Produktbeschreibung #
Der RevPi Flat bzw. der RevPi Flat S ist ein nicht-modularer 24-V-Industrie-PC für IIoT- und Automatisierungsprojekte auf Basis des Raspberry Pi Compute Module 4S. Aufgrund seiner flachen Bauform ist dieser RevPi für den Einbau in Unterverteilerschränken nachDIN EN 18012 geeignet.
Aufbau #
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Note
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Der Aufbau des RevPi kann je nach Variante abweichen. |
| Position | Komponente | Verwendung |
|---|---|---|
1 |
6 × Status-LED |
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2 |
Taster |
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3 |
2 × Arretierklammer |
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4 |
Micro-USB[1] |
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5 |
4 × RJ45 Ethernet |
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6 |
2 × USB A |
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7 |
Digitaler Ausgang (Relais-Kontakt) |
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8 |
POWER |
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9 |
Analoger Eingang / |
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10 |
RS485-0 |
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11 |
RS485-1 |
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12 |
RP-SMA-Buchse |
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13 |
Lüftungsschlitze |
Varianten #
RevPi Flat S #
| Artikelnr. | RAM | eMMC | Micro-USB |
|---|---|---|---|
100371 |
1 GB |
32 GB |
✔ |
RevPi Flat #
| Artikelnr. | RAM | eMMC | Micro-USB |
|---|---|---|---|
100330 |
1 GB |
8 GB |
–[2] |
Verfügbare Varianten siehe Revolution Pi Shop.
Kompatibilität #
Lieferumfang #
Im Lieferumfang enthalten sind
-
RevPi Flat S bzw. RevPi Flat (nicht-modulares Basismodul)
-
2-poliger Stecker POWER
-
5-poliger Stecker ANALOG
-
3-poliger Stecker RS-485-0
-
2-poliger Stecker für Relais-Kontakt
-
Beiblatt
Montage und Anschluss #
Der RevPi wurde für den Einsatz in einem Schaltschrank entwickelt. Beachte die Vorgaben für den bestimmungsgemäßen Gebrauch und alle Sicherheitshinweise.
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Warning
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Lebensgefahr durch elektrischen Schlag
Bei Arbeiten an Geräten im Schaltschrank unter Beteiligung von 230-V-Netzspannung besteht tödliche Stromschlaggefahr. ▷ Arbeiten im Schaltschrank nur von Elektrofachkräften durchführen lassen. ▷ Vor allen Arbeiten im Schaltschrank die Spannungsversorgung ordnungsgemäß abschalten. |
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Caution
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Beschädigung des Geräts durch Überhitzung
Die Umgebungstemperatur im Schaltschrank darf die maximal zulässige Betriebstemperatur nicht überschreiten. ▷ Lüftungsschlitze freihalten. ▷ Installationsabstände einhalten. ▷ Gerät senkrecht montieren. ▷ Geräte mit starker Eingangsleistung nicht direkt nebeneinander platzieren. ▷ Staub und Schmutz in der Umgebung des Geräts regelmäßig entfernen. |
Führe die Montage und den Anschluss in folgender Reihenfolge aus:
-
Montiere den RevPi auf einer Hutschiene.
-
Schließe alle sonstigen Geräte wie Sensoren und Aktoren an. Die Schnittstellen, die dir dafür zur Verfügung stehen, findest du im Abschnitt Aufbau.
-
Schließe zuletzt die Spannungsversorgung an.
Spannungsversorgung anschließen #
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Warning
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Lebensgefahr durch elektrischen Schlag
Bei Arbeiten an Geräten im Schaltschrank unter Beteiligung von 230-V-Netzspannung besteht tödliche Stromschlaggefahr. ▷ Arbeiten im Schaltschrank nur von Elektrofachkräften durchführen lassen. ▷ Vor allen Arbeiten im Schaltschrank die Spannungsversorgung ordnungsgemäß abschalten. |
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Caution
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Beschädigung des Geräts durch unzulässige Spannungsversorgung
▷ Maximale Spannungsversorgung von 28,8 V DC beachten. ▷ Nur den mitgelieferten Stecker und ein geeignetes Netzteil verwenden. ▷ Beim Anschluss auf korrekte Polung achten. ▷ Eine stabile Spannungsversorgung sicherstellen. |
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Caution
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Beschädigung des Geräts durch Montage unter Spannungsversorgung
Während das RevPi Gerät mit einer Spannungsquelle verbunden ist, dürfen keine anderen Geräte angeschlossen oder getrennt werden, da dies zu Schäden an den Geräten führen kann. ▷ Spannungsversorgung erst anschließen, wenn alle anderen Geräte korrekt verbunden sind. ▷ Spannungsversorgung abschalten, bevor ein Gerät vom System getrennt wird. |
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Caution
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Beschädigung der Gerätesoftware durch Trennung von der Spannungsversorgung
Wenn das Gerät im Betrieb von der Spannungsversorgung getrennt wird, kann es zur Zerstörung des File‑Systems des eMMC-Speichers kommen. Das Gerät kann dann nicht mehr gebootet werden. ▷ Gerät ordnungsgemäß herunterfahren, bevor es von der Spannungsversorgung getrennt wird. |
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Caution
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Beschädigung des Geräts durch unterschiedliche Erdungen
▷ Alle Anschlüsse auf den gleichen System-Ground beziehen. ▷ Externe Spannungseingänge oder -ausgänge mit unterschiedlichen Erdungen extern verbinden. |
Für die Spannungsversorgung ist eine Verkabelung über den POWER-Stecker notwendig.
Du benötigst:
✓ Ein Netzteil (min. 20 W, z. B. Hutschienen-Schaltnetzteil, Artikelnr. 200003)
✓ Ausreichend Kabel (Querschnitt 0,35 … max. 2,5 mm²)
✓ Abisolier- und Crimpzange
✓ Bei Verwendung von Litzen die zum Kabel passende Aderendhülsen
✓ Einen kleinen Schlitzschraubenzieher
▷ Trenne alle ggf. angeschlossenen Geräte von ihrer Spannungsversorgung.
▷ Schließe die Spannungsversorgung entsprechend folgender Pinbelegung an:
| Pin | Belegung |
|---|---|
24V |
24-V-Einspeisung, zwischen 10,7 … 27,8 V |
GND |
0-V-Einspeisung |
Zugriff auf das Gerät #
Der Zugriff auf den RevPi erfolgt in zwei Schritten:
Installiere alle verfügbaren Updates, sobald der RevPi mit dem Internet verbunden ist, damit das System bei sicherheitsrelevanten Features immer auf dem aktuellen Stand ist.
Siehe auch:
Konfiguration #
Die Konfiguration des RevPi erfolgt in zwei Schritten:
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Note
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CODESYS und PiCtory können für die Konfiguration nicht parallel verwendet werden. Eine bestehende Konfiguration über PiCtory wird von einer Konfiguration über CODESYS überschrieben. Die virtuellen Geräte OPC UA Server und MQTT Client können nur über PiCtory verwendet werden. |
Parametrierung #
Folgende Parameter, Eingänge (INP), Ausgänge (OUT) und Memory-Variablen (MEM), können konfiguriert werden:
AIn (INP) #
Zeigt den Eingangswert des analogen Eingangs an.
AIn_Status (INP) #
Zeigt den Status des analogen Eingangs an.
AOut_Status (INP) #
Zeigt den Status des analogen Ausgangs an.
Core_Temperature (INP) #
Zeigt die CPU-Temperatur als Integer-Wert in Grad Celsius (°C) an.
Core_Frequency (INP) #
Zeigt die CPU-Frequenz in MHz / 10 an, z. B. 2400 MHz = Wert 240.
Top_Button (INP) #
Zeigt den Eingangswert des Tasters an.
RevPiLED (OUT) #
Über RevPiLED können die frei programmierbaren LEDs angesteuert werden, siehe LEDs konfigurieren.
| Bit | Komponente | Statusinformation |
|---|---|---|
2:0 |
LED A1 |
000 = aus |
AOut (OUT) #
Zeigt den Ausgangswert für den analogen Ausgang an.
DOut (OUT) #
Zeigt den Ausgangswert für den digitalen Ausgang an.
AInMode (MEM) #
Ist der Modus für den analogen Eingang:
-
Voltage 0 - 10V für Spannungsmessung
-
Current 0 - 20mA für Strommessung
Serielle Schnittstelle RS485 #
Der RevPi Flat verfügt über zwei RS485-Schnittstellen. Dadurch kannst du serielle Protokolle wie Modbus verwenden und Geräte wie Smart-Meter oder Solarwechselrichter in dein Revolution Pi System einbinden.
Die Schnittstellen sind mit RS485-0 und RS485-1 bezeichnet. Beide Schnittstellen sind untereinander und jeweils vom RevPi galvanisch getrennt.
Unter Linux sind die Schnittstellen ansprechbar mit:
-
ttyAMA0(RS485-0) -
ttyS0(RS485-1)
RS485-0
RS485-0 liegt auf einer 3-poligen Klemme. Die Datenleitungen sind mit P (positive) und N (negative) bezeichnet. Bei anderen Geräten werden diese Leitungen auch häufig D+ und D- oder A und B bezeichnet.
Für die eigentliche Datenübertragung werden nur die Leitungen N und P benötigt. Verwende bei größeren Leitungslängen oder Baudraten ein verdrilltes Pärchen.
RS485-1
Für RS485-1 steht eine RJ11-Buchse zur Verfügung.
| Pin | Beschaltung |
|---|---|
1 |
— |
2 |
GND |
3 |
Negativ |
4 |
Positiv |
5 |
GRD |
6 |
— |
Bezugspotential
Falls ein Bezugspotenzial notwendig sein sollte, kannst du die elektrische Schaltungsmasse GND vom jeweiligen RS485-Bus dazu verwenden. Da die beiden RS485-Systeme über eine vollständige galvanische Trennung untereinander und zur restlichen RevPi Flat Schaltung verfügen, sind diese GND-Anschlüsse auch untereinander sowie vom RevPi Flat GND‑Anschluss galvanisch getrennt.
Schirmung
Leitungen mit einer Länge über 30 Metern oder Leitungen, die das Gebäude verlassen, sollten geschirmt sein. Um die EMV-Eigenschaften des Schirmes noch zu verbessern, kannst du bei Bedarf den Schirm mit der Potenzialausgleichsschiene des Verteilerkastens verbinden. Eine solche Verbindung lässt sich einfach mit einer Kontakt-Rollfeder herstellen.
Bitraten
Von Linux aus werden die Schnittstellen über die Character Devices /dev/ttyAMA0 und /dev/ttyS0 angesprochen. Du kannst Bitraten von 50 bis 3.000.000 für /dev/ttyAMA0 und von 1.200 bis 4.000.000 für /dev/ttyS0 konfigurieren. Allerdings kann es bei mehr als 230.400 Bit zu gelegentlichen Empfangsfehlern kommen. Das liegt daran, dass der UART des Raspberry Pi, an den die Schnittstelle angeschlossen ist, nur eine 16-Byte-kleine FIFO hat und kein DMA unterstützt. Je höher die Bitrate, desto häufiger passiert es, dass die FIFO nicht schnell genug ausgelesen wird und empfangene Daten verloren gehen. Beispielsweise kommt es bei 460.800 Bit zu 1-2 Fehlern pro empfangenen 50 MByte, bei 921.600 Bit zu rund 10 Fehlern. Wenn dein RevPi Flat vorwiegend Daten sendet und nur selten empfängt, kannst du bedenkenlos auch höhere Bitraten verwenden, ansonsten empfehlen wir dir aber, nicht mehr als 230.400 Baud einzustellen.
Terminierungswiderstand aktivieren
✓ Der integrierte 120-Ω-Abschlusswiderstand der RS485-Schnittstelle ist nach einem Neustart ausgeschaltet.
▷ Logge dich über ein Terminal am RevPi ein.
▷ Checke das Git-Repository des Kommandozeilen-Tools rs485_config aus GitLab aus mit dem Befehl:
git clone https://gitlab.com/revolutionpi/rs485_config.git
▷ Baue das Tool mit dem Befehl:
cd rs485_config; make
▷ Aktiviere den Widerstand mit dem Befehl:
./rs485_config <SERDEV> --set-bus-term
Ersetze dabei <SERDEV> durch den Namen der Schnittstelle, z. B. /dev/ttyRS485.
▷ Prüfe, ob der Widerstand aktiviert wurde, indem du dir die Einstellungen der RS485-Schnittstelle anzeigen lässt mit dem Befehl:
./rs485_config <SERDEV>
❯❯ Wenn der Widerstand aktiviert ist, wird Bus termination: Yes ausgegeben.
Ethernet-Schnittstellen RJ45 #
Der RevPi verfügt über zwei 10/100-Ethernet-Schnittstellen mit einer bzw. drei RJ45-Buchsen für zwei bzw. vier unabhängige MAC-Adressen. Bei aktiver Autonegotiation unterstützen sie Halb- und Vollduplex.
Je Schnittstelle steht eine Übertragungsrate von 100 MBit/s zur Verfügung. Alle Ethernet-Schnittstellen sind mit dem internen USB-Hub verbunden. Da sich USB-Schnittstellen und Ethernet-Schnittstellen eine USB-Bandbreite teilen, kann sich die Übertragungsrate verringern, wenn zusätzliche USB-Geräte angeschlossen sind.
LAN 0
Die MAC-Adresse für LAN 0 ist auf der Vorderseite des Gehäuses aufgedruckt. Unter Linux lässt sich die Schnittstelle mit eth0 ansprechen.
LAN 1 (Switch) bzw. LAN 1 … LAN 3
Über die drei RJ45-Buchsen für LAN1 können bis zu drei weitere Geräte mit einem Netzwerk verbunden werden. Sie sind mit dem internen USB-Hub über einen 1:3-Switch verbunden. Die MAC-Adresse für LAN 1 ist auf der Vorderseite des Gehäuses aufgedruckt. Unter Linux lässt sich die Schnittstelle mit eth1 ansprechen.
Über DSA können die drei Anschlüsse für LAN 1 auf unabhängige MAC-Adressen aufgeteilt werden. Der Speicherort für die MAC-Adressen ist /boot/config.txt.
Sofern in dieser Datei keine Adressen eingetragen sind bzw. nachdem ein neues Image aufgespielt wurde, werden die werkseitigen MAC-Adressen verwendet.
WLAN und BT #
WLAN-Schnittstelle
✓ RevPi Basismodul mit WLAN-Schnittstelle
✓ DHCP-fähiger WLAN-Router
▷ Richte die WLAN-Verbindung über den NetworkManager ein.
BT-Schnittstelle
Über die gleiche SMA-Buchse wie für die WLAN-Schnittstelle ist auch eine BT‑Schnittstelle[4] vom Standard 5.0 verfügbar.
▷ Aktiviere BT über Cockpit, um um Bluetooth-Peripheriegeräte wie Tastatur oder Audiogeräte mit dem RevPi verbinden zu können.
Siehe auch:
USB-Schnittstellen #
Der RevPi verfügt über zwei USB-A-Schnittstellen. Damit können USB-2.0-Client-Geräte wie USB-Festplatten, Surfsticks, Tastatur oder Maus angeschlossen werden.
Die Leistungsaufnahme der angeschlossenen Geräte darf 2,5 W (500 mA @ 5 V) pro Port nicht überschreiten. Bei Überlast wird der Strom an der entsprechenden USB-Schnittstelle abgeschaltet.
Die USB-Schnittstellen teilen sich mit den zwei Ethernet-Schnittstellen und einer Bluetooth-Schnittstelle einen USB-Hub auf dem RevPi. Dadurch kann die maximale Bandbreite beeinflusst werden.
Die USB-Schnittstelle ist für maximal 64-DAM-basierte USB-Geräte geeignet.
Die USB-Geräte, die an den USB-Hub angeschlossen sind, kannst du mit folgendem Befehl anzeigen lassen:
pi@RevPi0000:~ $ lsusb -t
/: Bus 01.Port 1: Dev 1, Class=root_hub, Driver=dwc_otg/1p, 480M
|__ Port 1: Dev 2, If 0, Class=Hub, Driver=hub/5p, 480M
|__ Port 1: Dev 3, If 0, Class=Vendor Specific Class, Driver=smsc95xx, 480M
|__ Port 4: Dev 4, If 0, Class=Vendor Specific Class, Driver=smsc95xx, 480M
|__ Port 5: Dev 5, If 0, Class=Vendor Specific Class, Driver=ftdi_sio, 12M
Digitaler Ausgang (Relais-Kontakt) #
Über den digitalen Ausgang kannst du beispielsweise externe Geräte ein- und ausschalten. Er ist als potenzialfreier Relaiskontakt ausgeführt. Die Steuerung erfolgt also über eine mechanische Verbindung der Pins.
Der Relais-Kontakt darf mit maximal 30 V DC oder 24 V AC und 2 A belastet werden.
Dem Relaiskontakt ist eine Suppressordiode parallelgeschaltet, um die Schaltfunken zu reduzieren, die beim Schalten von induktiven Lasten entstehen. Dadurch wird der Verschleiß reduziert. Eine externe Freilaufdiode oder Ähnliches wird nicht benötigt.
Ansteuerung über piTest
Über piTest kannst du mit der Option -w das Relais schalten:
▷ Aktiviere das Relais mit dem Befehl
piTest -w DOut,1
▷ Deaktiviere das Relais mit dem Befehl
piTest -W DOut,0
Direktansteuerung
Für die Direktansteuerung des Relais über Betriebssystemfunktionen kannst du das Programm gpio verwenden. Hier musst du zunächst den entsprechenden GPIO-Pin, in diesem Fall Pin 28, als Ausgang schalten. Danach kannst du den Ausgang mit 1 für Einschalten und 0 für Ausschalten setzen. Folgendes Beispiel zeigt die entsprechende Befehlsabfolge:
▷ Setze den Pin als Ausgang mit dem Befehl
gpio mode 28 out
▷ Schalte den Ausgang ein mit dem Befehl
gpio write 28 1
▷ Schalte den Ausgang aus mit dem Befehl
gpio write 28 0
Analoge Ein- und Ausgänge #
Der RevPi verfügt über einen analogen Eingang und einen analogen Ausgang am 5-poligen Stecker ANALOG.
Analoger Eingang
Mit dem analogen Eingang kann entweder Spannung oder Strom gemessen werden.
-
U IN: Spannungsmessung 0 … 10 V DC
-
I IN: Strommessung 0 … 20 mA DC
Strom- und Spannungseingang dürfen nicht gleichzeitig beschaltet sein, ansonsten wird das Messergebnis verfälscht.
Der Strom wird über einen internen 240-R-Widerstand in eine proportionale Spannung umgewandelt.
Der dafür verwendete Analog-Digital-Konverter (ADC) MCP3550-50 bietet eine hohe nutzbare Auflösung von 21 Bit, benötigt jedoch mit 85 Millisekunden pro Messung vergleichsweise lang.
Es gibt zwei Wege, um auf die Schnittstellen zuzugreifen: entweder durch Lesen und Beschreiben des Linux sysfs oder über unser RevPi Konfigurationstool PiCtory und das Softwaretool piTest, mit dem du auf das Prozessabbild des Systems zugreifen kannst. Im Folgenden beschreiben wir beide Methoden getrennt für Input und Output.
Werte auslesen mit Linux sysfs
Spannung 0 … 10 V auslesen:
▷ Gib folgenden Befehl ein, um den Eingangswert des ADC zu erhalten:
cat /sys/bus/iio/devices/*/in_voltage0*
▷ Konvertiere den ausgelesenen Rohwert in in_voltage0-voltage1_raw mit der Formel (($raw * 12500) >> 20) + 12500, um die Spannung in mV zu erhalten.
Strom 0 … 20 mA auslesen:
✓ Der Strom sollte auf dem Port I IN zur Verfügung stehen.
▷ Dividiere die ausgelesene Spannung (s. o.) durch einen Widerstand von 240 Ohm, um den Strom in mA zu erhalten.
Werte auslesen mit piTest
Du kannst den Strom-/Spannungsmodus für den RevPi Flat in PiCtory mit der Variablen AInMode konfigurieren:
-
AInMode Voltage 0-10V (Standard)
-
AInMode Current 0-20mA
▷ Lese den Strom- oder Spannungswert aus durch Eingabe von
piTest -r AIn
Analoger Ausgang
Am analogen Ausgang kannst du Aktoren wie Frequenzumrichter anschließen. Er kann eine Spannung zwischen 0 und 10 V ausgeben.
Der dafür verwendete Digital-Analog-Konverter (DAC) DAC121S101 hat eine Auflösung von 12 Bit.
Werte eingeben mit Linux sysfs
▷ Gib folgenden Befehl ein, um den Wert in den DAC einzugeben:
echo 2047 | sudo tee /sys/bus/iio/devices/*/out_voltage0_raw
▷ Gib einen Wert zwischen 0 und 4095 in den DAC in out_voltage0_raw ein, um eine Spannung zwischen 0 und 10 V auszugeben.
Werte eingeben mit piTest
▷ Gib den Analogwert in mV in die Variable AOut ein, z. B. 5000 mV für den Analogausgang:
piTest -w AOut,5000
Weitere Informationen zur Implementierung
Softwareseitig werden der DAC121S101 und MCP3550-50 wie IIO-Module behandelt, deren Schnittstelle in sysf als /sys/bus/iio/devices/ ausgeführt ist.
Nachdem die Konverter erfolgreich registriert sind, erscheint das Kernelprotokoll.
pi@RevPi0000:~ $ dmesg | grep "spi.*consumer
[ 4.461004] mcp320x spi0.1: Linked as a consumer to regulator.1
[ 5.747592] ad5446 spi0.0: Linked as a consumer to regulator.2
Dem Ordner sysfs werden zwei Unterordner für die Konverter als /sys/bus/iio/devices/iio:deviceX hinzugefügt. Dabei kannst du X zur Unterscheidung der Konverter verwenden. Die Reihenfolge hängt von der Registrierung der Geräte ab und hat daher keine feste Zuordnung. Die Zuordnung wird jedoch ersichtlich, wenn du dir den Inhalt der Ordner anschaust. Der Ordner mit den Dateien out_voltage ist das Ausgabe- und damit das DAC-Modul. Der Ordner mit den Dateien in_voltage ist das Eingabe- und damit das ADC-Modul.
Bei der Methode mit piTest behält piControl diese Werte dauerhaft im Prozessabbild, und du kannst die Werte mit piTest lesen und beschreiben.
Siehe auch:
Trusted Platform Module (TPM) #
Der RevPi ist mit einem Trusted Platform Module Infineon OPTIGA™ TPM SLB 9670 ausgestattet. Es erfüllt die Anforderungen von TPM 2.0.
Unter Linux kannst du das Modul mit /dev/tpm0 ansprechen.
Watchdog #
Der RevPi verfügt über zwei unabhängige Watchdogs. Der erste Watchdog ist Teil des BCM2837 SoC, welcher auch auf dem Raspberry Pi 3 eingesetzt wird. Der zweite ist der externe Watchdog-Baustein Maxim MAX6370.
BCM2837
Der Watchdog des BCM2837 ist der bevorzugte Watchdog, da er sich so wie andere Watchdogs unter Linux verhält. Du kannst ihn sowohl über die Gerätedatei /dev/watchdog0 als auch als Standard-Watchdog über die Gerätedatei /dev/watchdog erreichen.
MAX6370
Der MAX6370 ist über die Gerätedatei /dev/watchdog1 erreichbar.
Um ihn zu aktivieren, muss der GPIO4 einmalig auf High gesetzt werden. Allerdings lässt er sich über diesen GPIO nicht mehr deaktivieren. Für die Aktivierung über die Kommandozeile kannst du das gpiod‑Tool verwenden:
gpioset -m time -u 1000 pinctrl-bcm2835 4=1
gpiod-Paket
Der Befehl gpioset ist Teil des gpiod‑Pakets. Wenn dies nicht installiert ist, kannst du es selbst installieren mit:
sudo apt install gpiod
Wenn du den GPIO aus deiner Anwendung heraus bedienen willst, ist die libgpiod richtig für Dich. Diese stellt auch ein Python‑Interface zur Verfügung.
Du benötigst dann folgende Pakete:
-
libgpiod‑dev -
libgpiod2 -
python3‑libgpiod
Der Timeout des MAX6370 ist fest auf 60 Sekunden eingestellt und kann nicht verändert werden.
Nach Aktivierung kann der Watchdogs MAX6370 nur durch das Trennen der Stromversorgung deaktiviert werden. Ein Neustart deaktiviert den Watchdog nicht. Das bedeutet, dass ein Neustart bei aktivem Watchdog nicht länger als 60 Sekunden benötigen darf, da sonst einen Reset der Hardware durchgeführt wird.
Watchdog unter Linux
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Watchdog unter Linux zu verwenden. Revolution Pi und Raspbian Pi setzen auf systemd. Dies ist somit auch die bevorzugte Methode, um den Watchdog zu verwenden. systemd kann verwendet werden, um einen Hardware‑Watchdog zu triggern. Anwendungen, die durch den Watchdog überwacht werden sollen, werden dann von systemd überwacht. Dies hat den Vorteil, dass mehrere Anwendungen überwacht werden können. Folglich muss auch nicht zwingend das ganze System neu gestartet werden, sondern nur die einzelne Anwendung.
Siehe auch:
Frei konfigurierbarer Taster #
Der RevPi verfügt über einen frei konfigurierbaren Taster. Der Eingangswert des Tasters kann über GPIO13 ausgewertet und dann für bestimmte Aktionen verwendet werden, z. B. zum kontrollierten Herunterfahren des RevPi.
Im PiCtory Value Editor wird der Eingangswert des Tasters unter Top_Button angezeigt.
Der Taster kann per Software auf die gleiche Art wie eine Tastatureingabe abgefragt werden. Dabei wird der Tastencode KEY_UNKNOWN verwendet (entspricht Wert 240).
Technische Daten #
Artikelnr.: 100371
Gehäuseabmessungen (H × B × T) |
90 × 106 × 70 mm |
Gehäusevariante |
Hutschienengehäuse für TH35 gemäß DIN EN 60715 |
Gehäusematerial |
Polycarbonat |
Gewicht |
Ca. 256 g (inkl. Stecker) |
Schutzart |
IP20 / NEMA Class 1 |
Spannungsversorgung |
Typ. 24 V DC (12,0 … 28,8 V DC), verpolungssicher |
Maximale Leistungsaufnahme |
11 W (inkl. 5 W USB) |
Zulässige Betriebstemperatur |
-20 … +55 °C |
Zulässige Lagertemperatur |
-40 … +85 °C |
Max. relative Luftfeuchtigkeit (bei 40 °C) |
93 % (keine Betauung) |
Schnittstellen |
|
Steckverbinder |
2-, 3- und 5-polige Schraub-/Klemmverbinder |
Prozessor |
Broadcom BCM2711 mit Quad-Core-Prozessor Arm Cortex-A72 |
Taktfrequenz |
1,5 GHz |
Prozessorkühlung |
Passiv mit Kühlkörper |
RAM |
1 GB |
Flash-Speicher |
32 GB |
Trusted Platform Module |
TPM 2.0 Infineon OPTIGA™ TPM SLB 9670 |
Anzahl der digitalen Ausgänge |
1 |
Typ des Ausgangs |
Potenzialfreier Relais-Kontakt |
Maximale Schaltleistung des Ausgangs |
2 A @ 30 V DC |
Anzahl der analogen Eingänge |
1 |
Typ des analogen Eingangs |
0 … 10 V DC oder 0 … 20 mA, single-ended, 16 Bit mit piControl, 21 Bit als Rohwert |
Anzahl der analogen Ausgänge |
1 |
Typ des analogen Ausgangs |
0 … 10 V DC, kurzschlussfest, Schutz gegen Rückspeisung (max. +Ub = 28,8 V), 12-Bit-Auflösung, Verstärkungsfehler 3 % vom Messwert, Offset-Fehler +/-50 mV |
Maximale Strombelastung des Ausgangs |
10 mA (10 V DC @ 1k) |
Softwareanbindung der Ein- und Ausgänge |
Über GPIOs sowie Prozessabbild |
EMV-Störaussendung |
Gemäß EN 61000-6-4 |
EMV-Störfestigkeit |
Gemäß EN 61000-6-2 |
Pufferzeit RTC |
Min. 24 h |
Optische Anzeige |
6 Status LEDs (2-farbig), davon 5 LEDs frei programmierbar |
Konformität |
CE, RoHS, UKCA |