Gesellschaft im K-Modus

Man findet manchmal Informationen zum sozio-ökonomischen Zustand einer Gesellschaft, wo man sie am wenigsten vermutet: auf der Seite eines wirtschaftsnahen Fernsehsenders, der sich ansonsten mit „Marktopimierung“, Gewinnmargen und Finanzinformationen beschäftigt.

Wealth inequality and the ‘K-shaped’ economy are more striking than ever, data shows. CNBC.com, 30.1.2026

Gut lesbar und ausgestattet mit aktuellen Grapiken beschreibt der Beitrag des Senders CNBC, dass die sogenannte K-shaped economy ein bleibendes Merkmal der USA sein werden. Das „K“ kann man mit etwas Phantasie an der unteren Graphik erkennen.

Die Grafik (als Screenshot aus dem Beitrag) deutet es an: Der Anteil an Verbraucher-Ausgaben von 80 % der Bevölkerung bewegt sich nach unten (helleres blau), das der oberen 20 % nach oben: 58 % aller Konsumausgaben entfallen auf 20 % der Bevölkerung, 41 % auf die übrigen 80 % – will heißen: die US-Wirschaft lebt vom verfügbaren Einkommen von nur 20 % ihrer Bürger. Kein Wunder daher, dass das Außenhandelsdefizit der USA etwa mit Europa trotz im Durchschnitt von 15 % Zöllen im November extrem zugenommen hat. Zölle sind für die Kaufkraft jener 20 % nicht relevant – gute Nachricht für europäische Qualitäts- und Premiumprodukte.

Diese Schere in Form eines K wird bleiben, sagt CNBC. Sie ist nicht vorüber gehend, sondern ein beständiges feature der winner-take-all Ökonomie. Das muss man erst einmal schlucken.

An dieser Wirtschaftsstruktur wird die Trump’sche Politik nichts ändern können und wollen, zumal die Langfristwirkungen von KI und Zöllen, Dollarentwertung und Staatsdefizit noch gar nicht eingerechnet sind. Die Ideologie, dass Wachstum und niedrige Inflation alles von allein beseitigen, ist längst widerlegt.

Ob sich die bittere Erkenntnis in Wahlentscheidungen im November niederschlägt, ist zweifelhaft. Die Hoffnung, alle seien Gewinner, wird mit aller Macht am Leben gehalten.

Abhängigkeiten – ausgetauscht

Wie zum Trotz treffen sich heute Nordseeanrainer-Staaten in Hamburg, um den Ausbau von offshore-Windenergie voran zu treiben. Höchste Zeit!

Nordsee-Gipfel in Hamburg beschließt Investitionspakt für Windenergie. tagesschau.de, 26.1.2026

Denn unsere Abhängkeit von Gaslieferungen (Spoiler: ich habe eine Gasheizung) bleibt. Nur dass es jetzt die USA sind, die uns erpressen können. Man hätte das mal 2022 voraus sehen sollen. Die Frage ist also gar nicht, ob man Windparks mag oder nicht, ob Strom zu teuer ist oder nicht, sondern ob Abhängigkeiten zur Erpressung vorhanden sind. Ich fürchte, sich davon zu lösen hat halt seinen Preis.

Germany’s stretch of weak wind output set to drag on into 2026. Reuters.com, 29.1.2026

Wir hier im Norden, Osten und Westen stehen bei Windparks gut da. Aber Windräder aufstellen und „Wind haben“ sind zwei Dinge, wie der oben verlinkte mit guten Graphiken ausgestattete Artikel von Reuters erläutert. Ganz im Gegensatz zu dem Großspurigsten unter den 16 Ländern: Bayern (und auch – wenngleich weniger großspurig – Baden Württemberg). Statt Windparks sollen dort kompakte AKWs das Stromproblem lösen (ich stelle mir so was wie den Bau-Set bei Loriot’s Familie Hoppenstedt vor). Die Bayern werden sich über die vielen niedlichen Kraftwerkuppeln an ihren Flüssen freuen.

Windkraftanlagen in Deutschland | Wind-Map.de | WindMap

As Europe’s Reliance on U.S. Natural Gas Grows, So Does Trump’s Leverage. THE NEW YORK TIMES, 26.1.2026

Europe’s energy weak spot reemerges in Greenland dispute. Reuters.com, 21.1.2026

US-Flüssiggaslieferungen nach Deutschland steigen auf Rekordniveau. SPIEGEL online.de, 22.1.2026

Strommix Deutschland: Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien? NDR.de, 22.1.2026

Ob bei Uran, Lithium oder sogar Produktionskapazitäten bei Windkraft-Anlagen, Abhängigkeiten gibt es immer. Sie zu neutralisieren galt ja Jahrzehnte lang als Argument für die Exportüberschüsse. Das Argument hat sich erledigt. Jetzt gilt es strategische Autarkie zu erreichen, wenn nicht im Land selbst, dann für die EU!

Rede des kanadischen Ministerpräsidenten in Davos 2026

The powerful have their power. We have the capacity to stop pretending’: the Canadian PM’s call to action at Davos by Mark Carney

Heute spreche ich über einen Bruch in der Weltordnung, das Ende einer angenehmen Illusion und den Beginn einer harten Realität, in der die Geopolitik – die Geopolitik der Großmächte – keinerlei Grenzen und Beschränkungen mehr unterliegt.

Andererseits möchte ich Ihnen sagen, dass die anderen Länder, insbesondere Mittelmächte wie Kanada, nicht machtlos sind. Sie haben die Fähigkeit, eine neue Ordnung zu schaffen, die unsere Werte wie die Achtung der Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Solidarität, Souveränität und territoriale Integrität der verschiedenen Staaten umfasst.

Die Macht der Schwächeren beginnt mit Ehrlichkeit.

Es scheint, als würden wir täglich daran erinnert, dass wir in einem Zeitalter der Großmachtrivalität leben, dass die regelbasierte Ordnung schwindet, dass die Starken tun können, was sie können, und die Schwachen leiden müssen, was sie müssen. Dieser Aphorismus des Thukydides wird als unausweichlich dargestellt, als die natürliche Logik der internationalen Beziehungen, die sich wieder durchsetzt. Angesichts dieser Logik besteht eine starke Tendenz in Ländern, sich anzupassen, um Konflikte zu vermeiden und zu hoffen, dass Konformität Sicherheit schafft.

Nun, das wird sie nicht. Was also bleibt uns?

1978 schrieb der tschechische Dissident Václav Havel, der spätere Präsident, einen Essay mit dem Titel „Die Macht der Machtlosen“. Darin stellte er eine einfache Frage: Wie konnte sich das kommunistische System erhalten?

Seine Antwort begann mit einem Gemüsehändler. Jeden Morgen hängt dieser Ladenbesitzer ein Schild in sein Fenster: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Er glaubt es nicht – niemand tut es –, aber er hängt es trotzdem auf, um Konflikte zu vermeiden, um Konformität zu signalisieren, um sich anzupassen. Und weil jeder Ladenbesitzer in jeder Straße dasselbe tut, hält sich das System – nicht allein durch Gewalt, sondern durch die Teilnahme gewöhnlicher Menschen an Ritualen, von denen sie insgeheim wissen, dass sie falsch sind. Havel nannte dies „Leben in einer Lüge“.

Die Macht des Systems beruht nicht auf seiner Wahrheit, sondern auf der Bereitschaft aller, so zu handeln, als wäre sie wahr – und seine Zerbrechlichkeit hat denselben Ursprung. Sobald auch nur eine Person aufhört, so zu handeln, sobald der Gemüsehändler sein Schild entfernt, beginnt die Illusion zu bröckeln. Freunde, es ist Zeit, dass Unternehmen und Staaten ihre Schilder abnehmen.

Jahrzehntelang florierten Länder wie Kanada unter dem, was wir die regelbasierte internationale Ordnung nannten. Wir traten ihren Institutionen bei, priesen ihre Prinzipien und profitierten von ihrer Vorhersehbarkeit. Und deshalb konnten wir unter ihrem Schutz eine wertebasierte Außenpolitik verfolgen. Wir wussten, dass die Geschichte der regelbasierten internationalen Ordnung teilweise falsch war, dass sich die Stärksten bei Bedarf ausnehmen würden, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht mit unterschiedlicher Strenge angewendet wurde, je nachdem, wer der Angeklagte oder das Opfer war.

Diese Fiktion war nützlich, und insbesondere die amerikanische Hegemonie trug dazu bei, öffentliche Güter, offene Seewege, ein stabiles Finanzsystem, kollektive Sicherheit und Unterstützung für Mechanismen zur Beilegung von Streitigkeiten zu gewährleisten. Also hängten wir das Schild ins Fenster. Wir nahmen an den Ritualen teil und vermieden es weitgehend, die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität anzusprechen.

Dieser Pakt hat ausgedient. Um es klar zu sagen: Wir befinden uns inmitten eines Bruchs, nicht in einem Übergang.

In den letzten zwei Jahrzehnten haben eine Reihe von Krisen in den Bereichen Finanzen, Gesundheit, Energie und Geopolitik die Risiken einer extremen globalen Integration schonungslos offengelegt. Doch in jüngster Zeit haben Großmächte begonnen, wirtschaftliche Integration als Waffe, Zölle als Druckmittel, Finanzinfrastruktur als Zwangsmittel und Lieferketten als auszunutzende Schwachstellen einzusetzen. Man kann nicht länger in der Illusion des gegenseitigen Nutzens durch Integration leben, wenn Integration zur Quelle der eigenen Unterordnung wird.

Die multilateralen Institutionen, auf die sich die Mittelmächte verlassen haben – die WTO, die UN, die COP, die Architektur, ja, die Architektur kollektiver Problemlösung – sind bedroht. Infolgedessen ziehen viele Länder die gleichen Schlüsse: Sie müssen größere strategische Autonomie entwickeln – in den Bereichen Energie, Ernährung, kritische Rohstoffe, Finanzen und Lieferketten. Und dieser Impuls ist verständlich. Ein Land, das sich nicht selbst ernähren, mit Energie versorgen oder verteidigen kann, hat kaum Alternativen. Wenn die Regeln einen nicht mehr schützen, muss man sich selbst schützen.

Doch seien wir ehrlich, wohin das führt. Eine Welt voller Festungen wird ärmer, fragiler und weniger nachhaltig sein. Und es gibt noch eine weitere Wahrheit: Wenn Großmächte selbst den Anschein von Regeln und Werten aufgeben, um ungehindert ihre Macht und Interessen zu verfolgen, werden die Vorteile des Transaktionalismus immer schwerer zu wiederholen sein. Hegemonialmächte können ihre Beziehungen nicht ewig monetarisieren. Verbündete werden diversifizieren, um sich gegen Unsicherheit abzusichern. Sie werden sich versichern und ihre Optionen erweitern, um ihre Souveränität wiederherzustellen – eine Souveränität, die einst auf Regeln beruhte, aber zunehmend auf der Fähigkeit basieren wird, Druck standzuhalten.

Wir alle wissen, dass dies klassisches Risikomanagement ist. Risikomanagement hat seinen Preis, aber diese Kosten strategischer Autonomie, von Souveränität, können auch geteilt werden. Gemeinsame Investitionen in Resilienz sind günstiger, als wenn jeder seine eigene Festung baut. Gemeinsame Standards reduzieren Fragmentierung. Komplementaritäten sind ein Gewinn für alle. Und die Frage für Mittelmächte wie Kanada ist nicht, ob wir uns an die neue Realität anpassen sollen – wir müssen es. Die Frage ist, ob wir uns anpassen, indem wir einfach höhere Mauern bauen, oder ob wir etwas Ambitionierteres wagen können.

Kanada gehörte zu den ersten Ländern, die den Weckruf vernahmen, was uns zu einem grundlegenden Wandel unserer strategischen Ausrichtung veranlasste. Die Kanadier wissen, dass unsere alte, bequeme Annahme, unsere geografische Lage und unsere Bündniszugehörigkeiten würden automatisch Wohlstand und Sicherheit garantieren, nicht mehr zutrifft. Unser neuer Ansatz basiert auf dem, was Alexander Stubb, der finnische Präsident, als „wertebasierten Realismus“ bezeichnet hat.

Anders ausgedrückt: Wir wollen sowohl prinzipientreu als auch pragmatisch sein – prinzipientreu in unserem Bekenntnis zu grundlegenden Werten, Souveränität, territorialer Integrität, dem Verbot der Gewaltanwendung (außer wenn sie mit der UN-Charta vereinbar ist) und der Achtung der Menschenrechte; und pragmatisch in der Erkenntnis, dass Fortschritt oft schrittweise erfolgt, dass Interessen auseinandergehen und dass nicht jeder Partner alle unsere Werte teilt.

Deshalb engagieren wir uns breit gefächert, strategisch und mit offenen Augen. Wir stellen uns aktiv der Welt, wie sie ist, anstatt auf eine Welt zu warten, die wir uns wünschen. Wir richten unsere Beziehungen neu aus, damit ihre Tiefe unsere Werte widerspiegelt, und wir priorisieren ein breites Engagement, um unseren Einfluss angesichts der aktuellen globalen Dynamik, der damit verbundenen Risiken und der Tragweite der zukünftigen Entwicklungen zu maximieren.

Wir verlassen uns nicht länger allein auf die Stärke unserer Werte, sondern auch auf die Stärke unserer Ressourcen.

Diese Stärke bauen wir im Inland aus. Seit dem Amtsantritt meiner Regierung haben wir die Steuern auf Einkommen, Kapitalgewinne und Unternehmensinvestitionen gesenkt. Wir haben alle bundesstaatlichen Handelshemmnisse zwischen den Provinzen beseitigt. Wir beschleunigen Investitionen in Höhe von einer Billion Dollar in Energie, KI, kritische Rohstoffe, neue Handelskorridore und darüber hinaus. Wir verdoppeln unsere Verteidigungsausgaben bis zum Ende dieses Jahrzehnts und fördern dabei unsere heimische Industrie.

Und wir diversifizieren unsere internationalen Aktivitäten rasant. Wir haben eine umfassende strategische Partnerschaft mit der EU vereinbart, einschließlich des Beitritts zu SAVE, dem europäischen Beschaffungsrahmen für Verteidigungsgüter. Innerhalb von sechs Monaten haben wir zwölf weitere Handels- und Sicherheitsabkommen auf vier Kontinenten unterzeichnet. In den vergangenen Tagen haben wir neue strategische Partnerschaften mit China und Katar geschlossen. Wir verhandeln Freihandelsabkommen mit Indien, ASEAN, Thailand, den Philippinen und Mercosur.

Wir verfolgen einen anderen Ansatz. Um zur Lösung globaler Probleme beizutragen, setzen wir auf variable Koalitionsgeometrie – das heißt, wir bilden für verschiedene Themen unterschiedliche Bündnisse, basierend auf gemeinsamen Werten und Interessen. So sind wir im Ukraine-Konflikt ein Kernmitglied der Koalition der Willigen und einer der größten Beitragszahler pro Kopf zu ihrer Verteidigung und Sicherheit.

Was die Souveränität in der Arktis betrifft, stehen wir fest an der Seite Grönlands und Dänemarks und unterstützen uneingeschränkt ihr einzigartiges Recht, Grönlands Zukunft selbst zu bestimmen. Unser Bekenntnis zu Artikel 5 der NATO ist ungebrochen. Daher arbeiten wir mit unseren NATO-Verbündeten, darunter den nordisch-baltischen acht Staaten, zusammen, um die nördliche und westliche Flanke des Bündnisses weiter zu sichern. Dies geschieht unter anderem durch Kanadas beispiellose Investitionen in Überhorizontradar, U-Boote, Flugzeuge und Bodentruppen, auch im Eis. Kanada lehnt Zölle auf Grönland entschieden ab und fordert gezielte Gespräche, um unsere gemeinsamen Ziele von Sicherheit und Wohlstand in der Arktis zu erreichen.

Im plurilateralen Handel setzen wir uns für den Aufbau einer Brücke zwischen der Transpazifischen Partnerschaft und der EU ein, wodurch ein neuer Handelsblock mit 1,5 Milliarden Menschen entstünde. Bei kritischen Rohstoffen gründen wir Käufergruppen innerhalb der G7, um die weltweite Diversifizierung weg von konzentrierten Versorgungsstrukturen zu fördern. Und im Bereich der KI kooperieren wir mit gleichgesinnten Demokratien, um sicherzustellen, dass wir nicht letztlich zwischen Hegemonialmächten und Hyperscalern wählen müssen.

Dies ist kein naiver Multilateralismus und auch kein Vertrauen auf bestehende Institutionen. Es geht um den Aufbau funktionierender Koalitionen – Thema für Thema, mit Partnern, die genügend Gemeinsamkeiten aufweisen, um gemeinsam handeln zu können. In manchen Fällen wird dies die überwiegende Mehrheit der Nationen sein. Dadurch entsteht ein dichtes Netz von Verbindungen in den Bereichen Handel, Investitionen und Kultur, auf das wir für zukünftige Herausforderungen und Chancen zurückgreifen können.

Die Mittelmächte müssen zusammenarbeiten, denn wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte. Aber ich würde auch sagen, dass Großmächte es sich leisten können, vorerst allein zu agieren. Sie verfügen über die Marktgröße, die militärische Kapazität und den Einfluss, um Bedingungen zu diktieren. Mittelmächte hingegen nicht.

Wenn wir jedoch nur bilateral mit einer Hegemonialmacht verhandeln, verhandeln wir aus der Schwäche heraus. Wir akzeptieren, was uns angeboten wird. Wir wetteifern miteinander, wer am entgegenkommendsten ist. Das ist keine Souveränität. Es ist die Inszenierung von Souveränität bei gleichzeitiger Unterordnung. In einer Welt der Großmachtrivalität haben die Länder dazwischen die Wahl: Sie können um Gunst wetteifern oder sich zusammenschließen, um einen dritten, wirkungsvollen Weg zu beschreiten.

Wir dürfen uns durch den Aufstieg militärischer Macht nicht den Blick dafür verstellen, dass die Macht von Legitimität, Integrität und Regeln stark bleibt, wenn wir sie gemeinsam einsetzen – was mich zu Havel zurückführt.

Was bedeutet es für Mittelmächte, die Wahrheit zu leben? Zunächst bedeutet es, die Realität beim Namen zu nennen. Hören Sie auf, sich auf eine regelbasierte internationale Ordnung zu berufen, als funktioniere sie noch wie versprochen. Nennen wir sie beim Namen: ein System zunehmender Großmachtrivalität, in dem die Mächtigsten ihre Interessen verfolgen und wirtschaftliche Integration als Druckmittel einsetzen.

Das bedeutet, konsequent zu handeln und dieselben Maßstäbe an Verbündete und Rivalen anzulegen. Wenn Mittelmächte wirtschaftliche Einschüchterung von einer Seite kritisieren, aber schweigen, wenn sie von der anderen kommt, halten wir das Signal im Fenster aufrecht.

Das bedeutet, das aufzubauen, woran wir angeblich glauben, anstatt auf die Wiederherstellung der alten Ordnung zu warten. Es bedeutet, Institutionen und Abkommen zu schaffen, die wie beschrieben funktionieren. Und es bedeutet, den Einfluss zu verringern, der Zwang ermöglicht – das heißt, eine starke Binnenwirtschaft aufzubauen. Das sollte die unmittelbare Priorität jeder Regierung sein. Und internationale Diversifizierung ist nicht nur wirtschaftliche Klugheit, sondern eine materielle Grundlage für eine ehrliche Außenpolitik, denn Länder erwerben sich das Recht auf prinzipienfeste Positionen, indem sie ihre Anfälligkeit für Vergeltungsmaßnahmen verringern.

Also – Kanada. Kanada hat, was die Welt will. Wir sind eine Energie-Supermacht. Wir verfügen über riesige Reserven an kritischen Mineralien. Wir haben die am besten ausgebildete Bevölkerung der Welt. Unsere Pensionsfonds gehören zu den größten und erfahrensten Investoren weltweit. Mit anderen Worten: Wir haben Kapital, Talente … und eine Regierung mit immenser Finanzkraft, die entschlossen handeln kann. Und wir haben Werte, nach denen viele andere streben.

Kanada ist eine pluralistische Gesellschaft, die funktioniert. Unser öffentliches Leben ist lebendig, vielfältig und frei. Die Kanadierinnen und Kanadier setzen sich weiterhin für Nachhaltigkeit ein. Wir sind ein stabiler und verlässlicher Partner in einer Welt, die alles andere als das ist. Ein Partner, der langfristige Beziehungen aufbaut und pflegt. Und wir haben noch etwas anderes. Wir erkennen die aktuelle Situation und sind entschlossen, entsprechend zu handeln. Wir verstehen, dass dieser Umbruch mehr als Anpassung erfordert. Er erfordert Ehrlichkeit gegenüber der Welt, wie sie ist.

Wir nehmen das Schild aus dem Fenster. Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zurückkehren wird. Wir sollten ihr nicht nachtrauern. Nostalgie ist keine Strategie, aber wir glauben, dass wir aus diesem Umbruch etwas Größeres, Besseres, Stärkeres, Gerechteres aufbauen können.Die Mächtigen haben ihre Macht. Aber auch wir haben etwas – die Fähigkeit, die Illusionen zu beenden, die Realität beim Namen zu nennen, unsere Stärke im eigenen Land zu stärken und gemeinsam zu handeln.

Das ist Kanadas Weg. Wir wählen ihn offen und selbstbewusst, und er steht jedem Land offen, das ihn mit uns gehen möchte.

Eine unsichtbare Katastrophe

Klimawandel „offenbart“ sich meist durch ungewöhnliche Hitzewellen, lange Trockenheit oder überproportional häufiges und starkes Unwettergeschehen. Es beunruhigt kurze Zeit, dann gehen die Schlagzeilen zu anderen menschengemachten Krisen über. Jeder kennt inzwischen die Rolle, die CO2 in der Atmosphäre für die Treibhauswirkung und damit globale Erwärmung hat.

Was wenig(er) bekannt ist: Etwa die Hälfte der CO2-Emissionen werden von Pflanzen, Boden und Meeren absorbiert. Ohne viel Aufhebens, könnte man sagen, denn unsere Messungen konzentrieren sich auf die „andere Hälfte“, die in die Atmosphäre wandert. Was aber, wenn diese „Kohlenstoffsenken“ nicht mehr wie bisher arbeiten? In einem Artikel des britischen GUARDIAN (siehe Link unten) heißt es: The sudden collapse of carbon sinks was not factored into climate models – and could rapidly accelerate global heating. Will heißen: In all den Szenarien des künftigen Klimas ist gar nicht eingerechnet, was passiert, wenn die Pflanzen und Meer weniger oder nichts mehr absorbieren könnten.

Trees and land absorbed almost no CO2 last year. Is nature’s carbon sink failing? The Guardian online, 14.10.2024

Und selbst im jährlichen Waldzustandsbericht der Bundesregrieung wird en passant erwähnt: „Der Wald in Deutschland wirkt nach den Ergebnissen der Kohlenstoffinventur 2017 als Senke und entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Allerdings könnten die Bestandsverluste der Jahre 2018 bis 2023 den Wald vorübergehend von einer Senke in eine Quelle führen. Quelle: Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2023. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) . Das ist in Deutschland 2022/23 tatsächlich passiert: Unsere so schönen grünen Wälder haben im Bundesdurchschnitt mehr CO2 abgegeben als absorbiert!

Sonnenuntergang am Südchinesischen Meer bei Miri (Sarawak, Nordborneo)

Auch die Ozeane nehmen CO2 auf, zwischen 1994 und 2007 fast ein Drittel der globalen Emissionen! Quelle: Der Ozean als Senke für menschgemachtes Kohlendioxid. GEOMAR Kiel, 15.3.2019. Es löst sich im Wasser auf und wird über Meeresströmungen in tiefere Schichten transportiert und am Ozeanboden gelagert. Aber wo die Belastungsgrenze ist, zeigt die daraus folgende Übersäuerung der Weltmeere – mit fatalen Auswirkungen auf Lebewesen wie Korallen. Versauerung der Meere bei Wikipedia

Der Ozean als CO2-Speicher. ARD alpha, 2.5.2022

Inzwischen ist aber nachgewiesen, dass auch das Phytoplankton in den Meeren eine aktive Rolle bei der CO2-Speicherung spielt: Es nimmt das Gas an der Oberfläche auf und bewegt es in tiefere Wasserschichten. Wenn sich das bestätigt, kann die Erde mehr Kohlenstoff aufnehmen, als bislang berechnet.

Do oceans absorb more CO2 than expected? GEOMAR, 2.8.2022

Die komplexen Interaktionen des globalen Ökosystems mit sich neutralisiernden Effekten, so wie es das Gaia-Prinzip von James Lovelock sieht, sind noch lange nicht zu Ende erforscht. Esotheriker hoffen, dass das System Erde uns bei all den Wechselwirkungen nicht „übersieht“ – tröstlich wäre es für unser Überleben.

Russland: Mut und Courage

„A reckoning will come. Vladimiar Kara-Muza’s last statement at a Russion court“ The Washington Post, 10.4.2023*

„Mitglieder des Gerichts: Ich war mir sicher, nach zwei Jahrzehnten in der russischen Politik, nach allem, was ich gesehen und erlebt habe, dass mich nichts mehr überraschen kann. Ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe. Ich war überrascht, inwieweit mein Prozess in seiner Geheimhaltung und Missachtung von Rechtsnormen sogar die „Prozesse“ gegen sowjetische Dissidenten in den 1960er und 1970er Jahren übertroffen hat. Ganz zu schweigen von der Härte des von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaßes oder der Rede von „Staatsfeinden“. In dieser Hinsicht sind wir über die 1970er Jahre hinausgegangen – bis zurück in die 1930er Jahre. Für mich als Historiker ist dies ein Anlass zum Nachdenken.

An einem Punkt während meiner Aussage erinnerte mich der vorsitzende Richter daran, dass einer der mildernden Umstände „Reue für das, was [der Angeklagte] getan hat“, war. Und obwohl meine jetzige Situation wenig amüsant ist, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen: Der Verbrecher muss natürlich seine Taten bereuen. Ich bin wegen meiner politischen Ansichten im Gefängnis. Dafür, dass er sich gegen den Krieg in der Ukraine ausgesprochen hat. Für viele Jahre Kampf gegen die Diktatur von Wladimir Putin. Für die Erleichterung der Verabschiedung persönlicher internationaler Sanktionen nach dem Magnitsky-Gesetz gegen Menschenrechtsverletzer.

Ich bereue nichts davon, ich bin stolz darauf. Ich bin stolz darauf, dass Boris Nemzow mich in die Politik gebracht hat. Und ich hoffe, dass er sich meiner nicht schämt. Ich unterschreibe jedes Wort, das ich gesprochen habe, und jedes Wort, dessen ich von diesem Gericht beschuldigt wurde. Ich mache mir nur einen Vorwurf: dass ich es in den Jahren meiner politischen Tätigkeit nicht geschafft habe, genügend Landsleute und genügend Politiker in den demokratischen Ländern von der Gefahr zu überzeugen, die das gegenwärtige Regime im Kreml für Russland und die Welt darstellt . Heute ist dies für jeden offensichtlich, aber zu einem schrecklichen Preis – dem Preis des Krieges.

In ihren letzten Aussagen vor Gericht fordern die Angeklagten in der Regel einen Freispruch. Für eine Person, die keine Verbrechen begangen hat, wäre ein Freispruch das einzig gerechte Urteil. Aber ich verlange von diesem Gericht nichts. Ich kenne das Urteil. Ich wusste es vor einem Jahr, als ich im Rückspiegel Leute in schwarzen Uniformen und schwarzen Masken hinter meinem Auto herlaufen sah. Das ist der Preis dafür, sich heute in Russland zu Wort zu melden.

Aber ich weiß auch, dass der Tag kommen wird, an dem sich die Dunkelheit über unserem Land auflösen wird. Wenn Schwarz Schwarz genannt wird und Weiß Weiß genannt wird; wenn auf offizieller Ebene anerkannt wird, dass zwei mal zwei immer noch vier ist; wenn ein Krieg ein Krieg genannt wird und ein Usurpator ein Usurpator; und wenn diejenigen, die diesen Krieg entfacht und entfesselt haben, und nicht diejenigen, die versucht haben, ihn zu stoppen, als Verbrecher anerkannt werden.

Dieser Tag wird so unvermeidlich kommen, wie der Frühling selbst auf den kältesten Winter folgt. Und dann wird unsere Gesellschaft die Augen öffnen und entsetzt darüber sein, welche schrecklichen Verbrechen in ihrem Namen begangen wurden. Von dieser Erkenntnis, von dieser Reflexion aus wird der lange, schwierige, aber lebenswichtige Weg zur Genesung und Wiederherstellung Russlands, seiner Rückkehr in die Gemeinschaft der zivilisierten Länder beginnen.

Auch heute noch, sogar in der Dunkelheit, die uns umgibt, selbst wenn ich in diesem Käfig sitze, liebe ich mein Land und glaube an unser Volk. Ich glaube, dass wir diesen Weg gehen können.“

Vladimir Kara-Murza wurde zu 25 Jahren Straflager verurteilt.

  • übersetzt via Google Translate v. Reiner Jüngst; Oberes Foto: „Tapferkeit“ by Chat GBT

Nachtrag am 25.11.2023: So kommentiert der russische Botschafter in Malaysia den Angriff Russlands auf die Ukraine

True architects of the Ukraine crisis. New Straits Times, Kuala Lumpur, 23.11.2023

Preis der Freiheit – heute und vor 80 Jahren

(Das Aufmacherfoto ist von ChatGBT erzeugt, als ich das Wort „Protests in Hong Kong“ eingab.)

Ein Artikel in der South China Morning Post (SCMP) zum Schicksal der Widerstandsgruppe Weiße Rose hat mich nachdenklich gemacht. Dass die führende Tageszeitung in Hongkong an das Schicksal der Gruppe um die Geschwister Scholl vor 80 Jahren erinnert, ließ mich aufhorchen. Aber dazu später.

Es geht um das Verständnis von Freiheit. Sophie Scholl schrieb dies auf die Rückseite ihrer Anklageschrift (siehe Webseite der Weiße Rose Stiftung e.V.). Sie und ihre Freunde wurden hingerichtet. 1943 ging es um die Freiheit, die Verbrechen und Unrechtmäßigkeiten des Naziregimes per Flugblatt anzuprangern. Heute wird diese Freiheit per Gesetz garantiert. Sogar öffentliche Demonstrationen, Aktionen und die freie Meinungsäußerung über soziale Medien fallen unter diesen Schutz. Wir sind in diese Selbstverständlichkeit hinein geboren.

Der politische Freiheitsbegriff hat in Ländern wie den USA einen enormen Stellenwert, nahezu uneingeschränkt. Das gilt sogar für den Verfassungszusatz über die Freiheit, eigene Waffen aller Art zu tragen. Sowohl in den USA als auch bei uns basiert das Freiheitsverständnis auf historischen Entwicklungen: dort auf den Unabhängigkeitskrieg, bei uns auf den Erfahrungen aus der Nazidiktatur. Aber als universeller Wert ist die Freiheit bereits seit der Französischen Revolution definiert und bildet in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ die Grundlage für die Arbeit der Vereinten Nationen.

Gemälde von Hongkong am Victoria Peak

Der Bezug zum studentischen Widerstand gegen Hitler und seine Schergen 1943 in einer Zeitung in Ostasien ist nicht ohne aktuelle Relevanz. Vielleicht versteht man in Hongkong mehr vom Wert der Freiheit als bei uns.

Der Autor beschreibt ausführlich das Schicksal der Mitglieder der Weißen Rose. Im Schlussparagraph aber stellt er den Bezug zu jenen jungen Menschen aus Hongkong her, die verhaftet wurden oder fliehen mussten, als sie und Hunderttausende für Freiheit auf die Straße gingen:

Germany’s exemplary post-war record towards those threatened by political persecution marks a policy of repudiation of their nation’s past wrongdoings. Fugitives from the Hong Kong justice system, Ray Wong Toi-yeung and Alan Li Tung-sing, were given political asylum by Germany in 2018 – over a year before the 2019 unrest erupted, and two years before the national security law was invoked.

Manchmal braucht es ein Blick aus der Ferne, um den Schatz, den wir unreflektiert „genießen“, Wert zu schätzen. Doch halt, wir „singen“ ja vor jedem Länderspiel „Einigkeit und Recht und Freiheit“!

Resistance against Nazi tyranny was a shining example of moral courage South China Morning Post, 30.3.2023

„Freiheit“ in Metzlers Lexikon der Philosophie. Spektrum.de

Schattenseiten: Umwelt und Palmöl

Die malaysische Halbinsel ist nicht für Schlagzeilen zu Naturkatastrophen bekannt: Sie liegt – im Gegensatz zum benachbarten Sumatra – außerhalb des Gürtels von Vulkanen und Erdbebenzonen des Pazifischen Feuerrings. Dennoch gibt es immer häufiger Nachrichten von Überschwemmungen im südlichen Teil und in der Küstenebene zwischen Kuala Lumpur und Johor Bahru. Und dies in beiden Monsun-Jahreszeiten.

Die schwersten von ihnen treffen den Bundesstaat Johor, der die ganze südliche Spitze der Halbinsel einnimmt. Und es erscheint mir kein Zufall, denn fast die Hälfte des Staates (genau 40 % der Fläche im Jahr 2016) wird von Palmöl-Plantagen eingenommen. Der ursprüngliche Regenwald ist nur noch in zwei Nationalparks zu finden (siehe grünliche Flächen in der Karte oben).

Umwandlung einer Plantage in Johor (im Hintergrund Regenwald)

Die Vorteile von Palmöl gegenüber Raps und Soja im Flächenverbrauch sind hinreichend belegt. Zwei bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien sind große Importeure, in der EU, vor allem in Deutschland (!) wird Palmöl auch in Biosprit gemischt. Malaysia und Indonesien sind die bei weitem größten Produzenten von Palmöl, sie liefern 90 % der Weltproduktion. Wer in Kuala Lumpur ankommt, landet mitten in Palmöl-Plantagen. Der Nordosten Sumatras schien uns vor einige Wochen als eine einzige Plantagenlandschaft.

The secret ingredient in your daily life: why Malaysian palm oil is used around the world. South China Morning Post, Hongkong, 20.10.2025

Der Flächenverbrauch geht meist zu Lasten von tropischem Regenwald, wenngleich auch Küstentiefländer entwässert und für Plantagen aufbereitet wurden. Der Widerstand gegen Palmöl bei uns dient daher auch dem Erhalt des Regenwaldes. Malaysia reagiert empfindlich auf die vermeintlich koloniale Attitüde des Westens, Vorschriften zur Nachhaltigkeit zu machen. Immerhin hat der Druck dazu geführt, dass es runde Tische und den Versuch von Zertifizierungen gibt.

Wer in Johor, Sabah oder Sumatra übers Land fährt, sieht über Dutzende Kilometer nur Ölpalmen in Reih und Glied. Stichstraßen führen in die Plantagen, damit die Früchte, die von Hand an den Bäumen geerntet werden müssen, zu den verstreuten Ölmühlen abtransportiert werden können. Zur Infrastruktur gehören auch die Siedlungen der Plantagenarbeiter und ihren Familien, die kleinen Städte zeugen vom erworbenen Wohlstand. Der ländliche Raum wie die ganze Volkswirtschaft hat wirtschaftlich vom Palmöl-Boom profitiert, und wie in Westmalaysia sogar Migranten aus ärmeren Nachbarregionen angezogen.

Regenwald auf Sumatra

Aber die zunehmenden Überschwemmungen offenbaren die downsides der rapiden Expansion von Palmöl: Die Struktur des Bodens und die Stockwerke sowie die Pflanzenvielfalt des Regenwaldes können die Ölpalmen nicht ersetzen. Monokultur, Bodenverdichtung und Bodenversiegelung sind die Folgen. Die stärkeren Regenmengen der Monsune finden keinen Abfluss und setzen die Siedlungen unter Wasser, ja der run off gefährdet zunehmend auch städtische Siedlungen im Küstenraum.

Man kann nur hoffen, dass die periodischen Überschwemmungen vor allem in Westmalaysia Behörden und Öffentlichkeit aufrütteln, die Gefahren aus der Plantagenwirtschaft für die Region zu erkennen. Erscheint vor Ort die Regenwald-Problematik oft als Besserwisserei einer saturierten westlichen Gesellschaft, so sind die Überschwemmungen Anzeichen, dass Naturkatastrophen bei den Produzenten selbst auftreten. Dafür kann man keine fernen Märkte mehr verantwortlich machen.

Straßen ersetzen Lebensraum für Tiere: ein Waran kreuzt eine Straße in Johor

Over 26.000 evacuated as floods hit Malaysia again. AP, 2.3.202

No respite for Malaysian flood victims; number climbs to 53.000. Straits Times Singapore, 6.3.2023

Öl auf der Palme. Reiners.blog, 1.10.2019

„Palm Oil Wastes in Malaysia“ (N. Abdullah and F. Sulaiman) 2013

Europe must offer more benefits to Malaysia to prove its relevance. New Straits Times, KL, 24.11.2023

KL-based palm oil watchdog must tackle climate emissions, small farm challenge. New Straits Times, KL, 17.12.2023

Malaysian authorities raid convenience store selling „no palm oil“ ice cream. The Straits Times, Singapore 3.5.2024

Geschäftsmodell auf dem Prüfstand

Die mechanische Nähmaschine in einem Bazar in Yangon (Myanmar) wirkte robust und zuverlässig. Dafür steht wohl die Handelsmarke „Germany“ überall auf der Welt.

Das Geschäftsmodell Deutschland ging in etwa so: Wir produzieren Qualitätsware, für uns und für den Export, damit wir die Rohstoffe importieren können, über die wir selbst nicht verfügen: Metalle, Erze, Öl und Gas.

Unsere human resources mit guter Ausbildung gegen einen offenen Weltmarkt für Rohstoffe und Fertigprodukte. Der Wettberwerb zwingt zu Innovation und zur Suche nach neuen Märkten, ist aber die Grundlage für Wachstum und Wohlstand. Abgesichert durch einen Sozialstaat kommt er breiten Bevölkerungsschichten zugute.

Klappte gut bis zur ersten Krise im Herbst 1973, als klar wurde, dass dringend benötigte Rohstoffe als Waffe eingesetzt werden konnten. Der Preisschock für Energie aus Öl währte vergleichsweise kurz, weil Ölvorkommen zum Glück einigermaßen gut verteilt waren.

Jetzt finden wir uns in einer Situation, in der die dramatische Abhängigkeit von günstigem Gas über Pipelines aus Sibirien klar wird. Sie war politisch gewollt und passte gut in unser von historischer Verantwortung und optimistischer Weltsicht geprägtes Selbstverständnis. Wir selbst haben unseren Eliten implizit grünes Licht dafür gegeben, was jetzt die Volkswirtschaft gegen die Wand fährt. Wie Junkies haben wir den Stoff verbraucht, nicht auf Warnungen gehört und die immer wieder wortreich erklärte Energiewende verschlafen.

Den Preis, buchstäblich und auch im übertragenen Sinne, zahlen wir jetzt und wohl über einige Jahre hinaus. Inflation, Notfallplanungen, Budget-Umschichtungen, Insolvenzen und private Mehrausgaben rütteln Wirtschaft und Gesellschaft durcheinander. Was die diversen Klima- und Umweltkrisen der vergangenen Jahr nicht geschafft haben, die Kremlherrscher bewirkten das in ein paar Monaten. Unsere Vulnerabilität, vor der wir gern andere immer wieder gewarnt haben, trifft uns jetzt selbst. Dumm gelaufen. Wehe wer keinen Plan B hat.

Dabei haben wir gerade einen anderes „Black Swan“-Ereignis überstanden, die Pandemie – hoffentlich in ihren letzten Zügen (genauer: das Virus wird endemisch, wie Grippe oder Herpes). Der Krieg in Osteuropa ist ein zweiter schwarzer Schwan. Er offenbart nebenbei, wie stark die deutsche Gesellschaft wirtschaftlich zwei- oder dreigeteilt ist. Denn auch der Billiglohnsektor gehört zum Geschäftsmodell Deutschland. Die Hartz-Reformen sollten zwar „nur“ den Sozialstaat reformieren, führten aber in Kombination mit dem neoliberalen Zeitgeist dazu, dass Schwäche von Benachteiligten, Aushöhlung von Tarifabmachungen und Rationalisierungen in Produktion und Dienstleistungen gnadenlos ausgenutzt wurden.

Jetzt stehen wir da, wie der „Kaiser ohne Kleider“. Politik und Wirtschaft jetten hektisch durch die Welt, schütteln Hände mit anderen zweifelhaften Despoten – zum Beispiel auch solchen, die schon länger brutale Kriege in Nachbarländern führen (wenngleich nicht den unseren) – und schließen Lieferverträge für fossile Brennstoffe ab. Wieviel sind uns Menschenrechte wert und wieviel das Klima? (Bitte jetzt nicht antworten, das eine und das andere hingen zusammen. Alles hängt irgendwie zusammen.)

Eine kleine Werte-Box

Einem orientalischen Herrscher die Hand schütteln, der einen kritischen Journalisten unter Vorwand in eine konsularische Vertretung im Ausland lockt, dort töten, zersägen und den Leichnam ohne Spur verschwinden lässt, das muss man erst einmal bringen. In keiner Talkskow des vergangenen Wochenendes (24./25.9.22) ist diese Geste diskutiert und der Preis, den wir offensichtlich bereit sind zu zahlen, in Frage gestellt worden. Armes Deutschland.

Trotz allem gibt es aus meiner Sicht Grund zu Optimismus, da – Binsenweisheit – in jeder Krise eine Chance liegt. Dass, was unsere Wirtschaft erfolgreich gemacht hat, funktioniert auch in Krisensituationen: Innovation, Entscheidungsfreude, Tatkraft und Effizienz. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell Wissenschaft und (Bio)Technik in der Lage waren, Impfstoffe zu entwicklen. Und trotz vielem Querdenken (das muss Demokratie aushalten) hat Deutschland m.M.n. die Pandemie einigermaßen glimpflich überstanden, politisch, wirtschaftlich und sozial.

Und diesem schwarzen Schwan zeigen wir auch locker die Stirn. Je häufiger Black Swans angeschwommen kommen, je besser können wir damit umgehen.

Von Krieg und Begräbnissen

Es mag an der Gleichzeitigkeit vom Pomp eines Staatsbegräbnisses und den Bildern von Massengräbern in der Ukraine liegen, jedenfalls kommt es mir so vor, als sei das Mittelalter zurück gekehrt. Vielleicht war es nie weg.

Rückeroberungen, Vormärsche, Plünderungen, Belagerungen, Brände, Hinrichtungen, das gehörte schon zum Drehbuch des Dreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren. Ein Drittel der Bevölkerung des damaligen deutschen Reiches kam ums Leben, in manchen Regionen sogar prozentual viel mehr. Die Bilder vom Stahlwerk Mariupol ähnelten denen von Magdeburg im Mai des Jahres 1631, bei dem nur 400 der über 20.000 Bewohner der Elbestadt die Belagerung, Brandschatzung und Plünderung überlebten.

Spuren des Krieges von 1618 bis 1648, der über Jahrzehnte Regionen und Städte terrorisierte, finden sich nicht ganz leicht, aber wenn man sie sucht, trifft man auf sie an ganz unterschiedlichen Orten. So bei Lützen, im äußersten Südosten Sachsen-Anhalts. An der Landstraße nach Leipzig liegt ein Denkmal für den in der Schlacht am 6. November 1632 gefallenen Schwedenkönig Gustav Adolf II: Für die an die zehntausend Gefallene gibt es kein Grabmal, immerhin wird das Schlachtfeld jetzt archäologisch weiter erforscht. Der schwedische König wurde übrigens in einer Prozession durch halb Deutschland und zurück über die Ostsee in seine Heimat überführt. So viel Ehrerbietung muss sein, obwohl der Krieg drumherum weiter ging.

Von Schlachtfeldern und Belagerungen, Geschichten von Plünderungen, ja sogar von einem besonders perfiden Plan zur Eroberung meiner Heimatstadt Wolfenbüttel gilt es im Osten Niedersachsens zu berichten. Auch hier findet man Spuren in der Landschaft.

Beispiel Wolfenbüttel: Die gut ausgebaute Festungsstadt der Welfen war uneinnehmbar. Die Wasser der Oker waren zur Verstärkung der Wälle und Gräben integriert worden, wurden aber bei der Belagerung durch kaisertreue Truppen 1627 der Stadt zum Verhängnis. Diese errichteten im Okertal nördlich der Stadt einen Damm, der Wolfenbüttel unter Wasser setzte. Häuser zerfielen, Hunger breitete sich aus, die Stadt wurde eingenommen. 1641 nutzte die „protestantische“ Gegenseite die gleiche Strategie, nur das diesmal eine Einnahme Wolfenbüttels nicht gelang. Die ganze Geschichte jenes „Schwedendamms“ samt Zeichnungen ist auf einer Schautafel dargestellt, die Wanderer und Radler am Oker-Uferweg seit 2019 vorfinden.

Reste des „Schwedendamms“ nördlich von Wolfenbüttel

Eine weitere Spur des Krieges führt nach Salzgitter Bad, wo das Tillyhaus heute ein Kulturzentrum ist. Hier soll der kaiserliche General um 1626 Quartier bezogen haben.

Eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges fand in der Nähe des kleinen Städtchens Lutter am Barenberge statt (auch hier bietet der Wikipedia-Link ausführliche Informationen). Die kaiserlichen Truppen unter Tilly besiegten eine Koalition aus Welfen und Dänen. Wer heute an der B-248 von Salzgitter Bad in Richtung Seesen am Harz fährt ahnt nicht, dass sich im August 1626 auf den Feldern an der Straße der Boden vom Blut der 4000 bis 8000 Gefallenen rot färbte.

Das sind nur zufällige lokale Beispiele. Der Dreißigjährige Krieg hat Spuren zwischen der Ostseeküste und Mainz, Nürnberg oder Prag hinterlassen, die noch heute auffindbar sind. Ich bin weder Militärhistoriker noch hat Kriegsgeschichte für mich irgendeine Faszination. Aber ein brutaler Krieg in Europa in diesen Monaten lenkt die Aufmerksamkeit auf solche Zeiten, in denen unsere Region Schauplatz ähnlich brutaler Ereignisse war, wie sie das Fernsehen uns jetzt aus der Ukraine übermittelt.

Nach 30 Jahren endete der Krieg mit einem Vertragssystem zwischen den beteiligten Staaten, welches Henry Kissinger als das „Westphalian system“ beschreibt. Der Angriff auf die Ukraine hat dieses System auf Null zurück gesetzt. Allerdings reiben sich die Opfer des späteren europäischen Kolonialismus bei unserer Empörung die Augen. Noch viel mehr tun das Vietnamesen, Afghanen, Iraker und Syrer.

Überhaupt ist der Begriff „mittelalterlich“ für die Brutalität falsch: Das Jahrhundert nach Luthers bahnbrechender Befreiung vom theologischen Joch der katholischen Kirche, jene „Frühe Neuzeit“, war besonders brutal, nicht nur in Kriegszeiten: Hexenverbrennungen, ausgefeilte Folter- und Hinrichtungsarten für Strafgefangene, all dies fand mitten in der Blütezeit des frühen Kapitalismus statt.

Im 19. Jahrhundert versuchte Georg Friedrich Hegel dem Verlauf von Geschichte einen Sinn zu geben. Er konzipierte den Gedanken einer Dialektik als Gesetzmäßigkeit, eine Theorie, die Karl Marx später „vom Kopf auf die Füße“ stellte. Aber „Zeiten des Glücks“ – also Friede, Freude, Eierkuchen – sind für Hegel nur unbeschriebene Blätter in der Geschichte. Königliche Hochzeiten, das Glück von Promis oder feierliche Begräbnisse wären für ihn bedeutungslose Ablenkungen vom Lauf der Geschichte, leere Blätter. Somit wäre wohl der Ukraine-Krieg im Hegel’schen Sinne ein Angriff archaischen autoritären Denkens auf den Geist der Freiheit. Der war für Hegel gleichsam der Leitstrahl, an dem sich seine Dialektik entlang bewegt.

Der tapfere Soldat

Ich kenne Pavel Filatyev nicht, aber wenn es ein Beispiel für Tapferkeit gibt, dann verkörpert er es. Sich als Soldat der gesamten Macht von Armee und Geheimdienst Russlands entgegen zu stellen, das zeugt nicht nur von einem Löwenmut, sondern auch von Menschsein, das an einem existentiellen Punkt herausgefordert wurde.

Quelle: https://www.theguardian.com/world/2022/aug/17/i-dont-see-justice-in-this-war-russian-soldier-exposes-rot-at-core-of-ukraine-invasion

Die britische Tageszeitung THE GUARDIAN begegnete ihm in erschiedenen Verstecken in Moskau, bevor er ins Ausland fliehen musste.

They turned us into savages‘. Russian soldier describes star of Ukraine invasion. THE GUARDIAN online, 17 August 2022

Übersetzt mit Google Translator und zum bessern Verständnis an wenigen Stellen bearbeitet von Reiner Jüngst

Dies sind Auszüge aus Pavel Filatyevs Erinnerungen „ZOV“, die er am 1. August auf seiner Social-Media-Seite Vkontakte veröffentlicht hat. ZOV, benannt nach den taktischen Markierungen auf russischen Armeefahrzeugen und als Kriegssymbol angenommen, ist der detaillierteste freiwillige Bericht eines russischen Soldaten, der an der Invasion der Ukraine teilnahm. Im ersten übersetzten Auszug beschreibt Filatjew, Stunden nachdem die russischen Truppen in die Stadt einmarschiert waren, wie seine Einheit den Hafen von Cherson plünderte.

1. März 2022

Eine halbe Stunde später erreichten wir den Hafen von Cherson. Es war dunkel. Die vor uns marschierenden Einheiten hatten den Hafen bereits besetzt. Die Soldaten suchten einen Platz zum Schlafen und um sich zu waschen. Das besetzte Gebiet bestand aus einem Kontrollpunkt, einem Büro und einem Gebäude, das einem Schlafsaal mit Lagerhallen, Umkleidekabinen und Duschstellen ähnelte. Die Schiffe lagen am Pier. Die Mörserabteilung bezog im Erdgeschoss ein großes Büro. Andere Divisionen wie das 247. Guards Air Assault Regiment und die Stavropol Spetsnaz (der ehemalige russische Militärgeheimdienst) begannen, in den Hafen einzudringen. Ich beschloss, die Gegend zu erkunden.

Haben Sie jemals die Gemälde der Plünderung Roms durch die Barbaren gesehen? So lässt sich am besten beschreiben, was um mich herum vor sich ging. Alle sahen erschöpft und wild aus, und wir begannen alle, die Gebäude auf der Suche nach Nahrung, Wasser, einer Dusche und einem Platz für die Nacht abzusuchen; einige von uns fingen an, sich Computer und alle wertvollen Güter zu schnappen, die sie finden konnten. Ich war da keine Ausnahme: Ich fand vor Ort einen Hut in einem zertrümmerten Lastwagen und nahm ihn mit. Meine Sturmhaube war zu kalt.

Trotz meines wilden Zustands wurde ich von all den Plünderungen angewidert. In einem Büro mit Fernseher saßen ein paar Leute und sahen sich die Nachrichten an. Sie hatten dort eine Flasche Champagner gefunden. Als ich aus dem Gebäude kam, sah ich einen Bataillonskommandanten und begrüßte ihn, wie es in unseren Militärregeln üblich war. Er begrüßte mich, schüttelte mir die Hand und ich schnorrte eine Zigarette von ihm, Marlboro Red. Während ich rauchte, fragte ich ihn, wie alles laufe. Er sagte mir, dass alles in Ordnung sei, dass alles bald vorbei sein werde …

Mit diesen Gedanken im Kopf und der tiefen Hoffnung, dass dies alles bald ein Ende haben werde, kehrte ich in die Büros der Mörserabteilung zurück, um etwas Schlaf zu bekommen. In den Büros gab es eine Cafeteria mit Küche und Kühlschränken. Wie die Wilden aßen wir dort alles: Haferflocken, Haferbrei, Marmelade, Honig, Kaffee. Uns war alles egal, wir waren schon am Limit. Die meisten hatten einen Monat auf den Feldern verbracht, ohne den geringsten Trost, eine Dusche oder normales Essen. In was für einen wilden Zustand man Menschen treiben kann, wenn man nicht daran denkt, dass sie schlafen, essen und sich waschen müssen.

Alles um uns herum gab uns ein ekelhaftes Gefühl; wie Elende versuchten wir nur zu überleben. Alle waren in Eile, suchten einen Schlafplatz, und die Leute kämpften um einen Platz in der Duschschlange. Ich war von all dem angewidert, erkannte aber, dass ich ein Teil von allem war. Das Kommando muss sich nicht um seine Leute gekümmert haben, die alles gaben, um Kriegspläne umzusetzen, die uns nicht so klar waren. Sie machten Menschen zu absoluten Wilden und ignorierten die Tatsache, dass sie schlafen, essen und duschen müssen. Obwohl ich viel Nerven habe, habe ich mich entschieden, in der Duschschlange hinten zu bleiben. Ich war mir sicher, dass wir Kherson jetzt einige Zeit festhalten würden und ich immer noch Gelegenheit zum Duschen bekommen würde.

Es ging auf Mitternacht zu. Zum ersten Mal seit einer Woche zog ich meine schusssichere Weste und Thermounterwäsche aus, legte meine Sachen zusammen mit den Waffen an den großen, zwei Meter langen Tisch und legte mich darauf. Ich war in einem Zustand großer Glückseligkeit, mein ganzer Körper summte in einem verzweifelten Schlafbedürfnis. Das Büro war schön. Auf dem Rücken auf diesem Tisch liegend, den Kopf mit einer Uniform bedeckt, erinnerte ich mich an meine frühere Arbeit in einem ähnlichen Büro. Ich war damals ein anderer Mensch und hatte das Gefühl, dass es in einem anderen Leben passiert ist. Jetzt liege ich wie ein Wilder auf dem Bürotisch, rundherum alles auf den Kopf gestellt, und fühle mich wie in einem Fünf-Sterne-Hotel, wenn man die gelegentlichen Schussgeräusche von draußen ignoriert.

Im zweiten Auszug drückt Filatyev seine Wut über Russlands Invasion in der Ukraine aus.

Ich habe in der Ukraine gekämpft, und wenn ich nicht das Recht habe, „Nein zum Krieg“ zu sagen, warum hat dann jemand anderes das Recht, den Krieg zu beginnen? Ich kann unsere Armee nicht nach Hause bringen, aber ich kann meine Erfahrungen und meine Gedanken über die Teilnahme an diesem Krieg teilen und Mitbürger ermutigen, sich um ihr Land zu kümmern, das so viele eigene Probleme zu bewältigen hat. Dies ist eine Art Teufelskreis, an dem wir alle schuld sind, aber wir müssen die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und unsere Fehler korrigieren. Wo ist die Weite der russischen Seele? Wohin sind unser Edelmut und unsere Spiritualität verschwunden? … Unsere Vorfahren haben so viel eigenes Blut für die Freiheit vergossen. Es ändert vielleicht nichts, aber ich weigere mich, an diesem Wahnsinn teilzunehmen. Ethisch wäre es einfacher, wenn die Ukraine uns angreifen würde, aber die Wahrheit ist, dass wir in die Ukraine einmarschiert sind und die Ukrainer uns nicht eingeladen haben.

https://www.spiegel.de/ausland/russischer-elitesoldat-packt-aus-viele-soldaten-wollen-nicht-mehr-kaempfen-spiegel-tv-a-470070ee-6a41-4d31-8d5a-3cff579b4d35