Getagged: Widerstand

Anarchismus in Russland heute: Gelungener Einblick mit erkenntnisreichem Tiefgang

Die Behörden greifen nicht nur gegen Personen hart durch, sondern auch gegen die anarchistische Idee selbst. Anarchismus fußt auf den Ideen der gegenseitigen Hilfe, Horizontalität und gelebten Solidarität und stellt damit eine Gefahr für ein autoritäres Regime dar, das sich durch eine Politik der Angst und einer Atomisierung der Gesellschaft aufrechterhält“, sagt ein Mitglied der Gruppe „Volksselbstverteidigung“ in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Meduza.

Es ist eine der vielen verschiedenen anarchistischen Stimmen aus Russland, die in dem Buch „Gegen die russische Staatsgewalt. Berichte von anarchistischem Widerstand und alternativloser Solidarität“ zu Wort kommen. Die Autorin Valerie Brosch hat mit ihm ein hervorragend recherchiertes und gut verständliches Buch über die aktuelle anarchistische Bewegung in Russland vorgelegt. Zahlreiche Gespräche und Interviews hat sie mit Angehörigen verschiedener anarchistischer Gruppen geführt, denen sie ohne vorgefertigte Urteile zuhörte. Die so geführten Gespräche zeichnen das Bild einer vielfältigen Szene und der realen Lebenswirklichkeit in diesem riesigen Land. Wir erfahren von der praktischen Alltagsrealität der Menschen in Städten und ländlichen Regionen, davon, wie Anarchist:innen vom totalitären russischen Staat verfolgt, kriminalisiert, terrorisiert und zu Haft und Zwangsarbeit verurteilt werden, wie sie einzeln und in Gruppen Solidarität üben, Öffentlichkeit herstellen und was ihre Positionen zum Russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind. Alle ihre im Buch zu Wort kommenden Gesprächspartner:innen zeichnen sich durch ein hohes Reflexionsvermögen aus, sind grundehrlich, zeigen die Schwierigkeiten, die sich ihnen als anarchistisch-humanistisch und revolutionär gesinnte Menschen in einer meist nicht nur latent bedrohlichen Umwelt stellen. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, erkennt die zahlreichen Facetten des Unrechts und die vielfältigen Unterdrückungsverhältnisse. Die klugen Einsichten der zu Wort kommenden Menschen regen zum eigenen Nachdenken an und berühren. Wie würde man selbst in den beschrieben Situationen handeln? Nehmen wir z.B. die Inhaftierung politischer Weggefährt:innen und Freund:innen oder gar die eigene?

Weiterlesen

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine

Roman Danyluk ist Autor verschiedener tiefgründiger, gut recherchierter Bücher zur Zeitgeschichte und emanzipatorischer, sozialrevolutionärer Bewegungen. Er schreibt seit Jahren über die Geschichte der Menschen der Ukraine, den Widerstand gegen die Staatsgewalt und den Kampf für Freiheit. 2010 erschien von ihm „Freiheit und Gerechtigkeit: Die Geschichte der Ukraine aus libertärer Sicht“ und 2014 „Kiew Unabhängigkeitsplatz: Verlauf und Hintergründe der Bewegung auf dem Majdan“. Mit seinem Buch „Bittere rote Beeren. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine“ hat er ein so detailliertes und verständliches Werk vorgelegt, das aus anderen zum Thema erschienen Veröffentlichungen herausragt.

Im Vorwort macht der Autor die Besonderheit dieses Krieges deutlich: „Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine […] war und ist kein althergebrachter Krieg zwischen zwei Armeen. Vielmehr handelt es sich um den Krieg der Armee eines Landes gegen die Menschen des anderen Landes. Er spielt(e) sich fast ausschließlich auf dem Territorium der Ukraine ab und riss vor allem die Bevölkerung und die soziale Infrastruktur eines ganzen Landes in den Abgrund. Die rücksichtslosen Bombardierungen und gezielten Raketenangriffe Russlands richteten sich von Monat zu Monat immer bewusster gegen Zivilist:innen und die soziale Infrastruktur. Die Besatzung in den okkupierten ukrainischen Territorien zeichnete sich unter anderem durch Mord, Folter, Vergewaltigung, Filtrationslager, Entführung ukrainischer Kinder nach Russland, den Diebstahl von Gütern und Agrarerzeugnissen, der staatlichen Ansiedlung von Menschen aus der Russischen Föderation sowie eine erzwungene Russifizierung aus. Alles Attribute sowohl von Kriegsverbrechen als auch von ethnischen Säuberungen.“

Weiterlesen

Über das Ausgrenzen anarchistischer Perspektiven aus Osteuropa von anarchistischen Veranstaltungen in der EU

In den letzten Jahren sind einige Organisationen und Gruppen im anarchistischen Spektrum aufgetaucht, die Aktivistinnen von Solidarity Collectives, ABC-Belarus und einer Reihe anderer anarchistischer und antiautoritärer Gruppen aktiv von öffentlichen Veranstaltungen ausschließen und ihre Teilnahme blockieren. Ausserdem wurden verschiedenste „Erklärungen” verfasst, in welchen die Arbeit zur Unterstützung des ukrainischen Widerstands gegen die russische Invasion verurteilt wird. Positionen von Aktivistinnen aus Osteuropa zum Krieg werden oft verdreht und falsch wieder gegeben um solches Handeln zu legitimieren. Anarchist*innen wird vorgeworfen, militaristisch zu sein, den Krieg zu unterstützen und sich dem ukrainischen Staat gegenüber nicht kritisch genug zu positionieren.

Unserer Meinung nach ist ein solches Verhalten der anarchistischen Bewegung nicht würdig – wir glauben an die Notwendigkeit eines Dialogs über kontroverse Themen. Die Versuche, Anarchistinnen aus Osteuropa dazu zu bringen, die „richtigen” Dinge zu sagen, damit westliche Genossinnen bereit sind, zuzuhören und zu spenden, fühlt sich wie Nötigung an. Wir betrachten die Arbeit von Solidarity Collectives und von ABC-Belarus in keiner Weise als kriegsbefürwortend oder gar als Unterstützung des staatlichen Militarismus. Alle Versuche, anarchistische Kollektive aus Osteuropa in der Frage der militärischen Expansionspolitik des russischen Regimes zu isolieren, verurteilen wir aufs schärfste.

Wir rufen anarchistische Kollektive dazu auf, Solidarität mit denen zu zeigen, die hier und heute mit Waffen oder Steinen in ihren Händen gegen die Regime von Putin und Lukaschenko kämpfen. Ein Widerstand gegen den Staat ist ohne Solidarität, kritisches Denken und Dialog über komplexe politische Themen nicht möglich.

Liste der Unterzeichnenden Gruppen und Kollektive (wenn ihr dieses Statement auch unterstützen wollt, meldet euch gerne bei einer der Gruppen, die bereits auf der Liste stehen)
Hier findet sich der Text in weiteren Sprachen

Diese Erklärung wird von den Menschen hinter dem Blog der vormaligen Revista BUNĂ unterstützt.


(Mehr als) 130 Jahre Agitation für den anarchistischen Kommunismus in Rumänien

Von Martin Veith

Das Foto zeigt es: 1891 erschien die erste Ausgabe der „Răzvrătirea“, ein Organ des kommunistischen Anarchismus, wie es im Untertitel heißt. Die in Focșani, (etwa 180 Kilometer nordöstlich von Bukarest gelegene Stadt) erschienene Zeitschrift trug im Namen bereits das Mittel, mit dem die Herausgeber eine freie, auf dem anarchistischen Kommunismus basierende Gesellschaft erreichen wollten: Durch Rebellion oder Aufstand, so lautet die wohl treffendste Übersetzung des Namens der Zeitung ins Deutsche. 1891 bestand das Königreich Rumänien aus den Regionen und Fürstentümern Walachei und Moldau und das Land zählte etwas mehr als 5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Bevölkerung lebte unter einer despotischen Feudalherrschaft. Bauern waren faktisch Leibeigene der Landbesitzer, der Bojaren. Gegen die hungernden und oftmals Zahlungs-säumigen Bauern hatten die Feudalherren das Recht der „körperlichen Züchtigung“ und der Pfändung der letzten Habseligkeiten. Die Bojaren vollzogen beides oft durch ihre Steuereintreiber und die Polizei. Die Orthodoxe Kirche gab ihren Segen zu diesem als „gottgegebene Ordnung“ bezeichneten Unrecht. Diese Zustände zu beenden, schickten sich Anarchisten an. Sie wirkten aufklärerisch unter den Landarbeitern und propagierten eine menschenwürdige Zukunftsgesellschaft ohne die bestehenden Unterdrückungs- und Abhängigkeitsverhältnisse. So endet der Leitartikel der ersten Ausgabe mit den konkreten Zielbeschreibungen: „Anstelle des Privateigentums gemeinschaftliches Eigentum, anstelle von Herrschaft: Anarchie. Es lebe der Kommunismus. Es lebe die Anarchie!“

Weiterlesen

Gegen den Krieg in der Ukraine heißt: Für die Niederlage Russlands! Krieg dem Kriege!

Die Redaktion der BUNĂ verurteilt den Angriff der Russischen Regierung auf die Ukraine. Wir stehen in Solidarität mit den Menschen in Russland, Belarus und der Ukraine, die sich dem imperialistischen Machtstreben der Russischen Regierung widersetzen. Unsere Gedanken sind nicht zuletzt bei den Menschen, die in der Ukraine, in Russland und Belarus für eine herrschaftsfreie, solidarische, anti-kapitalistische Gesellschaft gleichberechtigter Menschen kämpfen und die sich dort seit vielen Jahren staatlicher Verfolgung und Repression erwehren müssen.

Im folgenden Veröffentlichen wir eine Stellungnahme der Basisgruppe Antifaschismus aus Bremen, der wir uns vollinhaltlich anschliessen.

Krieg dem Krieg!

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine erklären wir uns solidarisch mit den vom Krieg betroffenen Menschen. Er ist der vorläufige Höhepunkt der militaristischen Außenpolitik des vom bonarpartistischen Autokraten Putin geführten russischen Staates. Mit ihr versucht er die eigenen inner-russischen extremen sozialen Widersprüche zwischen kapitalistischen Oligarchen auf der einen und massenhafter Armut auf der anderen Seite nicht nur nationalistisch zu deckeln. Es geht der russischen Staatsführung auch um die Verbesserung der eigenen Stellung in der weltweiten Staatenkonkurrenz, um den Klassenaufstieg zum vollwertigen imperialistischen player. Unterstützung erfährt Russland dabei deshalb nicht durch Zufall durch Staaten mit ähnlichen Ambitionen wie China und Indien.

Weiterlesen

Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von KM (Einleitung und Übersetzung)

Foto: Christopher Glanzl

In Österreich wurde vor eineinhalb Jahrzehnten die Ausbeutung von Betreuer:innen pflegebedürftiger Menschen gesetzlich verankert. Damit wurde ein System systematischer Ausbeutung und Diskriminierung von Arbeiter:innen aus Ostmitteleuropa geschaffen, von dem lediglich die österreichischen Vermittlungsagenturen profitieren.

Im Jahr 2018 haben 24h-Betreuer:innen aus Rumänien begonnen, sich in einer Facebook-Gruppe über besonders ausbeuterische Agenturen auszutauschen. Daraus ist DREPT pentru îngrijire (RECHT für die Pflege), ein selbstorganisiertes Netzwerk von 24h-Betreuer:innen und Aktivist:innen entstanden. Im August 2020 gründete DREPT einen Verein und kurz darauf mit der slowakischen Iniciatíva za zlepšenie podmienok v 24h opatrovaní (Initiative zur Verbesserung der Bedingungen in der 24-Stunden-Pflege) den Dachverband IG24.

Dies ist eine deutschsprachige Übersetzung eines auf LeftEast erschienenen englischsprachigen Artikels, in dem eine Betreuerin aus Rumänien über Arbeitsbedingungen, Selbstorganisation und Existenznöte während der Covid19-Pandemie berichtet.

Post(pandemische) Kämpfe in der sozialen Reproduktion: Rumänische 24h-Betreuer:innen in Österreich – Ausbeutung und Selbstorganisierung

Von Cornelia Igas, 13. Januar 2021

Der vorliegende Text wurde gemeinsam von der Redaktion der Internetseite LeftEast und der Plattform Transnational Social Strike herausgeben und ist Teil einer Reihe von Publikationen und Webinaren zu den Themen soziale Reproduktion, (Frauen-)Arbeit und Migration in Ostmitteleuropa und darüber hinaus. Das Ziel der Reihe ist es, das Bewusstsein für die Kämpfe um Arbeits-, Reproduktions- und Migrant:innenrechte zu schärfen, sowie für die Situation von Frauen in der Gesellschaft und wie diese durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie beeinträchtigt wurde. Die Publikationen und Webinare werden in Zusammenarbeit zwischen dem bulgarischen linken feministischen Kollektiv LevFem und der Plattform Transnational Social Strike koordiniert und von der Friedrich Ebert Stiftung – Bulgarien gefördert. Die meisten Teilnehmer:innen der Reihe sind Teil des neu entstandenen Netzwerks EAST (Essential Autonomous Struggles Transnational), das Aktivist:innen und Arbeiter:innen in/aus Ostmitteleuropa vereint. Für weitere Informationen kannst du das Netzwerk unter essentialstruggles@gmail.com kontaktieren. Das Verbreiten von Artikeln aus dieser Serie ist unter der Bedingung erlaubt, dass auf die ursprüngliche Publikationsquelle verwiesen wird.

Weiterlesen

Frühjahrs-Ausgabe 2021 der BUNĂ erschienen. Zeitschrift für Befreiung & Emanzipation – nicht nur in Rumänien

BUNA 8 TitelCOVID-19 verdrängt in den bürgerlichen Medien viele schon zuvor bestehende gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten. Die Regierungspolitik zur Pandemie erschwert es weiterhin oft, Menschen in Not solidarisch unterstützen zu können. Ein Beispiel dafür zeigt sich in dem Interview, das wir mit Genossinnen und Genossen in Timișoara führten. Sie unterstützen Geflüchtete aus Afghanistan in ihrer Stadt. Aus Platzgründen ist es nur online auf unserem Blog erschienen. Radu Stochița berichtet über den Widerstand von Pfleger:innen und Arbeitenden in der rumänischen Gesundheitsindustrie. Aus Österreich wird über die Selbstorganisation von Pflegearbeiterinnen und Pflegarbeitern aus Rumänien und der Slowakei informiert. In einem Grundsatzartikel blicken wir auf die Ermordung von Alexandra Măceșanu und Luiza Melencu vor zwei Jahren zurück und thematisieren die Rolle von Patriarchat, Polizei, Staat und Mafia-Clans dabei. Dazu haben wir Auszüge aus der Broschüre „Poliția ucide“ („Die Polizei tötet“) von Veda Popovici ins Deutsche übersetzt.

Einen Schwerpunkt der vorliegenden Ausgabe bildet die spannende Studie von Adina Marincea This is (NOT) a love story! Eine kurze Geschichte des Anarcha-Feminismus in Rumänien. Vom Punk zur Intersektionalität“. Und wir veröffentliche eine Internationale anarchistische Erklärung zur 150. Wiederkehr der Pariser Kommune.

Kurznachrichten rund um die anarchistische und syndikalistische Bewegung finden sich aus Rumänien, Deutschland, Frankreich, Belarus und Österreich. Den Nachrichtenüberblick zu Ereignissen in Rumänien und Moldawien konnten wir abermals aus Platzgründen nicht mit ins Heft nehmen.

Erstmals haben wir eine eigene Postkarte herausgegeben. Sie liegt dem Heft bei. Bestellungen sind, solange der Vorrat reicht, gegen Spende möglich.

Wir wünschen euch viel Spaß und Erkenntnis mit dem Heft. Wenn ihr uns gut findet, dann unterstützt die BUNĂ mit einem Abo und werbt für diese einzigartige Zeitschrift. Wir versenden auf Anfrage gerne kostenlose Probehefte. Für Anregungen und Hinweise haben wir ein offenes Ohr.

Inhalt und Bestellung:

Weiterlesen

„Vereint gegen Armut kämpfen“ – Ein Interview mit Mahala

Mahala ist eine anti-autoritäre und anarchistische Selbstorganisation von Arbeitenden in Rumänien. Die Genossinnen und Genossen unterstützen kämpfende Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie klären über Arbeitsrechte auf und sind immer wieder in der Öffentlichkeit präsent. Wir sprachen mit ihnen im Januar 2020.

1. Warum habt ihr Mahala gegründet und was bedeutet euer Name?

„Mahala“ ist ein rumänisches Wort, das grob übersetzt soviel wie „Slum“ oder „arme Nachbarschaft“ bedeutet. Traditionell bezieht es sich auf jede Form von Unterkunft, die mit einer Straße verbunden ist. Der heutige Gebrauch des Wortes ist meistens negativ besetzt, in Anbetracht dessen, wie Leute oft dazu tendieren, auf Menschen aus der arbeitenden Klasse, den Marginalisierten und Armen herunterzublicken. Trotzdem bringt es auch gleichzeitig das Bild ethnisch verschiedener und sozial vereinter Gemeinschaften in den Sinn, die gemeinsam gegen Armut kämpfen.

Weiterlesen

„… als ob diese Initiativen und Aktionen in Bukarest stattfinden würden“

Nicolas Trifon bei einer Buchvorstellung in Bukarest.

Interview mit Nicolas Trifon

von Mihai Codreanu

Nach der Etablierung kommunistischer Regime stalinistischen Typs in Osteuropa gingen Mitglieder einer der größten anarchistischen Bewegungen, jene aus Bulgarien, ins Exil. Ihre Ideen nahmen sie mit sich und fanden in Frankreich ein Land, das ihnen die Möglichkeit bot, Aufmerksamkeit auf die Situation in den Ländern des “sozialistischen Lagers” zu richten. Die Aktivitäten der bulgarischen Anarchisten beschränkten sich dabei nicht nur auf das Schreiben über ihr Land oder andere osteuropäische Staaten. Einige ihrer Aktivitäten beinhalteten den Guerillakrieg. Nach Spaltungen innerhalb der bulgarischen Anarchisten wurde die Gruppe “Iztok” (zu deutsch “Ost”) gegründet. Dieser schloss sich in den 1980er Jahren ein Emigrant aus Rumänien an – Nicolas Trifon (geboren 1949 in Bukarest) – heute ein französischsprachiger Schriftsteller. Sein aktuelles Interesse gilt der Mazedonischen Minderheit, die auch der Gegenstand seiner letzten Veröffentlichungen ist. In seinen Arbeiten finden sich verschiedene Bezüge wieder: Historische, anthropologische oder sozio-linguistische. In dem folgenden Interview behandeln wir die Situation in den 1980er Jahren bis zum Kollaps des sozialistischen Lagers zum Ende jenes Jahrzehnts und dem Beginn der 1990er Jahre.

Mihai Codreanu: Am 18. April 1978 wurde in Paris eine Pressekonferenz durchgeführt, an welcher Vasile Paraschiv (Rumänien), Viktor Feinberg (Sowjetunion), Aleksander Smolar (Polen) und Jan Letcinski (Tschechoslowakei) teilnahmen. Neben ihnen beteiligten sich Repräsentanten der vier größten französischen Gewerkschaften (F.E.N., F.O., C.F.D.T., C.G.T.) daran. Thema der Konferenz war die Gewerkschaftsfreiheit in Ost-Europa. Sie stellte ein wichtiges Ereignis dar, denn nach 30 Jahren fanden die vier größten französischen Gewerkschaften ein gemeinsames Projekt – den Protest gegen die Situation der Arbeiter im Ostblock. Hat die „Iztok“-Gruppe an diesem Ereignis teilgenommen?

Weiterlesen