Tycio 🎞️’s review published on Letterboxd:
1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 24
Der Dieb von Bagdad
The Thief of Bagdad
USA 1924
R.: Raoul Walsh
139 Min.
Die Geschichte des Superheldenfilms beginnt bereits hier, mit den Kostümfilmen von Douglas Fairbanks. Mit Das Zeichen des Zorro (1920), mit Robin Hood (1922) und nicht zuletzt mit diesem hier, dem Höhepunkt seines Schaffens als Abenteuerheld: Der Dieb von Bagdad. Die kostümierten, äußerst heroischen, grazil gespielten Figuren Fairbanks' waren eine der großen Inspirationsquellen für die Comicfiguren, die später als Superhelden populär werden würden. Vom Film, zum Comicheft, zurück zum Film.
Tatsächlich ist Der Dieb von Bagdad so im wörtlichen Sinn fantastisch, wie man es von den bunten Comicabenteuern später kennt. Das liegt vor allem an der makellosen Ausstattung von William Cameron Menzies, der auf dem größten Areal der Geschichte Hollywoods, nämlich über 2.600 Quadratmetern, die mystische persische Welt errichten ließ. Inklusive allerhand schillernder Kulissen, grotesker Kreaturen und natürlich geschmeidiger Kostüme. Dieser handgemachte Bombast ist selbst heute, einhundert Jahre später, noch überaus beeindruckend anzusehen.
Menzies ist weitläufig akzeptiert der einzige Name, der bei Der Dieb von Bagdad neben Fairbanks auf einer Stufe genannt wird. Selbst Raoul Walsh scheint als Regisseur reine Staffage, denn das Gesamtkonzept dieses Films beruht auf Fairbanks' Visionen. Douglas Fairbanks, der hier seinem Ruf als einer der größten Stars der Stummfilmära Tribut zollt.
Leider ist die Egozentrik des Hauptdarstellers in jeder seiner Szenen als Komparse präsent. Selbstverliebt tänzelt und stolziert Fairbanks durch das Set, wirkt durch sein schmieriges Overacting eher wie ein Fremdkörper in seinem eigenen Werk. Aber das ist er wohl, der Starkult der Goldenen Ära.
In den handverlesenen Momenten, in denen Der Dieb von Bagdad tatsächlich das Zauberhafte aus 1001 Nacht zulässt, ist er ein überzeitliches, fantastisches Abenteuer, das bis heute begeistert und die narrativen Grundlagen seines Genres maßgeblich geprägt hat.
Noch 977 Filme.
Noch 10 Jahre, 9 Monate und 8 Tage.
{Gesamtspieldauer: 2.813 Minuten}