Eine unperfekte Schiffsreise

Ich kam gestern zurück vom schon etwas angewärmten Passau in den eisigen Wind von Berlin.

Wehmütig:Es ist schon so: Es kann allerlei schiefgehen auf Reisen. In unserem Falle waren die Reiseprogramme immer ein bisschen durcheinander. Wenn ein Schiff durch sieben Schleusen muss und viel Betrieb ist, wenn ein Schiff es schwer hat, sich vom Anleger zu trennen, wenn das Festmachen auch erst noch geübt werden muss, das ist langwierig, aber auch ganz spannend.

Wenn das trübe Wetter die liebliche Wachau in ein dunkles Licht taucht, aus dem sich ab und zu ein Sonnenstrahl stiehlt, wenn der Regen die Schirmherrschaft übernimmt na und so weiter….

Und trotzdem – es war sooooooo schön. Warum?

Ja, Ja, sicherlich es war toll in Budapest und Wien, in Bratislava und Melk. Aber am Ende wegen der lieben Leute. Es war so eine gute Gemeinschaft, es war ein schönes „Laissez faire“. Der nette bayrische Kraftfahrer mit der lauten Lache interessierte sich für die Arbeitsbedingungen der dort arbeitenden Leute aus vielen Ländern, er nahm Anteil fragte, wie lange sie in einer Nacht zum schlafen kommen. Und die Kellner tanzten am Abschlussabend mit den Gästen und hatten dabei sichtbar Spaß.

Die etwas ausufernden Ansagen der Reiseleiterin, die in der Tat mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert wurde, waren in sich schon fast ein Event, nur nicht immer verständlich. Es war einfach nur amüsant. Sie wurde getröstet von den Reisenden und tröstete sie zurück, wenn was nicht klappte.

Trotz allem sooo perfekt

Ich hatte einen netten Tischnachbarn, mit dem ich mich viel unterhielt und zwar über alles : Politik, das Leben, die Männer und die Frauen.Und auch die beiden anderen Tischgäste – Bruder und Schwester – waren Charaktertypen. Überhaupt war manches zu erfahren über das Leben anderswo in Deutschland, über Freuden und Kümmernisse über Stress und Hoffnungen. Und auch viel, sehr viel über Zukunftsängste. Und trotzdem haben wir beim Blick auf das nächtliche Wien auf die Reise und die Zukunft getrunken.

Am Ende der Reise – die auch noch durch eine Schiffshavarie kompliziert wurde – nahm mein Tischnachbar mich mit nach Nürnberg, was meine Reise nach Berlin sehr vereinfachte.

Und über allem herzliches Lachen. War gut, hat mir gutgetan. Mach ich mal wieder, aber ich weiß genau: Bei dieser Reise hatte ich unheimliches wunderbares Glück. Ich denke jetzt schon mit Wehmut dran.

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Kleine Adventsgeschichte (Ein Gastbeitrag)

EXS0

Es begab sich aber in meiner Zeit, dass ein Adventssonntag ward mit lieben Menschen, großen und kleinen, und ein Feuer im Garten und Gesinge mit Gitarre, sehr schön ward es.

Zum Essen gab es Chili sin und con, und zum Trinken rote Bowle mit und ohne.

Hungrig verließ d. V. als erste das Feuer und ging ins Haus um zu schmausen. Dortselbst zwei Kinder unterschiedlicher Eltern, befreundet: Konstantin (7) und Carlotta (6).

Gesittet tat ich den wartenden Blitzaugen auf, wir setzten uns an den kerzenbeleuchteten Tisch, Carlotta holte Brot für alle, ich goss rote Bowle ohne ein, guten Appetit.

Konstantin und ich aßen, d. V. parlierte über persönliche kulinarische Vorlieben, Konstantin gestand die seinen. Carlotta, eine ernste Elfe, schwieg und aß nicht. Kerzengerade saß sie und schaute mal d. V., mal den Engel an, der, zwei Kerzen tragend, vor ihrem Teller stand. Es standen wirklich viele Kerzen auf dem Tisch.

„Magst du die Kerzen nicht so nah, soll ich sie wegstellen,“ fragte d. V.

Carlotta nickte. D. V. schob die Kerzen hintan, Carlotta begann zu essen.

„Feuer kann auch echt gefährlich sein,“ pädagogisierte d. V., „ich habe mal eine leere Kaffeekanne auf ein Stövchen gestellt, dies vergessen und – plötzlich gab es einen Knall, und die Kanne hatte einen Sprung und war kaputt.“

„Mein Papa hat mal heißes Wasser in eine Glaskanne geschüttet, und dann ist die geplatzt!“, trägt Konstantin, Typ „Gugdeberg, der kluge Zwerg“ (bitte selbstständig nachschlagen) zum Tischgespräch bei.

„Hui, hast du dich verbrannt?“, fragt d. V.

„Nein, aber mein Papa!“, verrät Konstantin, und d. V. hat es bisher verabsäumt, eben jenen Vater auf Hand und Herz zu prüfen, ob denn da Narben zieren dessen Pranken.

Es wird gegessen.

Carlotta, getragen: „Ich habe mich schon dreimal verbrannt. Ich habe drei Narben.“

„Oh je, na dann verstehe ich aber, dass du Respekt vor Feuer hast!“, empathisiert d. V.

Carlotta zieht einen Ärmel hoch, wegen des schummrigen Kerzenlichts ist nichts zu sehen, sie zieht den Ärmel wieder runter.

Wir essen.

„Vorsichtig muss man immer sein. Meine Oma hat immer gesagt, Wasser ist schlimmer als Feuer, so im Großenganzen, Tiere z. B. können vor Feuer davonlaufen, aber bei Wasser sind alle, die nicht fliegen können, sehr in Gefahr, da nützt es zum Beispiel bei reißenden Fluten nix, wenn du schwimmen kannst.“, doziert d. V.

Wir essen.

Konstantin, seit der Glaskannen-Story eher weniger am Gespräch beteiligt, hat seinen Teller geleert, legt den Löffel in den Teller, nimmt einen Schluck rote Bowle, lehnt sich zurück und holt wichtig Luft:

„Ich habe mir in meinem Leben schon zweimal die Zunge verbrannt!“

Carlotta und ich schauen uns an. Adventsmilde beschließen wir was.

„Oh ja, das tut auch total weh!“, sagt Carlotta.

„Hm ja, das kennen wir alle, echt unangenehm, wird wohl noch ca. 438mal in deinem Leben passieren.“, beendet d. V. den zauberlichen Drei-Personen-Moment.

Die anderen kommen herein, wollen auch essen, es wird kalt und ungemütlich, wir stehen auf und zerstieben in den weiteren Abend, und dann wird stundenlang und gartenlaut und zauberleis gesungen da am Feuer und so viele Engel, wie an diesem Abend durch Räume und Garten zogen, haste noch nicht gesehen.

Fröhliche.

FRIEDLICHE.

Und besten Start in 2025!

© Amanda 2024

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Eine Krimiserie – auch ein Blick in die russische Gesellschaft

Auf arte, möglicherweise auch auf der ARD lief vor einiger Zeit eine sehr spannende Serie aus Russland

Eine ganz gewöhnliche Frau

Inzwischen – scheint es- ist die Serie nicht mehr zu sehen.

Es geht um Marina, die ein braves Blumengeschäft betreibt, das aber nur als Alibi für ihre Zuhälterinnendienste dient. Außerdem erwartet sie noch ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob es gesund zur Welt kommt, aber das sie behalten will.  Sie hat noch zwei Töchter und einen Mann, der gerade ein Verhältnis mit einer Krankenschwester hat. Nichts Besonderes also außer dem Zuhälterinnenjob von Marina, der mehr und mehr Ärger macht und sie in makabre Situationen bringt. Auch das organisierte Verbrechen kreuzt ihren Weg und stellt ihr ein Bein.

Die Serie ist einerseits unterhaltsam und – wenn man all die Krimi- und Spannungsanteile beiseitelässt – ein Bild der gegenwärtigen russischen Gesellschaft in den Städten.

Erinnerung an Kalina Krasnaja

Und das ist schon sehr lebensgetreu geschildert. Ich war vor Jahrzehnten in Moskau und weiß aus Gesprächen, dass das organisierte Verbrechen schon damals durchaus zugange war und dass es auch Verflechtungen zwischen ganz legalen Wirtschaftslenkern z. B.  Betriebsdirektoren und kriminellen Leuten gab. Die kleinen Gauner waren damals auch schon ein Problem. Der Film des Regisseurs und Autors Wassili Schukschin, Kalina Krasnaja erzählt davon. 

Ein westlich-neoliberales Lebensgefühl

Was nun die Serie so spannend macht, ist die Vermittlung eines Lebensgefühls, das in Moskau ganz sicherlich besonders zugespitzt ist. Es ist absolut westlich-neoliberal, lebt von der Smartphone-Communication und zeigt, dass das Streben nach dem eigenen Vorteil und dem Entkommen aus kriminellen oder allgemeinen Abhängigkeiten, die Menschen unendlich hart macht. Und da ist dann Marina, die mich ein bisschen an unseren leicht ironischen Spruch „Hart wie eine Sowjetmutter“ erinnert. Eine herrliche Szene ist, wie sie – nach kurzem Studium auf Youtube – beginnt einen Bagger zu bewegen. Da wird sie heraufbeschworen, die sowjetische Alleskönnerin. Aber Marina ist die entwickelte Variante davon. Sie spinnt viele Fäden, wagt viel und ist höchst einfallsreich und sie nimmt es – listig und klug – mit dem organisierten Verbrechen auf. Die Liebe gehört ihrem -ungetreuen – Mann, den sie aus einer Intrige befreit, ihren Kindern, der Familie, aber sie lebt und liebt fast ausschließlich mit dem Handy in der Hand, entweder von unterwegs nach Hause oder  von zu Hause in Richtung ihrer Gehilfinnen und Klienten und Klientinnen. Die Darstellerin der Marina, Anna Mihalkova, ist dafür auch mit einem Preis bedacht worden. Sie verkörpert Weiblichkeit, Härte und List nuancenreich und überzeugend.

Auffällig ist allerdings auch, dass kaum eine Figur in diesem Film gibt ohne einen persönlichen Schaden, Alkoholismus, allgemeine Niedertracht, Brutalität davonkommt. Die Polizei ist entweder korrupt oder agiert gemeinsam mit den kriminellen Kräften der Stadt. Das ist einfach zu viel, aber sagt schon etwas aus über die Sicht der Serienmacher auf das russische Leben. War vor vielen Jahrzehnten in der Sowjetunion der Umgang mit Sexualität total verklemmt, ist heute die sexuelle Freiheit grenzenlos und ihr Marktwert hoch, was ja auch Marina nutzt.

Es ist – bei allen Übertreibungen und Krimi-Bestandteilen – ein höchst empfehlenswerter Blick auf eine Welt, die ein orthodoxer Kirchenfürst als sittenlos verdammt, ein religiös verbrämter Regierungschef ebenso, wenn er über Gay Paraden und „Gender wettert“, sie als westlich verkommen beschreibt und zurück zu Traditionen will, wie er in einer seiner Waldai-Rede erklärt.

Welche Traditionen sind gemeint

In welche Traditionen er zurück will, ist nicht ganz klar, aber es scheint, dass der russische Lebensstil sich schon sehr nach Westen gewandelt hat. Er erscheint bei allen Brüchen und Gefährlichkeiten, erstrebenswert. Wobei es dabei nicht um Geld allein geht, – das war früher schon ein Schmierstoff dieser Gesellschaft und dies weit offener als es der Westen zeigt. In der Gegenwart scheint es die Furcht, ohne Geld nicht mehr mithalten zu können, die es früher in dem Maße wohl nicht gegeben hat.

Unruhe im Land

Es stellt sich die Frage, ob dieses „Go West-Empfinden“ nicht einer der Gründe ist für die Unruhe der Herrschenden in Russland. Die Suche nach etwas, das die Gesellschaft zusammenhält, das war früher die Beschwörung des gemeinsamen Kampfes um den Sieg des Kommunismus nicht nur in der Sowjetunion, sondern weltweit. Es war ein Glaubenskitt, der alles enthielt was auch andere Religionen enthalten. Vor allem aber waren öffentliche Zweifel daran verboten. Jetzt aber, in dieser neoliberalen Welt – woran halten sich die Menschen? An ein gutes Leben, an Geld, das ihnen das ermöglicht, aber mehr auch nicht.

Kampf gegen den Abstieg

Was wird, wenn diese Gesellschaft sich weiter spaltet? Wenn nicht mehr die Befreiung der Welt als gemeinsames Ziel dient, sondern einfach nur die Behauptung Russlands in dieser Welt der geopolitischen Interessen, der reine Machtkampf. Es ist die außenpolitische Variante dessen, was auch im Lande geschieht: Mithalten wollen. Nicht absteigen.

Die Militarisierung Russlands, der Rückblick auf die Befreiungsideen vergangener Zeiten, das scheint als eine Art Verbindungsmörtel der Gesellschaft dienen zu sollen. Das hat keineswegs mit dem Einmarsch in die Ukraine begonnen, das ist eine Entwicklung, die mit Putin begann.

Die Verdammung des Westens wird – wie es scheint – innenpolitisch genau so gebraucht, wie außenpolitisch. Und sie ist außerdem eine grenzenlose Heuchelei, wie das Streben der Oligarchen und ihrer Kinder genau in diese Himmelsrichtung zeigt

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ELVIS – der Film

Drei Stunden Elvis – drei Stunden Colonel Parker. Das will überstanden sein. Drei Stunden Bilderrausch, drei Stunden Szenen, in denen der begnadete Tom Hanks den schillernden, cleveren, „väterlich“ tuenden Colonel in Szene setzt. Ein „Mephisto“ in der Popwelt, der aber keinen Faust beeinflusst, sondern einen in sich unsicheren und verhaltenen Sänger, der noch nicht weiß, wohin es mit ihm geht.

Denn woher er kommt, weiß er und wissen wir und er hat es tief in sich behalten. Er kommt aus der „schwarzen“ Gegend von Tupelo, immer in Kontakt mit deren lebensfrohen und frommen Kultur, die Erotik auch transzendent sieht. Dort kommt er her und der Film insinuiert, dass Elvis immer wieder dorthin zurück wollte, was aber der Colonel nicht wollte. Wunderbare Szenen, die die Debatten um kulturelle Aneignung in eine um kulturelle Bereicherung wenden können. Immer wieder, wenn Elvis „Hound Dog“ singt, wird die wilde Version einer afroamerikanischen Sängerin hineingeschnitten. sie ergänzen sich. Der Film ist da versöhnlich, es gibt Debatten zwischen Elvis und B.B. King über die Freiheit des Künstlers und die Gier des Showbusiness, das mit der Gier der Akteure spielt und rechnet. Nicht gern verweilt der Film bei den unsäglichen Filmen, die Elvis vom Colonel gedrängt, gedreht hat. Der einzig gute Film war „Flaming Star“, aber da durfte er nicht singen.

Immer wieder opulente Showszenen, die die gesamte US-amerikanische Kultur gleich mit ins Bild setzen. Das Riesenevent, die „Comeback-Show beim Sender NBC im Jahr 1968, das Hickhack um einen Weihnachtssong, der vertraglich dort untergebracht werden musste und die großartige Performance, die Elvis Darsteller Austin Butler da hinlegt.

Mir war die künstlerische Raserei mancher Elvis Performances gar nicht mehr so in Erinnerung. In dem Film wird sie noch einmal ganz deutlich nach vorn gestellt. Heute geht es auch manchmal rasend zu, aber es bleibt trotzdem so cool. Die „soften“ Sachen, die Elvis sang, dienen im Film immer mehr als Hintergrund-Musik.

Nach dem ausbeuterischen Las-Vegas-Deal des Colonels, sehen wir einen von Tabletten zerstörten Elvis, der gestützt von einer Krücke die Gangway zu seinen Privatjet „Lisa Marie“ hinaufhinkt. Von dem nicht mehr deutlich wird, wer er selbst ist, sondern immer nur wer er sein soll. Einer, der am Abend auf der Bühne stehen muss, „koste es was es wolle“ und die Hilfe eines Dr. Nick mit seinen Pillen und Spritzen. Elvis – ein Mann, der so formbar war, dass er nicht gegen den Strom schwimmen konnte, einer der unbedingt seine Familie – seine innig geliebte Mutter – reich und amerikanisch-glücklich machen wollte. Das wissen und kennen ja alle, die sich mit Elvis Biographie ein bisschen beschäftigt haben. Der Colonel – ein Verhängnis ohne den es aber vielleicht auch diesen Elvis nie gegeben hätte.

Und dann am Ende kommt er – der letzte schreckliche und wunderbare Auftritt des originalen Elvis mit „Unchained Melody“ – eine von vielen Künstlern gesungene Superschnulze. Er singt sie wie ein Tenor in einer dramatischen Oper, er schreit heraus „I need your love“ und meint das Publikum in seinen Ledersesseln. Auch im Kino war es danach mucksmäuschenstill. Die Popcorn-Tüten waren inzwischen leer. Ältere Zuschauer erinnern sich: Elvis konnte einem manchmal die Seele umkrempeln, er konnte Kitsch als Wahrheit verkaufen, er hat sich verzehrt dabei, er hat seine Rebellion vermarktet, wie es sich in den USA gehört.

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Eine Begegnung im Netz – Das Kinderheim St. Gertrud in Engelsdorf

Vor kurzem sah in einer facebook-Gruppe, die Fotos und Erinnerung an das ehemalige Leipzig postet, ein Bild über Leipzig Engelsdorf. Dort war das Kinderheim, in dem ich einige Zeit verbracht habe, was ich dort auch kommentierte. Ich fand eine facebook-Nutzerin, … Weiterlesen

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