Tycio 🎞️’s review published on Letterboxd:
1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 23
Gier
Greed
USA 1924
R.: Erich von Stroheim
140 Min.
Gier ist „das Skelett meines toten Kindes“, sagte Stroheim mit Blick auf die massakrierte Version seines Filmes, den MGM von guten neun Stunden Laufzeit auf knapp über zwei heruntergeschnitten hatte. Stroheim, der große größenwahnsinnige Visionär Hollywoods wollte den Roman „McTeague“ des Naturalisten Frank Norris ebenso naturalistisch verfilmen. Jede Seite des Buches, jedes Detail hatte umgesetzt zu werden.
Dabei mussten auch die Drehbedingungen möglichst akurat sein. Stroheim bestand darauf, dass die Darstellenden in der ärmlichen Wohnung, in der sie drehten, tatsächlich auch leben. Die Bierflaschen mussten trotz Prohibition mit echtem Bier gefüllt sein. Das Finale wurde tatsächlich im Death Valley gedreht. Kameras wurden mit feuchten Tüchern eingeschlagen um nicht zu überhitzen. Ein Mitarbeiter starb.
Aber das Filmmaterial überlebte. – Bis MGM es vernichtete. Die vollständige Fassung von Gier sahen nur ein Dutzend Menschen.
Nach Gier drehte Erich von Stroheim zwar noch einige wenige Filme, fokussierte sich aber fortan auf das Schauspiel. Er ist eines der frühen Beispiele dafür, wie die Intervention eines Studios die Vision eines Künstlers zerstörte.
Schließlich schaut sich Gier auch in seiner minimierten Fassung überaus gut. Stroheim inszeniert einen frühen Radikalschlag gegen den Kapitalismus, indem er das große Thema in die Mitte der Gesellschaft holt. In Gier gibt es keine sympathischen Figuren und selbst diese verwandeln sich im Verlaufe der Handlung in noch größere Unsympathen. Geld korrumpiert. Geiz ist nicht geil.
Stroheim zeichnet eine brachial ehrliche Welt, in der die Liebe nicht existiert. Alles ist Handel. Alles Lug und Trug.
Gier ist Stroheins Opus Magnum. So oder so.
Die überschüssigen Filmrollen vernichtete MGM übrigens wegen des darin enthaltenen Silbers. Soviel zur Gier. Schöne Ironie!
Noch 978 Filme.
Noch 10 Jahre und 10 Monate.
{Gesamtspieldauer: 2.664 Minuten}
Vorheriger Film: The Great White Silence
Nächster Film: Der Dieb von Bagdad