Ins Blaue

Der letze Beitrag ist jetzt eine Woche her. Es gab hier schon deutlich längere Pausen, aber trotzdem sollte ich wahrscheinlich wieder mal in die Tasten greifen. Einen aufrüttelnden Artikel schreiben, eine witzige Begebenheit mitteilen oder mich angemessen über irgendwas echauffieren. Aber mir fällt nichts wirklich Berichtenswertes ein. Zum Weltgeschehen habe ich mich neulich schon geäußert, und dies soll weder eine Nachrichtenseite noch ein Polit-Feuilleton sein. Und bloß weil alle über x oder y schreiben, muss ich das nicht auch machen. Schon gar nicht, wenn ich keinen wesentlich neuen Gedanken zum Thema beizutragen habe. Wenn ich als tausendunderster Blogger denselben Mist nochmal aufgieße bringt das niemandem etwas. Dann müsste ich mir also doch was Eigenes ausdenken. Aber was?

Das ist jetzt ein Dilemma: Einerseits ist es nicht gut, um des Schreibens willen irgendwelchen Schrott rauszuhauen. Das machen sowieso viel zu viele, und so Zeug nervt meistens. Andererseits soll man Weiterlesen „Ins Blaue“

Alles neu macht der Mai

Eigentlich ist die Gliederung des Jahres in Monate ja ganz schön merkwürdig. Manche Monate sind 31 Tage lang, andere 30, und einer hat meistens 28 Tage und manchmal 29. Dass man Schaltjahre benötigt, um die 365,2425 Tage des Jahres so abzubilden, dass der Tagesanfang sich nicht jedes Jahr um einen Vierteltag verschiebt, sondern stabil auf Mitternacht bleiben kann, leuchtet ein. Daran würde ich gar nicht rütteln wollen. Aber die Monate. Immer abwechselnd 31 und 30 Tage, nur einmal folgen zwei lange Monate aufeinander. Und der ganz kurze Monat beliebig dazwischengesteckt. Das ist so unlogisch und unordentlich.

Ich plädiere für eine Neuordnung des Kalenders. Es gäbe Weiterlesen „Alles neu macht der Mai“

Nai hämmer gsait

Anlässlich der Katastrophe in Fukushima wird jetzt gern von einer Zäsur gesprochen. Alles habe sich geändert, heißt es, und der Atomausstieg ist neuerdings wieder in Mode. Sogar hartgesottene Befürworter der Kernkraft wie Volker Kauder denken um. Aber hat sich wirklich etwas geändert? Die Kernkraftwerke in der Welt sind jetzt nicht sicherer oder unsicherer als vor dem Erdbeben in Japan. Die Sicherheitsanforderungen sind jetzt nicht weniger angemessen oder unzulänglich als vorher. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein schweres Erdbeben oder ein Tsunami ereignet, dürfte auch grundsätzlich unverändert sein. So gesehen hat sich nichts geändert, es gibt jetzt nicht mehr Grund zur Panik als vorher.

Was sich geändert hat ist die Wahrnehmung. Die Mehrheit der Kernkraftbefürworter hätte das, was jetzt in Fukushima passiert ist, überhaupt nicht für möglich gehalten. Man hat gedacht, dass die Kraftwerke so ausgelegt sind, dass sie die zu erwartenden Naturkatastrophen auch aushalten. Gerade Japan hat ja auch erheblichen Aufwand getrieben, um das Land soweit wie möglich erdbeben- und tsunamifest zu machen. Außerdem hat man angenommen, dass die Sicherheitsrichtlinien angemessen sind und ihre Einhaltung von den zuständigen Behörden überwacht wird.

Dass ausgerechnet in Japan – quasi dem Mutterland der Gewissenhaftigkeit – so blatant gepfuscht wurde, hätte niemand zu träumen gewagt. Man stelle sich das vor: Weiterlesen „Nai hämmer gsait“

Datümer

Beim Übersetzen begegnen mir immer wieder kuriose Texte. Gerade von Software-Entwicklern verfasste Dokumentation ist eine unerschöpfliche Quelle von Stilblüten. Vor kurzem ist mir zum Beispiel das schöne Wort Datümer begegnet. Das kam so daher:

Sie können einzelne Beginn- und Endedatümer eingeben oder Intervalle für diese Datümer erfassen.

Grundsätzlich finde ich es durchaus sinnvoll, für Daten (in der Bedeutung „Zahlenmaterial im weitesten Sinn“) und Daten (Plural von Datum) zwei unterschiedliche Wörter zu haben. Die Unterscheidung kann manchmal schon wichtig sein, gerade wenn es um die Konfiguration von Software geht, in der beide Sorten Daten vorkommen. Auf Englisch gibt es dafür sinnvollerweise data und dates. Auf Deutsch kann man diese Unterscheidung nicht so ohne weiteres eindeutig und lesbar wiedergeben.

Wenn sich der Sinn nicht sowieso aus dem Kontext ableiten lässt, muss man Weiterlesen „Datümer“

Erdbeben, Kernkraft und Revolten

Irgendwie ist es eine merkwürdige Zeit. Zweieinhalb weltbewegende Dinge passieren gleichzeitig, und deren Bewertung in der öffentlichen Meinung gibt zu denken.

Erst eine Kette von Aufständen und Revolutionen in der bislang fast durchweg stramm autokratisch geführten arabischen Welt. Die Welt hält den Atem an, hofft meistenteils, dass die Aufstände erfolgreich sein werden und hält sich nach Möglichkeit raus. Während in Libyen der Bürgerkrieg hochkocht und alle befürchten, Gaddafi werde die Aufständischen abservieren, bevor die Welt sich zum Eingreifen durchringen kann, wird Japan erst vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte getroffen und dann von einem außergewöhnlich schweren Tsunami. Tausende kommen ums Leben, zehntausende sind vermisst, Hunderttausende obdachlos. Eine humanitäre Katastrophe, mit der sogar das hochentwickelte Japan nicht ohne weiteres fertigwird.

Soweit, so schlimm. Wir schieben also die arabischen Revolten auf die zweite Seite und schauen vor allem nach Japan. (Das arme und unterentwickelte, nach dem Erdbeben vom Januar 2010 immer noch nicht einmal ansatzweise wiederaufgebaute Haiti ist schon längst vergessen.)

Erdbeben und Tsunami haben auch das Atomkraftwerk Fukushima I getroffen. Die Notabschaltung hat zwar funktioniert, aber der Tsunami hat die ganzen Kühlsysteme plattgemacht, und die Reaktoren fangen an zu überheizen. Es kommt zu Explosionen und offensichtlich teilweise zur Kernschmelze. Radioaktivität tritt aus, man kämpft immer verzweifelter gegen den Super-GAU, und die Erfolgsaussichten sind nicht rosig. Es stellt sich heraus, dass die Betreibergesellschaft die Wartungsprotokolle immer wieder gefälscht hatte und die Anlagen viel vergammelter sind, als man sich das in einem Land hätte vorstellen können, das immer mit Disziplin und Sorgfalt in Verbindung gebracht wird. Die Meiler sind jedenfalls am Trockenkochen, ein zweites Tschernobyl wird denkbar. Die Welt hält den Atem an.

In Deutschland kocht derweil die Hysterie hoch. Weil: Weiterlesen „Erdbeben, Kernkraft und Revolten“

Petzi rettet Prinzessin Nana

Neulich war ich mit den Kindern wieder in der Kinderbibliothek. Wie immer haben die beiden mir  hochbegeistert einen riesigen Stapel Bücher angeschleppt. So gehört das, ohne Bücher kann man nicht leben! Allerdings muss ich das ganze ein bisschen deckeln, weil ich das Zeug sonst aus Gewichtsgründen gar nicht nach Hause kriege.

Viele schöne, neue Bücher also. Auch dabei: „Petzi rettet Prinzessin Nana“. Die Petzi-Bücher sind mir schon mehrmals unangenehm aufgefallen, weil da so vieles nicht stimmt. In der Pixi-Buch-Version von „Petzi und die Hühner“ etwa Weiterlesen „Petzi rettet Prinzessin Nana“

Deutschland schafft sich ab

Diskussionen um die Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz haben die Deutsch-ins-Grundgesetz-Befürworter immer wieder das Argument gebracht, die Grundgesetzänderung sei eher symbolisch und bleibe de facto wirkungslos. Darum könne man den Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ getrost ins Grundgesetz schreiben, das schade niemandem. Die Bedenken, dass dieser Satz eher der Ausgrenzung von Migranten Vorschub leisten und alle möglichen Maßnahmen zur Stärkung der sogenannten Leitkultur und zur Erzwingung von Integration ermöglichen oder erleichtern könnte, wurden vielfach als paranoide Phantastereien linker Multi-Kulti-Träumer beiseitegewischt.

Ein Blick in die Tagespolitik zeigt leider, dass die Warnungen der Kein-Deutsch-ins-GG-Befürworter durchaus ihre Berechtigung haben: Da regt Horst Seehofer eine Volksbefragung in Bayern an, ob man von Migranten auch etwas fordern könne und die bayerische Verfassung entsprechend ändern solle. Am politischen Aschermittwoch Weiterlesen „Deutschland schafft sich ab“

Deutsch gehört nicht ins Grundgesetz

Heute endet die Mitzeichnungsfrist für die Petition von Anatol Stefanowitsch Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz. Wer noch mitzeichnen will, sollte das umgehend tun. Hiermit sei meine zahlreiche Leserschaft ermutigt, sich noch schnell ein Benutzerkonto auf der Petitionsseite des Bundestags zu besorgen und die Petition mitzuzeichnen!

Warum die deutsche Sprache nicht ins Grundgesetz gehört? Ganz kurz: Es ist unnötig und nützt niemandem. Der Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ gibt sprachlichen Kleingärtnern und fremdenfeindlich Orientierten die Möglichkeit zu allerlei Querelen. Sprachpuristen und verschiedene Politiker scheinen außerdem eine Reihe von gesetzlichen Vorschriften etwa zum Sprachgebrauch auf Schulhöfen u.ä. anzustreben.

Ausführlicher kann man das bei Anatol Stefanowitsch nachlesen. In diesem Artikel hat er die Argumente zusammengefasst und verlinkt auf eine Reihe von Blogartikeln zum Thema: Auf der Zielgeraden: Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz *

Außerdem gibt es auch im Forum der Bundestagsseite eine längere Diskussion zu der Petition. Also: Wählen gehen!

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*: Das Sprachlog ist mittlerweile umgezogen. Der verlinkte Artikel findet sich jetzt auf sprachlog.de. (Der alte Link im Text funktioniert noch, dort ist aber nur das Archiv der bis zum Umzug vorhandenen Blogartikel.)

Erfindungen

Immer wieder mal erfinde ich skurrile (um nicht zu sagen: völlig unnötige) Sachen oder finde unkonventionelle Lösungen für Alltagsprobleme. Meistens funktionieren sie sogar halbwegs.

Ich denke beispielsweise gerne an die Gelegenheit zurück, wo unser gemahlener Pfeffer alle war. Wir hatten nur noch ganze Pfefferkörner und eine alte Pfeffermühle mit billigem Plastikmahlwerk, die pro Umdrehung höchstens ein Krümelchen Pfeffer produzierte. Um da genug Pfeffer zum Würzen eines kartoffelbasierten Zusammenschmisses für ein halbes Dutzend Leute zu produzieren, hätte jemand (wohl ich) den halben Abend an dem Ding drehen müssen. Da hatte ich keine große Lust zu.
Nach kurzem Nachdenken habe ich den Akkuschrauber geholt und an die Pfeffermühle angeschlossen. (Deren Deckel wurde von einer Kugel gehalten, die auf die Achse der Pfeffermühle geschraubt war. Die Kugel habe ich abgeschraubt und das Ende der Achse in das Bohrfutter des Akkuschraubers gespannt.) So hat der Akkuschrauber die Dreherei übernommen und ich habe mir die Sehnenscheidenentzündung erspart.

Ich hätte natürlich auch zu den Nachbarn gehen und um ein bisschen Pfeffer bitten können. Aber das ist wie Bedienungsanleitungen zu lesen oder unterwegs nach dem Weg zu fragen und wäre bei weitem nicht so befriedigend gewesen.

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