
das ist leider nicht in pankow, sondern in champasak, laos
Echt gemein! Niemand mag den Maulwurf. (und sogar ich hab gerade aus versehen mailwurf geschrieben). Er ist der Feind aller Rasenfetischisten, die Internetforen sind voll von Ratschlägen zu Vertreibung, Mord und Folter durch Geräuschterror mittels windbetriebener Flaschenorgeln oder solarbetriebener Ultraschalltöner, es gibt Tipps zu Gestanksschikanen durch „Vergrämungsmittel“ wie Knoblauchbrühe, Fischköppe, Menschenhaare, Petroleum oder Buttersäure, bis zu martialischen Tötungsideen wie dem Ersäufen mit dem Gartenschlauch, Vergiften durch chemische Kampfstoffe, primitive Schnappfallen oder Anleitungen zum Häuserkampf mit Sprengstoffen. Das meiste ist übrigens hierzulande verboten, der Maulwurf steht unter Naturschutz. Dabei tut er niemandem was zuleide – außer den Ästhetikpuristen und den Regenwürmern, denen er zwecks Vorratshaltung den Kopf abbeißt, damit sie nicht abhauen können und trotzdem frisch lebendig bleiben. Der Insektenfresser knabbert keine Wurzeln und Zwiebeln an, er buddelt seine bescheidene Behausung und püriert dabei den Boden aufs Nützlichste. Er haust im Untergrund, hört das Gras wachsen und die Rhizome sich vernetzen, ist unscheinbar wie ein Agent, der selbstgenügsam und im Stillen wühlt. Eigentlich wär er auch ein prima Namenspatron für einen Journalistenpreis. Statt das handgroße Tierchen so brutal zu bekämpfen, sollte man sich lieber freuen, dass es sich Zuhause fühlt und seine Erdhügel als dekorative Zeichen lesen, unser Naturverständnis neu zu justieren.