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Die ganze Wahrheit über Gefahren für heilige Stätten

1. Juni 2023

Akiva Van Koningsveld, HonestReporting, 22. Mai 2023

Nur allzu oft haben Kritiker dem jüdischen Staat vorgeworfen die Religionsfreiheit der Palästinenser einzuschränken, besonders an der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem. Eine ehrliche Untersuchung der Fakten und des relevanten Völkerrechts offenbart jedoch, dass die Palästinenser genau dessen schuldig sind, was sie Israel vorwerfen.

In diesem Text werden wir einige der Einschränkungen und Drohungen untersuchen, denen sich jüdisches Gebet an heiligen Stätten und archäologische Grabungen in Jerusalem und der Westbank gegenüber sieht.

Tempelberg (Jerusalem)

Der Tempelberg in Jerusalems Altstadt ist der heiligste Ort des Judentums – eine Tatsache, die unstrittig ist. Gemäß mündlicher Tradition wie auch Mystischer Quellen befindet sich auf dem Berg der Gründungsstein, von dem aus Gott die Welt schuf. Die Midrasch und der Jerusalemer Talmud erklären weiterhin, dass Adam, der erste Mann, aus dem Staub des Plateaus geformt wurde. Dann brachten Kain, Abel und Noah auf demselben Berg Opfer. In Genesis 22 (1. Mose 22) wird dem jüdischen Patriarchen Abraham befohlen seinen Sohn Isaak auf dem Berg Moriah zu opfern, ein weiterer Name für den Ort.

Später kaufte König David die Tenne von Araunah dem Jebusiter (2. Samuel 24,24; 1. Chroniken 21,22-30), um einen Altar dort zu bauen. Um 950 v.Chr. baute ein Sohn Salomo den Ersten Tempel, den Mittelpunkt jüdischer Anbetung mit dem Allerheiligsten und der Bundeslade auf dem Gründungsstein. Obwohl der Tempel heute in Trümmern liegt hat sich der religiöse Status des heiligsten Orts des Judentums nie geändert. Der jüdische Weise Maimonides (1138 – 1204) kommt in seinem magnus opus Mischneh Thora: „Eine Person muss den Ort in Ehrfurcht halten, so wie man ihn betrachten würde, wenn der Tempel noch stünde.“

Heutzutage sind jüdische Rundgänge auf dem Tempelberg vielen Einschränkungen unterworfen. Der heutige Stand der Dinge geht auf 1967 zurück, als Israel Ostjerusalem von Jordanien eroberte. Nur Tage nach dem Krieg traf sich Verteidigungsminister Mosche Dayan mit islamischen Leitern der Stadt. Gemäß der an diesem Tag in Kraft gesetzten informellen Vereinbarungen dürfen Nichtmuslime den Tempelberg nur zu bestimmten Tagesstunden besuchen, die von der Polizei festgelegten engen Wege benutzen und dürfen dort nicht beten. Darüber  hinaus ist Israel infolge der unablässigen palästinensischen Gewalt oft gezwungen den Tempelberg während des muslimischen heiligen Monats Ramadan für Juden zu schließen.

Die Patriarchenhöhle (Hebron)

Nach Jerusalem gilt Hebron als die zweitheiligste Stadt des Judentums; sie wird in der [hebräischen] Bibel  nicht weniger als 87-mal erwähnt. Laut jüdischer Tradition ist sie Heimat der Höhle der Patriarchen und Matriarchinnen – die Grabstätte von Abraham, Isaak, Jakob, Sarah, Rebecca und Leah. Später machte König David Hebron zu seiner ersten Hauptstadt und regierte dort sieben Jahre lang, wie es im Buch Samuel beschrieben wird.

Jüdische mystische Texte ermutigen die Gläubigen in der Machpela-Höhle zu beten, stellen sie als verheißungsvollen Ort dar, um sich mit Gottes Licht und Barmherzigkeit zu verbinden, besonders, wenn die Welt Gnade braucht. Allerdings verboten fremde Herrscher 700 Jahre lang die Stätte zu betreten, die in eine Moschee umgewandelt wurde; sie schränkten sie darauf ein auf ein zum Beten bis zur siebten Stufe vor dem Gebäude zu gehen. Als der IDF-Oberrabbiner Schlomo Goren am 8. Juni 1967 im Alleingang Hebron befreite, wurde das Verbot endlich aufgehoben- aber einige Beschränkungen sind bis heute geblieben.

Laut Vereinbarungen zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) kontrolliert die muslimische Waqf rund 81 Prozent des Gebäudes und Juden wird nur an einigen jüdischen Feiertagen gestattet seinen größten Bereich – die Hall von Isaak und Rebekka – zu betreten, die nur zehn Tage im Jahr betragen. Entscheidend ist, dass sich in Ohel Yitzhak der Eingang zur antiken Grabeshöhle der Patriarchen und Matriachinnen befindet, der manchmal auch der „Eingang zum Garten Eden“ genannt wird. Zusätzlich wird Juden während muslimischen Feiertagen der Zugang zum Patriarchenhöhle komplett verboten.

Josuas Altar (Berg Ebal)

In den Jahren, nachdem der jüdische Staat 1967 im Sechstage-Krieg das Westjordanland eroberte (das auch mit seinen biblischen Namen Judäa und Samaria bekannt ist) lokalisierten israelische Forscher mehr als 1.500 archäologische Stätten und bieten einen einzigartigen Einblick in die uralte jüdische Zivilisation. Neben anderen Entdeckungen im nördlichen Samaria identifizierte Professor Adam Zertal von der Universität Haifa das, von dem manche glauben, es sei der Steinaltar aus Josua 8,30-35.

Die Maße des Bauwerks auf dem Berg Ebal passt, entsprechend den in Deuteronomium (5. Mose) 27 zu findenden Anweisungen, erstaunlich genau zu den Beschreibungen in der Mischna und dem Talmud. Insbesondere bekräftigen an der Stelle gefundene Tonwaren sowie Radiokarbon-Analysen die Behauptung, dass der alter vor mehr als 3.200 Jahren gebaut wurde, um die Zeit, als die Israeliten das verheißene Land eroberten. „Wenn das genau das bestätigt, was in diesem sehr alten Teil der Bibel geschrieben steht“, erklärte Zertal einmal, „dann heißt das, dass wahrscheinlich auch andere Teile historisch korrekt sind. Die Auswirkungen sind enorm.“

Für Juden ist der Besuch des Josua-Altars allerdings keine einfache Sache – und kann manchmal gefährlich sein. Der Berg Ebal liegt in der Area B der Westbank, wo die palästinensische Autonomiebehörde Verwaltungsangelegenheiten kontrolliert und entsprechend benötigen Besucher eine Eskorte des israelischen Militärs. Die Palästinenser haben in einer organisierten Kampagne jüdische Geschichte im Land Israel auszulöschen an dem Stätte auch beträchtlichen Schaden angerichtet. Zum Beispiel zermahlten Arbeiter der PA 2021 antike Steine aus der Außenmauer des Grabes zu Schotter, um eine Straße zu befestigen. Früher dieses Jahr kündigte die PA den Bau eines Wohnprojekts an der Stelle an, laut Völkerrecht ein klarer Bruch ihrer Verpflichtungen „alle archäologischen Stätten zu schützen und zu bewahren“.

Synagoge Schalom Al Yisrael-Synagoge und Synagoge Na’aran (Jericho)

Jericho, eine der ältesten immer noch bewohnten Stadt in der Region, ist vielleicht am besten aus dem Buch Josua bekannt. Laut der Bibel war die stark befestigte „Stadt der Palmen“ die erste Stadt im Land Israel, die das jüdische Volk nach der Durchquerung des Jordan eroberte. Traurigerweise zerstörte die römische Armee Jericho im Jahr 68 n.Chr. und Forscher glauben, dass die jüdische Gemeinde erst im sechsten oder siebten Jahrhundert zurückkehrte.

Die Synagogen Schalom Al Yisrael („Friede sei Israel“) und Na’aran im Umland von Jericho gehen wahrscheinlich auf die byzantinische Zeit zurück (313 – 636). Im Einklang mit dem Stil der Zeit weisen beide Stätten wunderschöne Mosaike auf, die Menoren und andere jüdische Symbole darstellen. Die ehemalige Synagoge hat in der jüdischen Tradition besondere Bedeutung, da man glaubt an der Stelle gebaut zu haben, an der ein Engel Josua sagte: „Zieh deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heilig.“ (Josua 5,15)

Ungeachtet der spirituellen Bedeutung war Jericho die erste Stadt in der Westbank, die 1994/95 an die palästinensische Autonomiebehörde übergeben wurde mit dem Versprechen, dass die neu geschaffenen PA-Sicherheitskräfte jüdischen Pilgern erlauben würden die beiden Synagogen sicher zu besuchen.

Darüber hinaus wurde als Teil der Oslo-Vereinbarungen beschlossen, dass „religiöse Angelegenheiten in der Synagoge ‚Schalom Al Israel‘ in Jericho unter dem Schutz der israelischen Obrigkeit stehen sollten. Die Einhaltung der Vereinbarungen durch die PA ist jedoch bestenfalls lückenhaft. Bei einem Vorfall am 12. Oktober 2000 versäumte es die palästinensische Polizei zu handeln, als arabische Randalierer die Synagoge Schalom Al Yisrael brandschatzten. Jüdische Gottesdienstbesucher kehrten erst 2009 nach Jericho zurück. Dieses Jahr reduzierte die israelische Armee inmitten der palästinensischen Angriffe die Besuche stark.

Die Synagoge von Gaza (Gaza Stadt)

Obwohl der Gazastreifen seit 2007 zwar unter voller Kontrolle der palästinensischen Terrororganisation Hamas gestanden hat, hat die Küstenenklave eine reichhaltige jüdische Geschichte, die bis in biblische Zeiten zurückreicht und bis weit ins 20. Jahrhundert geht. Ein typisches Beispiel: In seinem Reisetagebuch von 1481 zählt Rabbi Meschullam da Volterra, ein italienischer Pilger, rund fünfzig bis sechzig jüdische Familien in dem Bereich. „Sie haben eine kleine, aber hübsche Synagoge und Weinberge und Felder und Häuser“, hielt er fest; er fügte hinzu, dass die Juden „oben auf dem Hügel leben“.

Leider war die historische Gemeinschaft infolge der Welle der gewalttätigen arabischen Krawalle von 1929 gezwungen zu fliehen und sich in Sicherheit zu bringen und Gazas 1.500 Jahre altes Gotteshaus wurde bald darauf von lokalen Muslimen in Schutt und Asche gelegt. Sie wurde erst kurz vor dem Sechstage-Krieg von 1967 wieder entdeckt, als ägyptische Behörden bei Bauarbeiten nahe des Hafens der Stadt ein Mosaik freilegten, das König David darstellt. Offizielle christliche Vertreter behaupteten anfangs, sie hätten die Überreste einer Kirche aus dem fünften Jahrhundert gefunden, aber nachdem Israel das Gebiet eroberte, bestätigten Archäologen, dass sie in Wirklichkeit die antike Synagoge gefunden hatten.

Anhang II des Gaza-Jericho-Abkommens von 1994 erklärt: „Die palästinensische Autonomiebehörde wird freien Zugang zu allen heiligen Stätten im Gazastreifen und dem Raum Jericho gewährleisten, die von den jeweiligen religiösen Gruppen festgelegt werden.“

Darüber hinaus stimmten die Palästinenser im ein Jahr später unterzeichneten Oslo II-Interimsabkommen zu „freien Zugang zur Synagoge in Gaza Stadt gewährleisten und die Gottesdienst-Gebräuche darin zu respektieren.“ Doch seit Israels Abzug 2005 und der folgenden Übernahme durch die Hamas ist die archäologische Arbeit an der Stätte zum Stillstand gekommen, weil verhindert wurde, dass Juden überhaupt Zugang zum Streifen erhalten. Ein Teil des Mosaikbodens der Synagoge wird im Museum des guten Samariters bei Jerusalem ausgestellt.

Existenz und Existenzrecht

30. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 30. Juni 2009

Bis heute basieren Israels Verträge mit Ägypten und Jordanien und seine Friedensbemühungen unter der Oslo-Prämisse schlicht auf der Anerkennung von Israels Existenzrecht. Während all dieser Jahre der Verhandlungen setzten die Israelis voraus, dass das Selbstverständnis von Israel als anerkannten jüdischem Staat nicht zur Diskussion stand.

Doch der Zusammenbruch des Oslo-Prozesses offenbart die palästinensische Verweigerungshaltung, was die Anerkennung Israels als jüdischen Staat betrifft. So erklärte der ehemalige Generalkonsul  Alon Pinkas:

Die arabische Welt hat de facto Israels Existenz anerkannt, aber nicht seine Existenzberechtigung. Die Araber sehen Israel als strategisches Faktum, als Militärmacht, die zurzeit unbesiegbar ist. Israel ist diesem Paradigma zufolge keine dauerhafte Erscheinung im Nahen Osten.

Nach mehr oder weniger als 200 Jahren sind sie vertrieben. So lautet das arabische Argument.

Nun betont Netanyahu, der die Abkommen von Wye River und Hebron unterzeichnet hatte, ohne ein Übermaß an Dank zu erwarten, dass es Zeitverschwendung bedeutet, Friedensgespräche mit Leuten zu führen, die Israel nicht als jüdischen Staat anerkennen wollen.

Kürzlich sprach die Washington Post israelische Offizielle zu dieser neuen Forderung nicht nur mit dem Fokus auf die Frage des Warum an, sondern, und das ist noch wichtiger, wegen des Warum jetzt?

„Wenn man nicht anerkennt, dass das jüdische Volk existiert und die Juden aus diesem Land hervorgingen, dann werden wir nie ein Ende des Konflikts erleben“, sagte Michael B. Oren, Netanyahus zukünftiger Botschafter in Washington. “Während der Verhandlungen in Oslo dachte man: Wir brauchen keine Anerkennung. Wir sind stark. Wir sind die Sieger. Geben wir ihnen eine Chance. Geben wir ihnen eine Gelegenheit, sich an den Frieden zu gewöhnen. Das war ein Fehler….“

In den dazwischen liegenden Jahren kam bei den arabischen Israelis – etwa 20 Prozent der Bevölkerung – ihre nationale Identität immer stärker zur Geltung und sie drängten Israel, „ein Staat aller seiner Bürger“ zu werden, so Jamal Zahalka, ein israelischer Abgeordneter. Die im Jahr 2000 ausgebrochene Intifada und die stetig wachsende Popularität der islamistischen Hamas, die Israels Vernichtung anstrebt, verstärkte wieder das Gespür dafür, dass eine diplomatische Übereinkunft Israels Sicherheit nicht gewährleistet, sagte Yoram Hazony, der an der Forschung für Netanyahus Buch A Place Among the Nations (1993) mitgewirkt hatte.

Und was bedeutet das?

• Die Juden haben ein legitimes nationales Streben nach Selbstbestimmung.

• Ein Staat, der nur aus der „Summe seiner Bürger“ besteht, hat keine Seele. Solch ein Gemeinwesen reflektiert nur die Eigenart der Menschen, die dort in dieser Zeit leben.

• Eine Zweistaatenlösung, die zusätzlich das Recht der Palästinenser auf Rückkehr einräumt, wird die Stabilität der israelischen Gesellschaft gefährden. Die Araber haben keine Erfolgsbilanz vorzuweisen, was erfolgreiche multiethnische Staaten betrifft. Die sozialen Spannungen, die von hasserfüllten inländischen und ausländischen Neinsagern geschürt werden, lassen den Bürgerkrieg im Libanon im Vergleich dazu wie einen Spaziergang im Park erscheinen.

• Niemand fordert, dass ein palästinensischer Staat „ein Staat seiner Bürger“ sei. Man kann sicher sein, dass ein Staat Palästina israelischen Bürgern weder Freiraum noch gleiche Rechte gewähren wird. Die arabischen Staaten, die 850.000 Juden vertrieben, haben kein Recht zu fordern, dass Israel lediglich ein Staat seiner Bürger ist.

• Sollte diese Anerkennung eine Vorbedingung für Gespräche sein oder ist es ein Thema, das im Verlauf von Friedensgesprächen ausgearbeitet werden kann? Die ist eine berechtigte Frage. (Die reflexartige palästinensische Reaktion auf Netanyahus Rede ermutigte mich nicht).

• Mangelt es an israelischem Konsens bezüglich der Fragestellung, was es bedeutet, ein jüdischer Staat zu sein? Ja. Aber das ist eine interne Angelegenheit, die innerhalb der israelischen Gesellschaft entschieden wird. Es ist nicht Sache von Außenstehenden, den Charakter einer anderen Nation zu definieren, ob wir jetzt über Israel, die Türkei, den Iran oder über irgendein anderes Land sprechen.

Pinkas soll das Schlusswort haben:

Also ist die arabische Anerkennung Israels als jüdischem Staat ein enormer pädagogischer Prozess, der eine Vorbedingung zum dauerhaften Frieden darstellt.

Wenn Israel in den Augen der Araber „als Staat der Juden“ wahrgenommen wird hat es ein Recht auf Existenz. Wenn es ein Existenzrecht hat (in der Tat eine dämliche Debatte: Welches „Existenzrecht“ haben Belgien oder Uruguay?) ist dauerhafte Koexistenz erreichbar.

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Leseempfehlungen, 24. Juni 2009

24. Juni 2009

HonestReporting Media BackSpin, 24. Juni 2009

Krise erschüttert Machtbalance in Nahost. Arabische Medien haben ein eigenes Interesse daran, den Protesten nicht zuviel Bedeutung beizumessen.

UPDATE: Lesen Sie auch diese schonungslose Einschätzung in The New Republic (via Jeffrey Levin).

Netanyahus Friedensbedingung. Guter Hintergrundbericht darüber, warum diese Bedingung 16 Jahre nach Oslo zur Sprache kommt….

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Das David Rohde-Puzzle. Die NY Times zahlte nach Verhandlungen mit Terroristen etwa 1 Million Lösegeld. Dies könnte erklären, warum das Blatt noch immer nicht erschöpfend Auskunft über die Entführung seines Reporters geben will.

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