Irgendwie ist es eine merkwürdige Zeit. Zweieinhalb weltbewegende Dinge passieren gleichzeitig, und deren Bewertung in der öffentlichen Meinung gibt zu denken.
Erst eine Kette von Aufständen und Revolutionen in der bislang fast durchweg stramm autokratisch geführten arabischen Welt. Die Welt hält den Atem an, hofft meistenteils, dass die Aufstände erfolgreich sein werden und hält sich nach Möglichkeit raus. Während in Libyen der Bürgerkrieg hochkocht und alle befürchten, Gaddafi werde die Aufständischen abservieren, bevor die Welt sich zum Eingreifen durchringen kann, wird Japan erst vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte getroffen und dann von einem außergewöhnlich schweren Tsunami. Tausende kommen ums Leben, zehntausende sind vermisst, Hunderttausende obdachlos. Eine humanitäre Katastrophe, mit der sogar das hochentwickelte Japan nicht ohne weiteres fertigwird.
Soweit, so schlimm. Wir schieben also die arabischen Revolten auf die zweite Seite und schauen vor allem nach Japan. (Das arme und unterentwickelte, nach dem Erdbeben vom Januar 2010 immer noch nicht einmal ansatzweise wiederaufgebaute Haiti ist schon längst vergessen.)
Erdbeben und Tsunami haben auch das Atomkraftwerk Fukushima I getroffen. Die Notabschaltung hat zwar funktioniert, aber der Tsunami hat die ganzen Kühlsysteme plattgemacht, und die Reaktoren fangen an zu überheizen. Es kommt zu Explosionen und offensichtlich teilweise zur Kernschmelze. Radioaktivität tritt aus, man kämpft immer verzweifelter gegen den Super-GAU, und die Erfolgsaussichten sind nicht rosig. Es stellt sich heraus, dass die Betreibergesellschaft die Wartungsprotokolle immer wieder gefälscht hatte und die Anlagen viel vergammelter sind, als man sich das in einem Land hätte vorstellen können, das immer mit Disziplin und Sorgfalt in Verbindung gebracht wird. Die Meiler sind jedenfalls am Trockenkochen, ein zweites Tschernobyl wird denkbar. Die Welt hält den Atem an.
In Deutschland kocht derweil die Hysterie hoch. Weil: Weiterlesen „Erdbeben, Kernkraft und Revolten“