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Schnelle Verbreitung israelfeindlicher Desinformation nach Gewalt bei hareidischen Protesten

12. Januar 2026

Chaim Lax, HonestReporting, 7. Januar 2026

Am 6. Januar 2026 kamen Zehntausende Hareidim (ultraorthodoxe Juden) auf den Straßen nahe der Einfahrt nach Jerusalem zusammen, um gegen die Einberufung hareidischer Jugendlicher in die IDF zu protestieren. Anders als die meisten 18‑jährigen Israelis, die zum Militärdienst eingezogen werden, gibt es für 18‑jährige Mitglieder der hareidischen Gemeinschaft eine umfassende Ausnahme vom Wehrdienst, über die derzeit in der israelischen Knesset gesetzlich entschieden wird.

Während des Protests, der zunehmend chaotisch geworden war, raste ein Bus durch die Menge, tötete einen Jugendlichen und verletzte drei weitere Menschen. Eine Untersuchung der israelischen Polizei zu dem Vorfall läuft derzeit.

Noch bevor der Vorfall von großen Medienorganisationen aufgegriffen wurde, wurde er von israelfeindlichen Accounts und anderen Akteuren auf X (ehemals Twitter) manipuliert und in zwei falsche Narrative umgedeutet: dass die Hareidi-Proteste ein Zeichen tiefgreifender öffentlicher Unzufriedenheit mit der israelischen Regierung seien und dass der israelische Staat für die Tötung des hareidischen Jugendlichen verantwortlich sei.

In vielen Fällen schienen die Accounts, die diese Fehlinformationen verbreiteten, dem iranischen Regime wohlgesonnen zu sein und nutzten den Vorfall, um eine Parallele zwischen den regierungskritischen Protesten im Iran und dem Wehrpflicht-Protest in Jerusalem zu ziehen.

Im Folgenden ein Blick auf diese beiden falschen Narrative und ihre Verbreitung auf X:

Narrativ A: Die hareidischen Proteste bedrohen die israelische Regierung

Für alle, die mit Israel und seiner politischen Landschaft vertraut sind, sind Hariedi-Proteste gegen die Wehrpflicht (oder andere Regierungsmaßnahmen) nichts Neues.

Dennoch behaupteten mehrere Accounts unter Verwendung von Bildern des Hareidi-Protests, es handele sich um massive Demonstrationen gegen die Regierung Netanyahu und deuteten an, diese stellten eine Bedrohung für deren Stabilität dar. Einige Accounts schrieben dem Protest sogar falsche Gründe zu.

Der „Nachrichten“-Account RKM postete ein Video des Protests und behauptete, Israel stehe aufgrund von „Gen-Z-Protesten“ angesichts „steigender Inflation, Rezession und Korruption“ kurz vor einem „Bürgerkrieg“. Diese Falschmeldung wurde über 67.000-mal angesehen und mehr als 1.500-mal weiterverbreitet.

Der populäre antiisraelische Account @Jvnior behauptete ebenfalls, dass „in Israel bald ein Bürgerkrieg ausbrechen wird“, und feierte dies.

Mehrere Accounts zogen eine Parallele zwischen diesem Protest und jenen gegen das iranische Regime. Ein scherzhaft gemeinter Beitrag postete sarkastisch, der Hareidi-Protest sei ein Zeichen dafür, dass „Israel fällt“ (in Anspielung auf diejenigen, die behaupten, die Proteste im Iran kündigten das Ende der Herrschaft des Ayatollah an).

Ein weiterer pro-iranischer Account, Zahra Hamidia, teilte ein Video des Hareidi-Protests mit der Bildunterschrift: „Massive regierungsfeindliche Proteste im Iran [sic]. Ups, sorry, es scheint, dass es nicht Iran ist, sondern Tel Aviv [sic].“ Dieser Beitrag soll anscheinend der israelischen Regierung einen Anstrich von Illegitimität zu verleihen, ähnlich der Illegitimität, die manche Beobachter der Islamischen Republik zuschreiben.

Das ist nicht das erste Mal, dass pro-iranische Accounts israelische Proteste nutzen, um zu behaupten, sie seien ein Zeichen für die Zerbrechlichkeit der Regierung. Nur wenige Stunden vor dem Hareidi-Protest teilte der Account Iran Military Media ein Video einer Demonstration und behauptete, „Tel Aviv ist letzte Nacht von massiven regierungsfeindlichen Unruhen erschüttert worden“. Proteste gegen die Regierung Netanyahu sind in Tel Aviv recht häufig und das Video zeigt nichts, was einer „Unruhe“ gleichkäme.

Narrativ B: Der israelische Staat tötete den jugendlichen Hareidi

Neben der Behauptung, der Hareidi-Protest sei ein Symbol für die Zerbrechlichkeit der israelischen Regierung (oder sogar Israels insgesamt), verbreitete sich in den sozialen Medien ein weiteres falsches Narrativ: dass Vertreter des israelischen Staates den Hareidi-Jugendlichen getötet hätten.

Ein Beitrag des in Europa ansässigen Accounts @AryJeay (der behauptet, ein iranischer Forscher und Autor zu sein) erreichte fast eine halbe Million Aufrufe, nachdem er behauptet hatte, ein „Bus der israelischen Polizei überfahre regierungsfeindliche Demonstranten in Tel Aviv“.

Abgesehen von der falschen Behauptung, es habe sich um einen Bus der israelischen Polizei gehandelt (jeder Einheimische könnte erkennen, dass es ein ziviler Bus des Unternehmens „Extra“ war), fand der Vorfall nicht in Tel Aviv statt. @AryJeay war nicht der einzige Account, der diese Fehlinformation verbreitete – der bekannte Desinformationsakteur Sulaiman Ahmed postete ebenfalls, der Vorfall habe in Tel Aviv stattgefunden und fügte zudem die frei erfundene Angabe hinzu, dass 10 Menschen getötet worden seien.

Zusätzlich zu der Behauptung, es sei ein Polizeibus gewesen, erreichte ein weiterer Beitrag des Accounts @Jvnior 778.000 Aufrufe, nachdem er fälschlicherweise behauptet hatte, ein „IDF-Soldat hat gerade orthodoxe Juden mit einem Bus auf den Straßen ‘Israels’ ÜBERFAHREN“. Kaum überraschend bei einem Account, der kürzlich gepostet hat: „Es ist nichts falsch daran, antisemitisch zu sein.“

Ein weiterer X‑Nutzer, der pro‑iranische Regime‑Account „Persian Girl“, veröffentlichte ebenfalls das Video des Busses, der durch die Menge raste, zusammen mit den Worten: „Oh nein, was ist mit der einzigen Demokratie im Nahen Osten passiert?“ Damit wurde stark angedeutet, die Regierung sei für das Überfahren der Demonstrierenden verantwortlich gewesen, um den Protest niederzuschlagen.

Ob es nun darum geht, Falschmeldungen über die Art des jüngsten Protests der Hareidis zu verbreiten oder Israel zu beschuldigen einen der Demonstrierenden getötet zu haben – es ist eindeutig, dass antiisraelische Akteure den Vorfall genutzt haben, um die sozialen Medien mit Desinformation über Israels politische Stabilität oder die angebliche Unterdrückung von Protestierenden durch die Regierung zu fluten.

Es scheint, dass mehrere dieser Lügenverbreiter dem iranischen Regime wohlgesonnen sind, was die Situation noch besorgniserregender macht.

Insgesamt haben diese Beiträge innerhalb von weniger als 24 Stunden über eine Million Nutzer erreicht und zeigen damit, wie rasant sich Desinformation in sozialen Medien verbreiten kann – mit negativen Auswirkungen auf jene, die diese Plattformen als primäre Nachrichtenquelle nutzen.


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