Die Menge

Jeremys traditionelle Karfreitagspredigt fällt aus: der Text war sogar für meine wirren Verhältnisse zu konfus. Mehrere Ansätze, kein Zusammenhang.

Stattdessen:

Eine scharfsinnige Betrachtung von Kardinal Ratzinger, Karfreitag 2005:

„Pilatus ist nicht gänzlich böse. Er weiß, dass der Verurteilte unschuldig ist, und sucht nach einem Weg, ihn zu befreien. Doch sein Herz ist gespalten. Und am Ende lässt er seine eigene Position, sein eigenes Interesse, über das Rechte siegen.

Auch die Männer, die schreien und den Tod Jesu fordern, sind nicht gänzlich böse. Viele von ihnen werden am Pfingsttag einen tiefen Schmerz verspüren, wenn Petrus zu ihnen sagt: „Jesus von Nazareth, ein Mann, der von Gott vor euch bezeugt wurde … den ihr von Leuten außerhalb des Gesetzes kreuzigen und töten lassen habt.“

Doch in diesem Moment werden sie von der Menge mitgerissen. Sie schreien, weil alle anderen schreien, und sie schreien dasselbe wie alle anderen. So wird die Gerechtigkeit von Schwäche, Feigheit und der Angst vor dem Diktat der herrschenden Denkweise mit Füßen getreten. Die leise Stimme des Gewissens wird vom Geschrei der Menge übertönt. Das Böse bezieht seine Macht aus Unentschlossenheit und der Sorge darum, was andere Menschen denken.“

Vielleicht geschieht ja aus den falschen Gründen…

Das Tischtuch ist zerschnitten. Die USA und ihre europäischen NATO-Verbündeten gehen nach fast 80 Jahren wieder getrennte Wege.

Das ist doch mal ’ne Nachricht.

Die desaströse Lage auf dem Welt-Energiemarkt, die ja alleine durch die Öffnung der Straße von Hormus nicht verändert werden kann, weil einfach viel zu viel an Förderanlagen, LNG-Anlagen, Raffinerien, Verladeterminals und nicht zuletzt Meerwasser-Entsalzungsanlagen zerstört ist, wird unausweichlich dazu führen, dass die Europäer, im Verbund mit China und Indien, mit  massiver Kapital- und Ausrüstungshilfe sowohl in den Golfstaaten als auch im Iran den Wiederaufbau unterstützen. (…)

Die Chance, aus den Zerstörungen dieses Krieges eine neue, friedlichere Weltordnung entstehen zu lassen, ist hoch.

Optimismus ist mir fremd, aber man darf ja mal träumen.

Der Wirtschaftsteil

Der dritte Apokalypische Reiter im Galopp.

Der vierte sattelt auf.

Erst wenn Sie sich vollständig klar gemacht haben, dass dieser fundamentale Mangel mit Geld und auch mit noch so vielen Sondermögen nicht zu beheben ist, wissen Sie, dass es nicht der Preisschock ist, der uns quält. Der Mangel wird Lieferketten zerreißen, er wird vielerorts Produktion unmöglich oder unwirtschaftlich machen. Das ganze so stabil erscheinende System der Güter- und Warenströme erweist sich als äußerst fragil und wird selbst an scheinbar nicht betroffenen Stellen von Einbrüchen erschüttert werden.

Der Preisschock selbst, der kommt nur noch oben drauf. (…)

Ziehen Sie sich warm an.

Bevor Vergnügungsfahrten verboten werden, werde ich über Ostern eine ebensolche machen.

Gestern im Wertewesten

Der Kopfabschneider

Als der Staatsgast am Sonntagabend im luxuriösen Hotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz einen Empfang für seine Landsleute gab, beklatschten sie ihn euphorisch und skandierten immer wieder in Sprechchören: „Allahu Akbar!“ (…) Bei der Veranstaltung habe Scharaa gesagt, dass er stolz darauf sei, dass Syrer in Deutschland an ihrer nationalen Identität und Verbundenheit zur alten Heimat festhielten. (…)

Den roten Teppich ließ dem früheren Dschihadisten und Ex-Chef der islamistischen HTS-Milizen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausrollen. Er empfing ihn am Vormittag in seinem Amtssitz, dem Schloss Bellevue.

auf Staatsbesuch.

Heimatverbundenheit und Stolz auf nationale Identität, sowie Flaggen sind völlig OK, solange sie nichts mit diesem Land hier zu tun haben.

Vor Gericht und auf Hoher See

Sehr langer Text, die erste Hälfte genügt, um bescheidzuwissen.

Paßt auch noch zum Vorigen- dem Marsch von Rudi Dutschkes Epigonen durch die Institutionen.

Eine passende Anekdote habe ich in der Famile: Ein Sorgerechtsstreit (mit eingeschlossenem Kriminalfall, eigentlich klare Sache), zu dem die Berliner Justiz sinngemäß erklärte: Recht? Unrecht? Egal. Wir verschleppen den Fall solange, bis das Kind 18 ist.

Sie dürfen raten, zu wessen Gunsten.

Reaktanz, Renitenz

Zum Vorigen:

Wahrscheinlich hat man das damals heillos übertrieben mit dem Radikalenerlaß, weswegen ein Großteil der Studenten dann extra querulantisch auf die Barrikaden ging. Mit dem Ergebnis, das wir heute sehen.

Kann ich nicht einschätzen, war nicht dabei. Habe aber das dumpfe Gefühl: wenn die Deutschen irgendwas beherrschen, dann das maßlose Überziehen abstrakter Prinzipien.

Ferrum Vulkanum und die Große Ausrede

Ausführliche Recherche über die Ermittlungen gegen Vulkangruppe & Co.

tl;dr: Die Behörden tappen im Dunkeln.

Mehr als 500 Polizisten rücken zu 15 Adressen in der Hauptstadt aus. Die Ziele sind streng geheim, die Sorge vor Durchstechereien groß, sodass selbst Beamte im Landeskriminalamt im Glauben gelassen werden, der Einsatz drehe sich um eskalierende Bandengewalt in Berlin. Offiziell führt die dafür zuständige Ermittlungseinheit „Ferrum“ den Einsatz – lateinisch für Eisen, wegen der vielen Schusswaffen auf Berliner Straßen. In Wahrheit aber geht es bei dem Einsatz gegen die linksextreme Szene.
Logisch. Die haben ihre Leute so ziemlich überall.
  –
  –
Ja, macht sich bemerkbar.

Nebenbei: Andreas Kemper, dieser bizarre „Soziologe“, der sich in Hamburg um Kopf und Kragen geredet hat (Nachlese), ist ebenfalls beim erwähnten Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung zugange.

Randaspekt:

Keine belastbare Spur führt nach Moskau, kein abgehörtes Gespräch, kein Geldfluss. Vielleicht, sagen manche, arbeiten russische Dienste schlicht zu geräuschlos. Naheliegender ist eine andere Erklärung: Die russische Spur bleibt kalt – weil es sie nicht gibt. Eine mit den Ermittlungen vertraute Person drückt es so aus: „Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente“ – also Linksextremismus.
Für Deutschlands Sicherheitsbehörden ist das die unbequemere Lesart. Sie rückt das Problem in ein anderes Licht, in dem die Behörden nicht gut aussehen. Denn dann hielte kein übermächtiger Staat die Ermittler seit 15 Jahren zum Narren, sondern eine kleine Gruppe entschlossener Linksextremer.

Ja, das mit den Russen war eine herrliche Ausrede. Langzeitausreden haben die unheilvolle Eigenheit, zu Phantomjagden zu führen. Und die führen dann zu Paranoia.

Apropos: der Krieg am Golf und der daraus folgende wirtschaftliche Weltuntergang wird jetzt die Universalausrede für Jeden und Alles werden. Alle Totalverkacker werden jetzt auf Trump zeigen und sagen: der war’s, ich kann nix dafür! Wer will es ihnen verdenken.

Daß ich mich nie um Altersvorsorge gekümmert habe, folgt dem gleichen Muster.

Die verlorene Ehre des „Spiegel“

Alexander Wendt mit einer sehr ausführlichen Übersicht über den großen aktuellen Flachfake.

Folge der Spur des Geldes. Es geht immer darum, Steuerkohle umzuleiten.

Don Alphonso zum Thema mit einer persönlichen Parallele.

Und wenn er sich umbringt? Dazu muss ich für ein paar Absätze die Journalistenkunstfigur Don Alphonso verlassen und ehrlich sein: Das wäre für seine Freunde sicher furchtbar, aber dem „Spiegel“ ist es bekanntlich egal. Ich weiß das leider. Ich habe das miterlebt.

Hadmut Danisch: Nicht nur für ihn, auch für sie ist das der Abschuß.

Ich bin zu alt, um diese „Promis“ zu kennen oder mich für sie zu interessieren.

Ich erinnere mich aber noch an dieses Buch:

„Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Die Bösartigkeit der Banalen

Keine andere Abhilfe

Aya Velázquez beruft sich auf Artikel 20, Absatz 4:

Das nennt sich Sippenhaft oder auch Kollektivhaftung. Das letzte Mal, als Sippenhaft in Deutschland eingesetzt wurde, war im Dritten Reich. *) Wer dagegen jetzt nicht aufsteht, macht sich mit einem neuen Totalitarismus und Faschismus in Deutschland gemein.

Ich mache hiermit von Artikel 20, Absatz 4 des deutschen Grundgesetzes Gebrauch, wonach das Recht zum Widerstand gegen jeden besteht, der versucht, die staatliche Ordnung zu beseitigen:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Andere Abhilfe ist nicht möglich: Herr Dogru hat es bereits via Eilantrag auf gerichtlichem Weg versucht. Dieser wurde abgelehnt. In zeitlichem Zusammenhang mit der erneuten Berichterstattung über den abgelehnten Eilantrag wurde nun auch das Bankkonto seiner Ehefrau gesperrt, und seine Familie damit in Kollektivhaftung genommen. Das ist mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar. Selbst Straftäter haben Grundrechte, und Herr Dogru hat noch nicht einmal eine Straftat begangen. Hüsseyin Dogru und seine Familie werden einzig und allein für seinen Journalismus ihrer Grundrechte beraubt.

Ich erneuere daher hiermit mein Angebot: Ich bin bereit, Herrn Dogru und seiner Familie vor laufenden Kameras Sachspenden und Geld zu überreichen. Angesichts der humanitären Notlage der Familie ist friedlicher ziviler Ungehorsam das einzige Gebot der Stunde. Eine unterlassene Hilfeleistung an eine Familie in Not könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

Ich bitte darum, vor Anfragen an mich, wie und wo man Herrn Dogru unterstützen kann, abzusehen, denn mir liegen aktuell leider keine Informationen über entsprechende Aktionen vor. Herr Dogru muss selbst entscheiden, ob er dem zustimmen würde. Es bedeutet für ihn das Risiko einer Straftat – ebenso wie für alle, die ihm helfen wollen. Ich denke, dass es an diesem Punkt, mit 104 Euro Barguthaben und einer bevorstehenden Obdachlosigkeit, nicht mehr viel zu verlieren gibt. Die Entscheidung, ob er öffentlichkeitswirksam Hilfe annehmen will, kann ihm jedoch niemand abnehmen. Ich für meinen Teil bin bereit, das Risiko zu tragen.

Es ist ein Punkt gekommen, an dem unser Staat sich nackt machen muss: Möchte er tatsächlich Menschen kriminalisieren, die einer Familie in Überlebensnot Lebensmittel, Babynahrung, Windeln und Geld zukommen lassen wollen?

!! HUMANITARIAN EMERGENCY CALL !!!

As of yesterday, German authorities seized the bank accounts of my wife.

She is not sanctioned and has committed no crime.

As of now we have only ca. 104 euros left — with two newborn babies and one 7-year-old child!!!

 

*) Sippenhaft gab es auch in der DDR, nur der Vollständigkeit halber.

Die Zeitungsmeldung:

Nachdem der seit Mai 2025 von der EU sanktionierte Journalist bereits selbst weitgehend vom Zahlungsverkehr abgeschnitten ist, hat die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS) nun auch die Konten seiner Ehefrau „sichergestellt“.

Die Behörde, die zur Generalzolldirektion gehört, vertritt nach einer der Berliner Zeitung vorliegenden Anordnung die Auffassung, dass die Konten der Frau zur Umgehung der gegen Doğru verhängten Sanktionen genutzt worden seien. (…)

Der Journalist steht seit Mai 2025 auf einer EU-Sanktionsliste. Die Europäische Union begründet dies damit, dass Doğru mit seiner propalästinensischen journalistischen Arbeit „ethnische, politische und religiöse Zwietracht“ schüre und damit „destabilisierende Aktivitäten Russlands“ unterstütze. Öffentliche Belege für eine konkrete Verbindung nach Moskau wurden bislang nicht vorgelegt.

 

Keiner konnte kaufen oder verkaufen,

der nicht das Zeichen des Tieres trug.

 

Die Antichristen von EU und BRD klemmen einer Familie mit kleinen Kindern die physische Lebensgrundlage ab. Wer der Familie hilft, macht sich strafbar. 

Keine Anklage, kein Prozeß. Kein Urteil.

Ein Verwaltungsakt.

Die Bösartigkeit der Banalen.

 

1979…2026

„Mein Antiamerkanismus ist gar nicht oberflächlich!“ (Volker Pispers)

Meiner auch nicht, und die Mullahs kann ich ebenfalls nicht leiden.

Filmbericht von 1979 und zugleich Medienkritik des Tages.

Außerdem ein knapper Kommentar zum Krieg: „Es sieht nicht gut aus.“

Ja, genau so dachte ich mir das. Zauberlehrling hat das Wort vergessen.

Die Stickstoff- Falle

Stickstoff. Harnstoff. Ammoniak. Und Schwefel. Und Phosphor.

Dies ist die Geschichte der Stickstofffalle. (…) Es ist die Geschichte einer Zivilisation, die jeden Knotenpunkt ihres Nahrungsmittelproduktionssystems auf Kosteneffizienz optimierte und gleichzeitig existenzielle Abhängigkeiten auf Engpässe konzentrierte, die sie nicht kontrollieren kann, Inputs, die sie nicht lagert, und Versicherungsmärkte, die sie nicht reguliert. Die Antwort ist, wie wir gleich herausfinden werden, dass es sich bei diesen Systemen nicht nur um Preisanpassungen handelt. Sie brechen. Und die Brüche breiten sich über mindestens vierzehn verschiedene Übertragungskanäle aus, von den Hoftoren Iowas bis zu den Brotschlangen Kairos, von den Harnstofffabriken Chattograms bis zu den Dieselabgassystemen australischer Straßenzüge, von den Entsalzungsanlagen Bahrains bis zu den Generikafabriken Hyderabads, in einer kaskadierenden Architektur des Versagens, die noch kein Konsensmodell vollständig kartiert hat.

Was folgt, ist diese Karte.

Was folgt, ist ein langer, sehr langer Text. Detailreich. Hab ich gestern abend übersetzen lassen und mir reingezogen und bin heute mit einem Alptraum (egal, was ich mache, es wird völliger Murks, so dürfte sich Demenz anfühlen) aufgewacht.

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Düngemittel, Kunststoffe, Medikamente und weiteres Allerlei nicht mehr ausreichend beschaffbar und darum unbezahlbar sind. Wenn Sie schlechte Laune brauchen, sind Sie hier goldrichtig.

Liegengebliebenes, doppelt zweifach

2x Harald Neuber:

In Potsdam übernimmt dieser Tage eine Regierung die Macht, die so niemand gewählt hat. Eine Koalition tritt an, die keine demokratisch legitimierte Mehrheit hat. Und ein Ministerpräsident, der sich gern als Stabilitätsanker inszeniert, klammert sich an eine Mehrheit, die nicht an der Wahlurne entstanden ist – sondern von alten Männern in noch älteren Hinterzimmern ausgehandelt wurde.

Da bin ich nun aus den Thüringer Verhältnissen geflüchtet und dann das.

  – – –

Trump verkündete zwei Wochen lang den Sieg gegen Iran. Eine Woche später bittet er fünf Nationen um Kriegsschiffe. Was ist in sieben Tagen geschehen?

Ich sehe den abgesoffenen Zauberlehrling. Mal eben schnell aus der Hüfte einen Gegner beschießen, der sich 30 Jahre lang auf diesen Tag vorbereitet hat.

Super Idee, klappt bestimmt.

 Vielleicht geschieht ja aus den falschen Gründen...

– – –

2x EWK:

Die Klärung der Frage, ob ich mich die ganze Zeit über geirrt habe, oder ob Trump jetzt plötzlich und unerwartet durchdreht, stelle ich noch zurück. Sie führt jetzt nicht weiter. Im Augenblick geht es darum, das aktuelle Geschehen einzuordnen.

Schon älter:

Alle Welt spricht über den Anstieg der Ölpreise. 120 $ für ein Barrel Rohöl, 2,50 Euro für einen Liter Diesel an der Zapfsäule – und das, weil Rohöl aus den Golfstaaten nur eingeschränkt verfügbar ist und die übrigen Lieferanten diese Knappheit nutzen, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Das ist aber weniger als die halbe Wahrheit.

Über die viel größere Problematik wird öffentlich überhaupt nicht berichtet. Diese Problematik besteht darin, dass Rohöl und Rohöl zwei sehr verschiedene Dinge sind…

Au weia. Industrieelle Optimierungsprozesse sind die Definition des Wörtchens „komplex“.

Unsagbar

Na jaaa… mal ungeachtet des Schlußsatzes gestern mit der eigenen Schuld…

Was man heute nicht sagen kann:

Die Sexuelle Revolution war ein Desaster.

Geht nicht. So viel Mut hätte ich nicht. Weil ich es dann mit allen, aber wirklich allen zu tun krächte. „Willst du etwa die Adenauerzeit zurück? Na also.“ Würde ich also niemals sagen. Auf keinen Fall.

Dann hätten ja die prüden Altvorderen recht gehabt. Die, die fanden, der größte Reiz am Sex war die Heimlichkeit. Fällt dieser Reiz weg, muß ein Ersatzreiz her. Steigerung. Sodom. Reizmaximierung. Gomorra.

Nein, sowas kann man heute nicht… wo man doch das Gefühl nicht loswird, die Verkrassung des Sexuellen sei Staatsziel.

Niemals würde ich behaupten, daß spätrömische Zustände den Zerfall der Gesellschaft begleiten oder gar bewirken.

Guten Morgen, liebe verbeamtete Queerbeauftragte und steuergeldgepamperte Meldestellenfuzzies!

Niemals würde ich das P- Wort…

Never. Ever. Jemals.

Niemals würde ich die klassische Familie für ein erstrebenswertes Modell…

Die schönste Freiheit war die neu gewonnene Freiheit. Als die Sitten noch streng waren, aber eine neue Freizügigkeit sich Bahn brach. Als dann irgendwann alles erlaubt war, war der Reiz weg, und angeblich ist bei der Jugend Sexflaute. Ja. Logisch. Bemerkenswert, wie schnell das ging.

Ja, diese jahrtausendealten Moralaposteleien hatten einen Sinn. (Ein Professor sagte mir einst: Wenn Sie älter werden, werden Sie das verstehen. Offenbar bin ich alt geworden. Scheiße.)

Irgendwie auch so ein persönliches Ding. (Ich meine… ich war mit noch halbwegs straffen Sitten großgeworden… aber auch mit Friedrich Engels und später dann Wilhelm Reich. Und kochenden Hormonen sowieso. Das Gehirn konnte der Kreislauf unmöglich auch noch mitversorgen. Mein jüngeres Ich verhöhnt mich gerade.)

Ja, genau. Deswegen würde ich niemals… s.o.

Tabu, Bruch, Tabu

Paßt irgendwie noch zum Thema. Liegt schon ewig auf Entwurf. Es mäandert, das Motiv. Der Text ist nicht aus einem Guß. Andererseits: Paßt irgendwie? Nee, warte mal, die letzte Stelle trifft den Kern von gestern. Ich drücke jetzt mal auf Veröffentlichen.

Selbstzitat:

Übrigens, nebenbei, das ist meine Definition für „satanisch“. Es gibt ja diesen Spruch „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Wenn jemand in einem Yin / Yang- Ding die Kurve nicht kriegt und immer noch einen draufsetzen muß, obwohl er objektiv schon längst das Gegenteil erreicht.

Wenn jemand kein Gefühl fürs Überdrehen hat. Abnehmender Grenznutzen. Überspannter Bogen. Positive Rückkopplung.

Das gilt für Ideen wie für Drogen wie für Sexpraktiken wie für Geschäftsmodelle wie für Korruption… immer weiter, immer mehr… der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Das nenne ich „satanisch“.

Den Teufel zu externalisieren, heißt, ihm zu verfallen.

Apropos Sexpraktiken, scollt gerade vorbei:

Bedeutet jeder Tabubruch wirklich mehr Freiheit?

Es gehört zu den Gewissheiten unserer Gegenwart, dass sexuelle Entgrenzung Fortschritt sei. Je mehr Tabus fallen, desto freier der Mensch – so das Mantra der Spätmoderne. Wer daran rührt, gilt schnell als moralisch verdächtig.
(…)
Von hier führt keine einfache Kausallinie zu heutigen Extremen, wohl aber eine kulturelle Kontinuität. Wenn Grenzüberschreitung Fortschritt bedeutet, verlangt jede Generation nach Steigerung. Was 2001 Tabubruch war, wirkt heute bieder. Die Logik der Enthemmung kennt keine Sättigung, nur Eskalation.
Klar. Völlig klar. Noch fehlt ein Schluß…

da geht’s weiter:

Selbst Sigmund Freud sagt, dass der Triebverzicht die Grundlage jeder Kultur ist. Ohne dass wir manchmal auf etwas verzichten, worauf wir Lust haben, gäbe es keine Kultur.
Diese Stelle (hatten wir, siehe auch…) ist aber nicht die interessante, sondern:

Im Moment gibt es ein enormes Problem mit logischem Denken und mit der Erkenntnis der Wahrheit – das ist meine Diagnose als Psychiater.

Ich beobachte, dass offensichtliche Dinge nicht mehr wahrgenommen werden, weil sie nicht wahrgenommen werden wollen. Der Mensch entscheidet schon vor dem Denken: Das darf nicht sein. Und was nicht sein darf, kann auch nicht sein.

Sigmund Freud hat dieses Phänomen Verdrängung genannt. Das große Tabu unserer Zeit ist dabei nicht mehr Sexualität, sondern die eigene Schuld. Dass jemand selbst etwas falsch gemacht hat, wird erstaunlich häufig ausgeblendet.

Das große Tabu unserer Zeit ist dabei nicht mehr Sexualität, sondern die eigene Schuld.

Hmmm, das mal sacken lassen.

Wenn der unsagbare Satz nicht mehr ist: „Ich bin so geil!“ – sondern: „Ich hab’s vergeigt.“

Hippiepolitik

Als früherer irgendwie auch heute noch Ebensolcher darf ich das schreiben:

Die Hippies waren so sehr damit beschäftigt, Probleme zu vermeiden, daß sie nie gelernt haben, welche zu lösen.

(unbekannt)

Ein Teil der Hippiephilosophie ist nämlich dieses:

Das Nervige an der Situation ist weniger die Situation, als vielmehr deine genervte Reaktion.

Lerne, nicht zu reagieren, und das Generve wird ins Leere laufen.

Klingt ein bissel nach Buddhismus? Kann sein. Konsequent angewendet, führt das in paradiesische Zustände. Ignorieren. Weggucken. Schönreden. Erst mal einen kiffen. Super Konzept, funktioniert ganz ausgezeichnet. Vor allem, wenn die Folgen irgendwelche Anderen treffen. Die haben dann schlechtes Karma, kann man nichts machen. (Ironie off)

Dieses hier ist die logische Konsequenz.

„Vor unseren Anhörungen hätte ich nicht gedacht, dass es möglich ist, dass ein Mensch einem anderen Menschen so etwas Böses antun kann. Es ist möglich.”

(Archivversion) (Kommentar)

So was kommt dann raus. Wer hundert mal weggeguckt hat, muß auch das hunderterste Mal weggucken. Geht nicht anders.

Was natürlich für die einschlägig bekannten Komplementärtypen die Einladung ist, sich zu fühlen wie die Wikinger im Nonnenkloster.

On the Beach

Das wurde bis vor ein paar Jahren in Portugal noch mit unglaublicher Nachsicht geduldet.

(Praia do Barranco, 2006, die Drachen haben sich in ihre Höhlen verkrochen.)

Das konnte nicht so weitergehen. Die Szene…

Mittlerweile haben strategisch platzierte Findlinge sogar das Befahren des Strandes geregelt. Die Natur wird durch tonnenschwere Steine geschützt. Ironie der modernen Freiheit.

Natürlich gibt es eine Ordnung in diesem scheinbaren Chaos. Ganz vorne, strandnah, die echten Rebellen: verrostete Vintage-Busse aus Freiburg und München, bewohnt von bärtigen Typen ohne Kamm und mit mehr Kindern als funktionierenden Sanitäranlagen an Bord. Hühner laufen frei herum.

Eine faszinierende Spezies, aber für jemanden mit Scheitel wie mich völlig unerreichbar. Einmal hat mich tatsächlich einer gegrüßt – wahrscheinlich ein Versehen, ähnlich wie ich mal aus meinem T2 einem T3 zugewinkt habe, weil ich ihn für einen Luftgekühlten gehalten hatte.

Noch weiter oben in der Hierarchie der Authentizität: die Dreadlock-Träger in den Zelten jenseits der Findlinge. Die braungebrannten Erleuchteten, die am kargen Lagerfeuer in Dauerschleife rauchen und so weit draußen sind, dass sie wieder nett werden. Wer sich nur von Licht und Luft ernährt, braucht keine Toilette – zumindest theoretisch.

Die vielen braunen Spuren in der Umgebung erzählen allerdings eine andere Geschichte. Nächstes Mal bringe ich entweder mobile Toiletten mit oder stapelweise Kopien von « How to Shit in the Woods ».

Auf der einen Seite dieser traumhafte Strand. Auf der anderen Seite ein Felshang, den täglich etliche Hippies erklimmen – nicht für die Aussicht, sondern für Internetempfang. Oben angekommen berichten sie den Daheimgebliebenen, wie fantastisch das Offline-Leben ist.

…neigt leider in Teilen zu maximalinvasivem Auftreten, manchmal kann man nur flüchten bzw. als Anwohner nach der Polizei rufen.

In der Gegend gab es in einem Dorf einmal im Monat „Hippiemarkt“. Klingt gut, da fahren wir hin! Realität (2017): eine Woche lang Party auf dem Dorfplatz mit übersteuerter Reggae- Boombox und Dübel und Dosenbier. Warum ist bei solchen Veranstaltungen immer ein gehörgeschädigter Reggae- Typ dabei? Einmal im Monat für eine Woche haben die das durchgezogen. Mitten im Dorf. Ich hab mich geschämt für „meine“ Szene.

Originalton: „Die Dörfler sollen sich nicht so haben, wir sind eine kulturelle Bereicherung!“

Das war der Endpunkt einer Entfremdungsgeschichte. seufz.

Inzwischen wird in Portugal, so heißt es, rigoros gegen Wildcamper und Freisteher vorgegangen und ich sehe das absolut ein.

Trippy Landwehr

Wow. Hut ab! Respekt. Das hätte ich nicht drauf.

Ich meine… ich würde ja auch mal wieder… aber… in Berlin?!? Himmel! Das qualifiziert für den Balls Of Steel Award.

Der Text ist Literatur. Habe versucht, Senf dazuzugeben, selbigen aber wieder gelöscht.

(Meine Initiation mit Der Substanz war bei Vollmond am Barranco Beach. Damals, als man noch mit dem Auto direkt auf den Strand fahren konnte.

Bin dann mit Frau C. auf den beiden Wichteln (Sie sehen sie doch auch?) rumgekraxelt.

In der gegenüberliegenden Steilküste wohnen lachende Drachen. Doch, wirklich!)

In eigener Sache

Am Freitag, den 13. wurde der Login- Vorgang bei Vivaldi verdächtig langsam, heute früh ging gar nichts mehr.

Es gibt eine theoretisch denkbare Konstellation technisch- administrativer Art (keine Details bitte, Sicherheit, bla, unwahrscheinlich, aber man weiß ja nie), die dazu führen könnte, daß ich hier dauerhaft ausgesperrt bleibe.

Falls also auf dieser Seite über einen längeren Zeitraum nicht passiert, gucken Sie mal bei Loforo nach, dort würde ich ggf. Rauchzeichen geben.

Aber… egal.

Unaufgeregter Artikel zur Demographie.

Fast die Hälfte der Neugeborenen hat bereits einen Migrationshintergrund. Nach dem Abtreten der Boomer-Generation wird die Ursprungsbevölkerung zur Minderheit.

Es sei mir ein Selbstzitat gestattet:

Normalerweise müßten wir auf unserem Hof von einer Enkelkinderschar umringt sein. Normalerweise müßte ich auf der Zielgeraden zum Urgroßvater sein. Beides Fehlanzeige.

It’s the demography, stupid!

It’s all about Fortpflanzung!

Wir (die Ureinwohner dieser Weltgegend) haben weder eine r- Strategie noch eine schlagkräftige K- Selektion, der Rest ist Mathematik.

Wir sterben aus.

Via Mark (ja, das mit Westerwelle geht mir genau so).

Ein Buch…

… welches bei mir offene Türen einrennen wird – eigentlich ist es sinnlos, es zu kaufen…

In meinem Falle war es so: als ich seinerzeit wochenweise mit zwei kleinen Kindern unterwegs war, konnte ich mir keine Quatschideen leisten, das praktische Klarkommen mußte organisiert werden. Erst, wenn die Kinder wieder bei Frau Mutter abgegeben waren, durfte das linke und esoterische („grenzwissenschaftliche“) Geschwafel weitergehen.

Dann kam ein verantwortungsvoller Job, und irgendwann ist der Realitätssinn auch dauerhaft angesprungen.

… es läßt sich aber absehen, daß die Großmeister der Formulierkunst alles geben werden, also kaufe ich es, und weiß schon, wem ich es schenken werde.

Einen Auszug gibt es schon mal hier. Zu gut, um einen Absatz rauszuzitieren.

Der Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrags von Dieter Nuhr zum Sammelband „Wenn das Denken die Richtung ändert: Warum wir nicht mehr links sind“, der am 10. März bei Kohlhammer erscheint. Weitere Autoren sind u.a. Henryk M. Broder, Monika Gruber, Monika Maron und Harald Martenstein.

Meta- Meinung

Ende des Spektrums 1

Ende des Spektrums 2

Weiß ich jetzt auch nicht. Beides oder weder noch. Wobei… unangenehmer Gedanke: es ist ja gar kein Spektrum. Das sind die beiden verfeindeten Lager. Scheiße.

Aber diese Metabetrachtung gefällt mir:

Wie bei allen globalen Aufregerthemen der letzten Jahre (Corona, Gaza, Ukraine) zerlegt sich die deutsche Opposition in Ermangelung ausgereifter politischer Konzepte auch hier wieder in ein transatlantisches, ein amerika- und israelkritisches sowie ein esoterisch-pazifistisches Lager. Es wird erbittert aufeinander eingedroschen, die Enttäuschung über plötzliches „Friendly Fire“ inmitten der sogenannten Gegenöffentlichkeit ist riesig. An dieser Basis entfreundet nun Sofarentner Siegfried sieben seiner verbliebenen 20 Facebook-Mitstreiter und ist der Meinung, eine entscheidende Schlacht geschlagen zu haben. Dies lässt sich ohne Weiteres auf den aktuellen Zustand des gesamten regierungskritischen Lagers übertragen. Es wäre aus meiner Sicht besser, ein paar Tage die Klappe zu halten, um dann festzustellen, dass alle Lager ernstzunehmende Argumente in durchaus konsistent formulierten Kausalketten einbringen, diese aber dann nicht nüchtern abwägen, sondern ihre Wahrheit mit möglichst eindeutigen Freund-Feind-Bildern durchprügeln wollen. (…)

Suchen wir mal vorsichtig nach Schnittmengen…

Ich hab da ein ganz mieses Gefühl.

Epikur mit einer strategischen Einschätzung:

Es gibt derzeit nur wenig echte Informationen, dafür aber viel Framing, Moralisierung und Propaganda. Meine Einschätzung ist, ohne zu einem dieser zahlreichen Sofa-Generäle zu mutieren, ist, dass sich Israel und die USA hier übernehmen werden. Diese Enthauptungsschlag-und-Regime-Change-Politik, wird beim Iran nicht funktionieren.

Die zynische Hoffnung, dass nach der gezielten Ermordung von zahlreichen religiösen Führern und Militär-Angehörigen, das Volk sich erheben und »die Demokratie« fordern wird — ist an Naivität und Unkenntnis kaum zu toppen. Haben die im Pentagon und in der israelischen Regierung keine Iran-Experten oder Islamwissenschaftler?

Ich habe mal zwei Semester Islam belegen müssen und fand es sterbenslangweilig. Soll heißen: dem Islam kann man sich nicht auf die intellektuelle Tour nähern. Das ist kein philosophischer Debattiersalon. Das ist die Gemeinschaft der Gefolgschaft. Da geht es um Gottesliebe und bedingungslose Hingabe. Unterwerfung unter den Willen Gottes, der durch den Geistlichen Führer kundgetan wird.

Egal, wie Sie und ich das finden. Die werden das jetzt ausfechten. Und ja, es ist durchaus denkbar, daß Herr Trump irgendwann als absaufender Zauberlehrling dasteht. Europa ist sowieso geblaumeiert, machen wir uns nichts vor.

Ich versuche, mal was Phänomenologisches über die Urenkel Abrahams und ihre Eigenheiten zu machen. Hab schon was auf dem Diktiergerät.

Dorfhütten, EnBW- Paläste

Das hab ich nun davon. Schnell mal in unpassendem Kontext ein Zitat rausgehauen… wie fange ich das jetzt wieder ein?

Der Hessische Landbote ist als Revolutionsaufruf an die Landbevölkerung, sowohl gegen die adelige Oberschicht als auch (zumindest in Büchners Original) gegen das reiche, liberale Bürgertum zu verstehen, wobei Weidig später Büchners Begriff „die Reichen“ durch „die Vornehmen“ ersetzt haben soll, um gerade letztere Kritik abzuschwächen, die liberalen Bündnispartner nicht zu verprellen.

Historisch voraus ging das Hambacher Fest, auf dem sich zwar Oppositionelle aller Bevölkerungsschichten trafen, aber sich nicht zu einem gemeinsamen Handeln gegen die herrschende Klasse einigen konnten.

Gerade war ich als Gast bei der Gemeindevertreterversammlung:

Die Stadt Tübingen (Moderne Gesinnungsoberschicht plus reiches liberales Bürgertum) kauft in Brandenburg Land und ballert es mit Solarplatten voll, um die eigene Ökobilanz aufzubrezeln. Wir sind komplett mit Windrädern und Solarwüsten umstellt. Danke für nichts.

Frau U. und ich hatten vor Jahren gesagt: Hoffentlich bricht denen alles zusammen, bevor sie noch mehr Schaden anrichten. Es ist zu spät.

EDIT: Z.B. da:

Irgendjemand hatte gesagt: sie machen es hier, weil hier die Landbevölkerung nicht revoluzzt.

Oh, warte, das ist die Gelegenheit, den Auftritt von Nikolai Binner (letztens zu hektisch gepostet und wieder zurückgestellt) wieder reinzuholen: Der Landhippie in SpiegelOnline – und die komplette Show.