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Fassungslos und mit gänzlich verschlagener Sprache stand Rianna da. Sie konnte nicht glauben was Erina ihr gerade offenbart hatte. Wie sollte es möglich sein, dass dieses Frau Tabea war.

„Ich entnehme deinem wirren Gesichtsausdruck, dass du dies tatsächlich nicht erwartet hast!“, seufzte die junge Frau kopfschüttelnd, von der sie bis eben noch gedacht hatte, dass es Erina war.

„Nein, das habe ich nicht erwartet. Wir beide haben das nicht!“, gestand Rianna wieder zu sich kommend, „Allerdings bin ich auch noch nicht ganz überzeugt von dem, was du da behauptest! Woher soll ich wissen, dass du wirklich Tabea bist?“

„Ich denke wir kennen uns noch nicht lange genug, um dir dies beweisen zu können. Aber lass dir einfach gesagt sein, dass ich es bin!“, erwiderte Riannas gegenüber, „Wer sollte ich sonst sein?“

Resignierend seufzte Rianna und antwortete: „Von den Leuten der Karawane kannte niemand eine Erina und irgendetwas sagt mir, dass du dich nicht nur für Tabea ausgibst. Es muss wohl so sein! Aber wie ist so etwas überhaupt möglich? Erina, … Tabea … ich weiß nicht einmal welcher dein richtige Name ist!“

„Bleiben wir bei Tabea. Der gefällt mir ohnehin besser!“, entschied die Frau, nachdem sie kurz überlegt hatte. „Nachdem wir das also geklärt haben, kommen wir zu dem, weswegen ihr mir gefolgt seid! Also, wir lautet dein Urteil?“ Und richtete dabei ihr Wort an Turmalon.

Der Drache zögerte mit seiner Antwort. Er schien noch immer nicht entschieden zu haben, wie er vorgehen sollte. Ratlos wandte er seinen langen Hals, bis er Rianna im Blick hatte, die ihn wie Tabea, erwartungsvoll ansah. Einen Moment lang ließ er seinen Kopf hängen und gab ein leises Schnauben von sich. Dann wanderte sein Blick wieder zu Tabea und sagte: „Einerseits hast du dir etwas von meinem Blut genommen, trotz dass ich dir diese Bitte verweigert habe. Zumal ich die Art und Weise, wie du das getan hast, hinterhältig finde. Andererseits hast du dich auch an dein Versprechen gehalten, dass du es nicht verwenden wirst um mir zu schaden. Zumindest bisher. Zu deinem Glück hat Rianna mir die Zeit gegeben, noch einmal gründlich nachzudenken. Dies hatte mich auch überhaupt erst dazu veranlasst, dass Für und Wider abzuwägen. Daher will ich nun von dir erfahren, was du genau vorhast, bevor ich handeln werde!“

„Um die Wahrheit zu sagen, werde ich es wahrscheinlich gar nicht mehr brauchen!“, erklärte Tabea.

Sowohl Turmalon als auch Rianna merkten überrascht auf.

„Aber was sollte das dann alles?“, wollte Rianna wissen und kam damit Turmalon zuvor, dem die gleiche Frage auf der Zunge lag.

„Ich hatte, ohne mir dessen direkt bewusst zu sein, bereits ein passendes Äquivalent gefunden. Trotz dass ich das Ergebnis direkt vor Augen hatte, bezweifelt ich seine Richtigkeit an!“, erwiderte Tabea und warf dadurch eigentlich nur noch mehr Fragen auf.

„Um eurer beiden Fragen zu beantworten: Ich habe gefunden, wonach viele Alchemisten oder Magiegelehrte ihr ganzes Leben nach suchen. Meistens vergeblich! Die Möglichkeit, den Körper zu erneuern und ihm wieder neue Kraft zu geben! Dabei wäre das Blut eines Drachens eigentlich eine der Reagenzien gewesen.“

„Eigentlich?“, fragte Turmalon darauf.

Tabea nickte und fragte: „Rianna. Du erinnerst dich daran, wie ich dir ein paar Tropfen Blut abgenommen habe?“

Unbewusst berührte Rianna den Finger, in den Tabea mit ihrer Nadel gestochen hatte, und nickte zögerlich mit dem Kopf.

„Ich kann noch nicht erklären wieso, aber in deinem Blut scheint sich eine große Menge magischer Energie zu befinden!“, fuhr die Alchemistin mit ihrer Erklärung fort. „Bei weitem mehr, als selbst in den begabtesten menschlichen Magiern! Dein Körper scheint regelrecht davon durchflutet zu sein. Ich habe keine Idee wie dies sein kann und nehme ebenfalls nicht an, dass du weist wieso das so ist.“ Rianna verneinte dies.

„Der Drache, dem du deine Augen zu verdanken hast, muss weit mehr als nur das mit dir getan haben. Mir war zwar bewusst, dass dir aufgrund der Veränderung, mehr Energie inne wohnt, als einem gewöhnlichen Menschen. Was auch überhaupt der Grund war, wieso ich es ausprobiert habe. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Trank eine solche Wirkung entwickeln würde. Um das Ganze zu erläutern: Die Menge an Energie, die man dem Trank hinzufügt, bestimmt wie wirksam er ist und wie viele Jahre man zurückgewinnt, bis maximal zu dem Alter, an dem der Körper langsam anfängt die Fähigkeit zu verlieren, Energie zu regenerieren. Oder einfach ausgedrückt, bis er beginnt zu altern! Ich hätte mir natürlich auch das gesamte Blut von einem Menschen nehmen können um auf dieselbe Energiemenge zu kommen, jedoch hätte das den Trank so stark verdünnt, dass seine Wirksamkeit verloren gegangen wäre. Mal davon abgesehen dass ich niemanden gefunden hätte, der sich freiwillig dazu meldet. Nichtsdestotrotz hatte ich mit vier bis fünf Jahren gerechnet, die ich durch dich zurückgewinnen würde und keinesfalls hiermit.“

„Du hattest also was du brauchtest und hast dennoch gegen meine Bitte gehandelt?“, knurrte Turmalon ein wenig verstimmt.

„Nun, wie ich bereits sagte, konnte ich es anfangs nicht glauben und bin im Übrigen immer noch nicht restlos Überzeugt. Ich nahm an, dass mir irgendein Fehler unterlaufen war und die Wirkung schnell wieder nachlassen würde. Aber bevor ich dies nachprüfen konnte, kamt ihr beiden und wolltet weiterreisen. Außerdem hatte ich gehofft, dass mir noch etwas Zeit blieb um dich umstimmen zu können. Diese Möglichkeit hätte ich jedoch durch eure Abreise verloren. Daher musste ich schnell agieren und habe getan, was ich in jenen Moment für richtig hielt!“

Der Drache gab daraufhin einen grummelnden Laut von sich, schien sich aber mit der Antwort ansonsten zufriedenzugeben.

Indessen hatte Rianna die Gelegenheit genutzt und war von Turmalon abgestiegen. Sie hatte bereits den halben Tag im Sattel gesessen und wollt sich ein wenig die Beine vertreten. Sie ging ein paar Schritte umher und überprüfte anschließend, ob der Sattel noch fest saß. Zufrieden schlug sie mit der flachen Hand in Turmalons Flanke, was den Drachen kurz überrascht zusammenzucken ließ. Nachdem sie sich wieder aufgerichtet hatte, bemerkte sie in einiger Entfernung ein Pferdefuhrwerk, das Halt gemacht hatte. Darauf saßen ein Mann und eine Frau, die sich offensichtlich nicht einig waren, was sie machen sollten. Dann erkannte Rianna das Problem, oder nahm es zumindest an, denn Turmalon stand immer mitten auf der Straße und versperrte somit auch den Weg.

„Geh doch bitte ein paar Schritte zur Seite. Ich glaube dahinten wartet jemand und möchte an uns vorbei!“, bat Rianna und scheuchte den Drachen mit einer Handbewegung. Fragend sah Turmalon erst zu ihr und schließlich hinter sich um zu ergründen, wovon sie sprach. Dann erkannte er ebenfalls den wartenden Wagen. Er faltete seine Schwingen wieder zusammen und begab sich zum Wegesrand, sodass man die Straße wieder passieren konnte.

Es dauerte eine Weile, bis das Fuhrwerk sich in Bewegung setzte. Langsam näherte es sich und während sie passierten, grüßte Rianna die Reisenden freundlich: „Guten Tag.“ Dabei stand sie neben Turmalon und hatte eine Hand auf seinen Hals gelegt. Weniger um ihn zurückzuhalten, als mehr zu zeigen, dass keine unmittelbare Gefahr von ihm ausging.

Der Mann, der die Zügel in der Hand hielt, zuckte ängstlich zusammen, als hätte er gehofft unbemerkt an dem Drachen vorbeiziehen zu können. Dennoch erwiderte er der Gruß mit einem verhaltenen nicken, während er ungläubig die geflügelte Echse musterte. Auch die Frau, welche neben ihm saß, zuckte kurz vor Schreck zusammen. Sie hatte sich fest an den Arm des Mannes geklammert und versteckte ihren Kopf hinter seinem Rücken. Nachdem die beiden jedoch vorbeigefahren waren, wagte sie es doch, einen neugierigen Blick auf Turmalon zu werfen und hob nun zum Gruß die Hand.

„Es war eine gute Entscheidung, dass Rianna dich begleitet. Ich glaube nicht, dass das gerade eben sonst so abgelaufen wäre. Ich denke, dies ist ein guter Anfang um den Menschen ihre Angst vor euch Drachen wieder zu nehmen. Auch Gerald und seine Leute werden ihren Teil dazu beitragen. Dessen bin ich mir sicher“, sagte Tabea erwartungsvoll. „Vorausgesetzt, dass sich die Ereignisse von vor gut 100 Jahren nicht wiederholen!“

„Das können wir alle nur hoffen!“, erwiderte Rianna und wandte sich dann zu Turmalon. „Sag, weist du nicht, was damals wirklich vorgefallen war?“

Interessiert sah der Drache noch immer dem Fuhrwerk hinterher und schien sich dabei in irgendwelchen Gedanken verloren zu haben. Erst nachdem Rianna ihre Frage wiederholte und ihn dabei am Kopf stupste, antwortete er: „Nein, ich weiß nicht was damals vorgefallen ist!“

„Schade“, seufzte Rianna enttäuscht, „Macht aber auch nichts. Woher solltest du das auch wissen, schließlich ist dies lange vor deiner Zeit gewesen.“

„Lass uns bitte über etwas anderes reden!“, bat Turmalon und löste die Berührung mit Riannas Hand, indem er sich von ihr weg drehte.

„Hab ich etwas Falsches gesagt?“, fragte Rianna besorgt.

„Nein!“, war die einzige Antwort die sie darauf erhielt. Sie erkannte, dass es wohl besser war, nicht weiter nachzufragen und wandte sich daher wieder an Tabea: „Bevor ich es vergesse. Was hattest du eigentlich mit dem Stein vor?“

Tabea brauchte sichtlich einen Moment bis sie wusste, was Rianna meinte.

„Du meinst die Drachenträne?“, erkundigte sie sich schließlich und Rianna nickte zustimmend. „Ich wollte lediglich wissen ob der ‚Stein‘, wie du ihn nennst, tatsächlich das war, für das ich ihn gehalten habe. Nichts weiter. Aber ich kann jetzt verstehen, wieso er nicht wollte, dass du ihn mir zeigst. Er hat großes Vertrauen in dich, wenn er dir eine solche Kostbarkeit überlässt.“

„Mir wäre es lieber, wenn dieser verdammte Stein nicht existieren würde!“, knurrte Turmalon.

„Wieso denn das?“, fragte Tabea überrascht und musterte den Drachen, „Ich nehme an, dass Rianna noch nicht weiß, wie man mit ihm umgeht. Aber wenn sie es erlernen würde, wäre das doch zum Vorteil für euch beide!“

„Die Vorteile habe ich zu spüren bekommen! Nie wieder will ich diese unerträglichen Schmerzen spüren, die mir Rak’Zunaih damit zugefügt hat!“, fauchte der Drachen und man spürte die Wut und den Hass, den er auf den unscheinbaren Stein hatte. „Wenn ich wüsste wie man ihn zerstört, hätte ich das schon längst getan. Das ist auch der alleinige Grund, weswegen ich ihn überhaupt noch habe. Ich weiß ihn lieber in meiner Nähe, als dass ihn jemand wie Rak’Zunaih findet.“

„Jetzt begreife ich auch, warum du so besorgt warst, als ich dich um etwas von deinem Blut gebeten habe“, erkannt Tabea und stand auf. Sie schlüpfte durch die Tür, die sich am vorderen Teil ihres Wagens befand und eigentlich nur dazu diente, um den Kutscherbock zu erreichen. Wenige Momente später kam sie durch die Seitentür herausgehüpft und hatte eine Glasphiole mit einer dunkelroten Flüssigkeit in der Hand. Vor Turmalon stehend streckte sie ihm die Phiole entgegen und sagte um Verzeihung bittend: „Hier, das gehört dir! Es war falsch von mir es zu nehmen, vor allem nachdem ich es ohnehin nicht mehr gebraucht hätte. Nimm es bitte und ich hoffe, dass du meine Entschuldigung akzeptierst.“

Turmalon richtete seinen Hals auf und hielt dann eine seiner Vorderpranken vor sich. Ohne zu zögern legte Tabea ihm das Glasröhrchen in die ihr dargereichte Pranke und entfernte sich respektvoll ein paar schritt von ihm. Missmutig starrte der Drache auf die Phiole, warf sie dann aber neben die Straße auf den Waldboden. Schnaubend trat er auf sie, da das Glasröhrchen den Wurf unbeschadet überlebt hatte. Er führ noch einige Male an dieser Stelle mit der Pranke über den Boden, auch um das Blut zu abzuwischen und meinte schließlich zufrieden: „Ich nehme deine Entschuldigung an!“

Erleichtert atmete Tabea auf und nahm das Gespräch von vorhin wieder auf: „Ich kann nachvollziehen, das du aufgrund der schlechten Erfahrungen, die du mit die Drachenträne gemacht hast am liebsten nichts mehr mit ihm zu tun haben willst. Aber es würde für euch beide auch einige Möglichkeiten eröffnen. Zumindest wenn das wenige, was ich über sie weiß auch der Wahrheit entspricht. Es gibt nur wenige Aufzeichnungen, da sie von ihren Besitzern streng gehütet wurden. Aber wenn ich unseren Freund hier richtig verstanden habe, kann offensichtlich auch Magie durch ihn übertragen werden.“

„Ja!“, knurrte Turmalon leise. „Zum Glück aber nicht auf jede Entfernung“

„Nun, ich nehme an, dass dies lediglich von den Fähigkeiten des jeweiligen Anwenders abhängt“, entgegnete ihm Tabea.

„Dennoch habe ich Bedenken. Gibt es denn keine Möglichkeit ihn unschädlich zu machen?“, drängte der Drache nun zu erfahren.

„Tut mir leid, ich wüsste nicht wie! Was aber nicht heißen soll, dass dies nicht möglich ist“, erklärte Tabea. „Hast du es denn überhaupt schon einmal versucht?“

„Ja!“, knurrte Turmalon abermals. „Und wie man sieht, ohne Erfolg!“ Da das Thema damit für ihn erledigt war, drehte er sich von ihr ab und ging ein kurzes Stück in die Richtung, aus der sie zuvor gekommen waren.

Rianna verstand was er wollte und sagte abschließend zu Tabea: „Ich hoffe wir werden uns wiedersehen!“

„Daran habe ich keinen Zweifel!“, bekam sie als Antwort und bestätigte dies mit einem Lächeln. Dann eilte sie Turmalon hinterher, der auf sie wartete und meinte: „Wir sollten uns irgendwann mal mit Nyrion treffen. Er schien ebenfalls etwas über die Drachentränen zu wissen. Zumindest hatte ich das Gefühl, als er eine Andeutung machte. Leider kam ich nicht dazu ihn weiter danach zu fragen, weil Aaron auftauchte und versuchte, mich zu überreden, wieder nach Hause  zu kommen.“ Während sie ihm dies erzählte, stieg sie in den Sattel. Kaum hatte er wieder den lichten Teil der Straße erreicht, erhob er sich auch schon in die Luft.

 

Karl öffnete die Tür vom mittlerweile dritten Gasthaus, dass sie in Rodeck aufsuchten. Die vorherigen beiden waren bereits überbelegt und man sagte ihnen, dass sie hier möglicherweise noch Zimmer für die Nacht finden würden. Das Viertel in dem es stand war wohl kaum das Beste der Stadt. Umso mehr überraschte es den Späher in welch verhältnismäßig guten Zustand die Herberge auf dem ersten Blick war. Er hielt die Tür offen, damit Lucia Aaron und Friedrich in den gut besuchten Schankraum eintreten konnten.

„Besorge bitte ein paar Zimmer für die Nacht Aaron!“, bat Karl den Sohn des Bürgermeisters, „Wir suchen uns derweil hier einen Platz und bestellen etwas zu Essen.“ Da er nicht schreien wollte, um sich bei dem hier herrschenden Lärm überhaupt verständlich machen zu können, sagte er es Aaron unmittelbar ins Ohr.

Da dieser aber gerade mit seiner Fassung rang, in was für einer, seiner Meinung nach, schäbigen Absteige sie hier gelandet waren, dauerte es einen Moment bis er reagierte. 

Aaron drehte sich zu Karl um und wollte gerade erwidern, dass er in diesem Loch nicht übernachten wolle, jedoch hatte er sich bereits abgewendet und ging auf einen freien Tisch in einer ruhigen Ecke des Raums. Die anderen beiden folgten ihm und machten es sich auf den Hockern bequem.

Während sie am Tisch saßen und darauf warteten, bedient zu werden, bekam die Gruppe das unüberhörbare Gespräch des Nachbartischs mit: „Wenn ich’s euch doch sage!“, fuhr ein deutlich angetrunkener Mann lautstark mit seiner Erzählung fort, „Das Vieh war groß wie ein Haus, ach was rede ich. Wie zwei Häuser. Mindestens! Und schwärzer als die Nacht! Die Zähne, so lang wie Dolche und bestimmt doppelt so scharf. Von seinen Klauen wollen wir erst gar nicht reden. Als es seine riesigen Schwingen ausbreitete, verdunkelte es den halben Himmel und…“

„Und du hast es in die Flucht geschlagen?“ unterbrach ihn ein zweiter Mann amüsiert, „Ich kann mir richtig vorstellen, wie es vor Angst geschlottert hat, als du ihm entgegengetreten bist.“

„… naja, selbstverständlich ich war ja nicht alleine!“, gestand der Trunkenbold, „Meine Männer haben mir natürlich geholfen es zu vertreiben. Ansonsten hätte das Biest die ganze Stadt abgefackelt!“

„Dann seid ihr ja richtige Helden!“, meinte eine Frau am selben Tisch und versuchte dabei vergeblich ein Lachen zu unterdrücken.

„Das will ich aber auch meinen!“, antwortete der Betrunkenen mit Stolz geschwelgter Brust, „Und darum könntet ihr mir auch einen Ausgeben! Schließlich wären wir sonst heute alle nicht hier!“

„Ich glaube ihr habt bereits genug getrunken!“, erwiderte die Frau.

„Sagt. Die Hörner und Flügel des Drachen waren nicht zufällig rot und wurde von einen Frau begleitet?“, fragte nun jemand.

„Ja, das stimmt! Eine grässliche Hexe. Ihre Augen glühten und man spürte förmlich, wie sie uns verfluchen wollte. Aber zum Glück…“

Alle am Tisch begannen plötzlich lauthals los zu lachen.

„Das sie ein Paar ungewöhnliche Augen hat ist wohl richtig, aber eigentlich fand ich sie ganz reizend!“, gab einer der Männer zu.

„Außerdem waren die beiden recht freundlich und vor allem hilfsbereit! Sie sind uns selbstlos zu Hilfe geeilt, als wir angegriffen wurden. Also, entschuldigt, aber ich denke… nein, ich bin mir sicher, dass an eurer Geschichte kein wahres Wort dran ist! Aber ich muss zugeben, dass sie amüsant war. Ich habe lange nicht mehr so gut gelacht. Andererseits finde ich es absolut nicht in Ordnung, dass ihr die beiden so in Verruf bringt!“, sagte ein Mann der bisher noch nichts gesagt hatte und alle am Tisch, außer dem Angesprochenen, wurden wieder etwas ernster und stimmten ihm zu.

Laut knallte der Betrunkene seinen Bierkrug auf den Tisch, sodass der wenige Rest, der sich noch darin befand, überschwappte und stand dann auf. „Ihr habt ja alle keine Ahnung!“, brüllte er, und der halbe Raum sah augenblicklich zu ihm herüber. Jedoch gab er ihnen keine Gelegenheit, herauszufinden was er meinte. Stattdessen torkelte er auf mehr oder weniger direktem Weg zur Tür und verließ das Gasthaus. Kurz darauf rannte ihm der Wirt hinterher.

„Was ist denn hier passiert?“, fragte Aaron, der sich wieder zu seinen Begleitern gesellte. Er sah verwundert dem Wirt hinterher, mit dem er noch kurz zuvor gesprochen hatte.

„Interessante Neuigkeiten würde ich sagen!“, antwortete Karl. Doch statt ihm zu erklären was er meinte, stand auf und ging zum Nachbartisch.

„Guten Abend die Herrschaften!“, begann er und die Leute am Tisch grüßten zurück, „Es war nicht meine Absicht ihr Gespräch mit dem Herrn eben zu belauschen, jedoch war es auch schwer es zu überhören.“

„Macht nichts. Er hat eh nur Unsinn erzählt und wollte angeben“, erwiderte einer der Männer.

„Gut möglich. Aber ihr habt von einem Mädchen und einem Drachen geredet und behauptet sie zu kennen.“

„Ja, das ist richtig. Wir haben die beiden vor ein paar Tagen auf dem Weg hierher in den Bergen kennen gelernt. Und wenn man den Gerüchten glauben darf, die hier im Umlauf sind, waren sie erst gestern hier vor der Stadt.“

„Gestern erst?“, fragte Karl überrascht, „Ich dachte sie würden viel schneller unterwegs sein! Dann haben wir eventuell doch eine Chance, sie wieder einzuholen.“

Nun wurde Karl genauer von dem Mann in Augenschein genommen und fragte dann scharf: „Was habt ihr vor und wieso verfolgt ihr die beiden?“

Der abrupten Stimmungswechsel überraschte den Späher. Die Leute schienen Rianna und den Drachen tatsächlich zu kennen und aus irgendeinem Grund wollten sie die beiden auch schützen. Da er nicht weiter ihr Misstrauen schüren wollte und es auch sonst keinen Grund gab, die Wahrheit zu verheimlichen, sagte er: „Ich bin zusammen mit ihrem Verlobten unterwegs. Es ist seine Aufgabe, sie davon zu überzeugen, wieder mit ihm nachhause zu kommen. Da er der Grund ist, wieso sie weggelaufen ist.“

„Muss ja ein ziemlich hässlicher Bursche sein, wenn sie sich schon einen Drachen sucht, um vor ihm wegzulaufen!“, scherzte einer der Männer und schielte zum Tisch von dem Karl hergekommen war. Die anderen stimmten ihm zu und begannen kurz zu lachen.

„Ihr wagt es so über mich zu sprechen?“, schrie Aaron den Mann lautstark an und erhob sich von seinem Platz. Er hatte das Gespräch die ganze Zeit mitverfolgt, da er wissen wollte von welchen Neuigkeiten Karl gesprochen hatte.

„Naja hübsch ist er ja!“, gestand eine der Frauen, „Aber so wie er sich aufführt, kann ich die Kleine gut verstehen.“

Karl strafte Aaron mit einem mahnenden Blick und erklärte: „Entschuldigt ihn bitte. Er muss noch viel lernen was den Umgang mit anderen angeht!“ Daraufhin winkte Aaron ab, setzte sich wieder hin und grummelte: „Macht doch was ihr wollt!“

„Hat einer der Beiden gesagt wo sie hinwollten?“, fragte der Späher nun und wandte sich dabei wieder den Leuten am Tisch zu. Diese sahen sich einen Moment fragend an. Nacheinander schüttelten sie den Kopf oder zucken mit den Schultern um klar zu machen, das es keiner von ihnen wusste.

„Vielleicht weiß es ja Gerald!“, meinte einer der Männer, „Er hatte, glaube ich, den meisten Kontakt mit den Beiden. Einen Moment. Er müsste eigentlich auch hier irgendwo sein.“  Suchend blicke er sich im Schankraum um.

„Hey Gerald!“, schrie er über den vorherrschenden Lärm hinweg. Am gegenüber liegenden Tisch drehte sich ein Mann zu ihm um und sah ihn mit einem fragenden Blick an. „Komm mal her! Hier will jemand mit die sprechen!“

Gerald nickte kurz, wandte sich dann aber wieder den Leuten zu mit denen er am Tisch saß. Karl wollte gerade auf ihn zugehen, als er erkannte, dass sich Gerald verabschiedete. Er reichte noch jemandem die Hand und stand dann auf.

„Was gibt es?“, fragte er nachdem er herübergekommen war.

„Dieser Herr sucht nach unserem geflügelten Freund und der kleinen… wie hieß sie noch gleich?“

„Rianna?!“, erwiderte Gerald und sowohl der Mann am Tisch als auch Karl nickten mit Kopf, „Was wollt ihr von den Beiden?“

„Das werde ich euch gerne erklären. Kommt, setzen wir uns“, sagte Karl und lotste den Karawanenführer zu dem Tisch, wo auch seine Begleiter saßen. Nachdem sie Platz genommen hatten, erklärte der Späher die Gründe, weshalb sie Rianna suchten. Anschließend erläuterte Gerald woher er die beiden kannte und was vorgefallen war.

„… Zuletzt war sie auf der Suche nach der Alchemistin. Leider kann ich euch nur das sagen, was ich auch den Beiden gesagt habe. Ich weiß nicht wohin Tabea genau wollte und ob Königsburg  ihr endgültiges Ziel war, oder ob sie von dort aus noch weiter reisen wollte.“

„Das erleichtert die Suche leider überhaupt nicht“, seufzte Karl, „trotzdem danke für die Auskunft.“

„Es tut mir leid, dass ich euch nicht weiterhelfen konnte“, erwiderte Gerald und verabschiedete sich dann.

„Reine Zeitverschwendung!“, meckerte Aaron nach dem Gerald den Tisch verlassen hatte, „Jetzt wissen wir auch nicht mehr als zuvor!“

Karl ignorierte was er sagte und fragte stattdessen: „Hast du ein paar Zimmer bekommen?“

Da er gedanklich noch immer bei dem Gespräch mit dem Karawanenführer war, brauchte er einen Moment bis er auf die Frage reagierte. Er holte zwei Schlüssel aus der Tasche, hielt sie Karl entgegen und antwortete: „Ja. Es waren noch zwei Doppelzimmer frei.“

„Gut. Gib einen der Schlüssel Lucia wir nehmen zusammen das andere Zimmer!“, erklärte der Späher.

Aaron sah ihn fassungslos an. „Das ist nicht dein Ernst? Wir sollen zu dritt in ein Zimmer?“

Rot anlaufend verlor nun Karl seinerseits die Beherrschung und erwiderte gereizt: „Ja, das werden wir! Und wenn du nicht langsam damit aufhörst, dich wie ein verwöhntes Kind zu benehmen, wirst du derjenige sein, der auf dem Boden schläft!“

Eingeschnappt verkniff sich Aaron jedes weitere Wort, sondern bedachte seinen gegenüber nur noch mit einigen bösen Blicken. Er warf Lucia einen der Schlüssel entgegen und behielt demonstrativ den anderen.

„Gut. Da wir das jetzt geklärt hätten, kommen wir zu dem wie wir weiter vorgehen werden“, begann der Späher zu erklären, „Morgen früh werden wir uns mit frischem Proviant eindecken und dann weiter nach Königsburg reiten, da diese Alchemistin die einzige Spur ist, die wir haben. Lucia da es so aussieht, als hätten wir weiterhin denselben Weg, wäre es mir eine Freude, wenn ihr uns auch weiterhin begleiten würdet.“

„Danke! Ich nehme das Angebot gerne an“, antwortete sie erfreut, was Aaron dazu veranlasste, die Augen zu verdrehen.

„In Ordnung. Dann würde ich jetzt vorschlagen, dass wir uns jetzt ausruhen!

 

Alia hatte es geschafft, in fast der Hälfte der Zeit, die sie für den Hinweg brauchte, zurück nach Horin zu reiten.

„Guten Tag Alia“, grüßte sie eine der Wachen, als sie das Tor passieren wollte. „Du hast hier einiges verpasst während du weg warst.“

Die Späherin erwiderte den Gruß jedoch nur mit einem Handzeichen und ritt wortlos an ihm vorbei. Sie musste jetzt dringend zu Darion und ihm Bericht erstatten. Danach konnte sie sich immer noch die Neuigkeiten, bei einem Krug Bier anhören. Alia nahm den direkten Weg, durch die engen Gassen, um zum Spähposten zu gelangen. Sie drückte einem ihrer Kameraden, der gerade auf dem Hof vor dem Gebäude stand, die Zügel ihres erschöpften Pferdes in die Hand und bat ihn, da sie es eilig hatte, sich darum zu kümmern. Murrend betrachtete dieser die Zügel und schien nicht sonderlich begeistert von der zusätzlichen Arbeit. „Das kostet dich aber mindestens zwei Krüge!“, rief er ihr hinterher und stapfte zum Stall.

Alia erhob die Hand aus mit Drei ausgestreckten fingern und stürzte dann in das Haus, um nach dem Kommandanten zu suchen. Da gerade Mittagszeit war, fand sie diesen beim Essen in seinem Zimmer.

Verärgert wegen der Störung sah Darion auf. Überrascht, wer da gerade in sein Arbeitszimmer geplatzt kam, fragte er: „Alia? Ihr seid so schnell wieder zurück? Habt ihr etwas herausgefunden?“

Statt ihm zu antworten, warf sie ihm den Umschlag, welchen Geron ihr für den Kommandanten mit gegeben hatte, entgegen. Der Brief rutschte über den Tisch und blieb unter dem Teller, welcher vor Darion stand, hängen. Stirnrunzelnd hob der Kommandant den Brief auf und betrachtete das Siegel auf dessen Rückseite. Alia hatte es nicht angerührt, um die Botschaft zu lesen und war deswegen noch unverletzt.

„Ein offizieller Brief aus Kebor?“, stellte Darion erstaunt fest und wechselte seinen Blick zu der, ihm gegenüberstehenden Späherin. Diese stand nur da und wartete, dass er den Brief las und ihr endlich enthüllte, was darin stand.

Da er keine Antwort bekam, richtete sich Darions Aufmerksamkeit wieder an den Umschlag. Er brach das Siegel und studierte den Inhalt des Briefes.

„Was ist das für ein Unsinn den er hier behauptet?“, entfuhr es Darion plötzlich, las aber weiterhin das Schreiben. Alia wusste nicht über was er sich aufregte, hatte aber bereits eine Vermutung. „Ihr seid extra zurückgekommen um mir solch haltlose Unterstellungen, von wegen wir hätten Truppen nach Calay entsendet um dortige Reisende anzugreifen,  zurückzubringen? Hatte ich euch nicht mit einer Aufgabe betraut? Was ist daraus geworden? Oder seid ihr direkt zu Geron gelaufen und habt ihn um eine Stellungnahme gebeten? Für so was hätte ich auch einen Boten schicken können!“

Alia blieb ruhig und begann zu erklären was passiert war: „Diese Behauptungen sind leider nicht so unzutreffend wie ihr glaubt. Kurz bevor wir Kebor erreicht hatten, trafen wir auf eine Gruppe Soldaten, die unsere Uniformen trugen. Als wir sie darauf ansprechen wollten, wieso sie dort waren, griffen sie uns sofort an. Bei dem darauffolgenden Kampf wurde Riam schwer verletzt und erlag am nächsten Tag seinen Wunden. Mir kamen noch rechtzeitig einige Wachen aus Kebor zu Hilfe. Kurz darauf wurde ich zu Geron gebracht, der jedoch recht schnell herausfand wer ich bin. Dieser hatte mir dann die Wahl gelassen, euch entweder diese Nachricht zu überbringen oder im Gefängnis zu landen!“ Wie Alia wusste, war das, was sie gerade sagte, nicht alles, enthielt aber die wichtigsten Informationen.

„Das ist nicht euer Ernst?“, fragte Darion ungläubig und hatte sich über den Tisch, ihr entgegen gebeugt. „Und ihr seid euch sicher, sie nicht mit irgendwelchen Banditen verwechselt zu haben?“

„Ich habe auch von einigen Händlern gehört, dass sie ähnliche Überfälle erlebt hatten. Angeblich ebenfalls von Soldaten aus Eboria“, erwiderte Alia. „Aber ich gebe euch recht! Ich denke nicht, dass dies unsere Truppen waren. Irgendetwas war seltsam an ihnen und ich meine nicht einmal ihre, geradezu nichtvorhandene, Kampfausbildung.“

„Was meint ihr?“, wollte Darion wissen.

„Während der Begegnung hatte ich leider nicht die Zeit, sie mir genauer anzusehen. Aber ihr Verhalten kam mir merkwürdig vor. Sie wirkten fanatisch auf mich. Es schien ihnen egal zu sein ob sie überlebten oder sterben würden, solange sie ihr Ziel erreichten. Welches das auch immer sein mochte. Das entnehme ich auch dem, was ich von anderen gehört habe.“

„Das kling so als wollen sie einen Krieg provozieren!“, erkannte nun Darion, „Aber wieso?“

Alia zuckte mit den Schultern und bedeutete so, dass sie dies nicht wusste.

Stöhnen ließ sich Darion zurück auf den Stuhl nieder, als es an der Tür klopfte. Er schien zu wissen, wer oder was jetzt kommen würde und sagte daher entnervt: „Ja, kommen sie rein!“

Zu Alias Überraschung öffnete Riannas Vater, Otwin die Tür und trat herein. Er schien ziemlich aufgewühlt zu sein und man merkte, dass er ein Anliegen hatte, aber nicht schaffte, es vorzubringen.

Stattdessen kam ihm Darion zuvor und sagte: „Nein, Ich habe keine Neuigkeiten über den Verbleib eurer Tochter und wie ich bereits Gestern und am Tag davor und am Tag davor gesagt habe, werdet ihr die erste Person sein, der ich Bescheid gebe, wenn sich daran etwas ändert! Also erweist uns beiden den Gefallen und geht wieder euren Geschäften nach.“

Otwin verbeugte sich kurz und flüsterte kaum hörbar: „Ja, danke! Entschuldigt die Störung.“

„Ja ja!“, erwiderte Darion entnervt und deutete ihm mit der Hand, das er gehen soll.

„Wenn er morgen wieder hier auftaucht, werfe ich ihn eigenhändig in eine Zelle!“, schwor der Kommandant sich selbst, nachdem Otwin wieder den Raum verlassen hatte.

„Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Rianna verschwunden ist?“, fragte Alia, um ihre Freundin besorgt.

„Ha!“, lachte Darion kurz auf, „Weggelaufen würde es wohl eher treffen. Und seitdem ihr Vater mich deswegen, täglich aufsucht, kann ich sie sogar verstehen. Aber das Beste kommt jetzt erst! Sie ist nicht einfach so weggelaufen! Nein. Die Kleine hat sich einen Drachen geschnappt und ist mit ihm davon geflogen! Ich sag euch, hätte ich das Biest nicht vorher selbst gesehen, hätte ich Karl und Friedrich, die zusammen mit ihrem Bruder und dem Verlobten nach ihr suchen sollten, ein paar Tage zur Ausnüchterung in eine Zelle gesteckt. Die beiden sind dann auch einen Tag später ihr hinterher. Ich bezweifle allerdings, dass sie das Mädchen je wieder finden werden. Sie ist mit Sicherheit, sprichwörtlich schon über alle Berge hinweg. Die beiden werden wohl also für einige Zeit nicht zur Verfügung stehen. Naja was solls. Karl kann sich auf seine alten Tage nochmal über eine Interessante Aufgabe freuen und Friedrich kann von seiner Erfahrung nur profitieren! Auch wenn die Aussichten auf Erfolg eher sehr gering sind.“

Kaum hatte Darion seinen Satz beendet, war Alia auch schon aus der Tür gestürmt. Schulterzuckend nahm er es zu Kenntnis und hoffte nun endlich in Ruhe seine Mahlzeit zu sich nehmen zu können. Zu seinem Bedauern musste er jedoch feststellen, dass es mittlerweile kalt geworden war und schob den Teller frustriert zur Seite.

Unterdessen war Alia auf den Hof gelaufen. Sie sah sich hastig nach Otwin um und fand ihn, wie er gerade langsam zwischen den Häusern in einer Gasse verschwand. Sie eilte ihm hinterher, da sie wissen wollte, was der Grund für Riannas Verschwinden war.

„Otwin, wartet bitte!“, sagte sie, als sie ihn erreicht hatte. Der Krämer blieb stehen und drehte sich zu ihr um. Otwin schien noch beunruhigter wie eben zu sein. „Was ist mit Rianna geschehen? Wieso ist sie verschwunden?“

Es trieb ihm die Tränen in die Augen, als Alia dies fragte. „Ich bin geschehen!“, antwortete er Schluchzend, „Ich bin schuld das sie weg ist. Hätte ich meine Tochter doch nur nicht so bedrängt, dann wäre sie jetzt noch hier. Aber ich musste ja wieder meinen Dickschädel durchsetzten, weil ich glaubte, nur das Beste für sie zu wollen und merkte nicht, wie unglücklich ich sie damit mache.“ Dann drehte sich der Krämer wieder von Alia ab und ging weiter. Sie sah ein, dass er in seiner Melancholie nicht im Stande war, ihr eine klare Auskunft zu geben. Besorgt blickte sie der traurigen Gestalt hinterher und überlegte gleichzeitig, wo sie sonst ein paar Antworten bekommen könnte. Ihr fiel eine Möglichkeit ein und sie machte sich sogleich auf den Weg.

Kurze Zeit Später erreichte Alia die Stelle an der Riannas Versteck lag. Ohne darauf zu achten, dass sie jemand dabei sehen könnte, öffnete sie die Falltür. Es verschaffe ihr eine gewisse Erleichterung, als sie die leere Kiste darin entdeckte. „Zumindest ist sie nicht ganz schutzlos!“, dachte sich Alia und nahm den Brief, der als einziges zurückgeblieben war.

„Hallo Alia … mein Vater hat bestimmt, wen ich heiraten soll … habe mich mit jemandem angefreundet … Vielleicht können wir ja gemeinsam weiterreisen. Vorausgesetzt, dass ich mit ihm mithalten kann?“, las Alia laut vor und blieb an dieser Stelle des Briefes hängen. Sie rief sich nochmals Darions Worte ins Gedächtnis. Nach dem er erwähnt hatte, dass Rianna verschwunden sei, folgte sie dem Gespräch nur noch beiläufig.

 

„Also tatsächlich ein Drache?“, fragte Alia und bekam dies, durch ein Nicken von Riannas älterem Bruder bestätigt. Sie hatte ihn in seines Vaters Laden gefunden. Otwin selbst, war seit dem Verschwinden seiner Tochter nicht mehr hier gewesen, sodass Erick seither hier alles am Laufen hielt. „Und sie ist einfach mit ihm mitgegangen?“

„Entweder das, oder sie hätte wieder mit uns zurückkommen müssen! Aber ich hatte auch das Gefühl,  dass sie ihn auch so gefolgt wäre“, erwiderte Erick.

„Hmm“, grinste Alia amüsiert, „Das Mädchen ist immer wieder für eine Überraschung gut! Ich denke ihr solltet euch nicht zu viel sorgen machen. Ihr wird es mit Sicherheit gut gehen!“

„Deine Zuversicht in Ehren aber ich kann sie leider nicht teilen!“, erwiderte Erick leicht verstimmt, „… ich hoffe du hast Recht!“