Das ist eine tatsächlich hoch interessante Aufstellung.
Und jetzt kommt auch noch KI ins Spiel. Eine Technologie, die überall in der Organisation wirkt: strategisch, taktisch, operativ. Alle Systeme sind betroffen, alle Mitarbeiter, Produkte. Dienstleistungen und Services. Alle Prozesse, vom Dokumenteneingang bis zum Reporting an den Vorstand. Und damit auch die gesamte Wirkung des Unternehmens in seinem Markt: heute, morgen und in Zukunft.
Wer das nicht kontrollieren kann, macht sich zum Spielball der Elemente.
Daran knabbere ich schon seit längerem - und habe deshalb Masterpläne, Roadmaps, traditionelle Zweck-Mittel-Rationalität, Plan- und Antizipationsvorstellungen sowie zugehörigen Voluntarismus oder westliche Strategie-Konzeptionen beerdigt (was nach meinen Erfahrungen mit Poststrukturalismus und soziologischer Systemtheorie soundso naheliegt).
Man wird hier ganz anders vorgehen müssen.
Was dann noch hinzukommt, ist "organisatorisches Widerspruchs- und Paradoxiemanagement" als Führungsaufgabe. Dabei handelt es sich um unauflösbare Spannungen, die man im Organisationsalltag aushalten muss, ohne sie ein für allemal beseitigen zu können - außer: die Organisation wird geschlossen.
Wie dem auch sei: Du benennst den entscheidenden Punkt. KI-Transformationen können überall hineinwirken. Und ich bezweifle, dass aktuell wirklich allen klar ist, was das eigentlich bedeutet...
Insofern überrascht es dann doch nicht, dass große Beratungsgesellschaften wieder lineare Steuerungs- und Kontrollillusionen verkaufen wollen. Quasi: als Beruhigungspillen :-)
Humanistische Illusionen, wie zuletzt bei Fr. Meckel, sind nur eine andere (vertraute) Variante. Vielleicht keine Pille, aber ein Hustensaft :-)
Interessant wäre zu erfahren, wie das in nicht-westlichen Kulturen gehandhabt wird. Ich sollte mir das doch mal in China, Südkorea, Indien und Japan anschauen.
Aber gut, am naheliegendsten ist aktuell LatAm, weil ich da familiäre Beziehungen habe...
Der Blick nach Asien, insbesondere China, dürfte vielversprechend sein. Nun sind allerdings auch die Kulturen völlig anders ausgerichtet und im Gegensatz zu den westlichen Kulturen sehr offen für neue Technologien. Aber vielleicht ist es auch genau dieser Wandel, den die westliche Welt vollziehen muss, um ihre Anschlussfähigkeit zu behalten und weiterhin eine ernstzunehmende wirtschaftliche Existenzberechtigung zu haben.
Dass die großen Beratungsgesellschaften die Komplexitäten künstlicher Intelligenz weder verinnerlicht noch verstanden haben, ist offensichtlich. Aber Geschäft ist Geschäft, und solange es läuft, solange die Musik weiterspielt, wird getanzt. Und getrunken, bis zum Umfallen und auf Kosten der Klienten, auf dass es kein Morgen gibt.
LatAm als Konzern oder als Kontinent? Ich habe weder in das eine noch in das andere wirklich Einblick.
LatAM als Kontinent, weil es Familienmitglieder in Bogotà (ok, mittlerweile auch noch in Paraguay) gibt.
Interessant wären dann für mich: Kolumbien, Mexiko und Brasilien (ich müsste nur mein brasilianisches Portugiesisch reaktivieren :-)).
Was für mich in China übrigens interessant war, dass Beschäftigte aufgefordert wurden, möglichst alles in ihren Jobs zu automatisieren - quasi: AI auf alles in ihrem Umfeld loszulassen.
Das geht natürlich in allen regulierten Branchen überhaupt gar nicht.
Aber ich würde mir wirklich gerne anschauen, wie solch eine totale "Entfesselung" in etablierten Firmen in China aussieht und welche Effekte das zeitigt (insbesondere mein AI Security-Herz würde da wohl höherschlagen :-) ).
Nun, ich glaube, da haben wir ein interessantes Beispiel vor der eigenen Haustür.
Mercedes-Benz hat gerade verkündet, dass sie 1.500 Mitarbeiter mit den Möglichkeiten von N8N und Co. beglücken und sie mit einem Hackathon aktiv aufgefordert haben, Prozesse und Workflows mit den neuen Möglichkeiten zu kreieren.
Die stärksten Use Cases sollen nun mithilfe von n8n in die Umsetzung überführt werden.
Der Mercedes-Ansatz könnte funktionieren, aber nur unter einer harten Bedingung: n8n darf nicht als Empowerment-Plattform für „Makers“ verstanden werden, sondern als kontrollierte Ausführungsinfrastruktur mit expliziter Interventionsklassifikation.
Sonst entsteht genau die gefährliche Kombination:
Citizen Development + AI + operative Workflows + APIs + Credentials + Prozessintegration + Skalierungsnarrativ.
Das ist organisatorisch attraktiv, aber kontrollarchitektonisch explosiv.
Im Januar 2026 berichtete Cybersecurity Dive über eine kritische n8n-Schwachstelle mit CVSS 10; Forschende warnten, dass kompromittierte n8n-Umgebungen Zugriff auf sensible Credentials wie Salesforce, AWS und OpenAI ermöglichen könnten. Zum Zeitpunkt des Berichts gab es laut Quelle keine Evidenz aktiver Ausnutzung, aber das zeigt den Blast-Radius solcher Plattformen.
TechRadar berichtete kurz darauf, dass fast 60.000 internetverbundene n8n-Instanzen noch gegen die Schwachstelle anfällig gewesen seien; n8n werde stark für Dateningestion und AI-Agenten genutzt. Auch hier: Das ist kein Beleg dafür, dass Mercedes betroffen ist. Es zeigt nur, dass Workflow-Automatisierungsplattformen selbst Teil der Angriffs- und Kontrollarchitektur werden.
Was mir noch spontan einfällt, Stefan, ist natürlich organisatorische "Mikropolitik", die die ganzen Entscheidungen idR immer begleitet.
Auch darauf muss man bei KI-Transformationen stets ein Auge haben.
Interessant ist auch die organisationssoziologische Einsicht, dass mitunter "Latenzschutz" angesagt ist. Man kann also in einer Organisation nicht alles thematisieren, was man vielleicht thematisieren möchte / sollte.
Damit laufen auch Vorstellungen der vollständigen Transparenz einer Organisation, wie sich das mitunter die BPM Community auf ihre Fahnen schreibt, tendenziell ins Leere.
Das ist eine tatsächlich hoch interessante Aufstellung.
Und jetzt kommt auch noch KI ins Spiel. Eine Technologie, die überall in der Organisation wirkt: strategisch, taktisch, operativ. Alle Systeme sind betroffen, alle Mitarbeiter, Produkte. Dienstleistungen und Services. Alle Prozesse, vom Dokumenteneingang bis zum Reporting an den Vorstand. Und damit auch die gesamte Wirkung des Unternehmens in seinem Markt: heute, morgen und in Zukunft.
Wer das nicht kontrollieren kann, macht sich zum Spielball der Elemente.
Daran knabbere ich schon seit längerem - und habe deshalb Masterpläne, Roadmaps, traditionelle Zweck-Mittel-Rationalität, Plan- und Antizipationsvorstellungen sowie zugehörigen Voluntarismus oder westliche Strategie-Konzeptionen beerdigt (was nach meinen Erfahrungen mit Poststrukturalismus und soziologischer Systemtheorie soundso naheliegt).
Man wird hier ganz anders vorgehen müssen.
Was dann noch hinzukommt, ist "organisatorisches Widerspruchs- und Paradoxiemanagement" als Führungsaufgabe. Dabei handelt es sich um unauflösbare Spannungen, die man im Organisationsalltag aushalten muss, ohne sie ein für allemal beseitigen zu können - außer: die Organisation wird geschlossen.
Wie dem auch sei: Du benennst den entscheidenden Punkt. KI-Transformationen können überall hineinwirken. Und ich bezweifle, dass aktuell wirklich allen klar ist, was das eigentlich bedeutet...
Insofern überrascht es dann doch nicht, dass große Beratungsgesellschaften wieder lineare Steuerungs- und Kontrollillusionen verkaufen wollen. Quasi: als Beruhigungspillen :-)
Humanistische Illusionen, wie zuletzt bei Fr. Meckel, sind nur eine andere (vertraute) Variante. Vielleicht keine Pille, aber ein Hustensaft :-)
Interessant wäre zu erfahren, wie das in nicht-westlichen Kulturen gehandhabt wird. Ich sollte mir das doch mal in China, Südkorea, Indien und Japan anschauen.
Aber gut, am naheliegendsten ist aktuell LatAm, weil ich da familiäre Beziehungen habe...
Der Blick nach Asien, insbesondere China, dürfte vielversprechend sein. Nun sind allerdings auch die Kulturen völlig anders ausgerichtet und im Gegensatz zu den westlichen Kulturen sehr offen für neue Technologien. Aber vielleicht ist es auch genau dieser Wandel, den die westliche Welt vollziehen muss, um ihre Anschlussfähigkeit zu behalten und weiterhin eine ernstzunehmende wirtschaftliche Existenzberechtigung zu haben.
Dass die großen Beratungsgesellschaften die Komplexitäten künstlicher Intelligenz weder verinnerlicht noch verstanden haben, ist offensichtlich. Aber Geschäft ist Geschäft, und solange es läuft, solange die Musik weiterspielt, wird getanzt. Und getrunken, bis zum Umfallen und auf Kosten der Klienten, auf dass es kein Morgen gibt.
LatAm als Konzern oder als Kontinent? Ich habe weder in das eine noch in das andere wirklich Einblick.
LatAM als Kontinent, weil es Familienmitglieder in Bogotà (ok, mittlerweile auch noch in Paraguay) gibt.
Interessant wären dann für mich: Kolumbien, Mexiko und Brasilien (ich müsste nur mein brasilianisches Portugiesisch reaktivieren :-)).
Was für mich in China übrigens interessant war, dass Beschäftigte aufgefordert wurden, möglichst alles in ihren Jobs zu automatisieren - quasi: AI auf alles in ihrem Umfeld loszulassen.
Das geht natürlich in allen regulierten Branchen überhaupt gar nicht.
Aber ich würde mir wirklich gerne anschauen, wie solch eine totale "Entfesselung" in etablierten Firmen in China aussieht und welche Effekte das zeitigt (insbesondere mein AI Security-Herz würde da wohl höherschlagen :-) ).
Nun, ich glaube, da haben wir ein interessantes Beispiel vor der eigenen Haustür.
Mercedes-Benz hat gerade verkündet, dass sie 1.500 Mitarbeiter mit den Möglichkeiten von N8N und Co. beglücken und sie mit einem Hackathon aktiv aufgefordert haben, Prozesse und Workflows mit den neuen Möglichkeiten zu kreieren.
Die stärksten Use Cases sollen nun mithilfe von n8n in die Umsetzung überführt werden.
https://www.automotiveit.eu/kuenstliche-intelligenz/mercedesbenz-skaliert-kiworkflows-mit-n8n/2662194
Ich habe so eine Ahnung, was dabei herauskommen wird.
Nicht sofort sichtbar, sondern erst nach und nach.
Passend zum Thema habe ich für nächsten Sonntag einen Artikel geplant, der viele Illusionen zerstören wird.
Sehr hübsch!
Das ist mir tatsächlich entgangen. Ich sollte mich weniger mit US- und Asien-News beschäftigen.
Am besten automatisiert man alles, ohne irgendetwas zu analysieren. Motto:
AI fast - die faster :-)
Und da natürlich AI Security ebenfalls nur ein Bremsklotz für Gestrige ist: Lovely, simply lovely.
Aus meiner "Sociocentric BPM for AI"-Sicht.
Der Mercedes-Ansatz könnte funktionieren, aber nur unter einer harten Bedingung: n8n darf nicht als Empowerment-Plattform für „Makers“ verstanden werden, sondern als kontrollierte Ausführungsinfrastruktur mit expliziter Interventionsklassifikation.
Sonst entsteht genau die gefährliche Kombination:
Citizen Development + AI + operative Workflows + APIs + Credentials + Prozessintegration + Skalierungsnarrativ.
Das ist organisatorisch attraktiv, aber kontrollarchitektonisch explosiv.
Im Januar 2026 berichtete Cybersecurity Dive über eine kritische n8n-Schwachstelle mit CVSS 10; Forschende warnten, dass kompromittierte n8n-Umgebungen Zugriff auf sensible Credentials wie Salesforce, AWS und OpenAI ermöglichen könnten. Zum Zeitpunkt des Berichts gab es laut Quelle keine Evidenz aktiver Ausnutzung, aber das zeigt den Blast-Radius solcher Plattformen.
TechRadar berichtete kurz darauf, dass fast 60.000 internetverbundene n8n-Instanzen noch gegen die Schwachstelle anfällig gewesen seien; n8n werde stark für Dateningestion und AI-Agenten genutzt. Auch hier: Das ist kein Beleg dafür, dass Mercedes betroffen ist. Es zeigt nur, dass Workflow-Automatisierungsplattformen selbst Teil der Angriffs- und Kontrollarchitektur werden.
https://www.automotiveit.eu/kuenstliche-intelligenz/mercedesbenz-skaliert-kiworkflows-mit-n8n/2662194
Claude Mythos wird da noch einiges mehr liefern können.
Kurzum: "AI macht Spaß - zumindest so lange, bis es das nicht mehr tut" :-)
Hm, strange. Kann meinen eigenen Kommentar nicht korrigieren :-(
Ich meinte natürlich:
"Was für mich in China übrigens interessant war ..., möglichst alles in ihren Jobs ..."
Was mir noch spontan einfällt, Stefan, ist natürlich organisatorische "Mikropolitik", die die ganzen Entscheidungen idR immer begleitet.
Auch darauf muss man bei KI-Transformationen stets ein Auge haben.
Interessant ist auch die organisationssoziologische Einsicht, dass mitunter "Latenzschutz" angesagt ist. Man kann also in einer Organisation nicht alles thematisieren, was man vielleicht thematisieren möchte / sollte.
Damit laufen auch Vorstellungen der vollständigen Transparenz einer Organisation, wie sich das mitunter die BPM Community auf ihre Fahnen schreibt, tendenziell ins Leere.