Battleship Potemkin
★★★★★

Rewatched 16 Jan 2025

1001 Filme, die ich gesehen haben möchte, ehe ich 50 werde
(in chronologischer Reihenfolge)
∆ Kapitel 27

Panzerkreuzer Potemkin
Броненосец Потёмкин [Bronenossez Potjomkin]
UdSSR 1925
R.: Sergej M. Eisenstein
75 Min.

Wo er mit Streik erfolgreich erste Experimente im sozialistischen Propagandafilm ausgetestet hat, schiebt Sergej Eisenstein noch im selben Jahr sein Opus Magnum hinterher: Panzerkreuzer Potemkin.
Basierend auf der historischen Meuterei auf dem Schlachtschiff »Knjas Potjomkin Tawritscheski« im russischen Revolutionsjahr 1905 zeichnet Eisenstein in seiner Version nicht nur ein Pamphlet auf den sozialistischen Freiheitskampf, sondern das Sinnbild und die Inspiration für jegliches Aufbegehren aus dem Volke, für jegliche Befreiung von einem unterdrückenden System überhaupt.

Eisensteins Inszenierung ist ideologisch geprägt, absolut politisch und durch seine geschickte Montage hochgradig manipulativ. In Panzerkreuzer Potemkin gibt es kaum eine benannte Figur. Archetypen dominieren die Handlung. Seemänner, Soldaten, Zivilisten, Mütter, Arme und Reiche. Das Identifikationspotenzial ist hoch. Sich zu empören liegt nahe. Eisenstein macht die Form zum Spielball des Inhalts: Licht und Körper, Gesichter, Bewegungen und Symbole vereinen sich zu neuen Erzählformen und Rhythmen.
Für Eisenstein war Film ein dialektischer Prozess, sowohl in der Aufeinanderfolge der Bilder und Sequenzen, als auch im Dialog mit dem Publikum, das er dem Werk ebenbürtig sah.
Die Kunst der Montage, die die Filmlandschaft fortan verändern sollte, wird besonders deutlich in der wohl bekanntesten Szene des Films, einer der berühmtesten der Filmgeschichte: das Massaker auf der Hafentreppe in Odessa, auf der zaristische Soldaten unschuldige Zivilisten quasi niedermetzeln. Spannung und Bedeutung werden hier allein durch das Gegenüberschneiden von Ereignissen aufgebaut. Ein niedergetrampelter Junge, eine zerschossene Brille, ein herrenloser Kinderwagen.
Da erwacht sogar der steinerne Löwe vor dem Opernhaus – ein ebenso ikonisches Bild.
Doch ob oder gerade wegen dieser erbarmungslosen Brutalität: die Brüder widersetzen sich, vereinen sich. Am Ende darf die Potemkin ziehen, am Ende bleibt die Hoffnung.

Vielleicht ist Panzerkreuzer Potemkin heute, einhundert Jahre später, da das jüngste Massaker in Odessa noch gar so lange nicht her ist, in einer Zeit also, in der das Volk sich gegen kriegstreibende Oligarchen erheben müsste, ja wichtiger denn je?


Noch 974 Filme.
Noch 10 Jahre, 8 Monate und 19 Tage.

{Gesamtspieldauer: 3.054 Minuten}


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