Tycio 🎞️’s review published on Letterboxd:
1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 25
Der Adler
The Eagle
USA 1925
R.: Clarence Brown
73 Min.
Das kurze Leben des Italieners Rodolfo Pietro Filiberto Raffaello di Valentina d’Antonguella, besser bekannt als Rudolph Valentino zeichnet sich durch eine imposante Filmographie aus. Erst 1921 für Die vier Reiter der Apokalypse entdeckt drehte er in den fünf Jahren bis zu seinem Tod über zwanzig Filme. Alle hatten eines gemein: Valentino, der als "Latin Lover" im Fokus stand.
Valentino also ein frühes Beispiel des Type Castings der Traumfabrik, die für ihn schlussendlich zur Albtraumfabrik wurde. Der öffentliche Druck, der mit seinem Image als Sexsymbol einherging führte zu seinem frühen Ableben 1926.
Wie nachhaltig sich dieses fatale Renommee hält, zeigt sich schon allein daran, dass der Name Rudolph Valentino sich bis heute als ein Synonym für den romantischen Liebhaber hält.
Ironischerweise hat sich der Name Valentino im kulturellen Gedächtnis weitaus mehr tradiert, als die Filme, in denen er mitgewirkt hat. In Der Adler, einer Verfilmung des Puschkin-Romans "Dubrowsky", spielt Valentino seine vorletzte Titelrolle und - obgleich einer seiner populärsten Filme - findet sich auch dieser vermutlich nur wegen seines Hauptdarstellers in den namhaften Kanones wieder.
Valentinos desertierter Leutnant Dubrowsky, der hier das Alter Ego des Schwarzen Adlers annimmt, ist nicht nur Vorläufer ikonischer Abenteuerhelden wie Zorro und Robin Hood, sondern zeitgleich natürlich unantastbare Ikone, die Frauenherzen anschwellen und Männerbeine wackelig werden lässt. Der Adler ist ob seiner humoresken Elemente ein beispielhaftes Melodram, das einige Opfer fordert. Allen voran die Integrität der Herrscherin Russlands Zarin Katharina der Großen, die von der Geschichtsschreibung als unerbittlich beschrieben wird, nur um das legendäre Image Valentinos nicht anzukratzen, der hier sogar alleine gegen einen ausgewachsenen Bären bestehen kann.
Dem armen Bären merkt man sein gebeuteltes Schicksal als dressiertes Zirkustier übrigens in jeder Sekunde an. Rudolph Valentino nicht. Am Ende war er sich seiner letalen Bürde mehr als bewusst:
„Ich bin die Leinwand, auf der Frauen ihre Träume ausmalen“, sagte er in einem Interview.
Noch 976 Filme.
Noch 10 Jahre, 8 Monate und 28 Tage.
{Gesamtspieldauer: 2.886 Minuten}
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