Kleine Tassenphilosophie (1)

Am liebsten beginne ich meinen Tag mit einer weißen Tasse, einem Geschenk der FAZ. Ich bekam sie im Jahr 2000 bei einem Seminar in der Frankfurter FAZ-Redaktion. Die zylindrische Porzellantasse ist bedruckt in Schwarz mit drei aufgefächerten Büchern der FAZ. Zuunterst liegt das erste Buch, der sogenannten Mantel mit dem Kopf „Frankfurter Allgemeine.“ Darüber liegt der Wirtschaftsteil, zuoberst der Finanzmarkt. Quer über dem Bild steht in Times New Roman die Aufschrift „Mehr Wirtschaft.“ Wenn ich meinen morgendlichen Kaffee daraus trinke, vermittelt sie mir ein Gefühl der wohlgeordneten Verhältnisse, gespeist aus dem Wissen, dass die Seiten aus dem Finanzmarkt wegen der Börsenkurse damals als einzige noch Korrektur gelesen wurden. Mit der Lupe ist der jeweils dreispaltige Seitenaufmacher vom Montag, 4. Januar 1999 zu lesen: Wirtschaftsteil: Die Euro-Umstellung ist wie geplant verlaufen“, Finanzmarkt: „Der erste Euro-Marktkurs lautet 1,17 Dollar.“

Es geht um die Euroeinführung am 1. Januar 1999 als Buchungswährung. Der Euro als Bargeld kam erst am 1. Januar 2002. Es war ein Dienstag. Am folgenden Sonntag war ich mit meinem Freund Erlenberger zu einer Schneewanderung durch das holländische Mergelland verabredet. In einem lauschigen Café in Mechelen habe ich „één kopje koffie en Appeltaart met vanille-ijs en slagroom“ erstmals mit Euro bezahlt. Zur Winterzeit stehe ich gerne mit der FAZ-Tasse am Fenster, wärme mir die Oberschenkel an der Heizung, schaue hinunter auf vorbei strebende Passanten und erinnere mich wohlig an diese Wanderung durch die Eiseskälte.