Archiv des Autors: doimlinque

Linkshänder. Ein Torso

Es waren bekanntlich die Vordenker der Frühromantik in Deutschland, allen voran Stan Schlegel und Ollie Novalis, die das Fragment zur geeigneten Textform für jederlei genialische Wortmeldung ausriefen. Blitzgescheit, verspielt, Grenzen unterlaufend, Gedankenräume aufschließend – all dies und noch viele tolle Dinge mehr wurden als vorderste Kennzeichen eines gelungenen Prosasplitters ausgemacht, der rotzfrech die Starre und Luftundurchlässigkeit eines abgeschlossenen Textes zu sprengen wagte. Weiterlesen

There’s a world going on underground

Nichts ist vorbei, wie man es auch wendet und dreht. Jahrhundertelang stellte die Sklaverei ein zentrales Element der nordamerikanischen Gesellschaft dar, zunächst in den Kolonien unter der Herrschaft europäischer Königshäuser und schließlich in den unabhängigen Staaten im Süden der USA. Mitmenschen wurden wie Nutztiere behandelt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet. Weiterlesen

Tage wie dieser

So, wie es da steht und wie es seither immer mal wieder kolportiert wird, kann es sich schon mal nicht zugetragen haben. Es sei ein Foto gewesen, schreibt der große James Baldwin in seinem Essay ‚No Name in the Street‘, das in ihm den Entschluss habe reifen lassen, nach neun Jahren in Paris wieder in die USA zurückzukehren, um vor Ort seine Stimme für das Civil Rights Movement in den Ring zu werfen. Weiterlesen

Der magnetische Norden

Mit der Mitte ist das so eine Sache, zumal auf einem kugelrunden Erdball wie dem unseren. Wo eine da rechts und links, oben und unten verordnet, erzählt in der Regel mehr über die betreffende Person denn über irgendetwas anderes. Norden, Süden, Osten, Westen – alles ist relativ und jeder Jeck sowieso anders. Weiterlesen

Sanfte kleine Melodeien

Der Mensch ist dasjenige Wesen, das hochkomplexe Geräte – genannt ‚Satelliten‘ – zusammenschraubt und diese unter immensem technischen Aufwand ins All schießt, wo sie auf minutiös berechneten geostationären Bahnen gemeinsam mit der Erde um die Planetachse rotieren und von Rundfunkstationen ausgeschickte Signale empfangen, nur um diese wiederum in die Wohnzimmer der Menschen zurückzuschicken, wo sie sich auf den Fernsehbildschirmen in Form von trashigen Reality-TV-Dramen, Kochsendungen oder Sportschauen, in denen 22 steuertricksende Millionäre das Runde ins Eckige bugsieren wollen, manifestieren. Mit Alfred Polgar gesagt: Der Mensch ist ein pathetisches Tier.    Weiterlesen

Abgewichst revisited

Das kleine Büchlein The Poetical Works of Alexander Pope, erschienen 1927 bei MacMillan and Co., Ltd. in London, wird mit einem Vorwort von Sir Adolphus William Ward eingeleitet. Der erste Halbsatz dieser sogenannten ‚Introductory Memoir‘ lautet wie folgt: „Very wonderful is the vitality of names…“, frei übersetzt etwa: „Wie wunderbar ist die Lebendigkeit der Namen…“ Weiterlesen

All, all are sleeping on the hill (Midwest I)

“The sins of the Midwest: flatness, emptiness, a necessary acceptance of the familiar. Where is the romance in being buried alive? In growing old?” (Stewart O’Nan, Songs for the Missing)

 

Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert, sagt man. Weiterlesen

Rückkehr zu den Menschenfressern

VulkanGeorg Christoph Lichtenberg hat einmal eine Formel aufgestellt, die das Überwiegen des Vergnügens über den Schmerz beweisen sollte. Demnach sei vergangener Schmerz in der Erinnerung angenehm, vergangenes Vergnügen natürlich ebenfalls, das gegenwärtige Vergnügen erst recht, das künftige sei aber bereits angenehm in der Vorstellung; dem gegenüber stehe nur gegenwärtiger und künftiger Schmerz – klarer Sieg nach Punkten für das Vergnügen oder: „Ein merkliches Übergewicht von Seiten des Vergnügens in der Welt.“ Max Rychner, der große Zürcher Essayist, bemerkt dazu trocken: “Die Rechnung ginge so glatt auf, wie sie hier steht, wenn die Menschenseele ein Messapparat wäre.“ Weiterlesen

Frei aber unfair – kurze Linkwerbung

Sicher. Es gibt bestimmt auch gute Argumente, die für die transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP zwischen den Staaten der EU und Kanada respektive den USA sprechen. Leider kann man das aber nicht so genau sagen, weil kein Normalsterblicher wissen darf, was da überhaupt im Einzelnen völkerrechtlich bindend beschlossen werden soll. Weiterlesen