
Seit einer Weile verfolge ich die Veröffentlichungen einer Gartengruppe. Dort sind ziemliche Dogmatiker am Werk, denen zufolge man grundsätzlich alles wachsen lassen soll und jeder Eingriff in Wildwuchs verpönt ist, was dem Prinzip des Gärtnerns, also des Hegens eines umfriedeten Gartens als Ort der gestalteten Natur, ja eigentlich widerspricht. Dort erfahre ich komischerweise lauter interessante Sachen über fiese Pflanzen. Eine Gärtnerin freut sich dort etwa über eine prächtig wachsende Rotbeerige Zaunrübe. Die ist sehr giftig, überwucherte bei mir die riesige alte Brombeerhecke des Nachbarn mit ihren meterlangen Treiben, denen man beim wachsen quasi zugucken konnte. Musste ich mit Stumpf und Stiel ausrott.., äh ausgraben. Und im Müllsack entsorgen. Seit neuesten hab ich den bambusartigen, meterhohen Stengel mit im Sommer tellergroßen Blättern am Zaun zum Nachbarn als Japanischen Staudenköterich (Knöterich) identifiziert. er breitet sich zwischen zähen und auch gerne alles zart umwürgenden Hopfentrieben unter der stacheligen wilden Quitte aus, die gerade so knallig korallenrot blüht, von Bienen umschwärmt ist und im Spätsommer feinste Einmachfrüchte trägt. Der Japaner, lerne ich, ist invasiv, brutal dominant, er verdrängt in wenige Jahren alles andere, kurzum er gehört raus. Denkste. Seine bis zu zwei Meter tiefen Wurzeln bilden ein zähes Rhizom, das legendäre widerständigste Wurzelgeflecht, und jedes abgerissenen Teil und jede Zelle will wieder eine neue Pflanze bilden, die als meterhoher Stengel mit riesigen Blättern in die Höhe wachsen will. Nicht auf den Kompost! Wie der Giersch. Und die Zaunrübe, die aber übrigens die Alraune ist, was bekanntlich eine Hexen- und Zauberpflanze ist. Die jungen Sprossen – des Staudenknöterichs – gedünstet, seien bedingt essbar. Nur durch jahrelanges Rausrufen lasse sich das Monster ermüden, wenn überhaupt. Abdecken mit schwarzen Folie über Jahre ist auch keine Lösung. Wieso find ich in letzter Zeit immer neue Feinde? Als nächstes: die Kermesbeere (Phytolacca), ein Geschenk des anderen Nachbarn, wächst krautig, verändert sich von weißer Blüte zur dunkelroten Beerenrispe ganz hübsch, kann stehen bleiben, ist zwar bisschen giftig, kann Hautausschlag verursachen, auch invasiv, aber irgendwie auch eine alte Arznei gegen Gicht. Den Stechapfel (Datura stramonium), ein weiß blühend fein duftendes Nachtschattengewächs, hab ich jetzt noch nicht bei mir entdeckt. Schade eigentlich. Kann Hautreizungen auslösen. Schön auch die Kreuzblättrige Wolfsmilch, (Euphorbia lathyris), auch Wühlmaus-Wolfsmilch, Spring-Wolfsmilch, Springkraut, Hexenkraut oder Giftkraut genannt, ebenfalls ein Einwanderer aus Asien. Die attraktive, bis zu anderthalb Meter große attraktive Zierpflanze, sehr apart anzusehen, ist schon hochgiftig und sollte beim Aussamen am allzu wüsten Vermehren gehindert werden. Die hab ich auch schon gesehen bei mir. Ist da gerade eine Verschwörung am Werk, oder sollt ich mal meinen negativen Blick überdenken? Hallo Feind?