Filmfest
Im September dominierte der Seoultember das Flimmerkiste-Programm, wobei diese Werke gesichtet wurden:
- 무사 – Musa (2001)
Episches Kampfspektakel, das vor allem aufgrund eben jener famos in Szene gesetzten Actionsequenzen und durch die bildgewaltigen Szenerien auftrumpfen kann. Die Geschichte selbst ist ein wenig zäh und wirr erzählt, der Fokus auf die eigentliche Hauptfigur wird immer mal wieder abgelenkt. Musa spart nicht mit expliziter Gewaltdarstellung. Mit etwas mehr kompakter Erzählweise wäre das Werk von Kim Sung-su sicher noch eine Spur besser. Dennoch durchaus sehenswert.
- 메리 크리스마스 미스터 모 – Merry Christmas Mr. Mo (2016)
Charmantes filmisches Kleinod mit viel Liebe zu seinen Figuren und einer unübersehbaren Reminiszenz an die alten Chaplin Werke. Merry Christmas Mr. Mo mag keine lauten Töne produzieren und wartet auch nicht mit spektakulären Bildern auf, schleicht sich aber auf leisen Sohlen und mit einer herzerwärmenden Message in die Gedanken der werten Zuschauerschaft.
- 서복 – Seo Bok: Project Clone (2021)
Zwischenzeitlich dachte ich, dass es sich bei Seo Bok: Project Clone um eine Art Roadmovie- und Auf der Flucht-Film mit allerlei Action handelt. Aber das Werk von Lee Yong-joo bietet doch einige philosophische Ansätze zum Thema Leben und Sterben und den eigentlichen Sinn des Lebens. Die beiden hauptsächlichen Akteure funktionieren dabei in Kombination ziemlich gut und treiben die zum Finale hin immer mehr ins Actionspektakel abdriftende Geschichte voran. Durchaus einen Blick wert.
- 전,란 – Uprising (2024)
Und noch ein Historienfilm in Hochglanzoptik und fein choreografierten Martial Arts Szenen. Uprising will ab und an zu viel, wenn das Werk in dramatischen Bildern Schicksale manifestiert, Figuren verschachert und emotionale Beziehungen konterkariert. Die Geschichte selbst entwickelt sich um zwei Protagonisten herum, deren Aktionen nicht so hundertprozentig nachvollziehbar erscheinen, für einen ereignisreichen, popcornlastigen Filmabend aber ausreichend Potential mitbringen.
- KPop Demon Hunters (2025)
Oh, der Film macht wirklich Spaß! Eine im Kern Coming of Age Story wird um ein fantastisches Element gestrickt und mit ganz viel frischer K-Pop (natürlich!) Musik umwickelt. Heraus kommt KPop Demon Hunters, der für ganz viel amüsante Kurzweil sorgt.
Zusätzlich schlichen sich zwei weitere Werke in den Monat ein. Und zwar diese:
- Rogue One: A Star Wars Story (2016, Rewatch)
Ich zitiere mich kurz selbst: „Rogue One ist dreckig, schmutzig, destruktiv und pessimistisch bis fast zur letzten Sekunde. Rogue One ist gleichzeitig aber auch eine wunderbare Reminiszenz an große und kleine Handlungsstränge der Hauptwerke und beantwortet außerdem die wohl größte offen gebliebene Frage der alten Filmreihe.“ Nachzulesen hier.
- Undir trénu – Under The Tree (2017)
Schwarzen Humor können auch die Isländer. Under The Tree thematisiert unter anderem einen Nachbarschaftsstreit, der nach und nach ausartet, kombiniert dies mit einem Beziehungs- und Familiendrama und mischt eine sehr große Prise Kopfschüttelhumor dazu. Fertig ist der unterhaltsame Reigen, der starke Anleihen an den skandinavischen Verwandten Islands nimmt.
Kinokunst
- The Long Walk (2025)
Man darf dem Film durchaus einige Längen attestieren und Fans der Buchvorlage werden mit dem Ende wohl nicht harmonieren, aber im Prinzip ist The Long Walk ein intensiv interpretiertes Werk, dass vor allem durch die Interaktion der beiden Hauptfiguren diese Atmosphäre erzeugt, die einen beim Zuschauen sogartig in die Szenerie entführt. Großes Lob an Cooper Hoffman (Talent geerbt, nehme ich an) und David Jonsson, die in den langen Dialogen und den noch längeren Fußmärschen alles rausholen, was geht, um den Film (und sich selbst) über die Ziellinie zu schieben.
Serienspektakel
- Sirens (Miniserie)
Eine Geschichte, die zu Beginn nicht so recht zu fassen ist, weil manche Aktionen der Akteure den Zuschauer auf eine falsche Fährte locken wollen. Ist es Mystery (was die Anspielung auf die Sirenen und das Insel-Setting assoziiert) oder doch mehr Comedy? Schräg ist Sirens auf jeden Fall und glänzt mit interessanten Charakteren, die eindeutig zu durchschauen sind, dann aber doch ganz anders daherkommen. Fünf Folgen, die man locker verkonsumieren kann.
- Andor (Staffel 2)
Der zweite Output fängt sehr gemächlich an und einzelne Episoden offenbaren erst im Verlauf der ganzen Staffel ihre Relevanz im Gesamtkonzept. Mitunter sind die vielen Figuren, die auftauchen, schwer einzuordnen. Look und Feel von Andor treffen aber voll und ganz die alte Star Wars Atmosphäre, so dass die Geschichte fließend zu dem Ende gelangt, das den Anfang von Rogue One: A Star Wars Story bildet.
- Doppelhaushälfte (Staffel 2)
Staffel 2 hält das komödiantische Niveau der ersten Staffel und wartet mit der einen oder anderen spleenigen Idee auf. Der Culture Clash und zusätzlich auch die Konflikte mit den pubertierenden Kindern beider in der Doppelhaushälfte lebenden Familien führt zu chaotischen Momenten, die nicht immer logisch, aber dafür charmant abgehoben aufgelöst werden.
- Dark (Staffel 3, Rewatch)
Nach der finalen Staffel bleibe ich bei meiner vor fünf Jahren im Zuge dieser Serien-Challenge gebildeten Meinung zu Dark. Also bitte die kurzen, dort hinterlassenen Anmerkungen beachten.
- Squid Game (Staffel 3)
Der auch in der finalen Staffel eingefügte VIP Part hat mich schon in der Vergangenheit der Serie nicht abgeholt. Abgesehen von der emotionslosen Dekadenz (die aber auch nicht neu ist), wird hier nicht näher darauf eingegangen und somit der Geschichte kein Mehrwert geliefert. Das Ende finde ich konsequent und passend umgesetzt. Staffel 3 von Squid Game ist härter und radikaler, führt den Weg von Seong Gi-hun aber nachvollziehbar und endgültig ans Ziel.


