Außerösisches

13. Jänner – Folkloristisches: St.-Knuts-Tag

In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit zwanzig Tage und endet erst am 13. Jänner, dem St.-Knuts-Tag. An diesem Tag werden traditionell die Weihnachtsbäume entsorgt, indem sie kur­zer­hand aus dem Fenster hinausgeworfen werden.
Zum Opfer dieser Tradition wurde einst der große französische Denker René Descartes:
Die Weihnachtssaison zum Jahreswechsel 1649/50 verbrachte Monsieur Descartes auf Ein­la­­­dung Königin Christinas von Schweden, seiner langjährigen Brieffreundin, in Stockholm, allwo er jeden Morgen um Schlag sechs Uhr am königlichen Früh­stückstisch anzu­­treten hatte. Welch barbarische Sitte, zu nachtschlafener Zeit zu frühstücken, parbleu!, be­­fand Des­car­tes, diese Schweden müssen wahrhaft einen an der våffla haben. Nun weiß man indes, dass in Schweden noch weitere extra­va­gante Brauchtümer grassieren, etwa morgens zu Sankt Knut die ab­ge­fei­er­ten Weih­nachts­bäume directement aus den Fenstern zu expedie­­ren, all­fäl­li­gen Pas­san­ten auf die Köpfe. Und akkurat ein sol­cher landete en passant auf Mon­­­sieurs Den­ker­haupt, als er am Sankt-Knuts-Tag Anno 1650 früh­mor­gens grimmigen Ge­mü­tes durch den skandinavischen Winter stiefelte, zum Pflicht­déjeuner mit Ihro bett­flüchtiger Ma­­jestät. Von den Folgen erholte er sich nimmer, knapp einen Monat später ver­starb Des­car­tes in Stock­holm an den Aus­wir­kun­gen skan­di­na­vi­scher Weih­nachts­folklore.

9. September – Tag des Wiener Schnitzels

In den USA steht heute der National Wiener Schnitzel Day am Kalender.

Eine der größten Fastfood-Ketten in den USA, 1961 mit einem Hotdog-Kiosk am Pacific Coast Highway in Los Angeles gegründet, hieß in den ersten 16 Jahren seit der Gründung ungeachtet des Grammatikfehlers “Der Wienerschnitzel“, weil die Ehefrau des Gründers den Namen gleichermaßen ulkig wie einprägsam fand.
Mittlerweile besteht die Restaurant-Kette aus 350 Filialen in zahlreichen Bundesstaaten und heißt nur mehr “Wienerschnitzel“, weil der Grammatikfehler beizeiten erkannt wurde. Verkauft werden traditionell Hotdogs, Wiener Schnitzel gab es nie im Angebot.
Der ursprüngliche erste Drive-Thru-Kiosk* wurde vom Stadtrat Los Angeles unter Denkmalschutz gestellt.

Die Firma ist Hauptsponsor der “Wiener Nationals“, der nationalen Dackelrennwettbewerbe der USA, weil Dackel auf englisch “sausage dog“ (= Wursthund) heißt.

15. August

Heute vor 777 Jahren fand die Grundsteinlegung für den Bau des Kölner Doms statt.
Allerdings wurde dazumals noch nicht berücksichtigt, dass der Dom der­einst der ungehinderten Sicht auf den Kölner Haupt­bahn­hof im Wege stehen würde.

20. Juli

Am 20. Juli vor 113 Jahren fand auf einem Kleeacker in Wichita/Kansas das erste offizielle Autopolo-Match statt, veranstaltet von einem regionalen Ford-Händler als Werbeaktion für den Verkauf von Modell-T-Autos. Die Regeln waren ähnlich wie beim Pferdepolo, aber anstelle von Pferden mit karosserielosen Fahrzeugchassis, die Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h erreichten und mit einem Fahrer und einem Schläger besetzt waren, welcher mittels Holzhammer einen Basketball ins gegnerische Tor zu schlagen hatte. Die Schiedsrichter liefen zu Fuß zwischen den Fahrzeugen auf dem Spielfeld umher wie Rodeo-Clowns, die motorisierten Bullen entgegentraten.
Die Motorsportart war bis in die späten 1920er Jahre auf Jahrmärkten, Ausstellungen und Sportplätzen in den USA und Teilen Europas populär. Sie war äußerst gefährlich und ging zumeist mit spektakulären Fahrzeugschäden sowie Verletzungs- und Todesgefahr für Teilnehmer und Zuschauer einher. Aus einem Zeitungsbericht in “The Southeast Missourian“ aus dem Jahr 1922 war zu erfahren: »Zu jeder Mannschaft gehören ein Arzt und eine Krankenschwester, die beide häufig gebraucht werden, wenn sich ein Spieler schwer verletzt hat.«

13. November – Aviatisches

Heute vor 117 Jahren, am 13. November 1907, hob Monsieur Paul Cornu mit seinem »flie­gen­­den Fahrrad«, angetrieben von einem V8-Zylindermotor, zum ersten bemann­ten Hub­schrau­­ber­flug der Luftfahrtgeschichte ab. Der Erstflug erreichte eine Höhe von 30 Zentimeter, die Flug­dauer betrug 20 Sekunden. Leider erwies sich sein Hubschrauber als nicht steuerbar, wo­raufhin Mon­sieur Cornu die Flugversuche bald wieder einstellte.

Weltraum-Wahnsinniges: Mysteriöses

»Die Ringe vom Saturn schaun hinten aus wie vurn.« (“Gunkl“ Paal)

Österreichs auflagenstärkstes Verschenk-Volksinformationsorgan informiert:

Schon 2025: soll heißen, nächstes Jahr? So steht’s im Artikel:

Eh klar – bis nächstes Jahr ist ja »weniger als 100 Millionen Jahre«. Lässt sich mathematisch nicht widerlegen.

(Freilich muss man derlei astronomische Prognosen in besagtem Verschenkblatt nicht unbe­dingt für bare Münze nehmen.)

4. September

Heute vor 75 Jahren wurde in Berlin-Charlottenburg erstmals eine gar abscheuliche Greueltat aktenkundig, welche seither unzählige Nachahmungstäter fand: das grausame Ersäufen einer guten deutschen Wurst in gezuckerter Tomatensoße.

Eine barbarische kulinarische Freveltat – man möchte schier meinen, die arme un­schuldige Wurst um Erbarmen flehen zu hören.

Das mechanische Pferd

Heute vor 120 Jahren, am 21. August 1904, erhielt der Düsseldorfer Maschinenkonstrukteur Emil Jagenberg ein Kai­serliches Patent auf die »Verbindung eines Motorwagens mit einem auf diesen mittels Dreh­kranzes sich stützenden Lastwagen« und gilt somit als Erfinder des Sattelkraftfahrzeuges:

  • Vorteil: Das mechanische Pferd lässt keine Roßäpfel fallen.
  • Nachteil: Aus einem mechanischen Pferd lässt sich kein Leberkäs herstellen.

Ein Pariser Polizist als Motor-Zweiradfahrer.

      »Die Pariser Polizisten scheinen sich in guten financiellen Verhältnissen zu be­fin­den. Man muß wenigstens darauf schließen, wenn man liest, daß der Pariser Sous-Brigadier N a v e t a t  sich auf eigene Kosten ein Motor-Zweirad und eine erst­classige Stopuhr an­ge­schafft hat, um auf Automobil-Wildlinge erfolgreich Jagd machen zu können. Für das Motor-Zweirad hat er 800 Francs ausgelegt. Sein Chef, Herr Descares, hinwieder scheint ein nobler Charakter zu sein. Er vergütet dem Sous-Brigadier monatlich, sage und schrei­­be, zehn Francs – Benzin . . . Navetat hat übrigens kürzlich einen guten Fang gemacht. Bei der Porte-Maillot sah er einen Motor-Zweiradfahrer à grande allure da­her­sausen. Er verfolgte ihn, es entspann sich ein scharfes Match, und beim Arc de Triomphe landete Navetat als Sieger. Es stellte sich heraus, daß der wegen Schnellfahrens Attrapirte das Motor-Zweirad einem Fabrikanten in Rouen gestohlen hatte. Daß der Polizist dem Diebe im Tempo von „sechzig die Stunde“ nachgejagt war, thut nichts zur Sache. Denn er war objectiv genug, gegen sich nicht eine „Contravention pour excès de vitesse“ zu erheben. Das beigegebene Bild wurde uns von „Motoring Illustrated“ freundlichst zur Verfügung gestellt.«
(Allgemeine Automobil-Zeitung.
Officielle Mittheilungen des Oesterreichischen Automobil-Club, 1902)
    Es fing der flotte Flic im Nu
    den flüchtenden Trafic-Filou.
    (Im Bilde hält er artig still,
    weil es der Photograph so will.)

24. November – Ein aviatischer Vélocipèdeur

Heute vor 111 Jahren, am 24. November 1912, fand in Paris unter dem Titel “Concours de l’Aviette“ ein von der Firma Peugeot Frères veranstalteter Wettbewerb für fliegende Fahr­­rä­der statt, welche ausschließlich durch menschliche Muskelkraft angetrieben sein sollten. Es gab keinen Gewinner.


(Allgemeine Automobil≈Zeitung & Allgemeine Flugmaschinen≈Zeitung, 1912)

Die Aviette von Raymond.
Links: Das fliegende Fahrrad, danebenstehend der Erfinder Henry Raymond. –
Rechts: Die Raymond≈Aviette auf der Fahrt, aber noch nicht im Fluge.

(S.g. Leser,
leider endet unsere Bildstrecke über das fliegende Fahrrad nach dem zweiten Bilde, weil dem Photo­graphen der Film ausgegangen ist.
Die Redaction
)

1. August

Heute ist der Schweizer Nationalfeiertag.

»Die Schweiz ist ein exotisches Land, wo man trotzdem ohne Jetlag hinfliegen kann.«
 (Alfred Dorfer)

Auch die Sprache ist exotisch.

(Haben Sie gewusst, dass die Schweiz doppelt so groß ist wie die Niederlande?
Man müsste sie nur bügeln.)

30. Juli

Heute vor 76 Jahren kam in Thal bei Graz der kleine Arnold Schwarzenegger zur Welt, mitt­­lerweile ist ein großer Mann aus ihm geworden.
Ein Freund von mir war mal in den USA, bekanntlich wird unser Austria dort drüben stän­dig mit Australien verwechselt. Herrn Schwarzenegger aber, den gebürtigen Österreicher, kennen freilich alle. Als mein Freund Auskunft gab wo er herkommt, da sagten die Amis:

    »Oh, from Austria – that country where Schwarzenegger and kangaroos are from!«

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(Siehe auch:  »Arnie & das Weltklima«)

26. Juli

Heute vor 270 Jahren, am 26. Juli anno 1753, kam in Sankt Petersburg Herr Georg Wilhelm Richmann ums Leben, und hätte es den Darwin Award zu seiner Zeit schon gegeben, wäre er gewiss dafür nominiert worden.

Herr Richmann befasste sich mit Studien über die Auswirkungen von Blitzen, zwecks welchem Behufe er auf seinem Haus einen Blitzableiter installieren ließ. Weil nun ein Stu­ben­gelehrter nicht gern ins Freie geht, schon gar nicht bei einem Gewitter, erdete er den Blitzableiter direkt an seinem Schreibtisch – um die Auswirkungen der Blitze behaglich in seiner Studier­stu­be be­ob­achten zu können. Die Auswirkungen des ersten & zugleich letzten Blitzeinschlages in seinen Schreibtisch, zu dessen Beobachter er an dem­selbigen sitzend wurde, überlebte Herr Stu­di­en­rat Richmann nicht.
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(siehe auch: von einem, der vom Blitz nicht getroffen wurde)

12. Mai – Nationalkulinarisches

In Großbritannien ist heute übrigens der Nationale Tag der Gurke, no joke.
Kennen Sie den:
In der besten aller Welten wären die Deutschen die Techniker, die Franzosen die Köche, die Italiener die Liebhaber, die Schweizer die Organisatoren, und die Briten die Humo­risten.
In der schlechtesten aller Welten aber wären die Deutschen die Humoristen, die Franzo­sen die Techniker, die Italiener die Organisatoren, die Schweizer die Liebhaber, und die Bri­ten die Köche.
Ein unumstößlicher Klassiker der berüchtigten britischen Nationalkulinarik ist das Gurken­sand­wich, welches traditionell zur Teezeit alldort gereicht zu werden pflegt – schlicht­weg die ultimative Ma­nifestation kulinarischer Verelendung: ent­rin­detes Weißbrot mit Gurken­strei­fen ohne Schale, was für ein Elend.
Den Verzehr solcher geschmacksentseelter Nationalspezialität zum Nachmittagstee als Tra­di­ti­on zu pflegen anstatt darob der kulinarischen Trostlosigkeit anheimzufallen, bedarf wohl not­wen­digerweise des sprichwörtlich typischen britischen Humors.

21. April – Leserfotos im Laufe der Zeiten

Heute vor 89 Jahren, am 21. April 1934, veröffentlichte die Daily Mail ein Leserfoto eines Londoner Mediziners als “Surgeon’s photo­graph“, jene be­rühmte erste an­gebliche Aufnahme des Monsters von Loch Ness. Wer vermeint, die veröffentlichten Leserfotos des angeblichen Monsters wären im Laufe der Zeiten wesentlich schärfer geworden, irrt freilich:

13. April

Heute vor 95 Jahren gelang drei wagemutigen Herren der erste Transatlantikflug in Ost-West-Richtung. Das ursprüngliche Ziel New York wurde wegen Kompassabwei­chun­gen zwar weit verfehlt, bei der Landung auf einem zugefrorenen Tümpel auf einer unbewohnten Insel vor der kanadischen Küste brach das Eis und das Flugzeug kippte kopfüber, wurde zum Glück aber nur leicht beschädigt.


Die drei Ozeanflieger.
Von links nach rechts:  Ehrenfried Günther Freiherr v. Hünefeld, Hermann Köhl und
Major James C. Fitzmaurice, die als erste den Ozean von Ost nach West bezwangen.

Der erste Non-Stop-Flug Europa–Amerika.
……….»Am 12. April um 5 Uhr 38 Minuten früh ist das Junkers-Flugzeug „Bremen“ von Baldonnel in Irland mit Hauptmann Köhl, Freiherrn von Hünefeld und dem Oberbe­fehls­haber der irischen Luftstreitkräfte, Fitzmaurice, zu seinem Ozeanflug gestartet und nach einem fast ununterbrochen währenden Kampf gegen Sturm, Nebel, Regen und Schnee­ge­stö­ber Freitag, den 13. April um 9 Uhr 30 Minuten vormittags Ortszeit (zirka 14 Uhr mit­teleuropäische Zeit) auf Greenly Island bei Neufundland ge­landet. Da über diesen he­ro­i­schen Flug in allen Tageszeitungen ausführlich be­richtet wurde, dürfen wir bei un­se­ren Lesern alles Tatsächliche als bekannt voraussetzen.«
(Allgemeine Automobil- & Flugmaschinen-Zeitung, 1928)

Empörendes: Innenpolitisch Motiviertes

Von 1995 bis 1998 blockierte Deutschland unter Innenminister Kanther die Auf­nahme Öster­reichs in den Schengenraum mit der Begründung, diese würde einen unaufhalt­samen Zu­strom von Asylbewerbern zur Folge haben, da Österreich nicht imstande sei seine Grenzen zu Osteuropa und dem Balkanraum ausreichend zu kontrollieren. Bayerns Innen­minister Beckstein wollte den Beitritt Österreichs gar bis zum Jahr 2000 verhindern, weil die bayeri­schen Grenzpolizisten an der österreichischen Grenze dann nichts mehr zu tun hätten und darob der Melancholie anheimfielen.
Nun blockierte Österreich unter Innenminister Karner den Beitritt Bulgariens und Rumäni­ens in den grenzkontrollfreien Schengenraum mit der nämlichen Begründung, die Südost­grenze der EU sei nicht hinreichend gegen irreguläre Migrationsströme gesichert.

Seiner Empörung darüber Ausdruck verlieh der deutsche EU-Parlamentsabgeordnete Oetjen und erstellte die Diagnose:
»Österreichs Haltung ist schäbig und hat ausschließlich innenpolitische Motive.«

Innenpolitische Motive! Wie hat der Mann das bloß herausgefunden, und was findet der als nächstes heraus – dass der Papst katholisch ist? Was für Motive sollte Österreichs Veto gegen eine Schengenraum-Erweiterung denn sonst haben, wenn nicht in­nen­po­li­ti­sche – etwa außerirdische?
Jene (»schäbige«) Haltung Österreichs  der regierenden In­nen­po­li­tiker Österreichs*) be­grün­­det sich halt in der Befürchtung, die durch ungezügelte Migration hervorgerufenen in­nen­po­li­ti­schen Probleme würden sich ohne ihr Schengen-Veto noch weiter verschärfen – eine Prob­­le­­ma­tik, welche übrigens bei weitem nicht überall in allen Schengenstaaten vergleichbar dra­ma­tisch zu Buche schlägt, falls es jemand interessiert:

*) (Knapp die Hälfte der österreichischen Bevölkerung ist überdies gegen das Veto.)

Laut einer aktuellen Studie

»Eine Studie aus dem Jahr 2014 konnte anhand von drei Weltmeisterschaften zeigen, dass Meldungen zu Gewalt gegen Frauen während und nach Fußballspielen anstiegen. So stiegen etwa [..] die Meldungen zu häuslicher Gewalt um 26 Prozent, wenn es ein Un­entschieden gab oder die Nationalmannschaft gewann. Verlor sie, stiegen die Meldun­gen sogar um 38 Prozent an.«

Wen die SPÖ da vor Gewaltanstieg während und nach Fußballspielen einer Natio­nal­mann­schaft eigentlich warnt, geht aus dem “Standard“-Artikel nicht hervor. Die öster­reichische Nationalmannschaft spielt bei der WM nämlich gar nicht mit – vielleicht könnte das ja wer der SPÖ verraten: dass die sich deswegen also keine Sorgen zu machen braucht. Die hat bekanntlich eh genug andere Sorgen.

Komplimentäres

Was soll das bedeuten? Was auch immer unter dem Begriff einschüchternde “Komplimente“ ver­standen sein will, kann es sich jedenfalls um nichts handeln, was man gemeinhin un­ter einem Kompliment zu verstehen hat.

Vor Jahren war ich mal mit einem Mädchen in Spanien, und als ich dort irgendwo mal ein paar Schritte von ihrer Seite wich, da raunte ihr einer im Vorübergehen irgendwas zu und ging weiter. Sie sprach bissel Spanisch, aber als ich sie fragte was der zu ihr gesagt habe, er­klärte sie bloß kurz angebunden: »Ach nix, irgendso ein piropo-Quatsch halt.« Sie kannte das von früheren Spanienaufenthalten.

Ein Piropo*, ein sog. “Flüster-“ oder “Schmeichelkompliment“ ist eine in der spanischen und lateinamerikanischen Machismo-Kultur traditionell gepflogene Unsitte, fremden Frauen mit beiläufig zugeraunten galanten Komplimenten auf die Nerven zu ge­hen. Ein traditioneller Piropo sollte indes keine sexuelle An­züg­lich­keit oder gar Anstößigkeit darstellen.
Damals wusste ich noch nicht, dass derlei Faxen von den betroffenen Frauen freilich als un­ange­nehme Belästigung empfunden werden, und bildete mir im Gegenteil noch was dar­auf ein, eine so attraktive Begleiterin zu haben dass ihr wildfremde spanische Män­ner im Vor­­über­gehen Kompli­mente machten – und meinte sie müsse sowas doch ebenfalls als schmei­chel­haft empfinden statt als lästig, ich Depp. Mittlerweile, in Zeiten allenthalben geführter Be­läs­ti­gungs­de­bat­ten, weiß ichs besser.

Mit den originären spanischen Piropos aber, was auch immer man von denen halten mag, können die nunmehr in Spanien unter Strafe gestellten sog. “einschüchternden Komplimente“ jeden­falls nix zu tun haben.

7. Juli

Heute vor 75 Jahren wurde Fredl Fesl geboren, der “bayerische Melankomiker“.

Seine Karriere begann damit, dass er in den Münchner Kleinkunstbühnen durch das Mit­­brin­gen seiner Gitarre keinen Eintritt bezahlen musste, indem er sich als auf­tretender Mu­si­ker ausgab. Als der eigentliche Künstler eines Abends fehlte, wurde Fesl vom Publikum auf die Bühne genötigt und musste wirklich selber auftreten.

Fredl Fesls Wortzerklaubereien kommen in schönster valentinesker Tradition daher:
    »As Pferdl hoaßt Pferdl, wei’s auf da Erd’ steht.
    Wei tats in da Luft fliagn, hoaßats fei Pfluftl.«
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[“Pfluftl“, bair. = Tollpatsch, Dummkopf ]

29. April – Rapidité, rapidité!

Heute vor 123 Jahren, am 29. April 1899, gelang es dem belgischen Automobilkonstrukteur und Rennfahrer Camille Jenatzy (1868-1913), der aufgrund seines roten Bartes und sei­nes verwegenen Fahrstils “Le Diable rouge“ (= der “Rote Teufel“) genannt wurde ¹), erstmals mit ei­nem Landfahrzeug den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 100 km/h zu erreichen. Hätten Sie gedacht, dass das seinerzeit schnellste Automobil der Welt einen Elektroantrieb hatte:


Camille Jenatzy im Rekordelektromobil La Jamais Contente, 1899

Jenatzys Eigenkonstruktion namens “La Jamais Contente“ (= “Die nie Zufriedene“) wog, obwohl aus einer Leichtmetalllegierung aus Aluminium, Magnesium und Wolfram angefertigt, beinahe eineinhalb Tonnen. Erkenntnisse über aerodynamisch günstigere Stromlinienformen wurden erst in den folgenden Jahrzehnten gewonnen, daher wurde die Karosserie vorne torpedoförmig spitz zulaufend anstatt tropfenförmig konstruiert. Das freiliegende Fahrwerk und inbesondere die herausragende Sitzposition des Fahrers bewirkten massiven Luftwiderstand, sonst wäre gewiss ein noch höheres Tempo möglich gewesen.
Drei Jahre später wurde der Geschwindigkeitsrekord für Landfahrzeuge von Léon Serpollet (dem übrigens wegen zu schnellen Fahrens seine Fahrerlaubnis entzogen worden war) mit mehr als 120 km/h übertroffen, mit seinem dampfbetriebenen (!) Automobil namens “Œuf de Pâques“ (= “Osterei“) – welches allerdings mit einem Ei wenig Ähnlichkeit aufwies:


Léon Serpollet im Rekorddampfmobil Œuf de Pâques, 1902

¹) Bei einem Automobilrennen am 17. Juni 1904 in Homburg/Deutschland belegte Camille Jenatzy den zweiten Platz, wobei er allerdings großes Glück hatte, als ihn bei der Fahrt über einen Bahnübergang ein Zug nur um Zentimeter verfehlte. Am 8. Dezember 1913 aber kam Jenatzy als Spaziergänger bei einem Waldausflug ums Leben, als ihm sein Talent, Tiergeräu­sche nachzuahmen, zum Verhängnis wurde: ein Jäger (Alfred Madoux, Direktor des Journals “L’Etoile Belge“) verwechselte ihn darob mit einem Rehbock und erschoss ihn irrtümlich.  

Statistisches

Na schön, aber sollte so eine Statistik etwa ein Kaufargument sein, sich einen Tesla anstatt eines durchschnittli­chen Autos zu kaufen? Laut Statistik weisen Zastava Yugo-Fahrzeuge in den USA gegenüber dem durchschnittlichen Auto eine um 99,98 Prozent geringere Wahr­scheinlichkeit auf, gestohlen zu werden. Deswegen kauf ich mir trotzdem keinen.

Spitzfindiges: Glazialogisches & Geopolitisches

Das Online-Boulevardmedium “eXXpress  für Selberdenker“ gibt bekannt:

Dass die Antarktis mit der Arktis verwechselt wird, kommt bekanntlich öfters vor.
Was auch immer man unter einem Gletscher »vor der Küste« wohl verstehen will – besag­ter Thwaites-Gletscher befindet sich jedenfalls in der Westantarktis und ist ein Gletscher, aber kein Eisberg. Jedenfalls soweit sich das für Selberdenker beurteilen lässt.

Diverser Unsinn kommt freilich mitunter auch in Online-Qualitätsmedien vor, z.B.:

Dass Südgeorgien, wo sich der Nordenskjöld-Gletscher befindet, eine norwegische Insel wä­re, wurde bislang noch nicht bekannt. Sondern ist ein britisches Überseegebiet in der Ant­arktis, auf welches Argentinien Anspruch erhebt. Indessen befindet sich ein gleich­namiger Gletscher auf der norwegischen Insel Spitzbergen, aber die liegt wiederum in der Arktis.

Genug der Spitzfindigkeiten, für heute.