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bangkok

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Noch frieren mir die Finger ab, wenn ich länger als ein Stündchen im zugewucherten Beet herumzupfe. Dabei geht das Unkraut – oh pardon, man sagt ja heute „Wildkraut“– gerade sehr leicht raus. Die Wurzeln sind kraftlos, das Wachstum zögerlich, die Pflänzchen wissen ganz genau, dass ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Und wenn sie dann kommt, dann freuen sich all diese Kräuter bloß um so wilder über die Plätze, die ich ihnen jetzt frei gerupft hab. Nach dieser Logik könnte man derzeit ebenso gut Zuhause im Warmen bleiben. Man könnte ja Gartenbücher lesen! Und Pflanzpläne malen, die man dann eh nie so umsetzt. Aber natürlich hält uns nichts, sobald die ersten trügerischen Sonnenstrahlen herüberblinzeln. Außerdem hab ich als gute Biogärtnerin alle herbstlichen Ordnungsmaßnahmen vernachlässigt, Staudengestrüpp, Blätter- und Totholzhaufen, überhaupt alles, was irgendwelchem Kleingetier Schutz oder Nahrung versprach, steht oder liegt noch krakelig herum und kann jetzt zusammengesammelt und zu neuen Haufen umgeschichtet werden. Die aufgeräumte Leere entwickelt ihren eigenen Sog. Aber in der Natur gibt es keine nackten Erdflächen. Nicht mal nackte Steine. Über den Winter haben sich die Wegplatten mit feinem Moos überzogen. Moos besiedelt gerne fast nährstofffreie Standorte wie Felsen, Borke und Blätter, dunkle Waldböden sowie „gestörte Standorte“. Das Moos ist „konkurrenzschwach“– welch wunderbar antidarwinistische Eigenschaft.

Lob der Koniferen

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Wieso haben eigentlich alle was gegen Koniferen? Die sähen langweilig und friedhofsmäßig aus. Ja und? Sind Friedhöfe keine wunderbaren Oasen der Ruhe und Einkehr? Meine Koniferen sind auch alles andere als eintönig. Vier verschiedene Sorten der kiefernartigen Nacktsamer drängen sich nebeneinander zu einer undurchdringlichen Mauer, filigran gefiedert, ruppig bewedelt, konisch streng oder pyramidal, fuchsschwänzig elegant oder filzig verbuscht, jedenfalls allesamt alt und groß. Zu groß nach dem Deutschen Kleingartengesetz von 1913, das zum öffentlichen Raum, also den Wegen hin, eine Heckenhöhe von 1,25 m vorschreibt. Deshalb müssen ihre schon ziemlich knorrigen Auswüchse jedes Jahr aufs Neue gestutzt werden. Erlaubt ist das aus Vogelschutzgründen nur im Herbst und Winter. Dazu braucht’s eine elektrische Heckenschere, ich leih mir die gerne mit Mann dran aus. Der rasiert meine winterharte Sichtblende in Façon, bis sie wie Grace Jones aussieht. Umwerfend würzig ist dabei der Duft des frischen Koniferenschnitts. Allein dafür haben sie (trotz des in ihnen überwinternden Gitterrosts) einen Ehrenplatz bei mir verdient. Übrigens sollen sogar die als tantenhaft verunglimpften (was ist eigentlich so schlimm an Tanten?) Hortensien mit ihren rosa-hellblauen Blütenbällen wieder in Mode kommen. Zumindest steht das im Gartenfreund, unserer allmonatlichen Vereinszeitschrift, und die hat den grünen Daumen am Puls des Gärtnerbedarfs.