Statistisches

Laut einer aktuellen Statistik

Das ist doch haarsträubender Blödsinn – soll heißen, jede dritte Frau in Österreich lebt seit ihrem 15. Lebensjahr fortwährend unter Gewalteinwirkung? Wer kommt denn auf so einen Einfall.

Freilich steht in der zitierten Statistik was ganz anderes: jede dritte der befragten Frauen hat »im Laufe ihres bisherigen Erwachsenenlebens« (d. i. seit ihrem 15. Lebensjahr) irgendwann mal einen Fall von körperlicher und/oder sexueller Gewalt erlebt. Erkennen Sie den Unterschied zu der “Standard“-Meldung.

(Ob die beim “Standard“ eigentlich selber drüber nachdenken, was sie da daherschreiben?)

Laut einer aktuellen Statistik

»Verstopfen Sie das Netz nicht durch überflüssige Datenmengen!« ließ Kollege Jules van der Ley weiland Frau Nettesheim in seinem Blogheader mahnen. Zum Beispiel mit über­flüssi­gen Datenauflistungen wie diese:

Da geben mehrere österreichische Nachrichtenmedien unkommentiert eine APA-Presse­mel­dung über ei­ne Statistik zu Femiziden in Österreich wieder, deren unkommentierte Wie­der­gabe kaum sinn­voller erscheint als die jener vollends unsinnigen Gendergap-Mord­sta­tis­tik, welche sei­nerzeit durchs Netz geisterte.
Was bitte soll denn der Nutzen solcher Prozentzahlenlitanei sein, wie sie den Lesern da vor­gebetet wird:

»Die meisten tatverdächtigen Personen (33,5 Prozent) verwendeten im Zuge des Angriffs eine Stichwaffe. Beinahe ebenso häufig (31,3 Prozent) wurde die Tat ohne Waffe ver­übt. Eine Schusswaffe erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tat tödlich endet, enorm: 57 der 92 Opfer (62,6 Prozent) eines Angriffs mit Schusswaffengebrauch starben – ein An­griff mit einer Stichwaffe endete für 36,7 Prozent der Opfer tödlich.«

Welche Art von Erkenntnis soll sich für irgendwen aus der Zurkenntnisbringung solch sinn­leerer Zahlenhuberei gewinnen lassen?

»Aufgeschlüsselt nach Nationalitäten hatten 72 Prozent der Täter die österreichische Staats­bürgerschaft, davon ca. 57 Prozent autochthon, fünf Prozent waren EU-Bürger, 19 Prozent Bürger von Drittstaaten, [..]«

Und welcher Informationsgewinn soll den Lesern nun aus der konzertierten un­kom­men­tierten Wiedergabe dieser Statistik ersprießen?
  • Das »57 von 72 Prozent autochthon«-Zahlenrätsel bedeutet nichts anderes als: 41 Prozent der Täter waren gebürtige Österreicher, die anderen keine.
  • »19 Prozent Bürger von Drittstaaten« soll was genau heißen: Nicht-EU-Bürger? Könn­ten also Schweizer genauso sein wie Türken oder Vietnamesen, Norweger wie Japaner oder Fidschis.
Der Informationswert dieser sog. “Aufschlüsselung nach Nationalitäten“ beträgt exakt: Null. Was soll jemand mit so einer sinnlosen Statistik anfangen?

Laut einer aktuellen Studie

Geht wer für eine “aktuelle Studie“ in ein Pensionistenheim und befragt dort die Insassen: »Sind Sie Pensionist?« – antworten neun Befragte mit Ja, und der zehnte gibt keine Antwort. Steht draufhin der Aufmacher in der Zeitung:

»Umfrage: Neun von zehn Österreichern sind Pensionisten«
Nachdem man z.B. aus Österreichs meistgelesener Verschenkzeitung bereits erfahren durfte dass “laut einer aktuellen Studie“ 67 Prozent der Österreicher täglich Sex haben*, sowie von Österreichs bedeutendstem Volksinformati­ons­organ darüber informiert wurde dass jeder dritte österreichische Pensionist fremd zu ge­hen pflegt*, bringt Österreichs auflagenstärkste Verschenkzeitung nunmehr zur Kenntnis:

Das Resultat einer Umfrage zum Thema Fremdgehen unter der Klientel einer Seitensprung­börse statistisch auf “die Österreicher“ umzulegen, ist methodisch mindestens fragwürdig. Hätte die stattdessen aber im Pensionistenheim stattgefunden, dann wäre als Resultat gar “Jeder Dritte geht fremd“ herausgekommen, siehe oben.

Laut einer aktuellen Studie

Laut einer britischen Studie im Fachjournal The Lancet Psychiatry laborieren 31 Prozent der Corona-Erkrankten an neurologischen oder psychischen Problemen in Form von Angststö­rungen (17 Prozent) und Stimmungs­stö­rungen (14 Prozent).

Demzufolge sollte also die Corona-Pandemie zum Rückgang der Gesamtfallzahl psychischer Erkrankungen in Europa führen, welche vorzeiten der Pandemie noch »fast 40 Prozent« be­trug? – Je­denfalls, so­fern man dem SPIEGEL glauben will: ¹

¹ (Wer’s glauben will, darf’s glauben. Muss aber nicht.)

Statistisches


Ein Statistiker, ein Logiker und ein Analytiker fahren nach Sankt Corona, sie sehen zwei Schafe: ein schwarzes und ein weißes.

    Sagt der Statistiker: »In Sankt Corona gibt es 50 Prozent schwarze Schafe.«
    Sagt der Logiker: »In Sankt Corona gibt es mindestens ein schwarzes Schaf.«
    Sagt der Analytiker: »In Sankt Corona gibt es mindestens ein Schaf, das auf mindestens einer Seite schwarz ist.«


Eine infizierte Person unter 1.432, hochgerechnet auf 8,9 Millionen Österreicher? Was soll denn das für statistische Relevanz haben? Und wäre die betreffende Person zufällig nicht unter den 1.432 Getesteten gewesen, hätte die Hochrechnung folglich ergeben: in Österreich gibt es keinen einzigen Corona-Fall.

Na wenns so in der Zeitung steht, wirds wohl so stimmen. Aber:

»Die verfügbaren Zahlen enthalten zu wenige Informationen, sie bilden nur einen kleinen Teil der Realität ab [..]« erklärt Katharina Schüller, Gründerin des Münchner Unternehmens Stat-Up und Leiterin der Arbeitsgruppe “Statistical Literacy“ der Deutschen Statistischen Gesellschaft.

Fazit: Den gleichen Wert in Corona-Zeiten haben – neben Klopapier – wohl die statistischen Zahlen: beide sind für’n Arsch.

Österreich: Rekordland bei Morden

Haben Sie gewusst, dass Österreich das Land mit der niedrigsten Mordrate in ganz Europa ist? – Anbetrachts der hirnverbrannten Schlagzeilen möchte das wohl niemand vermuten:

Was in Wahrheit hinter diesen hirnverbrannten Schlagzeilen steckt: mitnichten liegt Öster­­reich »bei Morden an Frauen« in der EU ganz vorn. Vielmehr ist lediglich der prozentuelle Anteil männlicher gegenüber weiblicher Mordopfer niedriger als im EU-Durchschnitt:

Ja und, weiter? – Nix weiter, das wars schon: der Frauenan­teil an Mordopfern ist in allen europäischen Ländern prozentuell unterschiedlich. Der Informationsge­halt dieser Meldung ist so weltbewegend wie ein Furz im Kukuruz. Tatsächlich aber ist Ös­terreich das europäische Land mit den wenigsten Morden im Verhältnis zur Einwohnerzahl:


Erkennen Sie die Hirnverbranntheit der Schlagzeilen im Bezug auf den Inhalt der Meldung, die dahintersteckt?

Überraschendes


Was an den Zahlen überraschend sein soll, wird uns in Österreichs auflagenstärkstem Gratis-Volks­bil­dungs­or­gan nicht erläutert. Wo es sich doch um die kaum veränderten Zahlen handelt, welche seit 2010 heuer bereits zum drittenmal kolportiert werden.

Unverändert geblieben ist weiterhin die Unsinnigkeit dieser Zahlen: weil die Prämisse, welche der Definition des Terminus »Migrationshintergrund« im Wiener Integrations- und Di­ver­si­täts­monitoring* zugrundeliegt, vollkommen absurd ist. Die Absurdität einer Sta­tistik, in der Leute wie etwa meine Tochter, ihre Mutter und ich als »Wiener mit Migrationshinter­grund/mit ausländischen Wurzeln« gelistet werden, wurde schon mal vor 4 Jahren hieramts dargestellt.
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(Bekanntlich lässt sich so gut wie jede Statistik zu einer Unstatistik entstellen, indem man die zugrundeliegenden Zahlen & Fakten willkürlich sinnentstellend interpretiert. Z.B.: man in­ter­pre­tiere eine einmal pro Jahr auftretende Schlafstö­rung als psychische Erkrankung, so ergibt sich daraus die Statistik: »40 Prozent der Europäer sind psychisch krank« [SPIEGEL])

Laut einer aktuellen Statistik ..

.. oder: Definieren Sie den Begriff  »wesentlich«

Warum hier ein fünf Jahre alter Vergleichswert herangezogen wird, um heuer eine deut­liche Stei­gerung präsentieren zu können, ist leicht durchschaubar: mit ihren ca. 97 Prozent pünktlicher Züge haben die ÖBB nämlich schon einmal in einer Presseaus­sendung vor 3 Jahren geprahlt. Ein Vergleich mit dem damaligen Wert –

    Pünktlichkeit Jänner bis Ende Mai 2014 – 97,1 Prozent
    Pünktlichkeit im Vergleichszeitraum 2011 – 96,9 Prozent
– zeigt lediglich eine statistische Schwankung im 2-Promille-Bereich. Die betreffende Presse­aussendung wäre freilich wesentlich weniger beeindruckend dahergekommen:

    ÖBB-Züge heuer kaum pünktlicher
    Kaum merkliche Steigerung in letzten 3 Jahren.

Gleichwohl nicht wesentlich weniger zutreffend.

Laut einer aktuellen Studie: Schockierendes

»Höret, was Erfahrung spricht: Glaubt niemals, blöder geht es nicht!
Kein Blödsinn war noch je zu blöd, als dass es nicht noch blöder geht.«
(Martin Krassnig)

Da geistert irgendwelcher Blödsinn über eine angebliche »Studie aus Italien« (ohne Quellen­an­gabe) durch die internationale Quatschpresse, wonach die durchschnitt­liche Penislänge des Mannes angeblich in den letzten 50 Jahren abgenommen hätte, und natürlich stehts auch auf  Bild.de. Und natürlich ist den Kollegen bei »Österreichs größtem wöchentlichen Frauen-Ma­ga­zin« kein Blödsinn, der auf  Bild.de steht, zu blöd um ihn nicht ebenfalls reflexartig weiter­zu­ver­brei­ten. Freilich ist auch kein Blödsinn zu blödsinnig, als dass sich nicht noch einer drauf­setzen ließe:

Wen die angebliche Studie angeblich schockieren soll, erfährt der Leser nicht.

Laut einer aktuellen Studie

»Immer und immer wieder bitte ich: weniger Zahlen, dafür gescheitere.«
(Lenin)
.

Laut einer aktuellen Studie beläuft sich der Erkenntnisgewinn, der sich aus diversen aktuellen Studien ziehen lässt, häufig auf einen Wert von plus/minus Null.


Dass der Anteil übergewichtiger Menschen in Nordamerika höher ist als in Asien oder in der Dritten Welt, hätte man ohnehin schon vor der Lektüre dieses Artikels geahnt, aber hier wird eine ganze Reihe eindrücklicher Zahlen aufgelistet. Schau mer mal, ob mit diesen In­for­ma­tionen irgendein Erkenntnisgewinn einhergeht:

    Nach einer Studie der «London School of Hygiene an Tropical Medicine»
    kommt die gesamte Weltbevölkerung auf ein Gewicht von 287 Millionen Tonnen.


Nachdem die gesamte Weltbevölkerung etwa 7 Milliarden beträgt, beträgt das Durch­schnitts­gewicht eines einzelnen Menschen also:  41 kg. Kinder sind für gewöhnlich leichter, Erwach­se­ne schwerer, eh klar. Der Informationsgewinn aus dieser Rechnung beträgt somit: Null.

    Während der durchschnittliche Mensch 62 Kilogramm wiegt,
    bringen US-Bürger 80 Kg, Europäer 71 Kg auf die Waage.


Welcher durchschnittliche Mensch soll das sein, und nach welcher Rechnung kommen die auf  62 Kilogramm? Nach meiner Rechnung oben kommen 41 Kilogramm raus.
Ich wiege 80 Kilo, meine Frau 60, und wir haben beide normales/durchschnittliches Gewicht – trotzdem unterscheiden wir uns damit alle beide signifikant von dem omi­nösen »71 Kg auf die Waage«-Durchschnittseuropäer.

Fazit: Was soll man als Leser mit all dem zusammenhanglosen und sinnleeren Kilo-Geschwa­fel an­fan­gen? Null.

Laut einer aktuellen Studie

Der Aktuelle-Studien-Beauftragte von Österreichs auflagenstärkstem Verschenkblatt hat wie­derum ein paar aktuelle Zahlen aus seinem Hut gezaubert, schau mer mal, was er diesmal zu vermelden weiß:

8 Lenze, soll wohl bedeuten: wenn achtmal der Lenz ins Land gezogen ist, eine lyrische Um­schrei­bung für 8 Jahre? Womöglich für die vielen Milliarden Frührentner, welche die durch­schnitt­liche Lebensarbeitszeit so dramatisch senken? Macht also in summa 21 Jahre fern­sehen, arbeiten, Toilette & Stau – was der Mensch in seinen restlichen 59 Lebensjahren so anstellt, verrät uns der Verschenkblattspezi nicht. Was auch immer sich einer bei der Veröffentlichung von derlei Quatschzahlen denken mag, muss für den Durchschnittsleser sowieso ein Mysterium bleiben.

(Auf Frauen kann die Statistik eh nicht zutreffen, weil denen bekanntlich vor lauter shoppen gar keine Zeit mehr übrig bleibt, um sie auf der Toilette zuzubringen.)

Die Motoboys von São Paulo


500.000 Motorradkuriere riskieren in der brasilianischen Metropole São Paulo täglich Kopf und Kragen, erfährt man im Text zu einem KURIER.at-Video [ab 00:40] – woher haben die diese Zahl? Mal kurz gegoogelt:

Besagtes Video bezieht sich auf eine TV-Dokumentation über einige der geschätzen 250.000 Motorradkuriere in São Paulo, worüber das motoX-MAGAZINE im Mai 2011 berichtete.

Laut Statistik sterben in São Paulo täglich 2–3 Motorradkuriere bei Verkehrsunfällen, wodurch sich die dramatische Schwankung ihrer Gesamtzahl in diversen Medien aber kaum erklären lässt. Paar Zahlenangaben in chronologischer Abfolge:

In MOTORRAD – Europas größter Motorrad-Zeitschrift wurde im August 2003 über 130.000 Motor­radkuriere berichtet, die in São Paulo täglich ihr Leben riskieren.
Während laut The Sunday Herald bereits zwei Monate später, im Oktober 2003, von den insgesamt 422.000 Motorradfahrern in São Paulo mehr als die Hälfte, nämlich 220.000 Motorradkuriere gewesen sein sollen.
Im April 2007 schrieb The Houston Chronicle: nach Schätzung der lokalen Motor­rad­fahrer-Vereinigung liege die Zahl der Motorradkuriere in São Paulo bei etwa 120.000, obwohl die Horden von Fahrern, welche die Hauptstraßen entlang­brausen, die Zahl höher scheinen ließen.
In einer ZDF-Doku, ebenfalls von 2007, heißt es über die Motorradkuriere dagegen: 450.000 von ihnen soll (sic) es in São Paulo geben.
Wogegen die Nachrichtenagentur Reuters im April 2008 wiederum von geschätzten 120.000 Motorrad­kurieren zu berichten wusste, die in São Paulo im Zickzack durch den Verkehr kurven.

Soweit einige Zahlen. Die wirkliche Zahl der Motorradkuriere in São Paulo kennt ver­mutlich niemand genau – Sie dürfen selber wählen, welchen Quellen Sie eher glauben wollen, und welchen weniger.
Woher die beim KURIER auf eine halbe Million kommen, ist nirgendwo dokumentiert. Aber: wenn sie die Zahl nicht frei erfunden haben, dann müssen sie die wohl aus einer bislang unbekannten Quelle recherchiert haben. Wer’s glaubt.

Laut einer aktuellen Studie

Nachdem die Kollegen von der Gratiskonkurrenz unlängst herausgefunden haben, dass nur jeder dritte Österreicher seltener als siebenmal pro Woche Sex hat, erfahren wir nun aus Österreichs auflagenstärkster Verkaufszeitung, wie es um die sexuelle Umtriebigkeit ihrer Stammleserschaft bestellt ist:

(Kronen Zeitung)

.
Im Unterschied zu Österreichs auflagenstärk­ster Verschenkzeitung verrät die Kronen­zeitung allerdings nicht, welcher “neuen Studie“ diese Erkenntnis zu verdanken ist: offenkundig handelt sichs um dieselbe (nimmer ganz neue) Teilnehmer-Umfrage einer Online-Sei­ten­sprung­börse. Umfrageergebnisse hängen halt davon ab, wen man fragt. Immerhin wissen wir nun: jeder dritte Pensionist, den Sie über eine Seitensprungbörse kennenlernen, ist kein Single.

Laut einer aktuellen Studie ..

.. oder: Definieren Sie den Begriff  “Wir Österreicher“

Die Vermutung, dass der Aktuelle-Studien-Beauftragte von Österreichs reichweitenstärk­ster Ver­schenkzeitung einen an der Waffel hat, ist nimmer neu. Schau mer mal, was der heute wieder ausgebrütet hat:

» Alle Fakten über Sex: Von wegen, wir Österreicher stehen nicht auf Sex! Laut einer aktuellen Studie finden 89 Prozent Sex sehr wichtig – immerhin 67 Prozent gaben an, täglich Geschlechtsverkehr zu haben.«
(Heute.at – 21.01.2011)

67 Prozent. Täglich. Wir Österreicher.

(Bevor Sie deswegen Komplexe kriegen, weil Sie bloß sechsmal pro Woche Sex haben und somit seltener als zwei Drittel von “uns Österreichern“: tatsächlich handelt sichs bei der betreffenden “Studie“ um eine Umfrage unter der Klientel eines Online-Dating-Portals, deren Phantasieangaben über ihre Sexualfrequenz nicht unbedingt als statis­tisch repräsentativ für die Gesamtbevölkerung anzusehen sind, wie sich denken lässt.)

Laut einer aktuellen Studie

»Höret, was Erfahrung spricht: Hier ist’s so wie anderswo.
Nichts Genaues weiß man nicht, dieses aber ebenso.«
(Otto Grünmandl)

Transparency International (TI) hat für den Korruptionswahrnehmungsindex 2010* mehr als 91.000 Menschen in 86 Ländern und Regionen befragt:

»Weltweit gab in einer TI-Umfrage jeder Vierte an, selbst Schmiergelder zu zahlen.
In Deutschland waren es nur zwei Prozent.«

Und wieviel warens in Österreich?

»In Österreich gaben neun Prozent der Befragten an, im vergangenen Jahr Schmiergeld gezahlt zu haben.«
»Neun Prozent der Österreicher zahlten 2009 Bestechungsgelder«
»Im Vorjahr haben neun Prozent der Österreicher Schmiergelder gezahlt.«


.. verkünden die österreichischen Medien unisono, ausgenommen ORF und KURIER, wo mans offenbar besser weiß:

»Weltweit schmiert jeder Vierte, in Österreich jeder Zehnte.«
KURIER | ORF


Fünfmal soviele wie in Deutschland. Das müsste eigentlich überraschen, weil nämlich Deutsch­land und Österreich in der betreffenden TI-Studie ex aequo auf dem gleichen Rang gelis­tet sind, was die Schmier­geldhäufigkeit anbelangt:


Da kann ja wohl irgendwas nicht stimmen, wundert sich der Laie. Entweder mit der Ur­sprungs­mel­dung, welche alle artig im Gleichlaut wiedergeben, ohne viel drüber nach­zu­den­ken – oder mit der Studie per se.
Näheres – nicht minder befremdliches – über das Zustandekommen der Studie erfährt man aus der Tiroler Tageszeitung, dort erläutert der Vizepräsident von TI-Austria:

»[..] dass jene neun Prozent, die im Vorjahr mit Korruption zu tun hatten, kumu­liert berechnet wurden – das bedeutet, wer mehr als einmal Schmiergeld gezahlt hat, wurde auch mehrmals gezählt.«


Wie jetzt, kumuliert? Wenn die elf Leute befragen, wie oft sie ihre Frau voriges Jahr verprügelt haben, und zehn davon antworten: niemals, nur einer sagt: zehnmal – dann rechnen die als Er­geb­nis aus: »50 Prozent der Befragten gaben an, im Vorjahr ihre Frau verprügelt zu haben«? Oder wie?

Der zitierte TI-Austria-Vize »geht davon aus, dass gut vier Prozent der Österreicher im Vor­jahr einmal mit Korruption in Berührung kamen.«
Nur zwei Prozent, gut vier Prozent, neun Prozent, jeder Zehnte – noch mehr Zahlen gefällig? Bittesehr:

»In Deutschland gaben weniger als sechs Prozent der Befragten eine Bestechung zu.«

Zeitunglesen macht nicht immer schlauer.

Laut einer aktuellen Studie ..

.. oder: Definieren Sie den Begriff  »alle«

Womöglich haben sie den Aktuelle-Studien-Beauftragten von Österreichs auflagen­stärkster Ver­­­schenkzeitung ja zu heiß gebadet oder dem heimlich irgendwas ins Müesli getan, wer weiß. Dort fabuliert der über promiskuitive Männer (»Playboys«), die laut einer Studie früher ster­ben, und hat nicht begriffen dass es in der betreffenden Studie um männliche Fische geht. Und da schwadroniert er über die Erderwärmung, die alle dick macht obwohl sie Sport treiben und sich ausgewogen ernähren. Dabei gehts in der Studie um Affen, Mäuse, Ratten usw.

Man darf gespannt sein, was dem als nächstes zu einer Studie über irgendwelche Ver­suchs­tiere einfällt – wie wärs z.B. mit einer Studie über Hühner:
    »Wir alle legen durchschnittlich fünf Eier pro Woche.«

Laut einer aktuellen Statistik


Wären somit knapp zehn Prozent der durchschnittlichen Gesamtlebensdauer, also 3 Stunden täglich, jede Woche Montag bis Samstag, von der Wiege bis zum Grab. Zum Glück bleibt den Frauen noch ausreichend Tagesfreizeit für andere Beschäftigungen, denn:


Wären also nochmal 3 Stunden pro Tag, Sonntag inklusive. 3 Stunden shoppen, plus 3 Stun­den putzen – und was treiben die Frauen sonst noch:


Macht in Summe zehneinhalb Stunden pro Tag, plus 8 Stunden Berufstätigkeit = acht­zehn­ein­halb, bleiben fünfeinhalb Stunden übrig. Und, siehe da:


Passt. Gut, dass es Studien gibt.

Laut einer aktuellen Studie

Wie bescheuert muss einer eigentlich sein, so einen Artikel abzuschreiben ohne be­griffen zu haben, dass es in der betreffenden Studie um Fische geht. Fische! Bei den »Männern mit häufig wechselnden Sexualpartnern«, auf die sich das Forschungs­ergebnis bezieht, handelt es sich um Fischmännchen.

Laut einer aktuellen Studie

Wo diese Heute-Spezialisten ständig ihre dubiosen “aktuellen Studien“ hervorzaubern, bleibt sowieso ein Rätsel. Was soll der Leser mit so einer Schmarrn-Meldung anfangen:


5 Stunden = 300 Minuten, 365 Tage hat das Jahr, wären also durchschnittlich knapp 50 Se­kun­den pro Tag. Mag sein, vielleicht stimmt die zitierte “Studie“ ja wirklich, oder vielleicht nicht – wen interessiert’s. Aber was bitteschön ist daran überhaupt so erwähnenswert, dass es in der Zeitung stehen muss?
Was sich die dabei denken, so einen Schmarrn zu veröffentlichen, fragt sich eh schon lang keiner mehr. Man fragt sich nur, ob die sich überhaupt irgendwas dabei denken.

Definieren Sie den Begriff  “Wurzeln im Ausland“

Ein Statistiker, ein Logiker und ein Analytiker fahren durchs Waldviertel, sie sehen zwei Schafe: ein schwarzes und ein weißes.

    Sagt der Statistiker: »Im Waldviertel gibt es 50 Prozent schwarze Schafe.«
    Sagt der Logiker: »Im Waldviertel gibt es mindestens ein schwarzes Schaf.«
    Sagt der Analytiker: »Im Waldviertel gibt es mindestens ein Schaf, das auf
    mindestens einer Seite schwarz ist.«

Statistiken lassen sich bekannterweise auf unterschiedliche Arten interpretieren, z.B. faktisch richtig, (unabsichtlich/oder absichtlich) falsch, oder fak­tisch unsinnig.

  (FORMAT 39/2010)
»Ganze 44 Prozent von den 1,7 Millionen Wienern haben laut aktuellem Diversitäts­­mo­­ni­­toring einen Migrationshintergrund; bei 744.000 Wienern wurde also mindes­tens ein El­ternteil im Ausland geboren.«   (FORMAT.at)

Was für ein Unsinn. Ich bin Wiener, gebürtiger Niederösterreicher. Mein Vater wurde in Rei­chenberg/Deutschböhmen geboren – wie kommen die zu der willkürlichen Inter­pretation, dass ich deswegen meine Wurzeln im Ausland hätte? Meine Tochter ist Wienerin, ihre Mut­ter (Wienerin, aus Kärnten stammend) kam während eines vorüber­gehenden Aufenthalts ihrer Eltern (gebürtige Kärntner) in Kanada zur Welt. Wie kommen die also auf den absurden Einfall, daraus ab­zuleiten dass meine Tochter einen Migrations­hintergrund hätte?

Somit weist die im Diversitätsmonitoring angeführte Prozentzahl der Personen, die per defi­nitionem als “Wiener mit Migrationshintergrund“ gelten, allein für meine Familie eine 100-prozentige Unsinnigkeitsquote auf.

Fazit: Vollkommen willkürliche & faktisch unsinnige Interpretation einer Statistik.