Frauen in DEFA Filmen

Ich habe einen Vortrag zu diesem Thema gehalten, der ganz gut ankommen. Allerdings habe ich dabei auch von meinem Alter profitiert. Wen interessiert das heute noch? Das Filmschaffen der DEFA durch die Jahrzehnte. Ich bin schon als Kind oft auch in DEFA-Filme gegangen. Einfach, weil die meist jugendfrei waren.

Es ging mir darum, zu zeigen, wie die Darstellung der Frauen in diesen Filmen sich immer mehr von der offiziellen Sicht des „sozialistischen Realismus“ löste und die individuelle Sicht und Entwicklung in immer mehr Filmen besonders deutlich gezeigt wurde.

Und so entstand auch eine kleine Powerpoint Repräsentation, die ich hier nur – in einzelne Bilder zerlegt – zeigen kann.

Die DEFA hat über 700 Filme gedreht.  Und immer war – bei allem fast – mal im Hintergrund und mal ganz vordergründig: Die Ost-West-Debatte im Film und später die Auseinandersetzung mit der Grenze. Immer, aber auch immer, ruhte – wie es scheint – das Auge des Gegners auf allem, was künstlerisch – also auch im Film – abgehandelt wurde.

Und es stellt sich heraus, dass dies natürlich auch alles mit Frauen zu tun hat, mit dem Bild, das von ihnen gezeichnet wird. Und das ist sehr unterschiedlich.

 In der Geschichte der DEFA und da besonders ihrer Filme, in denen Frauen eine Rolle spielen, wird die gesamte kulturelle Auseinandersetzung jener Jahre besonders deutlich widerspiegelt. Der scheinbar verengte Blick auf die Frauen – weitet den Blick

Den Begriff Frauenfilm gab es nicht im Wortschatz der DEFA. Es gab ihn – nebenher – auch in anderen Ländern nicht. In der DDR schien das Problem Gleichberechtigung von Beginn an gelöst, sie ist eng mit der ökonomischen Unabhängigkeit verbunden. Diese Gleichsetzung ökonomische Unabhängigkeit mit Gleichberechtigung gegenüber dem Mann nehme also den Ausgangspunkt bereits als vollständige Erfüllung, meint Karin Sell in ihrer Arbeit

Frauenbilder im DEFA-Gegenwartskino. Exemplarische Untersuchungen zur filmischen Darstellung der Figur der Frau im DEFA-Film der Jahre 1949 bis 1970 Tectum 2009 Verlag C.H. Beck

Irene Dölling, bekannte Kulturwissenschaftlerin und Soziologin und Frauenforscherin meinte dazu: dass die DDR-Frauenforschung davon ausging, dass die Gleichberechtigung verwirklicht und die Frauenfrage gelöst ist. Feminismus war bürgerlich und abzulehnen.

Darin liegt – aus meiner Sicht in der Tat auch das größte Problem in der Darstellung von Frauen. Eines liegt auch darin, dass es eigentlich – wie überall – wenige Regisseurinnen gibt. Im Grunde ist darum die Tradition der Frauendarstellung eine männliche Tradition (Silvia Bovenschen https://taz.de/Sexuell-befreite-Spiesser/!200684/

Weiblichkeitsbilder meinen – wie es scheint – die wirkliche Frau nicht, sondern erheben sie zum „Prinzip“, schreibt Silvia Bovenschen eine sehr bekannte Literaturwissenschaftlerin. Also ist die Darstellung von Frauen auch abhängig von der Fähigkeit der Männer zur Selbstreflektion.  Sie formuliert da aber eine Tatsache, die mit der gesamten Menschendarstellung in der sozialistischen Kunst und Literatur zu tun hat.

Das korrespondiert mit einer anderen Stimme zum Thema: Der Regisseur Rainer Werner Fassbinder sagte dazu einmal:

„Frauen interessieren mich nicht bloß, weil sie unterdrückt werden, das ist zu simpel. Die gesellschaftlichen Konflikte in Frauen sind spannender, weil Frauen auf der einen Seite zwar unterdrückt werden, aber diese Unterdrückung meiner Ansicht nach auch aus ihrer gesellschaftlichen Lage provozieren und wiederum als Terrormittel einsetzen. Sie sind die spannenden Figuren in der Gesellschaft, die Konflikte bei ihnen sind deutlicher.“

Sell meint dazu „Fassbinder benutzt die Frau als ein methodisch-didaktisches Instrument, um seine Weltsicht zu begründen“. (S. 24)

Dieses Phänomen ist auch bei DEFA-Filmen, die Frauen im Mittelpunkt haben, zu beobachten. Auch da sind Frauen oftmals mehr Objekt oder Instrument zur Welterklärung. Das ändert nichts daran, dass es durchaus realistische Darstellungen weiblichen Lebens gibt, aber sie sind eben ein Exempel und keine Individuen. Dies war vor allem für die DEFA-Filme der 1950er und 1960er Jahre zu beobachten. Viele Filmschaffende, die auf diese Zeit zurückblicken sehen ihre Arbeiten aus jener Zeit auch kritisch. Aber die Entwicklung ging weiter….

Veröffentlicht unter Allgemein, Film, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar

Johannes Bobrowski (1917-1965)

Die Bedingungen waren nicht so günstig, weil die Technik nicht so gut war. So gab es bei der gestrigen Gedenkveranstaltung zum 60. Todestag von Johannes Bobrowski in der Pankower Kirche erstmal die bekannten Rufe „Bitte lauter“ und ich habe zum ersten Mal erleichtert aufgeatmet, dass ich meine Hörhilfe mitgenommen hatte.

Ehrlich gesagt: So viel wusste ich nicht über Bobrowski, aber ich kenne ihn und habe vor vielen Jahren „Litauische Claviere“ gelesen. Ein Text, der sich nicht gleich erschließt, wie auch Rezensenten einräumen. Es gibt einen DEFA-Film „Levins Mühle“, der in dieser Memellandschaft spielt, in der Bobrowski geboren und aufgewachsen ist. Hochkarätig besetzt. Man kann ihn ausleihen.

De Veranstaltung am Ende aber doch bereichernd und gut. Und das trotz der Tonrpobleme. Es begann mit einem Film – bzw. einem Filmausschnitt. „In Sarmatien“ von Volker Koepp, der zu diesem Landstrich und natürlich zu Johannes Bobrowski eine enge Beziehung hat. Auch dieser Film ist erhältlich. Es gab kleine Interviews mit einigen der wenigen ehemaligen Freunde und dann lasen noch Promis – z. B. Corinna Harfouch – Gedichte und eine Erzählung. Dazwischen Orgemusik.

Am meisten aber gingen mir die Bilder aus diesem Landstrich zu Herzen. Das Memelland war einst ein Gemisch aus verschiedenen Völkerschaften – aus Deutschen, Polen, Sinti und Roma, Litauer, Ukrainer und Juden. Sie lebten lange Zeit friedlich nebeneinander. Die Zeitläufte beutelten das Gebiet und seine Menschen. Die leben dort noch immer ziemlich einfach. Die Älteren geben sich zufrieden, die Jüngeren haben Träume.

Mir ging durch den Sinn, dass auch meinen Mann diese Bilder sehr bewegt hätten. Er hatte immer einen Hang in diese Gegend. Ich aber dachte, dass es für die Menschen in dieser Region, die jetzt russisch ist, jetzt noch schlimmer gekommen ist. Sie sind arm geblieben. Die russische Nationalhymne erklang trutziglich zu einem Schülerfest. Und immer wieder – das Meer….

Und am gänzlichen Ende gab es die allerbesten Schmalzstullen, die ich je gegessen habe, schon gar nicht in einer Kirche. Und Schnaps für die, die ihn wollten – weil Bobrowski kein Kind von Traurigkeit gewesen ist und fröhlich einen zur Brust nahm. Ich aber nahm einen Wein -oder waren es zwei? – und verzehrte einige der schönen Stullen.

Johannes Bobrowski war Lektor im UNION Verlag, dicht an der Grenze zu Westberlin mit Blick auf die Grenzanlagen. Ich kenne diesen Blick, weil auch wir dort oft zu tun hattten. Es war trübselig, gespalten, dazwischen und fremd. Eine Fremdheit, in der man sich einrichten musste. Auch Bobrowski war so einer. Aber er scherte sich nicht um Grenzen, er verstand sich als deutscher Schriftsteller und Dichter mit all der Last , die das bedeutet.

https://www.faz.net/…/johannes-bobrowski-in-der…

Hier ist eine sehr schöne Gedichtinterpretation

Veröffentlicht unter Allgemein, Kultur, Literatur | Hinterlasse einen Kommentar

Bei aller Liebe – ein Gastbeitrag

„22 Bahnen“ ist ein gefährliches Buch

Das ist ein Gastbeitrag von Amanda, die hin und wieder meinen Blog nutzt. Caroline Wahl, eine sehr gefeierte junge Autorin ist mit zwei Romanen (manche streiten darüber, ob das zu diesem Genre gehört ) sofort bei den SPIEGEL-Bestsellern gelandet. Amanda hat Einwände, die ernst zu nehmen sind.

TRIGGERWARNUNG: Themen Sucht, Missbrauch

Ausgangslage: Weil ich dem aktuellen Buchmarkt-Geschehen selten folge, nahm ich „22 Bahnen“ (2023) von Caroline Wahl nur wahr, weil mich der Titel ansprach. Weder Autorin noch Inhalt, geschweige denn Rezensionen, hatte ich gelesen. In DER SPIEGEL 26/2025 fand ich eine kleine Schnurre von Caroline Wahl über ihren Umzug nach Kiel. „Hui, die kann schreiben“, dachte ich und meinte damit einen leichten Ton, der auch Schweres im Gepäck haben kann. Dass sich Caroline Wahl selbst auch nicht allzu ernst zu nehmen scheint, verschaffte ihr in meiner eigenen Persönlichkeits-Skala einen recht wohlwollenden Platz. (AMAZON-Rezensent*innen sehen das anders, hier wird von den 1-Stern-Gebenden besonders der Schreib-Stil kritisiert.)

Flugs googelte ich also ihren Namen und „Buch“ und bestellte „22 Bahnen“, ach siehe, war ein Bestseller, und ich SCHWÖRE, ich wusste nicht, was mich inhaltlich erwartet.

Zwei Zitate von der Bestellseite des Buches:

AMAZON: ›22 Bahnen‹ ist eine raue und gleichzeitig zärtliche Geschichte über die Verheerungen des Familienlebens und darüber, wie das Glück zu finden ist zwischen Verantwortung und Freiheit.

»Caroline Wahl findet das Besondere im Alltäglichen und das Tröstliche im Schmerzvollen. Ein berührendes und feinsinniges Buch, mit dem man gern befreundet wäre.« BENEDICT WELLS

Oh nein, ich mag mit diesem Buch nicht „befreundet“ sein.

Und ich sag auch warum.

Als ich zu lesen begann, musste ich es nach kurzer Zeit aufstöhnend schließen, weil das „weintrinkende Kleinkind“ auf Seite 14 mir laut hupend in die Gedärme fuhr. ICH WUSSTE NICHT, DASS ES UM ALKOHOLSUCHT geht in dem Buch! TRIGGER! Retraumatisierung, ick hör dir trapsen! Gleich zückte ich das mobile Endgerät und warnte diverse Familienmitglieder und Freund*innen. Keines hatte das Buch gelesen, Gott sei Dank.

Dann blätterte ich zurück, vielleicht hatte ich einen Hinweis vorn im Buch überlesen? Nö, da stand nix von „Achtung, Thema Alkohol-Sucht, Trigger- Potenzial!“ Aber das steht ja seltenst da.

Nicht nur zufällig fiel mir gerade ein anderes Buch ein: „Ein wenig Leben“ (2015) von Hanya Yangagihara, da gibt es im Netz einzelne Beiträge, die die fehlende Triggerwarnung anmahnen: (Erneute TRIGGERWARNUNG: Lesen Sie auch die verlinkte Rezension NICHT, wenn Sie Erfahrung mit Missbrauch haben.) Der Roman von Yangagihara wurde mir nachdrücklichst von einer Bekannten empfohlen: „Super Buch, also ich kann jetzt nicht viel verraten, aber GANZ TOLL!“. Und ich las und dachte, „Na ja, die (wirklich) wunderbare große amerikanische Erzähl-Tradition, wir können schreiben, und hoi wird ausgeholt hier und hui wird detailliert beschrieben dort, und der eine, der ist ja so rätselhaft, ja was wird da wohl dahinter stecken…“

Nach den ersten Seiten zwangsvorgewarnt, ließ ich „22 Bahnen“ erst mal liegen und las dann weiter, als ich dachte, jetzt kannst du weiterlesen.

Das „Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen 2023“ gefiel mir anfangs, ich kam „rein“, ging mit Tilda schwimmen, blickte mit Tilda auf ihre kleine Schwester Ida, fühlte mit Tilda und Ida, wenn sie auf ihre trinkende Mutter trafen. „Kenn ich alles!“, wollte ich rufen. Musste aber noch und noch eine Beschreibung lesen. Tilda hat einen sehr harten, sehr herzlosen, sehr wütenden Blick auf ihre mütterliche Flaschenfreundin. Da ist nur Vorwurf, potenziert durch ihre arme kleine Schwester Ida, der das alles natürlich NOCH mehr zusetzt, weil sie ja noch so klein ist. Und „Tilda, die Große“, erzählt uns nur bisschen von ihrer Hölle, als das begann damals und sie mit der Mutter noch allein war. Eindrückliche, mahnende, teils poetische Beschreibungen des Elends, gut und schön und bisschen klischiert.

ABER:

Ich kann Elend beschreiben mit Haltung. Und ich kann Elend beschreiben mit Voyeurismus. „22 Bahnen“ ist eben kein „authentisches, sehr dichtes, sehr nahes Buch“ (Elke Heidenreich) und Caroline Wahl hat mitnichten „ihrem schweren Thema Leichtigkeit, ja sogar Lebensmut“ abgewonnen.

Wenn Kinder suchtkranker Eltern zwischen Co-Abhängigkeit, emotionalem Rückzug, Verhaltensstörungen und ohne jede Hilfe von außen beschrieben werden, platzt mir der Kragen.

Die Geschichte spielt in der Gegenwart. Es gibt so viele niedrigschwellige Angebote für diese Kinder. Ja, es IST ganz sicher schwer, sich dahin zu wenden, aber jemand wie Caroline Wahls Heldin Tilda, die SO taff und tiff und toppi cool im Supermarkt arbeitet und Mathematik-Ass ist und „egal, was alle denken“ denkt, sollte easy mal eben ihr Handy nehmen und googeln können. Und zack erfährt sie: KidKit, nacoa, DHS.

Kämpfen wir für die auskömmliche Finanzierung der Hilfestrukturen, aber ein Buch, das Alkohol verteufelt und Pillen legitimiert, wenn sie den Teufelsschmerz wg. der Alkohol-Süchtigen lindern, taugt nicht für diesen Kampf.

„22 Bahnen“ ist ein teils genüsslich-voyeuristischer, teils kindlich-trotziger, teils arroganter (MIR kann das nicht passieren, ich studiere Mathematik!), Blick in den Abgrund. Die Heldin des Romans – Tilda – steht ganz oben, mehr oder minder sicher am Rand und schubbert (?) Bahnen schwimmend und Drogen (sic!) nehmend und tanzend und ihre Schwester schützend immer mal bisschen übern Rand, hinein. Ihre Haltung: Es wird schon alles, aber nur bisschen. NEIN, wird eben nicht, Tilda und Ida in echt wären tickende Zeitbomben.

Am Ende kommt die Mutter dann in die Klinik mal wieder, und Tilda geht nach Berlin natürlich zum Mathematik-Studieren, hat auch einen voll coolen Freund, dessen Familie übrigens bei einem Auto-Unfall umgekommen ist. Warum muss Leben immer so schlimm sein, und Ida, die Kleine, hat irgendwie toll die Entwicklung durch. Das nächste Buch, „Windstärke 17“, wird aus Sicht der coolen kleinen Ida beschrieben, und – die Mutter ist tot. Ich habe nur eine Rezension gelesen, weil ich mich schon voll darüber aufregen kann, dass das Problem Gott sei Dank tot ist. Keine andere Lösung?! In der Fortsetzung kommt Ida noch immer nicht in bereitstehende Hilfestrukturen, sondern wird über Bande von Marianne therapiert, einer Fremden, die aber dann Krebs kriegen muss. Also von Stephen King ist überliefert, dass seine Opfer ihm immerhin leidtun – ich weiß nicht genau, wie platt sich „Windstärke 17“ liest, aber mich ärgert auch hier das Rumgewundere und „Buch des Monats“ und Preise und also ich bitte Sie.

Das Ärgerliche ist, dass Caroline Wahl schreiben kann oder eine gute Lektorats-Person hat. Auch Mist kann gut geschrieben sein, wissen Sie. Es ist auch nicht schlimm, dass sie das nicht erlebt hat, im Gegenteil, gut so, muss ja nicht.

In mir meldet sich aber ein Herz, das (im Gegensatz zu „Tilda“) fragt: Warum hat die Mutter gesoffen? Wie groß der Schmerz der Kinder ist, muss mir doch niemand erzählen. Wie groß ist der Schmerz der Mutter, wie sieht er aus, was liegt im Argen, warum ist der Retter in der Not, das Rettungsboot, die einzige Lösung über Jahre? Es geht um ein Herz für alle Bedrängten. Aber Empathie ist kein Thema in diesem Buch.

„22 Bahnen“ rechtfertigt Tildas Drogenkonsum (muss ja, hat es ja so schwer) und verurteilt den Konsum der Mutter (die soll sich mal zusammenreißen – für UNS!) und zeigt keine lebbaren, nachhaltigen Lösungen, die ALLE einbeziehen, siehe oben. Das muss ein Buch auch nicht leisten. Aber es sollte m. E. ebenso wenig Lösungen anbieten (auspowern, Drogen nehmen, egoistisch sein, auf alle anderen scheißen), die keine sind. Und dann noch ohne Triggerwarnung, ich bitte Sie.

Es ist ein gefährliches Buch. Weil es Vorurteile zementiert („Saufen ist scheiße, Säuferinnen sind scheißer.“) und Opfern psychischer und physischer Gewalt eine egoistische, hochmütige, viele Mitmenschen ablehnende Haltung andichtet, mit der sie durchkommen könnten.

Die zu lesende Genüsslichkeit, mit der den Opfern immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, damit sie noch und noch scheitern, ist literarisch keine Axt für das gefrorene Meer in uns, sondern eher Tipp 17 aus dem Creative Writing Kurs: „Fügen Sie Unfälle/Unglück/was Schlimmes ein, an denen ihr Protagonist oder ihre Protagonistin wachsen kann.“

Ob Sie das lesen wollen, entscheiden Sie also ab jetzt selbst.

Jetzt.

Foto von Kenny Eliason auf Unsplash.

Veröffentlicht unter Allgemein, Debatten | Hinterlasse einen Kommentar

Historie und Wahrheit

Ich habe mir gerade Christoph Heins Buch “ Das Narrenschiff“ angetan. Vor zwei Wochen war ich zu einer Lesung mit dem Autor selbst. Die Kirche „Zu den vier Evangelisten“ am Pankower Anger war brechend voll. Christoph Hein – inzwischen auch über 80 Jahre alt – hatte seinen Freund Hans-Eckardt Wenzel als Gesprächspartner und ein bisschen als Stichwortgeber mitgebracht.

In „Das Narrenschiff“ geht es um die gesamte Geschichte der DDR von ihren idealisierenden Anfängen bis hin zum schmählichen Ende. Erzählt wird das entlang einer Familiengeschichte. Hein sagte selbst, dass viele Figuren realistische Vorbilder haben. Heins eigene Ehefrau ist eine seiner Protagonistinnen. Sie ist als Kathinka zu erkennen. Ihre Mutter – einst Geliebte eines Juden, der vor den Nazis floh und nie wiederkam – heiratet später einen Funktionär. Der war aber im früheren Leben glühender Nazianhänger.

Professor Dr. Karsten Emser im Buch ist dem bekannten Ökonomen Prof. Jürgen Kuczinsky nachgebildet, der sich zu DDR-Zeiten durchaus kritisch geäußert hat. Aber alles entwickelt sich dann mehr und mehr vom Optimismus zum Opportunismus.

Wer – wie ich – so viele Jahre in der DDR gelebt hat und auch zu dieser Zeit schon kritisch auf die Politik gesehen hat, dem ist da wenig fremd. Und nach 1990 verstärkte sich der Zugang zu entsprechender Literatur. Wolfgang Leonhards Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“ fand ich damals sehr spannend, aber auch Filme wie „Der Zukunft zugewandt“, der das Schicksal deutscher Exilanten in der Sowjetunion behandelt.

Und nun also dieses lange Familienepos. Die Sprache Christoph Heins ist besonders undramatisch, fast trocken und klingt manchmal – wahrscheinlich bewusst – wie Funktionärsdeutsch.

 „Man darf sich irren. Aber nie gegen die Partei. Und wenn die Partei sich irrt, machst du einen Fehler, wenn du diesen Irrtum nicht teilst. Man darf nie gegen die Partei recht haben, denn sie allein hat immer recht.“

Entlang dieser Losung wird die Geschichte erzählt und sie macht deutlich, was das „Närrische“ an dieser Zeit war. Der verordnete Glaube an ein System, das unaufhaltsam dem Niedergang zustrebte, auch wenn es genügend Leute gab, die davor warnten.

Der Historiker Ilko-Sasha Kowalczuk, dessen zwei Bände über Walter Ulbrichts Leben eine Menge an Hintergrund über die Anfänge der DDR und auch dessen Entmachtung durch Honecker liefern, beklagt, dass Hein in seinem Roman Sachverhalte behauptet, die historisch nicht überliefert sind. So soll z. B. Walter Ulbricht zu Beginn seiner politischen Tätigkeit erklärt haben, dass die Ostzone ohne die ehemaligen „Ostgebiete“ kaum lebensfähig sei. Aber Stalin habe seine Einwände nicht beachtet. Auch die Umstände um Ulbrichts Entmachtung durch Honecker seien nicht korrekt. Es ist ein Roman, aber trotzdem irritiert das, wenn es nicht belegt ist. Die Geschichte ist einfach noch zu jung, um sie dermaßen auszuschmücken, wenn das nicht belegt ist.

Was eindrücklich geschildert wird, sind die Unbeweglichkeit, der Dogmatismus und der Opportunismus derer, die in diesem System agierten.

Es endet mit der Wende von 1990 und zeigt dort die neuen Verwerfungen, die durch Besitzer aus dem Westen die Menschen verunsichern. Die tauchen vor den Häusern auf und belegen ihre Berechtigung auf diese Häuser. Auf einmal spielen Grundbucheinträge eine große Rolle. Aber, das ist dann schon eine neue Geschichte, die nur angedeutet wird.

Das Buch fand fast durchgehend sehr viel Zustimmung. Was die Geschichte selbst betrifft, so finde ich das berechtigt, aber die Sprache ist wirklich langweilig und Gefühle, Empfindungen spielen kaum eine Rolle.

Christoph Hein: Das Narrenschiff. Roman. Suhrkamp. Berlin 2025. 752 Seiten, 28 Euro.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | 1 Kommentar

IRRE ODER INSZENIERT?

Sehr interessanter Beitrag von Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister unter Bill Clinton, Jurist, Publizist und Politiker.

Es scheint so: Die Art wie Trump agiert, wirkt eher inszeniert als von Verrücktheit bestimmt.

Robert Reich schreibt:

++“ In der letzten Woche hat Trump sich in Bezug auf die Weltwirtschaft ins Zeug gelegt und behauptet, Zölle seien der Schlüssel zum amerikanischen Wohlstand.

Infolgedessen brachen die weltweiten Aktien- und Anleihemärkte ein.

Heute setzte Trump – er sagte Reportern, man müsse „flexibel sein“ und räumte ein, dass „die letzten paar Tage ziemlich düster aussahen“ – seine Zölle für die meisten Länder für die nächsten 90 Tage aus. Damit machte er einen Rückzieher bei seiner Politik, die die Märkte ins Trudeln gebracht und den Welthandel zu gefährden drohte.

Die Trendwende führte dazu, dass der Aktienindex S&P 500 innerhalb weniger Minuten um über 7 Prozent stieg.

Händler mit Insiderinformationen über Trumps bevorstehendes Vorgehen – darunter vermutlich auch Mitglieder seiner Familie und Kumpanen – haben gerade ein Vermögen gemacht.+“

Robert Reich: Trump simuliert nur seine Verrücktheit – der Rest von uns zahlt den Preis

Vielleicht ist es aber eine Mischung aus beidem, wie mir scheint.

Über die Kräfte, die Trump zur Macht verholfen oder sich dann hinter ihn gestellt haben, gibt es ganz interessante Informationen. Ich weiß darüber nicht soviel, aber beim Deutschlandfunk ist allerhand interessantes zu lesen.

Das ist das Project 2025

Ich habe vor einigen Jahren schon mal beim Freitag über Sinclair Lewis Roman:

„It can’t happen here“ geschrieben, dass sich mit der faschistischen Gefahr in den USA auseinandersetzt.

Das Buch gibt es natürlich auch in deutscher Sprache

Das ist bei uns nicht möglich

Veröffentlicht unter Allgemein, Debatten, Politik | Hinterlasse einen Kommentar