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“Die USA versuchen schon seit Jahren, Putin zu provozieren und…”

thomas-bachheimerThomas Bachheimer: “Die USA versuchen schon seit Jahren, Putin zu provozieren und…”

Thomas Bachheimer, Europapräsident des Goldstandard Instituts, im Interview über unfähige Politiker, schlaue Russen, die Zukunft des Euro, der EU und den kommenden Crash des globalen Finanzsystems.

Was halten Sie von den überraschenden Rücktritten, die man derzeit in Europa beobachten kann? Flüchten die Politiker vor etwas oder haben diese einfach nur in der Privatwirtschaft mehr zu erwarten?

Ganz im Ernst, was sollen sich Wowereit bzw. Spindelegger (Ex-Finanzminister Österreichs adR.) in der Privatwirtschaft erwarten können? Sie haben doch ihr Leben in Politik und Bürokratie verbracht und könnten nicht einmal eine Kopierstube führen, selbst wenn sie es wollten. Ich glaube, dass es sich sogar in der Politik langsam herumspricht, dass es demnächst zu einem veritablen Handwechsel kommen wird. Zu viele Fehler wurden gemacht und diejenigen, die diese Fehler wirklich zu verantworten haben, suchen langsam das Weite. Diese Flucht haben wir auf hartgeld.com schon seit Jahren vorausgesehen – jetzt ist es soweit. Viele Entscheidungsträger des letzten Jahrzehnts setzen sich ab, freilich nicht ohne ordentliche Alimentation für den Lebensabend. Wir werden auch noch erleben, dass wesentliche politische Player einen anderen Kontinent für ihren Lebensabend auswählen. Viele wollen nicht in dem von ihnen verbrochenen Umfeld leben oder gar für ihre Fehler zur Verantwortung gezogen werden.

 

Welche Entwicklungen sind in der nächsten Zeit in der Eurozone zu erwarten? Wird es den Euro noch länger geben oder muss man sich auf größere Änderungen einstellen?

Der Euro wird in seiner jetzigen Form nicht haltbar sein. Vielleicht wollen die Europathen in Brüssel ihr Gesicht wahren und eine neue, geänderte Währung unter diesem Namen weiterführen. Aber dieser Euro wird mit dem heutigen nichts mehr zu tun haben. Natürlich werden sich alle im Euroland auf Änderungen einstellen müssen. Diese Veränderungen werden aber nur für jene, die vom jetzigen Euro profitiert haben, Verschlechterungen bringen. Ich denke da an die Politik, die sich in einem fairen System nur bedingt durchs Leben lügen wird können. Auch der Bankenwelt wird im neuen System ordentlicher Gegenwind entgegenblasen. Der Gewinner einer Veränderung wird also eindeutig der Bürger bzw. der realwirtschaftliche Akteur sein. Wir werden zwar eine harte Übergangszeit erleben. Mit etwas Glück wird diese jedoch nicht allzu lange dauern – und am Ende steht ein für die Bürger faires Geldsystem.

 

Derzeit gibt es in Europa mehrere Regionen, die sich von ganzen Staaten abspalten wollen. Die Bekannteste ist derzeit Schottland, wo ja am 18. September eine Abstimmung stattfindet. Wird sich das Verlangen nach Unabhängigkeit Ihrer Meinung nach ausweiten? Wenn ja, welche Auswirkungen wird dies auf die EU haben?

Es hat in Europa schon immer sehr starke regionale Identitäten gegeben. Traditionen und Brauchtum haben trotz des nationalstaatlichen Überbaus überdauert und werden derzeit wieder stärker. Besonders im alpinen Raum werden lokale Feste, Traditionen und Trachten auch für die Jugend immer wichtiger. Auch die Popmusik wird von volksmusikartigen Stars erobert.

Nun gibt es über den Nationalstaaten noch die EU-Hierarchie, wobei die Faustregel gilt: Je zentralistischer Brüssel agiert, desto föderalistischer wird die Lebensführung der Bürger. Schauen Sie sich einmal Bayern, Tirol, die Steiermark, Ober- oder Niederösterreich am Wochenende an. So viele Trachten- und Brauchtumsfeste hat es in den letzten 50 Jahren noch nie gegeben und die Tendenz ist stark steigend. Mir ist es ein Rätsel, wie die angeblich so volksnahen Politiker diese Tendenz übersehen konnten. Der Mensch hat nur einen gewissen Radius, den er begreifen und erfühlen kann. Für die regionalen Probleme hat man Verständnis und zahlt auch viel lieber Steuern, wenn’s der eigenen Region zu Gute kommt. Alles, was einen zu großen Bereich umfasst, kann der Mensch nicht wirklich begreifen, weshalb sich in ihm tiefes Unverständnis und steigerndes Unbehagen breit macht. Über diese Gefühle ist man brutal drübergefahren – heute steht die Europapolitik vor den Trümmern ihrer Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre.

Im Fall Schottland ist schwer abzuschätzen, ob die Sezessionstendenzen in letzter Konsequenz erst gemein sind. Natürlich sind die Schotten stolz auf ihr Land und ihre Bräuche. Andererseits wissen sie auch genau, dass es ohne Subventionen aus England niemals gehen würde.

 

Mit welchen politischen Veränderungen rechnen Sie in Bezug auf Russland? Wird sich Europa weiterhin von den USA zu Sanktionen anstacheln lassen oder wird man einen eigenen Weg gehen?

Die USA versuchen schon seit Jahren, Putin zu provozieren und scheiterten bislang an der Schlauheit des Russen. Was auch immer an Propaganda aufgefahren wird, jedes Mal wird der Westen binnen weniger Tage Lügen gestraft. Die US-hörigen EU-Politiker schießen sich mit diesen Sanktionen ins Knie. Sie riskieren, den einzigen derzeit verfügbaren Gaslieferanten ordentlich zu vergrämen, nur um die Wünsche der USA zu erfüllen. Gleichzeitig aber machen Exxon und Gazprom gemeinsame Sache und beschließen neue Projekte. Die europäischen Bürger wurden von ihren Politikern verraten und verkauft. Spätestens im Winter könnte es ein kaltes Erwachen, gefolgt von heißem Zorn, geben. Die europäische Politik hat in Energiefragen im Moment die Befriedigung europäischer Bedürfnisse zugunsten eines Ideologiewahnsinns aufgegeben, aber die Völker werden ihre Regierungen zwingen, eigene Wege zu gehen.

 

Halten Sie eine weitere Lieferung von russischem Gas in Richtung Europa ohne die Ukraine für realistisch oder wird man tatsächlich auf amerikanisches Fracking-Gas ausweichen?

Wie soll denn dieses Fracking-Gas nach Europa kommen? Wir verfügen ja nicht über die Infrastruktur für ein derart gewagtes und teures (Transatlantik-Transport) Energie-Experiment. Alleine deshalb wird der Westen einlenken. Putin hat einfach die besseren Karten, auch wenn die intellektuellen Tiefflieger in Washington und Brüssel das nicht wahr haben wollen.

 

Wie wahrscheinlich ist eine Gefährdung der Öl- und Gaslieferungen aus dem arabischen Raum Richtung Europa, wenn die Terrororganisation ISIS ihr Gebiet noch mehr ausweitet und wer könnte davon profitieren?

Mit der ISIS hat man sich selbst einen Feind herangezüchtet, den man jetzt gewähren lässt, um die Empörung zu steigern. In Wirklichkeit ist die ISIS, genauso wie al-Qaida, Hamas und Taliban ja ein leicht außer Kontrolle geratener westlicher Geheimdienstableger. Wenn der energiehungrige Westen jedoch den Nachschub gefährdet sieht, ist Schluss mit lustig.

 

Welche Blasenentwicklungen sehen Sie derzeit und welche halten Sie für das derzeitige Finanzsystem besonders gefährlich?

Die gefährlichste Blase ist eigentlich zwei Blasen zugleich. Die Geld- und Schuldenblase wird diesem System den Garaus machen. Geld entsteht im Moment ja immer durch Verschuldung. Ein neuer Kredit lässt die Geldmenge wachsen, das Geld für die Zinsen kann aber nicht mehr erwirtschaftet werden. Sämtliche Schuldner wie Staaten, Gemeinden und staatsnahe Unternehmen, aber auch private Unternehmen und Konsumenten machen mit und befinden sich auf einer noch nie da gewesenen Abwärtsspirale. Irgendwann kann man eine Krise nicht mehr mit neuem Geld hinwegdrucken und dann ist aus – binnen weniger Stunden in der gesamten westlichen Welt.

Die Realisierung der oben erwähnten Doppelblase ist wohl der Staatsanleihenmarkt: Dieser befindet sich in einem Blasenstadium, dass es mit Worten nicht zu beschreiben ist. Die Staaten werden ihre Schulden niemals begleichen können. Man kann sogar einen absoluten Nullpunkt, die Singularität des Irrsinns, definieren: Der Tag, an dem die Zinszahlungen eines Staates das ordentliche Budget übersteigen – das ist der Tag, an dem spätestens alles zusammenbrechen wird.

Als nicht minder gefährlich erachte ich die Luftblasen in den Gehirnen der europäischen Entscheidungsträger: Sie haben erwiesenermaßen keine Ahnung von den größeren Zusammenhängen und treffen primitiv-ideologische Entscheidungen, die ihre Völker in den Abgrund stürzen.

 

Womit rechnen Sie,wenn es zum Crash des weltweiten Finanzsystems kommt? Wird man sofort eine Währungsreform durchziehen wollen oder wird sich die Geschichte des letzten Jahrhunderts wiederholen?

Man muss unbedingt eine Reform des Geldwesens durchführen, die vom Volk getragen wird. Sollte die Polit- und Finanzwelt sich wieder des Geldsystems bemächtigen, hätten wir zwar für einige Zeit eine vermeintliche Ruhe, aber die Probleme würden früher oder später wieder von vorne beginnen. Das hat uns die Geschichte ausreichend gezeigt. Gemäß des Cui-bono-Ansatzes muss man sich fragen: Wem nutzt ein Währungssystem, das von der Politik und Finanzwelt eingeführt wurde? Natürlich: Der Politik und den Banken! Der wirtschaftliche Akteur hat das Nachsehen. Deshalb sollte das nächste Währungssystem unbedingt von den realwirtschaftlichen Akteuren mit Hilfe einiger Experten geschaffen und vom Volk mitgetragen werden. Politik und Großfinanz dürfen bei der Gestaltung nicht mitwirken, sonst geht’s schief und wir haben wieder die falschen Profiteure.

 

Zu welchen Vorbereitungen für den Tag X würden Sie unseren Lesern raten?

Ich glaube weniger an einen Tag X des Zusammenbruchs, sondern an eine längere krisenhafte Phase, die zwar keine Hungersnöte, aber stärkere Einschränkungen des gewohnten Lebensstandards mit sich bringen wird. Für diejenigen, die auf Nummer Sicher gehen wollen: es gibt genügend Websites wie z.B. hartgeld.com, die Tipps zur Krisenvorsorge anbieten.

 

Wohin mit den Ersparnissen, damit man nicht alles verliert?

Es gibt nur eine sinnvolle Methode, sein Geld über den Systemzusammenbruch hinüber in die neue Welt zu retten – und das sind Edelmetalle! Genauer: Gold und Silber. Alle anderen Formen der Veranlagung sind letztendlich mit Schulden verbunden. Und Schulden sind die Ursache für die missliche Lage des Westens. Gold hingegen ist der einzige und ultimative Schuldenlöscher – daher: Zugreifen!

Bild: © Thomas Bachheimer