Zwei weitere Musikvideos von Adrien H. Tillmann zum Album Niebla von Gabriel Vicéns:
Vitor Gonçalves beweist in Guiza buchstäblich Fingerspitzengefühl. Seine an Morton Feldmans leise Klang-Stabiles (oder -Mobiles?) erinnernde Intro/Outro gibt eine Ahnung von der Komplexität der Tonbildung auf dem Klavier.
So viele verschiedene Arten, Tasten herunterzudrücken!
Und die Hände über den Tasten, die den aufsteigenden Klang zu beschützen oder zu modulieren scheinen – oder formen sie den Nachklang, bereiten Stille vor? Das Klavier als Theremin.
Die Minimalmelodie wird nach einer Minute vom Ensemble aufgenommen, das Tempo zieht an, und ungefähr ab der dritten Minute beginnt ein Bass-Solo von Rick Rosato, dem Gabriel Vicéns‘ Solo folgt, bewegt und entspannt zugleich. Dann Reprise des Ensemble-Teils und des reduktionistischen Tastenzaubers vom Beginn. Rarefiziertes Tönen … Verstummen. Ein Stück wie ein Traumgesicht, mit verschwimmenden Konturen. Edel.
Das spannungsvolle Stray Dogs hat seinen Titel nach einem Film von Tsai Ming-liang, einem Vertreter des Slow cinema, das Gabriel Vicéns bewundert. Es ist eines der Virtuosenstücke auf Niebla. Vicéns und Roman Filiú soloieren (gerade erfunden) abwechselnd, dann show time für den Pianisten, während der Perkussionist Victor Pablo, Bassist Rick Rosato und Schlagzeuger E. J. Strickland einen dichten, druckvollen Rhythmus darunter legen.
Niebla hat eben beide Seiten. Josef Woodard hat es in DownBeat treffend resümiert:
The album is an artful adventure of both the introspective and tastefully blowing kind.
Vermischte Meldungen
Die 400+ auf Entwurf gestellten Blog-Beiträge sind nun wieder online.
ocelot hat eine 20 Stunden-Stelle ausgeschrieben, siehe → hier.
Meine Insta-Buchempfehlung zu Dagmara Kraus‘ wille zur mache hat vierzig Likes bekommen, die von Hendryk zu Megan Nolans Kleine Schwächen 262. Da ich keine kompetitive Seite habe, ist das völlig in Ordnung. (Hendryk hat, glaube ich, auch keine kompetitive Seite.)
S. hat mich heute noch einmal an Laura Vazquez und ihren Roman Les Forces (2025) erinnert. Ich habe ihn daraufhin bei Zadig bestellt, zusammen mit ihrem Epos Le Livre du large et du long (2023).
À vrai dire, les deux livres que vous désirez commander, nous les avons en stock, schrieb mir Zadig zurück, und icke: Tant mieux !
Irgendwie bin ich in der Mailing-Liste des New Yorker Pianisten und Komponisten Phillip Golub. So erfuhr ich von einer kleinen USA-Tournee seiner Band Tropos, vor allem aber von deren CD Switches, die (wie so vieles andere) meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Das Abgefahrendste, was ich in den letzten Monaten gehört habe.
Interessehalber habe ich nachgesehen, seit wann ich Mitglied der Büchergilde bin: seit dem 25. Oktober 2007. In ihrem gut kuratierten Programm ist zuletzt ein Roman von Ursula K. Le Guin erschienen, den ich mir vorgemerkt habe: Das Wort für Welt ist Wald (Ü: Karen Nölle).



