About: Warum mich Adalbert von Chamisso bewegt

Magda – schon etwas älter, schreibt gern und freut sich, wenn ihr auch noch was einfällt.

„Ich bin Franzose in Deutschland und Deutscher in Frankreich, Katholik bei den Protestanten, Protestant bei den Katholiken, Jakobiner bei den Aristokraten und bei den Demokraten ein Adliger…Nirgends gehöre ich hin, überall bin ich der Fremde.

(Adalbert von Chamisso)

Das ist ein Lebensgefühl, das ich so gut kenne und fühle.
Meine Mutter ist evangelisch getauft, aber sie hat es nie erfahren. Sie wurde – im katholischen Pensionat, in dem sie aufgezogen wurde, schlichtweg und ungefragt „konvertiert“.

Geboren ist sie in Stettin, aber gesehen hat sie die Stadt nie. Sie ist in Holland und Belgien aufgewachsen und später nach Köln gegangen, aber auch dort blieb sie eine Fremde.
Ihr Vater (eigentlich nur ihr Erzeuger)war ein großer Nazi – Reichsstatthalter von Dessau-Anhalt und später auch noch Braunschweig. Sie hat ihn einmal in ihrem Leben gesehen. Sie selbst aber wurde noch kurz vor Kriegsende inhaftiert. Verfahren wegen Führerbeleidigung hatte sie schon hinter sich, dann stand sie wegen Abhörens von Auslandssendern vor Gericht und musste ins Gefängnis.

Der Vater meines Bruders ist Franzose, er war Fremdarbeiter in Deutschland und auch für ihn hat sie BBC gehört, um informiert zu sein, wie lange der Krieg noch geht. Dass er die Vaterschaft anerkannt hat, nützte ihr nichts. Er verschwand sofort nach dem Krieg.

Mein Vater war Elsässer, ein Offizier der französischen Armee in Baden-Württemberg. Ich war ein „Betriebsunfall“, der eigentlich auch nicht zur Welt kommen sollte.

In Leipzig, wo ich aufwuchs, lebte ich ständig zwischen allen Stühlen. Meine Mutter war katholisch, aber als Mutter von zwei unehelich geborenen Kindern war sie auch eine Sünderin. Als politischer Häftling in der Nazizeit galt sie manchen als Kommunistin. In der Schule aber galten wir als rückständige Leute.

So ging das andauernd hin und her. Geschadet hat es mir wohl nicht, aber es stimmte mich doch seltsam, dass ich so betroffen vor dem Chamisso stand.

12 Responses to About: Warum mich Adalbert von Chamisso bewegt

  1. Avatar von moopenheimer moopenheimer sagt:

    Ich freue mich, dass du meinem moopenheimer.wordpress.com Museum folgst. Gerade, wenn du „schon etwas älter“ bist, wirst du sicher viele interessante Beiträge finden, die Erinnerungen wecken.

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  2. Avatar von Andi Andi sagt:

    Liebe Magda! Du hast gestern ein paar Kommentare zu einem von mir für Freitag.Community verfassten Artikel geschrieben. Ich musste den Artikel (Postsexuelle Revolution und neoliberale Liebe) leider löschen und verbessert neu einstellen, weil ich zu viele Fehler beim noch mal drüber schauen entdeckt hab. Wir sind da ja leider unsere eigene Korrektoren und Redakteure. Jetzt steht er – verbessert – wieder online. Dein netter und spannender Kommentar ist damit leider auch verloren (doof, dass man nicht einfach Verbesserungen im schon bestehenden Dokument vornehmen kann). Ich hab ihn aber kopiert und kann ihn dir schicken, falls du ihn einfach noch mal hinzufügen willst. Liebgruß aus dem Rheinland… Andi 😉

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    • Avatar von madge1946 madge1946 sagt:

      Danke – ach, das ist nicht so schlimm. Ich guck mal nach, ob ich ihn irgendwo gespeichert habe. Und wenn nicht, melde ich mich nochmal War aber wirklich sehr amüsant dieses Ding.

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  3. Avatar von Vanessa Vanessa sagt:

    Liebe Magda,

    Ich habe gerade deinen Artikel gelesen, der im Freitag veröffentlicht wurde.

    Die Dame heißt nicht Marlene sondern Madelaine Albright. Schade, weil unnötiger Lapsus in einem lesenswerten Artikel.

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  4. Avatar von Michaela Grell Michaela Grell sagt:

    Liebe Magda,
    ich heiße Michaela und arbeite bei einer Betriebskrankenkasse. Gerne würden wir deinen Blogbeitrag „Maske tragen – Fluch und Segen“ auf unserer Ratgeberseite online abbilden. Bitte schreib mir, ob du interessiert bist. Ich sende dir dann auch gerne den Link zur Seite, damit du dir ein Bild machen kannst. Vielen Dank, Gruß Michaela

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    • Avatar von madge1946 madge1946 sagt:

      Ja, können Sie gern machen. Der Beitrag ist als Freitagsblog erschienen und auch schon paar Monate alt. Sie können mir dann hier wieder den Link schicken. Gruß Magda

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  5. Avatar von Ralf-Peter Richter Ralf-Peter Richter sagt:

    Hallo Magda
    Ich war Schüler bei Ella detta schenk.
    Gibt es den Freundes Kreis noch..habe foto,programmhefte Unterlagen

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    • Avatar von madge1946 madge1946 sagt:

      Ach, das ist ja interessant. Sie haben den Beitrag vom FREITAG gelesen, denn hier habe ich keinen gepostet. Ich müsste mal nachfragen, weil ich den Kontakt auch nicht mehr habe. Wenn ich was weiß, kann ich mich noch mal melden. Sie haben ja eine Mailadresse, an die ich mich wenden kann.

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  6. Avatar von Torsten Torsten sagt:

    Hallo Magda,

    ich bin gerade über Ihre Rezension von „Der Dritte“ im Freitag hier gelandet. Ich bin auf der Suche nach einem Beleg, dass der Film bei seiner Ausstrahlung in der BRD um einige Szenen gekürzt wurde. Ich meine vor Jahren auf Wikipedia gelesen zu haben, dass z.B. die Kuss-Szene der beiden Frauen der West-Schere zum Opfer gefallen sein soll… Haben Sie eine Ahnung, wo ich da nach schauen oder -fragen könnte?

    Schönen Tag noch!

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