Ich habe einen Vortrag zu diesem Thema gehalten, der ganz gut ankommen. Allerdings habe ich dabei auch von meinem Alter profitiert. Wen interessiert das heute noch? Das Filmschaffen der DEFA durch die Jahrzehnte. Ich bin schon als Kind oft auch in DEFA-Filme gegangen. Einfach, weil die meist jugendfrei waren.
Es ging mir darum, zu zeigen, wie die Darstellung der Frauen in diesen Filmen sich immer mehr von der offiziellen Sicht des „sozialistischen Realismus“ löste und die individuelle Sicht und Entwicklung in immer mehr Filmen besonders deutlich gezeigt wurde.
Und so entstand auch eine kleine Powerpoint Repräsentation, die ich hier nur – in einzelne Bilder zerlegt – zeigen kann.
Die DEFA hat über 700 Filme gedreht. Und immer war – bei allem fast – mal im Hintergrund und mal ganz vordergründig: Die Ost-West-Debatte im Film und später die Auseinandersetzung mit der Grenze. Immer, aber auch immer, ruhte – wie es scheint – das Auge des Gegners auf allem, was künstlerisch – also auch im Film – abgehandelt wurde.
Und es stellt sich heraus, dass dies natürlich auch alles mit Frauen zu tun hat, mit dem Bild, das von ihnen gezeichnet wird. Und das ist sehr unterschiedlich.
In der Geschichte der DEFA und da besonders ihrer Filme, in denen Frauen eine Rolle spielen, wird die gesamte kulturelle Auseinandersetzung jener Jahre besonders deutlich widerspiegelt. Der scheinbar verengte Blick auf die Frauen – weitet den Blick
Den Begriff Frauenfilm gab es nicht im Wortschatz der DEFA. Es gab ihn – nebenher – auch in anderen Ländern nicht. In der DDR schien das Problem Gleichberechtigung von Beginn an gelöst, sie ist eng mit der ökonomischen Unabhängigkeit verbunden. Diese Gleichsetzung ökonomische Unabhängigkeit mit Gleichberechtigung gegenüber dem Mann nehme also den Ausgangspunkt bereits als vollständige Erfüllung, meint Karin Sell in ihrer Arbeit
Frauenbilder im DEFA-Gegenwartskino. Exemplarische Untersuchungen zur filmischen Darstellung der Figur der Frau im DEFA-Film der Jahre 1949 bis 1970 Tectum 2009 Verlag C.H. Beck
Irene Dölling, bekannte Kulturwissenschaftlerin und Soziologin und Frauenforscherin meinte dazu: dass die DDR-Frauenforschung davon ausging, dass die Gleichberechtigung verwirklicht und die Frauenfrage gelöst ist. Feminismus war bürgerlich und abzulehnen.
Darin liegt – aus meiner Sicht in der Tat auch das größte Problem in der Darstellung von Frauen. Eines liegt auch darin, dass es eigentlich – wie überall – wenige Regisseurinnen gibt. Im Grunde ist darum die Tradition der Frauendarstellung eine männliche Tradition (Silvia Bovenschen https://taz.de/Sexuell-befreite-Spiesser/!200684/
Weiblichkeitsbilder meinen – wie es scheint – die wirkliche Frau nicht, sondern erheben sie zum „Prinzip“, schreibt Silvia Bovenschen eine sehr bekannte Literaturwissenschaftlerin. Also ist die Darstellung von Frauen auch abhängig von der Fähigkeit der Männer zur Selbstreflektion. Sie formuliert da aber eine Tatsache, die mit der gesamten Menschendarstellung in der sozialistischen Kunst und Literatur zu tun hat.
Das korrespondiert mit einer anderen Stimme zum Thema: Der Regisseur Rainer Werner Fassbinder sagte dazu einmal:
„Frauen interessieren mich nicht bloß, weil sie unterdrückt werden, das ist zu simpel. Die gesellschaftlichen Konflikte in Frauen sind spannender, weil Frauen auf der einen Seite zwar unterdrückt werden, aber diese Unterdrückung meiner Ansicht nach auch aus ihrer gesellschaftlichen Lage provozieren und wiederum als Terrormittel einsetzen. Sie sind die spannenden Figuren in der Gesellschaft, die Konflikte bei ihnen sind deutlicher.“
Sell meint dazu „Fassbinder benutzt die Frau als ein methodisch-didaktisches Instrument, um seine Weltsicht zu begründen“. (S. 24)
Dieses Phänomen ist auch bei DEFA-Filmen, die Frauen im Mittelpunkt haben, zu beobachten. Auch da sind Frauen oftmals mehr Objekt oder Instrument zur Welterklärung. Das ändert nichts daran, dass es durchaus realistische Darstellungen weiblichen Lebens gibt, aber sie sind eben ein Exempel und keine Individuen. Dies war vor allem für die DEFA-Filme der 1950er und 1960er Jahre zu beobachten. Viele Filmschaffende, die auf diese Zeit zurückblicken sehen ihre Arbeiten aus jener Zeit auch kritisch. Aber die Entwicklung ging weiter….




















