Das Folgende ist weder konsistent und vollständig, noch objektiv und strukturiert. Es ist ein Debattenbeitrag, der um die eigene Unzulänglichkeit weiß. Er ist unausgegoren. Für guten Wein fehlen Muße und Vermögen.
Wer die LINKE zurückbringen will auf einen erfolgreichen Kurs (keine Ahnung, wie das geht), sollte zunächst vielleicht aufhören, seine Antworten aus dem Schützengraben der eigenen Gewissheiten abzufeuern und sich der Empirie widmen, sollte aufhören, die Antworten auf die Frage nach auf ihren Gebrauchswert aus dem internen Lagekampf destillieren zu wollen und sich der Antworten derer vergewissern, von denen sie gewählt werden und für die sie Politik machen möchte.
Wen meinen wir
Wer hat warum dieses Mal nicht die LINKE gewählt und wen warum stattdessen ? Wer sind diese „einfachen“ Leute, wer ist diese Arbeiterklasse, über die alle reden und wie groß ist sie (noch) ? Wie denken diese Menschen über sich selbst, über die Gesellschaft und ihre Stellung darin und was sind ihre Entscheidungsgründe bei Wahlen ? Wie blicken Sympathisanten der Partei auf diese und welchen Ruf genießt sie in den einzelnen Bundesländern und warum ? Welche Protagonist:innen der Partei kennen sie und wie bewerten sie die, die sie kennen ? Welches politische Programm einer linken Partei würde sie begeistern ?
Kann das zusammengetragen werden ?
Die Antworten auf diese und mögliche weitere Fragen müssen übereinandergelegt, gegeneinander abgewogen und können Teil strategischer Überlegungen werden.
Die von DIE LINKE Adressierten sind, so hört man, jene, die jeden Monat noch viele Tage am Ende des Geldes haben oder die nur gerade so, trotz aller Mühen, über die Runden kommen oder jene mit dem kleinen Wohlstand, dem Häuschen oder einer Rente, deren Besitzstandswahrung durch politische Zumutungen bedroht ist.
Vielleicht dürfen es aber auch jene sein, die selbst von diesen prekären sozialen Lagen nicht betroffen sind, aber gern und aufrichtig Verantwortung übernehmen wollen für soziale Gerechtigkeit, für Generationengerechtigkeit, für internationale Solidarität und für eine Beendigung des menschengemachten Klimawandels und Artensterbens. Bündnisse können ja nicht schaden.
Wie streiten wir
Ohne Schaum vor dem Mund wird vielleicht auch angemerkt sein dürfen, dass die am meisten geeigneten Orte der demokratisch-politischen Willensbildung einer Partei, von Debatten zu unterschiedlichen Standpunkten, in den dafür geschaffenen Strukturen zu finden sein werden.
Unbestritten dürfte ebenfalls sein, dass mit steigender Ausprägung des persönlichen medialen Aufmerksamkeitsprivilegs auch die Verantwortung für die Wahrnehmung dieses Privilegs gegenüber der Partei steigt, da jeder Auftritt dieser zugerechnet wird und dieses Privileg sich u.a. auch aus dem Mandat durch die Partei überhaupt erst ableitet.
Wenn es einen Weg gibt, widerstreitende Positionen künftig so zu verhandeln, dass im Ergebnis nicht öffentlich aufeinander eingeschlagen wird, sollte dieser Weg endlich gegangen werden. Wenn es diesen Weg mit Sahra Wagenknecht und einigen anderen nicht gibt, bleibt zur Wiederherstellung eines konsistenten und wiedererkennbaren Politikentwurfes der Partei nur Unterwerfung oder Ablösung.
Wer wie sie und etliche andere kein empathisches Verhältnis zur eigenen Partei hat, wer die Partei belehrt wie eine Gouvernante den lernschwachen Zögling, wie Tugendwächter die Sündigen, der muss sich nicht wundern, dass Wählende dieses Verhältnis gegenüber dieser Partei reproduzieren. Wer wählt schon eine Partei, die von den eigenen Leuten wahlweise als naiv/ als Arbeiterverräter/ als Kriegstreiber in aller Öffentlichkeit vorgeführt wird.
Denn Sahra Wagenknecht ist nicht allein. Es gibt leider noch viele andere ideologische Zuchtmeister:innen.
Was frieden wir
Ich bin wegen des Kosovokrieges im Jahr 2000 in den PDS eingetreten als Pazifist und als jemand, der fand, dass Deutschland mit seiner Geschichte auf dem Feld des Krieges niemals mehr „Verantwortung“ übernehmen sollte und schon garnicht 10 Jahre nach der staatlichen Vergrößerung. Weitere 20 Jahre später leben wir in einer anderen Welt, sind um 20 Jahre Erfahrung reicher mit diesem Deutschland und der Welt. Meine Grundhaltung hat sich nicht verändert. Es gibt keine Menschenrechtskriege. Aber ich schaue genauer hin. Ich unterscheide, anders als viele Vorleute meiner Partei, nicht plump in Friedens- und Kriegsparteien, nicht in Friedenswächter und Kriegstreiber. Ich unterstelle anderen keinen Bellizismus, nur weil sie von meinen Positionen abweichende Positionen vertreten.
Ich empfinde die Selbstbeschreibung als einzige Friedenspartei lächerlich, anmaßend und sektenhaft. Sie ist eine intellektuelle Beleidigung und stößt völlig unnötig aber erfolgreich alle vor den Kopf und wirft sie in einen Topf, die genauso am Frieden interessiert sind wie die Friedenswächter, aber eben im Detail und im Einzelfall andere Mittel für geeignet halten, mitunter eben auch Militärische. Denunziatorisch wurde schon die Debatte um die Unterstützung der Chemiewaffenvernichtung im Mittelmeer im Jahr 2014 geführt. Matthias Höhn wurden wegen seines Aufschlags von Anfang 2021, linke Sicherheitspolitik neu zu diskutieren, entweder unlautere Motive unterstellt oder zum nützlichen Idioten der Bellizisten erklärt. Nicht weniger denunziatorisch verlief nun jene Debatte um das nachträgliche Mandat zur Evakuierung von Ortskräften aus Afghanistan.
In dieser real existierenden Welt wird es immer wieder Situationen geben, wo es tatsächlich im Interesse des Friedens richtig sein kann, Militär mit Mandat der UNO einzusetzen. Wenn die LINKE sich dieser Auseinandersetzung nicht in jedem Einzelfall stellt, weil sie Angst vor den eigenen Tugendwächtern hat, vor Fehlentscheidungen oder von Hass auf den Westen, den militärisch industriellen Komplex, die Nordatlantikbrücke oder wen auch immer geblendet ist, werden breite Wählerschichten sie weiterhin nicht aufs Spielfeld der Politik lassen wollen, allerdings nicht nur deshalb.
Wie agieren wir
Auch das Verhältnis der Partei zur Sphäre der Wirtschaft gehört dringend auf den Prüfstand. Es ist keine Gesellschaft denkbar, die allein vom Gelddrucken lebt. Natürlich gibt es hervorragende Wirtschafts- und Finanzpolitiker:innen in der Partei. Ökonomie ist für DIE LINKE schließlich mindestens auf dem Papier der Dreh- und Angelpunkt von Allem. Aber solange sie kapitalistische Ökonomie ist, will die Partei möglichst wenig mit ihr und ihre Vertreter:innen zu tun haben.
Dabei beschäftigt auch Teile der Unternehmer:innenschaft, Genossenschaften und Selbstständigen die Frage, wie Wirtschaften unter Bedingungen einer Postwachstumsgesellschaft, die den Planeten nicht länger auslaugt, sondern den Stoffwechsel mit der Natur resillient und nachhaltig gestaltet, aussehen kann, wie die gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden sein könnten. Unternehmer:innen sind als Rollenträger nicht gut oder böse, genauso wenig wie Polizeibeamte oder Soldat:innen. Wer Teile des gesellschaftlichen Ganzen meidet, es nur aus einer ideologischen Brille betrachtet, wird das gesellschaftliche Ganze nicht ganz erfassen und verstehen. Vor Allem aber wird er sich mit den Menschen dieser Sphären nicht verbinden können, die doch ähnliche Fragen umtreiben, wie die Gesamtgesellschaft. Niemand muss deshalb Strukturen der Herrschaft, in denen diese Sphären funktional Rollen tragen, verdrängen. Beides ist möglich.
Eine politische Praxis im Umgang mit tagespolitischen Fragestellungen, die nicht immer aber doch sehr häufig den Eindruck hinterlässt, die LINKE lasse sich auf konkrete Fragestellungen nicht in der Sache ein, sondern beantworte solche Fragen zu schematisch, wird als Verbündete auch nicht adressiert und ist nicht interessant.
Prinzipienfestigkeit ist tatsächlich ein hohes Gut und eine notwendige Grundlage politischer Glaubwürdigkeit. Prinzipien kennen aber immer auch begründete Ausnahmen und, wollen sie Prinzipien bleiben, werden sie als solche auch hin und wieder in Frage gestellt. Ausnahmen schwächen ihre Glaubwürdigkeit nicht, sondern sprechen für Souveränität im Umgang mit einer höchst widersprüchlichen Realität. Die Sorge vor dem Verlust von Glaubwürdigkeit in bestimmten, vor allem ausssenpolitischen Feldern, führt in der Praxis zu häufig in den Dogmatismus.
Wer aber Prinzip und Dogma nicht mehr unterscheiden kann, hat die Kontrolle über seine Politikfähigkeit verloren.
Ein Teil der Erklärung des Verlustes von Stimmen bei der Bundestagswahl kann daher sein, dass die LINKE es immer wieder schafft, sich im Stile eines „Last man standig“- Pathos selbst in eine Art Pariaposition gegenüber den anderen Parteien zu bringen. Nach innen mag das wärmen. Sie wird dadurch aber von aussen als bündnisunfähig bzw. -unwillig wahrgenommen und erleidet dadurch einen Funktionsverlust. Dass andere Parteien das ausnutzen, kann man ihnen schlecht vorwerfen
Wie missverstehen wir uns
Mit großen Mehrheiten bekennt sich die LINKE auf Parteitagen immer wieder zum Prinzip einer Solidarität, die keine nationalstaatlichen Grenzen kennt und auch dem Individuum in seinem Recht gilt. Häufig wird dies unter der Überschrift „offenen Grenzen für alle“ thematisiert und damit intstrumentell von allen Seiten verkürzt. Denn gleichgewichtig argumentiert die LINKE für eine Politik der auch internationalen Solidarität zur Bekämpfung von Fluchtursachen in bezug auf Krieg, Umweltzerstörung, Menschrechtsverletzungen und Armut. Nie ging es darum, möglichst viele Menschen „ins Land zu holen“ oder zur Flucht zu bewegen. Immer ging es darum, jenen, die fliehen mussten, konkret zu helfen. Der Verlust von Heimat ist ein millionenfaches Drama.
Der öffentlichen Verkürzung dieser Debatte sitzen aber viele innerhalb und ausserhalb der Partei reflexhaft auf. Einer Versachlichung der Debatte dienen solche bekenntnishaften Polarisierungen sicher ebensowenig, wie einer qualifzierenden Debatte um die Fragen, wieviel und welche Zuwanderung Deutschland braucht, verträgt, gesellschaftlich verarbeiten kann, wer kommen können soll und was dazu strukturell zu veranlassen ist im Hinblick auf die sozialen Sicherungssysteme, den Wohnungs- wie den Arbeitsmarkt und den Bildungssektor.
Wer öffentlich oder auch nichtöffentlich solche Verkürzungen bedient, schadet in erster Linie dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, verstärkt Diskusblockaden, desavouiert aber natürlich auch die Glaubwürdigkeit und das Ansehen der Partei wie ihrer Debattenkultur.
Wie osten wir
Vielfach heisst es nun wieder, die Wahlergebnisse im Osten müssten mit einer verstärkten Hinwendung zum Osten pariert werden, der Osten müsse wieder stärker thematisiert werden. Die LINKE müsse Ihre Ostkompetenz zurückerlangen, ohne das klar wird, was genau damit gemeint ist.
LINKE können jedenfalls wissen, dass ein erklecklicher Teil ihres vormaligen östlichen Elektorats, wenn es nicht verstorben ist, und nun anderen Parteien zuneigt, nicht wählt oder die AfD wählt, die LINKE nie, wenn überhaupt, überwiegend wegen ihrer linken Inhalte gewählt hat, sondern aus Ärger über die Nichtanerkennung ihrer Lebensleistung vor und nach 1989, als Anwalt der Opfer der neoliberalen Transformation der Wirtschaft oder auch schlicht, um es den arroganten Wessis an der Wahlurne zu zeigen. Alle diese Gründe sind in der ostdeutschen Bevölkerung des Jahres 2021 noch vorhanden, die Zahl Ihrer Träger aber nimmt ebenso ab, wie die emotionale Aufladung und Entlastungsrichtung.
Die Zeit und das Alltagleben sind darüber hinweggegangen, der Ärger ist verflogen oder in Verbitterung erstarrt, die erwünschte Interessenvertetung war nicht ausreichend erfolgreich. Das Linke in DIE LINKE wird sichtbarer, allein schon durch ihre Westausdehnung, westdeutsches Personal, aber auch durch programmatische Weiterentwicklung. Westdeutsch geprägte antikapitalistisch zugspitzte Diskurse und Sprechweisen nehmen Ostdeutsche überwiegend nicht mit auf die Reise in die Zukunft. Das ist jedenfalls meine unmaßgebliche Erfahrung als Kommunaler.
Sie erwarten Antworten auf Alltagsfragen, auf die eigenen biographischen Perspektiven im Kapitalismus, Lösungskompetenz im eigenen Lebenshorizont. Durchaus tragisch ist, dass die LINKE all das zwar im Köcher hat, aber im Gesamtbild durch Anderes verhaltensauffällig wird.
Auch Gregor Gysi forderte nach der Wahl, die Bundestagsfraktion solle sich wieder stärker dem Osten zuwenden. Dagegen ist nichts zu sagen. Wenn sie das dort zuwenig getan haben, müssen sie nachsteuern. Allerdings sollte er die Reichweite von Bundestagsreden und Anträgen nicht überschätzen. Wenn die weder in Bild noch Glotze landen, wird es sich nicht rumsprechen.
Politik für den Osten zu machen, kann 2021 auch nicht mehr nur heissen, mit dem Label der Retter der Enterbten OST durch die politische Landschaft zu reiten. Der Osten ist da entweder schon weiter oder hat sich inzwischen politisch anders orientiert.
Ein auf Emanzipation angelegtes politisches Projekt soll Machtverhätnisse offenlegen und Mut machen sich selbst mit anderen gestaltend zu verbinden, Wege aufzeigen sich einzubringen, um politische und ökonomische Machtverhältnisse zu verändern und zu demokratisieren. Die Pflege eines wie auch immer gezeichneten Bildes vom Ostdeutschen als Opfer oder der paternalistische Ton der Interessevertretung dienen einem emanzipatorischen Projekt nicht, sondern reaktivieren politkonsumistische Erwartungen, sie demobilisieren die zivilgesellschaftlichen Gestaltungskräfte.
Es bleibt wichtig, für die Angleichung der Lebensverhältnisse einzutreten überall in Deutschland. Es bleibt auch wichtig, die besonderen Leistungen und Belastungen der Ostdeutschen zu würdigen. Es bleibt ebenso wichtig, allen zu widersprechen, die den Ostdeutschen wieder und wieder einen Freak-Status zuweisen.
Aber das Dilemma bleibt. Die LINKE ist auf Bundesebene wesentlich und unvermeidbar selbst verwestlicht, ohne zur Westpartei zu werden, was dort wiederum auch ein verfestigtes Problem ist. (Die CSU kann ihren Charakter als Regionalpartei nur deshalb bewahren, weil sie sich ausschließlich aus Bayern rekrutiert. Diese Option wollte die PDS 2007 mit der WASG nicht ziehen ). Aber selbstverständlich verändern sich dadurch die Perspektiven,Themen, Sprechweisen und Wahrnehmungen. Ein Zurück in die Zukunft wird es nicht geben, auch nicht in der Wahrnehmung der Ostdeutschen.
Der Aufstieg und die Etablierung der AfD besonders im Osten ist Ausdruck einer ökonomisch und politischen grundierten, zunehmend verfestigten mentalen Melange bestimmter Prägungen aus DDR-Zeiten als auch der existenziellen Brüche, realer wie symbolischer Deklassierungen und demographischer Verwerfungen der Nachwendejahre. Der Veränderungsstress und die Wahrnehmung des dauerhaften Zurückgesetzt- und Zukurzgekommenseins finden im nationalistischen Abschließungsdiskurs der AfD ein regressives Resonanzangebot, dass die LINKE aus programmatischen Gründen nicht machen kann.
Das “System“ und seinen Agenturen, die Medien und Parteien bilden für viele dieser Menschen nicht mehr das Referenzsystem. Sie haben sich davon abgekoppelt von den hegemonialen Diskursen und entlasten sich damit von den Zumutungen und Deklasserierungen dieser Diskurse. Sie werden, gestützt durch socialmedia-Angebote, Teil anderer Deutungsgemeinschaften, die regional ihrerseits hegemonial im unmittelbar sozialen Bezugsraum werden können.
Ob PDS/LINKE hier tatsächlich ureigene vermeidbare Versäumnisse hat, ob sie mit einem aufmerksameren Blick auf die Verarbeitungsweisen dieser Menschen diese im Rahmen einer regional linken Gesellschaftserzählung politisch hätte binden können, ist eine nicht mehr aufzuklärende Frage.
Die harten und unversöhnlichen Debatten innerhalb der DIE LINKE z.B um Migrations- und Identitätspolitiken können in diesem Zusammenhang auch als Ausfluss eines solchermaßen gescheiterten Versuchs gedeutet werden.
Das Bemühen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit dem Slogan „Nehmt den Wessis das Kommando“ als Partei mit besonderer Ostkompetenz wahrgenommen zu werden, war nicht erfolgreich. Ob das im Jahr 2021 überhaupt noch angemessen sein kann, soll hier nicht erörtert werden.
Wer weiß, was nun hilft, bekommt einen Preis.
Ich schieße ins Blaue, wie die Meisten. Eine grundsätzliche Positionsveränderung der Partei scheint mir geraten. Wir wissen nichts besser, wir sind nicht die Oberschlauen, sollten nicht weiter die moralische Monstranz an der Seitenlinie sein. Um den Preis, unsere ( als SED-Nachfolgende nie vorhandene) Unschuld zu verlieren und uns die Hände an Realpolitik schmutzig zu machen, müssen wir aufs Spielfeld, Runde um Runde mit den anderen auf Augenhöhe um die bessere Lösungen ringen, uns Einlassen aufs Hier und Heute, auch auf die Anderen, viel stärker tagespolitisch und kleinteilig agieren, eigene innovative Ideen entwickeln, eigene Positionen regemäßig überprüfen. Stark ist, wer Bündnisse schmieden kann. Ramelow zeigt, wie das gehen kann, auch Bremen und Berlin. Kommunal hat uns der Alltag sowieso im Klammergriff, ohne dass wir deshalb unkenntlich werden.
Kaum noch erträglich immer wieder zu hören, dass wir die einzige Partei seien, die für x oder y steht. Selbst wenn es in bestimmten Fragen so ist. Was sollen die Leute damit anfangen ? Haltungen sind noch keine Politik. Ein Alleinstellungsmerkmal schafft noch keine Gestaltungsperspektive. Jede Gestaltungsperspektive ist in der Demokratie auf andersartige Partner angewiesen.
Selbstverständlich braucht niemand eine zweite SPD. Aber darum geht es auch nicht. Es geht um Handwerk. Dazu muss man in die Werkstatt. Und wenn man da drin ist, darf man nicht nur rumstehen und meckern, dass die Einrichtung nicht gefällt. Oder anders. Auch wer die Verhältnisse zum Tanzen bringen will ( was der Kapitalismus im Übrigen permanent macht, siehe Marx), kann das nur mit denen machen, die im Saal sind. Wir sind nicht umzingelt von Feinden, nur von Andersdenkenden, nicht von Bütteln des Kapitals, sondern von anders Denkenden. Das ist doch eine Perspektive. Man muss sie aber auch einnehmen.