In der Antike bereits wusste Cicero, jener allerfleißigste Briefeschreiber und Gymnasiastenpeiniger, manch Schlaues über das Älterwerden zu berichten: „Nicht das Alter ist das Problem“, so der Vorzeigekonsul, „sondern unsere Einstellung dazu“. Wirklich deep, Bruder… Blöd an derlei Weisheitsperlen ist freilich, dass sie sich als New Age-Sentenzen schick ausnehmen, wenn sie eingerahmt über dem Schreibtisch hängen, beim allmorgendlichen Horrorblick in den Spiegel aber wenig bis gar keinen Trost zu spenden vermögen. So nimmt es kaum Wunder, dass sich der Wunsch nach ewiger Jugend wie ein roter Faden durch die Kulturgeschichte der Menschheit zieht. Von den spanischen Conquistadores auf der Suche nach dem sagenumwobenen Jungbrunnen bis hin zu westfälischen Popsternchen der wieder hippen 80er Jahre – alle wollten sie forever young bleiben, und wer könnte es ihnen verdenken. Es war also ein durchaus wohlbestelltes (um nicht zu sagen: abgegrastes) Feld, dem sich der Ire Oscar Wilde vor rund 135 Jahren widmete, als er in The Picture of Dorian Gray (1890/91) der Fabel seinen ganz eigenen Spin verpasste. Getragen wird der Roman dabei von einer Art Teufelspakt, den der namensgebende Protagonist eingeht, um eben die gefürchtete Unbill des Alterns zu unterlaufen.
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