet schwierig, sich ohne Auto zu bewegen, wenn man, wie ich seit meiner Knieverletzung, nicht Fahrrad fahren möchte. Mit Zwischenübernachtungen ist die Autofahrt machbar, war für uns aber immer noch recht anstrengend.

Aber : richtig toll war es ! Bin sehr froh, dass ich es endlich auf die Halbinsel geschafft habe und hoffe sehr, dass es mir gelingt, noch einmal zurückzukehren.

Rückfahrt von Zingst : Halle erschien zuerst auf Wanderlustig.

Zingster Wolkentheater #6

17.9.2025 – Auf dem Fischland in Wustrow und Ahrenshoop

Unser großer Ausflugstag begann wie der vorherige geendet hatte : mit Regen und einer frischen stürmischen Brise. Gegen 10 Uhr brachen wir auf und fuhren in den Süden der Halbinsel Fischland. Wir parkten am Hafen in Wustrow.

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Als wir in Wustrow aus dem Auto stiegen, begann es zu schütten. Wir spazierten zur nahen neugotischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert, um den Turm zu besteigen. Die Aussicht gilt als eines der Highlights der Region. Nur leider öffnete das Gotteshaus erst um 11 Uhr. Erst standen wir bibbernd im Regen und Sturm vor der Tür, dann vertrieben wir uns die Wartezeit mit einem Gang über die Neue Straße, in der ganz im Gegensatz zu ihrem Namen historische Katen und reetgedeckte Häuser zu bewundern sind.

Schließlich durften wir die Kirche besuchen. Die Aussichtsplattform des Kirchtums befindet sich in geringer Höhe (18 m), aber ich war froh, als ich oben ankam, weil der Gang über die hohen Stufen recht mühsam war. Die Aussicht über den Bodden bis zur Ostsee war wie erwartet grandios, aber es stürmte stark auf der dem Wind zugewandeten Seite der Plattform.

Nach dem Kirchenbesuch gingen wir noch zum Fischlandhaus, das als Bibliothek und Kunstgalerie genutzt. Zunächst fotografierte ich das Gebäude unter dem Schirm, aber dann setzte ein derart heftiger Regen ein, dass wir uns ins Innere flüchteten. Dort schauten wir uns die Ausstellung von Gemälden von Christian Gätjen an, dem schon im Jahr 2008 verstorbenen Wustrower Künstler. War ganz interessant, vor allem faszinierte mich ein Gemälde von 1967, auf dem eine Strandszene am Lagerfeuer mit Tanzenden dargestellt war, die alle nackt waren.

Wir fuhren weiter nach Ahrenshoop. Dort nutzten wir das schlechte Wetter, um zunächst das Kunstmuseum zu besuchen. Die Sammlung von Landschaftsgemälden der Ahrenshooper Künstlerkolonie am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war aktuell leider nur in einem Raum ausgestellt. Allerdings gab es zwei Säle mit einer Sonderaustellung, in denen zum Teil schreckliche Werke von T. Lux Feininger, Feiningers Sohn, zu sehen waren.

Hinter dem Museum zweigten wir auf den „Weg zum Hohen Ufer“ ab, der uns in kurzer Zeit zum Strand führte. Inzwischen war die Sonne herausgekommen und die Landschaft sah aus wie frisch geputzt. Auf dem Hohen Ufer über dem Meer genossen wir die fantastische Aussicht. Der starke Wellengang war ideal für Kitesurfer, die sich im Wasser tummelten, und der weiße Sandstrand hinter den Dünen war einfach nur wunderschön.

Nun hatten wir großen Hunger und brauchten eine Pause. Wir landeten in einem sehr gemütlichen Café, wo wir den letzten Platz bekamen. Der Kaffee war sehr gut und H’s Quiche und mein Kuchen schmeckten überaus lecker.

Gut gestärkt setzten wir unseren Ausflug fort, gingen noch ein Stück über die Dorfstraße, spazierten an einigen Künstlerhäusern vorbei, und weil es so schön gewesen war, gingen wir über den Strandweg noch einmal zur Ostsee. Auf dem Rückweg schauten wir am „Kunstkaten“ vorbei, dem ersten Ausstellungsort für die Maler der Künstlerkolonie und einer der ältesten Kunstgalerien Norddeutschlands, die immer noch Veranstaltungshaus der Kurverwaltung genutzt wird. Außerdem weist das in einem herrlichen Blau gestrichene Haus eine wunderbare Darßer Tür (weitere Darßer Türen s. hier) auf, die ich selbstverständlich ablichten musste.

Nach dem langen Ausflug beschlossen wir am Abend, den Herd in der Ferienwohnung auszuprobieren und kochten ein gar köstliches Mal : Penne mit fertiger Arrabiatasauce. Unser Verdauungsspaziergang führte uns zum Strand, wo es ausnahmsweise keinen tollen Sonnenuntergang zu bewundern gab. Wir setzten uns in den Außenbereich der Bar an der Seebrücke, wo wir unter einem Wärmestrahler Bier und Sanddornglühwein schlürften und auf die Ostsee schauten. Einige Fotos des grandiosen Wolkentheaters musste ich dann aber doch noch aufnehmen, bevor wir recht müde in unsere Wohnung zurückkehrten.

Ahrenshoop mit seinem kulturellen Hintergrund und dem herrlichen Strand hatte mir ungeheuer gut gefallen. Als Standort für einen Urlaub auf Fischland Darß Zingst schien es mir nicht zentral genug, aber gegen weitere Besuche während der nächsten Reise in die Region hatte ich absolut nichts einzuwenden.

Am nächsten Tag, unserem letzten Urlaubstag, wollten wir hauptsächlich auspannen. Uns stand schließlich eine lange Rückreise bevor. Ratet mal, ob uns das gelungen ist (s. Bericht).

Zingster Wolkentheater # 6 erschien zuerst auf Wanderlustig.